Rennschnecke DRV

Sie haben es getan. Der Deutsche ReiseVerband (DRV) hat seine Jahrestagung in der Türkei abgesagt. Die BBBs haben schon vor fünf Wochen diese Absage gefordert (siehe BBB vom 25.7. „Der Deutsche Reiseverband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort“), jetzt endlich hat sich der Verband dazu durchgerungen. Und er hat sich unerklärlicherweise schwer damit getan. Noch vor einer Woche antwortet der DRV auf eine Anfrage des Branchenblattes touristik aktuell mit Sätzen, deren Heißluftpotenzial auch einem Minister de Maiziere oder Minister Steinmeier zur Ehre gereicht hätte: „Wir bitten noch um etwas Geduld“, „Man beobachte alle Entwicklungen sorgfältig, einschließlich der möglichen Auswirkungen und gegebenenfalls der erforderlichen Maßnahmen“ bis hin zur absoluten sprachlichen Krönung „Angesichts der Komplexität der Entscheidung und der vielfältigen Aspekte….“. Bla, bla, bla – die Chance ein Zeichen zu setzen hat der DRV vertan. Seine Mitglieder haben ihm die Gefolgschaft verweigert. Nachdem sich nur ca. 1/3 der üblichen Teilnehmer angemeldet hatten, war selbst diese Zahl seit Wochen stark rückläufig. Der DRV lief Gefahr in Kusadasi quantitativ nur noch eine erweiterte Vorstandssitzung abzuhalten. Reaktion statt Aktion.

Spätestens als Mitte August die Meldung „Türkei lockert Verbot von Sex mit Kindern“ durch die Medien tickerte (immerhin eine Entscheidung des türkischen Verfassungsgerichtes, also höchstrichterlich) wartete ich stündlich auf eine Reaktion des DRV. Schon 2011 hatte der DRV einen Verhaltenskodex zum Kinderschutz unterschrieben, der vom BTW 2005, im Beisein von Königin Silvia, nochmal medienwirksam bekräftigt wurde. Gerade weil von türkischer Seite der (eigentlich unzweifelhafte) Gehalt dieser Entscheidung sofort in Frage gestellt wurde, hätte man zumindest eine Stellungnahme des DRV in der aktuellen Einschätzung der Entwicklung der Türkei erwartet. Stattdessen ist der DRV abgetaucht.

Auch ansonsten gibt es kein Kommentar des Reiseverbandes zur problematischen Entwicklung in der Türkei.

Der „Cirque du Soleil“ hatte schon vorher seinen für nächsten Monat geplanten mehrwöchigen Auftritt in der Türkei abgesagt. Da hätte man doch locker unter der Überschrift „Zirkus in der Türkei abgesagt“ mitsegeln können.

Parallel dazu waren Reaktionen aus der deutschen Wirtschaft eindeutiger. Die „Deutsche Messe AG“ beispielsweise sagte ihren türkischen Messeableger „Cebit Bilsim Eurasia“, mit über 1.000 internationalen Firmen eine der wichtigsten Messen in Eurasien, die Anfang Oktober in Istanbul stattfinden sollte, ab. Sie soll zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Nun soll die DRV-Jahrestagung zum gleichen Zeitpunkt in Berlin stattfinden. Da Vorstandswahlen anstehen, kann nur eine ausreichende Beteiligung an einer solchen Tagung eine Legitimation des zu wählenden Vorstandes garantieren.

Auch die so drängende Frage „Neue EU-Pauschalreiserichtlinie“ wird dann wahrscheinlich der zentrale Punkt der Diskussion sein. Auch hier hat sich der Verband nicht mit Ruhm bekleckert. Ein großes Aufschreien jetzt, nachdem der Entwurf vorliegt, wird erfahrungsgemäß nicht mehr viel bewirken. Es ist eine Binsenweisheit, dass erfolgreiche Lobbyarbeit zu einem Zeitpunkt wirken muss, bevor ein erster Entwurf vorgelegt wird. Sicherlich hat der DRV mit genügend Menschen in der Politik gesprochen, leider nicht mit den richtigen „Entscheidern“. Nachdem bekannt wurde, dass im Unterschied zu Deutschland, ändere Länder wie z.B. Niederlande und Österreich, die fragwürdige Brüsseler Novelle ablehnten, muss man sich noch mehr ärgern. Ich frage mich, wer hat Deutschland zur Zustimmung beeinflusst?

Diese unsinnige Gesetzesänderung trifft in erster Linie die deutschen Reisebüros. Entgegen aller Unkenrufe haben sie sich in den letzten Jahrzehnten immer wieder erneuert und dadurch überlebt. Was das Internet bislang noch nicht geschafft hat, besorgt jetzt die Bundesregierung. Ein Drama. Als Verbandsverantwortliche eines Verbandes, in deren Ägide diese Entscheidung fällt, würde ich mich da richtig schlecht fühlen.

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Der Deutsche ReiseVerband sollte seine Jahrestagung in der Türkei absagen – und zwar sofort

Wo darf der deutsche Tourist aus moralischen Gründen keinen Urlaub machen? Auf diese Medien-Lieblingsfrage habe ich immer geantwortet, „wo Kanzlerin und Minister hinfahren, darf auch der deutsche Urlauber seine Ferien verbringen“. Warum soll er moralischer sein als die Polit- und Wirtschaftsdelegationen?

Insofern hatte ich mir vor vier Wochen auch keine Gedanken über das Thema Türkei-Urlaub gemacht. Wer will, warum nicht? Auch die Gefahr, Opfer eines Attentates in der Türkei zu werden, hatte ich nicht überbewertet. Statistisch gesehen habe ich einen Antalya-Urlaub sicherer gesehen als eine Autobahnfahrt.

