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Hilfe, dringend Führung gesucht

Sorry, wenn die BBBs heute einmal politisch sein müssen. Aber Tourismus ohne Politik geht nicht. Wie oft haben wir schon über die Problematik geschrieben, ob Touristen überall hinreisen dürfen. Und umgekehrt war in den BBBs auch schon die Warnung in einem amerikanischen Reiseführer „Vorsicht für Dunkelhäutige in einigen ostdeutschen Städten“ Thema.

Aber auch ohne diese Verbindung Tourismus und Politik gibt es Situationen, in denen man einfach nicht schweigen darf, egal was das übliche Thema eines Blogs ist. Schon vor vielen Jahren haben Zukunftsforscher die Frage aufgeworfen, wie werden wir reagieren, wenn irgendwann die Menschen aus Afrika sich auf den Weg zu uns machen werden. Nicht als Touristen, sondern auf der Flucht wegen mangelnder Zukunftsaussichten. Fast niemand hat diese Prognose als realistisch angesehen.
Jetzt ist es soweit. Ganz Europa ist von dem Flüchtlingsansturm betroffen, wir in Deutschland in ganz besonderem Maße. Unsere Politiker und unsere politischen Instanzen wirken mehr oder weniger hilflos, reagieren nur als Reparaturbetrieb. Dort, wo es am meisten „brennt“ wird gelöscht. Aber immer nur reagierend, nie agierend.

Ausgerechnet jetzt versagen unsere beiden wichtigsten Repräsentanten, Bundespräsident und Bundeskanzlerin (der Bundestagspräsident sei in diesem Zusammenhang mal außen vor gelassen). Gewalt gegen Flüchtlinge nicht gut zu heißen, das ist doch wohl selbstverständlich, aber noch keine politische Führung.

Die mit Abstand größte Enttäuschung ist für mich unser Bundespräsident. Gibt es ihn eigentlich noch? Ist er krank? Hat er das Thema überhaupt schon mitbekommen? Ich habe mir mal sicherheitshalber seinen Terminkalender (im Internet) angesehen, alles sehr schöne Termine. Eröffnung Sail Bremerhaven, Ordensverleihung, Empfang Botschafter, Empfang des polnischen Präsidenten (plus Mittagessen). Und vor kurzem hat er tatsächlich mal ein Flüchtlingslager besichtigt, mit betroffenem Gesichtsausdruck.
Die Rede, ist die einzige und zugleich schärfste Waffe eines Bundespräsidenten, heißt es. Herr Bundespräsident äußern Sie sich bitte laut, deutlich und notfalls schimpfend, über das was gerade in Deutschland „abgeht“. Wo bleibt ihre „Ruck-Rede“ zur Lage der Nation? Und sagen Sie bitte auch, wie Sie sich Deutschland in fünf Jahren vorstellen. Dann wären Sie auch wieder mein Bundespräsident. Ansonsten brauche ich Sie im Moment nämlich nicht.

Frau Bundeskanzlerin, die Flüchtlingsproblematik ist denkbar ungeeignet für Ihren abwartenden Politikstil, warten bis sich eine Mehrheitsmeinung gebildet hat und dann erst die eigene Meinung kundtun. Durch den Regierungssprecher verkünden lassen, dass sie Gewalt gegen Flüchtlinge nicht gutheißen, ist unglaubliches Wegducken in dieser Frage. Nicht ohne Grund gibt es bereits den hashtag #merkelschweigt. Welch eine Schande.

Frau Bundeskanzlerin, jetzt ist politische Führung gefragt und das ist das Gegenteil von Abwarten. Ich erwarte von Ihnen eine große Regierungserklärung. Die größte, die sie je gehalten haben, um die Flüchtlingsfrage nicht nur zu einer nationalen Frage zu erklären, sondern konkret zu sagen, wo und wie alle gefordert sind, auch Sie Frau Bundeskanzlerin und alle Abgeordneten. Diese Rede darf nicht auf das heute beschränkt sein, sondern muss auch aufzeigen, was die nächsten Jahre zu tun ist und welche finanziellen Belastungen auf uns zu kommen, wieviel Geld wir dafür bereitstellen müssen, aber auch was wir daraus positiv gewinnen können. Das müsste eine Agenda 2020 sein. Gewiss mit hohem persönlichen Risiko für die Kanzlerin (siehe Schröder). Aber Führung zu zeigen, heißt eine Nation (wie vergleichsweise ein Unternehmen) in der Zeit nach dem Wandel zu beschreiben (persönliches Risiko inklusive).

