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Warum gehen die Buchungen zurück?

Der Boss von DER Touristik, Sören Hartmann, soll in Antalya vor türkischen Hoteliers gesagt haben: „Die Urlauber fühlen sich nicht sicher und die Buchungen gehen zurück“. Diese Analyse, wenn er sie so getroffen haben sollte, halte ich für unzutreffend.

Das Thema „Was muss die Tourismusbranche tun, damit die Urlauber auch in Zeiten des Terrors reisen“, wurde erstmals von mir im Okt. 2002, also vor mehr als zehn Jahren, in einem Interview mit Peter Hinze für den Focus thematisiert. Betitelt war das Interview mit „Hotels hinter Stacheldraht“. Von bewaffnetem Personal rund um das Hotel, von Detektoren am Hoteleingang usw. war dabei als Zukunftsvision die Rede und dass man sich an einen Hochsicherheitstourismus gewöhnen müsse. Allerdings ergänzt, dass ich nicht der Meinung sei, dass dies dem Tourismus nachhaltig schaden würde, weil spätestens seit 9/11und den folgenden Attentaten klar sei, dass überall etwas passieren könne (auch bei uns in Deutschland).

Zeitgleich zum Erscheinen des Interviews fand damals in Dubrovnik die DRV-Jahrestagung statt. Wie heftig ich dort „vom Podium herunter beschimpft“ wurde, soll hier nicht nachgezeichnet werden (u.a. hätte ich eine Beschreibung geliefert, in der der Terrorismus den Tourismus besiegt hätte).

Tatsache war aber, dass meine Prophezeiung richtig war, es wurde danach sicherheitstechnisch aufgerüstet, an den Flug- und Seehäfen, an Bord der Transportmittel, beim Transfer in den Zielgebieten und an vielen anderen Stellen mehr. Die folgenden Attentate in Madrid und London bestärkten meine Meinung über den Fatalismus der potenziellen Reisenden, wenn etwas passiert, dann kann es überall passieren. Verstärkt wurde dieser Gedankengang ohnehin, dass die tägliche Autofahrt ungleich gefährlicher und das Todesrisiko hier wesentlich höher sei.

Insofern haben die Attentate in Paris, trotz ihrer ganzen Schrecklichkeit, diese grundsätzliche Einstellung eher bestärkt. Selbst die Absage des Länderspiels in Hannover, obwohl von den Medien kräftig aufgebauscht, hat nicht dazu geführt, dass letztes Wochenende weniger Besucher in die Stadien kamen. Im Gegenteil, man nahm die zeitaufwendigen Sicherheitskontrollen am Eingang hin, obwohl dadurch teilweise die ersten Tore im Spiel verpasst wurden.

Bei einer Kabarettveranstaltung letzte Woche in Berlin mussten alle Besucherinnen und Besucher (also nicht nur stichprobenmäßig) ihre Mäntel öffnen, weil gezielt nach Sprengstoff gesucht wurde. Und niemand ist deshalb umgekehrt.

Ich will damit sagen, der Umgang mit der Terrorangst ist, den Ausdruck bitte nicht auf die Goldwaage legen, im tiefen Inneren bei uns verankert und man hat gelernt damit umzugehen.
Viel wichtiger wäre jetzt eine Offensive um die unverändert über die Jahre hinweg grundsätzlich vorhandene hohe Urlaubslust zu forcieren. Alle Befragungen zeigen, wie gefestigt dieser Wunsch ist, es muss nur ein Anstoß kommen um diesen Wunsch in die entsprechende Tat (sprich Buchung) umzusetzen. Das muss jetzt die Botschaft der Stunde sein und nicht umgekehrt. Die Reisebüros können hierbei eine wichtige Rolle spielen.

