Reisen zu „falschen Urlaubs-Freunden“

Nein, das ist nicht der 1000. Aufguss von Wullfies Urlaubsreisen zu seinen Wirtschafts-„Freunden“. Hier geht es um den 1000. Aufguss des alten Gequengels von Reise-Kritikern, man solle keinen Urlaub in totalitären Staaten verbringen. Neu aufgebrüht wurde diese Geschichte unter der Überschrift „Urlaub beim Diktator“ in der „Welt am Sonntag“ vom 22. Januar (und Welt online), allerdings fast fair in einer Gegenüberstellung von pro und contra.

Zusätzlich wäre hier allerdings noch die Frage zu klären „wie kann der Urlauber überhaupt wissen“ ob in seinem potenziellen Urlaubsland ein Diktator herrscht? Schließlich haben wir alle im letzten Jahr erfahren, wie „überrascht“ Merkel, Westerwelle und Co. waren, als sie erfahren haben, dass der liebe Herr Mubarak und der noch liebere Herr Gaddafi Diktatoren gewesen sein sollen, die eben so „überraschend“ einem totalitären Regime vorstanden (wobei bis kurz vorher völlig unbekannt war, was „Regime“ überhaupt bedeutet).
„Herr Mubarak ist ein großer Freund Deutschlands“, wurde öffentlich von Frau Merkel bei einem seiner letzten Besuche in Deutschland im TV verkündet. Dann wird man doch auch seinen Freund in Ägypten besuchen dürfen. Wobei wir uns fast alle (sehr gerne) mit seinen Untertanen zufrieden geben mussten. (Siehe auch die Bissigen Bemerkungen vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“)

Ist es dem Touristen nicht auch „verboten“ in Staaten zu reisen, in denen es noch die Todesstrafe gibt? Hoppla, dann ist es mit den Reisen in die USA leider auch vorbei. Da möchte ich gerne die Reaktion unserer regierenden Madame erfahren, wenn man ein „Reiseverbot in die USA“ postulieren würde.

Und wie ist es mit Myanmar (früher Burma), das sich neuerdings immer stärker für ausländische Touristen öffnet. Darf man da jetzt gleich hinfahren oder sollte man noch eine Schamfrist abwarten?

Und jetzt gibt es noch eine neue Moralfront: „Cook verkauft Töchter“.
Haben Sie diese Überschrift in der aktuellen fvw gelesen? Ist das nicht schlimm, trotz aller Integrationsbemühungen werden immer noch „Töchter verkauft“ (und auch noch in aller Öffentlichkeit angeboten). Demnach müssen sich Touristen aus moralischen Gründen nicht nur Gedanken darüber machen „wohin sie reisen“, sondern auch mit „wem sie reisen“.

Allerdings kommt das ganze bei Cook nicht von ungefähr. Schließlich hatte Thomas Cook selbst eine schlimme Kindheit (siehe Financial Times Deutschland vom 30.11.2004: „Karstadt/Quelle will seine Tochter Thomas Cook verpfänden“). Auch damals war schon vom „Verkauf der Tochter“ die Rede, was die BBBs am 27.12.2006 zur Bemerkung veranlasste: „Es ist schwer zu beurteilen was schlimmer für das Kind Thomas Cook ist, verkauft oder verpfändet oder behalten zu werden“.
Heute wissen wir, dass Letzteres der Fall war, leider. Welche Tragik in dieser Familie.

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Reisen zum Weltuntergang

Am 21.12.2012 findet der (diesjährige) Weltuntergang statt. So sagt es zumindest der Maya-Kalender. Die Reiseveranstalter freuen sich jedenfalls, dass deshalb Reisen nach Mexiko boomen.
Aber Achtung, die Veranstalter berechnen für Reisen die über das Datum 21.12.2012 hinweg gehen auch den Rückflug. Warum eigentlich?

