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DRV und Unister

Unister Travel ist ab sofort Mitglied im Deutschen ReiseVerband (DRV). Die Wirklichkeit überholt mal wieder die Satire.

Im September 2013 hatten die BBBs noch kräftig gelästert (siehe BBB vom 8.9.2013 „Reiner Calmund for (DRV-)President?“). Es ging um einen Beitrag im Branchenblatt FVW unter dem Titel „„Junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Dort wurde u.a. vorgeschlagen doch mal über Thomas Wagner von Unister als Kandidat für den DRV-Vorstand nachzudenken. Das musste jedem Branchenkenner fast die Sprache verschlagen, denn gerade Wagner stand mit seinem Unternehmen Unister für zweifelhafte Geschäftsmethoden (siehe DIE WELT: „Abzock-Imperium Unister“, „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ usw.). Die Liste von Vorwürfen verschiedener Verbraucherzentralen gegen Unister ist unendlich lang. Auch die Staatsanwaltschaft war aktiv.
Die BBBs fanden diesen Vorschlag so absurd, dass sie lästerten, warum man nicht gleich das Testimonial der Unister-Tochter fluege.de (die immer besonders in der Kritik stand), Reiner Calmund, „for (DRV-President)“ zu nominieren.

Und dann stand noch ein besonders interessanter Absatz in den damaligen BBBs, September 2013 wohlgemerkt: „Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.“
Das ist für Brancheninsider jetzt insofern hochinteressant, denn der frühere FVW-Redakteur Dirk Rogl ist inzwischen Presseverantwortlicher von Unister Travel (!) und liefert jetzt sein Meisterstück ab: „Unister Travel in den DRV“. Chapeau Herr Rogl und Herr Raoul (CEO), das ist für Unister Travel ein toller Schritt vorwärts.

Die heutige BBB-Kritik richtet sich nämlich ausnahmslos gegen den DRV. Noch vor zwei Jahren meinte der DRV, mit Blick auf die viel kritisierten Geschäftsmethoden von Unister, mitteilen zu müssen, dass Unister „nicht“ Mitglied im DRV sei. In dieser Meldung wurden damals wichtige DRV-Leitlinien aufgezählt, u.a. „jedes Mitglied muss für Qualität und Verantwortungsbewusstsein als Dienstleister gegenüber Kunden und Leistungspartner stehen“, die demzufolge Unister wohl nicht erfüllte.

Und jetzt, reichlich lapidar, „freut sich der DRV“, dass Unister Travel Mitglied im DRV wird. Oh, dann muss sich inzwischen wesentliches gegenüber 2013 geändert haben. Gibt es jetzt einen anderen Maßstab für die Aufnahme neuer Mitglieder? Spätestens nach diesem Satz in der Pressemeldung könnte man es meinen: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die Interessen der gesamten Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. „Mit all ihren Segmenten“, heißt das „ab sofort nehmen wir jeden auf“? Ist das der Grund, warum der Verband in letzter Zeit beim Thema Qualifizierung in der Branche so leise auftritt? Sorry, so lapidar kann man Öffentlichkeitsarbeit nicht machen.

Insbesondere aus dem Kreis der Reisebüros kamen auch prompt wütende Proteste. Von Austritten aus dem Verband war da die Rede. Gerüchteweise sollen sogar einige Reisebüros, die heute nicht Mitglied im Verband sind, damit gedroht haben, in den Verband einzutreten, nur um aus Protest wegen Unister dann spektakulär austreten zu können.

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Reiner Calmund for (DRV-) President?

Da hat sich die FVW aber ins Knie geschossen. Thomas Wagner als Kandidat für den DRV-Vorstand zu nennen. Geht’s noch? Der Absatz, in dem sein Namen genannt wird, beginnt mit „junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Schon vor einem Jahr (4.7.2012) schrieb DIE WELT über „Die Machenschaften des Abzock-Imperiums Unister“ und im Beitrag hieß es u.a „Schein von Seriosität?“ und „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ (siehe auch BBB vom 17.12.2012 „Ab-in-den-Knast.de“). Wenn das Geschäftsmodell von Thomas Wagner „innovativ und quergedacht“ ist, dann ist dieser Vorschlag eine Beleidigung für die ebenfalls genannten (seriösen) Mitbewerber auf der Kandidatenliste (und für den Verband).

