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Archiv für 2014

„Schwein gehabt“ und andere Glücksmomente zum Jahresabschluss

Kennen Sie diesen Kalauer? Ein ausländischer Student gewinnt ein Stipendium in Deutschland. Zur Feier wird er in die Deutsche Botschaft eingeladen. Dort lernt er die Frau des Botschafters kennen. Sie gratuliert ihm zum Stipendium mit den Worten: „da haben Sie aber Schwein gehabt“. Dieser Satz übersteigt den aktuellen Sprachschatz des Studenten und die Botschafterfrau erklärt ihm, dass dieser Ausdruck in der deutschen Umgangssprache bedeutet: „da haben sie großes Glück gehabt“.
Kurze Zeit später fragt ihn der Botschafter selbst, ob er schon seine Frau kennengelernt habe. Da wollte unser bedauernswerter Student seine neuen Deutschkenntnisse anbringen und antwortet: „ich hatte schon das Schwein“.

Und damit sind wir bei der ersten Story. In Connecticut (wo auch sonst) stieg eine Frau mit einem kleinen Hausschwein im Handgepäck (eine Empfehlung ihres Therapeuten gegen Flugangst!) ins Flugzeug. Die Kabinencrew hielt das Schwein fälschlicherweise für ein Stofftier. Kaum hatte die Frau Platz genommen, zeigte das kleine Schwein seine Lebendigkeit, flitzte durch das Flugzeug, um letztendlich in bester „Depardieu-Manier“ seine Notdurft im Gang zu machen. Da war dann auch Ende des Fluges für Frau und Therapie-Schwein. Somit hatten die Fluggäste „Schwein gehabt“, dass das schweinische Abenteuer schon vor dem Start „aufgeflogen“ war.

Kein „Schwein gehabt“ hatte der Kabinenchef eines Korean Air-Fluges. Während das Flugzeug in New York zum Start rollte, servierte eine Flugbegleiterin einer Dame in der First Class ein paar Macadamia-Nüsse. Leider nicht servicegerecht im Schälchen, sondern noch in der Tüte. Wie schrecklich, denn die First Class-Lady (war sie eine Lady?), war leider Mrs. Cho Hyun Ah, Vizepräsidentin von Korean Air. Sie war über diesen Service-Fauxpas so sauer, dass sie die Maschine zurück zum Terminal rollen ließ, der Kabinenchef musste sich niederknien und entschuldigen (Niederknien! Herzliche Grüße nach Frankfurt, Berlin, Köln, Hannover und andere Airline-Standorte). Trotzdem wurden er und eine Flugbegleiterin sofort vom Dienst suspendiert.
Leider hatte die wütende Managerin bei dieser Aktion selbst „kein Schwein“. Denn zuhause in Südkorea war der shitstorm in den sozialen Netzen so groß, dass sie als Vizepräsidentin zurücktreten musste. Der Boss von Korean Air entschuldigte sich öffentlich (so etwas gibt es auch nur in Südost-Asien?) für diesen Vorgang. Dummerweise ist Cho Hyun Ah auch die Tochter des Airline-Bosses, deshalb fügte er noch –vor laufender TV-Kamera hinzu- „ich entschuldige mich auch dafür, dass ich meine Tochter so schlecht erzogen habe“. Wow!!
Die Story ist noch nicht ganz zu Ende. Schlechtes Benehmen verliert sich ja nicht so von jetzt auch nachher. Da die Crew im Nachhinein unter massiven Druck gesetzt wurde, ihre Aussagen zurückzunehmen, wurde jetzt Haftbefehl gegen Cho Hyun Ah ausgesprochen. Da sitzt sie nun im Knast ganz ohne Nüsschen und „Schwein“ gibt es nur in ganz kleinen Portionen aus der Gefängnisküche.