Sind Flüge nach dem Weltuntergang überhaupt noch möglich? Wenn nicht, warum kassiert der Veranstalter Geld für etwas das nicht stattfinden kann. Aber der Rechtsanspruch ist etwas schwierig zu formulieren. „Ungerechtfertigte Bereicherung“ kommt nicht in Frage, denn es gibt ja eine (formale) Rechtsgrundlage. Auch die „Bereicherung“ selbst dürfte schwierig nachzuweisen sein, wenn nach dem Weltuntergang niemand mehr bereichert ist.

Ganz anders dürfte die Rechtslage sein, wenn der Weltuntergang ausfallen sollte. Dann könnte die Anspruchsbasis „Wegfall der Geschäftsgrundlage“ sein. Aber auch hier Achtung, es wurde schon einmal eine Klage „bei einem Abenteuerurlaub hätte nie Lebensgefahr bestanden“ abgewiesen. Begründung unjuristisch ausgedrückt: „Lebensgefahr“ dürfe nicht Teil eines Veranstalterangebotes sein. Ist dann das Angebot zum Weltuntergang zu reisen, nicht sogar eine Steigerung von „Lebensgefahr“?

Und warum muss ich zum Weltuntergang überhaupt irgendwohin reisen? Findet der Weltuntergang nur regional statt?
Sicherlich kann man das ganze auch „in Ruhe“ zuhause erleben.

Und wenn Sie noch am Diskutieren und Wetten sind, ob tatsächlich am 21.12. der Weltuntergang stattfinden wird, kleiner Rat von den BBBs. Halten Sie Abstand von Christian Wulff und Philipp Rösler. Bei denen wird der Weltuntergang garantiert noch früher stattfinden.
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Die BBBs von letzter Woche „Den Schuh zeigen“ haben nicht nur ein großes Leserecho gefunden, sondern viele Leser zu einer Mail an die Bissigen Bemerkungen veranlasst. Alle, ich wiederhole „alle“, Emails hatten nur einen Tenor: Warum fehlte in der Aufzählung wem man den Schuh zeigen sollte, der ausgewiesene „Intimfeind der BBBs“ Minister Peter Ramsauer?

Liebe Leserinnen und Leser, Sie haben recht und ich möchte mich für meinen Fehler entschuldigen. Meine Anwälte werden die näheren Umstände dazu im Internet veröffentlichen. Ich denke die Sache ist damit erledigt. Es muss in diesem Land doch noch möglich sein, Fehler zu machen und sich dafür zu entschuldigen.
Ich möchte noch einige Zeit die BBBs schreiben und möchte darum bitten, erst nach Abschluss meiner gesamten Arbeit bewertet zu werden.
Mit Demut
Karl Born

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Den Schuh zeigen

Deutschland ist wiederum ein Stück multikultureller geworden. Zuerst war es der touristisch geprägte „Import“ von anderen Speisen und Getränken. Durch unsere touristischen Erfahrungen angeregt und danach dank vieler Gastarbeiter-Lokale geprägt, gehören inzwischen auch Spaghetti, Döner, Stifado, Cevapcici und Chianti, Raki, Ouzu, Slivovitz und vieles mehr zu Deutschland. Aber Multikulti macht natürlich noch viel mehr aus. Die Vermischung vieler kultureller Eigenschaften prägt inzwischen Deutschland in Vielfalt. Und zuletzt machte sich auch unser aktueller Bundespräsident verdient, in dem er auf die religiöse Vielfalt in unserem Land hinwies („Der Islam gehört zu Deutschland“). Ausgerechnet ihn traf nun der neueste „Kultur-Import“, den „Schuh zeigen“, als Zeichen von Verachtung. Ohne den Anlass dieser Aktion in den BBBs ansprechen zu wollen, kann damit festgehalten werden, dass hier eine neue Form von Protest bei uns eingeführt wurde und wahrscheinlich auch auf Dauer gelebt werden wird.

