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Eine Überschrift, die leicht wütend macht

Am Freitag war wieder Bundespresseball. Eine leicht dekadente Veranstaltung, die normalerweise die BBBs nicht interessiert und jetzt erstmals im Flughafengebäude von Tempelhof stattfand. Über einer an sich nicht aufregenden dpa-Meldung dazu stand die Headline: „Austern auf dem Gepäckband“.
Dummerweise haben die BBBs ein gutes Gedächtnis. Blenden wir zurück in das Jahr 2008. Der Berliner Senat, speziell ein gewisser Herr Wowereit, wollte entgegen aller logischer Argumente unbedingt den funktionierenden Flughafen Tempelhof, gegen den Wunsch der Anwohner (so etwas war einmalig in der Welt, die ein Volksbegehren hierzu durchgesetzt hatten), schließen. Als Wowereit merkte, dass ihm die Felle wegzuschwimmen drohten, griff er tief in die polemische Trickkiste. Da seine Behauptung, ohne Schließung von Tempelhof, sei der Ausbau von BBI (so hieß der Berliner Nicht-Flughafen BER damals) gefährdet, von bedeutenden Rechtsexperten widerlegt war, wurde mit polemisch-primitiven Plakaten (z.B. einer Mutter mit Kind auf dem Arm, die gegen „einen Flughafen für Reiche“ protestiert und einen Bauarbeiter „ich will keinen VIP-Flughafen“) Stimmung gemacht.

Ok, wir wissen das war alles Mumpitz, getrickst und gelogen. Und genau diese Plakate kamen jetzt den BBBs in den Sinn. Kein VIP-Flughafen, aber da bis heute (sechs Jahre danach) jegliche sinnvolle Nachnutzung für Tempelhof fehlt, finden dort Modeschauen („bread and butter“) und ein VIP-Presseball statt. Und auf dem seit Jahren ungenutzten Gepäckband laufen Austern umher. Bitte, das geht überhaupt nicht. Liebe Berliner, lasst Euch doch nicht alles bieten.

Quasi als Krönung des Ganzen, war dann heute in einer Sonntagszeitung ein Bild unseres Bundes-Gaucks zu sehen, wie er in der Flughalle Tempelhof, auf dem Gepäckband steht/fährt und über das ganze Gesicht strahlt wie wenn er die Super-Auster persönlich wäre. Es macht die BBBs wütend, wenn man sieht, wie er immer mehr am Feiern Gefallen findet und gleichzeitig mehr militärische Präsenz unserer Soldaten an den Brennpunkten dieser Welt fordert. „Ruck-Reden“ zu den wirklichen Problemen dieser Welt? Fehlanzeige, höchstens inhaltlich und zeitlich unpassende Bemerkungen über ein absolut zweifelsfrei demokratisch gewähltes Parlament in Erfurt.
Sorry, der letzte Absatz ist heute etwas politisch geworden.
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Es gibt immer wieder mal Fundstücke in der Presse, die für eine eigenständige BBB zu wenig, aber zu schade zum Überblättern sind. Beispiel taz: „Auf Seite 36 des November Bordmagazins der Lufthansa findet sich ein großer weißer Aufkleber, der Text verbergen soll. Wenn man das vorsichtig ablöst, findet man darunter u.a. goldbraun gebackene Kekse in Penisform, aufgereiht in einem silbernem –räusper- Ständer. Eigentlich lustig – und doch zog Lufthansa blitzschnell den Schwanz ein“.
Ist doch nett, oder? Wer übrigens die 265.000 (!) Exemplare des Lufthansa-Magazins überklebt hat, konnte nicht recherchiert werden.

