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Archiv für 2015

Frohe Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde,
die Bissigen Bemerkungen wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für 2016.

Das Beißen zu Weihnachten müssen Sie jetzt leider selbst übernehmen. Bitte nehmen Sie sich dafür nicht die Verwandtschaft vor, sondern mal im ganz wörtlichen Sinn Ihren Weihnachtsbraten. Und seien Sie dankbar, wenn Sie einen auf dem Tisch haben, das ist leider keine Selbstverständlichkeit für alle Menschen.

Die nächsten BBBs erscheinen pünktlich zum Neuen Jahr mit einem Ausblick auf 2016 und dem einen oder anderen Tritt noch auf 2015.
Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Treue
Ihr
Karl Born

Die BBBs gehen übrigens in 2016 in das 15. Kalenderjahr mit der Ausgabe #726.

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Neue Flughafennamen und eine Idee für Frankfurt

Flughäfen nach verdienten Politikern zu nennen ist weltweit nicht unüblich. In Deutschland war man mit dieser Art der Namensgebung bislang sehr sparsam.

Bayern ist vor ein paar Jahren mit ihrem neuen Münchner Flughafen vorgeprescht und nannten ihn „Flughafen München Franz Josef Strauß“. Unter diesem Namen war er auch sofort bundesweit bekannt. Mit dieser Würdigung von Strauß war auch ein politisches Signal der regierenden CSU verbunden.

Als Gegenbeispiel sozusagen, wurde der neue Berliner Flughafen dann „Flughafen Berlin Brandenburg Willy Brandt“ genannt. Ob die never-ending-story um den skandalumwitterten Flughafen aber tatsächlich eine Ehrung für Willy Brandt ist, darf bezweifelt werden. Ihm würde es sicherlich nicht gefallen. Auf jeden Fall scheint es sicherer zu sein, nur bereits fertiggestellte Flughäfen mit einem Namenzusatz zu versehen.

Nur wenig bekannt ist, dass der Flughafen Köln/Bonn nach Konrad Adenauer benannt ist. Auf der Homepage des Flughafens findet man hierzu keinen Hinweis. Keine Ahnung, warum dies dort verschwiegen wird. Ursprünglich hieß der Flughafen, auf dem immer noch die Regierungsstaffel (also die Flugzeuge der Bundesregierung) stationiert ist, mal Köln-Wahn. Dieser Namen könnte auch heute noch passen, bei dem Wahn(-sinn) den sich die Bundesregierung hier leistet (viele Positionierungsflüge nach Berlin).

Jetzt kommt aber Schwung in die Diskussion um die Namensgebung unserer Flughäfen mit Politikernamen. Hamburg hat nun beschlossen den Flughafen nach Helmut Schmidt zu benennen. Das dürfte unstrittig sein.
Überraschenderweise ist nun auch Nordrhein-Westfalen wach geworden und will den bisher zusatzlosen Düsseldorfer Flughafen mit dem Namen des früheren Ministerpräsidenten Johannes Rau schmücken. Bisher hatte man keine Eile (Rau ist 2006 gestorben). Allerdings dürfte diese Namennennung nicht ganz so unstrittig werden, denn sein Name ist stark mit der WestLB-Flugaffäre verbunden. Streitigkeiten über die zulässige Nutzung, Abrechnungsprobleme und anderes mehr, führten teilweise zu einer besonderen Bedeutung des Begriffes „Luftverkehr“.

Die Erfahrung zeigt, wenn so etwas, wie die Vergebung von Flughafen-Zusatznamen erstmal in Mode gekommen ist, werden andere schnell nachziehen. Aber so einfach wird das nicht in jedem Fall werden.

Für Stuttgart würde sich sicherlich der Name des erfolgreichen Ministerpräsidenten Lothar Späth anbieten. Aber ein Späth-Airport, da sind die Unpünktlichkeitswitze direkt vorgegeben.

