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Archiv für 2015

„Best of“ der letzten Wochen

Sorry, liebe Leserinnen und Leser, aus der angekündigten einwöchigen Pause sind leider zwei Wochen geworden. Die Woche war als Abstand zwischen den letzten BBBs zum Flüchtlingsthema und den normalen touristischen Geschichten gedacht. Die positive Resonanz zu den letzten beiden BBBs war zwar außerordentlich groß, aber ebenso haben viele Leser die montägliche kleine Aufheiterung vermisst. Bei einigen lag dabei auch die Betonung auf Montag (das sei der Tag nach Sonntag!), mittwochs oder donnerstags wäre nicht das Gleiche.
Also heute Neustart mit dem Versprechen, wieder wöchentlich und montags. Los geht’s:

1. Größenwahn
In einem Interview (travel tribune) hat der „Head of Corporate Strategy“ der Hahn Air (Jörg Troester) mächtig auf die Pauke gehauen. Seine Airline habe zu der bisherigen Cessna CJ4 noch einen zweiten Flieger angeschafft und damit die Sitzplatzkapazität der Flotte von acht auf 16 Plätze verdoppelt. Zitat: „Eine Verdoppelung der Sitzplatzkapazität binnen eines Jahres würde nicht mal eine Airline wie Emirates hinbekommen.“ Das würde die BBBs echt interessieren, was sich der Herr „Head of Corporate Strategy“ aus der Provinz morgens vor dem Interview eingeworfen hat.
Nach seinen eigenen Angaben hat Hahn Air mit der Fliegerei (Düsseldorf nach Luxemburg) noch kein Geld verdient. Na, wenigstens etwas, das Emirates besser kann als Hahn Air.

2. Fehlende Champagner-Erfahrung
Da hatten Passagiere von Easyjet die Idee, sich bei der Flugbegleiterin eine Flasche Champagner zu bestellen. Die Stewardess schüttelte die Flasche vor dem Öffnen (hatte die Handhabung wohl mit Orangensaft verwechselt) und schon knallte der Korken. Leider knallte er nicht nur laut, sondern durchschlug auch die Deckenverkleidung, so dass die Sauerstoffmasken herausfielen. Ergebnis: Unplanmäßige Zwischenlandung in Mailand.
War eigentlich auch eine leicht absurde Idee der Passagiere bei Easyjet Champagner zu bestellen (Emirates hätte das bestimmt besser gekonnt, bei Hahn Air sind wir uns nicht sicher).

3. Was erlauben USA?
Die USA warnen ihre Bürger vor Behinderungen bei der Einreise nach Deutschland wegen der Flüchtlingskrise. Grenzübergänge könnten vorübergehend geschlossen werden. Wer hat sich bei den Amis denn diese Frechheit ausgedacht? Ausgerechnet die USA, die keinen einzigen Flüchtling als Ausrede brauchen, um Einreisende massiv und willkürlich zu behindern.
Da möchte man in Anlehnung an den berühmten Trapattoni-Spruch („Was erlauben Strunz“) stöhnen: Was erlauben USA?

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Konkret werden, das ist die Forderung der Stunde

Zuerst mal vielen Dank für die vielen Emails die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Es ist mir leider nicht möglich, auf jede einzeln einzugehen. Sie können aber sicher sein, dass jede Email beachtet wurde. Vor allem haben die Reaktionen gezeigt, dass man dieses Thema bei den BBBs ansprechen durfte (musste), weil nach übereinstimmender Meinung Touristiker in besonderer Weise gefordert sind zu reagieren.

Auch wenn der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin letzte Woche Flüchtlingsunterkünfte besuchten (natürlich nicht wegen der entsprechenden Aufforderung durch die BBBs, wie einige Emailschreiber scherzhaft meinten), hat dies nichts an den Vorwürfen an die beiden geändert. Flüchtlingsunterkünfte zu besuchen und Betroffenheit zu zeigen (auch wenn letzteres zutreffend sein mag), hilft den Flüchtlingen nicht „konkret“ weiter. Was haben die beiden seit ihrem Besuch „konkret“ veranlasst? Gefordert sind „konkrete“ Maßnahmen. „Konkret werden mit Hilfe“, das ist die Forderung der Stunde. Das müssen wir jetzt ununterbrochen in den Diskussionen mit den Politikern fordern.

Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben startete am Wochenende in ihren beiden Blättern die Aktion „Wir helfen“. Insbesondere in der Samstagausgabe von BILD wurden Statements von Ministern abgedruckt, mit dem Schild in der Hand: „Wir helfen“. Aber wie sie „konkret“ und detailliert helfen, wurde nicht gesagt. Es wurde nur ein allgemeines Polit-Statement abgegeben, sicherlich auch nur vom persönlichen PR-Assistenten formuliert.

Es ist ja schön, dass unsere Politiker immer mehr aus der Deckung kommen und ein eindeutiges Bekenntnis abgeben. Aber das ist noch keine „konkrete“ Hilfe. Das gilt insbesondere für die jetzt vielfachen Hinweise, das müssen wir „europaweit“ regeln. Stimmt zwar, aber wer macht das und wann? Warten jetzt alle auf die Vorschläge der Brüsseler Bürokraten?
Ich vermisse, und zwar für sofort, eine Erklärung der Bundesregierung, was ihre konkreten Forderungen an die EU sind. Und ich vermisse Druck auf die europäischen Partner hier mitzumachen, notfalls auch mit außergewöhnlichen Druckmitteln.

Wichtig: Wir brauchen keinen Tag länger dieses Europa auf der Basis des „kleinsten gemeinsamen Nenners“. Wir fordern in der Flüchtlingsfrage ein Europa auf dem „größtmöglich denkbaren Nenner“.

Gleiches gilt für den Bundestag. Wir fordern sofort „konkrete“ Gesetzesvorhaben, die die Flüchtlingssituation nachhaltig verbessern. Und zwar nicht nur auf den aktuellen Zeitpunkt bezogen, das muss auch die nahe Zukunft einschließen. Stichworte: Kita-Plätze und mehr Personal, mehr geeignete Schulklassen (reguläre und ausgesprochene Sprachklassen), mehr Lehrer, mehr Investitionen in das Gesundheitswesen und so weiter. Nicht zu Unrecht wurde in einigen Emails an mich, genau auf diese Punkte hingewiesen.

Letzte Woche hatten die BBBs auch ausdrücklich eine Agenda 2020 gefordert. Heute wird diese Forderung in der Zeitschrift „Die Welt“ auch von Ex-Kanzler Schröder mit Nachdruck gefordert und begründet.
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In eigener Sache:
Nächste Woche (7.9.) machen die BBBs mal kurz Pause. Nächstes Erscheinungsdatum ist dann eine Woche später (14.9.), wahrscheinlich wieder mit einem üblichen BBB-Thema.

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Hilfe, dringend Führung gesucht

Sorry, wenn die BBBs heute einmal politisch sein müssen. Aber Tourismus ohne Politik geht nicht. Wie oft haben wir schon über die Problematik geschrieben, ob Touristen überall hinreisen dürfen. Und umgekehrt war in den BBBs auch schon die Warnung in einem amerikanischen Reiseführer „Vorsicht für Dunkelhäutige in einigen ostdeutschen Städten“ Thema.

Aber auch ohne diese Verbindung Tourismus und Politik gibt es Situationen, in denen man einfach nicht schweigen darf, egal was das übliche Thema eines Blogs ist. Schon vor vielen Jahren haben Zukunftsforscher die Frage aufgeworfen, wie werden wir reagieren, wenn irgendwann die Menschen aus Afrika sich auf den Weg zu uns machen werden. Nicht als Touristen, sondern auf der Flucht wegen mangelnder Zukunftsaussichten. Fast niemand hat diese Prognose als realistisch angesehen.
Jetzt ist es soweit. Ganz Europa ist von dem Flüchtlingsansturm betroffen, wir in Deutschland in ganz besonderem Maße. Unsere Politiker und unsere politischen Instanzen wirken mehr oder weniger hilflos, reagieren nur als Reparaturbetrieb. Dort, wo es am meisten „brennt“ wird gelöscht. Aber immer nur reagierend, nie agierend.

