26. Nov 2001
In einer bekannten Zeitschrift, deren Namen ich aber trotzdem vergessen habe, wurden Top-Manager aus verschiedenen Branchen vorgestellt, die als Vordenker gelten. Leider wurde in diesem Beitrag nicht erläutert, was diese Manager dazubringt „vorzudenken“ statt „nachzudenken“, wie es andere Manager tun.
Was bedeutet eigentlich „vordenken“? Ist vordenken die Embryonalform von vorausdenken? Warum sind schon so viele Vordenker in ihrem Job nach einiger Zeit abgestürzt? Weil sie das nachdenken vergessen haben? Schließt vordenken und nachdenken sich aus? Braucht demzufolge jeder Vordenker noch einen Nachdenker?
Ist Vordenker ein Wort ähnlicher (reziproker) Qualität wie Gewinnwarnung (siehe Bemerkungen vom 22.10.).
In einer Zeitschrift der Bahn habe ich gelesen Hans-Olaf Henkel sei ein Vordenker (was nicht für die Bahn spricht). Dabei habe ich von ihm immer nur Wirtschaftspolitik von gestern gehört, ist demzufolge eloquentes wiederkäuen schon vordenken?
Ich selbst war vor einiger Zeit eingeladen, eine Rede auf einem Kongreß zu halten. Den ganzen Vormittag sprachen nur „Vordenker“. Ich sollte anschließend über das Thema reden „Kundenbindung konsequent zu Ende gedacht“. Da dieses Thema vom Veranstalter vorgegeben war, hatte er wohl selbst Zweifel, ob Vordenker zu Ende denken. Jetzt ist dummerweise mein Vortrag ausgefallen. Was heißt dies für die liebe Tourismuswirtschaft? Liegt hier die moderne Variante der Geschichte von Aloysius und der bayr. Staatsregierung vor?
Fragen über Fragen, über die ich jetzt erst mal nachdenken muss oder könnte mir das jemand vordenken?
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22. Okt 2001
Mehrere Firmen haben in den letzten Wochen eine „Gewinnwarnung“ herausgegeben.
Wenn Firmen schon vor ihrem Gewinn warnen, dann muss er doch ziemlich groß sein. Also habe ich schnell vor dem Urlaub ein paar Aktien dieser Firmen gekauft. Offensichtlich hat niemand außer mir, diese Gewinnwarnung gelesen, denn die Aktien gab es trotzdem sehr günstig. Leider bin ich reingefallen.
Jetzt hat mir mein Portfolio-Manager (wo habe ich dieses Wort schon mal gelesen?) erklärt, dass es zwar Gewinnwarnung heißt, aber eigentlich Verlustwarnung bedeutet. Ganz schön raffiniert! Also diese Kombinationen mit „–warnung“ werden jetzt meine Lieblingswörter.
Vielleicht gebe ich mal gegenüber meiner Frau eine Liebeswarnung ab. Garantiert stellt sie sich auch etwas anderes darunter vor. Hereingefallen!
Bisher war „Nullwachstum“ mein Lieblingswort. Auch schön raffiniert. Nullwachstum ist die nullste Stufe von Wachstum und damit irgendwie doch mehr als nichts.
Wachstum ist ohnehin etwas geheimnisvolles. Alle Reiseveranstalter haben in den letzten Wochen erklärt, dass sie stärker gewachsen seien als der Markt. Ich stifte einen Preis für den, der mir das mathematisch erklären kann. Oder ist der Markt wirklich so eine „Flasche“, dass alle Veranstalter ihn abhängen konnten. Vielleicht motivieren diese Zeilen den Markt besonders und eines Tages lesen wir, „der Markt sei stärker gewachsen als jeder Veranstalter“.
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15. Okt 2001
Marcel Reich-Ranicki kritisiert, dass ein „Reiseschriftsteller“ den Nobelpreis erhält.
Ein Reiseschriftsteller erhält den Nobelpreis für Literatur. Noch nie hat ein Reisemanager den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen. Damit ist bewiesen, was Spötter schon immer behaupteten: Diese Branche wird nur „schöngeschrieben“.
Ihre Entscheidung begründet die Akademie u.a. mit „Naipaul lasse die Ereignisse mit der ihr eigenen Ironie zu Wort kommen“. Dies ist auch das Prinzip der „bissigen“ Bemerkungen: Ich warte auf den berühmten Anruf.
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26. Jul 2001
Meldung in Welt online: Jede 3. Scheidung wird nach einem gemeinsamen Urlaub eingereicht. Besonders gefährlich für den Ehefrieden sei im Urlaub der 3. Tag.
