Archiv für Airline

Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?

Nicht jede Nachricht, die man so während des Sommerlochs liest, darf man ernst nehmen. Früher war es das Ungeheuer von Loch Ness, das regelmäßig in den Sommermonaten die Zeitungsspalten füllte. Dann entdeckten die parlamentarischen Hinterbänkler die Chance im Sommerloch mit manchem Quatsch in die Medien zu kommen, wie beispielsweise „die Deutschen sollen weniger ins Ausland reisen“ oder sogar „überhaupt weniger Urlaub“ machen. Wer jetzt die Supermeldung über die Eröffnung eines „internationalen Flughafens in der Nähe von Magdeburg“ in die gleiche Schublade gesteckt haben sollte, hätte zwar einerseits intelligentes kritisches Denken bewiesen, aber andererseits gewaltig unterschätzt für welchen Unsinn Politiker bereit sind Geld auszugeben.

Magdeburg-Cochstedt so nennt sich der Flughafen, der sich (Zitat) „national und international etablieren will“. Die Pressemeldung der Betreibergesellschaft Airport Development A/S beweist auch die entsprechende Fachkunde. So sollen „ab Oktober von Cochstedt aus mehrmals wöchentlich Flugziele in Richtung Süden abheben und zunächst sollen drei Urlaubsorte angeflogen werden“. ???
Na, ja, die Urlaubssaison ist zwar schon so gut wie zu Ende, aber vielleicht hat man in der Gegend von Cochstedt eine ganz eigene zeitliche Präferenz in Urlaub zu gehen.
Fragt man bescheiden nach, wohin die Flüge gehen sollen, erhält man die lustige Antwort, die „genauen Flugziele würden in Kürze bekannt gegeben“. Ist auch nicht so schlimm. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin und ein gewisser Überraschungseffekt kann marketingmäßig nicht schaden. Vorschlag der BBBs: Keine Ziele bekannt geben, sondern die Passagiere erst nach Abheben des Flugzeuges damit überraschen.

2011 sollen dann „mehrere europäische und internationale Ziele“ hinzukommen. Leider konnten die BBBs in der Kürze der Zeit den konkreten Unterschied zwischen europäischen und internationalen Zielen nicht herausfinden.

Eines könnte man aber sofort feststellen, wie viel Geld die bisherigen Bemühungen gekostet haben, einen Flughafen zu eröffnen, den urlaubsmäßig garantiert niemand braucht. Eine Pleite gab es schon in 2000, angeblich sollen bis dahin 60 Mio. Euro versenkt worden sein. Im Zweifel waren es eher deutlich mehr.

Das erinnert an einen anderen in der Nähe liegenden „Weltflughafen“: Leipzig-Altenburg. Wie hatte der Landrat des Landkreises Altenburg-Land in 2009 so putzig formuliert: „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Und da wurden auch schnell 650.000 Euro Marketingzuschuss locker gemacht, damit Ryanair von dort aus ein wenig umherfliegen kann. Mit diesem Geld könnten alle Passagiere per Taxi zu einem richtigen Flughafen anreisen.
Und die Problematik eines „Großflughafens“ wurde vor kurzem deutlich, als einer der seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei diesem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dabei müsste man nur bei den seit Jahren kämpfenden kleineren Flughäfen in
Deutschland (z.B. Memmingen) mal anrufen, um sich ein klein wenig Fachkenntnisse über die Beschäftigungsproblematik dieser Mini-Flughäfen zu beschaffen.
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Die Bissigen Bemerkungen haben zwar eine erfreulich große Leserschar, jedenfalls mehr Leser als o.g. Flughafen Passagiere, aber noch viel Potenzial im Vergleich mit den ganz großen Blogs dieser Republik. So wurden die BBBs der vorletzten Woche („offener Brief an die BILD-Zeitung“) zwar schon zu Wochenbeginn gut nachgefragt, aber als ein Leser freundlicherweise diese Bissigen Bemerkungen in den BILD-Blog einstellte, ging es richtig rund. Innerhalb von zwei Tagen wurden 160.000 Klicks registriert, über 10.000 Leser waren tatsächlich auf den Seiten der Bissigen Bemerkungen und schauten sich insgesamt 35.000 Seiten „Bissiges“ an. Für eine solche Marketinghilfe sei hier Danke gesagt.

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Wie immer sei noch auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) verwiesen. Nach den Interviews letzter Woche zur Flusskreuzfahrt geht es diesmal zur Hochsee mit allerlei Nachrichten rund um die AIDA.

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Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche

Es war einmal eine Regierung, die wollte auf einer Klausurtagung sparen. Irgendeine böse Fee, flüsterte den Regierenden ins Ohr: „Am einfachsten geht sparen, indem man seinen Bürgern in die Tasche greift“. Entgegen jeder ökonomischen Vernunft (wegen der zusätzlichen Kostenbelastungen für den Standort Deutschland – der ansonsten doch immer so hoch und heilig gepriesen wird), beschlossen die Regierenden daraufhin zwei neue Steuerarten einzuführen: eine Luftverkehrsabgabe und eine Brennelementesteuer. Da wunderten sich aber die Manager dieser Branchen, denn keiner hatte mit einem solchen Unsinn gerechnet.

Die Manager der Luftfahrtindustrie klagten gleich laut. Dummerweise aber jeder für sich alleine. Zwar waren alle gegen die neue Abgabe, aber leider nur halbherzig in der Argumentation. Denn relativ schnell, clever gedacht, wurde ersatzweise etwas St. Florians – Gedanke in die Argumentation eingebaut. So rieben sich Air Berlin und Lufthansa aneinander mit dem Thema: wie sollte, wenn schon überhaupt, die Belastung für Kurz- und Fernstrecke sein. Condor rieb sich mit LH-Cargo mit dem Thema: Wenn schon, dann doch auch Belastung für die Fracht. Und besonders clever überraschte der Flughafen Frankfurt die restlichen deutschen Flughäfen mit der Argumentation wie relativ wenig umweltschädlich doch eigentlich Langstreckenflüge seien. Die danach angedachte eventuelle Zusammenlegung zweier Verbände (von Flughäfen und Fluggesellschaften) dürfte von der Verschärfung der Schlagkraft her allerdings überschaubar bleiben. Zuletzt wurde noch eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein “bewährtes klassisches Kampfmittel“ mit in der Regel guten Erfolgen bei Mobilisierung von Eltern gegen Schulstress. Der erwünschte überregionale „virale Effekt“ dieser Aktion ist leider noch nicht erkennbar eingetreten.