Die Bissigen Bemerkungen, als permanenter Vorreiter und Wegbereiter von Multikulti, greifen diesen Gedanken hiermit auf und überlegen, wo diese Protestform demnächst angewendet werden könnte.

Unser erster Kandidat ist Bundesfinanzminister Schäuble. Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle die unselige Luftverkehrsabgabe kritisiert, deren negativen Auswirkungen wie befürchtet inzwischen auch eingetreten sind. Mit den BBBs vom 17.10.2011 („Verar…. kann ich mich selbst“) wurde auf die lächerliche Senkung der Luftverkehrsabgabe ab 1.1. dieses Jahr um 44 Cent hingewiesen (bezogen auf die Kurzstrecke). Auf den berechtigten öffentlichen Protest, dass diese Senkung nicht ausreichend sei, hat nun Schäuble nochmals „nachgearbeitet“ und die Luftverkehrsabgabe um weitere 6 Cent (in Worten „sechs“ Cent) gesenkt. Hier gilt das am 17.10. ausgedrückte „Verar…. kann ich mich selbst“ noch deutlich mehr. Oder, um es internationaler auszudrücken, „zeigt Schäuble den Schuh“.

Ebenfalls „den Schuh zeigen“ sollte man allen Bürgermeistern, Oberbürgermeistern, Regierenden, die über Kultursteuer, Bettensteuer, Matratzenmaut oder wie es immer heißen mag, vornehmlich die Touristen die ihre Städte besuchen auf wegelagerische Art abzocken und bösartiger Weise dies auch noch als Förderung des Tourismus bezeichnen. Liebe Touristen, zeigt auch diesen Typen „den Schuh“.

Gerne nehmen die Bissigen Bemerkungen weitere Anregungen entgegen, wem man noch „den Schuh zeigen“ sollte. Interessant wäre z.B. auch eine Betriebsversammlung (wo auch immer) in der die Mitarbeiter kollektiv der Unternehmensleitung den Schuh zeigen würden.

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Erste Personalentscheidung in 2012 gefallen

Das neue Jahr ist nur wenige Stunden alt und schon ist die erste wichtige Personalentscheidung gefallen. Thomas Cook plc hat einen neuen Boss.
Lange wurde gesucht, viele Namen aus der Branche wurden genannt.
Jetzt ist der Nachfolger bekannt und es ist eine Sensation.
Der neue Chef von Thomas Cook (Name ist noch vertraulich) kommt von der Hypo Real Estate, kurz HRE genannt.
Er verfügt über keinerlei Erfahrung im Reisegeschäft, aber er bringt etwas mit, was bislang allen anderen Kandidaten fehlte, aber Thomas Cook dringend braucht. Er weiß wie man überraschend 55 Mrd. Euro im eigenen Haus findet.
Merke:
Kannste keinen Scheich an dich binden,
musste die „Kohle“ eben selber finden.

Diese überraschende Personalentscheidung dürfte auch Druck auf TUI Travel ausüben.
Man darf gespannt sein, wie der Kurs der zuletzt gebeutelten Thomas Cook-Aktie jetzt nach oben schnellen wird.

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Da die letzten BBBs im alten Jahr (BBB vom 19.12. „Weihnachten auf arabisch“) aufgrund der aktuellen Entwicklung am Montagmorgen mit heißer Nadel gestrickt wurden, sind dabei die Weihnachts- und Neujahrsgrüße leider unter den Tisch gefallen. Sorry. Liebe Leserinnen und Leser wir hoffen ein schönes Weihnachtsfest gehabt zu haben!
Und jetzt noch ziemlich rechtzeitig: Liebe Leserinnen und Leser alles Gute für 2012. Es wäre schön, wenn Sie auch in 2012 das Interesse für die Bissigen Bemerkungen, nun ins 12. Jahr gehend, beibehalten würden.