Aber der größte deutsche Airport Frankfurt, hat leider einen relativ langweiligen Namen. „Frankfurt Rhein-Main“ nannte er sich mal, aktuell wird der Namen „Frankfurt Airport“ verwendet. Aufregend klingt anders. Natürlich hat auch Hessen eine beeindruckende Liste früherer Ministerpräsidenten vorzuweisen, mit Georg-August Zinn, Holger Börner, Walter Wallmann und Hans Eichel. Aber wenn die Frankfurter wirklich mutig sein wollen, dann sollten sie sich für den Namen des ersten Ministerpräsidenten nach 1945 entscheiden: Karl Geiler. Der Namen „Geiler-Flughafen-Frankfurt“, das hätte etwas und würde auch zu der Stadt Frankfurt passen. Da wäre vielleicht sogar die „sexy Stadt“ Berlin neidisch.

Bescheidener Hinweis zum Schluss. Der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden hat den 3-Letter-Code FKB. Ich war 1997 einer der Hauptredner zur Eröffnung. Wenn man ihm einen Namen verleihen wollte und man das F im 3-Letter-Code für „Flughafen“ verwenden würde, könnte ich mir für die beiden nächsten Buchstaben „KB“ schon einen Namen vorstellen. Für meine Begriffe wäre der Flughafen auch richtig schnuckelig dafür.

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Warum gehen die Buchungen zurück?

Der Boss von DER Touristik, Sören Hartmann, soll in Antalya vor türkischen Hoteliers gesagt haben: „Die Urlauber fühlen sich nicht sicher und die Buchungen gehen zurück“. Diese Analyse, wenn er sie so getroffen haben sollte, halte ich für unzutreffend.

Das Thema „Was muss die Tourismusbranche tun, damit die Urlauber auch in Zeiten des Terrors reisen“, wurde erstmals von mir im Okt. 2002, also vor mehr als zehn Jahren, in einem Interview mit Peter Hinze für den Focus thematisiert. Betitelt war das Interview mit „Hotels hinter Stacheldraht“. Von bewaffnetem Personal rund um das Hotel, von Detektoren am Hoteleingang usw. war dabei als Zukunftsvision die Rede und dass man sich an einen Hochsicherheitstourismus gewöhnen müsse. Allerdings ergänzt, dass ich nicht der Meinung sei, dass dies dem Tourismus nachhaltig schaden würde, weil spätestens seit 9/11und den folgenden Attentaten klar sei, dass überall etwas passieren könne (auch bei uns in Deutschland).

Zeitgleich zum Erscheinen des Interviews fand damals in Dubrovnik die DRV-Jahrestagung statt. Wie heftig ich dort „vom Podium herunter beschimpft“ wurde, soll hier nicht nachgezeichnet werden (u.a. hätte ich eine Beschreibung geliefert, in der der Terrorismus den Tourismus besiegt hätte).

Tatsache war aber, dass meine Prophezeiung richtig war, es wurde danach sicherheitstechnisch aufgerüstet, an den Flug- und Seehäfen, an Bord der Transportmittel, beim Transfer in den Zielgebieten und an vielen anderen Stellen mehr. Die folgenden Attentate in Madrid und London bestärkten meine Meinung über den Fatalismus der potenziellen Reisenden, wenn etwas passiert, dann kann es überall passieren. Verstärkt wurde dieser Gedankengang ohnehin, dass die tägliche Autofahrt ungleich gefährlicher und das Todesrisiko hier wesentlich höher sei.

Insofern haben die Attentate in Paris, trotz ihrer ganzen Schrecklichkeit, diese grundsätzliche Einstellung eher bestärkt. Selbst die Absage des Länderspiels in Hannover, obwohl von den Medien kräftig aufgebauscht, hat nicht dazu geführt, dass letztes Wochenende weniger Besucher in die Stadien kamen. Im Gegenteil, man nahm die zeitaufwendigen Sicherheitskontrollen am Eingang hin, obwohl dadurch teilweise die ersten Tore im Spiel verpasst wurden.

Bei einer Kabarettveranstaltung letzte Woche in Berlin mussten alle Besucherinnen und Besucher (also nicht nur stichprobenmäßig) ihre Mäntel öffnen, weil gezielt nach Sprengstoff gesucht wurde. Und niemand ist deshalb umgekehrt.