Irgendwie ein Problem in der Kinderstube muss auch eine andere Dame gehabt haben. Denn auf einer Schulungskonferenz einer Schweizer Unternehmensberatung, erklärte Frau Ursula Schütze-Kreilkamp, seit zwei Jahren bei der Deutschen Bahn !!! für die Rekrutierung von Managern verantwortlich, dass sie für die Bereiche Finanzen, Controlling und Compliance „gerne Zwanghafte“ einstelle, gerne mit „einer schönen Angststörung“. Diese Mitarbeiter seien „superpedantisch“.
Alle Bahnkollegen und –kolleginnen, die in 2014 im Umgang mit diesem Bereich „kein Schwein hatten“, wissen jetzt warum.
„Superpedantisch“ wie die Bissigen Bemerkungen zuweilen sind, sei noch darauf hingewiesen, dass Frau Schütze-Kreilkamp im Nachhinein bemerkte, sie habe bei der genannten Veranstaltung nicht als Bahn-Personalmanagerin gesprochen. Ebenfalls kleine Angststörung bekommen?

Eine massive Angststörung haben die Bissigen Bemerkungen beim Lesen dieser Überschrift in der BILD-Zeitung vom 27.12.2014 bekommen: „Crashkurs bei der Lufthansa. In drei Tagen werden Schreibtischtäter zu Piloten“!
Übertreibt Lufthansa hier nicht in ihrem Sparkurs? Oder sollen diese Schmalspur-Piloten beim nächsten Streik einspringen? Angeblich nichts von alldem. Dieser Crashkurs gilt als „Weiterbildung“, aber nicht im Sinne von Weiterbildung auf künftigen Job, sondern „nur“ als Horizonterweiterung.
Da haben aber alle Lufthansapassagiere nochmals richtig „Schwein gehabt“.

Auf ein gutes Jahr 2015!

Sorry für alle „Schwein gehabt“-Meldungen, die hier aus Platzgründen nicht mehr untergekommen sind, z.B. wie viel „Schwein wir alle gehabt haben“, dass bei den eklatanten Sicherheitsmängeln in Frankfurt und Düsseldorf nichts passiert ist usw. usw.

Wer zum Jahresabschluss auch noch Bissige Bemerkungen „hören will“, dem sei unbedingt der Reiseradio von Jürgen Drensek empfohlen. Da wird das Touristik-Jahr 2014 in bester „Statler und Waldorf“-Manier nochmals von mir abgelästert und zwar ausführlich.
Siehe http://travel-radio.eu/borns-bissiger-jahresrueckblick/
Wer die Sendung insgesamt hören will, dem sei http://travel-radio.eu/tag/collection182/ empfohlen.

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Entschuldigung und frohe Weihnachten

Leider, das macht man gar nicht gerne, muss ich mit einer „riesengroßen“ Entschuldigung beginnen. Ich habe letzte Woche, erstmals seit 13 Jahren (!), die BBBs vergessen. Echt. Ich hatte so viel Neues (Positives) im Kopf und da ist es einfach passiert. Das ist mir deswegen besonders peinlich, weil es in der Woche zuvor überproportional viele Newsletter-Neuanmeldungen gab. Was mögen diese neuen BBBs-Fans, angeregt durch eine Vortragsveranstaltung zuvor, gedacht haben, als direkt nach der Anmeldung „Nichts“ passierte. Ich hatte dort auch noch ausgeführt, wie wichtig die Regelmäßigkeit für Homepage und Newsletter ist. Kommt nicht wieder vor!

Dabei sollte letzte Woche das Statement von TUI-CEO Joussen aufgegriffen werden, der anlässlich der erfolgreichen Börsenplatzierung der neuen re-integrierten TUI wieder von dem weltgrößten “integrierten Touristikkonzern“ sprach. Das war für den Verfasser der BBBs, einst (mit dem früheren TUI-CEO Ralph Corsten) Wegbereiter und Verfechter für einen „integrierten Konzern“ Musik in den Ohren. Endlich wieder „eine“ TUI und keine (nicht immer konzernoptimale) „Extraschleife“ in London (siehe auch BBBs best of vom 8.1.2007: „Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristikfirmen“). Damit könnte sogar mein 500-Seiten-Schmöker aus 2003 „Der integrierte Touristikkonzern“ (Herausgegeben mit meinem Hochschulkollegen Bastian und vielen Mitautoren aus der Touristikbranche, z.B. Stefan Pichler, ab 1.2.2015 CEO Air Berlin oder Harry Homeister, damals Thomas Cook, heute CEO Swiss und Vorstand Lufthansa oder Dr. Volker Böttcher, damals TUI und heute Prof. in Wernigerode und vielen anderen bekannten Namen) wieder zu Ehren kommen.