Aber wie man professionell, besser gesagt brutal, mit einer „nicht folgsamen“ Regierung umzugehen hat, zeigten die Manager der Energiebranche. Sich gegenseitig austricksen? Doch nicht wir! Da zeigte sich sehr schnell die jahrelange Erfahrung aus vielen „Preisgestaltungsrunden“. Da wurde der Regierung zuerst mal in einem unverschämten Ton gedroht, evtl. Teile des Betriebes gleich einzustellen. (Wäre ja interessant geworden mal „Streik von oben“ zu erleben.) Aber nicht genug, in ganzseitigen Anzeigen in allen relevanten Tageszeitungen wurde der Regierung danach mächtig der Marsch geblasen. Sprachlich und inhaltlich zwar nicht immer ganz verständlich, aber dafür umso deutlicher im scharfen drohenden Ton. Und die Energie-Manager legten sicherheitshalber noch eine Schwarte drauf. Da unterschrieben nicht nur die vier Energiebosse, sie sammelten gleich noch die Unterschriften all´ jener ein, die für Lärm machen in unserer Republik bekannt sind. Nicht zuletzt solche „begabten“ Manager wie Herr Josef Ackermann (vergessen die kleine süße Geburtstagsfeier, die letztes Jahr Frau Merkel für ihn im Kanzleramt ausrichtete) oder Herr Oliver Bierhoff (der schon in den Verhandlungen mit dem DFB bewies, wie man richtig frech werden kann) oder Herr Wolfgang Clement (bewährter Atom-Scharfsschütze gegen Ypsilanti im Hessenwahlkampf) oder Herr Otto Schily (als Mini-Kohl verweigert er beharrlich die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung seiner Abgeordneten-Nebeneinkünfte) unterstützten die Energiebosse. Flugs waren 40 „sehr wichtige“ Unterschriften beisammen. Ein bunter Haufen, den nur eines verbindet, nicht zimperlich zu sein, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Bemerkenswerterweise haben 40 Männer unterschrieben, es ist keine einzige Frau dabei. In der Wirtschaft so richtig Druck machen ist offensichtlich noch immer Männersache.

Und jetzt die große Quizfrage für die Leser der Bissigen Bemerkungen. Welche Branche wird sich gegen die Regierung durchsetzen?
Schreiben Sie bitte nur, wenn Sie auf die Reisebranche tippen, dann muss ich nicht so viele Emails lesen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche sehr viel über das Thema Flusskreuzfahrten. TUI Deutschland Chef Dr. Böttcher erklärt warum TUI sich jetzt auch hier ganz besonders engagiert und der Chef der Arosa Flotte, Lars Clasen schildert, warum er glaubt, dass immer noch genügend Luft für seine Flotte sein wird. Außerdem wird auch noch getauft und gefeiert, aber hören Sie selbst.
In den akustischen Bissigen Bemerkung geht es um das neue deutsche Aufregerthema „Google Street View“ und wie wichtig das neue Angebot für die Tourismusindustrie werden könnte (für einige –windigen- Anbieter allerdings auch mit eher negativem Ausblick).

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Offener Brief an BILD: Betrifft Urlaubs-Mängel

Liebe BILD-Zeitung,
ihr fangt an zu schwächeln. Beweis: Eure halbe Seite „Urlaubs-Mängel“ in der Ausgabe vom 11.August. Ich habe dabei folgende Mängel zu vermelden:

1. Ihr seid langsam geworden. Zum 11.8. hat meines Erachtens bereits die Hälfte aller Deutschen Urlaub gehabt. Über solch grundlegende Erkenntnisse über die Möglichkeiten sich zu beschweren sollte man schon Anfang Juli informieren. Was sollen die armen Urlauber denken, die in den letzten Wochen ohne Eure Hilfe nichtwissend den Urlaubsmängel ausgeliefert waren.

2. Ihr habt Geld verschenkt. Was soll der Hinweis „zuerst ohne Anwalt“ sein Glück beim Reiseveranstalter zu suchen. Hier wäre Cross-Marketing mit der Anwaltskammer angebracht gewesen. Der gegenteilige Hinweis, nämlich immer und sofort einen Anwalt einzuschalten, hätte nicht nur einigen unterbeschäftigten Anwälten Arbeit gegeben, zusätzlich wäre die Anwaltskammer bestimmt bereit gewesen dafür Honorar zu zahlen. Dieses Geld hätten natürlich nicht die Autoren des Artikels einstreichen sollen, sondern dafür hätte man ein Hilfswerk für „nicht entschädigte Urlauber“ gründen können.

3. Eure Beschwerdehinweise sind nicht perfekt. Es ist zwar richtig, dass man die Mängel fotografieren soll. Aber zum Beispiel bei Kakerlaken ist dies wenig hilfreich. Eine fotografierte Kakerlake wirkt überhaupt nicht ekelerregend. Da muss man schon härtere Geschütze auffahren. Ein Dutzend lebende Kakerlaken in einen Schuhkarton, mit Luftlöchern und Futter versehen –damit es keinen Ärger mit Tierschützern gibt- und ab an den Reiseveranstalter. Wenn diese Tierchen über den Schreibtisch des Sachbearbeiters klettern ist schnelle Bearbeitung des Vorgangs sichergestellt.

4. Ihr weckt falsche Hoffnungen. Da steht in Eurer Tabelle „Kein Gepäck an 5 bis 12 Reisetagen = 30% pro Fehltag“. Der normale, gutgläubige BILD-Leser rechnet doch dann bei 10 Fehltagen mit 30% x 10 Tagen = 300% vom Reisepreis. Ich vermute mal, dass diese Summe auch mit Anwalt nur schwer durchzusetzen sein wird.

