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Auf den Spuren der Korruption

Der Tourismus sei nicht innovativ? In Tschechien wird jetzt eine kreative Variante von Stadtführung angeboten. Die Firma „Corrupt Tours“ bietet in Prag Touren zu „Schauplätzen der Korruption“ an. Und weil das offensichtlich ein echtes Thema in Tschechien ist, gibt es diese Tour bereits in vier Varianten. „Nester der Korruption“ lautet der Titel einer Tour, bei der vor allem Lobbyisten-Villen und das Hauptbüro der Stadtverwaltung (mit entsprechender Kommentierung) besichtigt werden können. Eine dieser Stadtführungen mit Namen „Goldener Zauber von Prag“ wird sogar in deutscher Sprache angeboten.

Jetzt will Firmengründer Sourek seine Idee internationalisieren. Und raten Sie mal liebe Leserinnen und Leser, welches Land er als erstes im Auge hat? Richtig geraten, Deutschland. Dann kommen wir zur zweiten, etwas schwierigeren Frage: Was hat Deutschland mit Somalia, Sudan, Kosovo und Ukraine gemeinsam? Das sind einige der wenigen Staaten die die UN-Konvention gegen Korruption (UNCAC) von 2003! noch nicht ratifiziert haben. Von den G20-Staaten haben neben Deutschland nur Japan und Saudi-Arabien nicht ratifiziert. Ach ja, und nicht zu vergessen, Tschechien hat auch noch nicht ratifiziert. Aber alle anderen Länder um Deutschland herum (und weltweit 160 Staaten) haben das Abkommen inzwischen auch als nationales Gesetz umgesetzt.

Und jetzt die dritte Frage: Woran scheitert die Ratifizierung in Deutschland vor allem? Antwort: Am Thema Abgeordnetenbestechung und das ist leider kein Scherz!!

Bundestagspräsident Norbert Lammert platzte schon im Dezember der Kragen als er forderte: „Die Abgeordneten dürfen sich nicht länger um eine Regelung herumdrücken“. Dabei müsste man eigentlich nur die strengen Bestimmungen für Beamte auf Abgeordnete übertragen. Aber die Reaktion aus den Reihen der Mehrheitsfraktion lautete, leider ernst gemeint, “man könne an Abgeordnete nicht so strenge Maßstäbe anlegen wie an Amtsträger, also Beamte, Bürgermeister usw“.
Es ist eine peinliche Geschichte, die Deutschland zunehmend international isoliert.

Jetzt kann man den Gedankengang des Tschechen Sourek nachvollziehen, warum er als nächstes Land ausgerechnet auf Deutschland kam. Und die Bissigen Bemerkungen wollen dem kreativen Städteführer gleich noch ein wenig zur Hilfe kommen. Als Berater für die Ausgestaltung dieser neuen Form von Städteführung bieten sich einige Bundestagsabgeordnete an, die dann noch „zusätzliche Kohle“ aus ihren Schandtaten machen könnten.

In der Tourismuslehre gibt es den Begriff von „Dark Tourism“, Reisen zu dunklen Stätten der Geschichte, wie z.B. zu Ground Zero, Tschnernobyl, Konzentrationslagern oder auch in „milderer Form“ zu berüchtigten Gefängnissen wie Alcatraz. Jetzt kann die Lehre um ein weiteres Kapitel ergänzt werden: Schauplätze der Korruption.

Eigentlich passt dazu auch, dass jetzt das Rederecht der Bundestagsabgeordneten begrenzt werden soll (weil auch hier Lammert sich vor kurzem normal, aber nach Meinung einiger Spitzenpolitiker zu weit, vorgewagt hatte). Ohne das Thema hier vertiefen zu wollen, darf wenigstens noch eine letzte Frage erlaubt sein: Warum brauchen wir dann in Bundestag noch 620 Abgeordnete (z.Vgl. das US- Repräsentantenhaus hat nur 435 Abgeordnete)?
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Korrektur:
In den Bissigen Bemerkungen vom 26.9.2011 wurde über ein Experiment in Genf berichtet, dem zufolge sog. Neutrinos, ultraleichte Elementarteilchen, in einem Experiment schneller flogen als das Licht. Daraus hatten wir die BBBs „Neutrino-Witze für die Reisebranche“ gemacht. Leider alles April, April, Albert Einstein hat immer noch recht. Als Grund für das fehlerhafte Ergebnis des Experiments, wurde ein Kabel genannt, dessen Verbindung offenbar nicht richtig befestigt war.
Fazit: Unser tägliches Kümmernis kann auch hoch bezahlte Forscher ereilen. Just for Info: Der Chef des renommierten Instituts ist daraufhin zurückgetreten. Manchmal stehen für gravierende Fehler auch Chefs gerade. Manchmal.