Die interne Liste der fvw soll nach eigenen Angaben noch viel länger gewesen sein. Da kann man sich schon denken, welcher Name da noch stand: Reiner Calmund for (DRV-) President.

Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.
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Nachlese zu den BBBs vom 19.8.2013 „Die andere Sicht“.
Die FAZ und die FVW (kann man ja auch mal loben) haben es auf den Punkt gebracht. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die rechtlich keine Reisewarnung war, war der Bundestagswahl geschuldet. Man wollte einerseits auf Nummer sicher gehen, dass dort keinem Touristen etwas passiert („wäre wahlkampfmäßig ganz schlecht“), aber andererseits hat der ehemalige „Held vom Tahir-Platz“, Guido Westerwelle, auch die Hotellerie am Roten Meer nicht noch weiter in Schwierigkeiten bringen wollen (was er aber tat). Deshalb die Entscheidung für halb schwanger. Das bestätigt was die BBBs schon am 7.2.2011 schrieben: „Westerwelle kann auch nicht Reisewarnung“.

Ganz bedenklich in diesem Zusammenhang, dass das Auswärtige Amt angeblich die Branche unter Druck gesetzt haben sollte, wenn „Ihr nicht freiwillig neue Anreisen einstellt, dann gibt es eine richtige Reisewarnung“. Aber immerhin ist es schön, schon jetzt schon zu wissen, dass nach der Bundestagswahl die Lage am Roten Meer aus AA-Sicht wieder friedlich sein wird und dem Tourismus nichts mehr im Wege stehen wird. Nur schade, dass die örtlichen Bediensteten bis dahin vor dem Nichts stehen werden (vom Vertrauensverlust in die deutschen Veranstalter nicht zu reden).

Das erinnert fatal an den April 2010, als die Politik wegen der Vulkanasche (wie man weiß völlig unnötig) die Luftfahrt lahmlegte (siehe BBB vom 26.4..2010 „Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt“). Wie lautete das Argument eines prominenten CSU-Menschen: „Lieber ein unzufriedener Passagier, der lebendig ist, als einer der beim Flug von Frankfurt nach Mallorca abstürzt“. Abgesehen davon, dass man sich das technisch nur schwer vorstellen kann, müsste das in Konsequenz doch heißen:
Jeder tote Alkoholiker ist ein Toter zu viel, „sofortiges Verbot des Verkaufs von Alkoholika“ (aber zynischer weise verdient der Staat durch die Alkoholsteuer sogar an jedem Toten mit).

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Am 21.12.2012 ist Weltuntergang: Die BBBs melden schon jetzt die „letzten Worte“ und die „allerletzten Firmenmitteilungen“.

Am 21.12.2012 findet der (diesjährige) Weltuntergang statt. So sagt es zumindest der Maya-Kalender voraus. Schade, dass der Weltuntergang nicht am 24.12. stattfindet, denn das wäre eine schöne Bescherung.
In den nächsten Tagen werden die Medien immer stärker auf das Thema Weltuntergang „abfahren“. Die Bissigen Bemerkungen, weit voraus blickend wie sie nun mal sind, präsentieren Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, schon jetzt exklusiv sog. „letzte Worte“ und „allerletzte Firmenmitteilungen“ aus Touristikbranche und Politik.