Die Bissigen Bemerkungen und ich auch persönlich wünschen allen Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen ein frohes Weihnachtsfest, schöne besinnliche Stunden und vielleicht auch das eine oder andere tolle Festgeschenk. Und wie jedes Jahr soll nur in den Festbraten gebissen werden, deshalb halten sich die BBBs hier und heute etwas zurück.

Aber in der folgenden Woche, noch bevor das Jahr 2014 zu Ende gehen wird, „hauen wir nochmal eine richtige BBB raus“. Versprochen und wird auch gehalten!

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Einen Fachmann als Touristik-Boss. Wer will denn so etwas?

Für viele mag der (freiwillige?) Rücktritt von Harriet Grenn bei Thomas Cook überraschend gekommen sein, nicht für die BBBs. Kurz zuvor wurde nämlich den BBBs ein Video „zugespielt“. Da erklärte Harriet Green allen Ernstes, sie habe alle 5.000 Kommentare der TC-Mitarbeiter zur letzten Mitarbeiterbefragung persönlich gelesen („fremdsprachliche wurden extra dafür übersetzt“). Da die BBBs unterstellt haben, dass Frau Green nicht schwindele, haben sie schnell nachgerechnet wieviel Arbeitstage Frau Green dafür gebraucht haben könnte, an denen sie sonst nichts anderes arbeiten konnte ( oder doch nur heiße Luft?). Bevor wir zu einem belastbaren Ergebnis kamen, wurde schon gemeldet „Green ist weg“. Ob TC-Chairman Frank Meysman auch gerechnet hat?

Auf jeden Fall fanden wir einen Satz in seiner Pressemeldung besonders erwähnenswert: Nun sei es an der Zeit einen „Branchenfachmann“ mit der weiteren Umsetzung zu beauftragen.
So etwas hatten wir schon lange nicht mehr gelesen.

Gerüchten zufolge soll der neue CEO Peter Fankhauser erklärt haben, 5.000 Kommentare zu der nächsten Mitarbeiterbefragung persönlich zu lesen würde nicht auf seiner Agenda stehen. Er wolle lieber daran arbeiten, dass nicht wieder soviele Kommentare notwendig werden.
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Fundstücke
Trotz mehrfacher Verschiebung des Eröffnungstermines sind immer noch Kabel falsch gelegt, die automatische Brandmeldeanlage funktioniert nicht und die Notstromversorgung ist mangelhaft. Mit einer „Mensch-Maschine-Lösung“ will man diese Probleme vorübergehend überbrücken.
Nein, das ist keine Meldung aus der Zeitmaschine zum BER, sondern eine aktuelle Meldung zum neuen Berliner Superkaufhaus „Mall of Berlin“. Wenn Wowereit dafür nicht verantwortlich ist, muss es an der Berliner Luft liegen.
Das Bezirksamt Mitte hat jetzt zu einem Statusmeeting geladen. Im Unterschied zum BER hat die Mall eine Genehmigung zur „vorübergehenden Eröffnung erhalten“. Dies wurde übrigens mit viel Pyrotechnik gefeiert. Das war auf jeden Fall „Brandgefährlich“.

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Advent, Advent, die Statistik brennt

Von Churchill soll angeblich die Weisheit stammen: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Bei zwei Statistiken in dieser Woche könnte man auch sagen: „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst interpretiert hast“.

Nicht zum ersten Male hat sich wieder lastminute.de hervorgetan. Angeblich gaben fast 20% der Befragten aus Deutschland an, schon einmal Sex über den Wolken gehabt zu haben. Da scheint aber mancher lüsterne Gedanke in der Befragung zur Wirklichkeit umdefiniert worden zu sein. Achtung, Formulierung speziell für Mathe-Loser: „Jeder Fünfte soll schon Sex über den Wolken gehabt zu haben. Never. Höchstens jeder Dritte“.

Aber auch focus.de hat aufs Übelste manipuliert. Headline am 13.11.2014: „Die fünf unbeliebtesten Reiseziele der Welt“. Man nimmt an, dass jetzt die dunkelsten Ecken dieser Erde genannt werden. Weit gefehlt. Kiribati, Liechtenstein, Palau, St. Vincent und Dominica sind Traumziele. Woher der Widerspruch? Eigentlich meinte focus.de die am „wenigsten besuchten Reiseziele“ (Reisedauer?). Aber einen solchen Bericht würde niemand lesen wollen, deshalb die Reißer-Überschrift mit den „unbeliebtesten“ Zielen. Die BBBs sind auch fast reingefallen. Schämt Euch bei focus.de.