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Regionale Abzocke: Bettensteuer. Aber die Hoffnung ruht auf Bayern.

Die Abzocker lauern quer durch die Republik. Ausnahmsweise sind nicht die Benzin-Multis gemeint, sondern die Abzock-Kommunen. Über 20 Städte, mitunter dreist unter dem Siegel „den Tourismus fördern zu wollen“, greifen dem Hotelgast dabei in die Tasche und erheben sie: die Bettensteuer. Manche nennen sie auch Kulturförderabgabe. Sehr witzig, wenn Abzocke zur Kultur erklärt wird.

Egal wie man über die Senkung des Mehrwertsteuersatzes für Hotels denken mochte, war zumindest der offizielle Grund für die Senkung, nämlich „Anpassung an die europäische Wettbewerbssituation“, gerechtfertigt. Aber was machten nun einige Kommunen daraus? Getreu einem alten kommunalen Grundsatz „Der Bund gibt, die Kommune nimmt“, wird die Bundesentscheidung zum eigenen (kurzsichtigen) Nutzen konterkariert.
Wenn man sich mal die bundesrepublikanische Matratzenmaut-Landkarte anschaut, dann sieht man, dass sich ein Bundesland hierbei besonders hervortut: Thüringen.
Es ist nicht gerade das größte Bundesland, hat aber die meisten Bettensteuer-Kommunen.
Vielleicht ergänzt der Kabarettist Rainald Grebe seinen Thüringen Song, nach den Zeilen:
„… David Bowie ist auch schon einmal drübergeflogen..“
jetzt neu: „denn die Bettensteuer fand er ungezogen“.

Die Bissigen Bemerkungen hatten die Bettensteuer schon einmal thematisiert in den BBBs vom 15.11.2010 („Wer stoppt endlich diesen Schwachsinn?“) und dabei die Regierung in Oberbayern gelobt, die ähnlichen räuberischen Bestrebungen der Stadt München eine deftige Watschn verpasste. Jetzt wurde dieses Urteil durch den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof bestätigt. Bleibt noch der 11. Juli, da will das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über die Bettensteuer von Bingen und Trier (who? Bingen und Trier?) entscheiden.

Vielleicht ist der Zauber dann zu Ende.

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Sorry, aber diese Bemerkung können wir uns nicht verkneifen. Vor wenigen Tagen, am 30. März, kam es in Pirna (sächsische Schweiz, wer es nicht wissen sollte) zum Gipfeltreffen der „BBB-Freunde“ Ramsauer und Brähmig (wegen irgendeiner Südumfahrung). Da wären die Bissigen Bemerkungen gerne dabei gewesen (vielleicht hätten wir auch noch unseren dritten Liebling Middelhoff mitgebracht).

Nächsten Sonntag ist Ostern. Keine Ahnung wie lange es dauert, bis alle versteckten Ostereier gefunden sind. Deshalb müssen die BBBs an Ostern leider ausfallen.

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Der Täter ist (nicht) immer der Gärtner

Wow, was für ein Wochenanfang in der letzten Woche. Da glühte nicht nur mein BBB-Server ob der Zugriffszahlen, offensichtlich waren auch viele Neu-Leser dabei, denn am Montag und Dienstag wurden insgesamt fast 13.000 BBB-Seiten angeschaut. Auch die öffentliche Reaktion war ob dieser Ungeheuerlichkeiten aufgeschreckt, sogar die FAZ hat über die Causa Brähmig berichtet („Reisebranche in Aufruhr“). Bedauerlich war, dass zu fast 100% die Reaktionen in „typisch Politiker“ oder noch schlimmer in Richtung „typisch, wer sitzt schon im Tourismus-Ausschuss“ gingen. Wobei zumindest letzteres sogar ich aus eigener Erkenntnis dementieren möchte. Erstaunlich, dass ausgerechnet (und fast ausschließlich) ein angesehener Fachjournalist in seinem blog meinte, die „Reisebranche würde hier nicht als Betroffener taugen“.
Das sah z.B. der DRV deutlich anders und der DRV-Vorsitzende Büchy forderte Klaus Brähmig in einem Brief auf „diese abwertenden, unsachgemäßen und unangemessenen Bemerkungen öffentlich richtig zu stellen“. Und letztlich erkannte auch Brähmig die in der bekannten Email steckende Diffamierung und distanzierte sich deutlich von der Email seines Büroleiters.
Soweit Ende gut, alles gut?