Ausgerechnet jetzt versagen unsere beiden wichtigsten Repräsentanten, Bundespräsident und Bundeskanzlerin (der Bundestagspräsident sei in diesem Zusammenhang mal außen vor gelassen). Gewalt gegen Flüchtlinge nicht gut zu heißen, das ist doch wohl selbstverständlich, aber noch keine politische Führung.

Die mit Abstand größte Enttäuschung ist für mich unser Bundespräsident. Gibt es ihn eigentlich noch? Ist er krank? Hat er das Thema überhaupt schon mitbekommen? Ich habe mir mal sicherheitshalber seinen Terminkalender (im Internet) angesehen, alles sehr schöne Termine. Eröffnung Sail Bremerhaven, Ordensverleihung, Empfang Botschafter, Empfang des polnischen Präsidenten (plus Mittagessen). Und vor kurzem hat er tatsächlich mal ein Flüchtlingslager besichtigt, mit betroffenem Gesichtsausdruck.
Die Rede, ist die einzige und zugleich schärfste Waffe eines Bundespräsidenten, heißt es. Herr Bundespräsident äußern Sie sich bitte laut, deutlich und notfalls schimpfend, über das was gerade in Deutschland „abgeht“. Wo bleibt ihre „Ruck-Rede“ zur Lage der Nation? Und sagen Sie bitte auch, wie Sie sich Deutschland in fünf Jahren vorstellen. Dann wären Sie auch wieder mein Bundespräsident. Ansonsten brauche ich Sie im Moment nämlich nicht.

Frau Bundeskanzlerin, die Flüchtlingsproblematik ist denkbar ungeeignet für Ihren abwartenden Politikstil, warten bis sich eine Mehrheitsmeinung gebildet hat und dann erst die eigene Meinung kundtun. Durch den Regierungssprecher verkünden lassen, dass sie Gewalt gegen Flüchtlinge nicht gutheißen, ist unglaubliches Wegducken in dieser Frage. Nicht ohne Grund gibt es bereits den hashtag #merkelschweigt. Welch eine Schande.

Frau Bundeskanzlerin, jetzt ist politische Führung gefragt und das ist das Gegenteil von Abwarten. Ich erwarte von Ihnen eine große Regierungserklärung. Die größte, die sie je gehalten haben, um die Flüchtlingsfrage nicht nur zu einer nationalen Frage zu erklären, sondern konkret zu sagen, wo und wie alle gefordert sind, auch Sie Frau Bundeskanzlerin und alle Abgeordneten. Diese Rede darf nicht auf das heute beschränkt sein, sondern muss auch aufzeigen, was die nächsten Jahre zu tun ist und welche finanziellen Belastungen auf uns zu kommen, wieviel Geld wir dafür bereitstellen müssen, aber auch was wir daraus positiv gewinnen können. Das müsste eine Agenda 2020 sein. Gewiss mit hohem persönlichen Risiko für die Kanzlerin (siehe Schröder). Aber Führung zu zeigen, heißt eine Nation (wie vergleichsweise ein Unternehmen) in der Zeit nach dem Wandel zu beschreiben (persönliches Risiko inklusive).

Und noch etwas Frau Bundeskanzlerin, Sie als erklärtermaßen mächtigste Regierungschefin in Europa. Sie sagen so gerne, „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Leider viel zu kurz gedacht. Ich sage Ihnen „scheitert die viel zitierte europäische Wertegemeinschaft, dann scheitert Europa“. Das Verhalten der europäischen Länder in der aktuellen Flüchtlingskrise ist in ihrer Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten. Es herrscht anscheinend ein knallhartes Sankt-Florian-Prinzip: „Verschone unser Haus (Land), zünde das der anderen an“. Wenn das unsere Wertegemeinschaft sein soll, dann kann ich darauf verzichten.