Ich will damit sagen, der Umgang mit der Terrorangst ist, den Ausdruck bitte nicht auf die Goldwaage legen, im tiefen Inneren bei uns verankert und man hat gelernt damit umzugehen.
Viel wichtiger wäre jetzt eine Offensive um die unverändert über die Jahre hinweg grundsätzlich vorhandene hohe Urlaubslust zu forcieren. Alle Befragungen zeigen, wie gefestigt dieser Wunsch ist, es muss nur ein Anstoß kommen um diesen Wunsch in die entsprechende Tat (sprich Buchung) umzusetzen. Das muss jetzt die Botschaft der Stunde sein und nicht umgekehrt. Die Reisebüros können hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Ich bin überzeugt und damit bewege ich mich mal wieder auf dünnem Eis, dass ein anderes Thema vielmehr zur Verunsicherung der Bürger und zur Buchungszurückhaltung beiträgt. Dies ist jetzt keine moralische Betrachtung, sondern einfach die Feststellung, dass das chaotische Management von Politik und Behörden die anfänglich fast überraschend positive soziale Stimmung zum Flüchtlingsthema, mit dem finanziellen Geschacher und den daraus resultierenden Finanzprognosen überlagert. Da wird ein negatives finanzielles Zukunftsszenario gezeichnet, das die Menschen erschrecken muss.

Vielfach gesicherte Befragungsergebnisse zeigen, dass für die Einschätzung der persönlichen finanziellen Situation (und der Bereitschaft für Konsumausgaben) weniger die jetzige tatsächliche Situation entscheidend ist, sondern vielmehr die erwartete Situation (die aber tendenziell oftmals kritischer gesehen wird, als notwendig).

Zum gesamten Themenkomplex wäre eine aktuelle seriöse Befragung sicherlich sehr hilfreich. Aber Achtung, die Qualität einer Befragung hängt sehr von der Präzision der Fragestellungen ab (bitte vorher genau ansehen).

Unabhängig vom oben Gesagten, muss man leider feststellen, wenn ich mir nochmals meine BBBs vom „24.7.2015, Hilfe, dringend Führung gesucht“ und vom „31.7.2015, Konkret werden, das ist die Forderung der Stunde“ ansehe, dass das politische und behördliche Versagen noch viel größer ist, als ich damals befürchtet habe. Was ist die von der Kanzlerin beschriebene „Willkommenskultur“ noch wert, wenn immer mehr größere Unterkünfte, jetzt im Tausender Bereich entstehen und der Stau bei der Bearbeitung der Asylanträge immer größer (und nicht kleiner) wird, weil man sich bei der zuständigen Behörde seit Wochen nicht beim Thema Überstunden und beim Thema Schichtarbeit auch an Wochenende einigen kann. Arbeit an Wochenenden, für jede Krankenschwester, Feuerwehrmann, Busfahrer usw. selbstverständlich, ist einer deutschen Behörde offensichtlich nicht zu vermitteln.

Eigentlich wollte ich zum Flüchtlingsthema bei den BBBs nichts mehr schreiben, weil dies ein touristischer Blog ist, aber wenn das Chaos weiter so seinen Lauf nimmt, dann wird es auch zum touristischen Thema (siehe oben). Wohlgemerkt immer vom moralischen Standpunkt abgesehen.

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Touristik in der Zeitmaschine?

Liebe Leserinnen und Leser, zuerst noch einmal Entschuldigung für die lange, eigentlich so nicht geplante BBB-Pause. Aber wenn man schon über Urlaub schreibt, sollte man ihn auch selbst (sozusagen als Selbsterfahrung) genießen. Also lag ich die letzten Wochen auch regelmäßig und entspannt im Liegesessel. Dabei musste es passiert sein.
Ich hatte gerade eine Fachzeitung in der Hand und bin dabei eingeschlafen. Ob es an der Fachzeitung oder nur an mir lag, mag dahingestellt bleiben. Ich hatte einen unruhigen Traum, war in einer Zeitschleife gefangen und erlebte die 90er-Jahre. Als ich wieder aufwachte musste ich bei der Fachzeitung nach dem Datum schauen, ob ich wieder zurück in der Gegenwart war.