Natürlich nur für den DRV. Der DRV hat schnell, sogar sehr schnell reagiert und immerhin die öffentliche Entschuldigung eines Bundestagsabgeordneten (sogar eines Bundestagsausschuss-Vorsitzenden erreicht)! Es ist sicherlich klug, dass der DRV die Angelegenheit mit diesem Entschuldigungsschreiben als vorerst erledigt betrachtet.

Ich sehe das allerdings etwas differenzierter. Klaus Brähmig hätte gut getan neben seiner „Distanzierung“ auch ein Wort des „Bedauerns“ zu erklären. Des Weiteren erklärt er, dass er „seinen Mitarbeiter angewiesen habe, künftig bei privaten Meinungsäußerungen nicht mehr den dienstlichen Email-Account zu benutzen“. Muss jetzt Strabel nur den Email-Account wechseln und darf dann weiterhin solche Müll-Emails abschicken?

Richtigerweise erklärt Brähmig auch, dass die Reaktion seines Mitarbeiters „überzeichnet war“. Überzeichnet allerdings nicht nur gegenüber der Branche, sondern auch gegenüber meiner Person. Insofern erwarte ich auch eine Entschuldigung in meine Richtung. Im Bestreben seines Büroleiters, zu retten was nicht mehr zu retten war, wurde getreu der bekannten Ablenkungs-Methode „Haltet den Dieb“ der Eindruck erweckt, als ob ich in vielerlei Art beleidigend gegenüber Brähmig geworden wäre. Dabei hat es Brähmigs Büroleiter mit der Wahrheit nicht immer sehr genau genommen. Jedermann/frau kann meine BBB vom 12.3. nachlesen und ebenso nochmals das Interview des Reiseradios vom 12.3. (siehe www.reiseradio.org) hören, die schließlich die Basis für den Strabelschen Ausraster waren. Sie werden keine niveaulose persönliche Beleidigung durch mich entdecken. Meine Kinderstube war zum Glück in Ordnung und da lege ich Wert darauf. Es sei denn, dass meine Aufforderung an Herrn Brähmig, er solle zurückzutreten, als Beleidigung gesehen wird. Ich sehe das dagegen als eine Art Tatsachenbehauptung.

Zuletzt noch eine kleine Petitesse. Obengenannter Fachjournalist schrieb in seinem blog. Achtung Zitatbeginn: „In diesem Fall hat Brähmig nachweislich nicht gedacht.“ Zitatende des Satzes. Natürlich wird man mir jetzt zumindest Dialektik, Sinnverdrehung oder sogar Beleidigung vorwerfen. Aber der Satz ist nicht von mir und ich liebe ihn trotzdem.

Eigentlich möchte ich diese Sache hiermit auch abschließen. Nehmen wir es so hin, wie die Zeitschrift „der Mobilitätsmanager“ schrieb: „Der Büroleiter war`s, wer sonst?“. Dass weiter unten in deren Text steht: „Und dass Brähmig jetzt seine Hände in Unschuld wäscht und die abfälligen Bemerkungen seinem Büroleiter in die Schuhe schiebt, hat schon etwas von einem faden Beigeschmack.“
Da sind die BBB zumindest teilweise anderer Meinung. Die Formulierungen sind garantiert Strabels eigenes Werk. Kenner der Szene, die mir schrieben, erklärten diese Sprache als authentisch für ihn. Sorge macht mir ein Strabel Zitat aus dem Manager Magazin. Dort betonte er das „tiefe Vertrauensverhältnis mit seinem Chef“.
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in eigener Sache:
1. Ich bedanke mich recht herzlich für über 60 Neu-Anmeldungen für den BBB-Newsletter. So viele Neuanmeldungen in zwei Tagen gab es noch nie!
2. Normalerweise antworte ich (gerne) auf jede eingegangene Email. Bei der Flut von Emails, die mich letzte Woche erreichte, ist mir das zumindest im Moment nicht möglich. Ich bedaure das, zumal in vielen Emails köstliche Formulierungen zu finden waren. Aber ich werde mich bemühen, die Antworten in den nächsten Wochen nachzuholen.