Das Jahr 2011 war ein echtes Erfolgsjahr für die BBBs. Über 460.000 visits (also nicht nur klicks) auf der Seite der BBBs wurden gezählt. Über 400 Neubestellungen des Newsletters, jetzt auf über 4.000 Abonnenten, machen uns stolz.

Die meist gelesene BBB in 2011 war jene vom 12.12. über Germanwings und Sado Maso. Allerdings muss hier selbstkritisch eingestanden werden, dass wahrscheinlich nicht jeder Leser zur echten Zielgruppe der BBB gehörte, sondern vielleicht etwas vom Titel fehlgeleitet war. Was soll`s, danke an Germanwings für die Hilfe.
Die zweitmeisten Besuche auf der BBB-Seite hatten wir in der Woche ab dem 27.6. Das ist auf den ersten Blick eine Sensation, denn in dieser Woche sind ausnahmsweise keine neuen Bissigen Bemerkungen erschienen. Wurden die BBBs so sehr von unseren Lesern vermisst, dass sie oft nachgesehen haben ob nicht doch noch „etwas kommt“?
Die drittmeisten Besuche erzielten die BBBs mit der Etihad-Adventsüberraschung am 19.12. Wahrscheinlich haben die Air Berlin-Mitarbeiter vor Freude die Geschichte mehrmals gelesen.

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Weihnachten auf arabisch

Advent, Advent ein Lichtlein brennt,
erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht Etihad vor der Tür.
Damit ist dem Air Berlin CEO Hartmut Mehdorn ein spektakulärer Ersatz für die aus Sparsamkeitsgründen ausgefallene traditionelle AB-Weihnachtsfeier gelungen.

„Der Islam gehört zu Deutschland“, sagte vor einiger Zeit der (Noch-) Bundespräsident und intime Air Berlin-Kenner Christian Wulff. Der Einstieg der Abu Dhabi-Airline Etihad mit 29% bei Air Berlin eröffnet für die „leicht“ angeschlagene Air Berlin neue Möglichkeiten. Zählt man hierzu noch den nächst größeren Aktionär Ali Sabanci der türkischen ESAS-Holding mit bislang 16% Anteil, dann weiß man wo künftig bei Air Berlin „der Hammer hängt“.

Damit wird sich das Air Berlin Schwergewicht von Dubai nach Abu Dhabi verschieben. Das dürfte auch von „Interesse“ für Dubai-Veranstalter sein (z.B. JT-Touristik).

Die Geschichte der Air Berlin-Großaktionäre spiegelt auch die Entwicklung der globalen internationalen Wirtschaft wider. Die Air Berlin Vorläufergesellschaft wurde von einem Amerikaner gegründet. Nach Ende des Kalten Krieges wurde Air Berlin deutsch. Dann gab es einen russischen Großaktionär (Blavatnik). Jetzt wird Air Berlin arabisch und es würde nicht wundern wenn der nächste Großaktionär ein Chinese wäre.

Sicherlich wird der finanzielle Aspekt für Air Berlin kurzfristig der wichtigste sein. Abu Dhabi ist finanziell noch potenter als andere arabische Länder. So ist z.B. der Abu Dhabi Investment Fond (ADIA) der weltgrößte eigenständige Fond. Langfristig dürfte es aber von größerer Bedeutung sein, die neue Verbindung mit strategischem Leben zu erfüllen, z.B. zusammen mit der One World-Allianz. Schließlich bedeutet Etihad im arabischen „Gemeinschaft“. Dann könnte Air Berlin ein wichtiger Player im Airline-Business werden und d e r Garant, dass der neue Berliner Großflughafen ein Erfolg wird.
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In eigener Sache:
Die Bissigen Bemerkungen wünschen allen Leserinnen und Leser ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2012.
Die nächsten BBB erscheinen erst wieder am 2.1.2012

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Zweimal außergewöhnlich: Germanwings im Sado-Maso-Fieber und Condor im Retro Look

