Archiv für 2002

Wann führen die Billig Airlines den „Minus- Preis“ ein?

Die Preise für Billigflüge bei den Billig Airlines fallen schneller als das herbstliche Laub. Auf 19,99 Euro folgten 1,99 Euro und als Steigerung verschenkt Ryanair Tickets für Billigflüge als Werbeaktion. Wann bekommt man endlich Geld cash auf die Hand, als Belohnung dafür, dass man fliegt?

Die Wortprägung „Minus-Wachstum“ hat schon vor längerem Eingang in unseren Sprachschatz gefunden, als euphemistische Bezeichnung für den Abwärtstrend. Was zur Zeit auf dem Sektor der sog. Billig Airlines geschieht, erschließt dem Wahnsinn jedoch eine neue Dimension. Wie sagte schon Nietsche: „Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern die Regel.“ Hätte er erst die Billig Airlines und Billigflüge gekannt!

Zweifellos haben die etablierten Airlines mit ihrem Hochpreis-Niveau diese Entwicklung direkt herausgefordert und wie beim Zauberlehrling nehmen die Dinge jetzt ihren Lauf. Als die 19,99 Euro auf den Markt kamen, war den Experten klar, da springt die nächste Billig Airline drunter. Über 16,90 Euro zu 10,90 Euro kamen letztlich als bisheriger Tiefpunkt die 1,99 Euro, soviel kostet z. Z. ein Burger bei McDonalds. Ryanair ist noch konsequenter, die verschenken einen Großteil der Tickets. Angeblich sollen es bis heute schon 900.000 verschenkte Tickets gewesen sein. Die Steigerung kann demzufolge nur noch sein, dass demnächst eine Billig Airline beim Erwerb eines Tickets noch cash Geld auszahlt: Der „Minus-Preis“ wäre geboren! Dieses Wort hätte alle Chancen „Wort des Jahres 2003“ zu werden (die BBB melden jetzt schon die Urheberschaft an diesem Wort an).

Bislang gab es eine (unausgesprochene?) Übereinkunft, dass touristische Strecken von diesem „Treiben“ auszunehmen seien. Auch hier lag es auf der Hand, dass es nur eine Frage der Zeit sein konnte, bis auf der dafür am allerbesten geeigneten Flugstrecke, nämlich nach Palma de Mallorca, der Preiskrieg beginnen würde. Kaum gedacht, schon geschehen. Nach Vertragsabschluß zwischen TUI und Germania, leider haben zu diesem Thema die Fachzeitschriften den „Bissigen Bemerkungen“ schon die Arbeit abgenommen, eröffnet Germania jetzt mit Mallorca eine neue Rennstrecke für die Billig Airlines. Der Preis für diese Billigflüge beträgt einheitlich 55 Euro, gut zu merken, weil gültig zu jedem Termin. Dieser Preis ist „billiger“ als jeder andere bisherige Earlybird, Sunshine, Kleeblattpreis oder sonstige Sonderpreis. Sofort konterte Air Berlin mit 49 Euro. (Frage: Warum muss Air Berlin eigentlich billiger sein als Germania?)

Wenn diese oder andere touristischen Strecken jetzt zum Wettbewerbsfeld der Billig Airlines werden, dann kann man sich noch auf manche Überraschung freuen und dann ist der „Minus-Preis“ in der Tat nicht mehr weit. Erstaunlicherweise macht es noch allen Spaß. In „Fragmente“, den philosophisch-aphoristischen Schriften von Novalis heißt es so schön: „Gemeinschaftlicher Wahnsinn hört auf, Wahnsinn zu sein, und wird Magie, Wahnsinn nach Regeln und mit vollem Bewusstsein.“ Dann „Guten Flug“.

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Die Lufthansa-Stewardess hat gelächelt.

Im Hotel versehentlich zwei Stunden zu früh um 5.20 Uhr (!) geweckt, die Sicherheitskontrolle in München genervt überstanden, der Flug verspätet, im Flugzeug „umgesetzt“ für Mutter mit weinendem Kind, Laune total im Keller, aber die Lufthansa-Stewardess hat gelächelt: Viele Überraschungen an einem Tag.