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Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken

Eigentlich dachte ich mit der ITB sei auch das Thema Brähmig, Vorsitzender des Tourismusausschusses des Bundestages, und seine mehr als abwegige Äußerung zum Thema „keine Urlaubsreisen nach Ägypten“ erledigt. Denkste.
Am 13.3., Absendeuhrzeit 3.44 Uhr, erreicht mich eine ellenlange Email mit dem Absender klaus.braehmig@bundestag.de. Wohlgemerkt, ich habe kein Problem mit Kritik. Der Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat mir schon zweimal sehr lange Emails geschickt, die nicht „sympathisch“ waren, aber man konnte sich damit auseinandersetzen. Und zuletzt habe ich auch Auszüge daraus in der folgenden BBB dargestellt. Aber die Email von klaus.braehmig@bundestag.de ist so wirr, dass man das nicht unkommentiert lassen darf. Unterzeichnet ist diese Email zwar von einem gewissen Gregor Strabel, Büroleiter/wissenschaftlicher Mitarbeiter, aber da der offizielle Absender nun mal auf Brähmig lautet, muss er sich wohl den Text auch anrechnen lassen.

Ich möchte die Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen zumindest mit einem Zitat erfreuen, die ganze Email wäre wohl auch für hartgesottene Leser zuviel.

Im Zitat werde zwar ich beschimpft, aber die darin enthaltene Bezeichnung für die ganze Touristik-Branche ist unglaublich (Achtung anschnallen, was jetzt kommt):
Zitat: „Sind Sie ein willen- und kritikloses Sprachrohr der sonnengebräunten Drückerkolonne im Einreiher, die auf der ITB nur Reisen verkaufen will und dabei jede Nachfrage zum Thema Ethik scheut, da das ja nur die Gewinne drückt?“
Wow, das ist gewaltig und da weder vorher noch nachher nur die geringste Einschränkung steht, kann mit der Bezeichnung „sonnengebräunte Drückerkolonne“ nur das Touristikpersonal auf der ITB in Gänze gemeint sein. Denkt man im Büro Brähmig (Absender wohlgemerkt Klaus.braehmig@bundestag.de) so über die Tourismusbranche? Da ist zumindest eine ordentliche Entschuldigung von Herrn Brähmig fällig.

Eine Bemerkung sollte man auch hierzu machen.
Weiteres Zitat:
„Herr Brähmig ist in den letzten Jahrzehnten nicht dafür bekannt gewesen, dem schnöden Populismus zu dienen“.
Gerade an dieser Stelle bleibe ich dabei, dass Brähmig hier das Thema Menschenrechte populistisch mit Tourismus verbindet, wohl wissend, dass der einfache Tourist sich hier nicht wehren wird. Wenn es Brähmig tatsächlich inhaltlich um Menschenrechte ginge, dann frage ich ihn:
- Wo war seine Wortmeldung als noch vor kurzem Angela Merkel Mubarak als Freund Deutschlands bezeichnete?
- Wo war seine Wortmeldung, als Frau Merkel, allein aus wirtschaftlichen Gründen mehrere Diktaturen in Afrika besuchte?
- Wo war seine Wortmeldung als Frau Merkel vor kurzem nach China reiste?
- Wo war seine Wortmeldung als der Staatspräsident von Kasachstan, ein übler Diktator, sowohl von Frau Merkel wie auch von Herrn Wulff mit allen Ehren empfangen wurde?
Da schwieg Brähmig, weil er sich wahrscheinlich „keine freundliche Bemerkung von Herrn Pofalla“ einhandeln wollte.

Auf die 1.135 Wörter lange Email aus dem Büro Brähmig, habe ich in bester BBB-Manier mit einem 50-Wörter-Shorty geantwortet, wie armselig Inhalt und der Schreiber der erhaltenen Email seien und habe kurz ein Sprichwort zitiert „wenn ein Punkt sich aufbläst, wird er zur Null“.

