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Das dümmste Interview des Jahres

Das einzige was beim Berliner Flughafen BER regelmäßig fliegt, sind die Führungskräfte. Aber selten war ein Rauswurf so zwingend, wie der des Pressechefs Daniel Abbou. Der BER-Pressechef ist nicht über seine „offenen Worte“ gestürzt, wie es in den meisten Medien zu lesen war, sondern über seine unglaubliche Arroganz.

Als ich am Sonntagmorgen sein Interview im Fachmedium PR Magazin las, hätte ich fast meinen Kaffee verschüttet. Sagt er doch allen Ernstes: „Glauben Sie mir , kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“. Abgesehen, von der absolut unmöglichen Sprache, dachte ich: „Daniel Abbou, schau` mal bei diesem Satz in den Spiegel. Was immer Du heute Morgen gefrühstückt hast – iss es nie wieder.

Ein Pressesprecher soll der Pressesprecher für sein Unternehmen sein. Daniel Abbou ist wohl offensichtlich primär Pressesprecher für Daniel Abbou. Das kann nicht gut gehen. Über seinen Boss, Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, sagt er: „Herr Mühlenfeld ist absolut lern- und kritikfähig, das ist ein großer Vorteil“. So einen Satz überlebt kein Pressesprecher, das hat nichts mit „klaren Worten“ oder „Ehrlichkeit“ zu tun, das ist schlicht ungezogen.
„Wie groß das Ego von Daniel Abbou ist, sieht man auch an diesem Satz: “„Mein Technikchef hält weiter …..“. Wie bitte, „mein“ Technikchef? Da ist sie wieder, diese unerträgliche Arroganz, frei nach dem Motto: mein Auto, mein Haus, mein Technikchef. Wenn man dann noch an anderer Stelle liest, wie er sich über eine Äußerung von Mühlenfeld über den Rechnungshofbericht auslässt: „da war der Punkt gekommen, an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe“, weiß man, dass so etwas doch bleibende Schäden verursachen kann.

Einen echt sachlichen Inhalt sucht man in seinem Interview vergebens. „Bullshit“ und „scheiße gelaufen“ soll zackig klingen, aber ersetzt keine echte Aussage. Wenn er zum Thema Eröffnung sagt: „…selbst wenn wir 2017 nicht schaffen sollten, wäre die Eröffnung relativ zeitnah“, dann wird deutlich, dass er seine Stärken mehr als Comedian hat.
Letztes Zitat aus seinem Interview: „..aber bis zur Eröffnung, wann auch immer, werde ich dabei sein“. Leider auch falsch.

Wie heißt es so zutreffend: „Alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Es kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.“ Insofern, ab mit dem Interview in die nächste Pressesprecher-Schulung. Wobei mich interessieren würde, was die Redaktion vom PR-Magazin (immerhin eine Fachzeitschrift für PR) gedacht hat, als Abbou dieses Interview, mit diesen Formulierungen, zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Schmunzeln konnte ich dann doch noch über die Formulierung in einer Berliner Tageszeitung: „Daniel Abbou, 45, SPD…..“. Passt zusammen, beide, Abbou und SPD, hatten in den letzten Wochen wirklich keinen guten Lauf.

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Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor?

Wenn man einen bestimmten Schlager von Klaus Lage leicht modifiziert, dann passt er zum Flughafen BER.
„Tausendmal berührt, tausendmal ist nix passiert.
Tausend und eine Nacht, und es hat immer noch nicht ZOOM gemacht.“

1000 Tage Nicht-Eröffnung und nicht einmal eine Feier ist angesagt. Wowereit fehlt. Er hätte garantiert prüfen lassen, ob man eine Flughafeneröffnung auch feiern kann, wenn der Flughafen nicht eröffnet ist.

Blicken wir zurück in das Jahr 2012. Ich erhielt die Einladung beim „Tag des Tourismus 2012“ in Berlin, am 9.5.2012, zu sprechen. Das Thema sollte sein: „Flughafen BER“, dessen Eröffnung für den 3. Juni 2012 unmittelbar bevor stand. Mein Vortrag sollte gerne provokant, aber nicht zu negativ sein, also wählte ich das Thema: „BER: Fasten seatbelts please – der Weiterflug könnte unruhig werden“.