Kennen Sie Murphy? Wenn nein, sollten Sie ihn unbedingt kennen lernen. Von Murphy stammen die sog. Murphy-Gesetze, so schlaue Sprüche wie: „Gehen Sie immer davon aus, dass alles was schief gehen kann auch schief geht.“ oder „Wenn eine Sache schief geht, geht sie von Anfang bis Ende schief“. Sehen Sie, Sie kennen ihn doch. Der letzte Freitag war wieder so ein Murphy-Tag.
Erst nach Mitternacht war ich nach zuviel bayrischem Essen und einem Maß Bier ins Bett gekommen, hatte über die Rezeption zuvor noch einen Weckruf und eine Tageszeitung bestellt. Aus tiefem Schlaf weckt mich ein Klopfen an der Hoteltür, davor steht der „Hotelboy“ mit der FAZ in der Hand. Es ist 5:20 Uhr, zwei Stunden vor dem Wecktermin! Ich mag keine FAZ mehr und das Hotel mag ich künftig noch weniger. Der Check-In von Lufthansa scheinbar perfekt. Der Wunsch nach Gangplatz und bitte nicht direkt die Reihe nach dem Vorhang wird freundlich erfüllt. Aber dann: Sicherheitskontrolle Flughafen München. Warum müssen diese Sicherheitsleute so unfreundlich sein? Wann kapiert der erste Flughafen, dass man dies auch kundenorientiert freundlich machen könnte. 99,99% der Kunden die so misshandelt werden, sind friedliebende Fluggäste und keine Terroristen und letztere könnte man auch durch diese Unfreundlichkeit nicht abschrecken.
Der Lufthansa-Flug hat Verspätung, kann vorkommen. Man sitzt in der Wartezone. Gegenüber sitzt Mutter mit Kleinkind. Das kleine, vielleicht sechsjährige Mädchen weint und ruft nach ihrem Papi. Alle schauen hin und haben Mitleid.
Endlich im Flieger, Platz nehmen. Fast alle sitzen, jetzt schnell noch ein wenig schlafen. Die Mutter mit dem weinenden Kind kommt als letzte, im Schlepptau eine lächelnde Stewardess, der Mittelsitz neben mir ist noch frei und der Mittelsitz direkt hinterm Vorhang. Vor meinem geistigen Auge „grinst Freund Murphy“, denn jeder weiß, was jetzt passiert, die vermeintlich freundliche Check In-Hostess hat ganz raffiniert zugeschlagen. Die Stewardess fragt mich lächelnd, ob ich nicht bereit wäre zu tauschen, damit Mutter und Kind nebeneinander sitzen können. Die Laune fällt ins Bodenlose, aber da muss man durch. Mittelsitz hinter dem Vorhang, Hannover – München ist nicht weit, aber der Hin- und Rückflug kostet 480,56 Euro. Das ist viel Geld für einen so kurzen Flug in der Economy class, zuviel Geld, und so ein Sch….platz, Mittelsitz hinter dem Vorhang. So werden Gäste für die Billig-Flieger geboren.
Die neue Sitznachbarin, die vorher schon jedes Mal erschrak, wenn die Mitreisenden gigantische Gepäckmengen im Fach über ihr verstauten, ist auch nicht erbaut, einen miesgelaunten Sitznachbarn zu erhalten. Unbeirrt davon, lächelt mich die Stewardess bei jedem Vorbeigehen an, nach dem Motto: Dich packe ich auch noch, dass Du zurücklächelst. Bemerkenswert!
Die Sitznachbarin entpuppt sich überraschend als Dauer- Gesprächspartnerin. Die immer noch lächelnde Stewardess bringt ein kleines Geschenk und eine Cola extra. Bis Hannover hat sie es geschafft, beim Aussteigen lächle ich zurück.
Also liebe unbekannte lächelnde Stewardess des Fluges LH 894 vom 11.10.: Sie haben als einzige alles richtig gemacht und wieder mal bewiesen: Mit Lächeln kann man jeden schlechtgelaunten Passagier „besiegen“. Danke für meine Niederlage!

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Darm steht in Kontakt mit Gehirn

Der Darm ist weit mehr als nur ein Verdauungsorgan. Wissenschaftler der Uni Tübingen haben herausgefunden, dass der Darm in direktem Kontakt mit dem Gehirn steht (lt. Zeitschrift „ärztliche Praxis“).

Das konnte nun wirklich niemanden überraschen. Nicht ohne Grund sagt der Volksmund, wenn jemand Unsinn redet, „der redet Sch….“. Künftig wird man es etwas vornehmer formulieren „sein Darm hat sich gemeldet“.
Noch interessanter war allerdings die weitere Mitteilung. Dort hieß es: „Die Forscher reizten den Darm von Versuchstieren an bestimmten Stellen und stellten dabei fest, dass sich die Gehirn-Durchblutung der Tiere verändert hat.“
Logisch weitergedacht bedeutet dies: Wir müssen dem Kollegen, den wir wegen seiner „Speichelleckerei“ beim Chef schon oft derb als „A….kriecher“ oder verschlüsselt als „Enddarmbewohner“ bezeichnet haben, Abbitte tun. Wenn er dadurch die Gehirn-Durchblutung des Chefs fördert, dann erfüllt er tatsächlich eine wichtige Mission. Weiter so!