Da hat mir das Büro Brähmig aber auf meine Mailbox „gewulfft“. Kein Scherz, stimmt tatsächlich. Von einem „selbstgerechten älteren Herrn ist hier die Rede, der meint aufgrund seiner altbackener Erfolge, noch im großen Willi weitermachen zu müssen“. Das geht ja noch, so hat vielleicht schon der eine oder andere gedacht, der in den BBBs zitiert wurde. Nur zum Schluss wird es wieder richtig „interessant“. Angeblich „hätten sich ernsthafte Professoren gemeldet, die im Endeffekt Klaus Brähmig recht gegeben hätten. Und zwar Leute, die wissenschaftliches Renommee haben und nicht nur irgendwelche Reisen verkauft haben wie Sie“.
Das könnte, wenn ich den Absender ernst nehmen würde, schon gegen meine wissenschaftliche Ehre gehen. Zum Glück sprechen unzählige wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fach- und Lehrbücher eine andere Sprache.

Und bevor ich es vergesse. Von wegen Brähmig wäre vom Hamburger Abendblatt falsch zitiert worden. Inzwischen liegt mir die Bestätigungsemail von Brähmig zu diesem Interview vor. Dabei habe ich dann auch gelesen, was Brähmig zum Malediven-Tourismus gesagt und autorisiert hat. Da ist das Ägypten-Interview harmlos dagegen.
Wer sich für dieses Interview interessiert, kann näheres im Reiseradio (www.reiseradio.org) dieser Woche erfahren.

Herr Brähmig, ich glaube Sie haben ein großes Problem, leider die deutsche Touristik auch eines mit Ihnen.
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Mehr zu diesem Thema und noch einigen anderen interessanten Aspekten finden Sie auch diese Woche in www.reiseradio.org.

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So wird das nie was mit der Tourismusbranche

Hier drei Beispiele für diese Behauptung:

1. Die Sonnenscheinbranche, warum eigentlich?
Eigentlich hat die Branche Probleme ohne Ende. Luftverkehrsabgabe, Zwangs-Emissionshandel für unsere Airlines, Steigende Ölpreise, Nachfragedesaster durch den arabischen Frühling und in Griechenland, seit Jahren sinkendes frei verfügbares Einkommen (außer für Spitzenverdiener), neue Hotelsteuern in vielen Städten, steigende Mehrwertsteuer für Flussschiffe, Nachtlandeverbote, permanent steigende Kosten durch die Zersplitterung der Flugsicherung in Europa bewirken eine Umsatzrendite die zum „Totlachen“ ist und das darf wörtlich genommen werden. Reisebüros überleben entweder durch „sehr niedrige Gehälter“ oder durch Selbstausbeutung der Inhaber. Jede andere Branche hätte inzwischen im Wirtschaftsministerium und im Kanzleramt „die Tische umgeworfen“. Automobilbranche, Pharmaindustrie, Bauernverband seien nur als herausragende Beispiele genannt.
Doch was macht die Tourismusbranche? Sie lächelt. „Es geht uns gut“ als Dauer-Mantra. Ob ITB, DRV-Jahrestag oder BTW-Gipfel: „es geht uns gut“. Und dann wundert man sich, dass „die Politik nichts für uns tut“. Warum auch, es geht „uns doch gut“.
Lache Bajazzo, verwandle in Witze die Schmerzen und die Tränen.

2. Personen und ihre Aussagen stehen für Respekt für eine Branche
Zum „Nicht-Ernstnehmen“ passt kaum eine Person so gut wie der Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, Klaus Brähmig. Seine Aussage unmittelbar vor der ITB, Touristen sollen nicht nach Ägypten reisen, war ein Schlag ins Gesicht des ITB-Partnerlandes Ägypten. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Jetzt mag man bei uns in Deutschland sagen, „war doch nur der Brähmig, den nimmt doch eh niemand für ernst“. Richtig! Aber unsere Partner denken, der Vorsitzende eines Bundestagsausschusses müsste doch eine wichtige politische Person sein. Und von wegen „Missverständnis“. Dieses Thema ist bekanntermaßen seine Spielwiese. Die BBBs haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Denkweise auch inhaltlich falsch ist (zuletzt in den BBBs vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin“).
Seine, sagen wir mal „etwas komische“ Ansicht über Tourismus, zeigte sich auch in seiner Ansprache beim Parlamentarischen Abend der DZT. Originalton Brähmig zur Bezahlung im Tourismus: „Dienen am Menschen muss besser bezahlt werden als Dienen an einer Maschine“. Hallo, ist Tourismus „Dienen“? Im Wort „Dienstleistung“ geht es um einen „Dienst leisten“. Von Dienen ist da überhaupt nicht die Rede. Hier von „Dienen“ zu sprechen, sorry, das ist finsteres Mittelalter. Wenn solche Politiker im politischen Betrieb Tourismus repräsentieren, dann darf man sich nicht wundern dass „Tourismus“ im Berliner Betrieb nicht ernst genommen wird. Hier ist dringend eine Veränderung erforderlich!