Ich bin überzeugt und damit bewege ich mich mal wieder auf dünnem Eis, dass ein anderes Thema vielmehr zur Verunsicherung der Bürger und zur Buchungszurückhaltung beiträgt. Dies ist jetzt keine moralische Betrachtung, sondern einfach die Feststellung, dass das chaotische Management von Politik und Behörden die anfänglich fast überraschend positive soziale Stimmung zum Flüchtlingsthema, mit dem finanziellen Geschacher und den daraus resultierenden Finanzprognosen überlagert. Da wird ein negatives finanzielles Zukunftsszenario gezeichnet, das die Menschen erschrecken muss.

Vielfach gesicherte Befragungsergebnisse zeigen, dass für die Einschätzung der persönlichen finanziellen Situation (und der Bereitschaft für Konsumausgaben) weniger die jetzige tatsächliche Situation entscheidend ist, sondern vielmehr die erwartete Situation (die aber tendenziell oftmals kritischer gesehen wird, als notwendig).

Zum gesamten Themenkomplex wäre eine aktuelle seriöse Befragung sicherlich sehr hilfreich. Aber Achtung, die Qualität einer Befragung hängt sehr von der Präzision der Fragestellungen ab (bitte vorher genau ansehen).

Unabhängig vom oben Gesagten, muss man leider feststellen, wenn ich mir nochmals meine BBBs vom „24.7.2015, Hilfe, dringend Führung gesucht“ und vom „31.7.2015, Konkret werden, das ist die Forderung der Stunde“ ansehe, dass das politische und behördliche Versagen noch viel größer ist, als ich damals befürchtet habe. Was ist die von der Kanzlerin beschriebene „Willkommenskultur“ noch wert, wenn immer mehr größere Unterkünfte, jetzt im Tausender Bereich entstehen und der Stau bei der Bearbeitung der Asylanträge immer größer (und nicht kleiner) wird, weil man sich bei der zuständigen Behörde seit Wochen nicht beim Thema Überstunden und beim Thema Schichtarbeit auch an Wochenende einigen kann. Arbeit an Wochenenden, für jede Krankenschwester, Feuerwehrmann, Busfahrer usw. selbstverständlich, ist einer deutschen Behörde offensichtlich nicht zu vermitteln.

Eigentlich wollte ich zum Flüchtlingsthema bei den BBBs nichts mehr schreiben, weil dies ein touristischer Blog ist, aber wenn das Chaos weiter so seinen Lauf nimmt, dann wird es auch zum touristischen Thema (siehe oben). Wohlgemerkt immer vom moralischen Standpunkt abgesehen.

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Undankbare Verkehrspolitiker?

Deutsche Verkehrspolitiker und ihr Verhältnis zu deutschen Luftverkehrsgesellschaften: Ein Drama in 3 Akten.

1. Akt des Dramas, Anfang Oktober 2010, Beschluss über Luftverkehrssteuer für Deutschland
„Die Ticketabgabe bringt für die hiesigen Flughäfen und unsere deutschen Airlines Nachteile im Wettbewerb. Anders kann man das nicht sehen“.
Zitat Dirk Fischer, CDU, Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag. Unabhängig von dieser Erkenntnis, stimmt Fischer im Bundestag der neuen Steuer zu.
„Niemand von uns hat sich die Ticketabgabe gewünscht. Ein nationaler Alleingang verzerrt immer den Wettbewerb. Das ist unstrittig.“
Zitat Patrick Döring, FDP-Fraktionsvize und verkehrspolitischer Sprecher der FDP. Unabhängig von dieser Erkenntnis stimmt Döring im Bundestag der neuen Steuer zu.

2. Akt des Dramas, 8.-11.Oktober 2010, Einladung obiger Herren zu einem Seminar des Bundesverbandes der Deutschen Fluggesellschaften nach Mallorca
Klarer Fall, hier muss die Luftverkehrslobby nacharbeiten. Die obigen Herren (plus ein SPD-Abgeordneter und eine FDP-EU-Abgeordnete) werden zu einem Seminar auf Mallorca eingeladen. Der Bundesverband bietet prominente Redner aus der Luftfahrtbranche auf, um den Abgeordneten die Luftfahrtproblematik näher zu bringen.