Wie man das so macht: Anreise am Vortag um morgens pünktlich zu sein. Während der Anreise am 8. Mai kommt die Nachricht: Flughafeneröffnung abgesagt. Ein Albtraum für einen Redner? Es gibt Schlimmeres.

9. Mai 2012, der Tag nach der überraschenden Absage. Der Veranstaltungsort „Kosmos Berlin“ ist knackevoll. Die TV-Kameras aller wesentlichen Sender sind anwesend. Meine Befürchtung: Die kommen nicht wegen meines Vortrages. Aber immerhin, sie waren da. Klasse. Schön, wenn man Geschichte live erlebt.
Vor mir sollte der damalige Flughafenchef Prof. Schwarz sprechen. Sein Thema: BER – noch 25 Tagen bis zum Start“. Aber Prof. Schwarz war nicht anwesend, leichte Panik beim Veranstalter. Dann die Nachricht: er kommt später, ist noch bei Wowereit. Bitte des Veranstalters, ob ich meinen Vortrag nicht sofort halten könnte. Na klar.
Meine Charts waren natürlich schon vorher geschrieben. Also begann ich mit meinem Vortrag und änderte live mein erstes Chart „Ansprüche an einen Flughafen“ in „Ansprüche an einen Flughafen, wenn er denn geöffnet wäre“. Das hob gleich die Stimmung im Saal. Der Rest war eine lockere Mischung aus geplantem Vortrag und aktuelle Improvisation. Auf Chart 10 legte ich mich fest: „Die Kapazitätsfrage ist noch ein Tabu-Thema. Aber glaubt jemand ernsthaft, dass dies die richtige Größe für den BER ist?“. 1.000 Tage später gilt diese Voraussage natürlich erst recht.

Hier noch zwei Zitate aus jener Zeit.
Wowereit wenige Tage vorher auf die Frage eines Journalisten „warum sind Sie so sicher, dass der Flughafen pünktlich eröffnet wird?“ mit der (arroganten) Antwort „weil wir das so beschlossen haben“.
Und Mehdorn (damals noch Air Berlin-Boss) orakelte 80 Tage früher (am 29.2.2012) mit seinem „unnachahmlichen Charme“: „Der Schwarz (Flughafendirektor) sieht ja noch erstaunlich gut aus, 100 Tage vor der Eröffnung. Irgendwo steht da eine Guillotine rum, unter die er muss, wenn dann der Flughafen nicht offen ist“. Oh, oh, Mehdorn, nur durch die Gnade der Berliner Politik ist nicht dein eigener Kopf unter die Guillotine geraten.

Ach, das fehlte noch. Merken Sie sich den 23.11.2017 vor. 2000 Tage seit Nichteröffnung!
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Am Donnerstag, 5. März 2015, gibt es wieder meine neue zusätzliche Kolumne bei airliners. Wahrscheinliches Läster-Thema: Verkehrsminister Dobrindt, schon fast so gut wie sein Vorgänger Ramsauer. Schauen Sie mal rein bei: www.airliners.de/thema/die-born-ansage.

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Eine Überschrift, die leicht wütend macht

Am Freitag war wieder Bundespresseball. Eine leicht dekadente Veranstaltung, die normalerweise die BBBs nicht interessiert und jetzt erstmals im Flughafengebäude von Tempelhof stattfand. Über einer an sich nicht aufregenden dpa-Meldung dazu stand die Headline: „Austern auf dem Gepäckband“.
Dummerweise haben die BBBs ein gutes Gedächtnis. Blenden wir zurück in das Jahr 2008. Der Berliner Senat, speziell ein gewisser Herr Wowereit, wollte entgegen aller logischer Argumente unbedingt den funktionierenden Flughafen Tempelhof, gegen den Wunsch der Anwohner (so etwas war einmalig in der Welt, die ein Volksbegehren hierzu durchgesetzt hatten), schließen. Als Wowereit merkte, dass ihm die Felle wegzuschwimmen drohten, griff er tief in die polemische Trickkiste. Da seine Behauptung, ohne Schließung von Tempelhof, sei der Ausbau von BBI (so hieß der Berliner Nicht-Flughafen BER damals) gefährdet, von bedeutenden Rechtsexperten widerlegt war, wurde mit polemisch-primitiven Plakaten (z.B. einer Mutter mit Kind auf dem Arm, die gegen „einen Flughafen für Reiche“ protestiert und einen Bauarbeiter „ich will keinen VIP-Flughafen“) Stimmung gemacht.

