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Die Geschichte des Reiserechts muss umgeschrieben werden – dank Sigmar Gabriel

Er ist schon ein richtiger Tausendsassa, unser Außenminister. Er ist kein Diplomat wie sein Vorgänger Steinmeier. Gabriel ist schnell, manchmal so schnell, dass nicht alle Gedanken hinterher kommen.

Seit fast Jahrzehnten galt in Deutschland: Das Auswärtige Amt befasst sich mit der Gefahrenlage für Deutschen im Ausland in zwei Varianten:

Reisehinweise und Reisewarnungen.

Reisehinweise soll heißen: Achtung, aufpassen, es gibt Probleme, also eine Art Gefahren-Ampel, die auf Gelb steht.

Reisewarnung soll heißen: Nichts geht mehr. Das Zielgebiet ist zu gefährlich, die Gefahren-Ampel steht auf Rot. Konsequenz: Der Veranstalter darf keine Touristen hinbringen und muss jene, die vor Ort sind, schnellstens zurückbringen. Wer für dieses Zielgebiet schon seinen Urlaub gebucht hat, darf kostenfrei stornieren.

Gabriel hat dieses eingeübte Verfahren erweitert.

Dritte Variante: Reisewarnung, die aber Reisehinweis heißt

Im Juli gab das Auswärtige Amt, lt. Gabriel auf seinen besonderen Druck, eine sehr heftige Reisewarnung für die Türkei heraus (Gefahr willkürlicher Verhaftungen usw.), nannte sie aber „modifizierten Reisehinweis“. Oder, um im obigen Beispiel zu bleiben: Die Ampel ist rot, wir sagen aber, sie sei weiterhin gelb (na ja, vielleicht ein etwas dunkleres Gelb). Damit konnten die deutschen Reiseveranstalter gut leben. Auch der Deutsche Reiseverband wurde nicht müde, das schöne Gelb der Ampel zu loben. Nach dem Motto: Alles bestens, nur in einem Punkt Vorsicht: Solltet ihr eventuell Erdogan auf der Straße sehen, wechselt vielleicht sicherheitshalber die Straßenseite.

Jetzt gibt es neu sogar eine vierte Variante: Die rote Ampel, die man nur in der Provinz sehen kann.

Der umtriebige Gabriel hat noch einen draufgesetzt. Von seinem Wohnort Goslar aus ließ er die Öffentlichkeit wissen, dass er von Reisen in die Türkei warne oder abrate oder wie auch immer formuliert. Da kamen seine Beamten im Auswärtigen Amt aber ins Rotieren, die Blutdrucksenkungsmittel sollen in Minuten verbraucht gewesen sein. War bestimmt nicht einfach Herrn Gabriel darauf hinzuweisen, dass diese Äußerungen nicht ganz konform mit den „modifizierten“ (schöne vernebelnde Beschreibung) Reisehinweisen des Auswärtigen Amtes seien. Ergebnis, seine neue Verlautbarung sei seine private Meinung. Wenn er am Montag wieder im Büro sei, dann gelte natürlich seine offizielle Meinung. Was wiederum nicht so ganz einfach ist. Unsere Bundeskanzlerin wird nicht müde zu betonen, dass sie immer im Dienst sei, auch wenn sie in der Uckermark sei. So wird also (im Normalfall) auch Gabriel (immerhin Außenminister und Vizekanzler) behaupten, dass er immer im Dienst sei. Insofern könnte es schwierig sein, im Dienst, gezielt seine Privatmeinung in die Presse zu lancieren. Unbestätigten Meldungen zufolge soll sich Gabriel wie folgt aus der Affäre gezogen haben. Wenn er in Goslar privat auf die Gefahren-Ampel schaue, sehe er Rot. Bei anderen Lichtverhältnissen in Berlin zeige die gleiche Ampel aber Dunkelgelb.

