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Unglaublich unschuldig (Unister, DRV)

Aktuell läuft gerade im Unister-Prozess in Leipzig ein unwürdiges Schauspiel von „unglaublich unschuldig“. Es war schon mehr als unfassbar, dass die Leipziger Justiz seit Jahren, trotz heftiger Vorwürfe gegen Unister wegen unsauberer Geschäftspraktiken (in der Anlageschrift jetzt u.a. als Betrug und Steuerhinterziehung bezeichnet), nicht richtig aktiv wurde. Und so konnten die „handelnden“ Personen über Jahre hinweg ungehindert weiter „handeln“. Vor Gericht präsentieren sich jetzt die drei Angeklagten als „reine unwissende Unschuldslämmer“. Schuld an den Verfehlungen und der einzige der nur Bescheid wusste, sei einzig und allein Unister Ex-Chef Thomas Wagner gewesen, der aber bekanntermaßen leider bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.

Den Vogel schießt dabei Ex-Finanzchef Daniel Kirchhof ab. Obwohl er zwölf Jahre ein Büro mit Thomas Wagner teilte, habe er nichts mitbekommen. Er habe auch nie eine Steuererklärung für Unister verfasst oder eingereicht. Der Mann muss bei Betreten des Büros wohl vorübergehend immer blind und taub geworden sein. Der Vorwurf, man habe durch „Runterbuchen“ Flugkunden um mindestens 7,6 Millionen Euro betrogen konterte er, dass man nur eine „nachträgliche Optimierung des Einkaufspreises“ vorgenommen hätte. Die Benachrichtigung der Kunden über dieses Vorgehen, sei auch nicht notwendig gewesen, meinte sein Anwalt Hohnstädter, den wir vom Pegida-Ableger Legida her kennen. Ähnlich äußerten sich auch die anderen Unschuldslämmer, z.B. Thomas Gudel, immerhin lange Zeit Leiter des Rechnungswesens. Man kann ja auch nicht alles wissen, was man so das Jahr über bucht.
Fortsetzung demnächst in einer Soap, ausgestrahlt im MDR-TV.

Keine Ahnung wie ich jetzt von Unister zum Deutschen Reiseverband (DRV) komme. Hier geht es natürlich nicht um kriminelle Handlungen, aber auch um „unglaublich unschuldig sein“. Es sind sich zwar alle einig, dass es hinsichtlich Änderungen an dem in Brüssel vermurksten und in Berlin verschlafenen Machwerk Pauschalreiserichtlinie „fünf vor Zwölf“ sei, aber hoffentlich geht die Uhr nicht nach.

Jetzt hat der Bundestagsabgeordnete Klaus Brähmig, Mitglied im Tourismusausschuss, dem Deutschen Reiseverband gravierende Versäumnisse zum Zeitpunkt der Einbringung des Entwurfs ins EU-Parlament vorgeworfen. Die Bissigen Bemerkungen haben zwar nicht den heftigen Streit vergessen, den sie vor fast 5 Jahren mit ihm hatten, aber diesmal liegt Brähmig genau richtig (kann man dann auch mal sagen).

Als Antwort auf Brähmig schreibt der DRV jetzt, man habe u.a. 40 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des europäischen Parlaments geführt, 14 persönliche Gespräche mit Beamten der Bundesregierung und Ratspräsidentschaft, 26 persönliche Gespräche mit Abgeordneten des Bundestags usw. usw.
Sorry, da habt ihr leider offensichtlich mit den Falschen gesprochen, nicht mit den echten Entscheidern. Ein guter Lobbyist würde nie die Anzahl seiner Gespräche aufzählen, sondern nur das Ergebnis seiner Arbeit. Für 100x aufs Tor geschossen, aber der Ball nie im Tor, gibt es nun mal keine Punkte. Da kann die plötzliche Hyper-Aktivität (bei gleichzeitigem Abwatschen der Aktivitäten anderer Verbände) auch nichts mehr bewirken. Der Papst des Reiserechts, Prof. Ernst Führich, hat hierzu einen Klassiker zitiert: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“. Meine Oma hätte gesagt, „vorne gut gerührt, brennt hinten nicht an“. Der DRV hat wohl vorne im falschen Topf gerührt.

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Freitag der Dreizehnte: Das Comeback der Bissigen Bemerkungen

Hallo, da sind wir wieder. Eigentlich war Mitte November nur eine zweiwöchige „schöpferische“ Pause geplant, leider sind daraus neun Wochen geworden. Und ehrlich gesagt, ließ die Regelmäßigkeit seit August ohnehin schon zu wünschen übrig. Gute Vorsätze 2017? U. a. wieder „regelmäßige“ Bissige Bemerkungen!

Aus der Vielzahl von Themen, die in der Zwischenzeit „ungebissen“ geblieben sind, haben wir uns zwei ausgesucht.
1. „Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“.
2. In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist.
Zu guter Letzt kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, wen ich im Dschungelcamp vermisse.

„Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“
Dieser sehr inhaltsschwere Beitrag stammt von Brandenburgs-Ministerpräsident Woidke und reiht sich nahtlos an den legendären Spruch von Hartmut Mehdorn „Der BER wird immer fertiger und fertiger“ ein.

Bei dem Herumgeeiere wann der Flughafen fertig wird, wissen wir jetzt nur eines: Die offizielle nächste Verschiebung des Eröffnungstermins ist schon wieder verschoben worden. Irre, nicht wahr. Wie fragten die BBBs schon am 2. März 2015? Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor? Dann sind 2000 Tage seit der letzten „Nichteröffnung“ vergangen. Es würde mich nicht wundern, wenn der neue Berliner Senat an diesem Tag ein Fest veranstalten würde: „Flughafen-Eröffnungen kann jeder feiern, Flughafen-Nichteröffnungen aber nur wir in Berlin.“ Utopie? Warten wir es ab. Jeder Tag der Nichteröffnung kostet „nur“ 1,3 Mio Euro, da würden die Kosten für eine Party unwesentlich sein.

„Nicht alle werden die Eröffnung des BER noch erleben“, stellte die Süddeutsche Zeitung am 29.12.16 fest. Das ist nicht sehr bösartig, denn der neue BER-Baufortschrittsbericht meldet: Baufortschritt gegenüber letzter Meldung 0,0%. Immerhin kein Minuszeichen davor.

Aber vielleicht gibt es auch ein ganz anderes Problem. Zitieren wir noch einmal Hartmut Mehdorn, der sagte im März 2015: „Der BER ist unterwegs. Er bewegt sich“. Hat schon mal einer nachgesehen, ob der BER überhaupt noch da ist?

In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist
Endlich beginnt in dieser Woche der Prozess gegen drei ehemalige Unister-Manager (alles reine Unschuldslämmer) vor dem Landgericht Leipzig. Schon 2012 hatten DIE Welt („Abzock Imperium Unister“), computerbild (die Tricks des Abzock Imperiums) u.a. vor den Machenschaften von Unister gewarnt. Keine Ahnung wer da in der Vergangenheit gebremst hatte.

Auch die BBBs hatten schon im September 2013 gelästert, als das Branchenfachblatt fvw über einen DRV Präsidenten Thomas Wagner nachdachte: „Da muss wohl Stromausfall in der Redaktion gewesen sein und man hatte nicht gesehen, welcher Name da versehentlich geschrieben war“.

Und das habe ich auch noch in einer BBB vom März 2015 gefunden: „Der DRV freut sich, dass Unister als Mitglied des DRV aufgenommen werden konnte“. Und weiter hieß es in der Pressemeldung: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die gesamte Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. Ist Unister eigentlich noch Mitglied im DRV?

48 Seiten Anklageschrift sollen zu Prozessbeginn verlesen werden, das kann nur eine Kurzfassung der Vorwürfe sein. Einer der Anwälte des Angeklagten Daniel Kirchhof (ex Finanzchef) ist, lt. DIE WELT, übrigens Arndt Hochstädter, der zuletzt einer der Organisatoren des Leipziger Pegida-Ablegers Legida war. Was sich immer Leute zusammenfinden.
Lt. FAZ will die Staatsanwaltschaft auch Reiner Calmund (ex Clown für fluege.de) als Zeuge laden. Ich lache mich kaputt. Der wird wie immer endlos labern und sich entschuldigen mit „ich habe meinen Jungs“ vertraut. Manfred Krug und die Telekom-Aktie lassen grüßen.

Zuletzt, das kann ich mir heute, zu Beginn des neuen Dschungelcamps nicht verkneifen: Warum ist Vural Öger eigentlich nicht im Dschungelcamp dabei? Seine neuere Vita würde doch dazu passen.

In der Zwischenzeit war ich auch an anderer Stelle fleißig und werde es auch künftig sein. Auf dem Luftverkehrs-Nachrichtenportal airliners.de erscheint alle 14 Tage donnerstags (in der Regel um die Mittagszeit) die Kolumne „Die Born-Ansage“. Sie finden diese unter www.airliners.de/thema/die-born-ansage. Dort kann man auch die bisher erschienenen 50 Kolumnen sehr einfach nachlesen. Da ist bestimmt vieles dabei was auch Ihr Interesse finden wird.

Der BBB-Newsletter wird übrigens künftig immer dienstags und nicht montags wie bisher erscheinen.

