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„Air Parchim“ – wie „sick“ ist das denn?

Früher hieß es „blau machen“ oder „den gelben Schein abholen“, wenn man sich krank meldete, ohne so richtig krank zu sein. Die moderne Variante, vor allem ab einer bestimmten Gehaltsklasse, nennt man „Sick out“. Und genau das machten 200 Piloten der Air Berlin, mit gleichzeitigen, natürlich „unabgesprochenen“ Krankmeldungen. Ich nenne das eher: „Da versuchen einige den dünnen Ast abzusägen, auf dem sie sitzen.“

Am Ende des Tages war das dann überraschenderweise doch nicht die Top-Nachricht des Tages. Bei „Bild.de“ rangierte ganz oben: „Jetzt wollen die Chinesen bei Air Berlin einsteigen – und Air Berlin aus der Stadt aufs Land verlegen.“

Ja ist denn schon wieder 1. April?
Da will doch tatsächlich der chinesische Unternehmer Jonathan Pang, der mit seiner Gesellschaft Link Global vor zehn Jahren den Flughafen Parchim (internationale Bezeichnung: Schwerin-Parchim International Airport) übernommen hat, für die komplette Air Berlin bieten und den insolventen Carrier (oder zumindest Teile davon) in den hohen Norden verlegen.
Ich habe alle verfügbaren Kalender durchgesehen, aber in keinem stand, dass wir nun den 1. April haben.

„Viele Ideen, kein Ergebnis“
Kenner der Parchimer Flugszene entlockt das natürlich nur ein müdes Lächeln, denn seit zehn Jahren soll Parchim (laut Homepage des Flughafens „im Zentrum von Europa gelegen“) schon zu einem internationalen Drehkreuz ausgebaut werden. „Viele Ideen, kein Ergebnis – die unendliche Geschichte des Flughafens Parchim“, nannte es mal der Deutschlandfunk.
Tatsächlich ließ Link Global immer wieder Zahlungstermine verstreichen und führte erforderliche Baumaßnahmen nicht aus. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern prüft seit 2010 einen weitgehenden Forderungsverzicht. Die Flughäfen Lübeck und Hahn lassen herzlich grüßen …

Auch will Pang in Parchim seit einem Jahrzehnt eine Shopping-Mall hochziehen. Das Luxus-Outlet-Center soll etwa 12.000 Quadratmeter groß werden. Hauptsächlich chinesische, russische und arabische Kunden sollen die Mall besuchen – die Investoren rechnen pro Tag mit 3000 Passagieren in Parchim. Wird Air Berlin dann bald als eine Art Reisebus fungieren, der die kaufwillige Kundschaft zu den Luxus-Heizdecken nach Parchim bringt? Immerhin wäre die Langstrecke damit ausgelastet.

Wenn man sich mal amüsieren will, kann ein Blick auf die Homepage des Flughafens lohnen. Dort wirbt der Airport unter anderem mit: geringeren Kosten als an anderen Flughäfen, Betriebserlaubnis 365 Tage, 24 Stunden täglich, alle Flugzeugtypen (inklusive der A380) können abgefertigt werden. Da lacht doch jedes Berliner Flughafenherz.

Höhe stellt sogar Wöhrl in den Schatten
Und was die Air-Berlin-Nachricht krönt: Die Chinesen wollen angeblich eine Milliarde Euro bieten. Richtig gelesen, eine eins und dahinter neun Nullen! Da hat es aber dem fränkischen Anbieter Hans Rudolf Wöhrl glatt den Tag verhagelt. Sein angekündigtes sensationelles Angebot, das fast alle Medien als eine halbe Milliarde Euro benannt hatten, wurde locker verdoppelt. Tatsächlich ist das Angebot von Hans Rudolf Wöhrl nur die festzugesagten 50 Millionen Euro wert – der Rest ist Fantasie. Das kann er doch selbst nicht ernst meinen, was er hier anbietet. Seinem Buch wird es helfen, aber dieser „Traum wird nicht zum Fliegen kommen“.

Auto-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat als Reaktion auf das Angebot aus Fernost direkt noch einmal klar gestellt, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle über eine europäische Fluggesellschaft auch von Europäern gehalten werden muss. Kleine Fußnote Dobrindts für alle, die das Angebot wirklich ernst nehmen.

Wöhrl + Pang = „LUFTfahrt“
Das schreit nach einer unkonventionellen Lösung: 51 Prozent bekommt der Franke Wöhrl und 49 Prozent wandern auf das Konto des Heizdecken-Chinesen. Dieses Gemeinschaftsunternehmen dürfte zu Recht in seinem Namen das Wort „Luftfahrt“ führen, wobei die Betonung auf dem ersten Teil des Wortes liegen sollte.

Auch der letzte Gedanke in dieser Kolumne gilt nochmal unserem Schienen-Heini Dobrindt. Er forderte die „kranken Air Berlin-Piloten“ wieder zur Arbeit auf. Ausgerechnet Dobrindt, der vier Jahre lang luftfahrttechnisch nicht viel gearbeitet hat, meint dies sagen zu müssen. Deshalb ordne ich seine Aufforderung unter: „Das Wort zum (Wahl-)Sonntag“ ein.
Wie hält es der Chinese eigentlich mit der Arbeit?

Diese Kolumne wurde auch als „Die Born-Ansage“ bei airliners.de veröffentlicht.

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Muss Fliegen wirklich noch billiger werden?

„Es gibt kaum etwas auf dieser Welt, das nicht irgend jemand ein wenig schlechter machen kann und etwas billiger verkaufen könnte, und die Menschen, die sich nur am Preis orientieren, werden die gerechte Beute solcher Menschen.“

Dieses Zitat hat mir die Verbreitung der Angebotspalette von Billigfluggesellschaften wie Wizz Air, Wow Air, Norwegian, Ryanair, Eurowings und anderen wieder in Erinnerung gebracht. Es stammt von John Ruskin, einem englischen Sozialphilosophen, wohlgemerkt aus dem 19. Jahrhundert. Wettbewerb nur über den Preis hat also eine lange Tradition mit nur geringem Lerneffekt.

