Archiv für 2003

Kreativpause

Der Meister des mitternächtlichen Humors, Harald Schmidt, nimmt sich eine „Kreativpause“ und das Zuschauervolk spielt verrückt.

Wenn Sie, liebe Leser der BBB überprüfen wollen, ob Sie eine Kreativpause benötigen, dann versuchen Sie, die folgenden Fragen mit JA oder NEIN zu beantworten.
1. Sitzen Sie seit vier Jahren am gleichen Schreibtisch, haben aber in dieser Zeit formal für drei verschiedene Firmen gearbeitet?
2. Haben Sie in den letzten 5 Jahren mehr Mitarbeiter von Beratungsfirmen aus der Nähe gesehen als Kunden Ihrer Firma?
3. Hat sich bei Ihnen am Arbeitsplatz die Arbeit wesentlich „verdichtet“ und im gleichen Umfang die Arbeitsfreude verflüchtet?
4. Haben Sie bei Reden Ihres Chefs schon mal gezweifelt, ob es eine neue oder die Rede vom letzen Jahr war?
5. Haben Sie sich schon gewundert, dass das, was Sie vor Jahren vorgeschlagen haben, damals als „alt“ galt, Ihnen aber jetzt als „neu“ verkauft wird?
6. Geben Sie Ihren Firmennamen an, wenn Sie abends zuhause das Telefon abnehmen?
7. Suchen Sie abends auf Ihrer TV-Fernbedienung die Tasten ALT und ENTF wenn Sie den Fernsehkanal wechseln wollen?
8. Haben Sie schon mal versucht, Ihren Mikrowellenherd mit Ihrem Passwort einzuschalten?
9. Haben Sie Ihrem Partner die Freizeitvorschläge für das nächste Wochenende schon mal versehentlich in Chartform präsentiert?
10. Erfassen Sie Ihr Liebesleben unweigerlich in einem Activity-Report und ärgern Sie sich über die vielen Pending-Positionen?
11. Ist Geiz das einzig Geile in Ihrem Leben?

Auswertung:
Weniger als 3 x Ja: Sie arbeiten sicherlich nicht in der Touristik?
3 bis 6 x Ja: Ob kreativ oder nicht kreativ, merkt in Ihrer Firma ohnehin keiner
Mehr als 6 x Ja: Sie brauchen dringend eine Kreativpause, aber kein Schwein wird für Sie demonstrieren.

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Wem gehört das Gebiss?

Griechische Fischer fanden eines morgens in ihren Netzen ein Gebiss. Tourismusorientiert wie unsere griechischen Freunde sind, werfen sie dieses nicht ins Meer zurück, sondern bringen es zu einem Reiseveranstalter.
Was dann folgt ist wieder einmal eine Ruhmestat für den Pauschaltourismus. Der Reiseveranstalter fragt in sämtlichen Touristenhotels und –bars nach, ob irgendwo ein zahnloser Tourist gesehen wurde. Und die Bemühungen werden vom Erfolg gekrönt, der Besitzer wird gefunden, ein 59jähriger Engländer.

Auf die Frage warum er so zielsicher auf Touristen zugesteuert sei, der Verlierer hätte schließlich auch ein Einheimischer oder ein Mitarbeiter der Reiseveranstalter sein können, antwortete er: Wir Griechen haben keinen Grund unseren Mund so weit aufzureißen und die Mitarbeiter der Reiseveranstalter müssen z.Z. so sehr die Zähne zusammenbeißen, von denen konnte auch niemanden das Gebiss verloren haben.

Und wieder können wir von Goethe lernen: „Ich beiße die Zähne aufeinander und spotte über mein Elend“ (Weim. Ausg. 19,60). Das gilt im und außerhalb des Wassers.