Aber auch die Liste der „beliebtesten Reiseziele“ steckt lt. Focus voller Überraschungen. Auf Platz 19 weltweit liegt demnach Saudi-Arabien. Überraschung? Nein, da zählen auch die Pilger nach Mekka mit.

Ganz vorne bei focus liegt Paris bzw. Frankreich. Da wollen wir doch mal mit der größten touristischen Statistiklüge überhaupt aufräumen. Sorry Frankreich. Gezählt werden in dieser Statistik die internationalen Touristen, d.h. ein Tourist, der von Luxemburg nach Frankreich reist ist ein internationaler Tourist, wird gezählt. Ein Tourist, der von Amsterdam, über Belgien nach Frankreich reist ist ebenfalls ein internationaler Tourist, wird sogar zweimal gezählt. Aber, ein amerikanischer Tourist, der von New York nach Las Vegas reist, ist „nur“ ein nationaler Tourist und wird in dieser Statistik überhaupt nicht gezählt. Deshalb hat Las Vegas traumhafte Besucherzahlen, liegt aber in der internationalen Statistik überraschend hinten. Irgendwann werden sie in Las Vegas die Hotelgäste von den Hotels Luxor, Monte Carlo, Paris, Venetian, Tahiti u.a. als internationale Gäste zählen (die meisten amerikanischen Besucher glauben ja ohnehin, sie wären original dort gewesen).
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Fundstück (soll künftig regelmäßige Rubrik werden):
Wieder einmal hat ein Gericht „fluege.de“ auf die Finger gehauen: Zitat: „Bei Fluege.de befand sich neben dem Preis der Schriftzug „+ 15 Euro p.P. Ticketschutz“ und unmittelbar daneben das Wort „Prüfen“. Im nächsten Schritt war das Kästchen für die Buchung voreingestellt. Nach Auffassung des Gerichtes war für den Verbraucher nicht erkennbar, dass bereits beim Anklicken des Buttons „Prüfen“ eine kostenpflichtige Buchung erfolgte“.
Wer macht immer Werbung für diesen Verein? Richtig, Reiner Calmund. Aber der schläft ja immer im Werbefilm, der weiß bestimmt nicht wie hier getrickst wird (?).

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Eine Überschrift, die leicht wütend macht

Am Freitag war wieder Bundespresseball. Eine leicht dekadente Veranstaltung, die normalerweise die BBBs nicht interessiert und jetzt erstmals im Flughafengebäude von Tempelhof stattfand. Über einer an sich nicht aufregenden dpa-Meldung dazu stand die Headline: „Austern auf dem Gepäckband“.
Dummerweise haben die BBBs ein gutes Gedächtnis. Blenden wir zurück in das Jahr 2008. Der Berliner Senat, speziell ein gewisser Herr Wowereit, wollte entgegen aller logischer Argumente unbedingt den funktionierenden Flughafen Tempelhof, gegen den Wunsch der Anwohner (so etwas war einmalig in der Welt, die ein Volksbegehren hierzu durchgesetzt hatten), schließen. Als Wowereit merkte, dass ihm die Felle wegzuschwimmen drohten, griff er tief in die polemische Trickkiste. Da seine Behauptung, ohne Schließung von Tempelhof, sei der Ausbau von BBI (so hieß der Berliner Nicht-Flughafen BER damals) gefährdet, von bedeutenden Rechtsexperten widerlegt war, wurde mit polemisch-primitiven Plakaten (z.B. einer Mutter mit Kind auf dem Arm, die gegen „einen Flughafen für Reiche“ protestiert und einen Bauarbeiter „ich will keinen VIP-Flughafen“) Stimmung gemacht.