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Folge 4 der BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen: Sex sells (auch in der Touristik?)

Als beim dänischen Tourismuskonzern Spies „Sex im Urlaub“ im Mittelpunkt seiner Werbung stand, verband er es vorgeblich mit patriotischen Gefühlen. „Do it for Denmark“ hieß sein Slogan. Weil angeblich 10% aller dänischen Babys während des Urlaubs gezeugt werden, warb er mit „mehr Urlaub = mehr Sex = mehr Babys = gut für dänische Altersstruktur“. So „selbstlos“ kann ein Tourismuskonzern handeln!

Bei einigen aktuellen Werbeaussagen kann man durchaus anderer Meinung sein. Nehmen wir z.B. das neue Hotel der Hotelkette Dormero in Windhagen (soll am 14. September öffnen). Da heißen die Tagungsräume u.a. „Bunga-Bunga“ oder „Folterkammer“. Dass hier eine seriöse Firma ihre Tagung abhält (wenn sie nicht gerade im Versicherungsgewerbe tätig ist), mag man sich nicht vorstellen. Andere Räume heißen „Pupu“ (finnisch für „Häschen“) oder „Schwanzus longues“ (für diesen Begriff gibt es rein sprachlich keine Erklärung). Bei „Königreich des Zorns“ mag man sich höchstens noch vorstellen, dass hier eine Firma einbucht, wenn der Umsatz total in den Keller gesaust ist. Und wenn Dormero noch schreibt „wer dann noch nicht eingelocht hat, tut es spätestens auf der riesigen angrenzenden Golfanlage“, ist klar, was von dieser Hotelkette zu halten ist. Nichts! Der Boss der Hotelkette heißt übrigens Marcus Wöhrl (Sohn des BBB-bekannten Luftfahrtmanagers Hans Rudolf Wöhrl und der CSU-MdB Dagmar Wöhrl – aber das wollen wir den Eltern wirklich nicht vorwerfen). Hotelchef Marcus Wöhrl war übrigens auch schon auffällig bei Günter Jauch in einem Wortgefecht mit Ministerin Schwesig (Gender Gedöns) und auch dieser Satz ist wohl sehr verallgemeinernd: „Ich arbeite gerne mit Ossis. Die packen an und diskutieren nicht ständig wie Wessis“.

Nicht viel besser ist die Werbung des Schwarzwald-Örtchens Triberg. Da räkelt sich eine Frau, sagen wir mal in extrem lasziver Pose. Über der Frauensilhouette steht dann: „Steile Berge, feuchte Täler“. Der CDU-Bürgermeister findet das einen „Beitrag zum Humor in der Gesellschaft“. Wenn er „Stammtisch-Parolen“ mit „Gesellschaft“ gleichsetzt, dann mag das sogar stimmen. Aber es kommt noch besser (ehrlich). In einem Parkhaus in Triberg wurden „Deutschlands erste Männerparkplätze“ eingerichtet, mit freier und direkter Sicht auf das obige Werbeplakat. Auch dafür hat Bürgermeister Strobel eine sehr überraschende Erklärung. „Die Stellplätze sind sehr schwer zu befahren, da kommt man eigentlich nur rückwärts rein“ so Strobl, „da hatten wir die Idee, daraus welche für Männer zu machen“. Da möchten sich nun selbst die BBBs dazu weitere bissige Kommentare ersparen.

Warum diese beiden Beispiele ausgerechnet im Rahmen der Serie „schreckliche Touristen“ erscheinen? Es sind doch Anbieter-Beispiele und keine Touristen-Beispiele. Warum wohl? Genauso „erzieht man sich schreckliche Touristen“.

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BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen. Heute Folge 3: „live like a local“.

Sich nicht wie ein (schrecklicher) Tourist zu benehmen, sondern wie ein Einheimischer die Stadt/Ferienziel erleben zu wollen, das ist trendy: Live like a local. (Siehe auch BBB von letzter Woche.)