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Mentalitätswechsel

Man liest und hört es immer öfters: Wir sollen unsere Mentalität ändern. Der Regierende Bürgermeister von Berlin forderte es in seiner Regierungserklärung (wobei etwas unklar blieb von wem). Top-Manager fordern es von ihren Mitarbeitern, besonders nach Fusionen, je internationaler die Fusion, desto dringender. Aber niemand hat bisher erklärt wie so ein Mentalitätswechsel vorgenommen werden soll.
In einer Mitarbeiterzeitschrift wurde nun die Gebrauchsanweisung hierfür entdeckt.

Wir müssen die alte Mentalität ausbauen und die neue einbauen. Dabei ist wie folgt vorzugehen. Wir schalten kurz den Kopf aus, klappen die Abdeckung der Mentalitätskammer auf und entriegeln die Halterung. Dann ziehen wir flutsch die alte, nicht mehr genehme Mentalität heraus. Vorsichtig von der neuen grauen Einweg-Mentalität die Folie von den Lamellen abziehen und das Ding in Pfeilrichtung bis zum Anschlag reinschrauben. Nach dem Einrastgeräusch Kammer zuklappen und den Kopf wieder einschalten. Schon funktioniert der Laden viel besser.

(Der Dank für diese Anregung gilt der taz und F.W.Bernstein [von 1984 bis 1999 Professor für Karikatur und Bildergeschichte an der Berliner Hochschule der Künste].)

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Handschellen bei British Airways.

Eigentlich sind sie zum Fesseln randalierender Fluggäste gedacht. „Im vergangenen Jahr wurden 17 Passagiere mit unseren Handschellen gefesselt, aber es fehlen 255 Stück“, so schreibt der für Sicherheitssysteme verantwortliche Simone Packer ín der Zeitung Cabin Crew News (lt. taz vom 21.1.).

Ich höre die Stimme von Loriot: Ja, wo fesseln sie denn?
Das muss doch jeden potenziellen Passagier beunruhigen. Wie will British Airways die Sicherheit ihrer Passagiere gewährleisten, wenn die nicht mal die Sicherheit ihrer Handschellen gewährleisten können. Dann hätten sie eben die Handschellen fesseln müssen (notfalls mit Handschellen).
Aber wo sind die Handschellen jetzt?
1. Möglichkeit: In den privaten Schlafräumen des Bordpersonals.
Aber, kann man mit gestohlen Gut gut lieben? Andererseits stimulieren gestohlene Handschellen bestimmt mehr als gekaufte, irgendwie sind die „echter“. Hoffentlich haben die auch die Schlüssel mitgeklaut. Sonst erscheinen die Mitarbeiter von British Airways künftig zum Check-In Pärchenweise.
2. Möglichkeit: In den Diensträumen von Alan Stewart und Charles Gurassa (für Nicht-Touristiker: Stewart und Gurassa sind die Oberbosse der Touristikfirmen Thomas Cook und Thomson). Die armen Jungs stehen so unter Druck ihrer deutschen Chefs, dass sie das Thema Kundenbindung jetzt sehr energisch angehen wollen.
3. Möglichkeit: British Airways führt nicht genau Buch über die gefesselten Passagiere.
Die Fluggesellschaft sollte nicht 255 Handschellen suchen, sondern 255 mit Handschellen gefesselte Passagiere, die irgendwo von BA vergessen auf ihre Entfesselung warten.
Nachtrag: Wie sieht die Lage bei Lufthansa aus? Wie ist dort das Verhältnis gefesselte Passagiere zu (nicht) vorhandenen Handschellen. Oder stimmt das Gerücht, auf den Lufthansa-Handschellen könnte man noch schwach das schlecht entfernte „British Airways“ lesen?

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Manager und Haie

Auf einer Party habe ich kürzlich viele Tourismusmanager getroffen. Mit „großer Freundlichkeit“ wurde darüber diskutiert wer demnächst von wem „gefressen“ wird.

Dazu erinnerte ich mich an eine alte Geschichte:
Ein Top-Touristikmanager fällt auf hoher See vom Schiff ins Meer. Unzählige Haie kommen angeschwommen, aber ohne ihn zu fressen. Kommentar des Kapitäns: Das ist Höflichkeit unter Kollegen.

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