Hier das Szenario: 21.12.2012, es ist soweit. Der Weltuntergang entwickelt sich allerdings nicht von Ost nach West (wie der Sonnenaufgang), sondern breitet sich schlagartig beginnend überall auf der Welt aus (nach UTC-Zeit). Sehr langsam, aber stetig, bricht alles zusammen. Internet und TV sind noch fast den ganzen Tag dabei (ist das die Rache Gottes?) und so können sich viele Wichtige und noch mehr Unwichtige äußern:

• Obama ruft laut durch das Weiße Haus: Wo bleibt nur dieser verdammte (im Originalton: fucking) Bruce Willis um die Welt zu retten?
• Bundeskanzlerin Merkel mahnt zur Ruhe. Es bestehe keine Gefahr für den Euro. Im Gegenteil, jetzt müssen Griechenland, Italien und Spanien nicht mehr gerettet werden.
• Lufthansa gibt bekannt: Christoph Franz hat wegen der aktuellen Lage ein neues Sparprogramm verordnet. Tyrolean Airways soll noch mehr Lufthansaflüge übernehmen. Das Sparprogramm soll „direct4all“ heißen. Spötter meinen „nothing4all“ sei ehrlicher.
• Thomas Cook UK gibt eine Gewinnwarnung bekannt: „Wegen des Weltuntergangs fällt das Jahresergebnis deutlich schlechter aus als geplant“. Thomas Cook hatte in den letzten Monaten schon viele Gewinnwarnungen herausgegeben, es gibt inzwischen ein firmeninternes Formular dafür, deshalb war man so schnell.
• Zwei Stunden später meldet sich auch TUI Travel aus London mit folgender Mitteilung: Die Auswirkungen des Weltuntergangs werden nicht im operativen Ergebnis abgebildet. Das Ebit bliebe dadurch stabil und damit auch die Tantieme für Peter Long.
• Die Deutsche Bahn fährt erstaunlicherweise noch relativ viele Strecken. Die Auswirkungen des Weltuntergangs seien bislang noch nicht so schlimm, Schwierigkeiten bei der Bahn gäbe es nur unterhalb von minus 15 Grad oder oberhalb plus 30 Grad (letzteres könnte allerdings gegen Abend erreicht werden).
• 12.00 Uhr mittags UTC Zeit. Die weltweiten Einschränkungen sind gewaltig.
• Antonia Rados berichtet für RTL live gleichzeitig aus Yukatan und noch zwei anderen Orten. Man hatte schon immer geahnt, dass sie ein Double hat.
• ARD kündigt für heute Abend 20.15 Uhr einen Brennpunkt an. Wenn das mal nicht zu spät ist.
• Finanzminister Schäuble überlegt, wie man den Weltuntergang besteuern könne (natürlich nur mit einem ökologischen Steuerungselement). Die FDP ist bereit zuzustimmen, wenn professionelle Abrissunternehmen ausgenommen werden.
• TUI Deutschland gibt bekannt: Alle Pauschaltouristen werden noch zurückgeholt und das Programm für Trauerreisen wird aufgestockt.
• Der Begriff „Last-Minute-Reise“ erhält eine ganz neue absolute Bedeutung.
• Die Kunden (auch die online gebuchten) rufen aus aller Welt bei den Reisebüros an und bitten um Hilfe. Die Reisebüros freuen sich nochmals gefragt zu sein (wenn es auch nur für kurze Zeit sein wird). Die Stimmung ist wie zuletzt beim Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull. Ein Hauch von Ascheregen-Feeling macht sich breit.
• DRV-Präsident Jürgen Büchy ist laut einer Pressemeldung begeistert, wie die Reisebranche bisher mit dieser Herausforderung umgegangen ist.
• 15.00 Uhr UTC, es wird immer schlimmer.
• Verkehrsminister Peter Ramsauer fordert die EU „energisch“ auf etwas zu tun, schließlich sei der Weltuntergang kein nationales Problem. Erfreulich sei, dass trotz der großen Krise, noch viele Bahnhofstoiletten funktionieren würden. Die Pressemitteilung kommt aus seiner Heimat Traunstein (Logisch, der 21.12. ist ein Freitag, da ist der Minister selten in Berlin).
• Hubert Burda will dem Weltuntergang einen Bambi verleihen (eine echte Steigerung zum Integrations-Bambi für Bushido). Aber er weiß nicht wann, wo und an wen er ihn übergeben soll.
• Die touristische Fachzeitschrift fvw gibt bekannt, dass man in der nächsten Printausgabe einen großen Sonderbericht zum Weltuntergang bringen werde, mit dem Schwergewicht auf „warum schwedische Manager mit einem solchen Thema lockerer umgehen als deutsche Manager“.
• Dietmar Gunz gibt bekannt, dass er noch kurzfristig FTI verkaufen konnte. Er will es nach dem Weltuntergang preiswerter zurückkaufen.
• „Reiserechtspapst“ Prof. Führich bringt noch einen Flyer heraus: „Urlauber, Dein Recht beim Weltuntergang“.
• Für das Beschwerdemanagement bei Air Berlin wird ein neuer Rekord angekündigt. Die Antworten kommen jetzt nicht mehr erst nach 5 Monaten, sondern nie mehr.
• 18.00 Uhr UTC, jetzt sieht es draußen richtig furchtbar aus
• Vielerorts steigen Kohlenstoffdioxide nach oben. Einige CO2-Kompensierer wittern noch ein letztes großes Geschäft.
• Die Viverde Hotelgäste der TUI stellen fest: Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit sind auch nicht mehr das, was es einmal war
• Berlins „Regierender Schönredner“ Wowereit frohlockt. „BER ist jetzt überall“.
• Flughafenchef Schwarz erklärt durch seinen Anwalt, dass er für das Weltuntergangschaos nicht verantwortlich sei. Da hat er recht, denn das Untergangsversprechen des Maya-Kalenders ist termintreu eingehalten worden.
• Die BBBs kündigen das Ende der Bissigen Bemerkungen an. Einige in der Branche atmen auf.
• 21.00 Uhr UTC. Das Ende ist nun wirklich da. Es gibt keinerlei Mobilität mehr.
• Der Verfassungsschutz meldet sich. Man habe alte Aufzeichnungen gewisser Mayas entdeckt, die man aber bislang nicht zu deuten vermochte.
• 23.59 UTC. Es macht einen Riesenschlag! Das war`s jetzt. Spätestens jetzt haben endlich alle geschnallt, dass nach einem Weltuntergang nichts mehr geht. Und zwar gar nichts mehr. Pech gehabt.
• Kurz vor Schluss hebt noch ein Raumschiff von der Erde ab. Am Steuer Bruce Willis. An Bord 100 Superreiche auf der Suche nach einer neuen Erde. Sie haben jetzt viel Zeit, auch diese zugrunde zu richten.
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Am 16.1. dieses Jahres hatten sich die BBBs schon einmal kurz mit dem Thema „Reisen zum Weltuntergang“ beschäftigt. Im letzten Absatz hieß es damals „Und wenn Sie noch am Diskutieren und Wetten sind, ob tatsächlich am 21.12. der Weltuntergang stattfinden wird, kleiner Rat von den BBBs. Halten Sie Abstand von Christian Wulff und Philipp Rösler. Bei denen wird der Weltuntergang garantiert noch früher stattfinden“. Zumindest bei Christian Wulff ging einen Monat später (17.2.2012) die Prognose in Erfüllung. Philipp Rösler sträubt sich noch ein bisschen.
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Sie können diese Bissigen Bemerkungen gerne auf facebook kommentieren (http://www.facebook.com/BornsBissigeBemerkungen