Und da fand ich auch die „super aktuelle“ Meldung, die mich im Traum beschäftigt hatte: Thomas Cook führt ein „24-Stunden-Zufriedenheitsversprechen“ ein. Genau, das war doch eine meiner Erfindungen im Rahmen der TUI-Qualitätsoffensive in den 90er-Jahren. Und die Beschreibung ist bei Thomas Cook fast exakt identisch mit der damaligen bei TUI. Wenn der Kunde im Zielgebiet eine Leistung entdeckt, die von der Katalogbeschreibung abweicht und der Veranstalter innerhalb von 24 Stunden keine Abhilfe bieten kann, darf der Kunde den nächsten verfügbaren Rückflug in Anspruch nehmen und erhält sein Geld zurück. Aber ich musste vor allem aus einem besonderen Grund vor mich hinlächeln. Kaum hatte ich damals diese Innovation für TUI verkündet, rief der damalige Chef von Neckermann (Vorgängergesellschaft von Thomas Cook), Wolfgang Beeser, beim damaligen TUI Vorstandsvorsitzenden Dr. Corsten an, er möge mich doch bitte sofort aus dem Verkehr ziehen, ich würde mit dieser schwachsinnigen Neuerung jetzt „endgültig“ die Branche kaputtmachen (das „endgültig“ bezog sich auf das vorjährige Angebot „Zug zum Flug“). Natürlich Quatsch, aber nett, dass man jetzt auch bei Thomas Cook anders darüber denkt. Wobei ich zugeben muss, dass es auch nicht einfach war, damals die eigenen Vorstandskollegen von dieser Idee zu überzeugen.
Man muss Innovationen nur richtig durchdenken und über die wahren Kundenwünsche Bescheid wissen. Kein Urlauber fliegt in den Urlaub, um nach 24 Stunden wieder zurückzufliegen. Ich bin mir nicht sicher, aber der Erinnerung nach, haben in den ersten Monaten nur 3 Kunden die Garantie in Anspruch genommen. In mindestens einem Fall war das ein Journalist, er wollte nur den Wahrheitsgehalt der Zusage testen.

Ich blätterte weiter in der Branchenfachzeitung und „das gibt es doch nicht“, schon wieder lächelt mich erneut eine Innovation aus der Touristik-Zeitmaschine an. TUI Deutschland will die vielen Flugzeiten-Änderungen bis kurz vor Abflug minimieren. Auch das war in den 90er-Jahren Bestandteil der 5-stufigen Qualitätsoffensive: keine Flugzeitenänderungen ab 14 Tage vor Abflug.

Wie auch immer, ich finde es toll, dass das Thema Innovationen wieder einen größeren Raum einnimmt. Ebenso finde ich es toll, wenn man Fehlentwicklungen wieder korrigiert und das auch offen benennt, z.B. bei TUI das Thema Marge statt Menge. Ich hatte mehrfach in früheren BBBs darauf aufmerksam gemacht, dass diese Vorgabe auf Dauer falsch sein wird. Ebenso finde ich bei TUI die Erkenntnis prima, bei aller Anerkennung der innovativen neuen Hotelkonzepten, dass einige Lieblingshotels in der Wertschätzung bei den Urlaubern so verankert sind, dass sie bereit wären dafür die Veranstaltermarke zu opfern (falls die Hotels nicht mehr im Veranstalterprogramm sind).

Ich höre jetzt schon das (vorerst noch leichte) Stöhnen bei den Veranstaltern wie Schauinsland oder JT-Touristik (die zuletzt Marktanteile dazugewonnen haben): „So ein Mist auch, jetzt versuchen die Großveranstalter doch tatsächlich wieder näher an den Kunden zu rücken“.

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Entschuldigung für die Verspätung

Liebe BBB-Leserinnen und BBB–Leser, zwei Wochen Pause hatte ich angekündigt, jetzt ist es leider etwas mehr geworden. Sorry!