Gut, Fliegen soll kein Luxusgut sein und nicht nur Wenigen offen stehen. Aber von dieser Situation sind wir doch meilenweit (seit Jahren) entfernt. Immer billiger werden zu wollen, dient nicht mehr dazu neue Kundenschichten zu erschließen, sondern nur dem Verdrängungswettbewerb. Wohin das führt, können wir bei anderen Branchen beobachten. Die permanenten Preissenkungsaktionen der Discounter Aldi, Lidl u.a. erweitern schon lange nicht mehr den Gesamtmarktanteil der Discounter gegenüber den traditionellen Anbietern, sondern dienen nur noch der Marktanteils-Umschichtung untereinander.

Der CEO einer bekannten Touristikgesellschaft berichtet mir mal stolz, wieviel „traffic“ neuerdings auf der Website seiner airline sei. Und was haben die Kunden dort gemacht? Sie haben sich nicht über die Airline informiert, sondern nur geschaut, ob es hier oder anderswo ein Euro billiger sei. Ein unverändert wertvolles Gut wird in der Vermarktung auf einen Euro Preisunterschied degeneriert.

Ich könnte mich jedesmal aufs Neue amüsieren, wenn sich ein bei der Buchung besonders schlauer User über den Sitzabstand auf einem Langstreckenflug beklagt und ebenso „vermeintlich eloquent“ bemerkt, dass die Legehennen-Verordnung doch wesentlich strenger sei.
Ebenso finde ich es „lustig“ wenn RTL-Benkö und andere angebliche Urlaubsretter Bilder von „unmöglichen“ Hotels kommentieren, aber nur am Rande den kleinen dreistelligen Preis erwähnen, den in Folge des Preissenkungswahn heute viele Urlauber auch für einen Urlaub in der Karibik für ganz normal halten.

Der Preis als einziges Marketing-Instrument ist zum Eldorado für viele zweitklassige Manager geworden. Um einen Euro billiger anzubieten als die Konkurrenz (egal ob man sich das leisten kann oder nicht) muss man keine Betriebswirtschaft studiert haben. Zumal mit der Preissenkung ein Wegfall von Leistungen für den Kunden einhergeht. Oder der Kunden muss zunehmend Leistungen selbst erbringen (z.B beim Check in). Oder die Preissenkung gehen zu Lasten der Beschäftigten (Gehaltseinbußen, Arbeitsverdichtung) oder zu Lasten dritter Marktteilnehmer.

Ein früherer Geschäftsführer von TUIfly begründete die weitere Abschaffung einer bislang etablierten Leistung mit den Worten „wir passen uns damit dem Wettbewerb an“. Müssen sich die Kunden da auch noch bedanken?

Dummerweise ist dies alles zu einem allgemeinen Wahn geworden. In „Fragmente“, den philosophisch-aphoristischen Schriften von Novalis heißt es so schön: „Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf, Wahnsinn zu sein, und wird Magie, Wahnsinn nach Regeln und mit vollem Bewusstsein.“ Na dann „Guten Flug“.

Etwas Nettes soll aber doch noch zum Schluss kommen. Nicht am Valentinstag, sondern zu den Erstflügen der Eurowings mit Air Berlin Fluggerät, postete der Social Media Bereich der Air Berlin: „In einer offenen Beziehung mit Eurowings“. Das finde ich kreativ (und offensichtlich auch inhaltlich richtig).

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TUIfly: Massen-Krankmeldungen sind eine skandalös falsche Antwort. Ein Appell an die Vernunft.

Der seit Jahren dauernde schleichende Abstieg der einst stolzen Hapag-Lloyd Flug über HLX, hapagfly, TUIfly bis heute ist sicherlich mehr das Resultat schlechter Managementleistung als schlechter Arbeitsleistung. Aktuell war die Art und Weise der geplanten Zusammenarbeit für TUIfly mit Etihad Airways in einer neuen Holding kommunikativ sehr unterproportional.

Dass die TUIfly Kollegen verunsichert und verärgert sind, ist nachvollziehbar. Aber kurzfristige massive Krankmeldungen sind skandalös falsch. Es ist weder als „gleiches mit Gleichem zu vergelten“, noch ist es inhaltlich hilfreich, sondern im Gegenteil.

1. Dass diese plötzliche Massenerkrankung nicht von einer überraschenden Epidemie verursacht wurde, liegt auf der Hand. Sonst müsste ja das Gesundheitsamt einschreiten. Also liegt wohl eine massenhafte psychische Erkrankung vor, die „gegen das Management eingesetzt werden soll“. In den Medien wird ein Pilot zitiert mit, „das Management soll sich überlegen, ob es verantworten kann, dass Piloten, die Angst um Ihre Zukunft haben, ihre Fluggäste fliegen“. Heute wird in der Hannoverschen Zeitung eine sogar namentlich genannte Flugbegleiterin mit dem Satz zitiert: „Ich würde mich nicht in ein Flugzeug setzen, in dem das Personal so verunsichert ist“.
Geht´s noch? Diese Äußerungen können doch nicht zu Ende gedacht sein. Wenn das Mehrheitsmeinung bei Piloten und Flugbegleiter sein sollte (was angesichts der hohen Flugausfallquote anzunehmen ist), wäre das eine noch nie dagewesen Erklärung, dass Fliegen mit TUIfly zur Zeit unsicher ist. Demzufolge müsste sofort das Luftfahrtbundesamt (LBA) einschreiten und den Flugbetrieb von TUIfly stilllegen. Ein kleiner Blick über die persönliche Betroffenheit hinaus ist hier dringend geboten. Oder soll langfristig ein Einschreiten des LBAs sogar provoziert werden? Dann wirklich gute Nacht TUIfly.