Dann ist doch alles klar, oder doch nicht? Was ist, wenn ein Kunde nun vor Gericht klagt, dass er nicht kostenlos stornieren darf und sich dabei auf Gabriel bezieht (m.E. genügt dafür schon der letzte sog. modifizierte Reisehinweis). Er wird bis zur obersten Instanz gehen müssen. Aber aussichtslos ist es nicht. Kein Wunder, dass die Branche nervös ist.
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In eigener Sache:
Ja, es gibt sie noch, die BBBs. Inzwischen haben eifrige Leser (Danke!) gefragt, warum keine BBBs mehr erschienen seien. Die BBBs haben einfach nur noch Pause gebraucht. Die Realität ist zur Zeit ohnehin besser als jede Satire. Der Außenminister stellt die Regeln des Auswärtigen Amts auf den Kopf, der Bundestag verabschiedet nachts um 1 Uhr (ganz leise, damit es vielleicht keiner merkt) ganz miese Europäische Pauschalreiserichtlinien, der BER ist noch immer nicht eröffnet und Wöhrl macht mal wieder PR-Welle (sein Buch steht zur Veröffentlichung an). Braucht es bei diesem realen Wahnsinn BBBs? Ja, gerade jetzt. Die BBBs wird es weitergeben, wenn auch unregelmäßig. Und ich nehme mir die Freiheit auch nicht alles beißen zu müssen, was gerade so durch die Gazetten getrieben wird, um kleine PR-Lüftchen nicht größer zu machen als sie sind.

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Der kollektive Realitätsverlust in Politik und Branche gefährdet deutsche Touristen

Gut gebrüllt Löwe Gabriel. Da hat er mit dem Einverständnis der Kanzlerin es Erdogan mal so richtig gezeigt. Wirklich? Im Ergebnis hat das Auswärtige Amt seinen Kuschelkurs gegenüber der Türkei nicht beendet.

Fast alles, was im neuen Reisehinweis für die Türkei steht, ist in Wirklichkeit eine Reisewarnung. Aus jeder Zeile kann man lesen: „Ich bin eine Reisewarnung, aber ich darf leider nicht so heißen“. Bei keinem anderen Land dieser Welt wäre ein solcher Text ohne die Überschrift „Reisewarnung“ veröffentlicht worden.

Beispiel1, O-Ton Gabriel: „Deutsche Staatsbürger sind in der Türkei vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher“.
Deutlicher geht es nicht mehr. Gibt es noch für irgendein ein anderes Land den Reisehinweis, dass deutsche Staatsbürger vor willkürlichen Verhaftungen nicht mehr sicher sind? NEIN.

Beispiel 2 ist noch schlimmer, O-Ton Auswärtiges Amt. „Wer aus privaten oder geschäftlichen Gründen in die Türkei reist, wird empfohlen, sich auch bei kurzzeitigen Aufenthalten in die Listen für Deutsche im Ausland bei Konsulaten und Botschaften einzutragen“.
Sind die im AA jetzt total verrückt geworden? Der Tourist soll sich in eine Liste bei der Botschaft eintragen? Geht’s noch? Und warum: „Die Auslandsvertretungen werden bei Festnahmen deutscher Staatsangehöriger nicht immer rechtzeitig unterrichtet.“ Das heißt übersetzt, wir können zwar nicht verhindern lieber Tourist, dass du willkürlich verhaftet wirst, aber so erfahren wir wenigstens rechtzeitig, dass du eingesperrt bist. Und ob und wann wir dich im Gefängnis besuchen können, wissen wir im AA auch nicht, trotz des Anspruchs aller Deutschen auf konsularischen Rat und Beistand.

Und dafür gibt es keine Reisewarnung? Von wegen „Bundesregierung knallhart“, da kann man eher einen Pudding an die Wand nageln.

Und dazu noch der Pressesprecher des DRV in den TV-Nachrichten. „Das ist ja keine Verschärfung der Reisehinweise, sondern nur eine Anpassung“. Diese Verniedlichung ist inakzeptabel, auch wenn das AA den Begriff verwendet hat.
Aber die Krönung im Interview des Pressesprechers war: Wer vorsichtig ist, dem wird auch künftig nichts passieren.
Das ist der allerschlimmste Irrglaube, eine dumme Argumentation, die nur die Aufregung der Touristen beruhigen soll. Ich habe noch darauf gewartet, bis er sagt, wir freuen uns unverändert auf die DRV-Jahrestagung 2018. Thorsten Schäfer sollte Gabriel aufmerksamer zuhören. Der Außenminister sagt selbst, „dass man vor willkürlichen Verhaftungen nicht sicher ist“. Mein Appell an den DRV-Vorsitzenden Fiebig: „Korrigieren Sie diesen unsinnigen Satz so schnell wie möglich“.

