Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Hollywood im TUIfly-Cockpit

Der Vorgang hat alles, um ein Hollywood-Blockbuster zu werden: Der Copilot fällt während eines Fluges krankheitsbedingt aus. Eine im Dienst befindliche Flugbegleiterin wird vom Flugkapitän gebeten, den Platz des Copiloten einzunehmen. Zufällig hat sich diese Flugbegleiterin betriebsintern als Flugsicherheitsexpertin weitergebildet. Der Pilot und seine neue Assistentin landen den Jet mit 190 Menschen an Bord sicher auf dem Zielflughafen.

Wie jetzt bekannt wurde, ist das so tatsächlich am 11.10.2016 im französischen Luftraum an Bord eines TUIfly-Fluges nach Mallorca geschehen. Natürlich würde Hollywood das ganze bombastischer aufblasen. Der Titel des Filmes würde wahrscheinlich „Rettung über den Wolken“, „Saving 190 Lives“ oder „Nonstop Cockpit Hero“ heißen. In dem Streifen würde die Flugbegleiterin tolle Entscheidungen treffen und der eigentliche Pilot würde zum Statisten degradiert.

Was mich wundert ist, dass dieser Vorfall fast zufällig erst jetzt durch den Abschlussbericht der BfU-Untersuchung bekannt wurde. TUIfly hat der Flugbegleiterin zwar eine Anerkennung zukommen lassen (Details hierzu sind nicht bekannt), aber die Dame wäre bestimmt auch ein willkommener Gast in sämtlichen Talkshows dieser Republik gewesen und jeder Auftritt von ihr eine gelungene Marketing-Maßnahme für TUIfly. Warum ist das nicht geschehen?

Gleichzeitig kam mir der 11.10.2016 als Datum bekannt vor. Und tatsächlich ist es mir wieder eingefallen. Nur wenige Tage vor diesem Termin, nämlich am 6. und 7.10.2016, fand die etwas mysteriöse Massenerkrankung (präziser gesagt Massenkrankmeldungen) von TUIfly-Piloten statt. Nach einer plötzlichen Wunderheilung von fast 500 Personen fliegendes Personal, gab es erst am 10.10.2016, also einen Tag vor dem o.g. Ereignis, wieder einen vollständigen Flugplan. Da hätte die Geschichte mit dem jetzt während des Fluges erkrankten Piloten nicht so richtig in den Kommunikationsplan gepasst.

Derzeit überprüfen die deutschen Airlines sehr kritisch das vier-Augen- Prinzip (wenn ein Pilot/in das Cockpit verlässt, muss eine Flugbegleiter/in dessen Platz einnehmen). Markus Wahl, dem Sprecher der Vereinigung Cockpit, ist bei seinem berechtigten Statement gegen diesen Placebo-Schnellschuss vom März 2015, noch zusätzlich der Satz rausgerutscht: „Es ist sicherlich richtig: Zwei Mann im Cockpit sind immer sicherer als einer“. Da muss ich eine kleine Korrektur anmerken: „zwei Mann“ im Cockpit können auch „zwei Pilotinnen“ im Cockpit sein. Oder notfalls auch eine TUIfly-Flugbegleiterin.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)