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Rennschnecke DRV

Sie haben es getan. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hat seine Jahrestagung in der Türkei abgesagt. Die BBBs haben schon vor fünf Wochen diese Absage gefordert (siehe BBB vom 25.7. „Der Deutsche Reiseverband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort“), jetzt endlich hat sich der Verband dazu durchgerungen. Und er hat sich unerklärlicherweise schwer damit getan. Noch vor einer Woche antwortet der DRV auf eine Anfrage des Branchenblattes touristik aktuell mit Sätzen, deren Heißluftpotenzial auch einem Minister de Maiziere oder Minister Steinmeier zur Ehre gereicht hätte: „Wir bitten noch um etwas Geduld“, „Man beobachte alle Entwicklungen sorgfältig, einschließlich der möglichen Auswirkungen und gegebenenfalls der erforderlichen Maßnahmen“ bis hin zur absoluten sprachlichen Krönung „Angesichts der Komplexität der Entscheidung und der vielfältigen Aspekte….“. Bla, bla, bla – die Chance ein Zeichen zu setzen hat der DRV vertan. Seine Mitglieder haben ihm die Gefolgschaft verweigert. Nachdem sich nur ca. 1/3 der üblichen Teilnehmer angemeldet hatten, war selbst diese Zahl seit Wochen stark rückläufig. Der DRV lief Gefahr in Kusadasi quantitativ nur noch eine erweiterte Vorstandssitzung abzuhalten. Reaktion statt Aktion.

Spätestens als Mitte August die Meldung „Türkei lockert Verbot von Sex mit Kindern“ durch die Medien tickerte (immerhin eine Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichtes, also höchstrichterlich) wartete ich stündlich auf eine Reaktion des DRV. Schon 2011 hatte der DRV einen Verhaltenskodex zum Kinderschutz unterschrieben, der vom BTW 2005, im Beisein von Königin Silvia, nochmal medienwirksam bekräftigt wurde. Gerade weil von türkischer Seite der (eigentlich unzweifelhafte) Gehalt dieser Entscheidung sofort in Frage gestellt wurde, hätte man zumindest eine Stellungnahme des DRV in der aktuellen Einschätzung der Entwicklung der Türkei erwartet. Stattdessen ist der DRV abgetaucht.

Auch ansonsten gibt es kein Kommentar des Reiseverbandes zur problematischen Entwicklung in der Türkei.

Der „Cirque du Soleil“ hatte schon vorher seinen für nächsten Monat geplanten mehrwöchigen Auftritt in der Türkei abgesagt. Da hätte man doch locker unter der Überschrift „Zirkus in der Türkei abgesagt“ mitsegeln können.

Parallel dazu waren Reaktionen aus der deutschen Wirtschaft eindeutiger. Die „Deutsche Messe AG“ beispielsweise sagte ihren türkischen Messeableger „Cebit Bilsim Eurasia“, mit über 1.000 internationalen Firmen eine der wichtigsten Messen in Eurasien, die Anfang Oktober in Istanbul stattfinden sollte, ab. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Nun soll die DRV-Jahrestagung zum gleichen Zeitpunkt in Berlin stattfinden. Da Vorstandswahlen anstehen, kann nur eine ausreichende Beteiligung an einer solchen Tagung eine Legitimation des zu wählenden Vorstandes garantieren.

Auch die so drängende Frage „Neue EU-Pauschalreiserichtlinie“ wird dann wahrscheinlich der zentrale Punkt der Diskussion sein. Auch hier hat sich der Verband nicht mit Ruhm bekleckert. Ein großes Aufschreien jetzt, nachdem der Entwurf vorliegt, wird erfahrungsgemäß nicht mehr viel bewirken. Es ist eine Binsenweisheit, dass erfolgreiche Lobbyarbeit zu einem Zeitpunkt wirken muss, bevor ein erster Entwurf vorgelegt wird. Sicherlich hat der DRV mit genügend Menschen in der Politik gesprochen, leider nicht mit den richtigen „Entscheidern“. Nachdem bekannt wurde, dass im Unterschied zu Deutschland, ändere Länder wie z.B. Niederlande und Österreich, die fragwürdige Brüsseler Novelle ablehnten, muss man sich noch mehr ärgern. Ich frage mich, wer hat Deutschland zur Zustimmung beeinflusst?

Diese unsinnige Gesetzesänderung trifft in erster Linie die deutschen Reisebüros. Entgegen aller Unkenrufe haben sie sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder erneuert und dadurch überlebt. Was das Internet bislang noch nicht geschafft hat, besorgt jetzt die Bundesregierung. Ein Drama. Als Verbandsverantwortliche eines Verbandes, in deren Ägide diese Entscheidung fällt, würde ich mich da richtig schlecht fühlen.

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Der Deutsche ReiseVerband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort

Wo darf der deutsche Tourist aus moralischen Gründen keinen Urlaub machen? Auf diese Medien-Lieblingsfrage habe ich immer geantwortet, „wo Kanzlerin und Minister hinfahren, darf auch der deutsche Urlauber seine Ferien verbringen“. Warum soll er moralischer sein als die Polit- und Wirtschaftsdelegationen?

Insofern hatte ich mir vor vier Wochen auch keine Gedanken über das Thema Türkei-Urlaub gemacht. Wer will, warum nicht? Auch die Gefahr, Opfer eines Attentates in der Türkei zu werden, hatte ich nicht überbewertet. Statistisch gesehen habe ich einen Antalya-Urlaub sicherer gesehen als eine Autobahnfahrt.