3. Akt des Dramas, Ende Oktober 2010, die Abgeordneten Fischer und Döring fordern eine weltweite Kerosinsteuer.
Wenige Tage nach Rückkehr vom Malle-Ausflug fordern die prominenten Verkehrsexperten Fischer und Döring die Einführung einer weltweiten Kerosinsteuer. Nach deutscher Ticketabgabe, der Einführung von Emissionszertifikate für Fluggesellschaften (in zwei Jahren) nun eine „weitere Idee“ um den Luftverkehr zu belasten. Da stellt sich doch die Frage nach dem Grund, wenn jemand unmittelbar nach einer Einladung seinem Gastgeber so in „die Weichteile tritt“.
Versuch einer Erklärung:
1. Das Programm auf Mallorca war schlecht. Ist eigentlich unvorstellbar, das Hotel zählt zur Luxusklasse und das Programm für die Politiker soll vom offiziellen Programm her nicht „zeitlich überbelastend“ gewesen sein.
2. Verkehrspolitiker sind grundsätzlich undankbar. Gut vorstellbar, würde in die allgemeine Einschätzung von Politikern passen
3. Leider hat das Magazin Stern von der Einladung der Politiker nach Mallorca Wind bekommen und darüber einen Bericht geschrieben. Die Politiker wollten mit der neuen Forderung ihre Unabhängigkeit beweisen, weil Ihnen die Einladung im Nachhinein peinlich war. Auch unwahrscheinlich, Politikern ist (fast) nie etwas peinlich.
4. Das Seminar hat voll gewirkt, darf aber keiner wissen. Die Verkehrspolitiker fordern die Kerosinsteuer weltweit, wohl wissend, dass es nie eine weltweite Einigung geben wird und haben damit die Grundlage gelegt, dass es auf keinen Fall einen europäischen Alleingang geben wird. Soviel Vorausdenken um die Ecke ist zwar bei den beiden Herren unwahrscheinlich, aber vielleicht hat jemand für die beiden vorgedacht. Somit eine denkbare Variante.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diesmal um den Sommer 2011 in Gesprächen mit Dr. Peter Fankhauser und Michael Tenzer für Thomas Cook, sowie Sören Hartmann für REWE. Wenn nächstes Wochenende noch TUI vorgestellt hat, kann man ein erstes Resümee für den Markt ziehen. In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird mal wieder über Flug-Sicherheit, der Unsicherheit bei Fracht, über das Gerichtsurteil wegen Rail&Fly und einiges mehr gelästert. Wem Lesen allein nicht genügt, kann zusätzlich seinen Ohren noch etwas gönnen.

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Weihnachtlicher Wunschzettel

Die Vorweihnachtszeit ist auch die Zeit der weihnachtlichen Wunschzettel. Da sind unsere Tourismus-Manager nicht ausgenommen. Einer soll es mit seinem Wunschzettel so sehr übertrieben haben, dass er Zoff mit dem Weihnachtsmann bekommen habe: Manny Fontenla-Novoa, Oberboss von Thomas Cook. Zuerst wünschte er sich einige Firmen in Russland, dann auch noch einige Firmen in China. Dann wünschte er sich REWE, danach sollte es Öger sein, oder sonst eine schnucklige Firma in Deutschland oder in Europa oder sonst wo. „Stopp“, soll da der Weihnachtsmann gerufen haben, „überlege Dir mal was Du wirklich willst, sonst überstrapazierst Du meine Nerven“. Angeblich soll der Weihnachtsmann noch gegrummelt haben „der Typ ist gerade selbst einem Notverkauf entronnen und haut jetzt so auf die Pauke“.