5. Bestimmte schwerwiegende Mängel fehlen in Eurer Liste. Ich bin seit wenigen Tagen selbst in Urlaub auf einer Kanarischen Insel. An den ersten Tagen schwamm ich morgens zu einer ca. 150 m vom Strand entfernten kleinen Insel und wieder zurück. Am 3. Urlaubstag war die Insel morgens verschwunden. Fotografieren war hier sinnlos, denn wie soll man etwas im Bild festhalten was nicht mehr da ist. Also beschwerte ich mich bei der Reiseleitung. Die faselte etwas von Ebbe und Flut. Ich habe nachgesehen, im Katalog steht kein Wort von Ebbe und Flut und schon gar nichts davon, dass dieses Phänomen in der Lage sei, ganze Inseln verschwinden zu lassen. Wieviel Prozent Minderung werde ich da verlangen können?

6. Es gibt auch noch härtere Urlaubsmängel. Ich habe gehört, dass ein Urlauber an seinen Veranstalter geschrieben hätte: „Ich hatte eine Woche Urlaub gebucht. Die ersten sechs Tage hat es geregnet. Zu meinem Entsetzen herrschte am Abreisetag schönes Wetter“. Was bekommt man für „Entsetzen“? Werden sich da die Veranstalter mit höherer Gewalt herausreden?

7. Ihr bereitet Eure Leser falsch auf den Urlaub vor. Meines Wissens ist Vorfreude ein wesentlicher Punkt für ein gelungenes Urlaubserlebnis. Außerdem gilt auch im Urlaub der Spruch „Wie man sich selbst verhält, kommt es zumeist auch zurück“. Keines von beiden kann gelingen, wenn ich den ganzen Tag mit Eurer Reklamationstabelle rumlaufe und mich dann noch ärgere, weil ich nicht auf 100% komme. Warum wird jedes Jahr immer aus Neue auf diesem Thema „herumgeritten“? Warum habe ich z.B. noch nie bei Euch eine gleichgroße Story gelesen „Lieber Leser: Dein Recht beim Kühlschrankkauf“ oder ähnliches.

8. Und außerdem sollte man berücksichtigen, dass übertriebene Beschwerden Panikreaktionen beim Personal hervorrufen können. Nach der Landung eines JetBlue-Flugzeuges in New York wies der Flugbegleiter eine Passagierin darauf hin, dass sie noch sitzenbleiben müsse „bis das Flugzeug die Endposition erreicht habe“. Der Flugbegleiter wurde danach von der Passagierin auf das übelste beschimpft und bekam einen Koffer an den Kopf. Daraufhin drehte der „arme“ Flugbegleiter durch, löste die Notrutsche aus, schnappte sich noch schnell ein Dosenbier und verließ mit den Worten „Das war`s“ das Flugzeug über die Rutsche.
Liebe BILD-Zeitung, seid Euch Eurer Verantwortung bewusst. Wenn wir ähnliche Geschichten demnächst aus Urlaubshotels hören sollten, dann könnte sein, dass Euer Mängelartikel irgendwie schuld daran sein könnte.

Nächstens ruft Ihr mich vorher an, bevor Ihr so ein Zeug schreibt.

Karl Born
der zur Zeit gutgelaunt und ohne Frankfurter Tabelle seinen Urlaub genießt.

Diese Bissigen Bemerkungen wurden vorab am 11.8. an die BILD-Zeitung geschickt, mit der Bitte zur Weitergabe an Kai Diekmann

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Managers Mathekünste – heute mit Fraport-Chef Schulte

Die Bissigen Bemerkungen von letzter Woche über die Rechenlogik in manchen Pressemitteilungen hat ein reges Leserinteresse gefunden (zweithöchste Leserzahl seit es die BBBs gibt). Also haben sich die Bissigen Bemerkungen weiter umgesehen und sind über ein Interview von Fraport-Chef Stefan Schulte gestolpert. Mutierte er doch in seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung überraschender Weise und ohne erkennbaren Grund zum Wendehals in Sachen „Luftverkehrsabgabe“. Er meinte dort, diese neue Steuer „sei im Grundsatz akzeptabel“ und das ganze Gerede von Abwanderung ins Ausland stark übertrieben. Diese Anbiederung an die Politik verärgerte Fluggesellschaften und andere deutsche Flughäfen so stark, dass z. B. der Chef des Kölner Flughafens, Michael Garvens, sogar den Ausschluss von Fraport aus der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen forderte.

Wenn man das Interview genau las, hatte Schulte bei seiner „Lobpreisung“ der neuen Steuer allerdings ein paar nicht unwichtige Nebenbedingungen genannt.
So sollten von der Steuer Transferpassagiere und Fracht ausgenommen bleiben. Jetzt raten Sie mal liebe Leserinnen und Leser welcher deutsche Flughafen die meisten Umsteigepassagiere und die meiste Fracht hat? Richtig geraten! So selbstlos und so ungemein kollegial ist unser Fraport-Schulte. Und eine putzige Erklärung, für eine besondere Bevorzugung von Langstreckenflügen hat er auch parat, in dem er einen ökologischen Vorteil für die Langstreckenflüge errechnet. Bei einem Kurzstreckenflug, so wird er in diesem Interview zitiert, liege der Verbrauch im Durchschnitt bei 7,7 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer, während auf der Langstrecke der Verbrauch bei 3,8 Liter pro Passagier und 100 Kilometer liege.