Das Auswärtige Amt hat früher schon darauf hingewiesen, „dass seit Anfang Februar in einzelnen Fällen deutschen Staatsangehörigen an den Istanbuler Flughäfen die Einreise in die Türkei ohne Angaben genauer Gründe verweigert. Die betroffenen Personen mussten nach einer Wartezeit in Gewahrsam von mehreren Stunden ihre Rückreise nach Deutschland antreten“.
Der Grund ist, dass schon in Deutschland Informationen gegen Personen gesammelt wurden, z.B. Facebook-Kommentare oder durch Denunzieren, zu dem Erdogan ausdrücklich aufgefordert hat. Die Vorstellung „ich spreche in der Türkei nicht über Politik, dann passiert mir nichts“ ist naiv. Entsprechende bereits in Deutschland getätigte Äußerungen können zu Verhaftungen in der Türkei führen.

Zwei weitere Dinge müssen noch klargestellt werden.
1.„Aber die Türkei ist doch so preiswert!“ Warum? Preiswert fällt nicht vom Himmel. Das Lohnniveau und die Arbeitszeitbedingungen sind in der Türkei schon immer schlechter als in vielen anderen relevanten Zielgebieten. Der preiswerte Türkeiurlaub wird zu Lasten der im Tourismus Beschäftigten erkauft. Das hat bislang aber noch niemand gestört.

2.Die Menschen in den Urlaubsregionen haben doch mehrheitlich gegen Erdogan gestimmt. Abgesehen, dass das kein erhöhtes Sicherheitsargument ist, sondern eher das Gegenteil, fehlt auch die restliche Logik. In Izmir haben 69% gegen Erdogan gestimmt, in Antalya haben 59% gegen Erdogan gestimmt. Das heißt aber im Umkehrschluss, in Antalya haben z.B. 41% für Erdogan gestimmt. Darunter können viele „Streber“ sein, die sich durch Denunzieren von Touristen einen Vorteil versprechen.

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Leute, macht mal halblang mit der Aufregung wegen Donald Trump

Das für undenkbar gehaltene ist eingetreten, der nächste US-Präsident heißt Donald Trump. Und unglaublich viele heulen auf und beschwören den Weltuntergang. Als ein B-Schauspieler wie Ronald Reagan Präsident wurde, lachten auch viele, sehr viele. Und rückwärts betrachtet gilt er als ein guter US-Präsident. Als in meiner früheren Heimat Hessen, die Grünen in das Parlament und später in das Kabinett einzogen, malte man den Exodus der heimischen Wirtschaft in den schwärzesten Farben an den politischen Horizont. Es wird eben nicht alles so heiß gegessen, wie es gekocht wird.

Ich gebe gerne zu, wenn es um sexistische und rassistische Sprüche geht, liegt meine Toleranzgrenze bei 0,0. Insofern konnte ich mich im Wahlkampf zu keinem Zeitpunkt für Donald Trump begeistern. Andererseits, ist mir Hillarys Nähe zur Banken- und Rüstungspolitik und ihre Einstellung zu kriegerischen Auseinandersetzungen ebenfalls suspekt. Von verschiedenen Geschichten aus ihrer Zeit als Anwältin ganz zu schweigen. Insofern war die US-Wahl eine Entscheidung für das kleinere Übel. Mit dieser Formulierung „Entscheidung für das kleinere Übel“ sollten wir uns in Deutschland schon mal vertraut machen, wenn wir nächstes Jahr zwischen Merkel und Gabriel wählen „dürfen“.