Streitende Ehepaare schaden nicht nur ihrer Ehe, sondern auch Mitreisende. Ich erinnere mich an ein solches Abendessen, während dessen meine Tischnachbarin ihren Ehemann anzischte „Ich mag keine fremden Weiber auf meiner Couch im Wohnzimmer“. Dies ist nicht nur peinlich und mindert den Genuss eines schönen Essens, sondern stellt auch eine Gefahr für eine Folgediskussion unter bislang harmonischen Eheleuten dar, in der selbst der bravste Ehemann sich plötzlich peinlichen Befragungen ausgesetzt sieht. Auch der Versuch eine solche Diskussion aufzulockern, z.B. durch den Satz, daß das Thema „Fremde Weiber auf der Couch“ (Zitat von oben, nicht meine Ausdrucksweise) Ehemänner doch wesentlich toleranter sehen als Ehefrauen könnte die Situation eher verschlimmern.
Obwohl ich vom Ausgangsproblem persönlich nicht betroffen bin, weil die beste Ehefrau von allen (um Kishon zu zitieren) mit ihrem Groll gar nicht bis zum Urlaub warten könnte (unabhängig ob es Anlaß für Groll gibt), habe ich die relativ einfache Lösung des Problems gefunden: Gefährdete Ehepaare sollen einfach später in Urlaub fahren und ihren Urlaub mit dem 4. Tag beginnen
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5. Jul 2001
Siegfried Lehrl, Psychologe in Erlangen, hat sich in der Zeitung Modern Living mit der Meldung verbreitet, bei drei Wochen Nichtstun würde der IQ um 20 Punkte sinken. Bücher lesen oder Museen besuchen würde nichts dagegen nützen, weil nur die Wahrnehmung geschult würde, nicht aber das Denken. Notwendig wären Schach, Mühle, Bridge spielen und ähnliches.
Au weia, jetzt kommt es dicke für die Reiseveranstalter. Der Urlaub als Dummmacher! Auf die Titelseite der Kataloge kommt künftig, vom Bildungsministerium verordnet, die Warnung: Vorsicht, längerer Gebrauch dieser Ware macht dumm. Bei den verschiedenen Reiseformen muß künftig der Verdummungsgrad angegeben werden. Aber wer prüft das nach: Der Produktmanager, der Vorstandsvorsitzende, ein Aufsichtsratsmitglied oder ein Prof. aus Wernigerode?
Von 20 IQ-Punkte ist die Rede, das ist eine Menge. Das kann für einen xxxxxxx (die hier ursprünglich angegebenen Namen bzw. Berufsbezeichnung wurde von der Zensur gestrichen) der Verlust von einem Fünftel der Intelligenz bedeuten.
Dabei hatten wir erst kürzlich die Hiobsmeldung, daß längere Flug-Dienstreisen, das Gehirn schrumpfen lassen (siehe News vom 23.5.2001). Man stelle sich vor, Chef kommt zurück von Fern-Dienstreise und Mitarbeiter nach drei Wochen Urlaub und nun haben sie die erste gemeinsame Besprechung. Achtung Sekretariat: Bitte TO dieser Sitzung flach halten.
Dagegen muß etwas getan werden. Innovation ist gefragt. Auf den Einlaufseiten (diese Bezeichnung gefällt mir immer wieder aufs Neue) stehen künftig neben den Hinweisen zu Umweltschutz und Reiseleitung auch die Vorschläge zur Verminderung der IQ-Absenkung. Mühle spielen hatte der Psychologe vorgeschlagen. Was ist mit Strip-Poker, fällt das schon unter Denken oder mehr unter „bloße“ Wahrnehmung. Sind unterhemd- und latschentragende aber skatspielende Ballermänner doch die besseren Urlauber. Achtung liebe Mallorca-Regierung, gibt es jetzt eine neue Wertordnung über gute und schlechte Urlauber.
Was sagen Politiker, wenn sie nichts tun wollen? Wie werden die weitere Entwicklung aufmerksam beobachten.
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24. Mai 2001
Bericht in der neuesten Ausgabe von „Nature Neuroscience“:
Häufige Jetlags lassen einer Studie zufolge das Gehirn schrumpfen. Vielflieger mit wenig Erholungszeit zwischen den Flügen hätten erhebliche Gedächtnislücken.
Was hat man über manchen Manager den Kopf geschüttelt, jetzt ist Abbitte angesagt. Der unverständliche Zickzack-Kurs der letzten Zeit ist gar nicht Folge von mangelnder Konsequenz. Aufgrund vieler Auslands-Dienstreisen (es gibt ja soviel zu sehen in dieser Welt) hat man einfach die vorherige Entscheidung vergessen.
Das Stöhnen der Mitarbeiter, weil sie ihren Chef nicht mehr verstehen, manifestiert sich künftig in dem Satz: Streicht dem Chef ein paar Dienstreisen!
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