2. Streik ist natürlich ein vollkommen legales Mittel im Arbeitskampf. Ich bin sogar der Meinung, dass in Deutschland eher zu wenig als zu viel gestreikt wird. Aber wann gestreikt werden darf ist gesetzlich geregelt. Dieser Streik durch Krankmeldung ist illegal. Ob abgesprochen oder nicht ist unwesentlich, es genügt schon das konkludente Verhalten („stillschweigende Abstimmung durch gleiches Verhalten“).

3.Aber es bringt auch inhaltlich nichts. Warnstreiks sind immer kurz, sie sollen ja nur warnen. Aber diese Fundamentalaktion gefährdet im Ergebnis die Firma als solche. „Weil mir jemand etwas Böses tut, verletze ich mich selbst noch stärker um darauf aufmerksam zu machen“ hat schon fast borderline Charakter. Wofür streike ich dann überhaupt? Es gilt Druck zu machen, dass man allerspätestens jetzt vom Management stärker in die Gestaltung der Zukunft einbezogen wird. Das würde aber Beendigung der Krankmeldungen voraussetzen, sonst gibt es nichts mehr zu gestalten. Die Mitarbeiter von TUI Deutschland haben es mit ihrem „schwarzen Auftritt“ zum Thema Ausgliederung doch vorgemacht, dass man auch so etwas bewirken kann. Immerhin befasst sich der Aufsichtsrat nochmal mit dem Thema und es soll auch ein Kompromissvorschlag auf dem Tisch liegen.

4. Noch ein Wort zum Lease-Vertrag mit Air Berlin. Die TUI-Altvorderen hatten hier einen Vertrag geschlossen, der in den letzten Jahren wesentlich zum Auskommen für TUIfly gesorgt. Gleichzeitig war er zunehmend eine Belastung und hat wesentlich zur schlechten wirtschaftlichen Situation bei Air Berlin beigetragen. Oft habe ich in Gesprächen in Hannover diese klammheimliche Freude gegen Air Berlin gespürt, auch bei TUIfly. Logisch, dass Etihad als großer AB-Eigentümer dringend eine Lösung suchte, bevor dieser Vertrag das Ende für AB bedeutet (wenn ich bei AB in Verantwortung gewesen wäre, hätte ich schon früher diese Karte gezogen). Letzteres wäre auch eine Katastrophe für TUIfly, weil es dafür im weltweiten Markt keinen Ersatz gegeben hätte. Das jetzige Konstrukt erscheint mir angesichts dieser Problematik für beide Seiten zumindest ein Weg für einen Kompromiss zu sein. Dafür muss man argumentativ kämpfen und nicht blockieren. Bemerkenswert wie Air Berlin mit Hilfe von Etihad-Partnerairlines versucht die Fehlleistungen von TUIfly zu mindern. So schlecht scheint der Etihad-Verbund nicht zu funktionieren.

5. Mit der jetzigen Vorgehensweise ist TUIfly allein im Kampf um eine berechenbare Zukunft. Zur Lösung solch gravierender Probleme braucht man aber Verbündete. Die Mitarbeiter in den Operations-Zentralen, am Flughafen, in den Reisebüros arbeiten sich krumm, um den Schaden der durch zumindest Teile des fliegenden Personals verursacht wird zu mindern. Vor allem aber die Fluggäste werden nachhaltig verärgert, dieser Imageschaden wird auf längere Zukunft verheerend sein. Es ist unglaublich, wie hier ein Kollateralschaden hingenommen wird, der auch nur das geringste Pflichtbewusstsein vermissen lässt. Egal kann das nur jemand sein, der darauf hinaus ist, dass es „kein weiter“ geben soll.

Es ist mehr als höchste Zeit, dass die Weitsichtigen aus dem Lager des fliegenden Personals die Kurzsichtigen überzeugen. Hardliner sind dabei eine ganze Firma zu zerstören, das ist wohl einmalig in Deutschland. Aber da hat niemand etwas davon, auch nicht die Familien des fliegenden Personals.

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Ryanair-Chef O’Leary ist der Donald Trump der Lüfte

Als ich das Interview von Ryanair-Chef Michael O’Leary in der „Zeit“ gelesen habe, wusste ich sofort: diesen großmäuligen nervigen Ton kenne ich doch von irgendwo her. Na klar, das ist doch O-Ton Donald Trump, nur nicht aus der Hotel-, sondern aus der Luftfahrtbranche.

Einerseits erfolgreich und bisher viel Geld verdient, andererseits ein ungezogener Rüpel. Immer die gleiche Platte, „ich habe sehr viel Geld verdient“, „ich weiß nicht nur wie mein Geschäft läuft, sondern ich habe auch die Weisheit für alles andere auf der Welt gepachtet“. Dabei ein ganz krummes Frauenbild haben und schnell wütend werden, wenn man sie darauf hinweist, dass sie gestern etwas vollkommen anderes gesagt haben als heute.
Letzteres jedoch nicht in der alten Adenauer’schen Unbekümmertheit – „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ – sondern in Sturheit darauf beharrend, es schon immer (und als Einziger) gewusst zu haben.

Dabei sind beide nur begrenzt Originale. Weder hat der eine die Politik, noch der andere das „Fliegen“ erfunden – auch nicht das Modell „Billigfliegen“ (da würde ich doch eher an Freddy Laker und vor allem an Southwest Airlines denken). Trump und O’Leary profitieren davon, dass die etablierten Modelle (Establishment in USA und traditionelle Hub-Airlines in Europa) sich sehr schwer tun, in die Neuzeit zu kommen.