Da inzwischen die ersten besorgten Emails mit Fragen nach dem Warum (Krankheit? kein Bock mehr?) eintrudeln, kurze Entwarnung. Als die angekündigte Pause vorbei war, geschah das fürchterliche Attentat in Paris. Obwohl es inzwischen einiges zu beißen gegeben hätte, angesichts dieses Ereignisses erschien alles andere unwichtig. Deshalb fielen dann die nächsten BBBs auch aus.

Jetzt muss ich langsam wieder in Schwung kommen, das ist immer etwas schwierig nach längerer Pause. Aber zum Wochenende hin geht es wieder los. Versprochen.

Danke für Ihr Verständnis.

Ganz toll, dass auch in dieser BBB-losen Zeit, trotzdem Neuanmeldungen für den Newsletter eingetroffen sind. Das gibt Auftrieb.

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Was muss der Kunde noch alles selbst machen?

Man muss sich immer mehr daran gewöhnen, dass man als Kunde nicht nur Kunde ist, sondern gleichzeitig auch der Dienstleister für seinen Lieferanten (ohne dass es dafür eine Vergütung gäbe).
Das gilt natürlich auch bei unseren lieben Fluggesellschaften, selbst die Koffer labeln, selbst einchecken usw. Eine Steigerung des Ganzen hat sich nun Germanwings erlaubt.

Ausgangslage: Eine Kunde macht Entschädigungsansprüche an Germanwings geltend, wegen Verspätung (Vorfall Anfang April 2015).
Germanwings lehnt am 29.6. den Anspruch ab, mit der Begründung: es lagen außergewöhnliche Umstände vor, die Verspätung wurde durch einen Streik verursacht.

Der Kunde, natürlich unter Angabe seiner Lufthansa-Vielfliegernummer, gibt sich damit nicht zufrieden. Er will wissen, um welchen Streik es sich handelte, wo der Streik stattgefunden hat und ob der Streik sich konkret auf seinen Flug und die entsprechende Verspätung auswirkte. Nur dann könne er nachprüfen, ob die Ablehnung durch Germanwings rechtens sei.
Der Kunde mahnt eine Antwort auf sein Schreiben vom 1.7. am 30.7. an, dann nochmals am 10.8., dann wieder am 31.8. usw. Genervt von der dauernden Erinnerung „platzt am 13. Oktober Germanwings der Kragen“.

Das Schreiben beginnt mit „Dear Mr. …..“ (Name von BBBs gestrichen) obwohl es dann auf Deutsch weitergeht (?). „Angesichts der in Deutschland bekannten Informationspflicht (selbständig die Fernseh- und Zeitungsnachrichten zu nutzen) und desweiteren die Nutzung von Internet, bringe ich für Ihre Art unseren Service zu nutzen kein Verständnis mehr! Bitte helfen Sie sich selbst.“
Das ist kein Scherz, liebe Leserinnen und Leser, das ist das wörtliche Zitat. Die Email liegt den BBBs vor. Dann folgt unter der Überschrift „Arbeitskampf: Flugausfälle wegen Streik in Frankreich“ eine umfangreiche Auflistung, überwiegend aus www.streikradar.de. Da werden dann neben Fluglotsenstreik, auch SCNF-Streik, Bahnstreik, usw. aufgeführt. Ferner wird hingewiesen auf www.zeit.de, news.feed-reader.net und www.austrianwings.info.
Zum Schluss heißt es dann: „Mit freundlichen Grüßen, Ihr Gemanwings Team“.

Wenn das die neue Zeit sein soll, dann Prost Mahlzeit. Dann müssen wir unseren künftigen Beschwerden immer hinzufügen „durch Literaturrecherche habe ich herausgefunden, dass ich aus ……- Gründen keinen Anspruch habe. Wollte mich ja nur mal gemeldet haben“. Die andere Möglichkeit wäre, bei Anbietern, die einem in einem solch ungehörigen Ton antworten („helfen Sie sich selbst“), sich tatsächlich selbst zu helfen und sie von der eigenen Angebotsliste für immer zu streichen.
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ACHTUNG:
Die BBBs brauchen mal wieder 14 Tage Pause. Die beiden Ausgaben vom 2.11. und 9.11. fallen aus. Die nächste Ausgabe erscheint deshalb erst wieder am 16.11.
Vielen Dank, für Ihr Verständnis.