Der Ausflug in das Sado-Maso-Milieu ist für Germanwings gründlich daneben gegangen. Anlass der Peinlichkeit ist ein Clip, den das Kölner Unternehmen auf seinem Youtube-Kanal hochgeladen hatte. Da bettelt ein Geschäftsmann auf Knien vor einer Domina „um Hiebe“, weil er Business-Class bei einer anderen Airline gebucht hat (könnte dem Text nach z.B. bei der Germanwings-Muttergesellschaft Lufthansa gewesen sein!!! Auch nett, sich über Buchungen bei der Muttergesellschaft lustig zu machen). Aber die (optisch eher magersüchtige) Domina betreibt Arbeitsverweigerung, denn „wer falsch bucht, ist schon gestraft genug“. Abgesehen davon, dass die „Dame“ hier irrt, denn oft sind jene gestraft, die „zu billig buchen“, ging der Spot im Social Web für Germanwings mächtig in die falsche Richtung.

„Wie blöd ist das denn“ oder „Mega peinlich und zum Fremdschämen“ und so ähnlich weiter lauteten die Kommentare der Facebook Fans. Und das will etwas heißen, denn den Facebook-Fans ist von Haus aus wenig peinlich. Eher im Gegenteil.

Und jetzt weiß auch Germanwings, was man von einer Domina erwarten muss: Kräftige Hiebe als Strafe! Lange hat dies Germanwings nicht ausgehalten. Wenige Tage später wurde der Spot (mit fadenscheiniger Begründung) wieder aus dem Netz genommen.
Merke: Wer zur Domina geht, sollte sich vorher überlegen, ob er die „Hiebe“ auch aushalten kann.

Anderes Thema, anderer Stil.
Trotz Kostendruck, wirtschaftlichem Gegenwind und Trouble bei der Muttergesellschaft Thomas Cook, hat sich Condor etwas geleistet, das die Bissigen Bemerkungen nie für möglich gehalten hätten. Der Condor Airbus A 320, D-AICA, wurde sonderlackiert im Retro-Outfit der 1960er Jahre (Typ Vickers Viking). Sieht echt klasse aus (mit der alten „Condor-Büroklammer“ am Heck).
Bei der Taufe dieses Flugzeuges auf den Namen „Hans“ (ganz in der Tradition der früheren Condor Jumbo-Jets „Fritz“ und „Max“) gab es auch die Premiere für einen großformatigen Bildband „Condor – Ferienflieger mit Tradition“ von Karl-Peter Ritter (A 320 Flugkapitän bei Condor). In diesem Buch wird in lobenswertem Stil nicht nur die Geschichte der Condor dargestellt, sondern das ganze auch prima in die jeweilige Zeit gesetzt. Aber fast noch faszinierender sind die außergewöhnlichen 400 teilweise doppelseitigen Flugzeug-Fotos aus fünf Jahrzehnten. Man muss kein Condorianer sein, um diese Bilder zu lieben. Sie sind eine Freude für jeden Flugzeug-Fan. Das Buch ist erschienen im ursa minor Verlag (www.ursa-minor-Verlag.de) zum Preis von 49,95 Euro.

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Neuer Geniestreich von Ramsauer

Erfahrene BBB-Leser werden diesen Namen schön länger vermisst haben: Peter Ramsauer, spezieller „Freund“ der Bissigen Bemerkungen. Sein Engagement für Bahnhofstoiletten haben wir an dieser Stelle schon mehrfach „gewürdigt“, ebenso wie sein Nicht-Kümmern um das elementarste Flugproblem Europas: Single European Sky. Aber jetzt hat Ramsauer wieder mal mit einer epochalen Entscheidung von sich reden gemacht.

