Person | Interviews | Vorträge | Veröffentlichungen | Kontakt

Leute, macht mal halblang mit der Aufregung wegen Donald Trump

Das für undenkbar gehaltene ist eingetreten, der nächste US-Präsident heißt Donald Trump. Und unglaublich viele heulen auf und beschwören den Weltuntergang. Als ein B-Schauspieler wie Ronald Reagan Präsident wurde, lachten auch viele, sehr viele. Und rückwärts betrachtet gilt er als ein guter US-Präsident. Als in meiner früheren Heimat Hessen, die Grünen in das Parlament und später in das Kabinett einzogen, malte man den Exodus der heimischen Wirtschaft in den schwärzesten Farben an den politischen Horizont. Es wird eben nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Ich gebe gerne zu, wenn es um sexistische und rassistische Sprüche geht, liegt meine Toleranzgrenze bei 0,0. Insofern konnte ich mich im Wahlkampf zu keinem Zeitpunkt für Donald Trump begeistern. Andererseits, ist mir Hillarys Nähe zur Banken- und Rüstungspolitik und ihre Einstellung zu kriegerischen Auseinandersetzungen ebenfalls suspekt. Von verschiedenen Geschichten aus ihrer Zeit als Anwältin ganz zu schweigen. Insofern war die US-Wahl eine Entscheidung für das kleinere Übel. Mit dieser Formulierung „Entscheidung für das kleinere Übel“ sollten wir uns in Deutschland schon mal vertraut machen, wenn wir nächstes Jahr zwischen Merkel und Gabriel wählen „dürfen“.

Aber zurück zu Trump. Mit kleinem zeitlichen Abstand ist mir eine Zahl besonders haften geblieben: über 50 Millionen Amerikaner haben Trump gewählt. Eine gewaltige Zahl (zum Vergleich, bei der letzten Bundestagswahl haben in Deutschland insgesamt nur 44 Mio. Menschen gewählt). Vollkommen falsch ist die gestern querbeet zu lesende Lästerung über die Trump-Wähler (lästern über das Wahlvolk ist grundsätzlich unentschuldbar). Sind 50 Millionen Trump-Wähler sexistisch und rassistisch? Warum haben so viele weibliche Wähler und so viele Wähler mit Migrationshintergrund „trotzdem“ Trump gewählt? Weil etwas anderes sie stärker belastet hat (kennen wir bei mehreren Verletzungen, neben der schwersten spüren wir die anderen weniger). Es war die schlechte, als hoffnungslos empfundene wirtschaftliche Situation, das Gefühl von den Regierenden vergessen worden zu sein. Es geht uns besser denn je (Merkel und Obama), ist leider nicht hilfreich, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderfällt. Rechts in 80 Grad heißem Wasser und links in Eiswasser stehen, macht die eigentlich angenehme Durchschnittstemperatur wertlos. Und bei den Erfolgszahlen einer Arbeitslosenstatistik, aus der immer mehr statistisch herausgerechnet wird, und der eine Beschäftigungsstatistik gegenübersteht, in der auch der kleinste Job mit einer unsittlichen Bezahlung eingerechnet wird, frage ich mich, wieviel Sand uns noch in die Augen gestreut werden soll (auch hier eine Parallele USA und Deutschland).

Gestern musste ich auch an den legendären Fußballtrainer Trapattoni denken. „Was erlauben Merkel, Steinmeier und EU-Schulz“? Merkel, Steinmeier und Schulz geben Trump, wegen seiner Wahlkampfsprüche, öffentlich Ratschläge wie er Demokratie umzusetzen hat. Legen wir doch mal die Reden von Merkel, Steinmeier und Schulz daneben, was sie über Erdogan sagen, über jemanden den man nicht an seinen Sprüchen, sondern sogar an seinen Taten messen kann (Rücksicht auf Asylpolitik und Tourismus können nicht länger als Entschuldigung herhalten). EU-Werte an Trump vermitteln? Geht`s noch? Man kann nur hoffen, dass er es nicht ernst nimmt und sich an Besserem orientiert.