Airbnb, ein Vermieter von privaten Wohnungen (mit einem nach Meinung der BBBs äußerst fragwürdigem Geschäftsmodell, das auch für einen Großteil der Probleme mit lärmenden Touristen verantwortlich ist), hat jetzt mit seiner US-Werbekampagne ziemlich danebengehauen.
Ganz im Stil von „live like a local“ wurde postuliert:
„Go look through their windows, so you can understand their views (voraus gesetzt, dass man durch die Fenster durchschauen kann).
Sit at their tables, you can know their tastes (wenn ich ein Holzwurm wäre, sicherlich),
Sleep in their beds, so you may know their dreams (sich vorher noch bei der Nachtwäsche der Vermieter zu bedienen, würde bestimmt die Träume bereichern).

Aber diesmal ist die Netzgemeinde nicht positiv auf die abgehobene Kampagne aufgesprungen, zu weit hergeholt sind die Sprüche. „Das könnte auch eine Anleitung für einen fiktiven Serienmörder sein“, war ein Kommentar („wear their skin, so you can know their soul“). Das ganze steigerte sich bis hin zum Vorschlag „sich doch mal in der Unterwäsche der Vermieter umzusehen, um weitere kreative Gedanken zu entwickeln“. Details sollen hier nicht ausgebreitet werden.

Kurzum, die neue Kampagne von Airbnb (Titel: „s Mankind?“) wurde sehr schnell und lautlos beerdigt.

Probleme ganz anderer Art bahnen sich für die Olympischen Spiele 2016 in Rio an. 40.000 Hotelzimmer erfüllen gerade die Mindestanforderung des IOC. Einen Großteil der Zimmer wird aber von der „olympischen Familie“ belegt werden, der Rest dann „etwas überhöht“ den Touristen angeboten. Eine Reihe von Bewohnern in den Pavelas hat nun den Trend (aus New York, Berlin, Barcelona u.a.) erkannt und beginnen ihre Unterkünfte in Hostels zu verwandeln. Super, das wird die Urform von „live like a local“ werden. Man darf gespannt sein, wie es dann mit den „Träumen in den Vermieter-Betten“ werden wird.

Noch ein Satz zum Thema Sicherheit Hotel vs. Privatvermieter. Ein auf „Hotelsicherheit spezialisierter Experte“ hat über die Verantwortung der Hotel-Sicherheitsfachkraft doziert. „Die Sicherheitsfachkraft (SIFA) ist gemäß der DGUV V2 verpflichtet, ein Protokoll von der Begehung im Betrieb anzufertigen. Ist dies nicht geschehen, hat das Hotel schon das erste Problem“.

Könnte natürlich sein, wenn ich demnächst wieder im Hotelbett schlafe, dass ich dann von der SIFA träume. Leider erscheint sie nicht in „Vermieter-Unterwäsche“, sondern mit einem Feuerlöscher in der Hand, wenn es ganz schlimm kommt mit der DGUV V2.

Damit kommen wir (Überleitung!) zu Folge 4 der BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen. Nächste Woche steht das Thema „Sex sells“ im Mittelpunkt.

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BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen. Heute Folge 2: „Don`t be a tourist“ in Barcelona

„In Barcelona sind die Einheimischen genervt von den Touristen, die sich nicht benehmen und überall im Weg rumstehen, um vermeintlich spanische Delikatessen zu probieren“, so zumindest die entsprechenden Pressemeldungen. Dabei wäre zuerst zu interpretieren was die Formulierung „vermeintlich spanische Delikatessen“ uns sagen will. Stehen die Touristen im Weg und tun nur so als würden sie „vermeintlich“ Delikatessen probieren oder bezieht sich das „vermeintlich“ auf die Delikatessen selbst, soll heißen es sind gar keine. Dann müsste man ja die Touristen bedauern.