Aber zuvor müssen wir Sie, liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen, sicherheitshalber darauf aufmerksam machen, dass heute nicht der 1. April ist. Denn als Aprilscherz, hätte die Entscheidung von Ramsauer alle Chancen einen Top-Platz zu belegen. Aber wir befinden uns kurz vor Jahresende. Vielleicht wollte Ramsauer so kurz vor Schluss nochmals mit einem richtigen Paukenschlag in die Presse gelangen. Kommen wir also zur Sache.

Das Bundesverkehrsministerium hatte einen Wettbewerb zum Thema „Erfolgskonzepte in der kommunalen Straßenerhaltung“ ausgerufen. Ziel des Wettbewerbs war es, innovative und beispielhafte Ideen und Lösungen zu finden, mit denen bereits heute Kommunen in Deutschland den Verfall ihrer Straßen bekämpfen. Neben vier anderen Städten wurde auch die Stadt Ratzeburg ausgezeichnet. Und jetzt raten Sie mal für welche Innovation?
Die Stadt Ratzeburg wurde ausgezeichnet für Ihr Konzept „Lesungen auf Straßenbaustellen“. Zitat Ramsauer anlässlich der Preisverleihung, die er natürlich persönlich vornahm: „Ich freue mich, dass die Kommunen neue Ideen zum Straßenerhalt entwickeln und erproben.“

Leider wurde nicht überliefert, worin nun die Genialität der Ratzeburger Idee besteht. Übertragen die Ratzeburger ihre Lesungen mit überdimensionalen Lautsprechern, damit es den wartenden Autofahrern kurzweiliger vorkommt? Nein, das muss schon mehr sein, schließlich geht es um das Thema „Straßenerhalt“.
Na klar, ganz einfach, man muss nur darauf kommen. Die Ratzeburger lesen ihre Straßenprobleme einfach weg. Kann doch sein, man „bespricht“ ja auch Warzen, damit sie verschwinden. Einmal „hokus pocus fidipus“ gesagt und flugs ist der Straßenschaden verschwunden. Sicherlich wird aus dem Buch von Elias Piluland gelesen (1634 erschienen), in dem der Begriff des hokus pocus erstmals auftauchte. Der deutsche Titel lautete übrigens „Hokus Pocus oder Taschen-Spieler“. Nicht, dass da jemand persönlich gemeint sein sollte. Laut wikipedia (ausnahmsweise mal zitiert) steht „Hokuspokus“ auch für „großes Getue um nicht erkennbare Taten“.
Liebe Leserinnen und Leser, falls Sie diese Woche Probleme im Arbeitsalltag haben, starten Sie die Problemlösung doch auch einmal mit einer kleinen Lesung (vielleicht aus dem Buch von Guttenberg „Vorerst gescheitert“, natürlich mit Betonung auf “vorerst”).

Fast zur gleichen Zeit mit der Preisverleihung wurde der Etat 2012 von Peter Ramsauer im Bundestag verabschiedet. Stolz verkündete der Minister: „Verlässlich hohe Investitionen in die Bereiche Verkehr, Bau und Stadtentwicklung bedeuten mehr als Asphalt und Beton. Sie sichern Wachstum und Wohlstand in unserem Land“. Und in der Tat steht mehrjährig jetzt eine Milliarde zusätzliche Investitionsmittel zur Verfügung. Die Freude darüber legt sich allerdings etwas, wenn man sich die Mittelzuteilung ansieht: 600 Millionen mehr gehen in den Straßenbau (wie viel davon in Lesungen?) und nur 100 Millionen mehr entfallen auf die Schiene. Ökologische Orientierung sieht jedenfalls anders aus.

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Man mag es kaum glauben…….

Laut Financial Times Deutschland werden bei Lufthansa bestimmte Kunden auf der Passagierliste gekennzeichnet. So bedeute ein Pluszeichen neben dem Namen, dass der Kunde besonders umsatzstark sei. So weit so gut. Aber ein Kunde will auch das Kürzel „RAL“ neben dem Namen entdeckt haben. Angeblich sei das ein Kennzeichen für „besonders nervige“ Kunden. Ausgeschrieben würde das Wort mit „Riesen..“ beginnen, dazwischen etwas mit „A..“ und mit „..loch“ enden. Aber das ist sicherlich nur eine Zeitungsente, oder doch nicht?

