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Werden Fakten überbewertet?

Zu Beginn eines neuen Jahres dürfen sich die BBBs auch mal fragen, wie wichtig müssen/können/dürfen eigentlich Fakten für eine Kolumne sein. Nachdem über Jahrzehnte das Wort Fakten (Focus/Markwort: Fakten, Fakten, Fakten) eine Art Totschlagargument gegen alternatives Denken war, ist man neuerdings der Meinung „Fakten sind doch nicht alles“.

Schon seit Jahren gibt es bei meinen Vorträgen ein von mir sehr geliebtes Chart: „Der Gedanke, dass es nur eine Wirklichkeit gäbe, ist die gefährlichste aller Selbsttäuschungen“ (nach dem österreichischen Philosoph und Soziologe Paul Watzlawick, 1921 – 2007). Jetzt sind „postfaktisch“, „alternative Fakten“, „interpretierte Fakten“, „nichtssagende Fakten“ und „verschwiegene Fakten“ (endlich) in der Wirklichkeit angekommen.

postfaktisch
Definition: „Postfaktisch ist ein Denken und Handeln, bei dem die Fakten nicht im Mittelpunkt stehen. Die Wahrheit einer Aussage tritt hinter den Effekt der Aussage auf das eigene Klientel zurück.“ Nehmen wir hier das Beispiel des neuen Verbandes unabhängiger selbstständiger Reisebüros, VUSR, und seiner Petition zum Reisevertragsrecht. 50.000 Unterschriften sind für eine Petition notwendig, damit sie auch im Petitionsausschuss behandelt werden muss. Der Verband hat 49.300 Unterschriften gesammelt. Fakt ist: Ziel verfehlt, knapp vorbei ist auch vorbei. Postfaktisch: das eigene Klientel ist begeistert, weil etwas geschafft wurde, was kaum jemand für möglich hielt (mich eingeschlossen). Und wenn am Mittwoch der Ausschuss die Petition trotz fehlendem Quorum annimmt, hat das Postfaktische gesiegt.

alternative Fakten
Dieser Begriff ist am Wochenende durch die Trump-Administration bekannt geworden. Fakt sind die Bilder, wieviel Menschen 2009 zur Vereidigung von Obama kamen im Unterschied zu Trump 2017. Alternative (zusätzliche) Fakten wären jedoch, Obama kam damals als Erlöser nach George Bush. Wieviel der 1,5 Mio Enthusiasten von damals sind inzwischen enttäuscht, weil aus dem Friedensnobelpreisträger ein Präsident mit „häufigem Drohnenbefehl“ geworden ist und dem es nicht möglich war „Gewalt gegen Schwarze“ einzudämmen (von Verhindern nicht zu reden). 1,5 Mio Teilnehmer hätte auch Obama dieses Jahr nicht geschafft.
Zu „alternative Fakten“ ist mir zufällig ein Interview aus 2010 von Christine Haderthauer (CSU) mit Michel Friedmann in die Hände gefallen, indem sie ihn ärgerlich unterbricht: „Ihre Frage passt nicht zu meiner Antwort“. Unbestritten, ein alternativer Fakt.

interpretierte Fakten
Ich bin mir nicht sicher, ob allgemein bekannt ist, dass die veröffentlichten Zahlen der Meinungsumfragen zu Wahlen nicht immer identisch mit den erhobenen Zahlen sind. Gestützt auf die angebliche Erfahrung, dass der potenzielle Wähler, wenn er im Wahllokal steht, eher auf „Sicherheit“ setzt als bei einer Umfrage, rechnen einige prominente Institute die erhobenen Ergebnisse auf wahrscheinlich zu erwartende Ergebnisse um. Dadurch sind die meisten Umfrageergebnisse zu konservativ (im Sinne von traditionell) gerechnet. Siehe Vorhersage zum Ergebnis AfD in Mecklenburg-Vorpommern, zum Brexit in Großbritannien und zur US-Präsidentenwahl.

nichtssagende Fakten
Das ärgert mich besonders, wenn Selbstverständlichkeiten im Brustton großen Wissens von sich gegeben werden. Brandenburgs Ministerpräsident Woidke antwortete im Juli 2016 zur Frage Eröffnung des Berliner Flughafens BER: „Jeder Tag der vergeht, bringt uns der Eröffnung näher“. Unglaublich wie hier durch „Nichts Substanzielles sagen“ das eigentliche Problem umschifft wird. Wobei diese auf den ersten Blick faktenmäßig richtige Aussage voraussetzt, dass der BER irgendwann tatsächlich mal eröffnet werden sollte. Postfaktisch, bin ich mir da nicht so sicher.

verschwiegene Fakten
Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn Medien (Print und Social) und Politik nur noch im Mainstream schwimmen und alle anderen Fakten links und rechts davon ignorieren. So schlagen im Moment alle auf Trump drein, obwohl der sich im Moment noch im Status „Maulheld“ befindet. Und direkt vor unserer europäischen Haustür schafft Erdogan täglich „Fakten“ auf seinem Weg in eine lupenreine Diktatur und seine Gefängnisse sind übervoll mit Verhafteten ohne Aussicht auf einen rechtsstaatlichen Prozess. Da sollte man doch die Bemerkungen von Merkel, Steinmeier und Gabriel über Trump vergleichen mit ihren lauen Bemerkungen zu Erdogan. Anmahnung durch die Presse? Fehlanzeige.

Na dann, auf ein faktenreiches 2017. Oder auch nicht.