Aber zurück zu Trump. Mit kleinem zeitlichen Abstand ist mir eine Zahl besonders haften geblieben: über 50 Millionen Amerikaner haben Trump gewählt. Eine gewaltige Zahl (zum Vergleich, bei der letzten Bundestagswahl haben in Deutschland insgesamt nur 44 Mio. Menschen gewählt). Vollkommen falsch ist die gestern querbeet zu lesende Lästerung über die Trump-Wähler (lästern über das Wahlvolk ist grundsätzlich unentschuldbar). Sind 50 Millionen Trump-Wähler sexistisch und rassistisch? Warum haben so viele weibliche Wähler und so viele Wähler mit Migrationshintergrund „trotzdem“ Trump gewählt? Weil etwas anderes sie stärker belastet hat (kennen wir bei mehreren Verletzungen, neben der schwersten spüren wir die anderen weniger). Es war die schlechte, als hoffnungslos empfundene wirtschaftliche Situation, das Gefühl von den Regierenden vergessen worden zu sein. Es geht uns besser denn je (Merkel und Obama), ist leider nicht hilfreich, wenn die Kluft zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderfällt. Rechts in 80 Grad heißem Wasser und links in Eiswasser stehen, macht die eigentlich angenehme Durchschnittstemperatur wertlos. Und bei den Erfolgszahlen einer Arbeitslosenstatistik, aus der immer mehr statistisch herausgerechnet wird, und der eine Beschäftigungsstatistik gegenübersteht, in der auch der kleinste Job mit einer unsittlichen Bezahlung eingerechnet wird, frage ich mich, wieviel Sand uns noch in die Augen gestreut werden soll (auch hier eine Parallele USA und Deutschland).

Gestern musste ich auch an den legendären Fußballtrainer Trapattoni denken. „Was erlauben Merkel, Steinmeier und EU-Schulz“? Merkel, Steinmeier und Schulz geben Trump, wegen seiner Wahlkampfsprüche, öffentlich Ratschläge wie er Demokratie umzusetzen hat. Legen wir doch mal die Reden von Merkel, Steinmeier und Schulz daneben, was sie über Erdogan sagen, über jemanden den man nicht an seinen Sprüchen, sondern sogar an seinen Taten messen kann (Rücksicht auf Asylpolitik und Tourismus können nicht länger als Entschuldigung herhalten). EU-Werte an Trump vermitteln? Geht`s noch? Man kann nur hoffen, dass er es nicht ernst nimmt und sich an Besserem orientiert.

Man sollte lieber mal nachdenken und das US-Wahlverhalten als Blaupause für die BTW 2017 sehen. Liegt der amerikanische mittlere Westen nicht auch in Teilen Ostdeutschland und in einigen Regionen Westdeutschlands, insbesondere in NRW?

Die Absicht „rechts zu bekämpfen“ wird nicht durch schärfere Asylgesetze erreicht werden, egal ob diese Änderungen teilweise berechtigt sind oder nicht. Das „rechte Segment“ als Nazi und Rechtspopulisten zu beschimpfen, bewirkt genauso wenig. Die sich abgehängt fühlenden, holt man nur durch eine bessere Politik genau für dieses Klientel zurück. Da wären Investitionen in „Menschen und Infrastruktur“ notwendig, auch wenn diese sich im ersten Moment wirtschaftlich nicht rechnen. Das müsste sich in erster Linie unser Kabinetts-Gollum Schäuble („mein Schatz, mein Schatz, die schwarze Null“) zu Herzen nehmen. Unserer nächsten Generation keine Schulden zu hinterlassen ist doch wertlos, wenn sie Jahre (Jahrzehnte) brauchen werden, um die marode Infrastruktur zu reparieren. Und was wir zur Zeit an Bildungschancen verpassen/zerstören (irgendwo zwischen dumm, fahrlässig und vorsätzlich), wird sogar Generationen dauern um es zu beheben.

Also, jetzt haben wir uns genügend aufgeregt, die einen gestern und ich heute. Was mich betrifft, wäre ich so gerne optimistisch für 2017, allein, sorry, mir fehlt im Moment der Glaube.

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Der Deutsche ReiseVerband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort

Wo darf der deutsche Tourist aus moralischen Gründen keinen Urlaub machen? Auf diese Medien-Lieblingsfrage habe ich immer geantwortet, „wo Kanzlerin und Minister hinfahren, darf auch der deutsche Urlauber seine Ferien verbringen“. Warum soll er moralischer sein als die Polit- und Wirtschaftsdelegationen?

Insofern hatte ich mir vor vier Wochen auch keine Gedanken über das Thema Türkei-Urlaub gemacht. Wer will, warum nicht? Auch die Gefahr, Opfer eines Attentates in der Türkei zu werden, hatte ich nicht überbewertet. Statistisch gesehen habe ich einen Antalya-Urlaub sicherer gesehen als eine Autobahnfahrt.