Ein Attentat ist immer „nur“ eine punktuelle Gefahr, aber die „Gefahr Erdogan“ seit dem Putsch ist flächendeckend. Pauschale Verhaftungen in inzwischen 5-stelliger Anzahl zeigen, hier wird nicht zuerst die individuelle Schuld geprüft, sondern pauschal verhaftet. Es trifft nacheinander immer neue Berufsgruppen. Meines Erachtens ist es nur eine Frage der Zeit, bis es die ersten Hotelmanager trifft. Auch nur der leiseste Verdacht irgendeiner Verbindung zur Gülen-Bewegung, mag er auch noch so weit hergeholt sein, ist ein Verhaftungsgrund. Das kann auch „versehentlich“ deutsche Touristen treffen.

Früher hätte das Auswärtige Amt bei einer „versehentlichen“ Verhaftung eines deutschen Touristen, sofort alles in Bewegung gesetzt, um ihn in kürzester Zeit frei zu bekommen. Auf eine solche Initiative des Auswärtigen Amtes oder sogar der Kanzlerin kann man aktuell nicht hoffen. Dem „Flüchtlingsdeal“, der nicht gefährdet werden darf, würde auch ein „Einzelschicksal“ untergeordnet werden.

Dieses Szenario ist im Moment noch theoretisch, aber meines Erachtens alles andere als abwegig. Wer die aktuelle politische Entwicklung in der Türkei verfolgt und nicht die Parallelen zu unserer Vergangenheit sieht, ist entweder blind, unwissend oder ignorant. Für die Bundesregierung könnte man hinzusetzen „oder ist erpressbar“. Eine ganz schlimme Situation.

Und in diesem Umfeld will der Deutsche ReiseVerband seine Jahrestagung in der Türkei abhalten? Das geplante positive Zeichen für den Türkeitourismus kann im Moment nicht mehr aktuell sein.

Wie kann ein Szenario für diese Tagung aussehen:

Erdogan macht daraus eine Jubelveranstaltung für seine Politik. Die offiziellen türkischen Redner werden Reden halten, bei denen man nur verschämt auf den Boden schauen kann. Wie reagiert der DRV-Präsident? Er ignoriert? In den Interviews mit der türkischen Presse wird das nicht einfach sein. Er kommentiert und korrigiert? Das wäre nicht nur gefährlich, sondern würde genau das Gegenteil bewirken, was man mit dieser Veranstaltung ursprünglich erreichen wollte.

In der Vergangenheit hat oft die Politik versucht auf political correctness ihrer Bürger und speziell der Touristen einzuwirken. Im Moment ist es gerade umgekehrt, wir müssen auf unsere Politik einwirken. Tut sich der DRV eventuell mit der Absage deshalb so schwer, weil er unter Druck des Auswärtigen Amts steht, unbedingt diese Tagung in der Türkei abzuhalten?

Wer immer im Moment als Urlauber in die Türkei reisen will, kann das gerne tun, wenn er weiß und akzeptiert, wie er sich dort zu verhalten hat. Es liegt mir fern, das zu bewerten. Aber für einen Tourismusverband gelten vollkommen andere Anforderungen. Da erwarte ich politische Einsicht.

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Offener Brief eines deutschen Urlaubers an die Türkei

Liebe Türkei,

zuerst mein Beileid für die vielen Todesopfer am Wochenende. Jedes einzelne ist eines zu viel.

Liebe Türkei, ich möchte Dir schreiben, weil ich mir Sorgen mache um Deine Zukunft. Ich habe Dich geliebt als Urlaubsziel. Während Spanien immer mehr in Routine versank, warst Du frisch und hast mich verwöhnt.

Durch Deine großzügigen Hotelanlagen und insbesondere durch Deine großzügigen Zimmergrößen hast Du uns 3 bis 4-Sterne Urlaub zu einem 5-Sterne Feeling geboten. In den Hotels war immer mehr Personal vorhanden, als vergleichbar anderswo. Klar, war das den eingeschränkten Arbeitsbedingungen und schlechteren Gehältern bei Euch in der Türkei gegenüber anderen klassischen Urlaubsländern geschuldet. Aber wir deutsche Urlauber sehen da gerne darüber hinweg, im Urlaub sind wir keine Gewerkschaftler.

Und erst die Ausflüge bei Euch in den Basar. Was konnte man feilschen und wenn man am Ende trotzdem noch übertölpelt wurde, war das kein Problem. Das kennen wir von den Kaffeefahrten in Deutschland inklusive kritisch zu sehender Verkaufsveranstaltungen. Der reale Gegenwert ist für uns nie so wichtig, Hauptsache wir glauben ein Schnäppchen gemacht zu haben.

Was uns in den letzten Monaten Sorge bereitet hatte, war die Einstellung Eures Präsidenten zu den Menschenrechten im Land. Im Prinzip haben wir deutsche Urlauber hier eine einfache Einstellung, überall wo unsere Kanzlerin hinreist, dürfen wir Urlauber auch hinreisen. Und die Kanzlerin spricht bei diesen Besuchen ja auch das Thema Menschenrechte an. Wenn auch immer so leise, dass es kaum jemand hört. Aber zum Glück ist immer unser Regierungssprecher Seibert dabei, der hat so feine Ohren, dass er es trotzdem hört und uns davon berichten kann. Aber bei Erdogan war Merkels Auftreten von besonderer Art. Getrieben von dem unseligen Flüchtlingsdeal, wurde ihr Auftreten immer mehr zum Kotau vor Erdogan. Dabei wissen wir aus unserer ureigenen deutschen Geschichte, dass eine Appeasement-Politik genau das Gegenteil von dem bewirkt, was sie soll. Man kann das auch aktuell sehen, dass Putins Zorn sogar bei Erdogan etwas bewirkt hat.