Man sollte lieber mal nachdenken und das US-Wahlverhalten als Blaupause für die BTW 2017 sehen. Liegt der amerikanische mittlere Westen nicht auch in Teilen Ostdeutschland und in einigen Regionen Westdeutschlands, insbesondere in NRW?

Die Absicht „rechts zu bekämpfen“ wird nicht durch schärfere Asylgesetze erreicht werden, egal ob diese Änderungen teilweise berechtigt sind oder nicht. Das „rechte Segment“ als Nazi und Rechtspopulisten zu beschimpfen, bewirkt genauso wenig. Die sich abgehängt fühlenden, holt man nur durch eine bessere Politik genau für dieses Klientel zurück. Da wären Investitionen in „Menschen und Infrastruktur“ notwendig, auch wenn diese sich im ersten Moment wirtschaftlich nicht rechnen. Das müsste sich in erster Linie unser Kabinetts-Gollum Schäuble („mein Schatz, mein Schatz, die schwarze Null“) zu Herzen nehmen. Unserer nächsten Generation keine Schulden zu hinterlassen ist doch wertlos, wenn sie Jahre (Jahrzehnte) brauchen werden, um die marode Infrastruktur zu reparieren. Und was wir zur Zeit an Bildungschancen verpassen/zerstören (irgendwo zwischen dumm, fahrlässig und vorsätzlich), wird sogar Generationen dauern um es zu beheben.

Also, jetzt haben wir uns genügend aufgeregt, die einen gestern und ich heute. Was mich betrifft, wäre ich so gerne optimistisch für 2017, allein, sorry, mir fehlt im Moment der Glaube.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Ryanair-Chef O’Leary ist der Donald Trump der Lüfte

Als ich das Interview von Ryanair-Chef Michael O’Leary in der „Zeit“ gelesen habe, wusste ich sofort: diesen großmäuligen nervigen Ton kenne ich doch von irgendwo her. Na klar, das ist doch O-Ton Donald Trump, nur nicht aus der Hotel-, sondern aus der Luftfahrtbranche.

Einerseits erfolgreich und bisher viel Geld verdient, andererseits ein ungezogener Rüpel. Immer die gleiche Platte, „ich habe sehr viel Geld verdient“, „ich weiß nicht nur wie mein Geschäft läuft, sondern ich habe auch die Weisheit für alles andere auf der Welt gepachtet“. Dabei ein ganz krummes Frauenbild haben und schnell wütend werden, wenn man sie darauf hinweist, dass sie gestern etwas vollkommen anderes gesagt haben als heute.
Letzteres jedoch nicht in der alten Adenauer’schen Unbekümmertheit – „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ – sondern in Sturheit darauf beharrend, es schon immer (und als Einziger) gewusst zu haben.

Dabei sind beide nur begrenzt Originale. Weder hat der eine die Politik, noch der andere das „Fliegen“ erfunden – auch nicht das Modell „Billigfliegen“ (da würde ich doch eher an Freddy Laker und vor allem an Southwest Airlines denken). Trump und O’Leary profitieren davon, dass die etablierten Modelle (Establishment in USA und traditionelle Hub-Airlines in Europa) sich sehr schwer tun, in die Neuzeit zu kommen.

Insofern basieren die Modelle der beiden Herren nicht auf wirklich Neuem, sondern eher auf Fehlerkorrektur des „bisherigen alten Systems“ und dabei natürlich auf Speed (im Sinne von Geschwindigkeit!). Beide sind zu ihrem Reichtum gekommen, indem sie ihre Mitarbeiter und ihre Geschäftspartner ausbeuten – so funktioniert eben ihr persönliches „neues System“.
Die mögliche lapidare Erklärung, es müsse ja niemand Geschäfte mit Trump beziehunsweise O’Leary machen, verkennt allerdings, dass die aktuellen Verwerfungen als Folge des entstandenen Neo-Liberalismus (unter anderem Lohn- und Sozialabbau sowie die Verwirrung der öffentlichen Hand, sich da zurechtzufinden) einer gewissen geschäftlichen Skrupellosigkeit in die Karten gespielt haben.