Wünsche bleiben in dieser Brache ja nicht geheim. Kaum hatte Manny seine Wunschliste hinausposaunt, kamen auch schon die Absagen en masse angeflattert: REWE: „Nicht mit uns“, Öger „auf keinen Fall, ein Lebedew-Erlebnis reicht mir“. Selbst FTI, die gar nichts auf Mannys Wunschliste standen, sagte vorsorglich mal ab. Allein Verhuven soll sauer gewesen sein, weil er nicht gewünscht war.

REWE und Thomas Cook sind ohnehin eine besondere Story. Denn vor längerer Zeit wollte (angeblich) Rewe schon Thomas Cook kaufen, jetzt will Thomas Cook Rewe kaufen. Wäre das nicht eine echte Weihnachtsstory wenn die beiden, wie auch immer über Strohfirmen oder so, sich gleichzeitig gegenseitig kaufen würden? Das Management-Liebesgeflüster unter dem Weihnachtsbaum „Ich habe mich Dir geschenkt und Du hast Dich mir geschenkt“, das hätte doch was. Nur kann man sich Liebesgeflüster zwischen Fiebig und Fontenla-Novoa nicht so richtig vorstellen.

Und dann ist da noch das Geschenk Aldiana. Na ja, ob das ein Geschenk ist, wollen wir dahingestellt lassen. Aldiana künftig mehrheitlich bei REWE? Und der neue REWE-Chef heißt Sören Hartmann, ex-Boss von Robinson. Das kann er sich nicht gewünscht haben.

Die TUI ist diese Weihnachten etwas bescheidener. So eine kleine süße Reisebüro-Kette wie Reiseland, das wäre ihr großer Wunsch. Ja, man ist bescheiden geworden bei TUI. Man will sich schließlich keinen Malus vom Weihnachtsmann einhandeln, wegen nicht erfüllbarer Wünsche. Allerdings soll TUI-Chef Frenzel an den Rand des Wunschzettels geschrieben haben: „Lieber Weihnachtsmann, danke für die vielen Großaktionäre, die du mir jedes Jahr, trotz miesem Aktienkurs, aufs Neue schenkst. Ich wünsche mir diesmal keinen zusätzlichen Aktionär, ich möchte nur einen umtauschen. Dieser Wikinger geht mir auf den Geist. Tausche ihn bitte um. In meiner Bescheidenheit wäre ich als Ersatz auch mit Kleinaktionären zufrieden, muss kein neuer Großaktionär sein“.

Manche Wunschzettel rufen beim Weihnachtsmann auch großes Gelächter hervor. So schrieb der Landrat des Landkreises Altenburg-Land, dort liegt der Flughafen Altenburg, einen besonders lustigen Text auf seinen Wunschzettel. Übrigens, falls Sie liebe BBB-Leserinnen und Leser diesen Flughafen nicht kennen sollten, ist das keine Schande, geht vielen so. Also, besagter Landrat schrieb auf seinen Wunschzettel (kein Scherz, leider): „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Nachdem der Weihnachtsmann wieder zu lachen aufgehört hatte schrieb er zurück: „Landrat und Flughafen, die so bescheuert sind, einer irischen Fluggesellschaft 670.000 Euro Marketingzuschuss zu zahlen, nur damit diese ein bisschen von Altenburg nach Alicante fliegt, haben bei mir keine Wünsche frei. Lest mal nach was ein Kasseler Stadtverordneter zu diesem Thema gesagt hat“.
Da haben die BBBs doch gleich mal gegoogelt. Dieser Stadtverordneter sagte, bei einer ähnlichen Diskussion über den Flughafen Kassel Calden: „Ein Flughafen an jeder Mülltonne ist nicht nur ökologischer, sondern vor allem ökonomischer Unfug“. „Es kann ja auch mal einer von den Linken recht haben“, meinte dazu der Weihnachtsmann.

Übrigens ist ein Wunsch schon in Erfüllung gegangen. Der neue Berliner Großflughafen soll „Willy-Brandt-Airport“ heißen. Ratet mal, wer sich das gewünscht hat.

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