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Der Täter ist (nicht) immer der Gärtner

Wow, was für ein Wochenanfang in der letzten Woche. Da glühte nicht nur mein BBB-Server ob der Zugriffszahlen, offensichtlich waren auch viele Neu-Leser dabei, denn am Montag und Dienstag wurden insgesamt fast 13.000 BBB-Seiten angeschaut. Auch die öffentliche Reaktion war ob dieser Ungeheuerlichkeiten aufgeschreckt, sogar die FAZ hat über die Causa Brähmig berichtet („Reisebranche in Aufruhr“). Bedauerlich war, dass zu fast 100% die Reaktionen in „typisch Politiker“ oder noch schlimmer in Richtung „typisch, wer sitzt schon im Tourismus-Ausschuss“ gingen. Wobei zumindest letzteres sogar ich aus eigener Erkenntnis dementieren möchte. Erstaunlich, dass ausgerechnet (und fast ausschließlich) ein angesehener Fachjournalist in seinem blog meinte, die „Reisebranche würde hier nicht als Betroffener taugen“.
Das sah z.B. der DRV deutlich anders und der DRV-Vorsitzende Büchy forderte Klaus Brähmig in einem Brief auf „diese abwertenden, unsachgemäßen und unangemessenen Bemerkungen öffentlich richtig zu stellen“. Und letztlich erkannte auch Brähmig die in der bekannten Email steckende Diffamierung und distanzierte sich deutlich von der Email seines Büroleiters.
Soweit Ende gut, alles gut?