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Aus gegebenem Anlass heute nur “gute“ oder „gut gemeinte“ Nachrichten

Gute Nachrichten

1. Die Wünsche der Bissigen Bemerkungen von letzter Woche wurden erfüllt.
Wir hatten den Bardabunga gebeten nicht am Wochenende auszubrechen. Er hat sich daran gehalten, zur großen Enttäuschung von BILD und Co. Die hatten am Wochenende eine Horrornachricht (Alarmstufe Rot, Wie lange können Flugzeuge noch fliegen) nach der anderen herausgefeuert, die allerdings mit der Realität wenig gemein hatten. Offensichtlich waren die Redaktionen auf „Ausbruch getrimmt“ und wollten die vorgefertigten Nachrichten nicht in den Schubladen verkommen lassen.
Auch das Verkehrsministerium hat die BBB-Wünsche „auf vorbereitet sein“ erfüllt. Am Donnerstag wurde eine Pressemeldung verbreitet, dass das „spezielle Messflugzeug“ zur Messung der Vulkanasche sofort startbereit sei. Außerdem könnten die Stationen des Infrarot-Laser-Messnetzes sofort in Betrieb genommen werden. Wow, soviel Vorsorge sind wir seit Ramsauers Zeiten nicht mehr gewohnt.

2. Wowereit lässt die Air Berlin-Aktie steigen
Allein Klaus Wowereits Rücktritt werden viele schon als gute Nachricht gesehen haben. Aber etwas anderes war faszinierender. Da arbeiten die Air Berlin-Bosse seit Wochen an einer neuen Strategie um die AB-Aktie zum Steigen zu bringen und Super-Klaus schafft das fast mit einem Fingerschnippen: Er tritt einfach zurück und sofort steigt die Air Berlin Aktie.
Allerdings um genau zu sein, Wowereit ist nicht zurückgetreten, er hat es nur angekündigt. Das ist typisch Berliner Art, es wird viel angekündigt, wann es dann sein wird steht in den Sternen (Wowereit wird doch nicht?).

3. Was verbindet Berlin-Tempelhof mit der Stadt Ahlen?
Die BBB-Leser mögen sich erinnern, wie Wowereit fast in einem persönlichen Krieg (warum eigentlich?) den Berlinern den Flughafen Tempelhof „abgeschossen“ hatte. Inzwischen wissen fast alle (die BBBs haben es schon damals geschrieben), dass sowohl die rechtliche wie auch die wirtschaftliche Begründung in keiner Weise stichhaltig waren/sind.
Wie kommen wir nun zur Stadt Ahlen in NRW? Ahlen ist die Partnerstadt von Berlin-Tempelhof. Ahlen hat jetzt zwar keinen Flughafen verloren (haben ja keinen), aber quasi ein Flugzeug. Seit 12. März 2012 flog ein Lufthansa Airbus mit dem Namen „Ahlen“ (große Freude in der Stadt). Jetzt war exakt dieses Flugzeug zu Wartungsarbeiten in einer spanischen Werft. Als das Flugzeug die Werft verließ hieß es überraschender Weise „Hanau“. Das ist kein Märchen der Hanauer Gebrüder Grimm, es ist tatsächlich so. Laut Lufthansa-Sprecher sei es ein „Versehen“ das korrigiert werde.
Ein aktueller Blick in die offizielle Lufthansa-Flotteninformation zeigt allerdings, dass die D-AIZH, so das Kennzeichen obigen Flugzeugs, „Hanau“ heißt. Eine „Ahlen“ gibt es dort offiziell nicht. Sitzt einer der Nachfolger der Gebrüder Grimm in der Lufthansa-Pressestelle?

„Gut gemeint“ ist das Gegenteil von „gut gemacht“

4. Kommentar von BILD.de zum Pilotenstreik Lufthansa
Soll man sich wirklich über BILD aufregen? Eigentlich nicht. Aber der Kommentar des Chefredakteurs (!) von BILD.de zum Streik ist so daneben, da muss dann selbst heute noch „gebissen“ werden. Er wollte pro Streik schreiben und bemühte den „Lufthansa-Pilot“ als deutschen Mythos. Jetzt das unglaubliche Zitat: „Er steht dafür, dass Lufthansa nicht abstürzt. Er steht für das tadellose, heldenhafte Verhalten bei der Entführung der „Landshut“. Er steht dafür, dass all die deutschen Ingenieure, Kaufleute, Erfinder, Unternehmer, Mittelständler, Maschinenbauer sicher um die Welt fliegen, ihre Waren verkaufen und unseren Wohlstand mehren. Die Piloten wollen ihre Betriebsrente behalten. Gebt sie ihnen. Sie fliegen Deutschland.“ Zitat Ende.
Wir wissen nicht was der Bild.de-Chef so morgens frühstückt, aber die Auswirkung ist heftig. Dagegen ist „Post von Wagner“ direkt konventionell. Bestimmt würde sich selbst der Vorsitzende der VC Cockpit für diesen Text schämen.