Jetzt soll den Touristen Benehmen beigebracht werden. Was man in Berlin (vergeblich) mit nächtlicher Pantomime versucht (siehe BBB vom 15.6.2015), soll in Barcelona durch den Blog „Dont´t be a tourist“ erfolgen. Dort steht unter anderem: Vor allem sollten Touristen aufhören „Sandalen mit Socken zu tragen“ (dass „die Sandalen“ Socken tragen ist hoffentlich ein Übersetzungsfehler). Aber Leute, wenn das Euer größtes Problem ist…. Dann habt ihr ein echtes unlösbares Problem. Denn „mit Socken in die Sandalen“ ist in Deutschland und Großbritannien hohes Kulturgut. Da laufen sogar die Einheimischen in diesen Ländern so rum.

Da erinnern wir doch auch an dieser Stelle an den internationalen Wunsch an die Touristen: Wir lieben Tourismus, aber im Prinzip würde es genügen wenn Ihr Euer Geld schickt, selbst müsst Ihr nicht vorbeikommen.

Doch da zeichnet sich langfristig eine Lösung ab. Andreas Knieriem, neuer Zoo-Chef von Berlin, hat im Interview eine Idee zum Besten gegeben. Er will künftig die Zoo-Besucher getarnt in Kabinen ganz nah und unbemerkt an die wilden Tiere ran bringen (also Philosophie-Schwenk um 180 Grad, Menschen im Käfig und Tiere frei). Der Berliner Tagesspiegel Checkpoint meinte, das sei auch eine schöne Idee für die Touristen in Kreuzberg. Da meinen die BBBs: das könnte dann ein echter Tourismus-Exportartikel werden.

Vor noch nicht allzu langer Zeit war der Slogan „live like a local“ der Schlager im Städtetourismus. Das sollte heißen, sich in der Stadt wie ein Einheimischer zu bewegen. Jetzt habe ich dummerweise gerade einen aktuellen Zeitungsartikel über Barcelona auf dem Schreibtisch liegen und da werden Reisende nach Barcelona deutlich vor Überfällen und Taschendieben gewarnt. Sorry, da möchte ich dann auch im Urlaub kein „local“ sein.
Und jetzt ist ausgerechnet auch eine Werbekampagne von Airbnb in den sozialen Netzwerken aufgeschlagen, dass die Touristen sich noch stärker mit den einheimischen Vermietern identifizieren sollen.

Warum letzteres dazu führen kann, dass Airbnb „seine Kunden zu Stalkern erzieht“, darüber lassen sich die BBBs im Rahmen der BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen in der nächsten Folge 3 aus.

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Mallorca wünscht sich weniger Gäste

Mallorca hat neuerdings mal wieder eine linke Regierung. Und schon wird über neue Vorschriften laut nachgedacht. Das soll jetzt keine politische Aussage sein, denn wenn es um neue Steuern geht, sind Konservative genau so kreativ und wenn es darum geht anderen Menschen Vorschriften zu machen, sind die Grünen auch ganz vorne mit dabei.

Der Fokus der BBBs soll auf „neue“ Regierung liegen, denn das ist die einzige Konstante in der mallorquinischen Politik: öfters die Regierung wechseln und dann mit ollen Kamellen die Touristen erschrecken. Dabei weiß man, oder sollte man wissen, dass alleine das „laute Nachdenken“ schon Negatives im Tourismus bewirkt. Jetzt sollten wir ehrlicher Weise, die zitierte Aussage „Mallorca wünscht sich weniger Gäste“ genauer interpretieren. Gemeint ist: Man wünscht sich weniger Gäste in der Hauptsaison, aber mehr Gäste in der Nebensaison. „Willkommen im Club“, sehr originell, das wünschen sich Hunderte von anderen Zielgebieten auch. Und wenn Ihr liebe Mallorquiner die Nebensaison nicht wesentlich attraktiver macht, dann wird daraus nichts. Ich glaube, man nennt das, erstmal die eigenen Hausaufgaben machen.

