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„Air Parchim“ – wie „sick“ ist das denn?

Früher hieß es „blau machen“ oder „den gelben Schein abholen“, wenn man sich krank meldete, ohne so richtig krank zu sein. Die moderne Variante, vor allem ab einer bestimmten Gehaltsklasse, nennt man „Sick out“. Und genau das machten 200 Piloten der Air Berlin, mit gleichzeitigen, natürlich „unabgesprochenen“ Krankmeldungen. Ich nenne das eher: „Da versuchen einige den dünnen Ast abzusägen, auf dem sie sitzen.“

Am Ende des Tages war das dann überraschenderweise doch nicht die Top-Nachricht des Tages. Bei „Bild.de“ rangierte ganz oben: „Jetzt wollen die Chinesen bei Air Berlin einsteigen – und Air Berlin aus der Stadt aufs Land verlegen.“

Ja ist denn schon wieder 1. April?
Da will doch tatsächlich der chinesische Unternehmer Jonathan Pang, der mit seiner Gesellschaft Link Global vor zehn Jahren den Flughafen Parchim (internationale Bezeichnung: Schwerin-Parchim International Airport) übernommen hat, für die komplette Air Berlin bieten und den insolventen Carrier (oder zumindest Teile davon) in den hohen Norden verlegen.
Ich habe alle verfügbaren Kalender durchgesehen, aber in keinem stand, dass wir nun den 1. April haben.

„Viele Ideen, kein Ergebnis“
Kenner der Parchimer Flugszene entlockt das natürlich nur ein müdes Lächeln, denn seit zehn Jahren soll Parchim (laut Homepage des Flughafens „im Zentrum von Europa gelegen“) schon zu einem internationalen Drehkreuz ausgebaut werden. „Viele Ideen, kein Ergebnis – die unendliche Geschichte des Flughafens Parchim“, nannte es mal der Deutschlandfunk.
Tatsächlich ließ Link Global immer wieder Zahlungstermine verstreichen und führte erforderliche Baumaßnahmen nicht aus. Das Innenministerium von Mecklenburg-Vorpommern prüft seit 2010 einen weitgehenden Forderungsverzicht. Die Flughäfen Lübeck und Hahn lassen herzlich grüßen …

Auch will Pang in Parchim seit einem Jahrzehnt eine Shopping-Mall hochziehen. Das Luxus-Outlet-Center soll etwa 12.000 Quadratmeter groß werden. Hauptsächlich chinesische, russische und arabische Kunden sollen die Mall besuchen – die Investoren rechnen pro Tag mit 3000 Passagieren in Parchim. Wird Air Berlin dann bald als eine Art Reisebus fungieren, der die kaufwillige Kundschaft zu den Luxus-Heizdecken nach Parchim bringt? Immerhin wäre die Langstrecke damit ausgelastet.

Wenn man sich mal amüsieren will, kann ein Blick auf die Homepage des Flughafens lohnen. Dort wirbt der Airport unter anderem mit: geringeren Kosten als an anderen Flughäfen, Betriebserlaubnis 365 Tage, 24 Stunden täglich, alle Flugzeugtypen (inklusive der A380) können abgefertigt werden. Da lacht doch jedes Berliner Flughafenherz.

Höhe stellt sogar Wöhrl in den Schatten
Und was die Air-Berlin-Nachricht krönt: Die Chinesen wollen angeblich eine Milliarde Euro bieten. Richtig gelesen, eine eins und dahinter neun Nullen! Da hat es aber dem fränkischen Anbieter Hans Rudolf Wöhrl glatt den Tag verhagelt. Sein angekündigtes sensationelles Angebot, das fast alle Medien als eine halbe Milliarde Euro benannt hatten, wurde locker verdoppelt. Tatsächlich ist das Angebot von Hans Rudolf Wöhrl nur die festzugesagten 50 Millionen Euro wert – der Rest ist Fantasie. Das kann er doch selbst nicht ernst meinen, was er hier anbietet. Seinem Buch wird es helfen, aber dieser „Traum wird nicht zum Fliegen kommen“.

Auto-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) hat als Reaktion auf das Angebot aus Fernost direkt noch einmal klar gestellt, dass die Mehrheit des Eigentums und die Kontrolle über eine europäische Fluggesellschaft auch von Europäern gehalten werden muss. Kleine Fußnote Dobrindts für alle, die das Angebot wirklich ernst nehmen.