5. Pilot der Turkish Airlines macht öffentlichen Heiratsantrag
Ein Heiratsantrag ist etwas Schönes und ein außergewöhnlich formulierter Heiratsantrag ist etwas besonders Schönes. Also flötete ein Pilot der Turkish Airlines auf dem Flug von Van nach Istanbul über das Lautsprechersystem an seine Angebetene: „Vor den Wolken, den Vögeln und dem Himmel“ bat er seine mitreisende Freundin, „jede Sekunde meines Lebens mit mir zu verbringen. Willst du mich heiraten?“. Der Pilot kam danach in die Kabine und streifte der „Künftigen“ den Ring über.
Sicherlich wird demnächst bei BILD.de eine Gehaltserhöhung für diesen „tapferen“ Piloten gefordert. Die BBBs jedoch werden künftig vor jedem Start den Familienstatus des Piloten abfragen.

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Eine Fahrt durch Berlin

Das ist eine echte Erlebnisfahrt, aus Richtung Bad Saarow (vom schönen A-ROSA Resort Scharmützelsee kommend) in die Innenstadt von Berlin zu fahren. Zuerst kommen die Hinweisschilder Flughafen Schönefeld, den es eigentlich nicht mehr geben sollte. Dann kommen die Hinweisschilder Flughafen BER, den es noch nicht gibt und dann fährt man am wunderschönen Flughafen Tempelhof vorbei, den es nicht mehr gibt.
Wo kann man so etwas in Europa noch erleben?

Fährt man weiter, kommen die Schilder für den „vierten“ Flughafen Tegel. Leider ist von da an die Berliner Stadtautobahn dicht. Stau, soweit das Auge reicht. Da kommt im Radio die Meldung, dass Tegel wahrscheinlich noch lange offen bleiben wird.

BER-Chef Mehdorn in Top-Form. Und natürlich wird er sich durchsetzen wie in alten Bahnzeiten. Für BER wird es eine Eröffnung in Raten geben. Auch das wird einmalig sein: Das Wachsen eines Flughafens von Klein zu Groß im Zeitraffer-Tempo zu erleben. Frage ist nur noch ab wann es losgehen wird (2014?). Und Tegel (Zitat) „noch lange geöffnet als Premium Flughafen?“. Unser alter Tegel als Premium, wer hätte das gedacht. Und der echte Premium Tempelhof bleibt für immer dicht!
Auf einmal wird neu geprüft, wie lange Tegel geöffnet bleiben kann. Knickt Berlin/Brandenburg jetzt vor der Realität ein oder haben die uns lange rechtlichen Käse erzählt?

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Der Flughafen Tegel wird am 3. Juni trotzdem geschlossen

Entschuldigung, das soll nur ein Scherz sein. Aber halten Sie das für wirklich unmöglich? Es ist die echte Sorge der Bissigen Bemerkungen. Das zuständige Team des Flughafens für die Eröffnung von BER, hat das zuständige Team des Flughafens für die Schließung von Tegel (TXL), nicht über die Verschiebung der Eröffnung von BER informiert. Und letztere machen in TXL wie geplant dicht.
Aber auch das würde Wowereit weglächeln, denn Unschuld hat in Berlin einen Namen: Wowereit. Dass die Eröffnungsfeier ausfällt hat ihn aber echt geärgert. Angeblich hat er prüfen lassen, ob man eine Flughafeneröffnung auch feiern kann wenn der Flughafen nicht eröffnet wird. Tja, lieber Herr Wowereit, im Schließen eines Flughafens (siehe Tempelhof) sind Sie wesentlich stärker als im Eröffnen. Oder wie es ein BBB-Leser zutreffend formulierte: Für Wowereit ist es offensichtlich kein Kunstwerk einen funktionierenden Flughafen in eine Brache zu verwandeln, anstatt eine Brache in einen Flughafen.