Sorry, lieber Herr Fraport-CEO, das sieht „unsere Umwelt“ leider völlig anders. Die leidet nämlich ausnahmslos nur unter der Gesamtbelastung eines Flugzeuges. Und die ist bei einem Langstreckenflug nun mal deutlich und unstrittig höher als bei einem Kurzstreckenflug. Da hilft kein Dividieren durch Anzahl Passagiere oder Anzahl Kilometer oder Höhe Flugpreis oder was einem noch so einfallen könnte. Sich aus egoistischen Fraport-Gründen da etwas mit Mathe-Tricks schön zu rechnen ist nicht nur unredlich der Umwelt gegenüber, abgesehen davon auch unkollegial der restlichen Branche gegenüber, sondern mathematisch eine unsinnige Luftnummer.
Merke: Mag der Rechengang auch richtig sein, kann das Ergebnis trotzdem keinen Sinn machen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) finden sich diese Woche Interviews
mit Dr. Petra Stolba, wie Österreich-Werbung ein jüngeres Publikum ansprechen will,
mit Oliver Müller-Dukat, der 1-2-fly als Preis-Leistungs-Führer im „Billigbereich“ sieht
und mit Achim Hunold zum die Lufthansa schmerzenden Coup, demnächst zur oneworld-Allianz zu gehören.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen dreht sich alles um die aktuelle Fliegerei. Besonders wird über die Qualitätsproblemen bei Easyjet gelästert, vor allem weil nur „die anderen“ schuld sind, aber nicht Easyjet selbst. Dabei wird wie immer „sehr dezent“ darauf hingewiesen, dass die BBBs schon vor fünf Monaten vorhergesagt haben, dass es die neue Easyjet-Chefin nicht packen wird (und warum das überraschender Weise eine Bestätigung für Frauen in Führungspositionen sei). Daneben geht es noch um die sich abzeichnende Fahnenflucht von Ryanair-O`Leary und die neuen „Regierungsfliegerchen“ von Sarkozy und Angela Merkel.

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Luftverkehrsabgabe – ein weiterer Wortbruch der Regierung

Es wird immer verrückter mit dieser Luftverkehrsabgabe.
Allein, dass diese neue Steuer unter der Überschrift „Sparpaket“ firmiert, war schon eine Frechheit. Denn wer spart hier? Niemand. Ich möchte mal sehen, was mein Nachbar sagen würde, wenn ich ihn um eine kleine Nachbarschaftsabgabe bitten würde und das ganze noch mit der Begründung „ich muss sparen“.

Dann wurde für die „Sparsitzung“ die schöne Überschrift „ökologische Luftverkehrsabgabe“ erfunden. Darauf sind auch einige reingefallen (siehe etliche Emails nach den BBBs vom 14.6.2010 “Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt …..”). Aber der aktuelle Entwurf der Abgabe enthält keinerlei ökologische Aspekte (ungefähr so ökologisch wie die Abwrackprämie).
Auch die zwischendurch genannten „sozialen Aspekte“, ohnehin ein schwieriger Begriff“, also First zahlt mehr als Economy, sind verschwunden.
Jetzt heißt es ganz schlicht: 13 Euro für einen Inlandsflug und 26 Euro für einen Auslandsflug.

Noch auf der 30-Jahrfeier von Air Berlin versicherte die Bundeskanzlerin, „es wird hier keinen nationalen Alleingang geben“. Pustekuchen! Diese Steuer ist nicht nur ein absoluter nationaler Alleingang, es geht mit der Ungerechtigkeit sogar noch weiter. Ein Passagier der vom Ausland nach Deutschland fliegt und in Frankfurt umsteigt zum Weiterflug nach Hamburg zahlt keine Steuer. Ein Passagier der nur von Frankfurt nach Hamburg fliegt, zahlt 13 Euro. Logisch?

Laut „Sparbeschluss“ sollte die Steuer nur bis 2012 erhoben werden (weil danach die Fluggesellschaften in den Emissionshandel einbezogen werden sollen). Diese zeitliche Begrenzung ist im Gesetzesentwurf verschwunden. Sogar Verkehrsminister „Aschepeter“ Ramsauer, hat das bemerkt, und soll Schäuble auf „Missachtung eines Kabinettsbeschlusses“ hingewiesen haben.
Auch Wirtschaftsminister Brüderle, der Schweiger in der Regierung wenn es um das Thema Wirtschaft geht, hat sich zu Wort gemeldet. Irgendjemand muss ihm die Flopzahlen aus den Niederlanden, aus der damaligen Einführung einer Luftverkehrssteuer, gepetzt haben. Er warnt jetzt davor, „die Einnahmenminderungen wegen Passagierrückgang, könnten doppelt so hoch sein, als die zu erwartenden Mehreinnahmen“ aus der dreisten Steuereinführung. Wenn das sogar Brüderle merkt, dann muss wohl doch was dran sein.

Wer beim Thema Wortbruch immer nur an die Zusammenarbeit von SPD und Linke denkt, an Ypsilanti und Kraft, denkt zu kurz. Die Linke ist evtl. in ihren politischen Aussagen gefährlich, diese Regierung ist aber in ihrem praktischen Handeln gefährlich. Sie hat Wortbruch offensichtlich zum System erhoben. Erhöhung der Krankenkassenbeiträge – wie oft war da schon die Schwurhand gehoben, dass es das nicht geben wird), „Mehr Netto vom Brutto“ – wo ist es? Und dann wird beim Berechnen des „Netto“ oft vergessen, dass die Kommunen aufgrund der Beschlüsse der Bundesregierung, an kommunalen Abgaben erhöhen was nur geht (von Kita-Gebühren bis Abfall- und Abwasserversorgung). Diese Aufzählung lässt sich leider fortsetzen. Dies alles hat auch Auswirkungen auf die Touristik, und deshalb steht es in diesem Blog, weil dadurch das sog. frei verfügbare Einkommen der potenziellen Touristen geschmälert wird und das hat unmittelbare Auswirkungen auf die Urlaubsentscheidungen. Aber Urlaub gilt bei vielen Politikern bekanntlich als verzichtbar für den Normalo-Bürger.

Selbst die nicht unumstrittene MWSt-Senkung für Hotelübernachtungen scheint auf dem Weg zum Wortbruch. Man kann eine solche Gesetzesänderung, auf deren Basis Hotels Investitionen vorgenommen haben, nicht nach kurzer Zeit wieder zurücknehmen. Damit wird Vertrauen in die Gesetzgebung zerstört, eine wichtige Basis unternehmerischen Handels.