Insofern basieren die Modelle der beiden Herren nicht auf wirklich Neuem, sondern eher auf Fehlerkorrektur des „bisherigen alten Systems“ und dabei natürlich auf Speed (im Sinne von Geschwindigkeit!). Beide sind zu ihrem Reichtum gekommen, indem sie ihre Mitarbeiter und ihre Geschäftspartner ausbeuten – so funktioniert eben ihr persönliches „neues System“.
Die mögliche lapidare Erklärung, es müsse ja niemand Geschäfte mit Trump beziehunsweise O’Leary machen, verkennt allerdings, dass die aktuellen Verwerfungen als Folge des entstandenen Neo-Liberalismus (unter anderem Lohn- und Sozialabbau sowie die Verwirrung der öffentlichen Hand, sich da zurechtzufinden) einer gewissen geschäftlichen Skrupellosigkeit in die Karten gespielt haben.

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade bei Verkündung des „tollen“ Ryanair-Ergebnisses massive Sozialdumping-Vorwürfe wieder laut werden. Da viele Kosten nun mal in der Fliegerei identisch sind, bieten sich insbesondere radikale Kürzungen im Bereich der Personalkosten an. Die Verträge insbesondere mit seinem fliegenden Personal sind Ausbeutung pur. Das „wer nicht will, kann ja auch woanders arbeiten“ geht leider an den tatsächlichen Möglichkeiten vorbei.

Ganz typisch die sarkastische O’Leary-Reaktion auf die Vorwürfe, statt mit echten Argumenten lieber mit einem dümmlichen Spruch zu antworten: „Die (Gegner) behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, geben ihnen kein Essen und sperren sie nackt ins Cockpit.“ Das ist das typische Trump-Ablenkungsmanöver. Aber wie sollte er seine „atypischen Beschäftigungsmodelle“, bei denen der Wettbewerb knallhart auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen wird, auch vernünftig verteidigen.
Kritische Beiträge über O´Leary werden zumeist gekontert mit dem Argument, aber der Erfolg gäbe ihm recht. Der Zweck darf aber nicht die Mittel heiligen, sonst können wir auch Fans der FIFA, von Carsten Maschmeyer und anderer Erfolgsmodellen sein.

Typisch O’Leary (in der Trump-Kopie), dass er die von dem „Zeit“-Journalisten vorgelegten Fakten (teilweise aus seinem eigenen Jahresbericht zitiert) abstreitet oder schlichtweg nicht kennt (auch letzteres halte ich für möglich). Natürlich fehlt auch nicht sein Dauerhinweis, wie schnell sich sein Vermögen verdoppeln wird, während die Konkurrenten pleitegehen (Eurowings) oder an Lufthansa verkauft werden (Air Berlin).

Besonders gefährlich waren und sind diese Ryanair-Geschäftspraktiken, weil die konkurrierenden Airlines glaubten und noch glauben (bis hin zu Lufthansa), nur durch Kopieren dieser Methoden erfolgreich sein zu können. Dabei stößt das Ryanair-Modell, wie jedes Billigmodell, irgendwann an Marktkapazitätsgrenzen. Insofern ist der Bezug von O’Leary auf Aldi (wahrscheinlich unfreiwillig) richtig, weil auch der Discounter-Markt heute nicht mehr insgesamt, sondern einzelne Unternehmen nur noch zu Lasten der Konkurrenten wachsen.

Allerdings muss ich zugeben: O’Leary hat hier die Nase wieder im Wind, wenn er neuerdings Kundenfreundlichkeit, mehr Möglichkeiten an Bord, Vielfliegerprogramm oder auch das Anfliegen der zentralen Airports und so weiter herausstellt, während die Konkurrenten hier noch über Verschlechterungen nachdenken.

Früher habe ich immer geglaubt, das sei perfektes Marketing was er so an Sprüchen raushaut, heute denke ich eher O’Leary glaubt das selbst, was er so von sich gibt. Übrigens ein typischer CEO-Fehler, wenn der Zenit überschritten ist.
„Seit wir angefangen haben, netter zu den Kunden zu sein“ – man höre und staune – „laufen auch meine Pferde viel besser. Netten Menschen geschieht Gutes“, so O’Leary. „Solange die Luftverkehrssteuer in Deutschland existiert, werden wir da nicht mehr expandieren.“ Schon vergessen. Ryanair expandiert inzwischen, trotz der immer noch existierenden Steuer.

Aber unverzeihlich ungezogen finde ich den Interview-Abschluss mit dem Bezug auf sein Familienleben. „Meine Kinder denken sowieso, dass ich ein Idiot bin, so ist das auch in Ordnung. Wenn sie das nicht denken würden, dann werden sie sowieso nutzlos sein.“ Und ganz besonders niedriges Niveau finde ich dann seine Folgerung: „Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen – aber nicht, wenn sie vier unter zehnjährige Kinder hat.“
Entweder Frau O’Leary liest diesen Quatsch in seinen Interviews nicht – oder sie denkt wie ihre Kinder über ihren Mann.

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Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor?

Wenn man einen bestimmten Schlager von Klaus Lage leicht modifiziert, dann passt er zum Flughafen BER.
„Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert.
Tausend und eine Nacht, und es hat immer noch nicht ZOOM gemacht.“

1000 Tage Nicht-Eröffnung und nicht einmal eine Feier ist angesagt. Wowereit fehlt. Er hätte garantiert prüfen lassen, ob man eine Flughafeneröffnung auch feiern kann, wenn der Flughafen nicht eröffnet ist.