Trotzdem war ich bis letzte Woche noch der Hoffnung, dass bei Vorliegen attraktiver Last-Minute-Preise man immer noch ohne weiteres Urlaub in der Türkei machen kann.

Aber das Wochenende hat vieles bei mir verändert. Obwohl wir deutsche Urlauber über Jahrzehnte gelernt hatten, dass man auch in Ländern mit Militärdiktatur getrost Urlaub machen kann, sieht man das heute etwas anders. Ein demokratisch gewählter Präsident, darf nicht durch einen Militärputsch gestürzt werden. Da waren sich am Wochenende auch alle Politiker einig. Vergessen wir mal kurz den Putsch gegen den gewählten Präsidenten Mursi in Ägypten, da haben wir mal kurz ein Auge zugedrückt.

Aber Erdogan lässt innerhalb von wenigen Stunden nach dem Putschversuch Tausende, wirklich Tausende, von Militärangehörigen, Richtern, Journalisten und deren Familienangehörigen verhaften. Entweder sind die türkischen Sicherheitsbehörden besonders schnell im Aufklären von Straftaten (dann sollten wir unseren Innenminister deMaiziere und unseren Verfassungsschutzpräsidenten Maaßen zur Schulung schicken) oder, die Gelegenheit ist günstig, es werden bei dieser Gelegenheit alle Erdogan Kritiker „aus dem Verkehr gezogen“.
Da muss man auch als einfacher deutscher Urlauber mit nur wenig Geschichtsverständnis doch gleich an den Reichstagsbrand von 1933 denken, als schon am Folgetag (28.2.1933) mit der Reichtagsbrandverordnung die Weimarer Verfassung praktisch außer Kraft gesetzt wurde. Obwohl wir uns immer mit Nazivergleichen zurückhalten sollten, darf man hier Erdogan selbst zitieren, der Anfang dieses Jahres „Hitler-Deutschland als Beispiel für ein effektives Regierungssystem“ genannt hat. Wenn Erdogan einen Putsch mit fast 300 Toten als „Gottes Geschenk“ bezeichnet und von anstehender „Säuberung“ spricht, darf man (muss man) auch entsprechende Vergleiche ziehen dürfen.

Obwohl die EU inzwischen nicht mehr als Vorbild für eine Wertegemeinschaft dienen kann, muss die Ankündigung über die Einführung der Todesstrafe in der Türkei alle Türen zuschlagen. Insbesondere der Gedanke einer rückwirkenden Einführung lässt unser Rechtsempfinden kollabieren. Natürlich könntest Du, liebe Türkei, uns beim Thema Todesstrafe die USA entgegenhalten. Die wollen zwar nicht in die EU, sind aber die Lead-Nation bei der NATO.

Aber es gibt noch etwas, liebe Türkei, warum ich aktuell ein Problem mit Dir habe. Die Bilder, wie fanatische Türken, mit hasserfüllten Gesichtszügen und nacktem Oberkörper, mit Gürtel und anderem, auf am Boden liegende wehrlose Soldaten eingeprügelt haben gehen mir nicht mehr aus dem Sinn. Die dunklen Bilder in den Wochenendausgaben unserer Zeitungen wirkten auf mich eher wie mittelalterliche Schlachtengemälde, denn Bilder aus der Neuzeit. Das sind nicht meine türkischen Freunde.

Die Reiseveranstalter betonen (noch) zu recht, dass es in den klassischen Feriengebieten ruhig sei. Aber, Präsident Erdogan hat auch vorrübergehend den Militärstützpunkt Incirlik, auf dem u.a. deutsche Soldaten stationiert sind, schließen lassen, weil er dort führende Militärs verhaften ließ. Seit der Zeit frage ich mich, wann wird die erste Hotelanlage „vorrübergehend“ geschlossen werden, weil dort der Hotelmanager verhaftet wird.

Im Oktober 2016, soll die Tagung des Deutschen Reiseverbandes in Kusadasi an der türkischen Ägäisküste stattfinden. Das sollte ein Zeichen für mich und andere potenzielle Türkeiurlauber sein: da kann man hinreisen. Das sehe ich seit dem Wochenende anders. Es werden auf dieser Tagung auch viele türkischen Politiker und andere Offizielle Ansprachen halten. Nachdem was ich am Wochenende von türkischen Abgeordneten gehört habe, könnte das für unsere Ohren und unser Rechtsempfinden schwer erträglich werden. Wie will der DRV-Präsident darauf reagieren? Einfach laufen lassen? Oder das eine oder andere kommentieren? Dann kann er gleich mit Zusatzwäsche anreisen, falls sein Aufenthalt länger dauern sollte.

Liebe Türkei, das wollte ich Dir als deutscher Urlauber sagen. Ich wollte Dir nur versichern, auch wenn dieses Jahr weniger von uns kommen werden, wir haben kein Problem mit Dir als Land und auch nicht mit Euren Mitbürgern, die wir in den letzten Jahren in den Hotels kennenlernen und lieben durften. Wir haben nur ein Problem mit Eurem Präsidenten und mit Fanatikern.

Ich grüße als Tourist und hoffe auf bessere Zeiten.
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Mein Mitgefühl gilt auch den Opfern von Nizza.

Geschockt hat mich auch der tödliche Flugzeugabsturz von Thomas Wagner (und Oliver Schilling), dem Gründer und Macher von Unister. Dass er mit einem Koffer und Millionen an Bargeld unterwegs war, will ich hier aus Pietät nicht kommentieren. Um das Maß noch voll zu machen, wurde heute das Insolvenzverfahren für Unister Holding beantragt. Was das für die Gruppe und die Mitarbeiter bedeutet, bleibt abzuwarten.