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Achtung: Erfolgsmeldung.
Mehrfach hatten wir in den Bissigen Bemerkungen auf das verzweifelte Bemühen des Thomas Cook-CEO Manni Fontela Novoa um den Zukauf eines deutschen Veranstalters aufmerksam gemacht, siehe zuletzt BBB vom 21.6. „Die Bissigen Bemerkungen auf der Suche um zu helfen…“. Kurz bevor die BBB hier eigene Erfolgsmeldungen präsentieren konnten (wir waren mit einigen Mini-Spezialveranstaltern bereits „in guten Gesprächen“), hat sich Vural Öger breitschlagen lassen und seine Firma Öger Tours (zumindest den deutschen Teil davon) an Thomas Cook verkauft. Deshalb übernehmen die BBBs an dieser Stelle gerne die Überschrift aus der financial times: „Endlich mal geliefert“.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) stehen diesmal als Folge der Programmpräsentation von Thomas Cook, dieselben auch im Vordergrund. Da auch Frese von DERTOUR zu Wort kommt, waren in den letzten Wochen die Big Drei ausführlich im Reiseradio vertreten. In den akustischen Bissigen Bemerkungen darf natürlich die Hitze nicht zu kurz kommen. Aber die war ja kein Problem, wenn man in einem schön klimatisierten ICE durch Deutschland fuhr, oder war da was?

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Politiker in die Touristik? Das gäbe ein Chaos!

Wären Politiker Veranstalter-Chefs, dann ginge es beim Veranstalter wohl so zu:
Aufregung in der TUI-Hauptverwaltung. Bei der Programmpräsentation fehlen überraschend 44 Produkte. Und es kommt noch schöner, diese 44 Produkte
tauchen zeitgleich in den Katalogen der Konkurrenz auf. Ist doch kein Problem, sagt der Polit-Veranstalter-Boss, dann wiederholen wir einfach die Präsentation. Große Spannung bei den Journalisten und tatsächlich überraschender Weise finden sich 15 Produkte in den Katalogen der TUI wieder, aber Thomas Cook verliert nur 9 Produkte. Wo mögen die anderen 6 Produkte gewesen sein? 2 Produkte hatten vorübergehend bei Alltours Asyl gesucht und 4 andere Produkte konnten sich überhaupt nicht entscheiden und haben erst mal abgewartet. Da wird der Polit-Veranstalter-Chef etwas böse (aber nur etwas) und sagt über die anderen 29 verschwundenen Produkten „eine Chance habt ihr noch, überlegt Euch wo ihr hingehört, sonst ist es bald aus, mit unseren Katalogen“.
Dummerweise kamen zeitgleich Thomas Cook und Alltours auf den verwegenen Gedanken ihre Produkte mal schnell zusammenzulegen um die TUI richtig vorzuführen. Das sprach sich schnell herum (obwohl Alltours nie im Leben daran dachte, etwas Gemeinsames mit Thomas Cook zu machen und schon gar nicht unter deren Führung). Da bekamen die abtrünnigen TUI Produkte aber ziemlich kalte Füße und sprangen schnell in die TUI-Kataloge zurück. Und der TUI-Chef war auch gar nicht mehr böse und meinte nur „so etwas darf aber nicht wieder vorkommen“. Das bejahten die TUI Produkte artig und überlegten zugleich, wie und wann sie wieder ausbüchsen könnten.

Wären Politiker Airline-Chefs, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Condor-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Airline-Boss hat als Umsatzerhöhungsmaßnahme beschlossen, die Preise durchgehend um 20 bis 50 Euro zu erhöhen. Und damit das schön aussieht, nennt er diesen Zuschlag Öko-Zuschlag. Seine Kollegen protestieren heftig, denn da die anderen Airlines das nicht machen, würden die Kunden zu diesen abwandern und am Ende wäre noch weniger Geld in der Kasse. Schließlich kenne man Beispiele von holländischen Airlines wo diese Nummer total in die Hose ging. Ja wenn das so ist, sagte der Polit-Airline-Boss, dann lasse ich das Öko-Label einfach weg, aber den Zuschlag verlange ich trotzdem. Jetzt mache ich es abhängig vom Flugtarif und als soziale Komponente müssen jene, die den höchsten Preis zahlen, keinen Zuschlag berappen! Das wäre doch mehr als gerecht. (zur Erläuterung für Nicht-Airliner: Die Höhe der geplanten Luftverkehrsabgabe soll sich danach richten ob man First, Business oder Eco fliegt. Millionäre die mit ihrem eigenen Flugzeug fliegen, sollen keine Luftverkehrsabgabe zahlen. Ist doch sozial ausgewogen, oder?)

Wären Politiker Chefs von Hotelketten, dann ginge es wohl so zu:
Aufregung in der Steigenberger-Hauptverwaltung. Der neue Polit-Hotel-Boss ändert täglich seine Meinung, wie und wieso und warum und wie hoch man die Mehrwertsteuer auf die Preise berechnen soll. Zuerst beschloss er in einer Nacht- und Nebel-Aktion, den Mehrwertsteuersatz zu halbieren, schließlich mache das die Konkurrenz im Ausland ebenso. Als endlich alle im Unternehmen kapiert hatten, welche Chancen darin liegen würden und entsprechende Investitionen starteten, konnte sich der Polit-Hotel-Boss plötzlich nicht mehr erinnern, warum und ob überhaupt er diese Anweisung gegeben hatte. Seine Claqueure im Planungsstab des Unternehmens schrieen noch lauter „die Mehrwertsteuer muss wieder hoch“. Die Manager der einzelnen Hotels waren fassungslos und fragten und „woher bekommen wir nun das Geld, das wir in Investitionen gesteckt haben“. Da lacht der Polit-Hotel-Boss nur kurz und sagt „selbst schuld, warum habt ihr mir auch vertraut“.

Und wo ist die Moral von der Geschichte? Die gibt es zwar nicht, aber die BBBs haben da so eine Idee.

Da haben doch zwei „Starpolitiker“, namens Peter Trapp, innerpolitischer Sprecher der Berliner CDU, und Markus Ferber, Chef der CSU-Europagruppe, doch tatsächlich gefordert, einen IQ-Test für Zuwanderer einzuführen. Die Bissigen Bemerkungen werden jetzt eine Initiative starten „Ja zum IQ-Test für Zuwanderer, wenn es den gleichen Test auch als IQ-Test für Abgeordnete gibt“. Letzteres natürlich nicht nur für neue Abgeordnete, sondern auch für die aktuellen Abgeordneten. Klasse Doppel-Effekt: Die größten Pfeifen wären weg und das Parlament nur noch halb so groß.