Ok, wir wissen das war alles Mumpitz, getrickst und gelogen. Und genau diese Plakate kamen jetzt den BBBs in den Sinn. Kein VIP-Flughafen, aber da bis heute (sechs Jahre danach) jegliche sinnvolle Nachnutzung für Tempelhof fehlt, finden dort Modeschauen („bread and butter“) und ein VIP-Presseball statt. Und auf dem seit Jahren ungenutzten Gepäckband laufen Austern umher. Bitte, das geht überhaupt nicht. Liebe Berliner, lasst Euch doch nicht alles bieten.

Quasi als Krönung des Ganzen, war dann heute in einer Sonntagszeitung ein Bild unseres Bundes-Gaucks zu sehen, wie er in der Flughalle Tempelhof, auf dem Gepäckband steht/fährt und über das ganze Gesicht strahlt wie wenn er die Super-Auster persönlich wäre. Es macht die BBBs wütend, wenn man sieht, wie er immer mehr am Feiern Gefallen findet und gleichzeitig mehr militärische Präsenz unserer Soldaten an den Brennpunkten dieser Welt fordert. „Ruck-Reden“ zu den wirklichen Problemen dieser Welt? Fehlanzeige, höchstens inhaltlich und zeitlich unpassende Bemerkungen über ein absolut zweifelsfrei demokratisch gewähltes Parlament in Erfurt.
Sorry, der letzte Absatz ist heute etwas politisch geworden.
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Es gibt immer wieder mal Fundstücke in der Presse, die für eine eigenständige BBB zu wenig, aber zu schade zum Überblättern sind. Beispiel taz: „Auf Seite 36 des November Bordmagazins der Lufthansa findet sich ein großer weißer Aufkleber, der Text verbergen soll. Wenn man das vorsichtig ablöst, findet man darunter u.a. goldbraun gebackene Kekse in Penisform, aufgereiht in einem silbernem –räusper- Ständer. Eigentlich lustig – und doch zog Lufthansa blitzschnell den Schwanz ein“.
Ist doch nett, oder? Wer übrigens die 265.000 (!) Exemplare des Lufthansa-Magazins überklebt hat, konnte nicht recherchiert werden.

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I´m still confused, but now on a higher level

Untertitel: Der BTW-Gipfel und was es letzte Woche sonst noch (nichts) Neues gab

1. BTW-Gipfel So Ein BTW-Gipfel ist eine feine Sache. Man erlebt Politiker hautnah, das ist immer wieder ein besonderes Erlebnis. Es bringt einen nicht so richtig weiter, aber da dies niemand erwartet, wird man auch nicht enttäuscht.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel: Die Rahmenbedingungen für einen „so wichtigen Wirtschaftszweig“ müssen stimmen, aber –sorry- die Luftverkehrssteuer wird bleiben („kein Spielraum im Haushalt“); Maut, Mindestlohn, EU-Pauschalrichtlinien – nichts Neues; Gewerbesteuer-Hinzurechnung (von Hoteleinkaufskontingenten) eigentlich Unsinn, Vollzug der Steuernachforderung wurde gestoppt, jetzt warten wir das anstehende Gerichtsurteil ab, aber vorerst eingreifen werden wir nicht (was ist das für eine Logik, jeder sagt, dass es Unsinn ist, aber man versteckt sich hinter einem Gericht).
Staatsekretär Dr. Meister, Finanzministerium: Luftverkehrssteuer ist doch nicht so schlimm, kein Änderungsbedarf. Gewerbesteuer-Hinzurechnung, war eigentlich nicht so gemeint, jetzt warten wir das Gerichtsurteil ab (Sprechblase zu Ende).
Staatsekretär Ferlemann, Verkehrsministerium: Wegen der Maut muss sich die Tourismusindustrie in Deutschland keine Sorgen machen, diese gibt es ja überall in Europa (tolle Logik).
Staatssekretärin Kramme, Arbeitsministerium: Tarifeinheit? Alles offen. Galt wohl auch für alle anderen Themen in ihrem Resort.