Ein Attentat ist immer „nur“ eine punktuelle Gefahr, aber die „Gefahr Erdogan“ seit dem Putsch ist flächendeckend. Pauschale Verhaftungen in inzwischen 5-stelliger Anzahl zeigen, hier wird nicht zuerst die individuelle Schuld geprüft, sondern pauschal verhaftet. Es trifft nacheinander immer neue Berufsgruppen. Meines Erachtens ist es nur eine Frage der Zeit, bis es die ersten Hotelmanager trifft. Auch nur der leiseste Verdacht irgendeiner Verbindung zur Gülen-Bewegung, mag er auch noch so weit hergeholt sein, ist ein Verhaftungsgrund. Das kann auch „versehentlich“ deutsche Touristen treffen.

Früher hätte das Auswärtige Amt bei einer „versehentlichen“ Verhaftung eines deutschen Touristen, sofort alles in Bewegung gesetzt, um ihn in kürzester Zeit frei zu bekommen. Auf eine solche Initiative des Auswärtigen Amtes oder sogar der Kanzlerin kann man aktuell nicht hoffen. Dem „Flüchtlingsdeal“, der nicht gefährdet werden darf, würde auch ein „Einzelschicksal“ untergeordnet werden.

Dieses Szenario ist im Moment noch theoretisch, aber meines Erachtens alles andere als abwegig. Wer die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei verfolgt und nicht die Parallelen zu unserer Vergangenheit sieht, ist entweder blind, unwissend oder ignorant. Für die Bundesregierung könnte man hinzusetzen „oder ist erpressbar“. Eine ganz schlimme Situation.

Und in diesem Umfeld will der Deutsche ReiseVerband seine Jahrestagung in der Türkei abhalten? Das geplante positive Zeichen für den Türkeitourismus kann im Moment nicht mehr aktuell sein.

Wie kann ein Szenario für diese Tagung aussehen:

Erdogan macht daraus eine Jubelveranstaltung für seine Politik. Die offiziellen türkischen Redner werden Reden halten, bei denen man nur verschämt auf den Boden schauen kann. Wie reagiert der DRV-Präsident? Er ignoriert? In den Interviews mit der türkischen Presse wird das nicht einfach sein. Er kommentiert und korrigiert? Das wäre nicht nur gefährlich, sondern würde genau das Gegenteil bewirken, was man mit dieser Veranstaltung ursprünglich erreichen wollte.

In der Vergangenheit hat oft die Politik versucht auf political correctness ihrer Bürger und speziell der Touristen einzuwirken. Im Moment ist es gerade umgekehrt, wir müssen auf unsere Politik einwirken. Tut sich der DRV eventuell mit der Absage deshalb so schwer, weil er unter Druck des Auswärtigen Amts steht, unbedingt diese Tagung in der Türkei abzuhalten?

Wer immer im Moment als Urlauber in die Türkei reisen will, kann das gerne tun, wenn er weiß und akzeptiert, wie er sich dort zu verhalten hat. Es liegt mir fern, das zu bewerten. Aber für einen Tourismusverband gelten vollkommen andere Anforderungen. Da erwarte ich politische Einsicht.

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Die Fußball-EM als Spiegelbild der EU

Irgendwie springt der Funke bei dieser Europameisterschaft nicht so richtig über oder geht das nur mir so. Im Vergleich zu 2012 oder 2014 sind deutlich weniger Fahnen zu sehen. Oder bremst die Angst „als Rechts“ zu gelten?

Bei einigen Auffälligkeiten während der EM musste ich immer an das Spiegelbild Europäische Union denken: ein kleines Resümee nach der Vorrunde.

Grässlich waren die teils sehr heftigen nationalen Auseinandersetzungen mit Prügeleien einiger Fans vor und während der ersten Turnierspiele. Für mich spiegelte das auch die Stimmung innerhalb der EU wider. Zwar geht es da (noch) nicht mit Gewalttätigkeiten zu, aber von einer friedlichen Union (Wertegemeinschaft?) kann nicht die Rede sein. Sofort folgte der Ruf nach Sanktionen. Und wen soll es treffen? Natürlich Russland und nicht die genauso gewalttätigen Engländer. Russland und Ausschluss (EM 23 statt EM 24) passt immer. Außerdem durfte der Brexit nicht vorgezogen werden, dabei hätten sich die Engländer fast selbst aus dem Turnier gekegelt.