Natürlich nur für den DRV. Der DRV hat schnell, sogar sehr schnell reagiert und immerhin die öffentliche Entschuldigung eines Bundestagsabgeordneten (sogar eines Bundestagsausschuss-Vorsitzenden erreicht)! Es ist sicherlich klug, dass der DRV die Angelegenheit mit diesem Entschuldigungsschreiben als vorerst erledigt betrachtet.

Ich sehe das allerdings etwas differenzierter. Klaus Brähmig hätte gut getan neben seiner „Distanzierung“ auch ein Wort des „Bedauerns“ zu erklären. Des Weiteren erklärt er, dass er „seinen Mitarbeiter angewiesen habe, künftig bei privaten Meinungsäußerungen nicht mehr den dienstlichen Email-Account zu benutzen“. Muss jetzt Strabel nur den Email-Account wechseln und darf dann weiterhin solche Müll-Emails abschicken?

Richtigerweise erklärt Brähmig auch, dass die Reaktion seines Mitarbeiters „überzeichnet war“. Überzeichnet allerdings nicht nur gegenüber der Branche, sondern auch gegenüber meiner Person. Insofern erwarte ich auch eine Entschuldigung in meine Richtung. Im Bestreben seines Büroleiters, zu retten was nicht mehr zu retten war, wurde getreu der bekannten Ablenkungs-Methode „Haltet den Dieb“ der Eindruck erweckt, als ob ich in vielerlei Art beleidigend gegenüber Brähmig geworden wäre. Dabei hat es Brähmigs Büroleiter mit der Wahrheit nicht immer sehr genau genommen. Jedermann/frau kann meine BBB vom 12.3. nachlesen und ebenso nochmals das Interview des Reiseradios vom 12.3. (siehe www.reiseradio.org) hören, die schließlich die Basis für den Strabelschen Ausraster waren. Sie werden keine niveaulose persönliche Beleidigung durch mich entdecken. Meine Kinderstube war zum Glück in Ordnung und da lege ich Wert darauf. Es sei denn, dass meine Aufforderung an Herrn Brähmig, er solle zurückzutreten, als Beleidigung gesehen wird. Ich sehe das dagegen als eine Art Tatsachenbehauptung.

Zuletzt noch eine kleine Petitesse. Obengenannter Fachjournalist schrieb in seinem blog. Achtung Zitatbeginn: „In diesem Fall hat Brähmig nachweislich nicht gedacht.“ Zitatende des Satzes. Natürlich wird man mir jetzt zumindest Dialektik, Sinnverdrehung oder sogar Beleidigung vorwerfen. Aber der Satz ist nicht von mir und ich liebe ihn trotzdem.

Eigentlich möchte ich diese Sache hiermit auch abschließen. Nehmen wir es so hin, wie die Zeitschrift „der Mobilitätsmanager“ schrieb: „Der Büroleiter war`s, wer sonst?“. Dass weiter unten in deren Text steht: „Und dass Brähmig jetzt seine Hände in Unschuld wäscht und die abfälligen Bemerkungen seinem Büroleiter in die Schuhe schiebt, hat schon etwas von einem faden Beigeschmack.“
Da sind die BBB zumindest teilweise anderer Meinung. Die Formulierungen sind garantiert Strabels eigenes Werk. Kenner der Szene, die mir schrieben, erklärten diese Sprache als authentisch für ihn. Sorge macht mir ein Strabel Zitat aus dem Manager Magazin. Dort betonte er das „tiefe Vertrauensverhältnis mit seinem Chef“.
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in eigener Sache:
1. Ich bedanke mich recht herzlich für über 60 Neu-Anmeldungen für den BBB-Newsletter. So viele Neuanmeldungen in zwei Tagen gab es noch nie!
2. Normalerweise antworte ich (gerne) auf jede eingegangene Email. Bei der Flut von Emails, die mich letzte Woche erreichte, ist mir das zumindest im Moment nicht möglich. Ich bedaure das, zumal in vielen Emails köstliche Formulierungen zu finden waren. Aber ich werde mich bemühen, die Antworten in den nächsten Wochen nachzuholen.