2. Germanistikstunde mit dem Flughafen BER
Es gibt jetzt einen „Ankündigungkorridor“ so um Ende des Jahres herum, in dem dann eine „Fertigstellungsterminzone“ genannt werden wird. Das werden sich die BBBs für die nächste Korrespondenz mit dem Finanzamt merken und dann eine „Bezahlungsterminzone“ für fällige Steuern vorschlagen.

3. „Alter Wein in alten Schläuchen“: Müller soll „Regierender“ in Berlin werden.
Die BBBs erinnern sich. Wer war mit polemischen Formulierungen vorne bei der „dümmlichen“ Schließung des Flughafens Tempelhof? Müller. Wer hat Millionen an Planungskosten versenkt für die erwartungsgemäß gescheiterte Landesbibliothek auf dem Tempelhof-Gelände? Müller. Wer hat vor kurzem mit seinen „abwegigen“ Bebauungsplänen für Tempelhof von den Berlinern „voll eine auf die Nase“ bekommen? Müller. Wer hat die ganzen unsinnigen Zahlen für BER in der Vergangenheit immer mitvertreten? Müller. Kurzum. Ein “richtiger“ Fachmann für den Flughafen BER und alles wird jetzt gut.

Mit zwei Themen aus dem BTW-Gipfel werden sich die BBBs demnächst beschäftigen. Alles „digital“ im Tourismus oder wird der eigentliche Urlaub im Zielgebiet (Hotelübernachtung) „analog“ bleiben? Ist Airbnb ein kreatives oder ein auf „schmarotzen“ angelegtes Geschäftsmodell?

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Ganz oben Ganz unten

Das war die Buchvorstellung der Woche. Ex-Bundespräsident Christian Wulff präsentierte seine Abrechnung „Ganz oben Ganz unten“. Im Mittelpunkt der Berichterstattung darüber stand seine (offensichtlich „nichts dazu gelernt“) Feststellung: Ich wäre heute noch der Richtige im Amt.

Dieser Satz hat einige Manager dazu verleitet nun mit „ihren“ Büchern auf den Markt zu kommen.

Hartmut Mehdorn: „Tausendmal probiert, nie hat was funktioniert“. Mehdorn beschreibt seine Berufsstationen Heidelberger Druckmaschinen, Deutsche Bahn AG und Air Berlin. Dabei kommt er zur Feststellung: „Ich wäre überall noch der Richtige im Job“. Anmerkung der BBBs: Mehdorn ist wirklich genial. Auf die Frage, bis wann er nun einen Eröffnungstermin nennen würde, verkündete er die „Ankündigung einer Ankündigung“. Konkret, er kündigte an, dass er Ende des Jahres ankündigen wird, wann eröffnet wird. Und diese „Ankündigung einer Ankündigung“ schaffte es in alle Gazetten. Damit weiß Wowereit auch schon, was er von Mehdorn zu Weihnachten geschenkt bekommt: Eine Ankündigung.

Das hat den früheren Flughafenchef Rainer Schwarz nicht ruhen lassen. Er stellte sein Buch „Fast fertig Nie fertig“ vor. Dabei kommt er (nicht) überraschend zum Schluss, dass er immer noch „der Richtige im Job sei“. Immerhin habe er es bereits schon einmal zu einer Ankündigung geschafft. Und so lange nichts auf die Reihe gebracht wie die aktuell Verantwortlichen, das hätte er allemal hinbekommen.

