„Klingt blöd“ als strategische Vorgabe | 6.6.2004 (Prof. Karl Born)6.6.2004: „Klingt blöd“ als strategische Vorgabe

Im letzten Geschäftsbericht der Billig-Fluggesellschaft Ryanair zeigt sich der Firmen-Boss Michael O`Leary als Frau verkleidet: Michelle die Chefputzfrau. Sein Motiv: „Irgendwer kam auf die Idee und wir sagten: Klingt blöd, machen wir!“ Das aktuelle Interview mit ihm ist genauso: Klingt ziemlich blöd!
Kommentar Karl Born:
Als in den BBBs am 11.11.2002 gefragt wurde „Wann führen die Billig Airlines den Minus-Preis ein?“, sollte dies eine etwas sarkastische Überzeichnung der aktuellen Marktsituation sein. Aber da hatten die BBBs nicht mit dem Chef der Ryanair, Michael O`Leary gerechnet. Für ihn ist dies keine Übertreibung, sondern die Zukunft der Billigflieger. Die Leute buchen und bekommen noch Geld cash auf die Hand, die Menge wird es schon machen.
Na super, solche „bunten Vögel“ gab es bisher schon in jeder Branche, wobei die Betonung in diesem Satz auf „es gab“ liegt! Vom Hendl-König Friedrich Jahn bis zum Flug-König Freddy Laker, ihre Sprüche über die „Doofheit der anderen“ und die „eigene geniale Einfachheit“ waren (repeat waren) Würze in jedem Interview. So auch O`Leary in seiner neuesten Erklärung. Da ist von „Blutbad“ und von „schrecklichem Winter“ die Rede und dann wird diese Branche vordenkend damit beglückt, was man alles noch einfacher machen könne (O-Ton O`Leary): -- Gepäck? Abschaffen! Dann gibt es auch keine verlorenen Taschen mehr! -- Sitze im Flugzeug? Darauf kann man verzichten! Beklagt sich auch keiner mehr über mangelhaften Sitzkomfort in den Flugzeugen!
Genial lieber O`Leary, endlich zeigt jemand dieser Branche (die nach Ihren Worten ohnehin von „einem Haufen Hohlköpfen geführt wird“), auf was man alles verzichten kann. Da wollen die BBBs nicht zurückstehen und noch eine wesentlich radikalere Verzichtsversion hinzufügen: Wir können uns sogar eine Ryanair ohne O`Leary vorstellen. Merke: Gewinnwarnung im Januar, trotz 47% mehr Kunden weniger Gewinn, Treibstoffkostenabsicherung läuft auch aus, und immer mehr ernstzunehmende Konkurrenz, oh, oh!! Und der „Noch-Gewinn“ von 200 Mio. Euro ist auch keine Überlebensgarantie. Mancher, der vor Übermut aus dem 20. Stock eines Hochhauses sprang, dachte auch 19 Stockwerke lang, dass alles gut gehen könne.
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