Vor dem Einsteigen in ein Flugzeug sollte man auch sicherheitshalber fragen, ob das Flugzeug vorher im chinesischen Xiamen zur Überholung war. Ein A340 der Air France wurde in Boston gegroundet, weil drei Dutzend (für nicht Mathematiker = 36) Schrauben an einem Teil der Außenverkleidung an der rechten Tragfläche fehlten. Immerhin hat es der Airbus trotzdem bis nach Amerika geschafft. Ein Glück, dass unsere „amerikanischen Freunde“ nicht nur bei der Kontrolle der einreisenden Menschen so rigide sind, sondern auch bei den „einreisenden“ Flugzeugen.

Von Ryanair-Boss O`Leary kennen wir den Spruch „Die Fluggäste mögen doch schon im Flughafen auf die Toilette gehen“, damit seine Airline Toiletten an Bord einsparen könne. Jetzt wurde O`Leary auf fast tragische Weise bestätigt. Ein 81-jähriger Passagier mit Blasendruck versuchte auf einem Flug nach Vietnam den Notausgang zu öffnen. In seiner „großen Not“ und offensichtlich „unter Druck“ verwechselte er die Türen zum Notausgang und zur Toilette. Gerade noch mal gut gegangen und auch ohne, dass der Fluggast „den Depardieu“ machen musste.

Aber nicht nur ältere Mitflieger sollten Sie im Auge behalten, sondern auch Flug-Neulinge. Ein 22-jähriger Student (was der wohl studiert?) wollte nach dem Start in Ho-Chi-Minh-Stadt den Notausgang öffnen um „die Aussicht besser genießen zu können“.

Und Sie sollten in Frankfurt keinen Flug nach 22 Uhr buchen, denn ab 23 Uhr gehen am Frankfurter Flughafen neuerdings die Lichter aus. Zumindest was Start und Landung betrifft. Und wenn es dann aus welchen Gründen auch immer etwas knapp wird mit dem Abfliegen vor 23 Uhr, dann heißt es „nichts wie weg“, notfalls auch ohne Koffer. So erging es 256 Passagieren der Condor auf dem Weg in die Dom.Rep. Also liebe Fluggäste, wenn Sie schon so spät fliegen, dann etwas mehr ins Handgepäck packen.

Dabei ist das grundsätzliche Schicksal der Condor ungewisser als die Zukunft des Nachtflugverbotes in Frankfurt. Die gute alte Condor hatte schon immer etwas Pech, entweder mit eventuellen Partnern (siehe BBB vom 14.7.2008 „Condor: die Braut, die keiner traut“) oder mit ihrer Muttergesellschaft Thomas Cook. Schon vor zwei Jahren suchten die Bissigen Bemerkungen verzweifelt „jemand“ der sich künftig um Thomas Cook kümmern würde (siehe BBB vom 7.9.2009 „Eltern gesucht“).
Und so wird neuerdings zum xten mal jemand gesucht, der die inzwischen 56-jährige Condor in eine sichere Zukunft führen könnte. Und da die Fantasie der Presse irgendwie auch begrenzt ist, fällt dann sofort der Name Hans Rudolf Wöhrl (so zuletzt in der Börsen-Zeitung). Würde gerade noch fehlen in Zusammenarbeit mit Achim Hunold.