Dass Chefwechsel auch meistens Strategiewechsel sind, zeigt Lufthansa in ihrem neuen Jahresbuch „Ganz Dividende Ganz Gewinnwarnung“. Die BBBs haben keine Ahnung wie man die beiden Begriffe verwechseln kann, aber jetzt ist insbesondere aus Aktionärssicht die Frage offen: wer war/ist der Richtige im Amt?

Sollte Thomas Middelhoff jemals seine Memoiren schreiben, könnte der Titel lauten: „Vom Hubschrauber zum Kuckuck“. Beide können theoretisch fliegen. Während Middelhoff mit dem Hubschrauber morgens auf dem Weg zum Büro die Autobahnstaus überflog (wie genial), ist „sein“ Kuckuck leider nicht flugfähig. Seit einige Gerichtsvollzieher erkannt haben, dass Middelhoff zur Zeit regelmäßig im Gericht in Essen anwesend sein muss, stehen sie dort Schlange um zu pfänden. Just for Info: Die letzte Taschenpfändung bei Middelhoff ergab nur 70 Euro. Da es in Deutschland zur Zeit ca. 5.000 Gerichtsvollzieher gibt, könnten ihm noch viele nicht flugfähige Kuckucke trotzdem „entgegen flattern“.

Auch ein anderer ehemaliger Stammkunde bei den BBBs, Peter Ramsauer, bereitet gerade sein Buch „Anglizismen ja, Anglizismen nein“ vor. Während Ramsauer früher ein erbitterter Gegner von Anglizismen war (in seinem Ministerium wurde aus Laptop Klapprechner und aus Flipchart Tafelschreibblöcke), überraschte er jetzt in einem Interview, in dem er meinte, Deutschland würde bei bestimmten Exportgütern weltweit abgehängt, mit dem Begriff „Defence-Systeme“. Auf die Nachfrage einer Journalistin warum er hierbei nicht von Rüstungsgütern spreche antwortete er: „Ich benutze ungern Anglizismen, aber in diesem Fall ist mir das Wort Rüstungsgüter zu aggressiv“.
Absolut richtig, das ist doch ein ganz anderes Lebensgefühl ob ein Demonstrant in Saudi-Arabien beispielsweise, einem Defence-System oder einem Panzer gegenübersteht.

Zum Abschluss noch eine durchaus freundliche Bucherscheinung: Jürgen Büchy präsentiert seine Memoiren mit „Ganz Präsident (in Berlin) Ganz Weinbauer (in Kroatien)“. Dabei kommt er zu einer (überraschenden?) Feststellung: „Soviel Wein kann ich in Kroatien garnicht anbauen, wie man als DRV-Präsident in Berlin trinken möchte (müsste)“.

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Wenn man zu lange in einen Abgrund blickt…..

Eine Journalistin des Sterns wunderte sich, dass sie trotz Sicherheitschecks im falschen Flugzeug saß. Da machen wir mal ein Fragezeichen dahinter.
Angeblich hatte die Dame ein Ticket von Berlin (TXL) nach Köln. Sie durcheilte problemlos die Sicherheitskontrollen, legte am Ausgangsgate ihr Ticket mit dem Strichcode auf das Lesegerät, welches auf Grün sprang, setzte sich auf den Platz 25B und aß ihr Rosinenbrötchen. Irritiert wurde sie erst, als sie die Stimme des Piloten vernahm „wir beginnen mit dem Landeanflug auf München“.
Die Journalistin ist nun etwas aufgebracht über den mangelnden Sicherheitscheck am Flughafen Berlin.

Jetzt müssen die BBBs zum ersten Mal die Sicherheitskontrollen in Schutz nehmen. Wer ein gültiges Ticket hat und sich unauffällig benimmt, kann die Sicherheitskontrollen passieren. Man wird dort nicht gefragt, ob man zu dem Flughafen, der auf dem Ticket steht, auch wirklich hinreisen will. Noch weniger wird man gefragt, ob man beabsichtigt zu einem anderen Flughafen als dem gebuchten zu fliegen.

