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Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche

Es war einmal eine Regierung, die wollte auf einer Klausurtagung sparen. Irgendeine böse Fee, flüsterte den Regierenden ins Ohr: „Am einfachsten geht sparen, indem man seinen Bürgern in die Tasche greift“. Entgegen jeder ökonomischen Vernunft (wegen der zusätzlichen Kostenbelastungen für den Standort Deutschland – der ansonsten doch immer so hoch und heilig gepriesen wird), beschlossen die Regierenden daraufhin zwei neue Steuerarten einzuführen: eine Luftverkehrsabgabe und eine Brennelementesteuer. Da wunderten sich aber die Manager dieser Branchen, denn keiner hatte mit einem solchen Unsinn gerechnet.

Die Manager der Luftfahrtindustrie klagten gleich laut. Dummerweise aber jeder für sich alleine. Zwar waren alle gegen die neue Abgabe, aber leider nur halbherzig in der Argumentation. Denn relativ schnell, clever gedacht, wurde ersatzweise etwas St. Florians – Gedanke in die Argumentation eingebaut. So rieben sich Air Berlin und Lufthansa aneinander mit dem Thema: wie sollte, wenn schon überhaupt, die Belastung für Kurz- und Fernstrecke sein. Condor rieb sich mit LH-Cargo mit dem Thema: Wenn schon, dann doch auch Belastung für die Fracht. Und besonders clever überraschte der Flughafen Frankfurt die restlichen deutschen Flughäfen mit der Argumentation wie relativ wenig umweltschädlich doch eigentlich Langstreckenflüge seien. Die danach angedachte eventuelle Zusammenlegung zweier Verbände (von Flughäfen und Fluggesellschaften) dürfte von der Verschärfung der Schlagkraft her allerdings überschaubar bleiben. Zuletzt wurde noch eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein „bewährtes klassisches Kampfmittel“ mit in der Regel guten Erfolgen bei Mobilisierung von Eltern gegen Schulstress. Der erwünschte überregionale „virale Effekt“ dieser Aktion ist leider noch nicht erkennbar eingetreten.

Aber wie man professionell, besser gesagt brutal, mit einer „nicht folgsamen“ Regierung umzugehen hat, zeigten die Manager der Energiebranche. Sich gegenseitig austricksen? Doch nicht wir! Da zeigte sich sehr schnell die jahrelange Erfahrung aus vielen „Preisgestaltungsrunden“. Da wurde der Regierung zuerst mal in einem unverschämten Ton gedroht, evtl. Teile des Betriebes gleich einzustellen. (Wäre ja interessant geworden mal „Streik von oben“ zu erleben.) Aber nicht genug, in ganzseitigen Anzeigen in allen relevanten Tageszeitungen wurde der Regierung danach mächtig der Marsch geblasen. Sprachlich und inhaltlich zwar nicht immer ganz verständlich, aber dafür umso deutlicher im scharfen drohenden Ton. Und die Energie-Manager legten sicherheitshalber noch eine Schwarte drauf. Da unterschrieben nicht nur die vier Energiebosse, sie sammelten gleich noch die Unterschriften all´ jener ein, die für Lärm machen in unserer Republik bekannt sind. Nicht zuletzt solche „begabten“ Manager wie Herr Josef Ackermann (vergessen die kleine süße Geburtstagsfeier, die letztes Jahr Frau Merkel für ihn im Kanzleramt ausrichtete) oder Herr Oliver Bierhoff (der schon in den Verhandlungen mit dem DFB bewies, wie man richtig frech werden kann) oder Herr Wolfgang Clement (bewährter Atom-Scharfsschütze gegen Ypsilanti im Hessenwahlkampf) oder Herr Otto Schily (als Mini-Kohl verweigert er beharrlich die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung seiner Abgeordneten-Nebeneinkünfte) unterstützten die Energiebosse. Flugs waren 40 „sehr wichtige“ Unterschriften beisammen. Ein bunter Haufen, den nur eines verbindet, nicht zimperlich zu sein, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Bemerkenswerterweise haben 40 Männer unterschrieben, es ist keine einzige Frau dabei. In der Wirtschaft so richtig Druck machen ist offensichtlich noch immer Männersache.

Und jetzt die große Quizfrage für die Leser der Bissigen Bemerkungen. Welche Branche wird sich gegen die Regierung durchsetzen?
Schreiben Sie bitte nur, wenn Sie auf die Reisebranche tippen, dann muss ich nicht so viele Emails lesen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche sehr viel über das Thema Flusskreuzfahrten. TUI Deutschland Chef Dr. Böttcher erklärt warum TUI sich jetzt auch hier ganz besonders engagiert und der Chef der Arosa Flotte, Lars Clasen schildert, warum er glaubt, dass immer noch genügend Luft für seine Flotte sein wird. Außerdem wird auch noch getauft und gefeiert, aber hören Sie selbst.
In den akustischen Bissigen Bemerkung geht es um das neue deutsche Aufregerthema „Google Street View“ und wie wichtig das neue Angebot für die Tourismusindustrie werden könnte (für einige –windigen- Anbieter allerdings auch mit eher negativem Ausblick).