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Wo war Ihr Einsatz, Herr Brähmig?

Im Juli letzten Jahres glaubte der Vorsitzende des Tourismusausschusses des Bundestages, Klaus Brähmig (CDU), die große Moralkeule gegen Urlauber schwingen zu müssen. Sein Credo: „Wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, in Länder zu reisen, die von einem diktatorischen Regime regiert werden“.
Die Bissigen Bemerkungen haben sich damals heftig gegen diese versuchte Reisezensur gewehrt (siehe BBB vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“).

Jetzt hätte Herr Brähmig wieder Gelegenheit gehabt, zum Thema „Kontakte mit diktatorischen Regime“ sich zu Wort zu melden. Es war schon fast peinlich wie leise, fast verschämt, Frau Merkel bei Ihrem China-Besuch das Thema Menschenrechte erwähnte und wie die Chinesen Frau Merkel auflaufen ließen, als sie sich mit Oppositionellen treffen wollte. Herr Brähmig, wo war Ihre Wortmeldung dazu?

Mindestens genau so peinlich war der große Bahnhof für den Präsidenten von Kasachstan, einem ziemlich „üblen Burschen“, der rücksichtslos gegen streikende Arbeiter oder generell gegen oppositionelle Kräfte vorgeht. Aber Präsident Nasarbajew wurde nicht nur von Frau Merkel, sondern anschließend auch von Bundespräsident Wulff mit Ehren empfangen (letzteres wollen wir hier nicht näher kommentieren). Die ARD-Tagesschau berichtete in diesem Zusammenhang spöttisch von Kasachstan-„Festspiele“ in Berlin.
Insbesondere seit letztem Jahr bemüht sich Kasachstan verstärkt um deutsche Touristen. Nach einer kleinen Schamfrist wegen des Treffens Merkel/Nasarbajew, kann sich demnächst hier Herr Brähmig wieder als Tourismus-Warner betätigen.
Kasachstan will sich übrigens für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben (das IOC, „Hüter der Menschenrechte“, hat bestimmt keine Einwände).

Irgendwie passt an dieser Stelle die Meldung, dass eine tschechische Reiseagentur „Korruptionstouren“ anbietet. „Orte der Korruption zu sehen, sei besser als darüber zu lesen“, meinte der Anbieter. Klasse Idee, einerseits wird die Neugierde der „bösen“ Touristen befriedigt, gleichzeitig kann man sich trefflich darüber moralisch aufregen: Also Sensationstour mit moralischem Hintergrund.
Welche Orte würden wohl in einer solchen Reise durch die Bundesrepublik Deutschland angeboten? Schloss Bellevue wäre sicherlich dabei, das malerische Oggersheim, die Bankentürme von Frankfurt, der Kölner Klüngel und vielleicht auch das neue Feuchtbiotop Hannover.

Und auch das noch:
Die Fachzeitschrift fvw berichtete über Kerosinzuschläge für den Sommer. Dort war u.a. zu lesen: „Die Veranstalter führen flächendeckend Kerosinzuschläge für die Sommersaison ein – konnten die Fluggesellschaften aber zumindest deutlich runterhandeln“. Oh, oh, liebe fvw, einen ähnlichen Bericht brachte (1989/1990?) das damalige Konkurrenzblatt touristik report. Ergebnis: Kurze Zeit später mussten sich die Airline- und Veranstalter-Bosse vor dem Kartellamt wegen unerlaubter Preisabsprache verantworten. Die Verhandlung vor dem Kammergericht in Berlin, sinnigerweise während der ITB 1991, endete mit Geldbußen (nicht Geldstrafen!) für die Beteiligten. Über die Verhandlung selbst kursierten danach so viele Geschichten, dass manche in der Branche bedauerten, nicht live dabei gewesen zu sein (siehe sehr lesenswert die entsprechenden BBBs http://www.karl-born.de/bbb/archiv/news-archive-20-6-2005.html).