Ein Attentat ist immer „nur“ eine punktuelle Gefahr, aber die „Gefahr Erdogan“ seit dem Putsch ist flächendeckend. Pauschale Verhaftungen in inzwischen 5-stelliger Anzahl zeigen, hier wird nicht zuerst die individuelle Schuld geprüft, sondern pauschal verhaftet. Es trifft nacheinander immer neue Berufsgruppen. Meines Erachtens ist es nur eine Frage der Zeit, bis es die ersten Hotelmanager trifft. Auch nur der leiseste Verdacht irgendeiner Verbindung zur Gülen-Bewegung, mag er auch noch so weit hergeholt sein, ist ein Verhaftungsgrund. Das kann auch „versehentlich“ deutsche Touristen treffen.

Früher hätte das Auswärtige Amt bei einer „versehentlichen“ Verhaftung eines deutschen Touristen, sofort alles in Bewegung gesetzt, um ihn in kürzester Zeit frei zu bekommen. Auf eine solche Initiative des Auswärtigen Amtes oder sogar der Kanzlerin kann man aktuell nicht hoffen. Dem „Flüchtlingsdeal“, der nicht gefährdet werden darf, würde auch ein „Einzelschicksal“ untergeordnet werden.

Dieses Szenario ist im Moment noch theoretisch, aber meines Erachtens alles andere als abwegig. Wer die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei verfolgt und nicht die Parallelen zu unserer Vergangenheit sieht, ist entweder blind, unwissend oder ignorant. Für die Bundesregierung könnte man hinzusetzen „oder ist erpressbar“. Eine ganz schlimme Situation.

Und in diesem Umfeld will der Deutsche ReiseVerband seine Jahrestagung in der Türkei abhalten? Das geplante positive Zeichen für den Türkeitourismus kann im Moment nicht mehr aktuell sein.

Wie kann ein Szenario für diese Tagung aussehen:

Erdogan macht daraus eine Jubelveranstaltung für seine Politik. Die offiziellen türkischen Redner werden Reden halten, bei denen man nur verschämt auf den Boden schauen kann. Wie reagiert der DRV-Präsident? Er ignoriert? In den Interviews mit der türkischen Presse wird das nicht einfach sein. Er kommentiert und korrigiert? Das wäre nicht nur gefährlich, sondern würde genau das Gegenteil bewirken, was man mit dieser Veranstaltung ursprünglich erreichen wollte.

In der Vergangenheit hat oft die Politik versucht auf political correctness ihrer Bürger und speziell der Touristen einzuwirken. Im Moment ist es gerade umgekehrt, wir müssen auf unsere Politik einwirken. Tut sich der DRV eventuell mit der Absage deshalb so schwer, weil er unter Druck des Auswärtigen Amts steht, unbedingt diese Tagung in der Türkei abzuhalten?

Wer immer im Moment als Urlauber in die Türkei reisen will, kann das gerne tun, wenn er weiß und akzeptiert, wie er sich dort zu verhalten hat. Es liegt mir fern, das zu bewerten. Aber für einen Tourismusverband gelten vollkommen andere Anforderungen. Da erwarte ich politische Einsicht.

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Wem gehört der Mond?

Sicherheitshalber sollte man vorausschicken: Heute ist nicht der 1 April. Es stimmt tatsächlich, dass sich vergangene Woche Experten aus aller Welt in Köln trafen um die Frage zu klären: „Wem gehört der Mond?“. Der Originaltitel dieser Veranstaltung war um einiges länger, klar bei einem so bedeutenden Kongress, aber kurz gefasst ging es um die Frage „Wem gehört der Mond“. Drehen jetzt alle durch? Dieser mehrtägige Kongress war ja noch unnötiger, als demnächst der G7-Gipfel auf Schloss Ellmau.

Anlass dieser grandiosen Veranstaltung war der 90. Geburtstag des “Instituts für Luft- und Weltraumrecht“. Klar, was soll man auch jemanden schenken, der schon alles hat. Prima Geschenkidee für Sie, liebe Leserinnen und Leser, lassen Sie sich doch zu Ihrem Geburtstag auch einen kleinen niedlichen Kongress schenken, z.B. „wem gehöre ich?“. Oder wenn es spezieller sein sollte „wem gehört meine schlechte Laune?“.

Warum dieser Kongress von den BBBs hier erwähnt wird, hat einen speziellen Grund. Natürlich haben sich die Kongress-Schlaumeier auch mit dem Weltraumtourismus beschäftigt, wenn auch nur mit den rechtlichen Fragen. Überliefert ist bislang nur die Feststellung des „Experten“ Bernhard Schmidt-Tedd vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, der sich auf dieser Tagung besonders engagierte:
„Auch der Weltraum-Tourismus kann rechtlich nicht ins Blaue hinein expandieren. Es wird ein teures Hochrisiko-Unterfangen bleiben, aber zunehmen. Wir müssen zum Beispiel klären, ob sich die Anbieter weiter mit der Klausel „auf eigene Gefahr“ für den Kunden aus der Affäre ziehen dürfen.“
Noch vermisse ich dazu, eine Stellungnahme des Deutschen ReiseVerbandes.