Blicken wir zurück in das Jahr 2012. Ich erhielt die Einladung beim „Tag des Tourismus 2012“ in Berlin, am 9.5.2012, zu sprechen. Das Thema sollte sein: „Flughafen BER“, dessen Eröffnung für den 3. Juni 2012 unmittelbar bevor stand. Mein Vortrag sollte gerne provokant, aber nicht zu negativ sein, also wählte ich das Thema: „BER: Fasten seatbelts please – der Weiterflug könnte unruhig werden“.

Wie man das so macht: Anreise am Vortag um morgens pünktlich zu sein. Während der Anreise am 8. Mai kommt die Nachricht: Flughafeneröffnung abgesagt. Ein Albtraum für einen Redner? Es gibt Schlimmeres.

9. Mai 2012, der Tag nach der überraschenden Absage. Der Veranstaltungsort „Kosmos Berlin“ ist knackevoll. Die TV-Kameras aller wesentlichen Sender sind anwesend. Meine Befürchtung: Die kommen nicht wegen meines Vortrages. Aber immerhin, sie waren da. Klasse. Schön, wenn man Geschichte live erlebt.
Vor mir sollte der damalige Flughafenchef Prof. Schwarz sprechen. Sein Thema: BER – noch 25 Tagen bis zum Start“. Aber Prof. Schwarz war nicht anwesend, leichte Panik beim Veranstalter. Dann die Nachricht: er kommt später, ist noch bei Wowereit. Bitte des Veranstalters, ob ich meinen Vortrag nicht sofort halten könnte. Na klar.
Meine Charts waren natürlich schon vorher geschrieben. Also begann ich mit meinem Vortrag und änderte live mein erstes Chart „Ansprüche an einen Flughafen“ in „Ansprüche an einen Flughafen, wenn er denn geöffnet wäre“. Das hob gleich die Stimmung im Saal. Der Rest war eine lockere Mischung aus geplantem Vortrag und aktuelle Improvisation. Auf Chart 10 legte ich mich fest: „Die Kapazitätsfrage ist noch ein Tabu-Thema. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass dies die richtige Größe für den BER ist?“. 1.000 Tage später gilt diese Voraussage natürlich erst recht.

Hier noch zwei Zitate aus jener Zeit.
Wowereit wenige Tage vorher auf die Frage eines Journalisten „warum sind Sie so sicher, dass der Flughafen pünktlich eröffnet wird?“ mit der (arroganten) Antwort „weil wir das so beschlossen haben“.
Und Mehdorn (damals noch Air Berlin-Boss) orakelte 80 Tage früher (am 29.2.2012) mit seinem „unnachahmlichen Charme“: „Der Schwarz (Flughafendirektor) sieht ja noch erstaunlich gut aus, 100 Tage vor der Eröffnung. Irgendwo steht da eine Guillotine rum, unter die er muss, wenn dann der Flughafen nicht offen ist“. Oh, oh, Mehdorn, nur durch die Gnade der Berliner Politik ist nicht dein eigener Kopf unter die Guillotine geraten.

Ach, das fehlte noch. Merken Sie sich den 23.11.2017 vor. 2000 Tage seit Nichteröffnung!
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Am Donnerstag, 5. März 2015, gibt es wieder meine neue zusätzliche Kolumne bei airliners. Wahrscheinliches Läster-Thema: Verkehrsminister Dobrindt, schon fast so gut wie sein Vorgänger Ramsauer. Schauen Sie mal rein bei: www.airliners.de/thema/die-born-ansage.

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Air Berlin hat beim Luftfahrtbundesamt offensichtlich schlechte Karten, warum eigentlich?

Lt. dpa hat das Luftfahrtbundesamt entgegen seiner bisherigen langjährigen Praxis 34 gemeinsame Flugverbindungen (sog. Code-share-Flüge) von Etihad mit Air Berlin untersagt. Der Fluggesellschaft seien außerdem noch andere Verkehrsrechte verweigert worden. Die Behörde nannte aber weder Details noch Gründe für ihre Entscheidung.

Diese Entscheidung, die formal gegen Etihad gerichtet ist, trifft aber in hohem Maße die wirtschaftliche Entwicklung von Air Berlin. Man kann sicherlich über die intensive Zusammenarbeit von Air Berlin mit Etihad (Abu Dhabi) unterschiedlicher Meinung sein, aber zumindest hat dies bei der Sicherung der Arbeitsplätze von Air Berlin geholfen.

Dass die Behörde sich über die Entscheidung ausschweigt, lässt auch Böses vermuten. Schauen wir doch mal hinter die Kulissen. Die vorherige Code-share Genehmigung des Luftfahrtbundesamtes wurde massiv von der Landesregierung Bayern und der Landesregierung Hessen angegangen, angeblich um die Interessen der Flughäfen München und Frankfurt zu schützen.
Pech Nr. 1 für Air Berlin, ihre starken Abflughäfen heißen Düsseldorf und Berlin.

Auch „Lufthansa ist Sturm dagegen gelaufen“ (Zitat Handelsblatt). Wer allerdings denkt, alles was Air Berlin schadet würde Lufthansa nützen, irrt. Lufthansa muss ihre eigenen Hausaufgaben machen, ihre Probleme sind ganz andere. Sollte jedenfalls Air Berlin/Etihad jetzt Passagiere verlieren, werden diese garantiert nicht bei Lufthansa sondern anderswo landen. Aber einen „Watschenmann“ zu haben, um von eigenen Probleme abzulenken, kann nicht schaden

Pech Nr. 2 für Air Berlin: Sie ist eine Fluggesellschaft und kein Rüstungsunternehmen. Da denkt der Bayrische Ministerpräsident nämlich ganz anders. Diese vorwiegend in Bayern liegenden Arbeitsplätze dürfen nicht gefährdet werden, siehe vor kurzem die Diskussion über Rüstungsexporte. Wohin? Interessanterweise u.a. nach Saudi Arabien und Katar. Also Rüstungsgüter in den Orient sind ok, Fluggenehmigungen kann man gerne streichen.
Da könnte man fast auf den schrägen Gedanken kommen, dass wohl oder übel der Scheich von Abu Dhabi demnächst Frau Merkel einen Besuch abstatten muss, wie kürzlich der Emir von Katar (da wäre eine laute Diskussion über das Wort „Unrechtsstaat“ angebracht gewesen), ein paar Panzerchen und anderes schießendes Gerät bestellen, dann könnte es auch mit den Luftfahrtgenehmigungen klappen.