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5. Juli 1841 – 5. Juli 2016: 175 Jahre Pauschalreise

Da wird eines der größten Erfolgsprodukte 175 Jahre alt und kaum jemand achtet darauf. Selbst schuld, liebe Urlaubsbranche. Oft genug habt Ihr Euer Super-Produkt verleugnet oder nur halbherzig beworben. Zu oft schämte sich die Branche und argumentierte nicht hart dagegen, wenn Pauschalreise und Massentourist gleichgesetzt wurde, wenn das Internet mit Urlaub, statt mit Urlaubsbuchung verwechselt wurde.

Aber zuerst wollen wir den guten Thomas Cook abfeiern. Vor 175 Jahren, am 5. Juli 1841, veranstaltete Thomas Cook seine legendäre Reise, mit einem gecharterten Zug, von Leicester nach Lougborough zu einer Veranstaltung gegen Alkoholmissbrauch. Im Reisepreis von einem Shilling waren Tanz, Tee, Schinkenbrote und lehrreiche Reden enthalten, deshalb bezeichnete man diese Reise als „Mutter“ aller Pauschalreise.

Neuere Untersuchungen sind aber der Meinung, dass die erste Pauschalreise schon drei Jahre vor 1841 stattgefunden hätte, nämlich zu einer Hinrichtung nach Boldwin. Das kann tatsächlich sein, denn Hinrichtungen waren damals eine große Attraktion (heute richtet man mit einem shitstorm, da virtuell, kann man leider nicht hinreisen). Aber auf diesen früheren Termin bezieht sich die Branche ungern. Logisch, denn viele Beschwerdebriefe von heute würden dann mit Sätzen wie „ich fühlte mich wie bei der ersten Pauschalreise zur Hinrichtung“.

In den Jahren danach setzte Thomas Cook Maßstäbe für die Pauschalreise. Der logistische Aufwand für eine solche Reise war sehr erheblich. Materialbeschreibung einer Reise nach Palästina (1869): 28 Esel, 14 Maultiere, 65 Sattelpferde, 87 Packpferde, 21 Schlafzelte, 2 Speisezelte, 3 Küchenzelte, Eisenbetten, Wolldecken, Teppiche. Liebe Touristikmanager von heute, also klagt nicht, Ihr habt es heute einfacher. Bei dieser Cook-Reise waren auch 18 Lagerdiener und 56 Maultiertreiber dabei. Würde man heute zu diesem Job „Produktmanager Esel“ sagen? Obwohl, ich hatte schon mal von einem Produktmanager gehört, „was war ich bei der Kalkulation für ein Esel“.

Wesentlich lustiger ist da die Tatsache, dass die Pauschalreise von 1841 zu einem Kongress gegen Alkoholmissbrauch ging. Angesichts der Alkoholmengen die heute in einem Ferienflieger vertilgt werden, schon fast ironisch. Fast noch krasser wird es, wenn man die britischen Nachfahren dieser Urreise mal in Magaluf besucht.

Bleibt noch die Frage offen, ob Individualtouristen die besseren Touristen seien. Werfen wir mal einen Blick auf diese immer wieder hervorgehobene Touristen-Spezies. 45 Millionen Individuen fahren jedes Jahr mit dem Auto in den Urlaub, individuell um dem Massentourismus aus dem Weg zu gehen. Die Folgen sind bekannt. Wir erleben diese Individualisten immer wieder an den Wochenenden und speziell zu den Ferienterminen an den beliebten Treffpunkten der Stau-Fetischisten bei Kamen, Geislingen, Rosenheim. Wir treffen diese Individualisten morgens Schlange stehend vor dem Ägyptischen Museum in Kairo und anderswo, während die Reiseleiterin der Veranstalter mit ihrer Gruppe durch einen Nebeneingang das Museum betritt.

Das höchste Ziel des Individual-Touristen ist ein Platz irgendwo in der Welt zu finden, ohne Pauschaltouristen. Das Dumme dabei ist nur, dass sich nach 175 Jahre Reisen nun mal eine feste Meinung gebildet hat („Schwarmintelligenz“) was und wo die schönsten Plätze dieser Welt seien. Ist leider so und da wollen alle hin. Aber die Frage an mich nach einem Geheimtipp, nach einem Ort oder Platz oder Kneipe, wo garantiert nie ein Tourist hinkommt, ist nicht auszurotten.

Als ich vor vielen Jahren mit einer privaten Gruppe an einem zugegeben sehr schönen Platz in der Toscana zu Mittag aß, wurde ich von der Gruppe „gezwungen“ ein Papier zu unterschreiben, dass dieser Platz nie in einem Veranstalterkatalog zu finden sein werde.

Eigentlich wollte ich heute nochmal über Fußball schreiben, über Sensationsmannschaften wie Island und Wales. Aber mit Thomas Cook bekomme ich auch eine Verbindung hin. Er starb 1892 im Alter von 84 Jahren in Leicester. Und Leicester City war in der letzten Saison bekanntlich Sensationsmeister in England.
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In den letzten BBBs ist mir ein peinlicher Fehler unterlaufen. Ich habe Island unterstellt, deren Banken wären nur mit den Milliarden der EU gerettet worden. Das ist falsch. Island hat sich aus eigener Kraft gerettet. Entschuldigung.

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Die Fußball-EM als Spiegelbild der EU

Irgendwie springt der Funke bei dieser Europameisterschaft nicht so richtig über oder geht das nur mir so. Im Vergleich zu 2012 oder 2014 sind deutlich weniger Fahnen zu sehen. Oder bremst die Angst „als Rechts“ zu gelten?

Bei einigen Auffälligkeiten während der EM musste ich immer an das Spiegelbild Europäische Union denken: ein kleines Resümee nach der Vorrunde.