Und dann diese unselige Regelung der bestplatzierten Dritten. So einen bürokratischen Unsinn kann sich eigentlich nur die EU-Administration ausgedacht haben. Vielleicht gab es eine personelle Leihgabe an die UEFA. Glühbirnen-, Gurken- und andere EU-Regelungen (EU-Pauschalreiserichtlinien) sind direkt easy dagegen.

Weitere Auffälligkeiten? Albanien erledigt am Sonntag seine Aufgaben, weiß aber nicht ob sie in die EU, Verzeihung Achtelfinale der EM, dürfen. Aber die Albaner kennen das, vor der Tür der EU zu warten.

Da wird Erdogan sauer werden. Die Türkei kämpfte bravourös gegen Tschechien und darf trotzdem nicht in die EU, Entschuldigung in das Achtelfinale. Wenn man seine „Punkte“ nicht rechtzeitig abarbeitet, dann kann so etwas Last Minute passieren. Der Interims-UEFA-Boss, kann sich schon mal auf den Weg nach Ankara machen.

Kein Land hing so tief in der Finanzkrise wie Island. Europäische Milliarden in bis dato ungeahnter Höhe mussten aufgewendet werden um das Land (die Banken?) zu retten. Jetzt ist Island wieder brav und schickt 10% (!!) seiner Bürger zur fröhlichen Kundgebung nach Frankreich. Wenn die jetzt am Montag noch England rauswerfen, wäre das eventuell Brexit II.

Das komplizierte Rechenverfahren, wer kommt wie weiter, hat jetzt dazu geführt, dass die vermeintlich besonders starken Fußballnationen (Italien, Spanien, England, Frankreich) mit Deutschland in der gleichen Hälfte des Tableaus spielen und sich gegenseitig eliminieren werden. Da wird in vielen Kreisen der EU bestimmt Freude aufkommen, wenn sich die EU-Altländer gegenseitig „abschießen“.

Ein Fußballeuropameister Ungarn, Kroatien oder Polen? Warum nicht! Nur in einem Fall würde ich persönlich negativ ausflippen, wenn Brüssel (Belgien) Europameister würde. Da würde ich sofort zum EU-Verschwörungstheoretiker werden.

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Frau Bundeskanzlerin, wann machen Sie Urlaub in der Türkei?

Da ist mir gerade am Wochenende ein Werbeprospekt der TUI auf den heimischen Schreibtisch geflattert, mit Angeboten für Türkei, Griechenland, Ägypten und Karibik (in dieser Reihenfolge). Damit weiß man nun auch, wo es buchungsmäßig am meisten brennt. Jetzt sind die Touristen wieder mal gefordert, den unter Druck geratenen Zielgebieten zu helfen. Liebe Touristen, reist in die Türkei, nach Griechenland, nach Ägypten (muss ja nicht gleichzeitig sein) und zeigt Eure Verbundenheit mit den Menschen dort, die unglaublich unter den schlechten Buchungszahlen leiden. In einigen Gebieten ist der Tourismus die einzige Einnahmequelle. Liebe Touristen, erinnert Euch an die tolle Gastfreundschaft, die ihr schon oft dort erfahren durften. Mit einer Urlaubsreise in diese Gebiete würdet ihr einen wesentlichen Beitrag zur politischen Stabilität leisten.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, Ihren letzten Urlaub haben Sie in der Schweiz verbracht. Politisch gesehen war dieser Urlaub verschwendet. Die Schweiz braucht in keiner Weise unsere besondere Zuneigung. Durch die Wechselkursfreigabe Franken/Euro hat die Schweiz dem Schweizer Tourismus sogar sehr geschadet. Das müssen Sie, Frau Bundeskanzlerin, nicht unterstützen.

Frau Bundeskanzlerin, gehen Sie jetzt mit gutem Beispiel voran und verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub in der Türkei. Sie sind doch gerade in besonderer Weise auf die Hilfe der Türkei angewiesen. Ihr Urlaub in der Türkei wäre ein riesiger Solidaritätsbeweis gegenüber der Türkei und Herr Erdogan würde sich ganz bestimmt sehr freuen. Etliche tausend Deutsche würden Ihrem Beispiel folgen und noch schnell ihre Urlaubsplanung Richtung Türkei ändern.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, erklären Sie diese Absicht recht bald. Je schneller Erdogan sich freut, desto schneller können Sie dort auch politische Erfolge erzielen. Die Zeit wird knapp, bis zum 13.März sind es nur noch drei Wochen.

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