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60 Jahre LTU

Am 20.10.1955 wurde eine Legende unter den Fluggesellschaften gegründet: die LTU.
Zum 60. Geburtstag hat dies eine eigene BBB verdient. Aber wie zumeist bei den BBBs, auch eine ganz spezielle.

Mein erstes Erlebnis mit LTU

Ich wurde 1981 zum Verkaufsleiter bei Condor ernannt. Also wurde 1982 die Rückreise aus dem Urlaub zum Konkurrenz-Erfahrungsflug umfunktioniert.

Zu meinem „Bedauern“ war der Eindruck sehr gut. Aber kurz vor der Landung in DUS sackte das Flugzeug ziemlich tief in ein sog. „Luftloch“. Eine Stewardess und einige Passagiere verletzten sich leicht, auch meine 6-jährige Tochter erlitt sehr leichte Abschürfungen. Schlimmer war, dass einige Passagiere unter Schock heulten.

Als wir dann in der Wartehalle saßen und auf den Weiterflug nach FRA warteten, standen einige Passagiere noch immer unter Schock.
Da baute sich meine kleine (schon flugerfahrene) 6-jährige Tochter vor mir auf, streckte mir drohend ihren kleinen Finger entgegen und sagte ziemlich laut zu mir: „Das sage ich Dir, ich fliege nie mehr mit der blöden CDU“. (Diese kleine Begriffsverwechslung war sicherlich der politischen Beeinflussung durch das Elternhaus geschuldet.)

Brüllendes Gelächter war die Folge und die Situation war komplett entspannt.

Herzlichen Glückwunsch LTU. Dein Beitrag für den Flugtourismus ist bleibend.

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Das Vermittlungsportal Wimdu lässt die Maske fallen

Dass es die großen Internetportale für Vermietung von Privatwohnungen an Touristen wie Airbnb oder Wimdu bzw. Flugvermittlungsportale wie z.B. fluege.de es mit der Wahrheit nicht immer so genau nehmen, ist Brancheninsider schon lange klar. So nach und nach werden endlich auch erste Urteile gegen einzelne dieser Experten mit „nicht ganz einwandfreien Geschäftspraktiken“ erwirkt.

So hat es jetzt gerade den Wohnungsvermittler Wimdu erwischt. Die Wettbewerbszentrale in Berlin hatte gegen den wortgewaltigen Wimdu-Slogan „50% günstiger als Hotels“ Klage eingereicht. Ausgangslage: Bei einem Faktencheck in beliebig gewählten Großstädten war zu jedem Zeitpunkt, repeat jedem, mindestens ein 3-Sterne-Hotel günstiger als Wimdu zu buchen.
Über diesen eindeutigen Fall von irreführender Werbung, wenn die Wahrheit nicht nur knapp, sondern krass daneben liegt, müsste man nicht diskutieren. Jedes einigermaßen schlaue Unternehmen, würde bei dieser Ausgangslage versuchen, ein entsprechendes Urteil im Vorfeld zu vermeiden. Nicht so Wimdu, wahrscheinlich geblendet, weil sie und Kompagnons bislang zu oft von Politik und Gerichten unverständlicherweise in ihren Praktiken nicht konsequent angegangen wurden.

Zuerst wollte sich Wimdu aus der Affäre ziehen, dass die Aussage „50% billiger“ auf den Durchschnitt der Angebote zu beziehen sei. Keine Frage, dass auch dann (wenn es überhaupt inhaltlich stimmen sollte) der angefochtene Slogan nicht rechtskonform wäre.

Bis hierhin wäre das noch keine BBB wert gewesen. Aber Wimdu hat noch einen drauf gesetzt. Achtung, bitte festhalten über so viel Frechheit. Wimdu: den Verbrauchern müsse klar sein, dass die streitgegenständliche werbliche Angabe ohnehin zu vollmundig sei und deshalb gar nicht stimmen könne.