Grässlich waren die teils sehr heftigen nationalen Auseinandersetzungen mit Prügeleien einiger Fans vor und während der ersten Turnierspiele. Für mich spiegelte das auch die Stimmung innerhalb der EU wider. Zwar geht es da (noch) nicht mit Gewalttätigkeiten zu, aber von einer friedlichen Union (Wertegemeinschaft?) kann nicht die Rede sein. Sofort folgte der Ruf nach Sanktionen. Und wen soll es treffen? Natürlich Russland und nicht die genauso gewalttätigen Engländer. Russland und Ausschluss (EM 23 statt EM 24) passt immer. Außerdem durfte der Brexit nicht vorgezogen werden, dabei hätten sich die Engländer fast selbst aus dem Turnier gekegelt.

Und dann diese unselige Regelung der bestplatzierten Dritten. So einen bürokratischen Unsinn kann sich eigentlich nur die EU-Administration ausgedacht haben. Vielleicht gab es eine personelle Leihgabe an die UEFA. Glühbirnen-, Gurken- und andere EU-Regelungen (EU-Pauschalreiserichtlinien) sind direkt easy dagegen.

Weitere Auffälligkeiten? Albanien erledigt am Sonntag seine Aufgaben, weiß aber nicht ob sie in die EU, Verzeihung Achtelfinale der EM, dürfen. Aber die Albaner kennen das, vor der Tür der EU zu warten.

Da wird Erdogan sauer werden. Die Türkei kämpfte bravourös gegen Tschechien und darf trotzdem nicht in die EU, Entschuldigung in das Achtelfinale. Wenn man seine „Punkte“ nicht rechtzeitig abarbeitet, dann kann so etwas Last Minute passieren. Der Interims-UEFA-Boss, kann sich schon mal auf den Weg nach Ankara machen.

Kein Land hing so tief in der Finanzkrise wie Island. Europäische Milliarden in bis dato ungeahnter Höhe mussten aufgewendet werden um das Land (die Banken?) zu retten. Jetzt ist Island wieder brav und schickt 10% (!!) seiner Bürger zur fröhlichen Kundgebung nach Frankreich. Wenn die jetzt am Montag noch England rauswerfen, wäre das eventuell Brexit II.

Das komplizierte Rechenverfahren, wer kommt wie weiter, hat jetzt dazu geführt, dass die vermeintlich besonders starken Fußballnationen (Italien, Spanien, England, Frankreich) mit Deutschland in der gleichen Hälfte des Tableaus spielen und sich gegenseitig eliminieren werden. Da wird in vielen Kreisen der EU bestimmt Freude aufkommen, wenn sich die EU-Altländer gegenseitig „abschießen“.

Ein Fußballeuropameister Ungarn, Kroatien oder Polen? Warum nicht! Nur in einem Fall würde ich persönlich negativ ausflippen, wenn Brüssel (Belgien) Europameister würde. Da würde ich sofort zum EU-Verschwörungstheoretiker werden.

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Was erlauben „fluege.de“? (frei nach Trapattoni)

Vor kurzem bin ich durch Weiterleitung auf die Webseite von fluege.de gekommen.

Da finde ich doch zwei Berichte über Air Berlin, zum einen „Air Berlin, weiter flügellahm – droht die Pleite“ und zum anderen „Ist Air Berlin ein Fall für die Intensivstation“. Ausgerechnet fluege.de haut eine andere Firma in die Pfanne, während das eigene Weiterleben nun wirklich nur an einem seidenen Faden hängt, wenn man die Vielzahl der Punkte sieht, die Unister und und/oder Tochtergesellschaften wie fluege.de vorgeworfen wird: Geldgutscheine auf deren fristgerechte Auszahlung Kunden oft vergeblich warten, Flugtickets an denen mehr als nur Provision verdient wird, Stornoversicherungen die angeblich ohne Versicherungssteuer im Netz verkauft werden.

Es ist nur noch schwer zu verstehen, warum es seit Monaten nicht zur Anklage gegen Unister bzw Unister-Tochtergesellschaften gekommen ist. „Böse Zungen“ meinen es läge am Standort Leipzig. Auf jeden Fall liegt es zum großen Teil auch daran, dass unklar ist, welche Tatbestände in einer Anklage zusammengeführt werden können. Jetzt will die Staatsanwaltschaft die Anklagen wegen Steuerhinterziehung, unerlaubtem Betreiben von Versicherungsgeschäften sowie Computerbetrug zusammenführen, was wiederum zu zeitlichen Verzögerungen führen wird. Dabei ist noch offen, ob eventuell noch andere Punkte dazukommen (siehe z.B. wegen „Runterbuchens“).

Zumindest unklar, vorsichtig ausgedrückt (um einer Unister-Anzeige vorzubeugen), ist auch die wirtschaftliche Situation. Entsprechende Meldungen, die nicht minder dramatisch waren, als jene zitierten von Air Berlin, lassen jedenfalls nichts Gutes hoffen. Deshalb lässt der Einstieg externer Geldgeber auch weiterhin auf sich warten.

Bei so einer eigenen Vita, andere Unternehmen auf der eigenen Webseite in die Pfanne zu hauen, „ist schon ein starkes Stück“. Aber wie heißt es so schön, wenn man mit dem Finger auf andere zeigt, zeigen auch mindestens drei auf einen selbst zurück. Wobei, siehe oben, drei sogar stark untertrieben sind.

Wer immer sich kritisch über Unister äußert, kann sehr schnell ein Anwaltsschreiben bekommen. Da legt die Firma ein Tempo vor, das manche Kunde bei Bearbeitung von Reklamationen vermissen. Vor kurzem war man mal wieder über den MDR sauer. Damit sich angebliche Falschaussagen nicht wiederholen, beschloss man bei Unister eigene Recherchen über die Urlaubs-Trends 2016 zu veröffentlichen. Dort kann man nun lesen, am „Mittelmeer locken Bulgarien und Zypern“ (Zitat lt. Handelsblatt).

