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Die andere Sicht

Die Ereignisse in Ägypten sind alarmierend und besorgniserregend, zumal ein Ende des Terrors nicht in Sicht ist. Es gibt in diesem Zusammenhang jedoch nicht nur das „„eine“ Ägypten von Kairo. Touristisch gesehen gibt es „ein weiteres“ am Roten Meer, 500 Kilometer entfernt. „Dieses“ Ägypten ist ein Land, das nur vom Tourismus lebt. Zehntausende Urlauber verbringen hier jedes Jahr einen erholsamen und preiswerten Urlaub.

Vor zwei Jahren gab es in Ägypten die erste Revolution, gegen Unfreiheit und Unterdrückung durch Mubarak. Der deutsche Außenminister hat sich damals auf dem Tahir-Platz mitfeiern lassen (warum eigentlich?), obwohl Deutschland Mubarak auch mit Waffen und Entwicklungshilfe unterstützt hatte. Die damalige Reisewarnung war verfehlt, das ist nicht nur aus heutiger Sicht klar. Zu keinem Zeitpunkt waren Urlauber am Roten Meer in Gefahr.

Jetzt haben wir wieder fast die gleichen Bilder in Kairo. Wesentliche Teile der ägyptischen Bevölkerung haben sich gegen die Herrschenden erhoben. Diese pochen zwar darauf, dass sie demokratisch gewählt seien, doch ihre folgende Politik war stramm in das Gestern gerichtet und führte vor allem rasant in das wirtschaftliche Chaos. Die Ägypter wollen nicht ein totalitäres Regime gegen ein neues eintauschen. Es ist auch die wirtschaftliche Situation, die die Menschen wieder auf die Straße treibt.

In Hurghada ist es dagegen ruhig. Warum? Weil es den Menschen hier durch den Tourismus relativ gut geht (wie es in den Zielgebieten nun mal „gut geht“). Doch wie wird es aussehen, nachdem die Touristen jetzt weg bleiben? Die Reiseveranstalter begründen ihren Stopp für Reisen an das Rote Meer mit der „Verantwortung den Kunden gegenüber“. Ein gutes Argument, keine Frage. Aber haben die Reiseveranstalter nicht auch eine „Verantwortung gegenüber den Zielgebieten“, durch die sie über Jahre hinweg „gutes Geld“ verdient haben?

Die ersten schreien wieder laut auf, es sei „unmoralisch“ jetzt am Roten Meer Urlaub zu machen. Unmoralisch ist was anderes, z.B. als nach dem Tsunami Touristen am Strand von Phuket im Liegestuhl lagen, während direkt daneben Hilfskräfte noch Tote bargen.

Die Medien sollten jetzt mal die Ägypter im Zielgebiet befragen. Die Antwort könnte lauten: „Wisst ihr, in welche Gefahren ihr uns hier mit dem Ende des Tourismus bringt?“. Wirtschaftliche Not ist einer der besten Nährboden für Terrorismus. Ohne Tourismus brechen von heute auf Morgen alle Einnahmen weg, da es keine Alternative gibt. Wovon sollen die Menschen dann leben? Und wenn der Terrorismus sich dadurch auch am Roten Meer ausbreiten wird, dann schreien die Super-Schlauen „haben wir es nicht gesagt?“. Spätestens dann sollte man über die Frage von Henne und Ei (was war zuerst da?) nachdenken.

„Bequemer“ ist es dagegen das Land aufzugeben, so wie BILD am Sonntag, die titelte: „Die Deutschen im Land der Angst“. Im Hintergrund sieht man Rauchwolken zum Himmel hochsteigen, im Vordergrund badende Touristen. Das Bild scheint eindeutig. Aber auch hier lohnt sich ein zweiter Blick, der eine ganz andere Sicht der Dinge zeigt. Denn das Bild auf der Titelseite der BamS, wie auch das Bild im Innenteil, ist NICHT Hurghada, es ist ein Bild von Alexandria. Und die badenden Touristen sind Ägypter und keine deutschen Touristen am Roten Meer. Hier wäre Moral angebracht, denn dieses Spiel mit der Angst ist unseriös.
Übrigens von Alexandria nach Hurghada sind es fast 600 Kilometer, das entspricht ungefähr der Entfernung von München nach Berlin.

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MdB Brähmig steht wieder mal im Fettnapf

Da hatten wir ihn in der Tat doch fast vergessen, unseren Vorsitzenden des Bundestags-Tourismusausschusses Klaus Brähmig. Aber jetzt, rechtzeitig im Sommerloch, hat er wieder zugeschlagen. Für die Urlaubsgebiete in Ägypten (wohlgemerkt Urlaubsgebiete und nicht Kairo oder Alexandria) „fürchtet er Terrorakte“ durch radikalisierte Teile der Muslimbrüderschaft und hält dabei für möglich, dass diese Radikale keine Rücksicht auf Touristen nehmen könnten (laut die WELT, 4.7.).
Ob er dabei weitergehende Informationen hat als das Auswärtige Amt, das seine Reisewarnungen zur Zeit eben nicht für die touristischen Gebiete in Ägypten ausgesprochen hat, darf bezweifelt werden. Natürlich war der Deutsche Reiseverband (DRV) stinksauer und ließ mitteilen, man sei sehr verwundert, dass nun ohne Grund eine Diskussion über die aktuelle Lage und die weitere Entwicklung in Ägypten losgetreten und angeheizt werde. „Wer jetzt über mögliche Anschläge spekuliert, handelt grob fahrlässig und schürt geradezu Panik. Solche Aussagen sind haltlos und entbehren jeglicher Grundlage“, so der DRV sehr deutlich weiter.
Man muss wissen, dass es bei dieser Diskussion nicht nur um die Interessen der Reiseveranstalter geht (im Zweifel buchen die ihre Kunden in ein anderes Zielgebiet), sondern vor allem um das Überleben der vielen Angestellten in der ägyptischen Tourismusindustrie rund um das Rote Meer. Statt diesen Menschen zu helfen, entzieht man ihnen durch solche leichtfertigen Aussagen (vorausgesetzt es nimmt jemand Herrn Brähmig ernst) die Erwerbsgrundlage. Das haben diese Menschen wirklich nicht verdient.

Das schlimme an dem Ganzen, und deshalb die besonders heftige Reaktion der BBB, Herr Brähmig ist Wiederholungstäter. Schon im März letzten Jahres, unmittelbar vor der ITB warnte besagter Herr Brähmig ausdrücklich vor Reisen nach Ägypten. Dieser „verbale Fehltritt“ war damals besonders peinlich, weil Ägypten Partnerland der ITB war. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Deshalb schrieb auch die fvw jetzt: „Wieder Ägypten-Eklat um MdB Brähmig“.

Da muss man sich doch fragen: Hat Herr Brähmig eine Art Ägypten-Phobie? Oder hat er als Kind zu viele schreckliche Mumien-Filme gesehen („Die Rache der Mumie“ o.ä.)? Vielleicht leidet er auch schwerwiegender an Islamophobie (Angst gegenüber Muslimen/dem Islam)?
Er ist und bleibt eine Belastung für die Tourismusindustrie, obwohl das Gegenteil, als Vorsitzender des Tourismusausschusses, sein Job sein müsste.
Zur Person Brähmig siehe auch die BBBs
vom 19.3.2012: „Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken“
vom 12.3.2012: „So wird das nie was mit der Tourismusbranche“, hier Punkt 2,
vom 25.7.2011: „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“

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