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Da lacht der Reiserechtler

Als die Hong-Kong Airlines mit neun Stunden Verspätung in Hongkong landete, weigerten sich 80 Passagiere auszusteigen. Ihrer Meinung nach waren die von der Fluggesellschaft angebotenen (umgerechnet) 38 Euro für neun Stunden Verspätung zu wenig. Besonders hartnäckig waren 21 Passagiere, die fünf Stunden im Flieger ausharrten und ihren Prostest noch weitere drei Stunden am Flughafen fortsetzten. Als die Airline die Ausgleichszahlung auf (umgerechnet) 114 Euro erhöhte, waren die Protestler zufrieden. Na ja, 76 Euro für 8 Stunden Protest, ergibt nicht gerade einen überragenden Stundenlohn.

Natürlich kann es auch wesentlich schlimmer kommen. Die Fluggäste, die mit der österreichischen Comtel-Air-Maschine vom indischen Amritsar nach Birmingham fliegen wollten, wurden bei der Zwischenlandung in Wien massiv genötigt zusammen 20.000 Pfund (23.400 Euro) zusammenzulegen um die Tankrechnung für den Weiterflug zu zahlen. Filmaufnahmen aus der Maschine zeigen, wie das Kabinenpersonal darauf bestand: „Sie müssen zahlen!“ Man benötige „ein bisschen Geld um das Kerosin, den Flughafen und einiges andere zu bezahlen“. Pro Kopf musste jeder Passagier (Kleinkinder ausgenommen) rund 150 Euro zahlen. Vier Passagiere, die kein Bargeld dabei hatten, sind von der Besatzung zu einem Geldautomaten am Flughafen eskortiert worden. Wenn man obigen Stundenlohn als Maßstab nimmt, hätte die Fluggäste nach der Landung 16 Stunden im Flugzeug ausharren müssen um wenigstens ihre Ausgaben erstattet zu bekommen. Haben sie aber nicht, denn das Flugzeug hatte bei der Landung nicht neun Stunden Verspätung, sondern drei Tage!!!
„Sehr lustig“ war übrigens der Kommentar des Airline-Sprechers. Der meinte, das „sei nicht sein Problem, sondern ein Problem des Veranstalters Skyjet, der das Geld für diesen Flug nicht an die Airline überwiesen hätte“.

Ja liebe Reiserechtler, das sind doch zwei schöne Streitfälle für Euch.

Im Windschatten dieser Gruselmeldungen ging eine nicht unproblematische Lufthansa-Meldung unter. In der Financial Times war zu lesen: “Lufthansa schickt Leiharbeiter in die Kabinen”. Hoffentlich kommen die nicht von einem Inkasso-Unternehmen. Und, wann wird es die ersten Leiharbeiter auf Vorstandsebene geben?

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Ist Sex im Flugzeug erlaubt?

In der Welt am Sonntag vom 13.11.2011, Seite 80f, wurden 23 “drängende” Fragen aus der Welt der Luftfahrt an verschiedene Airlines gestellt. Wobei “drängend” sehr relativ zu bewerten ist.
Aber eine dieser eher harmlosen Fragen offenbart jedoch eine national unterschiedliche Denkweise, die direkt auf die Antwort des nationalen Carriers durchschlägt.

Frage: Drohen Strafen bei Sex im Flugzeug? Und wenn ja, welche.

Antwort Air France: Strafen gibt es keine, es sei denn, Mitreisende werden dadurch belästigt. (Anm. BBB: Eine typisch geniale franzözische Antwort.)
Antwort Lufthansa: Wir möchten diese Frage nicht beantworten. (Anm. BBB: eine typisch deutsche (Nicht-)Antwort.)
Antwort Air Berlin: Davon haben wir noch nichts gehört (Anm. BBB: Antwort typisch berlinerisch ungenau. Es bleibt offen, ob man noch nie etwas von Sex im Flugzeug gehört hat oder ob man noch nicht davon gehört hat, dass Sex im Flugzeug strafbar sei.)

Die letzte Frage in diesem Beitrag lautete übrigens: Was machen Piloten, wenn der Autopilot läuft? (Anm. BBB: Das wüssten wir jetzt auch gerne nach Fluggesellschaft getrennt.)

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