Die BBBs sind an folgendem Satzteil hängengeblieben: „……wird zunehmen“. Diese Formulierung schickt doch voraus, dass es bereits einen Weltraumtourismus geben muss, denn nur Vorhandenes kann „zunehmen“. Haben wir da alle etwas verpasst. Schwirren bereits Tausende von Touristen, rechtlich ungeregelt, durchs Weltall und wir sind nicht dabei? Wir dagegen, befassen uns noch mit so Kleinigkeiten wie EU-Pauschalreiserichtlinien?

Es könnte natürlich sein, dass man die bislang sieben privaten Besucher der Weltraumstation ISS gemeint haben könnte. Diese sieben repräsentieren bereits wichtige Aspekte des heutigen Tourismus. Denis Tito (2001), 60 Jahre alt, der typische Best-Ager, Marc Shuttleworth (2002), 28 Jahre alt, typischer Jugendreisender, Anouseh Ansari (39) 39 Jahre alt, die erste Frau und außerdem mit iranischen Wurzeln, da haben wir gleich zwei Quoten erfüllt, Charles Simonyi (2007 und 2009), 58 Jahre alt der bislang einzige Repeater (unsere Lieblingstouristen) und zuletzt Guy Lalibete vom Circus de Soleil, (2009), mit Clown-Nase, steht er für Fun-Reisen.

Die BBBs halten fest. Wir glauben, dass es bereits in ca. 20 Jahren Reisen in ein Weltraumhotel geben kann, wahrscheinlich für die ersten Reisenden zu einem Preis wie eine Hapag Lloyd Kreuzfahrt rund um die Welt. Urlaubsreisen zum Mond wird es auf absehbare Zeit dagegen nicht geben. Nur zur Auffrischung des Schulwissens: der Mond ist mit 358.000 Km tausendmal weiter weg als die Raumstation ISS mit nur 400 Km. Obwohl, auf dem Mond steht seit 1972 das zurückgelassenen Mondauto der letzten Crew. Man könnte also sofort mit Carsharing beginnen. Und hinter dem Mond würde man manchen Bekannten begrüßen können.

Zwei Bemerkungen zum Schluss:
Erstens: Ein gewisser Dennis Hope verkauft schon seit Jahren mit viel Erfolg Grundstücke auf dem Mond und hat es damit selbst zu Reichtum gebracht. Über die eigentlich nicht haltbare rechtliche Konstruktion wollen wir hier nicht diskutieren, aber es funktioniert. Zumindest für Dennis Hope. Auch einige Ex-US-Präsidenten besitzen bereits ein Grundstück (hoffentlich nur zum Spaß).

Zweitens, dann werde ich das endlich auch los: So ein Kongress kann auch nur in Köln stattfinden, der Stadt mit der „kreativsten Verwaltung“ in Deutschland. Der Kölner Einfallsreichtum mit der immer wieder verbotenen, aber dann immer wieder neu beschlossenen Bettensteuer, war hier schon mehrfach „behandelt“ worden. Neuester Wahnsinnsbeschluss. Die Stadt erhebt eine Gebühr für die Benutzung der öffentlichen Toiletten. Diese Gebühr müssen aber nur Frauen bezahlen. Begründung: Frauen sind ordentlich, sie benutzen diese Toiletten ob es etwas kostet oder nicht. Wenn Männer zahlen müssen, benutzen sie diese Toiletten nicht mehr, sondern erledigen „das in freier Wildbahn“. Wir wiederholen hier den ersten Satz dieser BBBs: heute ist nicht der 1. April.

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Eine BBB im Stil der BILD-Kolumne „Post von Wagner“

„Post von Born“

Lieber DRV,
ich habe die stimmungsvollen Bilder von Eurem Parlamentarischen Abend (21.4.) gesehen. Schön gedeckte Tische, daran saßen – feierlich – die Verbandshonorationen. Bestimmt gab es ein gutes Essen und ganz bestimmt wurden tolle Reden gehalten. Der Verband wird die ach so tolle Zusammenarbeit mit der Politik gelobt haben, die immer ein offenes Ohr für den Verband hat. In Wirklichkeit sind es zwei offene Ohren: zum einen geht die Nachricht rein und zum anderen gleich wieder raus. Die Politik wird dann wahrscheinlich auch umgekehrt den Verband gelobt haben, der immer brav und nie laut und übermäßig fordernd ist.
Kurzum, drinnen war alles schön, gediegen und zufrieden.

Aber draußen, 750 Kilometer von Berlin entfernt, zog derweilen der „Sensemann“ seine Kapuze über den Kopf, schärfte sein Handwerkszeug und machte sich auf den Weg von Brüssel nach Deutschland. Er hat viel Arbeit vor sich, denn er wird einen Teil der Tourismusbranche ins Jenseits abberufen. Er wird nicht mit der Sense, sondern mit der „EU-Pauschalreiserichtlinie“ seinen Opfern den Tod bringen. Was das Internet über Jahrzehnte nicht geschafft hat, Brüssel schafft es jetzt in Form einer absolut schwachsinnigen Verordnung, die Verbraucherschutz suggerieren soll, aber genau das Gegenteil bewirken wird.