Ok, wir wissen das war alles Mumpitz, getrickst und gelogen. Und genau diese Plakate kamen jetzt den BBBs in den Sinn. Kein VIP-Flughafen, aber da bis heute (sechs Jahre danach) jegliche sinnvolle Nachnutzung für Tempelhof fehlt, finden dort Modeschauen („bread and butter“) und ein VIP-Presseball statt. Und auf dem seit Jahren ungenutzten Gepäckband laufen Austern umher. Bitte, das geht überhaupt nicht. Liebe Berliner, lasst Euch doch nicht alles bieten.

Quasi als Krönung des Ganzen, war dann heute in einer Sonntagszeitung ein Bild unseres Bundes-Gaucks zu sehen, wie er in der Flughalle Tempelhof, auf dem Gepäckband steht/fährt und über das ganze Gesicht strahlt wie wenn er die Super-Auster persönlich wäre. Es macht die BBBs wütend, wenn man sieht, wie er immer mehr am Feiern Gefallen findet und gleichzeitig mehr militärische Präsenz unserer Soldaten an den Brennpunkten dieser Welt fordert. „Ruck-Reden“ zu den wirklichen Problemen dieser Welt? Fehlanzeige, höchstens inhaltlich und zeitlich unpassende Bemerkungen über ein absolut zweifelsfrei demokratisch gewähltes Parlament in Erfurt.
Sorry, der letzte Absatz ist heute etwas politisch geworden.
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Es gibt immer wieder mal Fundstücke in der Presse, die für eine eigenständige BBB zu wenig, aber zu schade zum Überblättern sind. Beispiel taz: „Auf Seite 36 des November Bordmagazins der Lufthansa findet sich ein großer weißer Aufkleber, der Text verbergen soll. Wenn man das vorsichtig ablöst, findet man darunter u.a. goldbraun gebackene Kekse in Penisform, aufgereiht in einem silbernem –räusper- Ständer. Eigentlich lustig – und doch zog Lufthansa blitzschnell den Schwanz ein“.
Ist doch nett, oder? Wer übrigens die 265.000 (!) Exemplare des Lufthansa-Magazins überklebt hat, konnte nicht recherchiert werden.

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Der ganz „normale“ alltägliche Irrsinn

Der tägliche Irrsinn spielt sich immer so zwischen Wundern, Ärgern, kleinen Freuden und das ganze wieder von vorne ab.

Vor zwei Wochen hatten die BBBs mal wieder auf das Dauerärgernis „Bettensteuer und andere Mogelbezeichnungen“ hingewiesen. Speziell wurde Travemünde erwähnt, die Bettensteuer und gleichzeitig Kurtaxe erheben. BBB-Zitat: „Wahrscheinlich trägt der Kämmerer auch Gürtel und Hosenträger“. Künftig muss er mit „nur“ einem von beiden auskommen. Beides zu erheben (was Travemünde schon seit drei Jahren macht) ist nicht gestattet. Mist, dass es immer solange dauert, bis sich die normale Vernunft durchsetzt.

Aber verlassen kann man sich darauf nicht. Wir hatten schon mehrfach die übereifrigen Bettensteuer-Eintreiber von Köln und Dortmund erwähnt (zuletzt 15.9.2014). Nachdem beide Städte durch alle Instanzen auf die Nase gefallen sind, stricken sie schon wieder an einer neuen Variante. Einsicht sieht anders aus. Besonders dreist geht dabei Dortmund vor. In der neuen Satzung hat man bei dieser Gelegenheit die Steuer von 5% auf 7,5% erhöht. Nach dem Motto: Man hat uns zwar die Erhebung verboten, aber nicht die Erhöhung.
Geht´s noch? Natürlich wird auch dagegen wieder geklagt und obsiegt werden. Aber Köln hatte schon vor Jahren deutlich gesagt: Wir werden notfalls immer wieder ändern und neu erheben.