Laut einem Bericht von Freie Presse online vom 26.10. sind verlorene Gebisse zum Beispiel in Hotels nichts außergewöhnliches, eher die Örtlichkeit wo sie gefunden werden. Wenn z.B. ein Gebiss im Safe gefunden wird, neben einem Bündel Geldscheine, so muss man sich fragen, welche Funktion dieses Gebiss eigentlich erfüllen muss. Angeblich werden zur Zeit in Hotels verstärkt angebrochene Viagra-Schachteln gefunden, was im Zusammenhang mit Gebiss insofern von Bedeutung sein könnte, weil in der Traumdeutung verlorene Zähne als Symbol für verlorene Potenz gelten. Im Unterschied zu unseren griechischen Freunden, würde ein Hotel aber sich nicht um Nachsendung bemühen, weil sowohl Viagra-Schachteln, wie auch Damennachthemden, teurer Schmuck, u.ä. zuhause peinliche Nachfragen auslösen könnten. Ebenso muss man von liegengelassenen Handschellen nicht unbedingt auf die Vergesslichkeit eines Polizisten schließen und kann die Nachsendung zurückstellen. Wie man jedoch sein Holzbein vergessen kann, wie in einem Novotel geschehen, wird einem Außenstehenden wohl unerklärlich bleiben.

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Dr. Best ist tot und Preussag gibt es auch nicht mehr.

Am 26.6. starb Dr. James Best, den wir von der Werbung für die Dr. Best-Zahnbürste kennen, im Alter von 78 Jahren. Am gleichen Tag nannte sich Preussag (ebenfalls 78 Jahre alt) in TUI um. Was es im Marketing nicht alles gibt.

Die Meldung, dass Dr. Best gestorben ist, hat uns wieder in die Marketing-Welt schauen lassen, in der Wirklichkeit und scheinbare Wirklichkeit munter durcheinander purzeln. Die einfach denkende Hälfte der Dr. Best-Zahnputz-Kunden glaubte natürlich, dass Herr Dr. Best, Chef des Zahnbürsten-Imperiums, persönlich die wundersam flexible Zahnbürste gegen die Tomate presste. Die vermeintlich schlauere Hälfte war überzeugt, dass es ein Schauspieler sei, der gekonnt schlecht Dr. Best spiele. Beides falsch und doch auch wieder richtig. Dr. Best war zwar nicht der wirkliche Chef aller Zahnbürsten, nichtsdestoweniger hieß er tatsächlich Dr. Best und war bis 1993 Chefarzt in einer der Universität Loyola (Illinois, USA) angeschlossenen Klinik. Welcher Fachbereich? Na klar, auch wenn man es kaum glaubt, einer Zahnklinik.

Der noch leicht verunsicherte Leser, gerade diese Meldung mit leichtem Unbehagen verdauend, stolpert dann wenige Zeilen weiter über die Botschaft, dass Preussag jetzt TUI heißt. Jetzt kritisch geworden, denkt der Verbraucher nach und sucht die Parallele zu oben. Ist das eine echte TUI, die da angeboten wird? Und wo ist die Preussag geblieben? Oder ist in dieser TUI weiterhin Preussag drin, nur mit anderer Aufschrift? Schließlich hat das Wirtschaftsfachblatt taz, vor fast einem Monat (bösartiger Weise) behauptet, die Preussag wäre „alienhaft peu à peu in die TUI geglitten“.
Während der Leser noch nachdenkt, stolpert er schon über die nächste Botschaft: „TUI erobert China und dann die Welt“ (Neue Presse, 27.6.). Hoppla, langsam, nicht alles auf einmal. Andererseits, sagte nicht schon Alfred Ballin, Gründer der Hapag-Lloyd (heute Teil von TUI. „Oh Schmerz lass nach“ stöhnen jetzt die stolzen Hapag-Nachfahren): Unser Feld ist die Welt?

China und TUI, da war doch was? Es ist nachzulesen bei Bertold Brecht in „Turandot und der Kongreß der Weißwäscher“. Die Geschichte ist kurz erklärt: In China wird die Baumwolle immer weniger. Der Kaiser sucht die besten Leute, um dem Volk (mit Lügen) Erklärungen zu liefern, warum die Baumwolle weniger geworden ist. Dafür braucht er die TUIs. (Das Kunstwort TUI wurde von Brecht gebildet durch Verkehrung des Begriffs „Intellektuell“ in „Tellekt-uell-in“.) In Wirklichkeit hat der Kaiser aber die Baumwolle selbst versteckt, um zu warten, bis der Preis wieder steigt.