In der Bibel (Matthäus 7,16) steht: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen“. Das soll heißen, nicht was man gemacht hat zählt, sondern nur was man erreicht hat. Und was die zentralen Punkten der neuen EU-Pauschalrichtlinien betrifft, steht Ihr ohne Früchte, sondern mit leeren Händen da. Mögen am 21.4. (siehe oben) Eure Teller voll gewesen sein, Eure Hände waren leer.

Wenn früher die EU mal etwas laut über neue Umweltkriterien für die Automobilindustrie nachgedacht hat, hat die Bundeskanzlerin das im Vorfeld im Handstreich weggefegt. Hatte die Bahn Probleme, hat Minister Pofalla erfolgreich interveniert. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Wahrscheinlich wart Ihr beim DRV zwar eifrig, habt aber mit den falschen (nicht einflussreichen) Leuten gesprochen. Den Einfluss der Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Staatssekretärin Iris Gleicke, könnte man natürlich auch hinterfragen.

Wie es aussieht könnt Ihr bei der nächsten Satzungsänderung die Säule „mittelständische Reisemittler“ streichen, mangels Masse. Und die nächste Verbandskatastrophe ist bereits unterwegs: Stichwort: „Gewerbesteuer-Hinzurechnung“. Auch hier sind „Eure Früchte“ bislang sehr überschaubar. Wenn Ihr das nicht verhindern könnt, seid Ihr demnächst auch die Säule „mittelständische Reiseveranstalter“ los. Dann gibt es nur noch die „Konzerngebundenen Säulen“ und die brauchen den DRV nicht. Spätestens dann kommt der „Sensemann“ auch zu Euch.

Ich hoffe das nicht, denn Ihr wart mir mal als stolzer Branchenverband ans Herz gewachsen.

Herzlichst
Euer
Karl Born

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DRV und Unister

Unister Travel ist ab sofort Mitglied im Deutschen ReiseVerband (DRV). Die Wirklichkeit überholt mal wieder die Satire.

Im September 2013 hatten die BBBs noch kräftig gelästert (siehe BBB vom 8.9.2013 „Reiner Calmund for (DRV-)President?“). Es ging um einen Beitrag im Branchenblatt FVW unter dem Titel „„Junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Dort wurde u.a. vorgeschlagen doch mal über Thomas Wagner von Unister als Kandidat für den DRV-Vorstand nachzudenken. Das musste jedem Branchenkenner fast die Sprache verschlagen, denn gerade Wagner stand mit seinem Unternehmen Unister für zweifelhafte Geschäftsmethoden (siehe DIE WELT: „Abzock-Imperium Unister“, „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ usw.). Die Liste von Vorwürfen verschiedener Verbraucherzentralen gegen Unister ist unendlich lang. Auch die Staatsanwaltschaft war aktiv.
Die BBBs fanden diesen Vorschlag so absurd, dass sie lästerten, warum man nicht gleich das Testimonial der Unister-Tochter fluege.de (die immer besonders in der Kritik stand), Reiner Calmund, „for (DRV-President)“ zu nominieren.

Und dann stand noch ein besonders interessanter Absatz in den damaligen BBBs, September 2013 wohlgemerkt: „Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.“
Das ist für Brancheninsider jetzt insofern hochinteressant, denn der frühere FVW-Redakteur Dirk Rogl ist inzwischen Presseverantwortlicher von Unister Travel (!) und liefert jetzt sein Meisterstück ab: „Unister Travel in den DRV“. Chapeau Herr Rogl und Herr Raoul (CEO), das ist für Unister Travel ein toller Schritt vorwärts.

Die heutige BBB-Kritik richtet sich nämlich ausnahmslos gegen den DRV. Noch vor zwei Jahren meinte der DRV, mit Blick auf die viel kritisierten Geschäftsmethoden von Unister, mitteilen zu müssen, dass Unister „nicht“ Mitglied im DRV sei. In dieser Meldung wurden damals wichtige DRV-Leitlinien aufgezählt, u.a. „jedes Mitglied muss für Qualität und Verantwortungsbewusstsein als Dienstleister gegenüber Kunden und Leistungspartner stehen“, die demzufolge Unister wohl nicht erfüllte.

Und jetzt, reichlich lapidar, „freut sich der DRV“, dass Unister Travel Mitglied im DRV wird. Oh, dann muss sich inzwischen wesentliches gegenüber 2013 geändert haben. Gibt es jetzt einen anderen Maßstab für die Aufnahme neuer Mitglieder? Spätestens nach diesem Satz in der Pressemeldung könnte man es meinen: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die Interessen der gesamten Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. „Mit all ihren Segmenten“, heißt das „ab sofort nehmen wir jeden auf“? Ist das der Grund, warum der Verband in letzter Zeit beim Thema Qualifizierung in der Branche so leise auftritt? Sorry, so lapidar kann man Öffentlichkeitsarbeit nicht machen.