Damit haben wir nun zumindest eine positive Erkenntnis über Unister: die sind nicht (immer) bösartig, die wissen es (oft) nicht besser.

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Ryanair-Chef O’Leary ist der Donald Trump der Lüfte

Als ich das Interview von Ryanair-Chef Michael O’Leary in der „Zeit“ gelesen habe, wusste ich sofort: diesen großmäuligen nervigen Ton kenne ich doch von irgendwo her. Na klar, das ist doch O-Ton Donald Trump, nur nicht aus der Hotel-, sondern aus der Luftfahrtbranche.

Einerseits erfolgreich und bisher viel Geld verdient, andererseits ein ungezogener Rüpel. Immer die gleiche Platte, „ich habe sehr viel Geld verdient“, „ich weiß nicht nur wie mein Geschäft läuft, sondern ich habe auch die Weisheit für alles andere auf der Welt gepachtet“. Dabei ein ganz krummes Frauenbild haben und schnell wütend werden, wenn man sie darauf hinweist, dass sie gestern etwas vollkommen anderes gesagt haben als heute.
Letzteres jedoch nicht in der alten Adenauer’schen Unbekümmertheit – „was geht mich mein Geschwätz von gestern an“ – sondern in Sturheit darauf beharrend, es schon immer (und als Einziger) gewusst zu haben.

Dabei sind beide nur begrenzt Originale. Weder hat der eine die Politik, noch der andere das „Fliegen“ erfunden – auch nicht das Modell „Billigfliegen“ (da würde ich doch eher an Freddy Laker und vor allem an Southwest Airlines denken). Trump und O’Leary profitieren davon, dass die etablierten Modelle (Establishment in USA und traditionelle Hub-Airlines in Europa) sich sehr schwer tun, in die Neuzeit zu kommen.

Insofern basieren die Modelle der beiden Herren nicht auf wirklich Neuem, sondern eher auf Fehlerkorrektur des „bisherigen alten Systems“ und dabei natürlich auf Speed (im Sinne von Geschwindigkeit!). Beide sind zu ihrem Reichtum gekommen, indem sie ihre Mitarbeiter und ihre Geschäftspartner ausbeuten – so funktioniert eben ihr persönliches „neues System“.
Die mögliche lapidare Erklärung, es müsse ja niemand Geschäfte mit Trump beziehunsweise O’Leary machen, verkennt allerdings, dass die aktuellen Verwerfungen als Folge des entstandenen Neo-Liberalismus (unter anderem Lohn- und Sozialabbau sowie die Verwirrung der öffentlichen Hand, sich da zurechtzufinden) einer gewissen geschäftlichen Skrupellosigkeit in die Karten gespielt haben.

Es ist wohl kein Zufall, dass gerade bei Verkündung des „tollen“ Ryanair-Ergebnisses massive Sozialdumping-Vorwürfe wieder laut werden. Da viele Kosten nun mal in der Fliegerei identisch sind, bieten sich insbesondere radikale Kürzungen im Bereich der Personalkosten an. Die Verträge insbesondere mit seinem fliegenden Personal sind Ausbeutung pur. Das „wer nicht will, kann ja auch woanders arbeiten“ geht leider an den tatsächlichen Möglichkeiten vorbei.

Ganz typisch die sarkastische O’Leary-Reaktion auf die Vorwürfe, statt mit echten Argumenten lieber mit einem dümmlichen Spruch zu antworten: „Die (Gegner) behaupten, wir versklaven die Piloten im Alter von sieben Jahren, geben ihnen kein Essen und sperren sie nackt ins Cockpit.“ Das ist das typische Trump-Ablenkungsmanöver. Aber wie sollte er seine „atypischen Beschäftigungsmodelle“, bei denen der Wettbewerb knallhart auf dem Rücken der Belegschaft ausgetragen wird, auch vernünftig verteidigen.
Kritische Beiträge über O´Leary werden zumeist gekontert mit dem Argument, aber der Erfolg gäbe ihm recht. Der Zweck darf aber nicht die Mittel heiligen, sonst können wir auch Fans der FIFA, von Carsten Maschmeyer und anderer Erfolgsmodellen sein.

Typisch O’Leary (in der Trump-Kopie), dass er die von dem „Zeit“-Journalisten vorgelegten Fakten (teilweise aus seinem eigenen Jahresbericht zitiert) abstreitet oder schlichtweg nicht kennt (auch letzteres halte ich für möglich). Natürlich fehlt auch nicht sein Dauerhinweis, wie schnell sich sein Vermögen verdoppeln wird, während die Konkurrenten pleitegehen (Eurowings) oder an Lufthansa verkauft werden (Air Berlin).

Besonders gefährlich waren und sind diese Ryanair-Geschäftspraktiken, weil die konkurrierenden Airlines glaubten und noch glauben (bis hin zu Lufthansa), nur durch Kopieren dieser Methoden erfolgreich sein zu können. Dabei stößt das Ryanair-Modell, wie jedes Billigmodell, irgendwann an Marktkapazitätsgrenzen. Insofern ist der Bezug von O’Leary auf Aldi (wahrscheinlich unfreiwillig) richtig, weil auch der Discounter-Markt heute nicht mehr insgesamt, sondern einzelne Unternehmen nur noch zu Lasten der Konkurrenten wachsen.

Allerdings muss ich zugeben: O’Leary hat hier die Nase wieder im Wind, wenn er neuerdings Kundenfreundlichkeit, mehr Möglichkeiten an Bord, Vielfliegerprogramm oder auch das Anfliegen der zentralen Airports und so weiter herausstellt, während die Konkurrenten hier noch über Verschlechterungen nachdenken.