„Echt cool“ (Zitat) wie nun Wowereit bzw. die Wirtschaftssenatorin von Obernitz mit dieser „Krise“ umgehen. „Berlin sei krisenerprobt“, also alles kein Problem. Schwer zu verstehen. Gerade wenn man krisenerprobt ist (oder glaubt es zu sein) müsste man doch Mechaniken entwickelt haben, um weitere Krisen zu vermeiden. Normalerweise geht es andersherum: Wenn man zweimal einen Verkehrsunfall überlebt hat, dann passt man doch künftig besser auf, wenn man die Straße überqueren muss.

Und überhaupt, ist „Krise“ hier die richtige Bezeichnung? Das Wort „Krise“ wird hier verwendet, wie wenn „plötzlich“ etwas „Unvorhersehbares“ von „außen“ den Flughafen getroffen hätte. Im Deutschen gibt es ein viel besseres Wort dafür: „UNVERMÖGEN“. Die Berliner Flughäfen brauchen kein Bachneunauge und keinen Feldhamster, da bremsen die Verantwortlichen die Zukunft persönlich. Man könnte auch sagen das „Das Bachneunauge (ersatzweise Feldhamster oder Fledermaus) von Berlin heißt Wowereit“.

Ebenso beliebt ist in solchen Situationen der Spruch „Sicherheit geht vor“, gerne noch mit dem Zusatz „die Sicherheit für Menschen geht vor“. Inzwischen scheint aber festzustehen, dass die Eröffnung erst abgesagt wurde, als man endgültig zur Kenntnis nehmen musste, dass die zuständigen Behörden auch eine Miniversion von Eröffnung nicht genehmigen wollten.

Aber manchmal (oder sogar meistens) hat so ein Knall wirklich etwas Gutes. Inzwischen wissen wir, dass der Flughafen BER nach dem 3. Juni ein riesiges Potemkinsches Dorf gewesen wäre. Angeblich war schon seit Wochen beschlossen 700 Türöffner einzustellen um die wichtigsten „automatischen“ Türen per Hand zu bedienen. Und , und …..
Aus Imagesicht hat Berlin gute Chancen alle Probleme die vor der Eröffnung aufgetreten sind zu „überleben“, alles was nach der Eröffnung schief geht belastet das Image auf Dauer. Also bitte jetzt erst starten, wenn alles, wirklich ALLES funktioniert. Und der passende Termin dafür bietet sich direkt an: 30.10.2012. Warum? Vor dem 3.6.2012 galt lange Zeit der 30.10.2011 als „feststehender“ Eröffnungstermin. Das wäre doch ein typischer Wowi-Gag. „Wir eröffnen heute, am 30.10.2012, den Flughafen. Gegenüber dem ursprünglichen Termin 30.10.2011 hat sich von 8 einzelnen Zahlen nur eine einzige geändert, die letzte. So präzise arbeiten wir hier in Berlin“.
Noch ein Zitat zum Thema Tempelhof aus den BBBs vom 14.1.2008 („Mein Knut heißt Tempelhof“). „Dass man den Flughafen Tempelhof schließen will, weiß der Senat schon lange. Konzept zur Nachnutzung? Fehlanzeige“
Inzwischen sind mehr als vier Jahre vergangen. Nachnutzung? Weiterhin Fehlanzeige! Das ist Berliner Senat: “Keene Haare uff’m Kopp, aba ‘n Kamm inner Tasche”.

Bevor allerdings andere Städte gegenüber Berlin zu überheblich werden:
Liebe Hamburger: „Ihr könnt auch nicht Elbphilharmonie“.
Man könnte hier noch einige deutsche Städte hinzufügen.
Liebe Leserinnen und Leser, erinnern Sie sich noch, wie wir in Deutschland gelästert haben, „die Griechen schaffen es nie die Olympiade pünktlich zu eröffnen“ und die „Südafrikaner schaffen es nie, pünktlich die Stadien fertig zu stellen“. Beiden haben wir angeboten Experten aus Deutschland zu schicken. Sorry, wäre es jetzt an der Zeit, mal um Experten aus Griechenland und Südafrika zu bitten?

Zu guter Letzt: Von Verkehrsminister Peter Ramsauer war wenig zum Thema BER zu hören. Das heben wir uns für „demnächst“ auf.

Nachtrag: Die Mitarbeiter von Air Berlin und Lufthansa u.a. die diesen Mist ausbaden müssen, tun den BBBs wirklich leid!

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