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Ein prominentes Gesicht für den Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL)

Jetzt hat der BDL seinen neuen hauptamtlichen Präsidenten gefunden: Klaus-Peter Siegloch, einen der großen TV-Journalisten, bekannt vom „Heute-Journal“ und von „Was nun, ..“. Zur Begrüßung gab es gleich ein bisschen Gegenwind vom Branchenfachblatt fvw. Dirk Rogl meinte in seinem Blog: Ein klarer Sieg der medialen Präsenz über die fachliche Kompetenz.

Na klar, kann man darauf nur antworten. Dass die Luftverkehrsbranche über hervorragende fachliche Kompetenz verfügt, ist wohl unbestritten. Aber hat es ihr etwas genützt? Leider nein. Zu der von der Politik zu verantwortenden Aschewolke-Krise kam dann noch die Luftverkehrsabgabe. Eine dreiste Belastung einer schon gebeutelten Branche mit ohnehin knapper Marge (viele spotten ja schon von fliegenden Non-Profit-Organisationen).
Also, was braucht die Branche? Sie braucht einen Lobbyisten, der an den richtigen Stellen, mit der richtigen Sprache, die wichtigsten Themen anspricht. Und, er muss das nicht nur mit Überzeugung, sondern mit sehr viel Power machen. So einen Macher zu finden ist nicht so einfach.

Die BBBs hatten ja schon befürchtet, die fvw würde ihren Liebling aus vergangenen Tagen, Thomas Middelhoff, vorschlagen. Als „Windmacher“ wäre er schon eine große Nummer, nur mit der Nachhaltigkeit sieht es nicht so gut aus.
Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg hätte auch für große Auftritte gesorgt. Seine Reden hätte er sich ganz offiziell schreiben lassen können. Und auch Flugerfahrung ist reichlich vorhanden.
Matthias Wissmann, ehemals gelobter Bundesminister, heute Präsident des Automobilverbandes VDA, wird stets als Vorbild genannt. Dem ist nicht zu widersprechen. Er galt schon in der Politik als hoch qualifiziert.
Wie sieht es da aktuell im Bundesparlament mit sich anbietenden Kandidaten aus? Leider schlecht.
Dirk Fischer (CDU), Vorsitzender des Verkehrsausschusses: „Die Ticketabgabe bringt für die hiesigen Flughäfen und unsere deutschen Airlines Nachteile im Wettbewerb. Anders kann man das nicht sehen.“ Trotzdem hat er für die Luftverkehrsabgabe gestimmt, logisch?
Patrick Döring, verkehrspolitischer Sprecher der FDP: „Niemand von uns hat sich die Ticketabgabe gewünscht. Ein nationaler Alleingang verzerrt immer den Wettbewerb, das ist unstrittig.“ Trotzdem hat er für die Luftverkehrsabgabe gestimmt, logisch?
Soviel Unsinn wird Siegloch nicht reden können.

Und was die fachliche Kompetenz betrifft, so muss man sehen, dass einer der Gegenspieler von Siegloch, Peter Ramsauer heißt. Ganz kurzfristig war dessen Name als neuer Verteidigungsminister im Gespräch. Das hätten die Bissigen Bemerkungen gut gefunden. Damit wäre der Afghanistan-Krieg schnell zu Ende gewesen, denn die Taliban hätten sich totgelacht. Auch so kann man einen Krieg gewinnen. Aber was sagten die berühmten „Insider“ zu Ramsauer? Es liege ihm nicht so, sich zu sehr in Details einzuarbeiten. Deshalb hält er sich auch das wichtigste Branchenthema „Single European Sky“ vom Halse. Also, da kann Síegloch aus dem Stand mithalten.