Verdächtiger ist es, warum die Dame zum Warteraum nach München gelaufen ist und nicht zum eigentlichen Warteraum nach Köln. Könnte man vielleicht mit kurzfristigem Gatewechsel erklären, was aber für einen erfahrenen Reisenden kein Problem sein dürfte (der Zielflughafen wird am Gate ausgeschrieben und beim Aufruf zum Boarding nochmals ausdrücklich genannt). Noch verdächtiger wäre es allerdings, wenn die Dame tatsächlich ihr Tix am Gate auf das Lesegerät gelegt hätte und das Gerät nicht gesperrt hätte. Auch die Flugbegleiter hätten merken müssen, wenn eine nicht gebuchte Person an Bord wäre (es sei denn irgendjemand hätte zur gleichen Stunde den umgekehrten Fehler gemacht). Auch beim Start wird nochmals angegeben wohin der Pilot „beabsichtigt“ zu fliegen. Erst kurz vor der Landung will die Journalistin „ihren Fehler“ bemerkt haben. Und bei welcher Airline gibt es an Bord Rosinenbrötchen (es sei denn mitgebracht).

Etwas unglaubwürdig das ganze. Hatte die Dame doch ein München-Ticket und Köln war nur ihr Wunschziel, aber nicht ihr gebuchtes Ziel? Hat der Pilot sich nur vor der Landung versprochen und ist tatsächlich in Köln gelandet. Laut Angabe der Dame sollen an diesem Tag noch mehr Merkwürdigkeiten passiert sein. Was steckt hier dahinter, wer will ihr Böses?

Für die BBBs war die Sache klar, als sie lasen, dass die Journalistin zuvor wochenlang über den Pannenflughafen BER berichtet hatte. Da zitieren wir wohl am besten Friedrich Nietzsche: „Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein“.

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Superlativ der Superlative

Was war das für ein Sonntag! Der amtierende Papst spricht gleich zwei Päpste heilig und der emeritierte Papst ist bei der Feier in Rom dabei. Soviel Papst auf einmal, gab es seit unserer Zeitrechnung noch nie.

Dementsprechend war der Andrang in Rom. Über eine Million Pilger bevölkerten die Stadt an diesem Sonntag. Das ist auch touristisch gesehen ein Superlativ. Da stellt sich doch die Frage, ob man einen solchen Event „Heiligsprechung“ nicht öfters veranstalten sollte. Das Problem dabei dürfte sein, man braucht für jede Heiligsprechung ein Wunder. Also müsste man vor dem Event „Heiligsprechung“ auch einen Event „Wunder“ erfinden. Und Wunder gibt es nicht von der Stange. Im Gegenteil, sie sind in unserem Jahrhundert sehr selten.

Während die BBBs zu später Sonntagnacht-Stunde (wie üblich) mühsam nach denkbaren Wunder suchten, wurden sie selbst und alle die jetzt noch wach und interessiert waren, Zeugen eines aktuellen Wunders. Ehrlich! Die Deutsche Presseagentur teilt soeben (23.01 Uhr) mit, dass Etihad Airways weitere 300 Millionen Euro als Eigenkapital für Air Berlin bereitstellt (jetzt gibt es Eigenkapital „satt“ bei Air Berlin) und der Kapitalmarkt weitere 150 Mio. Euro zur „langfristigen Lösung“ für Air Berlin zur Verfügung stellt.
Halleluja, wenn das kein Wunder ist!

Damit dürfte, wer immer für diese gigantische Transaktion verantwortlich ist, schon jetzt ein potenzieller Kandidat für eine Heiligsprechung sein. Und die Story geht ja weiter. Damit müsste nach landläufiger Meinung der Fortbestand von Air Berlin mehr als gesichert sein. Es gab ja schon Unkenrufe, ob Berlin den neuen Flughafen BER ohne eine solvente Air Berlin überhaupt bräuchte. Jetzt wird alles gut. Das gibt auch Schub für die Fertigstellung des BER. Sollte das noch gelingen, wäre es schon Wunder Nr. 2 auf Berliner Boden. Lustig wird es, wenn sich dann Wowereit und Mehdorn darüber streiten, wer für dieses Wunder heiliggesprochen werden soll.
Berlin, die nächst wichtigste Stadt für Heiligsprechungen nach Rom.