Liebe Leserinnen und Leser der BBBs, Sie dürfen diesen Satz gerne noch einmal ganz in Ruhe lesen, um diese unglaubliche Frechheit zu verinnerlichen. Um die Wimdu Auffassung zu verdeutlichen: Sie müssen nur richtig kackfrech lügen, dann ist das als so eine allgemeine Lebensweisheit über Lügen erlaubt.
Das wäre dann ungefähr so, wenn die BBBs behaupten würden: „Glauben sie Wimdu und Konsorten kein Wort, alles frei erfunden“. Würden die BBBs danach angezeigt werden, wäre die BBB-Entschuldigung, das ist doch allgemein bekannt, dass die BBBs gerne übertreiben.

Nur mit einem Unterschied, den BBBs wäre es peinlich, so zu versuchen den eigenen Kopf zu retten. Wimdu hat da kein Problem.

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Der Kampf ums „hatrack“ wird auch bei Lufthansa härter

Das „hatrack“ im Flugzeug war mal, wie der Name schon sagt, als Fach für die Hutablage und nicht zur Mitnahme des halben Hausrates gedacht. Lang ist es her.

Zum Verstauen des Gepäcks unterscheidet man grundsätzlich zwei Vorgehensweisen.
1. Die vermeintlich Schlauen: Möglichst schnell an Bord gehen, Gepäck ins hatrack wuchten und Klappe sofort wieder schließen. Damit soll den Nachfolgenden signalisiert werden, das Fach ist schon voll.
2. Die Rücksichtslosen: Sie bleiben relaxt, haben kein Problem zuletzt an Bord zu kommen, weil sie wissen, auch ein echt volles hatrack ist nie voll, denn mit Gewalt geht vieles. Das „vorsichtig“ eingelegte Gepäck der Mitreisenden? Nicht mein Problem.

Ganz schlimm sind jene, die mit Rucksack anrücken, dass man denken könnte, sie wären unterwegs zu einem Basislager in 4.000 m Höhe. Der Rucksack wird auch nicht von Hand geschleppt, nein, er bleibt auf dem Rücken. Im Flugzeuggang einmal um die eigene Achse gedreht, sind die Gangplatz-Sitzenden schnell k.o. geschlagen. Dann wird der Rucksack entweder mit Gewalt in das Fach gedrückt oder man bleibt provozierend im Gang stehen, soll doch die Flugbegleiterin „mein Grundrecht auf einen Ablageplatz“ sichern.

Das wird künftig auch an Bord von Lufthansa schlimmer werden, denn ab Oktober gelten bei Lufthansa die neuen Tarife „Light“, „Classic“
und „Flex“. Ohne auf die Notwendigkeit der neuen Tarife eingehen zu wollen (übrigens: Wettbewerber zu kopieren war noch nie eine kreative Lösung, aber zu mehr reicht es zur Zeit bei Lufthansa leider nicht), richten wir den Blick auf den billigsten Taif „Light“. Bei diesem Tarif ist keine Kofferaufgabe erlaubt, sondern nur die Mitnahme von Handgepäck. Halleluja, bei der eingeübten Kostenvermeidungsstrategie der Deutschen („ich bin doch nicht blöd“), wird sich der Handgepäckreisewettkampf ab sofort verschärfen. Wer jetzt entschuldigend auf die „Normmaße“ des künftigen Handgepäcks 55x40x23 verweist, hat keine Ahnung vom wahren Leben an Bord.

Ein Passagier von Easyjet soll sich angeblich beim CheckIn den Inhalt seines Koffers angezogen haben (zwölf Schichten, nach eigenen Angaben). An Bord wurde ihm dann schlecht und er fiel in Ohnmacht. Berüchtigt sind auch die „Reisetaschen zum Anziehen“. In diesen „Jacken“, die nicht als Handgepäck zählen, kann man angeblich 15 kg verstauen. Mich persönlich, als geruchssensibler Mensch, stört mehr, wenn Übernacht-Reisende nicht mehr genügend Wäsche zum Wechseln dabei haben.

Ich höre (sehe) schon die entrüsteten Gegenargumente.

Punkt 1 „Ich habe keine Zeit am Gepäckband auf meinen Koffer zu warten“. Das mag im Einzelfall mal stimmen, aber im Normalfall soll es nur die eigene Wichtigkeit unterstreichen. Das erinnert mich, wie ich letztens erlebt habe, dass sich eine ungefähr 80jährige Omi an der Supermarktkasse vordrängelte mit dem Argument, ich habe es eilig. Ich habe mir verkniffen zu fragen „wofür“.