Mit der Luftfahrt hat es unsere Bundesregierung ohnehin nicht besonders. Da wird eine ganze Branche mit der Luftverkehrssteuer „abgemolken“ von der inzwischen jeder weiß, wie schädlich sie für die deutsche Luftfahrt ist. Aber Herr Schäuble, will auf diese Steuer trotzdem nicht verzichten. Punkt.
Ach wie ist es schön, wenn sich unsere Kanzlerin in Brüssel für die Automobilbranche in die Bresche wirft und höhere (eigentlich schon vereinbarte) Abgasnormen verhindert, damit die deutsche Automobilbranche ihre Arbeitsplätze nicht gefährdet.

Angeblich soll sogar Bundesverkehrsminister Dobrindt letztlich die Entscheidung gegen Etihad getroffen haben (lt. Handelsblatt). Der hat es offensichtlich auch nicht so mit dem Luftverkehr. In seiner Haushaltsrede hatte er zum Luftverkehr keinen Satz anzumerken. Da steht er in der Tradition seines Vorgängers Peter Ramsauer. Der hat den Luftverkehr auch keinen einzigen Schritt vorwärts gebracht, sondern nur behindert (siehe unnötigen Flugstopp wegen Aschewolke und fehlendem Engagement gegen die Luftverkehrssteuer). Am Montag, 13.10.2014, ist wieder BTW-Treffen (BTW = Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft). Mit Schrecken denken die BBBs noch an das BTW-Treffen in 2010. Hauptredner war damals Ramsauer. Nicht seine Rede war das schreckliche (die BBBs hatten von seinem Auftritt nichts erwartet und wurden demzufolge auch nicht enttäuscht), sondern die Tatsache, dass er anschließend noch vom BTW „gepampert“ wurde: „Herr Ramsauer hat immer ein offenes Ohr für unsere Branche“. Falsch: er hatte „zwei“ offene Ohren, rechts ging die Botschaft hinein und in der gleichen Sekunde wieder links hinaus. Bravo, für so viel „offenes Ohr“.

Jetzt am Montag steht auf der BTW-Tagesordnung eine Podiumsdiskussion von vier Staatsekretäre/-innen (u.a. vom Verkehrsministerium) zum Thema: „Wirtschaftsfaktor Tourismus – in der Politik angekommen?“. Die BBBs erwarten wiederum nichts und werden demzufolge auch nicht enttäuscht sein. Aber wenn danach wieder geschmeichelt wird, wird zumindest eine Person den Saal verlassen.

Merke: Automobilbranche, Rüstungsindustrie, Pharmaindustrie, Agrarwirtschaft u.a. gehen die Politvertreter knallhart an (und haben deshalb Erfolg).
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Wegen vorübergehend technischer Probleme, haben die Abonnenten des BBB-Newsletters in dieser Woche gleich mehrere Newsletter bekommen. Entschuldigung.

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Keine schöne Offenbarung

Letzten Montag hatten die BBBs noch eine schnelle politische Entscheidung für die Einstellung von Flügen nach Tel Aviv gefordert. Schon einen Tag später gaben Lufthansa und Air Berlin bekannt vorerst nicht nach Tel Aviv zu fliegen. Das war natürlich nicht der Verdienst der BBBs und leider auch nicht grundsätzliche politische Einsicht. Die amerikanische Fluglinie Delta war im Anflug, als 1,6 Km vom Flughafen entfernt, Raketentrümmer niedergingen. Es folgte die Flugumleitung nach Paris und die amerikanische Anweisung Flüge nach Israel zu stoppen. Wie immer, alles was die Amerikaner machen, „dürfen auch die Deutschen machen“.
Egal, über eine richtige Entscheidung (warum auch immer) darf man sich trotzdem freuen.

Aber der politische Druck ließ nicht lange auf sich warten. Volker Beck, ehemals parlamentarischer Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion (aus gutem Grund ist er das nicht mehr) meinte Lufthansa und Co. belehren zu müssen: „Fluggesellschaften trügen nicht nur Verantwortung für die Sicherheit der Passagiere, sondern auch für die Menschen, die auf einen funktionsfähigen Flugverkehr angewiesen sind“. Danke Schlaumeier Beck, das ist allerdings ohnehin Geschäftsprinzip bei Lufthansa. Politisch sei nur daran erinnert, wie wegen einer popeligen Aschewolke der Flugverkehr tagelang ruhen musste. An den legendären Politikerspruch: „Lieber nicht fliegen, als wenn nur ein Passagier auf einem Flug nach Mallorca abstürzt“ darf erinnert werden.

Noch doller argumentierte die CDU Abgeordnete Gitta Connemann (CDU) aus Leer/Unterems, zumindest bekannt aus dem BILD-Gesangsvideo zum 60. Geburtstag für Frau Merkel. Sie sprach von einer „Kapitulation des Westens vor dem Terror“. Lebensgefahr für Fluggäste als politisches Statement? Gitta Connemann (CDU), Mitglied im Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft, verfügt offensichtlich auch über ausreichende militärische Fachkenntnisse („Israel verfügt über ein funktionierendes Raketenabwehrsystem“), das jegliche Gefahr für den Flugbetrieb ausschließt.
Bevor wir es vergessen, die beiden Politiker sind Vorsitzender und stellv. Vorsitzende der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe. Welche Interessen zählen mehr? Politische Interessen vor Sicherheitsinteressen? Niemals!
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Mein persönliches Highlight der Woche.
Langjährige BBB-Leser ahnen was jetzt kommt. Thomas Middelhoff auf der Flucht aus dem Gericht. Zitat: „Er kletterte aus einem Fenster an der Rückseite des Justizgebäudes an einem Regenrohr entlang auf ein Garagendach, sprang aus 2,50 Meter Höhe in ein Parkrondell und entkam“.
Middelhoff im feinen Zwirn klettert an einem Regenrohr abwärts. Tiefpunkt eines Lebens oder erst jetzt im Leben angekommen?