Zu einem anderen Zeitpunkt könnte man darüber nachdenken wer in der deutschen Touristik noch heiliggesprochen werden könnte. TUI-CEO Joussen zum Beispiel (aber sich selbst vorschlagen für Heiligsprechung geht wohl nicht)?

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Dann geh´ doch nach drüben ….

„Dann geht doch nach drüben!“ (gemeint war geht doch in die DDR), war früher der Standardsatz mit dem Altnazis, Ewiggestrige oder einschränkungslose Kapitalismus-Fetischisten in den 60er-Jahren jeden Vorschlag einer sozialen Veränderung und Verbesserung abbügelten oder madig machten.
Ähnliche Qualität hat der „Vorwurf“ aller Grabscher und Voyeure „dann mach´doch die Bluse zu“.

Warum die BBBs heute so sehr in die Tasten hauen?
Im Streit um die Schadenersatzansprüche aus der geplatzten Eröffnung des Berliner BER gehen die Anwälte der Betreibergesellschaft des Flughafens seltsame Argumentationswege um sich vor Zahlungen wegen der Klage von Air Berlin zu drücken: „Air Berlin sei ja nicht gezwungen von Berlin aus zu starten. Air Berlin stand und steht es jederzeit frei, ihren Flugbetrieb in Berlin einzuschränken, umzustrukturieren oder zu verlagern“.

Haben die noch alle Tassen im Schrank?
Man könnte natürlich auch Ludwig Thoma zitieren: „Er war ein guter Jurist und auch sonst von mäßigem Verstande”. (Ich bitte an dieser Stelle alle Juristen in meinem Bekanntenkreis, die nicht für den Flughafen BER arbeiten, um Entschuldigung.)

In ihrer unglaublichen Polemik (und offensichtlich von jeglichem Wissen über den täglichen organisatorischen Wahnsinn in Tegel befreit) sind die BER-Anwälte auch noch der Meinung „Tegel ist einschränkungslos in der Lage den für BER geplanten Flugbetrieb abzuwickeln“.
Hallo Herr Wowereit, warum dann überhaupt BER?

Angeregt von dem Bericht der Berliner BZ über die 50 peinlichsten BER-Pannen, haben die Bissigen Bemerkungen schon Einblick in weitere Standard-Antworten dieser tollen Juristen genommen:
Eine Deckenuhr versperrt die Verbindungstür im Krisenzentrum?
Anwälte: Dann nimm´ doch das Fenster.

Die Rolltreppen sind zu kurz?
Anwälte: Treppen steigen ist ohnehin gesünder.

Wegen falscher Dübel fallen immer die Toilettenpapier-Halter aus den Wänden?
Anwälte: Dann bring` doch dein eigenes Klopapier mit.

In Tegel geht immer Gepäck verloren?
Anwälte: dann flieg´ doch ab Hannover.

Diese Anwälte sind offensichtlich die allerpeinlichste Panne des BER.

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Lustige Flughafengeschichten

Die Nonchalance von Klaus Wowereit im Umgang mit Problemen ist schon legendär. Letzte Woche hat er wieder „einen Spruch rausgehauen“. Zitat: „Mit der Eröffnung des BER haben wir keinen Zeitdruck“. Alles kein Problem. Da liegen nur ein paar Milliarden nutzlos rum, aber was soll´s. Sich nur keinen Kopf machen. Allerdings zeigte der nächste Satz, dass Wowereit, entgegen „bösen Unterstellungen“ doch lernfähig ist. Zitat: „Die Erfahrung habe gezeigt, dass eine definitive Terminverkündung mit hohen Risiken verbunden sei“. Recht hat er! Das klang vor einem Jahr noch ganz anders. Bei der Einweihung des BFS-Towers am BER im April 2012 antwortete Wowereit auf die Frage „woher er die Sicherheit nehme, dass der Flughafen BER pünktlich eröffnet werde?“ leicht arrogant „weil wir das so beschlossen haben“.