Außerdem soll eine Touristensteuer eingeführt werden. Diese hieß in der Vergangenheit auch schon Ökoabgabe, Mietwagensteuer und weiß der Teufel wie noch. Dazu kann man die Regierung nur beglückwünschen. Zusätzliche Steuern sind in der Tat ein geeignetes Mittel um die Touristenzahl zu reduzieren. Das würde allerdings querbeet alle „Sorten“ von Gästen und zu allen Jahreszeiten betreffen.

Aber da müssen sich die BBBs, die aus einem Land mit Kurtaxe, Bettensteuer, City-Abgabe, Kulturförderabgabe usw. stammen, etwas zurückhalten. Kursichtige finanzielle Betrachtungsweisen sind international.

Es bleibt der ewige internationale Wunsch an die Touristen:
Wir lieben Tourismus, aber im Prinzip würde es genügen wenn Ihr Euer Geld schickt, selbst müsst Ihr nicht vorbeikommen.

In unserer BBB-Sommerreihe „schreckliche“ Touristen folgt nächste Woche: „Don`t be a tourist“ in Barcelona

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Ron Imelauer ist tot….

und das macht mich sehr traurig.

Imelauer war eine kreative Ausnahme in der deutschsprachigen Touristik. Er wusste früh um die Bedeutung von Marken, dass diese Marken aber leben und geliebt werden müssen und Begehrlichkeiten wecken sollen.

Seine Arbeit für Robinson mit „Zeit für Gefühle“ glich fast einer Revolution und wurde Kult über Jahrzehnte hinweg bis heute. Für A-Rosa schuf er den Mann mit der Rose quer im Mund. Er machte damit deutlich, dass die Urlaubsentscheidungen überwiegend von Frauen getroffen werden. So wurde Begehrlichkeit geweckt, unaufgeregt, unsexistisch, aber genau die Zielgruppe treffend.
Paneuropa, LTU, Club Mediterranee, Studiosus, FTI, Aldiana, Magic Life, und und und. Die Liste seiner Kunden war lang.

Seine Ideen schienen nie erarbeitet, sie waren einfach so da. Seine Präsentationen waren unprätentiös und unterschieden sich von manch großspurigem Gehabe großer Marketingagenturen.

Schon früh wies er immer darauf hin, dass IQ ohne EQ (Emotionale Intelligenz) wertlos sei. Mit SheQ stellte er nochmals die Bedeutung der Frauen als Urlaubs-Entscheider heraus.

Preise und Auszeichnungen sammelt er en masse. Dreimal Goldene Kutsche (plus achtmal Silberne Kutsche), fünfmal Goldene Windrose (plus siebenmal Silberne Windrose) und und und. Der Preis als solcher war ihm nicht wichtig, er freute sich mehr darüber, dass seine Ideen verstanden wurden.

Manchmal konnte er allerdings nicht begreifen, warum nach der Krise 2001/2002, insbesondere die Großkonzerne mit Aufträgen geizten. Schneller Abverkauf notfalls über den Preis, statt langfristigem Markendenken (Kreativität) machte sich damals breit. So schrieb das Wirtschaftsmagazin „Brand Eins“ in einer Geschichte (2007) über Imelauer: „Der Träumeverkäufer steht an der Resterampe der Touristik“. So konnte er nicht verstehen, warum er bei TUI (nach meiner Zeit wohlgemerkt) mit seiner neuen Super-Idee der Schmalkataloge, einer Idee die nur Vorteile hatte, nicht mal zur Präsentation kam. Ich tröstete ihn im gleichen Interview öffentlich: „Etwas zu tun, was nichts kostet, scheint in Konzernen nicht vermittelbar“.
Erst Studiosus erkannte das Potenzial der Schmalkataloge und so erschien der legendäre Kultimer.

Als ich heute (Sonntag-)Nachmittag überraschend die Nachricht von seinem Tode erhielt, machte sich bei mir Leere breit. Ich werde ihn nicht nur als Experten vermissen, mit dem man Fachgespräche so leger führen konnte, wie ein Gespräch über Fußball. Ich werde ihn nicht nur als (Gründungs-)Mitglied des Studienkreises für Tourismus vermissen. Ich werde ihn vor allem als echten Freund vermissen.