Früher habe ich immer geglaubt, das sei perfektes Marketing was er so an Sprüchen raushaut, heute denke ich eher O’Leary glaubt das selbst, was er so von sich gibt. Übrigens ein typischer CEO-Fehler, wenn der Zenit überschritten ist.
„Seit wir angefangen haben, netter zu den Kunden zu sein“ – man höre und staune – „laufen auch meine Pferde viel besser. Netten Menschen geschieht Gutes“, so O’Leary. „Solange die Luftverkehrssteuer in Deutschland existiert, werden wir da nicht mehr expandieren.“ Schon vergessen. Ryanair expandiert inzwischen, trotz der immer noch existierenden Steuer.

Aber unverzeihlich ungezogen finde ich den Interview-Abschluss mit dem Bezug auf sein Familienleben. „Meine Kinder denken sowieso, dass ich ein Idiot bin, so ist das auch in Ordnung. Wenn sie das nicht denken würden, dann werden sie sowieso nutzlos sein.“ Und ganz besonders niedriges Niveau finde ich dann seine Folgerung: „Ich würde gerne mehr Zeit mit meiner Frau verbringen – aber nicht, wenn sie vier unter zehnjährige Kinder hat.“
Entweder Frau O’Leary liest diesen Quatsch in seinen Interviews nicht – oder sie denkt wie ihre Kinder über ihren Mann.

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Tourismus als Trostpflaster

Erinnern Sie sich noch an die letzten BBBs, von wegen „Tourismus, nicht geliebte Branche“. Jetzt haben CDU und Grüne in Baden-Württemberg noch einen draufgesetzt.

Guido Wolf, Spitzenkandidat der CDU bei der Landtagswahl, erzielte eines der schlechtesten Ergebnisse aller Zeiten für die CDU. Ungeachtet dessen, wollte Guido Wolf aber unbedingt neuer Wirtschaftsminister werden und war wohl auch schon als solcher auserkoren. Da liefen die Wirtschaftsverbände im „Ländle“ Amok. Er, also Wolf, habe von vielem keine Ahnung, aber von Wirtschaft am allerwenigsten. Für einen wirtschaftlichen Aufbruch stehe er auf keinen Fall. Hinter den Kulissen war die Diskussion darüber wohl ziemlich heftig, dass die CDU-Oberen unter diesem Druck einknickten.

Guido Wolf (gelernter Jurist) soll nun neuer Justizminister werden. Damit war Wolf, obwohl er als Super-Loser eigentlich keine großen Ansprüche stellen sollte, nicht zufrieden. Als Trostpflaster bekam er dann noch Europa dazu und, jetzt müssen alle BBB-Leserinnen und Leser sehr stark sein, Tourismus.
Das ist eine bodenlose Frechheit gegenüber dem Tourismus. Man rekapituliere: Die Wirtschaftsverbände sagen laut und vernehmbar Wolf hat nicht nur keine Ahnung von Wirtschaft, sondern würde dieser sogar schaden. Aber Tourismus ist so unwichtig, dient ganz offensichtlich nur als Verschiebemasse im Postengeschacher, dass man dafür keinerlei Wirtschaftskompetenz braucht. Schlimmer geht’s nimmer. Pfui CDU, schämt Euch dafür. Justiz und Tourismus, selbst in einem Albtraum würde mir das nicht einfallen.

Mir tun nur die Vertreter des Tourismus in Baden-Württemberg, die ich zum Teil persönlich kenne, leid. Die haben bisher einen so tollen Job gemacht, dass der Tourismus „ins Ländle“ auch im bundesweiten Vergleich topp da steht. Vielleicht ist das die einzig gute Nachricht. Dieser Tourismus in Baden-Württemberg ist so stark, dass ihn wahrscheinlich selbst Wolf nicht kaputtmachen kann.
Halt, eine Qualifikation von ihm habe ich in einem seiner „ganz besonderen“ Wahlkampfspots gesehen. Er kann mit großer Begeisterung eine Kinderrutsche runterrutschen. Also, zur Eröffnung eines Freizeitparks ist er vielleicht doch eine große Attraktion.

Da mir ohnehin schon schlecht ist, habe ich die Absicht, nächste Woche, mit Unterstützung des pfingstlichen Heiligen Geistes, etwas über „ fluege.de“ zu schreiben. Den Titel habe ich schon: Was erlauben fluege.de?
Danach noch etwas zum Thema Türkei, Tourismus, Flüchtlinge, EU-Politik und Visa-Freiheit. Titel dafür habe ich auch schon: Warum Appeasement Politik gegenüber einem Diktator schon einmal schiefging.

Na dann trotzdem: Frohe Pfingsten.

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Die von der Regierung nicht geliebte Branche

Wieder einmal wird der Tourismusbranche deutlich gezeigt, dass sie in den Augen unserer Regierung ein „Nichts“ im Vergleich zu anderen Branchen ist. 

Zum Beispiel: Unsere Kanzlerin hat die Automobilbranche besonders in ihr Herz geschlossen. Schon vor einigen Jahren intervenierte sie bei der EU-Kommission, um kurz vor Beschluss schärfere Abgaswert-Festlegungen zu verhindern.
Wie dankte es ihr die „hochangesehene“ Branche danach? Mit raffiniertem Betrug.
Wie regiert darauf die Regierung? Mit sehr milden Ermahnungen und einer dicken Belohnung.
Unzweifelhaft hat die Automobilindustrie die Entwicklung von E-Autos nicht genügend vorangetrieben, weil sie ihre Innovationskraft vornehmlich für Manipulationen verschwendet hat, statt für Zukunftsentwicklungen. Unsere Regierung negiert das und steckt künftig richtig viel Geld in die Branche, um eine schnellere Entwicklung von E-Autos zu fördern. Als Krönung gibt es eine Neuauflage der Abwrackprämie, nur jetzt mit Strom.