Ach ist das schön.
Dass ich das für möglich halte, muss wohl mit der Hitze zusammen hängen.
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Im Reiseradio (unter www.reiseradio.org ) äußert sich diese Woche u.a. Griechenlands Vizeminister Georgios Nikitiadis selbstkritisch über die Zukunft des Griechenland-Tourismus. Des Weiteren geht es auch um die richtige Reiseapotheke. Zwischen beiden Themen besteht aber kein Zusammenhang.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird abgelästert über den Werbespot der russischen Fluggesellschaft Avianova und warum dieser eher sexistische Werbespot von der Branche so oft geklickt wurde. Neben den üblichen Aufregern gibt es noch tiefsinnige Betrachtungen zur Nachricht “Krokodil frisst Hai” und darf man Hai überhaupt essen. Merke, nicht jeder Hai steht unter Naturschutz (siehe Finanzhai).
Kleiner Hinweis für jene, die gefragt hatten, ob man auch zuerst die BBBs und dann die anderen Beiträge hören könne. Antwort: Das ist jedem selbst überlassen.

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Die Bissigen Bemerkungen auf der Suche um zu helfen….

Man kann es kaum noch mit ansehen. Der „arme“ Manni Fontela Novoa, seines Zeichens CEO von Thomas Cook, verkündet seit mehr als einem Jahr, dass er demnächst einen deutschen Reiseveranstalter kaufen wird. Aber leider, leider lässt sich keiner von ihm kaufen. Zuletzt hat auch Öger abgelehnt. Jetzt hat der Ober-Cookie wieder in der Süddeutschen verkündet, dass er kaufen will. Da seine Kommunikationsabteilung ihm das wohl nicht ausreden kann, nehmen jetzt die Bissigen Bemerkungen die Sache in die Hand.
Wir reisen diese Woche mal in etwas abgelegene Gebiete Deutschlands, nach Ostfriesland, in den Hunsrück und in die Eifel und in den Bayrischen Wald. Verdammt noch mal, da muss doch irgendwo noch ein klitzekleiner Veranstalter sein, der sich von Thomas Cook kaufen lässt. Die Telefonnummer von Manni haben wir dabei, damit wir ihm dann direkt die freudige Botschaft übermitteln können.

Nicht mehr zu helfen dagegen, auch nicht von den BBBs, ist unserem Problembär in der Regierung (jetzt werden alle fragen, ja wer denn, da gibt es doch so viele). Gemeint ist aber Peter Ramsauer, im Moment Spitzenreiter auf der schwarzen Liste der BBB. Hat er noch vor kurzem im TV verkündet, dass er eigentlich nur mit der Topetage von Lufthansa spreche (in Wirklichkeit sollen sogar diese Probleme haben zu Ramsauer durchzukommen), hat er sich jetzt einen neuen Fehltritt erlaubt. Er traf sich letzte Woche mit Vertretern der Vereinigung Cockpit, den Hardcore-Personalvertretern der Lufthansa, die nicht nur bei Lufthansa intern immer wieder für unsinnige Forderungen sorgen, sondern sich noch mehr hervortun, wenn es gegen die LH-Konkurrenz geht. Das ist ein echter Affront gegen alle anderen deutschen Fluggesellschaften (was Insider wahrscheinlich viel mehr verstehen, als Außenstehende).

Schreiben Sie bitte den BBBs, wer Ihrer Meinung nach, auch „Hilfe von den BBBs“ benötigt. Schwierigkeitsgrad möglichst zwischen Ankündigungs-Manni und Asche-Peter. Die BBB helfen gerne.
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Im Reiseradio www.reiseradio.org hören Sie diese Woche einiges über Ferienhäuser (Interviews mit Nöckel von der Westdeutschen Zeitung und mit Rheinsberg von Wolters Reisen. Außerdem Interviews zu Sensimar und die amerikanische Daten-Sammelwut. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es um relative Verspätungen bei der Bahn und um eine 61-jährige (noch aktive) amerikanische Stewardess, die wie im Film als Ersatz im Cockpit einsprang, weil der Co krank geworden war.

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Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt…..

Damit hatte die Luftverkehrsbranche nicht gerechnet, dass sie quasi als einzige Branche von den Sparbeschlüssen getroffen wird (die Kernenergieunternehmen werden ja nicht echt belastet, sie müssen nur von evtl. künftigen Gewinnen etwas abgeben). Nicht die Unberechenbarkeit des Marktes ist das größte Problem der Airlines und es ist nicht die harte Konkurrenz. Selbst die Schwankungen auf dem Treibstoffmarkt bekommen die Airlines einigermaßen in den Griff. Der Hauptgegner der deutschen Airlines heißt: Bundesregierung.

Zuerst wurde die Branche durch einen unfähigen (oder unwissenden) Verkehrsminister zu tagelangem Nichtstun verdammt und erlitt dadurch Verluste in dreistelliger Millionenhöhe (schlimmer als die Situation nach dem Attentat vom 11.September 2001). Jetzt schlug die Regierung kalt mit einer Luftverkehrsabgabe zu. Statt ehrlich zu sagen, wir „haben einen Dummen gesucht, dem man noch Geld aus der Tasche ziehen kann und da ist unsere Wahl auf die Flugpassagiere gefallen“ (denn die Fluggesellschaften werden diese Kostenerhöhung weitergeben an Ihre Kunden, zumindest an jene die noch von Deutschland aus fliegen), umgibt sie die böse Tat mit dem Deckmäntelchen „ökologisch“. Was ist daran ökologisch? Hier wird keine bestehende Abgabe nach ökologischen Gesichtspunkten umgebaut, sondern es gibt nur einen „oben drauf“. Die Einführung dieser neuen Abgabe wurde schließlich im Rahmen des „Spar“-Paketes beschlossen. Wobei auch der Begriff „Sparen“ hier Hohn ist, denn die Regierung spart ja nicht, sie versucht nur dreist ihre Einnahmen zu erhöhen.

„Ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“ lautete der Kommentar der Lufthansa und Germanwings sprach „von einem Förderprogramm für ausländische Airlines und Flughäfen“. Dass es sich bei der vorgebrachten Kritik nicht um typisches Gejammer von Branchenvertreter handelt, zeigt das Beispiel Amsterdam. Die Regierung der Niederlande war mit einer ähnlichen Abgabe ziemlich auf die Nase gefallen. Statt wie erhofft Mehreinnahmen von 300 Mio. Euro zu generieren, verursachte die folgende Abwanderung von Fluggästen (lustigerweise nach Deutschland) einen wirtschaftlichen Verlust von 1,3 Mrd. Euro, was zu einer baldigen Aufhebung der Gebühr führte.

Wie stolz war Air Berlin, dass zur Feier des 30. Geburtstages dieser Airline, die Kanzlerin ihr „die Ehre ihres Besuches gab“. Vielleicht hätte Air Berlin besser Herrn Westerwelle einladen sollen. Frei nach dem Motto: „Von Hoteliers lernen, heißt Siegen lernen“.

Kein Problem mit dieser Mehrbelastung hatte fast erwartungsgemäß (Nicht-) Verkehrsminister Ramsauer. Sein Kommentar „diese Mehrkosten für die Flugpassagiere sind sowohl für Urlaubs- als auch für Geschäftsreisen vertretbar“. Besser wäre gewesen „diese Kosten fallen für mich persönlich ja nicht an“.
Wenig überraschend war, dass von Wirtschaftsminister Brüderle hierzu nichts zu hören war. Vielleicht sollte ihm endlich mal jemand sagen, dass er für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Deutschland verantwortlich ist.
Etwas überraschender dagegen die Reaktion von Alltours-Chef Verhuven. Er meinte: „Die durch die Abgabe entstehenden Mehrkosten seien bei einem zweiwöchigen Urlaub zu vernachlässigen“. Wenn dem so wäre, dass dieser Betrag keine Rolle spielen würde, fragt man sich, warum er nicht schon die ganze Zeit seine Preise genau um diesen Betrag erhöht hat. Tatsächlich ist die Anzahl der Zwei-Wochen-Reisen in den letzten Jahren stark gesunken. Warum wohl? Weil die Kunden mit jedem Euro rechnen müssen.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) sind diese Woche etliche Interviews rund um die Internationale Luftfahrtshow in Berlin zu hören. Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften, Ralf Teckentrup, äußert sich „zum Strafzoll der Bundesregierung für Fluggäste, die mit deutschen Fluggesellschaften ab deutschen Flughäfen fliegen“. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und warum es normal ist, dass sowenig deutsche Touristen hingeflogen sind.

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Darf ein Bundespräsident sich über gestrandete Urlauber lustig machen?

Das Ansehen eines Bundespräsidenten soll eigentlich nicht beschädigt werden, was ist aber wenn er es selbst beschädigt? Wochenlang hat Bundespräsident Köhler zu wichtigen aktuellen Fragen, die das ganze Volk beschäftigt, geschwiegen. Kabarettisten unkten schon „wo ist Horst?“.

Jetzt hat Köhler sich kräftig zu Wort gemeldet. Leider. Zu seiner Entschuldigung könnte man anführen, dass er z.Z. keine/n Pressesprecher/in hat, die auf ihn „aufpassen könnten“. Ein Glück, „die Neue“ kommt zum 1.6.2010.

Seinen Versprecher(?) zum Afghanistan-Krieg hat die Presse diese Woche weidlich kommentiert. Daneben blieb eine andere Rede von Köhler, vor dem Weltverkehrsforum in Leipzig, weniger beachtet. Aber die Bissigen Bemerkungen, an allem interessiert was mit Mobilität zusammenhängt, haben die Rede entdeckt (siehe www.bundespraesident.de). Leider!.

Ist es die besondere, von Kabarettisten oft verspottete, Naivität des Bundespräsidenten oder lebt er in einer anderen Welt als sein Volk.
Beispiele gefällig?
1. Als einer der wesentlichen Punkte dieses Weltverkehrsforums sollte das Thema „Zusammenbruch des Luftverkehrs wegen der Aschewolke“ auf der Tagesordnung stehen. Was fällt unserem Bundespräsidenten dazu ein? Er berichtet von Bürgern die „in Wahrheit erleichtert waren, dass die anstrengende Urlaubsfernreise ausfiel“. Darf man an dieser Stelle anmerken, dass dies, Entschuldigung für den Ausdruck, eine Verarschung all jener war, die unter großer Belastung versucht haben an ihr Ziel oder wieder nach Hause zu kommen? Gleiches gilt für die tolle Arbeitsleistung der Beschäftigten in Luftverkehr und Touristik. Natürlich keine mahnenden Worte des Präsidenten an die wahren Verursacher des Chaos, Verkehrsministerium, Flugsicherung und Wetterdienst.

2. Der Bundespräsident sah sich auch veranlasst, vor den Delegierten aus 52 Ländern, sich kritisch mit einer einzelnen Werbung auseinandersetzen zu müssen, die er an Berliner Bussen gelesen hatte. Dort hatte eine Fluggesellschaft mit folgendem Werbespruch auf sich aufmerksam gemacht: „Norwegen rückt näher, Oslo ab 29 Euro“. Ob Köhlers folgender Satz ernst gemeint war? Wörtliches Zitat: „Norwegen ist aber keinen Zentimeter näher gerückt. Oslo ist noch immer 1.000 Kilometer von Berlin entfernt“. Liebe Leserinnen und Leser der BBB, es ist zu befürchten, dass er dies als ernsthafte Erkenntnis auch genau so wörtlich gemeint hat. Nur just for Info für das Bundespräsidialamt: Wien liegt zwar nur 700 Km von Berlin entfernt, aber immerhin. Natürlich musste der Bundespräsident 2008 zum EM-Endspiel dort sein. Hat zwar nichts genutzt, dafür durfte es auch mehr als 29 Euro kosten. Shanghai ist übrigens 8.400 km entfernt. Macht ebenfalls nichts, der deutsche Pavillon und 1,4 Mrd. Chinesen haben auf diesen Tag seines Besuches gewartet. Diese Woche wird die Kanzlerin etliche 100 Km unnötig ins Trainingslager unserer Fußball-Nationalmannschaft fliegen, als ob Jogi Löw nicht schön genügend Probleme hätte.