Und noch etwas Frau Bundeskanzlerin, Sie als erklärtermaßen mächtigste Regierungschefin in Europa. Sie sagen so gerne, „scheitert der Euro, dann scheitert Europa“. Leider viel zu kurz gedacht. Ich sage Ihnen „scheitert die viel zitierte europäische Wertegemeinschaft, dann scheitert Europa“. Das Verhalten der europäischen Länder in der aktuellen Flüchtlingskrise ist in ihrer Erbärmlichkeit nicht mehr zu überbieten. Es herrscht anscheinend ein knallhartes Sankt-Florian-Prinzip: „Verschone unser Haus (Land), zünde das der anderen an“. Wenn das unsere Wertegemeinschaft sein soll, dann kann ich darauf verzichten.

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Eine Überschrift, die leicht wütend macht

Am Freitag war wieder Bundespresseball. Eine leicht dekadente Veranstaltung, die normalerweise die BBBs nicht interessiert und jetzt erstmals im Flughafengebäude von Tempelhof stattfand. Über einer an sich nicht aufregenden dpa-Meldung dazu stand die Headline: „Austern auf dem Gepäckband“.
Dummerweise haben die BBBs ein gutes Gedächtnis. Blenden wir zurück in das Jahr 2008. Der Berliner Senat, speziell ein gewisser Herr Wowereit, wollte entgegen aller logischer Argumente unbedingt den funktionierenden Flughafen Tempelhof, gegen den Wunsch der Anwohner (so etwas war einmalig in der Welt, die ein Volksbegehren hierzu durchgesetzt hatten), schließen. Als Wowereit merkte, dass ihm die Felle wegzuschwimmen drohten, griff er tief in die polemische Trickkiste. Da seine Behauptung, ohne Schließung von Tempelhof, sei der Ausbau von BBI (so hieß der Berliner Nicht-Flughafen BER damals) gefährdet, von bedeutenden Rechtsexperten widerlegt war, wurde mit polemisch-primitiven Plakaten (z.B. einer Mutter mit Kind auf dem Arm, die gegen „einen Flughafen für Reiche“ protestiert und einen Bauarbeiter „ich will keinen VIP-Flughafen“) Stimmung gemacht.

Ok, wir wissen das war alles Mumpitz, getrickst und gelogen. Und genau diese Plakate kamen jetzt den BBBs in den Sinn. Kein VIP-Flughafen, aber da bis heute (sechs Jahre danach) jegliche sinnvolle Nachnutzung für Tempelhof fehlt, finden dort Modeschauen („bread and butter“) und ein VIP-Presseball statt. Und auf dem seit Jahren ungenutzten Gepäckband laufen Austern umher. Bitte, das geht überhaupt nicht. Liebe Berliner, lasst Euch doch nicht alles bieten.

Quasi als Krönung des Ganzen, war dann heute in einer Sonntagszeitung ein Bild unseres Bundes-Gaucks zu sehen, wie er in der Flughalle Tempelhof, auf dem Gepäckband steht/fährt und über das ganze Gesicht strahlt wie wenn er die Super-Auster persönlich wäre. Es macht die BBBs wütend, wenn man sieht, wie er immer mehr am Feiern Gefallen findet und gleichzeitig mehr militärische Präsenz unserer Soldaten an den Brennpunkten dieser Welt fordert. „Ruck-Reden“ zu den wirklichen Problemen dieser Welt? Fehlanzeige, höchstens inhaltlich und zeitlich unpassende Bemerkungen über ein absolut zweifelsfrei demokratisch gewähltes Parlament in Erfurt.
Sorry, der letzte Absatz ist heute etwas politisch geworden.
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Es gibt immer wieder mal Fundstücke in der Presse, die für eine eigenständige BBB zu wenig, aber zu schade zum Überblättern sind. Beispiel taz: „Auf Seite 36 des November Bordmagazins der Lufthansa findet sich ein großer weißer Aufkleber, der Text verbergen soll. Wenn man das vorsichtig ablöst, findet man darunter u.a. goldbraun gebackene Kekse in Penisform, aufgereiht in einem silbernem –räusper- Ständer. Eigentlich lustig – und doch zog Lufthansa blitzschnell den Schwanz ein“.
Ist doch nett, oder? Wer übrigens die 265.000 (!) Exemplare des Lufthansa-Magazins überklebt hat, konnte nicht recherchiert werden.