Jetzt werfen wir zum Vergleich wieder einen Blick auf unsere Tourismusbranche. Es geht ihr nicht besonders gut, weitgehend unverschuldet. Zu viele weltweite Krisen. Hilfe, Erleichterungen? Nicht mal angedacht. Die Regierung verschärft die Situation zusehends: 
Der nicht zu fassende krumme „Deal“ (dieses Schmähwort hört unsere Regierung laut Regierungssprecher nicht gerne) mit Erdogan ist ein 180 Grad-Schwenk in der Flüchtlingspolitik, aber man weigert sich das offiziell zuzugeben. Das verunsichert viele potenzielle deutsche Türkei-Touristen nachhaltig.
Die Steigerung dann durch das Außenministerium, deutsche Touristen sollen in der Türkei auch im „persönlichen Gespräch keine kritischen Bemerkungen machen“. So eine Schwachsinnsäußerung zum Thema Sicherheit hat das Ministerium noch nie abgesondert. Dann hätte man konsequenterweise gleich eine Reisewarnung aussprechen können. 

Aber es kommt noch dicker. Nächste Woche erhält die Türkei (sprich Erdogan), wie es aussieht, die „geforderte“ Visafreiheit, obwohl höchstens die Hälfte der notwendigen Voraussetzungen erfüllt sein werden. So etwas hat es in unserer Außenpolitik bislang noch nie gegeben. 

In den letzten Wochen wurde in einigen Medien mal wieder das Thema „Wie moralisch müssen Urlauber sein?“ ausgebreitet. Da fällt mir wieder der Klassiker von Hans Magnus Enzensberger „Aufstand der Bereisten“ ein, mit der Drohung, eines Tages kommen die „Bereisten“ alle zu uns (um zu bleiben). Aber die Flüchtlinge, die aktuell kommen, kommen nicht, weil wir Reiseweltmeister sind, sondern weil wir auch weltweit führend in Waffengeschäften sind.

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Das dümmste Interview des Jahres

Das einzige was beim Berliner Flughafen BER regelmäßig fliegt, sind die Führungskräfte. Aber selten war ein Rauswurf so zwingend, wie der des Pressechefs Daniel Abbou. Der BER-Pressechef ist nicht über seine „offenen Worte“ gestürzt, wie es in den meisten Medien zu lesen war, sondern über seine unglaubliche Arroganz.

Als ich am Sonntagmorgen sein Interview im Fachmedium PR Magazin las, hätte ich fast meinen Kaffee verschüttet. Sagt er doch allen Ernstes: „Glauben Sie mir , kein Politiker, kein Flughafendirektor und kein Mensch, der nicht medikamentenabhängig ist, gibt Ihnen feste Garantien für diesen Flughafen“. Abgesehen, von der absolut unmöglichen Sprache, dachte ich: „Daniel Abbou, schau` mal bei diesem Satz in den Spiegel. Was immer Du heute Morgen gefrühstückt hast – iss es nie wieder.

Ein Pressesprecher soll der Pressesprecher für sein Unternehmen sein. Daniel Abbou ist wohl offensichtlich primär Pressesprecher für Daniel Abbou. Das kann nicht gut gehen. Über seinen Boss, Flughafenchef Karsten Mühlenfeld, sagt er: „Herr Mühlenfeld ist absolut lern- und kritikfähig, das ist ein großer Vorteil“. So einen Satz überlebt kein Pressesprecher, das hat nichts mit „klaren Worten“ oder „Ehrlichkeit“ zu tun, das ist schlicht ungezogen.
„Wie groß das Ego von Daniel Abbou ist, sieht man auch an diesem Satz: “„Mein Technikchef hält weiter …..“. Wie bitte, „mein“ Technikchef? Da ist sie wieder, diese unerträgliche Arroganz, frei nach dem Motto: mein Auto, mein Haus, mein Technikchef. Wenn man dann noch an anderer Stelle liest, wie er sich über eine Äußerung von Mühlenfeld über den Rechnungshofbericht auslässt: „da war der Punkt gekommen, an dem ich meinen Kopf auf die Tischplatte geschlagen habe“, weiß man, dass so etwas doch bleibende Schäden verursachen kann.

Einen echt sachlichen Inhalt sucht man in seinem Interview vergebens. „Bullshit“ und „scheiße gelaufen“ soll zackig klingen, aber ersetzt keine echte Aussage. Wenn er zum Thema Eröffnung sagt: „…selbst wenn wir 2017 nicht schaffen sollten, wäre die Eröffnung relativ zeitnah“, dann wird deutlich, dass er seine Stärken mehr als Comedian hat.
Letztes Zitat aus seinem Interview: „..aber bis zur Eröffnung, wann auch immer, werde ich dabei sein“. Leider auch falsch.

Wie heißt es so zutreffend: „Alles Schlechte hat auch etwas Gutes. Es kann immer noch als schlechtes Beispiel dienen.“ Insofern, ab mit dem Interview in die nächste Pressesprecher-Schulung. Wobei mich interessieren würde, was die Redaktion vom PR-Magazin (immerhin eine Fachzeitschrift für PR) gedacht hat, als Abbou dieses Interview, mit diesen Formulierungen, zur Veröffentlichung freigegeben hat.

Schmunzeln konnte ich dann doch noch über die Formulierung in einer Berliner Tageszeitung: „Daniel Abbou, 45, SPD…..“. Passt zusammen, beide, Abbou und SPD, hatten in den letzten Wochen wirklich keinen guten Lauf.

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