3. Aber auf eines der dringendsten verkehrspolitischen Fragen Europas, den „Single European Sky (Neuordnung des Luftraums über Europa ohne nationalen Grenzen), ging Köhler mit keinem Satz ein. Dabei hatte vor zwei Jahren auf der gleichen Konferenz die Bundeskanzlerin in ihrem Statement noch genau dies als eine der zentralen Aufgaben bezeichnet. Lufthansa-Chef Mayrhuber hatte vor Jahren mal vorgerechnet, dass der z.Z. deshalb unnötig verflogene Treibstoff reichen würde, um täglich mehrfach nach New York zu fliegen! Aber da hätte man ja an die politische Nase fassen müssen.

Wenn im Moment in Berlin nach Einsparungen gesucht wird, die BBB hätten da mal einen Vorschlag……

Natürlich, das Bundesverkehrsministerium unseres speziellen Freundes Ramsauer, war auf der Tagung mit mehreren eigenen Infoständen vertreten. Auf einem war ein Modell des Forschungsflugzeuges „Falcon“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ausgestellt. Genau richtig erinnert, es ist jenes Flugzeug, das im kritischen Moment so lange brauchte um in die Luft zu kommen, um dann festzustellen, „keine Asche da“,

Dabei sind internationale Konferenzen, die über Umweltbelastungen diskutieren, per se schon ein Witz, denn in aller Regel stehen die durch An- und Abreise entstandenen Belastungen in keiner Relation zum Kongressergebnis. Vergeblich haben die Bissigen Bemerkungen im Internet nach einem Abschluss-Komitee gesucht, dafür aber einen interessanten Pressekommentar gefunden: Das im Vorfeld des Kongresses so hoch gelobte Tagungspapier „Transport Outlook“ ist nicht von einer unabhängigen Forschungseinrichtung erstellt worden (wie allgemein kolportiert), sondern von einer Kommission in der u.a. auch Staatssekretäre ihren Sitz hatten, also ein zuerst politisches Papier. Aber noch schöner war eine andere Bemerkung in diesem Kommentar: „Im Grunde ist die Studie sogar ein Eingeständnis, dass die Verkehrsminister der wichtigsten Länder weder eine Vision, schon gar keine Strategie und erst recht keinen Willen haben, den Weltluftverkehr zukunftsfähig zu machen“. Schöner hätten es die BBB auch nicht formulieren können, höchstens kürzer, mit einem Wort: Ramsauer.

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Diese Woche im Reiseradio (www.reiseradio.org) u.a. einen Bericht über den neuen Center Park Mosell im Elsaß, der exakt in die Schneise gebaut wurde, die zu Weihnachten 1999 der Orkan Lothar „geschaffen hatte“. In den Bissigen Bemerkungen geht es um das immer aktuelle Thema Last Minute.

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Wie menschlich – aus dem Eyjafjallajökull kommt nur noch heiße Luft

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Der Eyjafjallajökull spuckt keine Asche mehr, es kommt nur noch heiße Luft. Damit kommt er uns direkt menschlich einher.
Im Management nennt man so etwas „management by helicopter“ (Einfliegen, Staub aufwirbeln, wieder verschwinden und alles geht weiter wie zuvor).

Das ist genau der richtige Zeitpunkt um eine Reiseempfehlung nach Island auszusprechen. Also auf nach Island und schauen wir uns das „heiße Kerlchen“ mal aus der Nähe an und mit ihm noch weitere 29 Vulkane auf dieser Insel. Ein einmaliges Feuer spuckendes Angebot, ein echtes USP (Alleinstellungsmerkmal) dieser Insel.
Ansonsten ist Island ziemlich grün, entspricht also einem aktuellen Reisetrend (von mehreren). Außerdem gilt Whale Watching als große Attraktion. Angeblich leben über 200.000 Wale (verschiedener Arten) im Meer in Sichtweise.

Was sollte man noch wissen?
Falls Sie es vergessen haben sollten, fast hätten sich nächstes Wochenende ohnehin alle Augen nach Reykjavik gerichtet, denn beim letzten Eurovision Song Contest belegte Island den 2. Platz hinter Norwegen. Ok, die Isländer haben uns damals keinen Punkt gegeben. Aber keine bösen Gefühle deshalb, denn fast der gesamte Rest von Europa hat das auch nicht getan.
Näher zusammen als beim Song Contest lagen wir bei der letzten PISA-Studie. Da lagen wir nur knapp hinter Island (allerdings nur im Mittelfeld). Und weil die Isländer intellektuell so gut zu uns passen, wird Island 2011 unter dem Motto „Sagenhaftes Island“ auch Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sein.

Kurzum, der deutsche Tourist ist mal wieder gefordert, ein Zielgebiet aktiv zu unterstützen. Ganz nach dem Motto:
Gehen wir doch hin nach Island, bevor sie uns wieder eine Botschaft schicken.

Bleibt noch nachzutragen und auch das wird dem deutschen Touristen bekannt vorkommen. Island wird von einer Regierungschefin geführt. Die isländische Angela Merkel heißt Jóhanna Sigurðardóttir. Dann ist es aber schon mit den Gemeinsamkeiten vorbei. Frau Sigurðardóttir führt eine Allianz von Sozialdemokraten und Grünen. Privat lebt sie in einer eingetragenen Partnerschaft mit der Autorin und Schauspielerin Jónína Leósdóttir.
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Und wie immer an dieser Stelle der Hinweis auf das Reiseradio. In der neuen Ausgabe steht das Thema Flusskreuzfahrt und ein Hotel mit viel Gegend drumherum im Mittelpunkt. Außerdem wird über eine Kuh-Safari berichtet. Im Interview verplaudert Konsul Horst Rahe versehentlich (?) seine neueste Innovation. Auch in den akustischen bissigen Bemerkungen „menschelt“ es diesmal. Unter anderem geht es um eine Lufthansa-Innovation (das Pissoir in der First Class im neuen A380 !?) und um ein neues Marktforschungsergebnis (Mit wem würden die Deutschen am liebsten das Schlafabteil im City Night Line der Bundesbahn teilen). Hören Sie mal rein, bei www.reiseradio.org.

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