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Freitag der Dreizehnte: Das Comeback der Bissigen Bemerkungen

Hallo, da sind wir wieder. Eigentlich war Mitte November nur eine zweiwöchige „schöpferische“ Pause geplant, leider sind daraus neun Wochen geworden. Und ehrlich gesagt, ließ die Regelmäßigkeit seit August ohnehin schon zu wünschen übrig. Gute Vorsätze 2017? U. a. wieder „regelmäßige“ Bissige Bemerkungen!

Aus der Vielzahl von Themen, die in der Zwischenzeit „ungebissen“ geblieben sind, haben wir uns zwei ausgesucht.
1. „Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“.
2. In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist.
Zu guter Letzt kann ich mir nicht verkneifen darauf hinzuweisen, wen ich im Dschungelcamp vermisse.

„Wir sind fertig mit dem Ding, wenn wir mit dem Ding fertig sind“
Dieser sehr inhaltsschwere Beitrag stammt von Brandenburgs-Ministerpräsident Woidke und reiht sich nahtlos an den legendären Spruch von Hartmut Mehdorn „Der BER wird immer fertiger und fertiger“ ein.

Bei dem Herumgeeiere wann der Flughafen fertig wird, wissen wir jetzt nur eines: Die offizielle nächste Verschiebung des Eröffnungstermins ist schon wieder verschoben worden. Irre, nicht wahr. Wie fragten die BBBs schon am 2. März 2015? Haben Sie am 23.11.2017 schon etwas vor? Dann sind 2000 Tage seit der letzten „Nichteröffnung“ vergangen. Es würde mich nicht wundern, wenn der neue Berliner Senat an diesem Tag ein Fest veranstalten würde: „Flughafen-Eröffnungen kann jeder feiern, Flughafen-Nichteröffnungen aber nur wir in Berlin.“ Utopie? Warten wir es ab. Jeder Tag der Nichteröffnung kostet „nur“ 1,3 Mio Euro, da würden die Kosten für eine Party unwesentlich sein.

„Nicht alle werden die Eröffnung des BER noch erleben“, stellte die Süddeutsche Zeitung am 29.12.16 fest. Das ist nicht sehr bösartig, denn der neue BER-Baufortschrittsbericht meldet: Baufortschritt gegenüber letzter Meldung 0,0%. Immerhin kein Minuszeichen davor.

Aber vielleicht gibt es auch ein ganz anderes Problem. Zitieren wir noch einmal Hartmut Mehdorn, der sagte im März 2015: „Der BER ist unterwegs. Er bewegt sich“. Hat schon mal einer nachgesehen, ob der BER überhaupt noch da ist?

In Leipzig beginnt ein Prozess, der seit Jahren überfällig ist
Endlich beginnt in dieser Woche der Prozess gegen drei ehemalige Unister-Manager (alles reine Unschuldslämmer) vor dem Landgericht Leipzig. Schon 2012 hatten DIE Welt („Abzock Imperium Unister“), computerbild (die Tricks des Abzock Imperiums) u.a. vor den Machenschaften von Unister gewarnt. Keine Ahnung wer da in der Vergangenheit gebremst hatte.

Auch die BBBs hatten schon im September 2013 gelästert, als das Branchenfachblatt fvw über einen DRV Präsidenten Thomas Wagner nachdachte: „Da muss wohl Stromausfall in der Redaktion gewesen sein und man hatte nicht gesehen, welcher Name da versehentlich geschrieben war“.

Und das habe ich auch noch in einer BBB vom März 2015 gefunden: „Der DRV freut sich, dass Unister als Mitglied des DRV aufgenommen werden konnte“. Und weiter hieß es in der Pressemeldung: „Zugleich unterstreicht dies den Anspruch des Verbandes, die gesamte Reisebranche mit all ihren Segmenten zu vertreten“. Ist Unister eigentlich noch Mitglied im DRV?

48 Seiten Anklageschrift sollen zu Prozessbeginn verlesen werden, das kann nur eine Kurzfassung der Vorwürfe sein. Einer der Anwälte des Angeklagten Daniel Kirchhof (ex Finanzchef) ist, lt. DIE WELT, übrigens Arndt Hochstädter, der zuletzt einer der Organisatoren des Leipziger Pegida-Ablegers Legida war. Was sich immer Leute zusammenfinden.
Lt. FAZ will die Staatsanwaltschaft auch Reiner Calmund (ex Clown für fluege.de) als Zeuge laden. Ich lache mich kaputt. Der wird wie immer endlos labern und sich entschuldigen mit „ich habe meinen Jungs“ vertraut. Manfred Krug und die Telekom-Aktie lassen grüßen.

Zuletzt, das kann ich mir heute, zu Beginn des neuen Dschungelcamps nicht verkneifen: Warum ist Vural Öger eigentlich nicht im Dschungelcamp dabei? Seine neuere Vita würde doch dazu passen.

In der Zwischenzeit war ich auch an anderer Stelle fleißig und werde es auch künftig sein. Auf dem Luftverkehrs-Nachrichtenportal airliners.de erscheint alle 14 Tage donnerstags (in der Regel um die Mittagszeit) die Kolumne „Die Born-Ansage“. Sie finden diese unter www.airliners.de/thema/die-born-ansage. Dort kann man auch die bisher erschienenen 50 Kolumnen sehr einfach nachlesen. Da ist bestimmt vieles dabei was auch Ihr Interesse finden wird.

Der BBB-Newsletter wird übrigens künftig immer dienstags und nicht montags wie bisher erscheinen.

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