Reisesommer 2006: Goldene Zeiten für den homo rabattus | 21.11.2005 (Prof. Karl Born)21.11.2005: Reisesommer 2006: Goldene Zeiten für den homo rabattus

Ein Blick in die neuesten Sommer-Reisekataloge offenbart goldene Zeiten für Schnäppchenjäger. Die aktuelle Buchungslage im allgemeinen und die Angst vor einer eventuellen WM-Flaute (was das Buchen betrifft) im speziellen, hat die Reiseveranstalter kreativ werden lassen: So viel Rabatt gab es noch nie!
Kommentar Karl Born:
Laut Angaben der großen Reiseveranstalter sei der Reisepreis für Sommer 2006 um durchschnittlich eins bis vier Prozent gestiegen. Diese Aussage wird nicht unbedingt zur Nachfragesteigerung beitragen. Insbesondere dann nicht, wenn der potenzielle Urlauber in den nächsten Tagen voller Schrecken feststellen wird, dass sein frei verfügbares Einkommen weiter geschrumpft ist.
Dies haben die Reiseveranstalter in weiser Voraussicht geahnt. Sie locken in den neuen Katalogen nicht nur durch schöne Bildchen, sondern auch durch eine Vielzahl von Preisnachlässen: Der homo sapiens soll zum homo rabattus mutieren.
Hier eine kleine Rabatt-Auswahl aus den Katalogen von TUI, Thomas Cook, ITS und Alltours ohne Anspruch auf Vollzähligkeit: Die Frühbucher werden gelockt mit Frühbucherrabatt, Superfrühbucherrabatt, Superfrühbucherrabatt mit Turboabschlag, Frühbucherrabatt mit Turboprämie und rollierendem 60-Tage-Frühbucherrabatt. Als Zimmerrabatt locken Low-Cost-Zimmer, Economy-Zimmer, Best-Price-Zimmer, Spartipp-Zimmer. Als Verpflegungsrabatt gibt es All Inklusive zum Halbpensionspreis und Halbpension zum Frühstückspreis. Kostenlose zusätzliche Übernachtungen gibt es mit 21=17, 14=12, 14=11, 14=10, 7=6, 7=5. Die Familie wird geködert mit Kinderermäßigungen bis 11 Jahre, bis 16 Jahre oder bis 17 Jahre. Es wird Kinder-Basisermäßigung, Kinder-Standardermäßigung, Kinder-Spezialermäßigung, Kinderfestpreis, Kindersuperfestpreis, Familienermäßigung bis hin zum Family-Turbo-Sparpaket geboten. Seniorenrabatte gibt es ab 55 bzw. ab 60 Jahre, Partnerrabatt bis zu 50% Prozent, Daneben gibt es noch Single-mit-Kind-Rabatt und Zusatzrabatte für die ersten Bucher, Mietwagen inklusive, zusätzliches Weihnachtsgeld bei Buchung bis 15.12., WM-Spartermine und WM-Verpflegungsupgrade und spezielle Werberabatte für ausgesuchte Hotels. Jetzt muss der Smart-Bucher nur noch prüfen welche Rabatte man addieren, kombinieren oder multiplizieren kann oder wo es Buchungsprämien cash auf die Hand gibt. Im Sommer wird es dann noch den WM-Sieges-Abschlag geben, weil erfahrungsgemäß die Bucher sich buchungsmäßig zurückhalten, solange die deutschen Fußballgötter gewinnen. Sollte die Nationalmannschaft aber in einem Anfall von Rumpelfußball früh ausscheiden, werden sich die Veranstalter ob ihrer Rabatte ärgern, denn jetzt könnte man einen Frust-Zuschlag am Markt platzieren.
Einige potenzielle Urlauber werden allerdings bei der Kataloglektüre auch ziemlich sauer werden, wenn sie feststellen, dass trotz unzähliger Rabatte links und rechts, ausgerechnet bei ihrem Reisetermin der volle Katalogpreis sie frech angrinst. Es kann sogar noch schlimmer kommen. So erhielten die BBBs Kopie eines Kundenschreibens an einen Reiseveranstalter. Die sichtlich aufgebrachte „Frühbucherin“ für den Sommer 2006 beklagte sich darin, dass ihre spezielle Reise (Familie mit 3 Kindern) um einen hohen zweistelligen %-Satz teurer gegenüber dem Vorjahr wurde. Die Kundin stellte in ihrem Beschwerdeschreiben die „naive“ Frage, wie dieser Preisanstieg im Vergleich mit dem vom Veranstalter öffentlich genannten durchschnittlichen Preisanstieg von knapp über 2% zu erklären sei und war bereit auch gerne eine gewisse mathematische Nachhilfe zum Thema Prozentrechnung zu geben.
Die arme Kundin. Wie heißt der Kalauer der Preis-Kalkulatoren: Wer reist schon zum Durchschnittspreis? Eben, niemand.
-------------------------------- Kleiner aktueller Zusatz. Wer sich die Übertragung des großen Zapfenstreichs für den scheidenden Bundeskanzler Schröder von Anfang an bei nt-v geleistet hat, wird auch die Anweisungen eines nicht näher bekannt gemachten Administrators vor Beginn der Zeremonie gehört haben. Er wies die anwesenden ca. 800 Ehrengäste (wohlgemerkt ausschließlich Ehrengäste) an, wann sie während des Zapfenstreichs zu klatschen hätten, dass sie sich beim Spielen der Nationalhymne von ihren Plätzen erheben müssten und vor allem, dass beim Transfer zum Flughafen unbedingt jeder wieder in "seinen selben" Bus wie bei der Herfahrt steigen sollte. Keine Ahnung ob der Zeremonienmeister früher Reiseleiter bei TUI war, aber so ein Hauch von Pauschalreise klang bei der Busanweisung schon durch die Mikrofonanlage.
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