Wer hätte das gedacht: Börse pur bei Bertold Brecht .

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Ein Tourist überquert die Straße

Zu dieser auf den ersten Augenblick harmlosen dpa-Meldung haben die „Bissigen Bemerkungen“ Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft um einen Kommentar gebeten.

Presseerklärungen aus dem Bereich Touristik:

Presseerklärung der TUI AG:
Wir haben beim Straßenüberqueren von deutschen und englischen Touristen signifikante Ähnlichkeiten entdeckt. Deshalb wurde der Auftrag erteilt, eine europäische Straßenüberquer-Plattform zu schaffen um entsprechende Synergievorteile heben zu können. Wir werden damit unsere Position des weltweit führenden Touristikunternehmens weiter ausbauen.

Presseerklärung THOMAS COOK AG:
Entscheidend für den künftigen Erfolg wird sein, wer seine Touristen am kostengünstigsten die Straße überqueren lässt. Wir haben deshalb ein neues Sparprogramm TCSCRP (Tourist Crossing Street Cost Reducing Program) mit einem Volumen von mehreren Mio Euro aufgelegt. Wir werden damit unserem Ziel näher kommen, der profitabelste Reisekonzern zu werden.

Presseerklärung alltours:
Wir freuen uns, dass die Touristen erst uns fragen, bevor sie die Straße überqueren.

Presseerklärung AIR BERLIN:
Unser Straßenüberquer-Shuttle ist ein voller Erfolg. Wir haben z. Z. 42 Rikschas im Einsatz. Als Fahrer bevorzugen wir ehemalige Frisöre, die es gewohnt sind, lange „auf den Beinen“ zu sein. Wir werden auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn es uns gelingt, die chinesische Rikscha-Mafia herauszuhalten.

Presseerklärung Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT):
Wir freuen uns, dass die Touristen zunehmend deutsche Straßen überqueren.

Presseerklärung Deutscher Tourismusverband (DTV):
Wir halten es für einen politischen Skandal, dass man nur die DZT um ihre Meinung gefragt hat und nicht auch den DTV.

Presseerklärung DRV:
Die Überlebenschance beim Straßenüberqueren ist nach einer Beratung im Reisebüro um 76% höher als bei ausschließlicher Information durch das Internet.

Presseerklärung BTW:
Dass der BDI-Vorstand sich erstmals mit der Frage des Straßenüberquerens und nicht nur mit der Frage der Straßennutzung befasst, zeigt den hohen Stellenwert den die Tourismusindustrie inzwischen erreicht hat.

Presseerklärung PROF. FÜHRICH, Reiserechtsexperte:
Wenn Touristen die Straße nicht überqueren können, haben sie ein Recht auf Reiserücktritt. Wenn die Reiseveranstalter nur Umbuchung anbieten, weil man statt von links nach rechts, ersatzweise die Straße immerhin noch von rechts nach links überqueren könnte, müssen das die Reisenden nicht akzeptieren. Sie haben ein Recht die Straße in der ursprünglich im Katalog ausgeschriebenen Richtung zu überqueren, anderenfalls dürfen sie kostenfrei stornieren.

Presseerklärung PROF. KARL BORN, Hochschule Harz:
Dies ist ein weiterer Beweis für die fehlende Innovationskraft der Großveranstalter. Warum müssen heutzutage Touristen noch immer persönlich die Straße überqueren?

Presseerklärungen aus der Politik:

Presseerklärung BUNDES-FINANZMINISTERIUM:
Da alle Straßenbenutzer eine Form der Kfz-Steuer oder eine andere Steuer zahlen müssen, ist das kostenlose Überqueren der Straße nichts anderes als eine verdeckte Subvention. Das können wir uns angesichts knapper Kassen nicht länger leisten. Es ist deshalb beabsichtigt eine Straßenüberquer-Maut einführen. Höhe und Zeitpunkt der Einführung sind noch offen.