Insbesondere aus dem Kreis der Reisebüros kamen auch prompt wütende Proteste. Von Austritten aus dem Verband war da die Rede. Gerüchteweise sollen sogar einige Reisebüros, die heute nicht Mitglied im Verband sind, damit gedroht haben, in den Verband einzutreten, nur um aus Protest wegen Unister dann spektakulär austreten zu können.

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MdB Brähmig steht wieder mal im Fettnapf

Da hatten wir ihn in der Tat doch fast vergessen, unseren Vorsitzenden des Bundestags-Tourismusausschusses Klaus Brähmig. Aber jetzt, rechtzeitig im Sommerloch, hat er wieder zugeschlagen. Für die Urlaubsgebiete in Ägypten (wohlgemerkt Urlaubsgebiete und nicht Kairo oder Alexandria) „fürchtet er Terrorakte“ durch radikalisierte Teile der Muslimbrüderschaft und hält dabei für möglich, dass diese Radikale keine Rücksicht auf Touristen nehmen könnten (laut die WELT, 4.7.).
Ob er dabei weitergehende Informationen hat als das Auswärtige Amt, das seine Reisewarnungen zur Zeit eben nicht für die touristischen Gebiete in Ägypten ausgesprochen hat, darf bezweifelt werden. Natürlich war der Deutsche Reiseverband (DRV) stinksauer und ließ mitteilen, man sei sehr verwundert, dass nun ohne Grund eine Diskussion über die aktuelle Lage und die weitere Entwicklung in Ägypten losgetreten und angeheizt werde. „Wer jetzt über mögliche Anschläge spekuliert, handelt grob fahrlässig und schürt geradezu Panik. Solche Aussagen sind haltlos und entbehren jeglicher Grundlage“, so der DRV sehr deutlich weiter.
Man muss wissen, dass es bei dieser Diskussion nicht nur um die Interessen der Reiseveranstalter geht (im Zweifel buchen die ihre Kunden in ein anderes Zielgebiet), sondern vor allem um das Überleben der vielen Angestellten in der ägyptischen Tourismusindustrie rund um das Rote Meer. Statt diesen Menschen zu helfen, entzieht man ihnen durch solche leichtfertigen Aussagen (vorausgesetzt es nimmt jemand Herrn Brähmig ernst) die Erwerbsgrundlage. Das haben diese Menschen wirklich nicht verdient.

Das schlimme an dem Ganzen, und deshalb die besonders heftige Reaktion der BBB, Herr Brähmig ist Wiederholungstäter. Schon im März letzten Jahres, unmittelbar vor der ITB warnte besagter Herr Brähmig ausdrücklich vor Reisen nach Ägypten. Dieser „verbale Fehltritt“ war damals besonders peinlich, weil Ägypten Partnerland der ITB war. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Deshalb schrieb auch die fvw jetzt: „Wieder Ägypten-Eklat um MdB Brähmig“.

Da muss man sich doch fragen: Hat Herr Brähmig eine Art Ägypten-Phobie? Oder hat er als Kind zu viele schreckliche Mumien-Filme gesehen („Die Rache der Mumie“ o.ä.)? Vielleicht leidet er auch schwerwiegender an Islamophobie (Angst gegenüber Muslimen/dem Islam)?
Er ist und bleibt eine Belastung für die Tourismusindustrie, obwohl das Gegenteil, als Vorsitzender des Tourismusausschusses, sein Job sein müsste.
Zur Person Brähmig siehe auch die BBBs
vom 19.3.2012: „Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken“
vom 12.3.2012: „So wird das nie was mit der Tourismusbranche“, hier Punkt 2,
vom 25.7.2011: „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“

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Frühbucherfrist bis Ende Juli?

Alle sprechen von einem tollen Last Minute-Sommer, zumindest quantitativ. (Nur so nebenbei, das wurde von den Bissigen Bemerkungen schon anfangs des Jahres genau so vorhergesagt. Dafür gab es dann auf der ITB leider mehrfach heftige Kritik. Was soll´s, das haben wir weggesteckt.). Aber oh Schreck, da kommt die Nachricht auf den Schreibtisch „Frühbucherfrist bis 31. Juli verlängert“. Ja, sind da jetzt einige total verrückt geworden? Zum Glück kam einige Zeilen später Entwarnung. Es handelte sich um die Einladung zur DRV-Jahrestagung im Dezember in Ägypten. Da ist frühbuchen bis zum 31.7. durchaus angesagt (gemeint ist mehr der zeitliche Vorlauf, weniger ein eventueller Mangel an verfügbaren Plätzen).

Themen wird es dann genügend geben, wenn man die Buchungsentwicklung dieses Sommers Revue passieren lässt. Auf der Tagung sollte man aber weniger theoretisch über Krisen, Krisenentstehung und wie stark haben wir alle unter der Krise gelitten palavern. Vielmehr sollten konkrete (nicht allgemeine!) Erkenntnisse dargestellt und die daraus notwendigen Folgerungen erarbeitet werden.

