Was ist dümmer: Flugtickets verschenken oder Flugtickets als Give aways? | 3.10.2005 (Prof. Karl Born)3.10.2005: Was ist dümmer: Flugtickets verschenken oder Flugtickets als Give aways?

Jetzt verschenkt auch Germanwings 300.000 Flug-Tickets (one way) und wird uns bald mit der Nachricht beglücken, wie „wahnsinnig“ sie sich darüber freuen, dass die Tickets so schnell vergriffen waren. Gleichzeitig werden vermehrt Flugtickets als Zugabe zu Daunenjacken, Hemden, Pfannen oder ähnliches angeboten. Demnächst wird man Flugtickets als Wechselgeld bekommen, ähnlich der Bonbons, die man in manchen afrikanischen Ländern statt Kleingeld erhält. Wer glaubt, dass dies ohne Konsequenz für die Wertschätzung der Verbraucher hinsichtlich des Produktes Flug bleiben wird, denkt wahrscheinlich auch sonst wenig über die Zukunft nach (oder liebäugelt bereits mit einem Job in einer anderen Branche).
Kommentar Karl Born:
Allein die Überschrift „Germanwings kopiert Ryanair“ (fvw.de) müsste eigentlich einen ehrgeizigen Manager ärgern. Da kann man sehr gut den Abschiedsspruch von Joschka Fischer über die neue Politikergeneration auf diese Manager umändern in: „Die Playback-Manager“ haben das Ruder übernommen. „Man wolle damit zeigen, die billigsten Flüge gibt es im Internet“, so die erstaunliche Absicht der Verantwortlichen. Es ist zu befürchten, dass Ryanair-Chef O`Leary einen draufsetzt und demnächst noch Bargeld auszahlen wird (was in den BBBs vom 11.11.2002 „Wann führen die Billig-Airlines den Minus-Preis ein“ noch als Satire gemeint war, wird jetzt wohl bald Wirklichkeit). Dann können die Nachmacher damit werben: „Das billigste Geld gibt es im Internet“. Wobei zu bemerken ist, dass diese Tickets zum „Nulltarif“ trotzdem Geld kosten, nämlich Gebühren und Steuern (und das ist nicht wenig). Das macht die Sache allerdings noch unglaubwürdiger und die Kasse dieser Airlines nicht reicher. Natürlich wird es in einigen Fällen noch Rückflugverkauf geben, einiges an Bordverkauf und im Falle Ryanair vielleicht noch ein Goodie durch den Flughafen. Aber das alles wiegt den langfristigen Schaden für die ganze Branche nicht auf. Hin und wieder Preisaktionen, im Sinne von kurzfristiger (zeitlich sehr begrenzter) Preissenkung, das verträgt sogar eine starke Marke. Geschenkaktionen in dieser Größenordnung gibt es in keiner anderen Branche, die lassen sich auch nicht von einem Ir(r)en verleiten.
Ähnlich schädlich ist die „neue Welle“ Flugtickets als Give aways zu verschenken. Als Zugabe zu einer Daunenjacke bei Karstadt gibt es einen Flug nach New York (und retour), für den Kauf eines Pfannen-Sets bei real bekommt man für 1 Cent einen one-way Flug mit Ryanair, wer bei Neckermann für mehr als 100 Euro einkauft bekommt einen Flugschein, an anderer Stelle bekommt man für den Kauf von drei Hemden ein Freiticket und eine Autowerkstatt in der Nähe von Hannover verschenkt ein Flugticket, wenn man zu einer bestimmten Zeit bei seinem Auto einen Ölwechsel durchführen lässt. Die Wertrelation eines Ölwechsels im Verhältnis zu einem Flugticket im Kopf des Verbrauchers, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Wer denkt, dass die Fluggesellschaft von solchen Aktionen profitiert, denkt kaum weiter als bis zum nächsten Triebwerk. Sollte in einigen Fällen das Angebot ohne Wissen der Airline gestartet worden sein, könnte man dies durch entsprechende Geschäftsbedingungen verhindern.
Mit diesen und ähnlichen Aktionen kann eine Airline keine Kunden an sich binden. Dreht doch lieber den Spieß mal um, mit einem give away für einen Flug zu einem regulären Preis.
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