Lieber Klaus-Peter Siegloch, lesen Sie bitte nicht nur das von Dirk Rogl empfohlene fvw-Abo, dort gibt es „nur“ Informationen. Schauen Sie lieber öfters bei den BBBs rein, da finden Sie die richtige verbale Power für Ihren künftigen Job. Viel Erfolg!
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In eigener Sache.
Herzlichen Dank für die vielen Glückwünsche zum 10jährigen Jubiläum der Bissigen Bemerkungen. Das war toll und hat gut getan. Natürlich muss man dann auch manches Geschenk ertragen, wie dieses Buch: „Je mehr Zähne mir ausfallen, umso bissiger werde ich…!“

Im Reiseradio (www.reiseradio.org) kommen diesmal Jugendverbände mit einem brisanten Thema zu Jugendreisen zu Wort. Prof. Feige spricht über noch immer dringend notwendige Investionen in der Hotelbranche und der oberste Sparkassenchef ermuntert zum Kreditaufnehmen. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es um Terminnöte vor und auf der ITB, um ein zweijähriges Kind, das alleine Bahn fahren muss und auch sonst noch um allerlei Aufreger.

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„Ich bin dann mal weg“ – da geht noch mehr

Nur wenige Stunden nachdem letzten Montag die Bissigen Bemerkungen mit ihrer Kritik am Bundespräsidenten erschienen waren, erklärte Horst Köhler völlig überraschend seinen Rücktritt. Natürlich können die Bissigen Bemerkungen die Situation schon richtig einschätzen, aber ein leichtes Erschrecken war es schon, als die Meldung durch die Medien rauschte. Und offensichtlich ging es vielen BBB-Lesern genauso. Noch nie gingen innerhalb weniger Stunden so viele Emails ein wie am letzten Montagnachmittag. Der Tenor reichte von „Liest Köhler die BBB?“ bis „Gibt es jetzt eine Sonderausgabe der Bissigen Bemerkungen?“. Etliche schrieben auch in Variationen „Erst Koch, dann Köhler, langsam werden die BBB unheimlich“. Die Anspielung galt den Bissigen Bemerkungen vom 17.5. („BBB-Spezial zum Thema Bildung: Roland Kochs brutalst möglichste Frechheit“), Damals dauerte es exakt eine Woche bis zum ebenso überraschenden Rücktritt von Roland Koch.

Wenn man möchte, könnte man die Reihe noch um Thomas Middelhoff ergänzen, BBBs ehemaligen Lieblingsfeind. Auch hier haben die Bissigen Bemerkungen Klartext geschrieben (u.a. siehe BBB vom 29.9.2008 „Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert“). Es war auch zu ärgerlich zusehen zu müssen, wie dieser Blender von Teilen der Tourismusbranche (DRV, FVW) abgefeiert wurde. Die Inhalte seiner Vorträge tendierten hinsichtlich des touristischen Neuigkeitswertes gegen Null. Seine Leistung bestand nur darin, dieses „Nichts“ besonders schön zu verpacken. Leider dauerte es vom o.g. 29.9.08 noch einige wenige Monate bis zu seinem Karriere-Ende. Inzwischen wurde Middelhoff vom Arcandor-Insolvenzverwalter und anderen mehr als entzaubert. Die Bissigen Bemerkungen lagen total richtig in ihrer kritischen Einschätzung.

Die Bissigen Bemerkungen werden auch in Zukunft versuchen möglichst frühzeitig Fehlleistungen aufzuzeigen. Und es ist noch genug zu tun! Wie hieß es so schön in einer Email vom letzten Montag: „liest Ramsauer eigentlich auch die BBBs?“.

Wir arbeiten daran.

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Das Reiseradio war letzte Woche auf Tour in der Türkei. Ziel der Reise war insbesondere ein Besuch des Resorts Lykia World. Diesen legendären Namen kennt jeder Reiseexperte. Früher komplett von deutschen Urlaubern belegt, ist Lykia World heute der Inbegriff für ein internationales Urlaubspublikum, von Russland über Deutschland bis England. Ob das funktioniert? Wenn Sie www.reiseradio.org hören, dann wissen Sie Bescheid

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