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade bei Verkündung des „tollen“ Ryanair-Ergebnisses massive Sozialdumping-Vorwürfe wieder laut werden. Da viele Kosten nun mal in der Fliegerei identisch sind, bieten sich insbesondere radikale Kürzungen im Bereich der Personalkosten an. Die Verträge insbesondere mit seinem fliegenden Personal sind Ausbeutung pur. Das „wer nicht will, kann ja auch woanders arbeiten“ geht leider an den tatsächlichen Möglichkeiten vorbei.

Ganz typisch die sarkastische O’Leary-Reaktion auf die Vorwürfe, statt mit echten Argumenten lieber mit einem dümmlichen Spruch zu antworten: „Die (Gegner) behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, geben ihnen kein Essen und sperren sie nackt ins Cockpit.“ Das ist das typische Trump-Ablenkungsmanöver. Aber wie sollte er seine „atypischen Beschäftigungsmodelle“, bei denen der Wettbewerb knallhart auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen wird, auch vernünftig verteidigen.
Kritische Beiträge über O´Leary werden zumeist gekontert mit dem Argument, aber der Erfolg gäbe ihm recht. Der Zweck darf aber nicht die Mittel heiligen, sonst können wir auch Fans der FIFA, von Carsten Maschmeyer und anderer Erfolgsmodellen sein.

Typisch O’Leary (in der Trump-Kopie), dass er die von dem „Zeit“-Journalisten vorgelegten Fakten (teilweise aus seinem eigenen Jahresbericht zitiert) abstreitet oder schlichtweg nicht kennt (auch letzteres halte ich für möglich). Natürlich fehlt auch nicht sein Dauerhinweis, wie schnell sich sein Vermögen verdoppeln wird, während die Konkurrenten pleitegehen (Eurowings) oder an Lufthansa verkauft werden (Air Berlin).

Besonders gefährlich waren und sind diese Ryanair-Geschäftspraktiken, weil die konkurrierenden Airlines glaubten und noch glauben (bis hin zu Lufthansa), nur durch Kopieren dieser Methoden erfolgreich sein zu können. Dabei stößt das Ryanair-Modell, wie jedes Billigmodell, irgendwann an Marktkapazitätsgrenzen. Insofern ist der Bezug von O’Leary auf Aldi (wahrscheinlich unfreiwillig) richtig, weil auch der Discounter-Markt heute nicht mehr insgesamt, sondern einzelne Unternehmen nur noch zu Lasten der Konkurrenten wachsen.

Allerdings muss ich zugeben: O’Leary hat hier die Nase wieder im Wind, wenn er neuerdings Kundenfreundlichkeit, mehr Möglichkeiten an Bord, Vielfliegerprogramm oder auch das Anfliegen der zentralen Airports und so weiter herausstellt, während die Konkurrenten hier noch über Verschlechterungen nachdenken.

Früher habe ich immer geglaubt, das sei perfektes Marketing was er so an Sprüchen raushaut, heute denke ich eher O’Leary glaubt das selbst, was er so von sich gibt. Übrigens ein typischer CEO-Fehler, wenn der Zenit überschritten ist.
„Seit wir angefangen haben, netter zu den Kunden zu sein“ – man höre und staune – „laufen auch meine Pferde viel besser. Netten Menschen geschieht Gutes“, so O’Leary. „Solange die Luftverkehrssteuer in Deutschland existiert, werden wir da nicht mehr expandieren.“ Schon vergessen. Ryanair expandiert inzwischen, trotz der immer noch existierenden Steuer.

Aber unverzeihlich ungezogen finde ich den Interview-Abschluss mit dem Bezug auf sein Familienleben. „Meine Kinder denken sowieso, dass ich ein Idiot bin, so ist das auch in Ordnung. Wenn sie das nicht denken würden, dann werden sie sowieso nutzlos sein.“ Und ganz besonders niedriges Niveau finde ich dann seine Folgerung: „Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen – aber nicht, wenn sie vier unter zehnjährige Kinder hat.“
Entweder Frau O’Leary liest diesen Quatsch in seinen Interviews nicht – oder sie denkt wie ihre Kinder über ihren Mann.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)