Blick zurück aus der Zukunft

Etliche touristische Magazine feierten zuletzt 25jähriges Jubiläum. Anlass für die BBBs mal selbst vom eigenen fiktiven 25jährigen Jubiläum aus der Zukunft zurück zu schauen. Und so könnten die BBBs im Jahre 2026 aussehen (die Erstausgabe der BBBs erschien am 1.3.2001!). Ich weiß, ein Horror für manche, dass es noch 19 Jahre lang die die BBBs geben sollte.

Heute ist der 28. Februar 2026. Morgen soll die 25-Jahre-Jubiläumsausgabe der Bissigen Bemerkungen erscheinen und ich habe meinen Jubiläumsbericht noch immer nicht ins web 4.0 eingestellt. Dabei hapert es nur noch ein wenig mit der neuen Technik. Das web 4.0 ist die Weiterentwicklung von Second Life, aber mit einer wesentlichen Verbesserung. Wer „in web 4.0 drin ist“, erlebt die eingestellten Geschichten aus der Erlebnissicht dessen, der sie original erlebt hat. Deshalb gibt es den sog. Emotionsfilter, mit dem man steuern kann, wie viel von den eigenen echten Emotionen man preisgeben will und entsprechend von Dritten miterlebt werden dürfen. Und ich möchte nicht, dass alle mitbekommen, dass ich letzte Woche leider doch etwas ängstlich war, bei „meinem“ Erlebnis.

Aber ein Bekannter von mir hier im „TravelCenter Hannover plc“ hat mir versprochen, bei der Einstellung des Emotionsfilters zu helfen. Beim Betreten des TravelCenters denke ich zurück, wie die Branchen-Diskussion tobte, als so um 2010 sich viele Reisebüro zu sog. „TravelCenter“ zusammenschlossen und sich natürlich als „plc in London“ registrieren ließen, weil dies damals gerade so schick war. Aber dadurch hatte sich die Akzeptanz der dort angestellten TravelScouts dramatisch erhöht. Kaum noch jemand traf seine Reiseentscheidung ohne Rücksprache mit „seinem TravelScout“. Sie gehören seit dieser Zeit zum Lebensstandard wie der Personal-Fitness-Coach oder der persönliche Gesundheits-Manager.

Das TravelCenter Hannover plc verkauft immer noch zuerst TUI, obwohl sich bei TUI viel geändert hat. Vor 6 Jahren hatte TUI den größten chinesischen Veranstalter aufgekauft und ihr Geschäft TUI Travel London dort eingebracht, mit dem neuen Firmensitz in Shanghai und unter Führung der Chinesen. Zur 5-Jahres-Jubiläumsfeier war ich nach Shanghai geflogen, einer meiner wenigen „realen“ Flüge. Durch den verschärften Klimaschutz sind Flüge pro Person sehr limitiert. Zum Glück konnte die von der Weltklimakonferenz geplante besonders rigide Limitierung für ältere Menschen nicht durchgesetzt werden. Schließlich gehöre ich zu der von den Marketing-Fuzzies besonders umworbenen Power-Consumer-Group „75 plus“.
Trotzdem verreise ich zunehmend nur noch virtuell. Es ist einfach sympathischer. Ich habe keine Lust fast nackt in den Flieger zu steigen, nur um den Sicherheitswahn an den Flughäfen zu überstehen.