Wöhrl + Pang = „LUFTfahrt“
Das schreit nach einer unkonventionellen Lösung: 51 Prozent bekommt der Franke Wöhrl und 49 Prozent wandern auf das Konto des Heizdecken-Chinesen. Dieses Gemeinschaftsunternehmen dürfte zu Recht in seinem Namen das Wort „Luftfahrt“ führen, wobei die Betonung auf dem ersten Teil des Wortes liegen sollte.

Auch der letzte Gedanke in dieser Kolumne gilt nochmal unserem Schienen-Heini Dobrindt. Er forderte die „kranken Air Berlin-Piloten“ wieder zur Arbeit auf. Ausgerechnet Dobrindt, der vier Jahre lang luftfahrttechnisch nicht viel gearbeitet hat, meint dies sagen zu müssen. Deshalb ordne ich seine Aufforderung unter: „Das Wort zum (Wahl-)Sonntag“ ein.
Wie hält es der Chinese eigentlich mit der Arbeit?

Diese Kolumne wurde auch als „Die Born-Ansage“ bei airliners.de veröffentlicht.

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Leider kein Schlüsseldienst an Bord

Das kennen wir doch alle. Man hat nur kurz das Haus verlassen, da knallt die Tür zu. Jetzt der Schock, man hat keinen Haustürschlüssel dabei. Also, Schlüsseldienst anrufen und warten bis er kommt. Hoffentlich ist nicht gerade Winter und man ist bis dahin tiefgefroren. Sie meinen das sei schon schlimm? Es geht noch schlimmer.

Überlegen Sie mal, das würde einem Piloten während des Fluges passieren. Da ist nichts mit Schlüsseldienst rufen. Das sei unmöglich? Denkste! Ein Pilot von Delta Air „musste mal“ kurz vor der Landung in Minneapolis. Leider ging danach die Cockpit-Tür nicht mehr auf. Da war sicherlich „etwas Panik“ angesagt, zumal sich das auch vor den Passagieren nicht verheimlichen ließ.

So schnell (innerhalb von Minuten) wurde noch kein Co-Pilot zum verantwortlichen Captain befördert. Dem Ex-Captain blieb nur der „Abstieg“ zum „gewöhnlichen“ Passagier. „Bitte anschnallen, wir landen gleich“ galt dann auch für ihn. Zum Glück ist alles gut gegangen.

Gerüchten zufolge prüft „unser Dobrindt“ schon, ob künftig nicht zwangsweise ein Schlüsseldienst an Bord sein soll. Oh, gibt das Probleme. Der Schlüsseldienst kommt doch mit seinem Werkzeug nicht durch die Sicherheitskontrollen (in Frankfurt und Düsseldorf vielleicht schon). Arbeitsgenehmigungen, Einreiseformalitäten, Einsatzdauer, Dokumentationsvorschriften, da kommt eine Menge zusammen. Wenn dann Frau Nahles dafür eine „Luft-Arbeitsstättenverordnung-für-Schlüsseldienste“ macht, wird nicht nur viel Papier bedruckt, das kann auch dauern. Was ist mit der Übergangslösung? Ist es nicht einfacher, Piloten eine Zusatzausbildung als Schlosser absolvieren zu lassen?

Oder über eine Lösung mit Roboter nachdenken? In Japan entsteht gerade ein Hotel das ausschließlich mit Robotern als Personal arbeiten soll. Die Maschinen sollen unter anderem die Hotelgäste empfangen, die Zimmer reinigen und Kaffee servieren. Es geht dabei nicht darum zukunftsorientiert zu sein, sondern die Personalkosten niedrig zu halten. So ist geplant, dass „ein weiblicher Androide in Gestalt einer jungen Japanerin an der Rezeption arbeiten soll“. Warum muss das eigentlich ein „weiblicher“ Androide sein?

Die Betreiber dieser Hotelketten wollen angeblich mit diesem Modell auch in Schwellenländer expandieren. Das muss wohl ein Übersetzungsfehler sein. In Schwellenländer sind die „Personalkosten“ ohnehin niedrig, da werden wir diese Roboter eher in Mitteleuropa erleben. Hinsichtlich der Gestalt des Rezeptions-Androide können noch Vorschläge unterbreitet werden. Dieter Bohlen vielleicht? ————————————
Die BBBs konnten (und wollten) sich bisher nicht als Fan des Kölner Karnevals profilieren (höchstens als „Fan“ der Kölner Bürokratie). Aber der Rückzieher des Festkommitees hinsichtlich des Charlie Hebro-Wagens ist eine Riesenschande. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt: Hier wird der Markenkern des Karnevals nachhaltig (unreparierbar) beschädigt.

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