Zum Beispiel: Welche Konsequenzen muss man aus der kurzfristig extremen Ausweitung des Urlauberwunsches nach Al Inklusive ziehen? Und das nicht nur für die künftige Produktgestaltung und Preisbildung, sondern auch für die Infrastrukturentwicklung der wichtigsten Zielgebiete. Und wenn man weiterdenkt:
Wie schnell und wie stark wird dieser Trend für den Deutschland-Tourismus durchschlagen?

Anderes Beispiel: Wie kann die Branche auf die Entwicklung im Last Minute-Bereich reagieren? Dabei aber nicht nur an den nächsten Sommer denken, sondern an den nächsten Winter! Lassen wir mal den aktuellen Buchungsstand für den kommenden Winter beiseite, wer denkt jetzt schon an Winterurlaub. Wichtiger ist etwas anderes: Schon in zwei Monaten ist Bundestagswahl. Und unmittelbar danach, werden die dann Regierenden die Liste ihrer Grausamkeiten vorlegen. Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, an die Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der letzten Bundestagswahl, als aus dem Wahlkampfversprechen der CDU von plus 2% und dem Wahlkampfversprechen der SPD von keiner Erhöhung, der „saubere mathematische Durchschnitt von 3% gebildet“ wurde? Stellen wir uns mal darauf ein, dass uns im 4. Quartal 2009 ähnliche Überraschungen präsentiert werden. Als Folge wird es die gleiche Verunsicherung der Bevölkerung hinsichtlich ihres Einkommens geben, wie anfangs dieses Jahres. Und wer noch an eine generelle Mehrwertsteuersenkung für das Gastgewerbe glaubt, wie gerade eben von den französischen Nachbarn vorgemacht, der glaubt auch die Erde sei eine Scheibe und Männer würden Frauen verstehen.
Die Konsequenzen für das Buchungsverhalten der potenziellen Touristen liegen auf der Hand. Da sollte man schon heute über eine entsprechende Kommunikations-Strategie nachdenken und nicht so schwer „in die Gänge kommen“ wie in diesem Sommer.

Die Geschichte von Luxor (Gloria und Untergang) sollte aber nicht zum Menetekel für die Branche werden. Also rechtzeitig „pro-aktiv“, so heißt das neue Zauberwort, gegensteuern. Die Preissenkungen sind ja schon ein Anfang, aber das alleine wird nicht reichen.

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Die Reisebranche verbreitet Optimismus. Ist das taktisch klug?

Letzte Woche war Jahrestagung des Deutschen Reiseverbandes DRV, diesmal in Budapest. Same procedure as every year: Bester Optimismus hinsichtlich des künftigen Käuferverhaltens. Seelenmassage nach alter Einzelhandelstradition. Wenn in den Medien steht, dass alle kaufen, dann werden auch alle kaufen. Eine Art sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Die Bissigen Bemerkungen wollen im Folgenden nicht beurteilen, ob dies inhaltlich richtig ist oder nicht. Es stellt sich vielmehr die Frage nach dem Zeitgeist. Der Ruf nach staatlicher Hilfe ist angesagt. Der erste Bankmanager hat schon laut und vernehmlich darüber spekuliert, dass sein Haus eigentlich keine Hilfe brauche, er aber aus betriebswirtschaftlichen Gründen überlege, die Hilfe trotzdem in Anspruch zu nehmen.

Nach Landesbanken und Privatbanken ruft nun die Automobilbranche um Rettung. Landes- und Bundespolitik überbieten sich bereits nach dem Motto „Wer gibt mehr“. Als nächstes haben sich die Autobanken von VW und BMW gemeldet. Ist doch logisch. Wenn es Bankbranche und Automobilbranche schlecht geht, dann muss man den Autobanken quasi doppelt helfen. Die Versicherungsbranche hat sich ebenso gemeldet, wie Flugzeugindustrie, Stahlkonzerne und die Windenergie.
Steinbrück warnt zwar schon vor der „Prozession der Bittsteller“, aber diese formiert sich bereits. Und „wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“ in Form von Merkel/Steinbrück (im Prinzip auch nichts anderes als ohnehin schon!).

Dabei hat die Touristik beste Argumente. Einige Branchen haben bereits Zwangsurlaub angekündigt. Welch ein toller Begriff für die Tourismusbranche. Die Menschen müssen „zwangsweise“ in Urlaub fahren. Jetzt muss nur noch jemand das Geld geben, dass sie es auch können. Entweder den Urlaubern direkt oder der Branche damit diese noch attraktivere Angebote basteln kann.

Prima, wenn das Geld auf den Bäumen wächst. Oder ist das vielleicht unser aller Steuergeld (auch meines), das da gerade großzügig verteilt wird?

Wenn das der alte Thomas Cook noch erlebt hätte. Am 22.11. jährt sich übrigens zum 200.mal sein Geburtstag. „Happy Birthday“ Tommy.

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