Ron Imelauer starb im Alter von 69 Jahren.

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Sicherheitswarnungen für Tunesien-Urlauber sind umstritten

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Das trifft den Griechenlandtourismus heftig.

Vor kurzem hatten die BBBs noch über die Ähnlichkeiten von Troika und Treuhand gelästert (siehe BBB vom 29.6.2015 „Troika, die Wiederauferstehung der Treuhand“). Schon hat die Wirklichkeit die Satire überholt und zwar mit einer sehr unschönen (peinlichen) Variante. Vollkommen überraschend hat ausgerechnet der deutsche Finanzminister Schäuble auf die Einrichtung eines Treuhandfonds bestanden. Klar, mit Treuhand hat er im Zuge der deutschen Wiedervereinigung Erfahrung gesammelt. Für viele Betroffene waren es überwiegend schlechte Erfahrungen. Das Wort Treuhand ist seitdem belastet.

Jetzt hat Schäuble den Treuhandfond quasi als letztes Unterwerfungsmittel eingesetzt. Man muss nicht sehr schwarzsehen, wenn man annimmt, dass auch dieses Mal einige Vermögenswerte auf nicht immer eindeutig nachvollziehbare Art und Weise und öfters unter Wert versilbert werden.
Für den Griechenlandtourismus wird sich dies (Privatisierung von Flughäfen u.ä.) erst auf längere Sicht auswirken.

Wesentlich heftiger wird der ohnehin gebeutelte Griechenlandtourismus von den Steuerbeschlüssen getroffen werden. Für Hotelübernachtungen soll der reduzierte Steuersatz aufgehoben werden. Die Mehrwertsteuer soll generell erhöht werden. Steuererleichterungen für die Inseln sollen reduziert bzw. aufgehoben werden. Wenn man zynisch wäre, könnte man dagegen rechnen, dass der Mindestlohn gesenkt werden soll.
Jetzt mag man generell zu dem ganzen Griechenland-Komplex unterschiedlicher Meinung sein. Das kann man nachvollziehen. Aber unbestritten muss man festhalten, dass durch die oben beschriebenen Beschlüsse ausgerechnet jener Wirtschaftszweig heftig betroffen wird, der bislang noch am besten funktionierte und einen wesentlichen positiven Beitrag zu den griechischen Steuereinnahmen leistete. Das wird zweifelfrei, und da muss man kein großer Prophet sein, negative Auswirkungen auf den Tourismus haben.

Dass die deutschen Verhandlungspartner dies in ihren Überlegungen berücksichtigt hätten, war nicht zu erwarten. Tourismus wird auch in Deutschland von der Regierung stiefmütterlich und nicht nach seiner wirtschaftlichen Bedeutung (insbesondere für Arbeitsplätze) behandelt. Siehe hierzu auch die späte Berufung einer Staatssekretärin für Tourismus (und dies auch nur quasi als Halbtagsjob).

Wenn darauf noch Bürokratie trifft, dann „Gute Nacht“. Letztes Schmankerl der deutschen Steuerfritzen: Künftig 19% Mehrwertsteuer für Saunabesuch in Hotels. War die mühsame Trennung der Steuersätze beim Frühstück schon ein bürokratisches Meisterstück, muss jetzt jeder Hotelier quasi Aufzeichnungen führen, wer von seinen Gästen die Sauna besucht. Bisher konnte jeder Gast nach Belieben, wann immer er wollte und ohne Anmeldung die Sauna benutzen.
Aus Erfahrung ist zu befürchten, dass dieser Beschluss nicht deren (Steuerbehörde) letzter Streich war.
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Anmerkung: Durch die in dieser Woche anstehenden Beschlüsse in Athen und in anderen europäischen Hauptstädten, kann sich die Lage noch dramatisch ändern. Sicherlich nicht zum Besseren.

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