Presseerklärung der CDU:
Wieder hat Schröder ein Wahlversprechen gebrochen.

Presseerklärung des KANZLERAMTES:
Es ist beabsichtigt, eine Kommission einzusetzen, die das Überqueren von Straßen durch Touristen überprüfen soll. Die Vorschläge dieser Kommission werden noch in die Agenda 2010 eingearbeitet und dann zügig 1:1 umgesetzt.

Presseerklärung Studio SABINE CHRISTIANSEN:
Das Thema am nächsten Sonntag wird heißen: Behindert das Straßenüberqueren durch Touristen die Zukunftsfähigkeit unseres Landes?
Diskussionsteilnehmer werden sein: Manfred Stolpe, Verkehrsminister und erfahrener Seitenwechsler, Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender und potenzieller Seitenwechsler, Ursula Engelen-Kefer, DGB-Frontfrau und Seitenbeharrerin, Prof. Jürgen Falter, Politologe, untersucht die politischen Motive von Straßenüberquerer und Ferdinand Meier, Bürger, der seit zwei Wochen vergeblich versucht die A2 bei Hannover zu überqueren.

BILL CLINTON, früherer US-Präsident:
Ich war mit dieser Touristin beim Straßenüberqueren zu keiner Zeit allein.

Presseerklärungen Wirtschaft:

Presseerklärung MEDIA-SATURN:
Nur Geiz ist geiler als Straßenüberquerung.

Presseerklärung BAHN AG:
Es ist besser, die Straßen zu überqueren, als die Gleise zu überqueren.

Presseerklärung BUNDESVERBAND DES DEUTSCHEN BESTATTUNGSGEWERBES:
Die Geschäftslage hat sich wegen der für uns negativen Veränderung der Alterspyramide verschlechtert. Teilweise wurde diese Entwicklung kompensiert durch ein Ansteigen der Zahl unvorsichtiger Touristen. Die Branche sieht jedoch mit Bedenken den generellen Rückgang der Touristenzahlen.

Sonstige Presseerklärungen.

MICHAEL SCHUMACHER, Formel 1-Weltmeister:
Sorry, mit diesem Verhalten des Touristen konnte ich nicht rechnen.

OLIVER STONE, mehrfacher Oscar-Preisträger u.a. für „JFK – Tatort Dallas“:
Die entscheidende Feststellung ist nicht, dass „der Tourist die Straße überquerte“, sondern die Frage „Wer überquerte die Straße zur selben Zeit, den wir in unserer Hast übersehen haben, während wir den Touristen beobachteten“.

SIGMUND FREUD JR.:
Die Tatsache, dass Sie sich mit dem Thema Straßenüberquerung beschäftigen, zeigt ihre sexuelle Unsicherheit. Wahrscheinlich haben Sie das tiefe Bedürfnis ihre Geschlechterrolle zu wechseln. Tun Sie es.

Sollten Ihnen weitere Presseerklärungen zu diesem Thema bekannt sein, bitten wir um Zusendung.

Die heutigen BBB wurden inspiriert durch die Geschichte „Warum überquert ein Huhn die Straße?“, die freundlicherweise von Leserin M.H. zugeschickt wurde. Für ähnliche Anregungen sind die BBB immer dankbar.

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ITB 2003: Zehn wichtige Regeln für alle, die dabei sein wollen

Vom 7.3. bis zum 11.3. ist die ITB in Berlin wieder der touristische Nabel der Welt. Dem Publikum präsentiert sich eine der attraktivsten Messen, die es gibt. Ein Rundgang ist wie eine Reise um die Welt. Für Fachbesucher bedeutet die ITB vielerlei: Hartes Verhandeln um neue Kontingente und Preise, Trends beobachten und neue Trends setzen, Karrieren fördern, aber auch Eitelkeiten pflegen. Wer sich in diesem „Dschungel“ behaupten will, sollte 10 wichtige Regeln beachten.