Andererseits was nützt eine pünktliche Eröffnung, wenn dann keiner fliegt. Haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, am Dienstag, dem 29.10., schon eine Terminverpflichtung? Wenn nein, dann besuchen Sie doch den Flughafen Kassel-Calden. An diesem Tag findet der letzte Linienflug vom Airport Kassel statt. Das wäre doch ein nettes Erlebnis, denn danach ist Schluss mit Linie. Der nächste Linienflug wird wahrscheinlich erst wieder im April 2014 stattfinden. Und touristische Charterflüge sind ohnehin im winterlichen Tiefschlaf.

Die Krönung der „lustigen“ Flughafengeschichten hat jedoch der nordsächsische Landrat Michael Czupalla beigesteuert. Er forderte eine dritte Startbahn für den Flughafen Leipzig/Halle. Über diesen Unsinn mussten die BBBs am meisten lachen. Wie reagierte der Flughafen Leipzig selbst auf den sehnlichen Wunsch des Landrats? Zitieren wir den Flughafen-Sprecher. Wobei man dazu sagen sollte, dass Flughafen-Sprecher eigentlich generell sehr zurückhaltende Formulierer sind. In diesem Fall quollen die Worte jedoch ungebremst aus ihm heraus: „Eine dritte Landebahn ist Quatsch“. Höflicher formuliert sollte das heißen: Wir haben noch jede Menge freie Kapazität.
Wahrscheinlich dachte der Landrat, wenn sich BER und Kassel ungenutzte Start-/Landebahnen leisten, dann möchte ich dies in Leipzig auch haben. Gleiches Recht für alle.

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Ist Ramsauer feige?

Das ist die Aufgabe: Vorsitzender des Aufsichtsrates Flughafen BER.
Zuerst hat es der Regierende(?) Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, versucht. Er ist grandios gescheitert und hat spätestens dabei seinen mal besseren Ruf ruiniert. Danach hat es Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck versucht. Er ist ebenfalls gescheitert und hat dabei seine Gesundheit ruiniert. Jetzt wäre logischerweise der dritte Gesellschafter des BER dran, der Bund. Und demnach müsste Peter Ramsauer den Job übernehmen. Aber da hat Ramsauer ganz schnell abgesagt. Ok, ernsthaft hat niemand erwartet, dass er dieses Amt übernimmt, denn immer wenn Arbeit und Verantwortung ansteht, macht sich unser Peter ganz klein. Er macht lieber andere für Probleme verantwortlich und haut sie dann öffentlich „in die Pfanne“. Zu schade, dass er den AR-Vorsitz nicht übernehmen will. Der Stoff für die nächsten BBB-Wochen wäre gesichert gewesen.

Energisch kann man Zar Peter (Originalton Seehofer) jedoch erleben, wenn es um „Probleme“ in seiner Heimatregion geht. Da hat er sich doch tatsächlich persönlich in die Verhandlungen über den Anflug des Flughafens Salzburg eingemischt und eine sehr positive Lärmschutzregelung für seine Region erreicht. Aber entweder hat er nur ein sehr kurzes Gedächtnis (was manches erklären würde) oder er fühlt sich vom anstehenden Wahltermin unter Druck gesetzt. Auf jeden Fall hat er nur wenige Monate später, heimlich, still und leise, sein Ministerium mit einer Durchführungsverordnung beauftragt, dass das Überfliegen von deutschem Gebiet im Raum Freilassing in einer Höhe von mindestens 7000 Fuß zu erfolgen habe. Das wäre dann der Todesstoß für den Flughafen Salzburg. Und so hat man jetzt auch in Salzburg plötzlich Wünsche für den Ausgang der Bundestagswahl im September.

Und wenn wir gerade beim Thema Ösis und Fliegen sind, wollen wir den kernigen Ausspruch des Austrian Airlines-CEO unseren Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten. Der meinte zum Thema Kooperation: „Es ist besser um Vergebung zu bitten als um Erlaubnis“. Den Namen des Herrn müssen Sie sich nicht merken, „alt“ wird er mit dieser Philosophie garantiert nicht. Selbst bei der AUA nicht.

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