Beim Thema Jubiläumsfeier fällt mir noch eine Geschichte zu Thomas Cook ein, auch wenn sie schon etwas länger zurück liegt. Am 22. November 2008 feierte Thomas Cook anlässlich des 200. Geburtstages von Namensgeber Thomas Cook eine Riesenparty in London. Dazu muss man wissen, dass in den Monaten zuvor Thomas Cook sich an allen Airlines und Hotels beteiligte, die nicht bei 1-2-3 auf den Bäumen waren (aber immer unterhalb 50%). Thomas Cook Chairman Thomas Middelhoff erklärte an jenem Abend, dass seine Asset-Light-Strategie nun perfektioniert sei und er getrost seinen geplanten Abschied in Angriff nehmen könne. Dass Lufthansa und TUI im nächsten Jahr unter dem Namen Condor eine Tourismus-Luftfahrt-Gegenallianz aufbauen wollen, würde ihm nur ein Lächeln abringen. Was er zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen konnte, dass zwei Jahre später nochmals Thomas-Cook-Ex-Manager Wolfgang Beeser bei Thomas Cook einspringen musste. Na, ja, Sie erinnern sich sicherlich noch warum.

Inzwischen ist auch bekannt warum Willy Verhuven bei Alltours und Dietmar Gunz bei FTI viel länger in ihren Betrieben blieben als ursprünglich geplant. Ihr gemeinsamer Kommentar: „eine Branche mit einem so hohen Unterhaltungswert und so wenig Druck von Touristik-Konzernen auf uns“ ist doch viel schöner als irgendwo in südlichen Gefilden im Schaukelstuhl zu sitzen.

Sorry, jetzt bin ich leider etwas von meinem geplanten Thema abgeschweift, das ist wohl altersbedingt. Dabei würde ich noch so gerne davon berichten, wie sich 2015 in der Schweiz Kuoni und Hotelplan zu Kuonplan zusammenschlossen (der alternativ angedachte Namen Hoteloni wurde abgelehnt, weil er weniger nach Reiseveranstalter, sondern mehr nach italienischer Pasta klang). Oder ebenfalls sollte nicht unerwähnt bleiben wie 2017 Peter-Mario Kubsch eine Party gab, anlässlich der Ablehnung des 25. Kaufangebotes eines Großveranstalters für Studiosus.

Aber ich bin immer noch aufgewühlt von „meinem“ Erlebnis von letzter Woche. Da stand mal ausnahmsweise wieder eine reale Reise an. Komisch, beim realen Reisen habe ich immer noch nicht mein Reisefieber abgelegt im Unterschied zu meinen virtuellen Reisen.

Aber jetzt will ich endlich von „meinem“ Erlebnis von letzter Woche berichten. Wow, ich habe ein paar Tage Urlaub im Weltraumhotel gemacht und mir den größten Traum meines Lebens erfüllt: Einmal die Welt als Kugel von oben zu sehen. Einfach traumhaft! Sensationell! Und eigentlich preiswert. Da das Weltraumhotel die Erde in 93 Minuten umrundet, erlebt man eine Nacht auf Erden im Weltraumhotel gleich 13mal.

Ich hatte mich für einen Flug mit Virgin Galactic entschieden. Für „mein“ Erlebnis dachte ich mir, muss ich mir die Gesellschaft mit der größten Weltraumerfahrung leisten. Es war schon ein Wahnsinns-Gefühl, als der Geschwindigkeitsanzeiger in der Kabine in irrem Tempo auf die zum Verlassen der Erdatmosphäre notwendigen 28.000 Km/h stieg. Das hat mich ein wenig an meinen ersten Flug mit der Concorde in den 90er-Jahren erinnert, mit dem Hüpfer von London nach New York. Alle starrten damals auf die Geschwindigkeitsanzeige in der Kabine: Mach 1, toll, dann Beifall bei Mach 2. Kinderkram gegen die heutige Geschwindigkeit. Aber so eng wie in der Concorde ist es in diesem 110sitzigen Weltraumflugzeug auch.

Ok, endlich hat mein Bekannter das mit dem Emotionsfilter hinbekommen. Jetzt rein mit meinem Weltraum-Erlebnisbericht in das web 4.0 und dann „ein Gläschen Sekt geöffnet“ (wie es mal ein früherer deutscher Politiker nannte, der gerade vor ca. 20 Jahren in Pension ging) zum 25-jährigen Jubiläum der BBBs. Eins, zwei Jährchen BBBs werde ich schon noch schaffen.

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