10 wichtige ITB-Regeln von Karl Born:
1. Kommen Sie schon zur Eröffnungsfeier, die ist zwar in aller Regel stinklangweilig, aber setzen Sie sich in die erste Reihe. Entweder der Platz steht Ihnen ohnehin zu, dann zeigen Sie es. Oder, wenn Sie es noch nicht soweit gebracht haben, bleiben Sie am Rande der ersten Reihe stehen. Warten Sie, ob ein Platz frei bleibt und setzen Sie sich auf diesen Platz. Ab jetzt denkt jeder, Sie gehören dazu. Denken Sie daran, die ITB ist eine große Gerüchteküche hinsichtlich Auf- oder Absteiger. Alles was Sie tun, kann zum „sich selbsterfüllenden“ Gerücht werden.

2. Verzichten Sie auf den Messerundgang. Erstens ist er stressig, zweitens laufen nur Streber mit und drittens werden Sie im Gefolge von Wowereit sowieso übersehen. Bleiben Sie auf Ihrem ITB-Stand (sofern Sie noch einen bzw wieder einen haben). Drücken Sie sich dort am Eingang herum und begrüßen Sie im entscheidenden Moment den Regierenden Bürgermeister, wenn er vorbeikommt, quasi als Hausherr. Sind Sie der Boss Ihrer Firma, dann steht Ihnen das zu, wenn nicht, ist es eine gute Gelegenheit mal Boss zu üben (Ihrem Chef wird das zwar nicht gefallen, aber warum war er auch nicht da?).

3. Geben Sie viele TV-Interviews. Das ist nicht anstrengend, denn Sie können immer das gleiche sagen. Die meisten ITB-Interviews werden bei Arte, Phoenix, n-tv oder in den 3. Programmen nach Mitternacht ausgestrahlt, wo ohnehin keiner zuschaut. Aber Sie haben die Chance, dass zwei Sekunden daraus in ARD oder ZDF gesendet werden, wenn auch nicht mit Ihrem Originalton, weil die Sprecherin gerade sagt, das sei die ITB. Aber macht nichts. Man sieht Ihr Gesicht, im Zweifel wird das ohnehin der attraktivere Teil des Interviews gewesen sein, vorausgesetzt die Aufnahmen wurden noch vor der ersten Messe-Nacht gemacht.

4. Machen Sie viele Termine. Belegen Sie alle Termine mindestens doppelt. Das macht Eindruck bei Ihrer Sekretärin/ Frau/ Freundin (respektive Sekretär/ Ehemann/ Freund), wie wichtig Sie sind. Treffen Sie auch Verabredungen zum Frühstück, das zeigt, dass Ihr Terminkalender randvoll ist. Im Zweifelsfall stornieren Sie diese Termine kurzfristig oder erscheinen einfach nicht. Die anderen freuen sich über die dadurch gewonnene Zeit. Dem fehlenden Gesprächsinhalt müssen Sie nicht nachtrauern, bei der ITB geht es ohnehin nur um das „See you“.

5. Treffen Sie sich mit vielen Ministern, vorzugsweise aus afrikanischen Ländern. Das macht sich sehr gut, denn die Minister kommen mit großem Tross. In der Firmenzeitung zeigt dies Ihre Weltläufigkeit. Die Namen der Minister müssen Sie sich nicht merken, die meisten Tourismusminister sind es ein Jahr später nicht mehr.

6. Leisten Sie sich, ungeachtet der Sparmaßnahmen in Ihrem Unternehmen, auf der Messe einen Chauffeur. Man kann von Ihnen nicht erwarten, dass Sie Ihre Termine zu Fuß erledigen, außerdem haben Sie damit einen Arbeitsplatz geschaffen. Für den Chauffeur ist das Herumkurven auf der Messe zwar der Horror, aber Sie vermeiden damit, von jedem, an dessen Namen Sie sich ohnehin nicht erinnern können, unterwegs angequatscht zu werden. Wenn Ihnen trotzdem jemand begegnet, sagen Sie „Hallo“ und warten nicht auf eine Antwort.