Dieser Satz war auch nett: „Middelhoff hatte vorher eine Vermögensauskunft abgegeben“. In der Umgangssprache nennt man dies einen „Offenbarungseid leisten“. Meinung BBB: Seinen fachlichen Offenbarungseid hatte er schon früher bei fast jeder Amtshandlung und jedem Vortrag geleistet.

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Ganz oben Ganz unten

Das war die Buchvorstellung der Woche. Ex-Bundespräsident Christian Wulff präsentierte seine Abrechnung „Ganz oben Ganz unten“. Im Mittelpunkt der Berichterstattung darüber stand seine (offensichtlich „nichts dazu gelernt“) Feststellung: Ich wäre heute noch der Richtige im Amt.

Dieser Satz hat einige Manager dazu verleitet nun mit „ihren“ Büchern auf den Markt zu kommen.

Hartmut Mehdorn: „Tausendmal probiert, nie hat was funktioniert“. Mehdorn beschreibt seine Berufsstationen Heidelberger Druckmaschinen, Deutsche Bahn AG und Air Berlin. Dabei kommt er zur Feststellung: „Ich wäre überall noch der Richtige im Job“. Anmerkung der BBBs: Mehdorn ist wirklich genial. Auf die Frage, bis wann er nun einen Eröffnungstermin nennen würde, verkündete er die „Ankündigung einer Ankündigung“. Konkret, er kündigte an, dass er Ende des Jahres ankündigen wird, wann eröffnet wird. Und diese „Ankündigung einer Ankündigung“ schaffte es in alle Gazetten. Damit weiß Wowereit auch schon, was er von Mehdorn zu Weihnachten geschenkt bekommt: Eine Ankündigung.

Das hat den früheren Flughafenchef Rainer Schwarz nicht ruhen lassen. Er stellte sein Buch „Fast fertig Nie fertig“ vor. Dabei kommt er (nicht) überraschend zum Schluss, dass er immer noch „der Richtige im Job sei“. Immerhin habe er es bereits schon einmal zu einer Ankündigung geschafft. Und so lange nichts auf die Reihe gebracht wie die aktuell Verantwortlichen, das hätte er allemal hinbekommen.

Dass Chefwechsel auch meistens Strategiewechsel sind, zeigt Lufthansa in ihrem neuen Jahresbuch „Ganz Dividende Ganz Gewinnwarnung“. Die BBBs haben keine Ahnung wie man die beiden Begriffe verwechseln kann, aber jetzt ist insbesondere aus Aktionärssicht die Frage offen: wer war/ist der Richtige im Amt?

Sollte Thomas Middelhoff jemals seine Memoiren schreiben, könnte der Titel lauten: „Vom Hubschrauber zum Kuckuck“. Beide können theoretisch fliegen. Während Middelhoff mit dem Hubschrauber morgens auf dem Weg zum Büro die Autobahnstaus überflog (wie genial), ist „sein“ Kuckuck leider nicht flugfähig. Seit einige Gerichtsvollzieher erkannt haben, dass Middelhoff zur Zeit regelmäßig im Gericht in Essen anwesend sein muss, stehen sie dort Schlange um zu pfänden. Just for Info: Die letzte Taschenpfändung bei Middelhoff ergab nur 70 Euro. Da es in Deutschland zur Zeit ca. 5.000 Gerichtsvollzieher gibt, könnten ihm noch viele nicht flugfähige Kuckucke trotzdem „entgegen flattern“.

Auch ein anderer ehemaliger Stammkunde bei den BBBs, Peter Ramsauer, bereitet gerade sein Buch „Anglizismen ja, Anglizismen nein“ vor. Während Ramsauer früher ein erbitterter Gegner von Anglizismen war (in seinem Ministerium wurde aus Laptop Klapprechner und aus Flipchart Tafelschreibblöcke), überraschte er jetzt in einem Interview, in dem er meinte, Deutschland würde bei bestimmten Exportgütern weltweit abgehängt, mit dem Begriff „Defence-Systeme“. Auf die Nachfrage einer Journalistin warum er hierbei nicht von Rüstungsgütern spreche antwortete er: „Ich benutze ungern Anglizismen, aber in diesem Fall ist mir das Wort Rüstungsgüter zu aggressiv“.
Absolut richtig, das ist doch ein ganz anderes Lebensgefühl ob ein Demonstrant in Saudi-Arabien beispielsweise, einem Defence-System oder einem Panzer gegenübersteht.

Zum Abschluss noch eine durchaus freundliche Bucherscheinung: Jürgen Büchy präsentiert seine Memoiren mit „Ganz Präsident (in Berlin) Ganz Weinbauer (in Kroatien)“. Dabei kommt er zu einer (überraschenden?) Feststellung: „Soviel Wein kann ich in Kroatien garnicht anbauen, wie man als DRV-Präsident in Berlin trinken möchte (müsste)“.

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Superlativ der Superlative

Was war das für ein Sonntag! Der amtierende Papst spricht gleich zwei Päpste heilig und der emeritierte Papst ist bei der Feier in Rom dabei. Soviel Papst auf einmal, gab es seit unserer Zeitrechnung noch nie.