Wenn wir schon beim Thema „Einsicht“ sind. Beim DEHOGA-Branchentag gab es auch ein Thema zum „Schmunzeln“. Höflich formuliert. Neben anderem beklagte sich die Branche über das Arbeitszeitengesetz, das total an der gelebten Wirklichkeit vorbei geht.
Reaktion Kanzlerin: „Ich nehme die Bedenken auf“; Reaktion Arbeitsministerin Nahles: „Ich werde mir das nochmal ansehen“; Reaktion Wirtschafts-Staatssekretärin Gleicke: „Ich sage Ihnen zu, dass ich mir das anschauen werde“. Vorausschauende Politik sieht anders aus, die „schaut vorher“. Die BBBs hatten vor kurzem von „zwei offenen Ohren“ gesprochen, links rein und rechts raus. Hier wird es mit „2x Schauen“ enden: Hingeschaut und dann wieder weggeschaut. Wollen wir wetten?
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Nachlese:
Vorerst sieht es nicht gut aus um Thomas Middelhoff. Ein Urteil mit drei Jahren Gefängnis und Verhaftung noch im Gerichtssaal (wegen Fluchtgefahr) war wohl vollkommen außerhalb des gestörten Wahrnehmungsvernehmens von Middelhoff. Die BBBs wollen hier keine Häme ausstreuen. „Recht gehabt zu haben bei Beurteilung dieses Blenders“, genügt den BBBs als Befriedigung.
Aber umgekehrt war der Kommentar von n-tv total an der Wirklichkeit vorbei. Zitat: „Middelhoff verdient Mitleid, weil er selbst ohne Gefängnis schon bestraft genug ist. Wer sich am finanziellen und sozialen Absturz des Top-Managers ergötzt, vergisst, dass es sich um einen Menschen handelt:“
Abgesehen davon, dass er zumindest in der Touristik nur formal aber nicht inhaltlich ein Top-Manager war, sollte man sich seine Begründung in Erinnerung rufen, warum die Einladung seiner Arcandor-Vorstandskollegen auf seine Jacht vor St. Tropez dienstlich und nicht privat war: „Wir haben dort beschlossen, das Sanierungsprogramm zu verschärfen und 4.000 Arbeitsplätze zu streichen“. Lieber n-tv Kommentator: Daran gedacht, dass dies auch 4.000 Menschen waren?

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9.11.1989 – 9.11.2014

An einem solchen Tag kann man nichts Bissiges denken.
Zwei Erlebnisse im Themenzusammenhang:

August 1961. Ich hatte als Jugendlicher einen vier Wochen Aufenthalt in der Heimvolkshochschule in Rothenburg/Fulda geschenkt bekommen. Thema: Politische Bildung (die „West-Regierung“ war damals auch nicht ohne). Als Höhepunkt waren drei Tage in Berlin vorgesehen. Niemand konnte bei der Anmeldung ahnen, dass wir Geschichte live erleben durften. Wir waren direkt dabei als die Mauer gebaut wurde. Mit einer kleinen Gruppe wollten wir dann auch Ost-Berlin besuchen, für Westdeutsche eigentlich kein Problem. Leider hatte einer von uns vorher den Mauerbau fotografiert. Ergebnis: Einreise abgelehnt. Ich, vorlaut wie immer, „heißt das, Sie lassen uns nicht einreisen? Warum?“. Antwort des Grenzers: „Noch ein Wort und sie bekommen eine Woche politische Bildung“. Ich beschloss darauf zu verzichten, obwohl…. es eigentlich interessant gewesen wäre von Ost und West politisch gebildet zu werden.
Tage später: Wir fuhren im Bus mit der Gruppe an den Grenzzaun Hessen/DDR. Ein einsamer Grenzsoldat hatte auf der „anderen“ Seite Dienst. Wir kamen ins Gespräch und fragten ihn, ob er nicht mit uns zurück in den Westen fahren wolle. Er lehnte ab wegen seiner Familie. Danach schrieb ich über dieses Gespräch meine allererste Geschichte für das Radio mit dem Titel: „Es war noch ein Platz im Bus frei“.

Herbst 1989: Ich war Direktor Flugverkehr bei TUI. Die neue Zeit zeichnete sich bereits ab. Wir hatten Kontakt zur DDR-Fluglinie Interflug und die erste Flugkette ab Berlin-Schönefeld nach Mallorca war vereinbart. Der Knaller war: Man konnte diese TUI-Pauschalreise, die ohnehin schon preisgünstig war, zur Hälfte mit Ostmark und D-Mark bezahlen. Kaufen konnte man diese Reise nur in einem Reisebüro am Alexanderplatz (Name habe ich leider vergessen). Ich reiste am Abend vorher an um den Verkauf am nächsten Tag live zu erleben. Was da passierte war unglaublich. Die Menschen standen die Nacht über vor dem Reisebüro Schlange um morgens dann diese Flüge zu buchen. Ein einmaliges Erlebnis, eine fast unendliche Menschenschlange vor einem Reisebüro. Leider durfte ich das nie mehr erleben, dass Menschen Schlange stehen um TUI im Reisebüro zu buchen.