7. Nehmen Sie viele Einladungen für Abendveranstaltungen an. Das macht sich immer gut. Wenn man Sie fragt, wo Sie heute Abend sind, ziehen Sie einen Stapel Einladungen aus der Tasche und demonstrieren Sie Ihren Stress, weil man „überall wünscht, dass Sie kommen“. Aufsteigertypen, die sich in Ihrer Nähe suhlen, können Sie großzügig eine Einladung abgeben. Die leuchtenden Augen des Beschenkten bestärken Sie in Ihrem Glauben an Ihre eigene Großzügigkeit. Bleiben Sie bei jedem Essen maximal für einen Gang. Wenn die ITB vorbei ist, wissen Sie, welche Lokalitäten Sie privat meiden sollten.

8. Werden Sie nach dem Geschäftsverlauf gefragt, verwenden Sie die Standardfloskeln: Das Ganze ist nur eine Delle (schließlich gibt es ja auch große Dellen), unser Kostensparprogramm greift, seit letzter Woche steigen die Buchungszahlen wieder, Süd-Ost-Bulgarien hat sogar 85% Zuwachs, der Irak-Krieg wird uns nur unterproportional treffen, wir haben Vorsorge für Umbuchungen getroffen, die ganze Sicherheitsdiskussion ist übertrieben. Da alle den gleichen „Quatsch“ erzählen, haben Sie gute Chancen, dass es die Journalisten glauben.

9. Erklären Sie am letzten Messetag, dass Sie diese „bescheuerte“ ITB noch nie leiden konnten und Sie im nächsten Jahr garantiert nicht kommen werden. Vergessen Sie aber nicht beim Verlassen Ihres Hotels, die schöne Suite für das nächste Jahr wieder zu reservieren.

10. Wenn Sie wieder (müde) zu hause sind, lassen Sie sich von Ehefrau/ Ehemann bedauern. Was Sie auf der ITB gemacht haben, hatte zwar den gleichen Wichtigkeitsgrad, wie wenn in China ein Sack Reis umfällt, aber China ist immerhin die Zukunft im Tourismus.

Viel Vergnügen beim „same procedure as every year“.

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ältere Interviews

„Ruiniert Lufthansa die Reisebüros, Herr Born?“, travel one, 17.12.03

„Wissenschaftler: Urlauberverhalten hat sich grundlegend gewandelt“,
dpa-Gespräch, 6.12.2003

„Zwei Jahre verloren“, travel tribune, 4.12.2003

Der Mythos ist zerstört, Rheinischer Merkur, 5.6.2003

So günstig war`s noch nie, Stern, 5.6.2003 [Link]

Der unsichere Faktor Sicherheit, Travel One, 4.6.2003

Experte: Billigtrend hat den Mythos Reisen zerstört, Neue Presse, 22.5.2003

Fern vom Kunden, SZ, 19.5.2003

Kann ich jetzt umbuchen, Bams, 18.5.2003

Tourismus-Experte Born: Reisekonzerne zu weit vom Kunden entfernt, dpa-Interview, 17.5.2003

Sicherheit beim Reisen, RTL-TV, 14.5.2003

Es wird billiger, BamS, 11.5.2003

Rosskur der Ferienmacher, GELDIDEE, 1.5.2003

Krise, hausgemacht“, Die Zeit, 6.2.2003

“Wachleute am Strand sind üblich”, Süddeutsche Zeitung, 7.3.2003

“Wo würden Sie jetzt Urlaub machen, Herr Professor?”, Reise Bild, 6.3.2003

“Hotels mit Stacheldraht”, Focus, 21.10.2002

“Man ist nirgendwo wirklich sicher”, Handelsblatt 15.10.2002

“Wohin kann man noch reisen?”, Tagesspiegel 15.10.2002

“Fatalismus hilft der Branche”, Hannoversche Allgemeine 15.10.2002

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