Dementsprechend war der Andrang in Rom. Über eine Million Pilger bevölkerten die Stadt an diesem Sonntag. Das ist auch touristisch gesehen ein Superlativ. Da stellt sich doch die Frage, ob man einen solchen Event „Heiligsprechung“ nicht öfters veranstalten sollte. Das Problem dabei dürfte sein, man braucht für jede Heiligsprechung ein Wunder. Also müsste man vor dem Event „Heiligsprechung“ auch einen Event „Wunder“ erfinden. Und Wunder gibt es nicht von der Stange. Im Gegenteil, sie sind in unserem Jahrhundert sehr selten.

Während die BBBs zu später Sonntagnacht-Stunde (wie üblich) mühsam nach denkbaren Wunder suchten, wurden sie selbst und alle die jetzt noch wach und interessiert waren, Zeugen eines aktuellen Wunders. Ehrlich! Die Deutsche Presseagentur teilt soeben (23.01 Uhr) mit, dass Etihad Airways weitere 300 Millionen Euro als Eigenkapital für Air Berlin bereitstellt (jetzt gibt es Eigenkapital „satt“ bei Air Berlin) und der Kapitalmarkt weitere 150 Mio. Euro zur „langfristigen Lösung“ für Air Berlin zur Verfügung stellt.
Halleluja, wenn das kein Wunder ist!

Damit dürfte, wer immer für diese gigantische Transaktion verantwortlich ist, schon jetzt ein potenzieller Kandidat für eine Heiligsprechung sein. Und die Story geht ja weiter. Damit müsste nach landläufiger Meinung der Fortbestand von Air Berlin mehr als gesichert sein. Es gab ja schon Unkenrufe, ob Berlin den neuen Flughafen BER ohne eine solvente Air Berlin überhaupt bräuchte. Jetzt wird alles gut. Das gibt auch Schub für die Fertigstellung des BER. Sollte das noch gelingen, wäre es schon Wunder Nr. 2 auf Berliner Boden. Lustig wird es, wenn sich dann Wowereit und Mehdorn darüber streiten, wer für dieses Wunder heiliggesprochen werden soll.
Berlin, die nächst wichtigste Stadt für Heiligsprechungen nach Rom.

Zu einem anderen Zeitpunkt könnte man darüber nachdenken wer in der deutschen Touristik noch heiliggesprochen werden könnte. TUI-CEO Joussen zum Beispiel (aber sich selbst vorschlagen für Heiligsprechung geht wohl nicht)?

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Das Osterhasengeschäft wird immer unkalkulierbarer

Das Osterhasenleben hat sich auch verkompliziert. Der Berliner Osterhase meldet z.B. große Auslastungsprobleme. Da hat der Flughafen BER 1,1 Mrd. „neue Eier“ angefordert, die schnellstens geliefert werden sollten. Das schafft auch ein Osterhase mit jahrelanger Erfahrung nicht allein. Also hat er jede Menge Subunternehmer angeheuert, in der Regel noch sehr junge Hasen, wegen Mindestlohn und so. Und was passiert. Nichts. Lieferung fällt aus, meint im Moment der Aufsichtsrat. Na ja, die Halbwertzeit solcher Äußerungen kennen wir ja. Aber im Moment ist nichts zu tun, so stehen die Hilfshasen ganz schön dumm rum. Zumal gleichzeitig sich in Berlin offensichtlich auch die Anlieferung arabischer Eier (aus Abu Dhabi) für Air Berlin verzögert. Das wäre sicherlich eine kleinere Stückzahl als beim BER gewesen, aber ein paar Milliönchen Eier sind da auch schnell zusammen.

Ganz anders sieht es beim Osterhasen-Kollegen weiter westlich aus. Der holt sich echt blutige Hinterläufe, weil er andauernd zwischen Düsseldorf (Vodafone) und Hannover (TUI) hin und her flitzen muss. In Hannover fällt außerdem die sonst übliche normale österliche Anlieferung von neuen Telekom-Verträgen fast aus. Sie ahnen schon warum.

In Köln musste ein eigentlich fertig gestelltes Osternest noch schnell vor dem Fest umbesetzt werden: Fiebig raus und Hartmann rein.

Ganz schlecht sieht es in Leipzig aus. Die Stadt hatte der touristische Osterhase überhaupt nicht mehr in der Anlieferungsliste, weil er dachte bis Ostern 2014 sei das „Nest“ schon vom Staatsanwalt leergeräumt worden. So kann man sich täuschen. Na ja, der dicke Calmund wird trotzdem kein gefülltes Ei abbekommen.

In Bayern ist der Osterhase schon im nachösterlichen Betrieb, nachdem er sehr rechtzeitig eine sehr große Doppellieferung ägyptischer Eier an die entsprechenden Adressen gebracht hatte. Aus Langeweile hat er dann am Samstag „den“ Bayern noch drei Eier ins Nest gelegt. Aber besser jetzt in der Fastenzeit, als später während der Champions League-Zeit.

Letzte Meldung: Der Osterhase gibt bekannt, dass an Lufthansa dieses Jahr keine mit Alkohol gefüllten Eier angeliefert werden. Die aktuelle Muppet-Kampagne der Lufthansa lässt darauf schließen, dass in der Marketingabteilung noch zu viele Alkoholeier vom letzten Jahr übrig waren, die offensichtlich in den letzten Tagen schnell vertilgt wurden. Aber was sind schon Miss Piggys Glotz-Augen gegen einen zärtlichen Hasenblick. Deshalb sympathisierte der Osterhase sehr mit dem Pilotenstreik, weil dadurch der Erstflug von Piggy verschoben werden musste. Jungs, Ihr habt noch ein paar Ostereier gut (für die Pilotinnen gilt das natürlich auch). .

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