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Europa ist weiter geworden

Erinnern Sie sich noch an das BBB-Adventstürchen Nr. 19 vom 19. Dezember 2013? Da hatten die BBBs über ein Interview berichtet, das der Luftfahrtjournalist Andreas Spaeth mit Stefan Pichler, CEO von Fiji Airways und früher CEO von Thomas Cook, geführt hatte.
Zitat:
Frage Spaeth: „Kam für Sie (also Pichler) der Top-Job bei Air Berlin in Frage?“
Antwort Pichler: „Ja, ich wurde darauf angesprochen. Aber ich glaube nicht, dass ich in diese Welt hineinpasse. Dazu ist mir Europa mittlerweile ein bisschen zu eng.“
Seit heute wissen wir: Stefan Pichler wird CEO von Air Berlin. Demzufolge muss Europa weiter geworden sein. Na, ja, zumindest Berlin wird permanent weiter (weltläufiger). Also wenn doch Europa ist nur Berlin entschuldbar.

An dieser Stelle müssen die BBBs eine sehr persönliche (fast unglaubliche) Geschichte über eine magische (?) Stunde einfügen:
Diesjährige ITB. Ich mache einen Rundgang über die ITB. Am Stand der Lufthansa sehe ich Air Berlin-CEO Wolfgang Prock-Schauer mit einem Mitarbeiter der LH-Kommunikation im Gespräch. Als Prock-Schauer weggeht, frage ich den LH-Kommunikationsmann: „Kommt Prock-Schauer zur Lufthansa?“. Antwort des Lufthanseaten: „Nein. Wir kennen uns von früher und haben nur ein wenig miteinander geplaudert“.
Dieser Mitarbeiter aus der LH-Kommunikation war Aage Dünhaupt, seit sechs Wochen Kommunikations-Direktor bei Air Berlin.
Ich gehe weiter und treffe eine halbe Stunde später, am Stand von L´tur, zufällig Stefan Pichler. Da wir uns noch aus Thomas Cook/TUI-Zeiten kennen, plaudern wir ca. 10 Minuten miteinander. Natürlich habe ich nach dem o.g. Interview gefragt. Er etwas vorsichtiger: „Zurück nach Deutschland ist im Moment nicht geplant, aber man weiß ja nie“.
Stefan Pichler wird jetzt CEO bei Air Berlin.
Das heißt innerhalb einer Stunde habe ich zwei Touristiker getroffen, die künftig überraschend für Air Berlin arbeiten/arbeiten werden.

Und jetzt die Frage: ich erinnere mich schwach, dass ich innerhalb dieser magischen Stunde mit noch zwei anderen Menschen gesprochen habe. Die Namen sind mir entfallen. Bitte dringend bei mir melden, Air Berlin sucht Sie.

Nachtrag: Über die Fiji-Inseln tobt mindestens einmal pro Jahr ein schwerer Wirbelsturm. Wer das übersteht, passt zu Air Berlin.

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Alles digital oder was?

Das war eine großartige Veranstaltung am Montagabend in Düsseldorf. Die 17. Busche Gala vom Busche-Verlag (u.a. Schlemmer- und Schlummer-Atlas) ehrte wieder die Stars von Hotellerie und Gastronomie: Horst Rahe erhielt den Ehrenpreis für sein Lebenswerk (Arosa-Resorts, A-ja, Neptun Warnemünde, Louis C. Jakob Hamburg u.a.), der Breidenbacher Hof(Düsseldorf) wurde Hotel des Jahres, sein Generalmanager Cyrus Heydarian wurde Hotelmanager des Jahres, außerdem wurden die besten Restaurants, Top-Concierge usw. der Republik ausgezeichnet. Beeindruckend das Bild als die besten 19 Spitzenköche mit ihren weißen „Chefkochjacken“ auf der Bühne standen.