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Endlich habe ich mein Schiff

Vor einigen Wochen lag in meinem Briefkasten eine Einladung für eine Taufe. Ich hatte mich sehr gewundert, denn in meiner Bekanntschaft war meines Wissens niemand schwanger gewesen.
Bei genauerer Lektüre stellte sich heraus, dass es eine Einladung zu einer Schiffstaufe war. Beim Weiterlesen wurde ich dann noch mehr überrascht, denn dort stand sehr konkret, dass dies „mein Schiff“ sein sollte. Dabei bin ich mir sicher keines bestellt zu haben und ich neige auch unter erheblichem Alkoholstress nicht dazu Bestellformulare blind zu unterschreiben. Aber die Einladung war sehr eindeutig, sogar mit Übernachtung in Hamburg. Für mich war danach klar, dies konnte nur eine der berühmten Kaffeefahrten für Senioren sein. Mein Schiff, so vermutete ich weiter, wird dann nur Matchbox-Größe haben und sicherlich wird versucht werden mir noch eine Heizdecke anzudrehen. Aber ich habe nun mal das passende Kaffeefahrt-Alter, also ging es ab in das Abenteuer.

Wie man sich täuschen kann. Als ich vor dem Schiff stand, war ich richtig stolz ob der imposanten Größe. Gleichzeitig kamen mir Zweifel, ob dies wirklich „mein Schiff“ sein sollte. Also fragte ich mehrere der anwesenden und wichtig erscheinenden offiziellen Personen: „Ist dies mein Schiff?“. Alle antworteten mit einem zweifelsfreien „Ja“. Unglaublich! Etwas stutzig wurde ich allerdings, als ich bemerkte, dass auch die neben mir stehenden Personen die gleiche zweifelnde Frage aus ihrer Sicht stellten „Ist das mein Schiff?“. Und auch hier antworteten die Offiziellen mit „Ja“.

Da war mir klar, es musste sich hier um eine Art ship-sharing (eine Schiffsvariante von Timesharing) handeln. Na, ja, rund 1/1000stel von einem solchen Riesenkahn zu besitzen ist ja auch nicht schlecht. Beim berühmten Bilderspiel „mein Haus, mein Auto, mein Schiff“, das war mir sofort klar, würde ich künftig super im Rennen liegen.

An Bord wurde ich sehr freundlich, wie es sich gegenüber einem Schiffseigner gebührt, von einem gewissen Herrn Baden begrüßt. Das fand ich sehr witzig: Namen passend zur maritimen Angelegenheit. Die Taufparty selbst war große Klasse. Udo Lindenberg war wirklich „super drauf“ (Musik und seine Kommentare wie in besten Zeiten). Und mit der Taufpatin Ina Müller sollte man sich nicht ohne Not anlegen. Für ihr Mundwerk benötigt sie sicherlich einen Waffenschein.
Über die Kosten von dem Ganzen, umgelegt auf die Anteile, wollen wir jetzt nicht nachdenken. Hätte man mich vorher gefragt, hätte ich auch nicht jeden der Anwesenden eingeladen.

Von meinem Schiff war ich natürlich angetan. Es ist sehr geräumig. Man fühlt sich ziemlich schnell „entschleunigt“, wie das heute so schön heißt. Wie immer gibt es Neider. So lästerten einige böse Zungen, mein Schiff sei nur „second hand“. Aber ehrlich, schon bei einem Ferrari wären wir alle doch auch schon mit second hand sehr zufrieden.

Jetzt warte ich nur noch auf eines. Bei diesen Timesharing-Modellen bekommt man ja bekanntermaßen immer mitgeteilt, wann man sein Teileigentum selbst nutzen darf. Ich warte jetzt täglich auf einen Brief mit meinen Reisedaten. Da müssen dann für eine Woche auch mal die BBBs zurückstehen.

Ach, das muss ich noch nachtragen. Beim Schiffsrundgang wurden auch die berühmten Zeugungszimmer gezeigt, für jene die am 9.9.09 heiraten und während der Schiffsfahrt ein Kind zeugen (siehe BBB vom 20.4.2009 „Was soll der Tourist denn noch alles? Jetzt soll er während der Urlaubsreise auch noch Kinder zeugen“). Etwas enttäuscht war ich schon. Die Zimmer sind ohne besondere erotische Ausstattungen, obwohl es hier doch schon „vorbildliche“ Hotels gibt, siehe www.liebepur.at oder www.loveromm.eu. Ein Mitreisender meinte, so sei es nun mal wenn man mit der (inzwischen) Ehefrau verreist.

Und noch etwas. Ziemlich nervös machte mich der große TUI-Smiley am Schornstein. Die ganze Tauffahrt über hatte ich Angst (vor allem nach meiner Erfahrung von der letzten TUI-Hauptversammlung), TUI-Großaktionär Frederiksen würde dadurch auf das Schiff aufmerksam werden, es entern lassen und als Lösegeld zwei Sitze im TUI Aufsichtsrat verlangen. Ist aber nochmals gut gegangen.

Bleibt zuletzt ein Wunsch. Ich wünsche, dass mein Schiff immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel haben möge.

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