Aber noch „gewichtiger“ ist natürlich Punkt 2, „da sind nur die Airlines mit ihren Abzocker-Preisen für aufgegebene Koffer schuld“. Sorry, aber das ist die Konsequenz aus den dramatisch gesunkenen Flugpreisen. Wer hat Schuld? Es ist wohl eine besondere Symbiose von Flugmanagern von Ryanair und Co., die außer Preissenkung kein anderes betriebswirtschaftliches Argument kannten und Kunden, die jeden Flugpreis für realistisch hielten und stundenlang das Internet durchpflügten um einen Euro Flugpreis zu sparen. Die Frage im Sinne von „Henne oder Ei“, wer hat mehr schuld, lässt sich nicht beantworten.

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Kann man sich den BER „schön saufen“?

Neue Panne am BER! Der Leser weiß nie genau, ist das jetzt die Nachricht von gestern oder von heute? Man könnte hinzufügen, das wird auch die Nachricht von morgen sein. Die Liste ist inzwischen fast unendlich: das Licht ging nachts nicht aus, die Rolltreppen sind zu kurz, die Türen falsch nummeriert, der Rauch muss teilweise durch den Keller bevor er raus darf, Kabelsalat in den Schächten usw. Neueste Nachricht „Einsturzgefahr“, weil fünf Ventilatoren, die unterm Dach des Terminals hängen, um vier Tonnen(!) zu schwer sind. Der neue Flughafenchef Mühlenfeld sagt ganz offen, dass noch mit weiteren „unfassbaren“ Fehlern zu rechnen sei. Die BBBs sagen: „Tschüss“ Eröffnung in 2017.

Interessant ist in diesem Zusammenhang die Anfrage des Abgeordneten Martin Delius von den Piraten an den Senat der Stadt Berlin (Fragen etwas verkürzt):
Frage 1: Trifft es zu, dass während Sitzungen des BER-Aufsichtsrates alkoholische Getränke konsumiert werden?
Frage 2: Trifft es zu, dass in der Vergangenheit auch nach dem Konsum von Alkohol noch Beschlüsse gefasst wurden?

Jetzt ist Delius nicht irgendein Abgeordneter, sondern der Vorsitzende des Flughafen-Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus. Das zwingt zur Frage, inwieweit er hier Insider-Kenntnisse hatte.
Der Senat antwortete im Stile von Radio Eriwan, grundsätzlich Nein, außer bei besonderen Anlässen, wenn es etwas zu feiern gab. Die BBBs fürchten, dass dies eher der ungeeignete Versuch sein könnte, sich den Flughafen „schön zu saufen“, denn woher kann der Optimismus kommen, dass er immer noch in 2017 eröffnet werden kann.

Ein BBB-Leser hat mir Kopie seines „Knöllchens“ geschickt, das er anlässlich einer Sitzung des Luftfahrt-Presseclubs am BER erhielt. Dort heißt es: „Sie parkten in einem verkehrsberuhigten Bereich verbotswidrig außerhalb der zum Parken gekennzeichneten Flächen“. Also „verkehrsberuhigter Bereich“ gilt wohl für den Flughafen insgesamt, müsste man eigentlich nicht extra ausschildern. Ernsthaft, dieses Verkehrszeichen wurde mal angeordnet, als man noch glaubte, da würde demnächst ein Flughafen in Funktion sein. Aber, dass die Einhaltung jetzt schon penibel kontrolliert wird, ist ein Witz. Typisch deutsch, Recht muss Recht bleiben, auch wenn die Welt (oder hier der Flughafen) zusammenbricht.

Kleine Empfehlung an den BBB-Leser, das Knöllchen entweder „schön saufen“ oder aufheben für später. Vielleicht wird es mal historisch wertvoll, dass es zwar nichts mit dem Flughafen wurde, aber das Recht penibel beachtet wurde, von Verstößen gegen die Statik mal abgesehen.

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