Dabei mussten die BBBs nochmals an den letzten BTW-Gipfel denken, zu dem u.a. ein Futurologe und ein Vertreter von Airbnb eingeladen waren (dafür darf man den BTW-Gipfel auch loben, sonst ist er traurig, weil die BBBs so viel lästern). Dabei ist den BBBs (neben anderem) durch den Kopf gegangen, wie stark das Thema „Tourismus alles digital oder was?“ zuletzt alle Podiumsdiskussionen beherrschte.
Keine Frage, Informationsbeschaffung, Buchung, Organisation ist ohne „digital“ nicht mehr denkbar. Und wenn der Futurologe sagt, kaum sei er mit dem Flugzeug gelandet, handy an und Hotel gesucht, sei er aber an eines erinnert: Im Smartphone kann man nicht übernachten und das Hotelbett ist immer noch und wird es bleiben „sehr analog“. Service und Freundlichkeit im Hotel, die mich als Gast glücklich machen, sind immer noch „sehr analog“.
Essen im Restaurant? Kann ich mir über das Netz suchen. Wegebeschreibung und Buchung, alles im Netz. Virtuelle Rundgänge durch Restaurants bzw. Hotels sind super. Ich finde es toll mir die Speisekarte schon vorab anzusehen, das schafft Vorfreude. Aber dann das große Erlebnis, z.B. bei einem der Starköche wie Harald Wohlfahrt zu speisen, geht nur „analog“ (um das „abwertende(?) Wort“ nochmal zu benutzen).
Das gleiche gilt auch für das Urlaubserlebnis insgesamt. Urlaubsglück – die Luft im Süden, sich evtl. verlieben, neue unerwartete Kontakte knüpfen usw. werden auf absehbare Zeit nicht durch das „perfekte Cybererlebnis“ ersetzt werden. Da irrt der Futurologe. Es wird eher Urlaub im Weltraumhotel geben, als das perfekte künstliche Urlaubserlebnis.

Da fehlt noch das Stichwort „sharing economy“. Niemand kann den BBBs Internetfeindlichkeit vorwerfen. Als der erste BBB-Blog 2001 im Internet erschien, haben die meisten noch gedacht „Blog schreibt man aber am Ende mit –ck“. Aber die Lobpreisung der sharing economy und speziell von Airbnb ist zu kurz gedacht. Für die meisten Medien steht fest: super kreatives Geschäftsmodell! Die BBBs sagen, das ist so etwas Ähnliches wie ein „schmarotzendes System“. Es werden alle Vorteile der Allgemeinheit ausgereizt, ohne etwas zurückzugeben.
Politik und Staat haben dieses System noch nicht entscheidend zur Kenntnis genommen und sind nicht in der Lage Waffengleichheit zu schaffen. Sie kennen nur traditionelle Hotellerie und denken permanent mehr über Belastungen als über Förderung nach (trotz der Bedeutung für die deutsche Wirtschaft insgesamt). Sowohl im Kleinen, wenn eine Kommune wie Travemünde Bettensteuer und Kurtaxe erhebt (wahrscheinlich trägt der Kämmerer auch Gürtel und Hosenträger), wie auch im Großen, siehe Berlin. Zu „dumm“ einen Flughafen zu Ende zu bauen, wegen der großen Haushaltslöcher aber Bettensteuer erheben. Und warum buchen bei Airbnb Gäste gerne Berlin? Weil die Stadt wahnsinnig viel zu bieten hat. Zu deren Finanzierung trägt Airbnb extrem unterproportional bei. Es werden einseitig nur Vorteile genutzt (deshalb obige Bezeichnung des Geschäftsmodells).
Wenn das kreativ ist, dann bin ich auch kreativ, wenn ich meinen „Durchlauf bei Aldi“ beschleunige, indem ich einfach die Kasse umgehe.

Sharing economy, heißt „teilen“ (das „neue Glück“), aber wenn ich Wohnung o.ä. „teile“, gehört dazu auch meinen Tribut an die Allgemeinheit abzugeben.

„Sharing economy im Sinne von Airbnb“ ist für die BBBs der „digital speech“ von: „Wir sitzen alle in einem Boot – aber nur einige rudern“.

Die BBBs freuen sich auf Gegenmeinungen!

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Arbeitskämpfe bei Bahn und Lufthansa

„Arbeitskämpfe bei Bahn und Lufthansa“
Travel tribune, 23.10.2014

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