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Heute mal nur in eigener Sache

Vorletzte Woche wurde ich von der Hochschule Harz u.a. mit einer sehr freundlichen Pressemitteilung verabschiedet. Sogleich kam die Frage auf, was ich nun im Ruhestand (manchmal mit dem Zusatz Un- davor) machen würde.

Keine Sorge, von Langeweile keine Spur. Neben den drei hochinteressanten Aufsichtsratsmandaten (Ameropa, Deutsche Seereederei Hotelholding, Neue Dorint) kann ich im Moment über fehlende Vortragsaufträge nicht klagen. Deshalb muss ich nächste Woche auch ausnahmsweise die Bissigen Bemerkungen ausfallen lassen, weil ich mit Costa und der neoRomantica unterwegs bin. Dabei stehen zwei Vorträge an: 1x „Sie sind heute so freundlich, geht es Ihnen nicht gut?“ (der top-gefragte Vortrag zur Zeit) und 1x „Tourismus im 21. Jahrhundert“. So eine Vortragsreise wollte ich schon immer mal machen. Und auch ansonsten kann ich bis Jahresende nicht über mangelnde Arbeit klagen. Prima so.

Deshalb habe ich mit „gerade erst“ 69 überhaupt keine Zukunftsängste. Mit 69 kann man zum Beispiel CEO bei einer Airline werden (siehe letztes Jahr Mehdorn bei Air Berlin). Verjüngung kann ja auch in kleinen Schritten erfolgen. Und nach Hilfe schreien einige touristische Unternehmen, die meinen es sei 5 vor 12, aber in Wirklichkeit geht deren Uhr nach.
Selbst unser Bundespräsident Gauck liegt altersmäßig noch in Reichweite (drei Jahre älter). Obwohl, an einem neuen Bundespräsident aus Hannover hat die Nation im Moment wahrscheinlich keinen Bedarf. Wenn man mir allerdings als Vergleich Konrad Adenauer bringt, bin ich leicht angesäuert. Über solche Vergleiche reden wir mal in frühestens 10 Jahren.

Und da ich jetzt noch etwas mehr Zeit zum Joggen habe, müssen manche sich künftig auch auf der Laufstrecke umsehen (und schon bin ich vorbei).

Natürlich bleiben dann noch die BBBs, auch wenn ich sie manchmal am Sonntagabend leicht verfluche. Andere machen das wahrscheinlich am Montagmorgen beim Lesen. Alle, die sich hin- und wieder über zu wenig Biss beschwerten, können in Zukunft aufatmen.
Nach der Pause in der nächsten Woche (siehe oben, Vortragsreise mit Costa), geht es am 17.9. wieder los. Bis dahin wird viel passiert sein:
— Streik der Lufthansa-Flugbegleiter, vielleicht streiken dann zusätzlich auch die Flugkapitäne? Mit wem geht es dann direct4you abwärts?
— Oder die hübsche Geschichte mit der reduzierten Mehrwertsteuer für Hotels. Reinhard Meyer ist als DTV-Präsident dafür, als Wirtschaftsminister von Schleswig-Holstein will er die Reduzierung jedoch abschaffen. Wie kommt Herr Meyer da mit Herrn Meyer klar?
— IKEA will ins Hotelgeschäft einsteigen. Das kann lustig werden, wenn man durch das ganze Hotel geführt wird, bevor man in sein Zimmer darf.
— Und bis dahin war auch mal wieder Aufsichtsratsitzung in Berlin wegen BER. Jetzt spricht man ja von „soft opening“ des Flughafens. Am 17.3.2013 soll angeblich e i n Abfertigungs-Counter eröffnet werden. Danach kommt im Halbjahresrhythmus immer ein weiterer Counter hinzu. Vielleicht sogar schon im Vierteljahresrhythmus.
— Und dann wollte ich schon lange mal etwas zu den 25 touristischen Zukunftsthesen von impuls4travel schreiben und den leistungsstarken Hotelföhn loben.

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