3. Nur wenig Innovation im ITB-Betrieb.
Wenn vor einigen Jahren ein ITB-Besucher ins Koma gefallen wäre und man hätte ihn jetzt ohne Zusatzinformation durch die Hallen schlendern lassen, er würde garantiert nicht merken, dass Jahre vergangen seien. „The same procedure as every year“, man hörte es an allen Ecken und niemand störte es. Fast niemand. Selbst bei den abendlichen Parties grüßte das „Murmeltier“ sehr herzlich.
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Nach längerer Abstinenz gibt es diese Woche wieder akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio (www.reiseradio.org), diesmal live aufgenommen auf der ITB. Außerdem im Reiseradio Dr. Michael Frenzel, Dr. Adrian von Dörnberg, Reinhold Messner und, unvermeidlich, ein „paar Töne“ zum Tourismus-Schreck Klaus Brähmig.

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The same procedure as every year

„The same procedure as every year“, dann muss entweder Silvester oder Internationale Tourismus-Börse (ITB) sein. Außerdem sind der Sketch von Freddie Frinton und die ITB fast gleich alt. Der „90. Geburtstag“ wurde zum ersten Mal 1963 im deutschen TV gezeigt, die ITB ist im Jahre 1966 gestartet. Beiden ist gemein, dass bei Frinton alles und bei der ITB fast alles berechenbar ist.

Wurde früher die ITB auch mit „Internationale Trinker Börse“ übersetzt, hat sich in letzter Zeit eher der Begriff „Internationales Tourismus Bla-Bla“ eingebürgert. Trotz aller Lästerei hat die Messe zumindest international gesehen schon ihre Bedeutung. So wünscht man z.B. dieses Jahr insbesondere dem Partnerland Ägypten von Herzen alles Gute, viel internationales Interesse und im Ergebnis viel Erfolg. Dieses fantastische Tourismusziel hat es mehr als verdient. Zumal, das dürfte in Vergessenheit geraten sein, Ägypten eines von fünf Länder auf der ersten ITB war. Just for Info, die fünf „Gründungsländer“ waren Deutschland, Ägypten, Brasilien, Guinea und Irak.

Etwas differenzierter kann man die Messe unter nationalem Gesichtspunkt sehen. Da wird aus der ITB (Internationale Tourismus-Börse) schnell die NEB (Nationale Eitelkeiten-Börse). Letzteres soll keinesfalls die Bedeutung Deutschlands als touristisches Ziel schmälern (wie könnte man das auch, es ist unverändert touristisches Ziel Nummer EINS), aber was sich da teilweise an den Ausstellungsständen von Kommunen, Städten, Verbandsgebieten oder sogar Bundesländern abspielt, stellt mitunter sogar die Komik von Freddie Frinton in den Schatten. Insbesondere wenn (arme) kommunale Angestellte in nichts sagenden Kostümen auf irgendwelche regionale Helden hinweisen sollen/müssen. Ob das dann zu „mehr Kunden“ für diese Region führt, darf mehr als bezweifelt werden.
Aber jede auch nur minimal vorhandene Kundenorientierung wird ins Gegenteil umgekehrt, wenn die aktuellen kommunalen Heroes, sprich Bürgermeister, Landräte, Dezernenten oder die für Tourismus zuständigen Minister eintreffen. Dann wird der Stand „dichtgemacht“, weil man sich um die VIPs kümmern muss. Diese finden das auch selbstverständlich, denn wenn man schon die „beschwerliche“ Anreise auf sich genommen hat, um sich in Berlin für die eigene Kommune in die touristische Bresche zu werfen, dann hat man das „im Mittelpunkt stehen“ verdient und eventuelle Kunden würden dabei doch sehr stören. Und wenn der heimische „Touri-Verantwortliche“ Glück hat, dann liegt sein Heimatdorf so weit entfernt, dass eine abendliche Rückfahrt unzumutbar ist. Na dann, wird der Polit-VIP auch keine Mühe scheuen um sich noch in das nächtliche Berliner Getümmel zu stürzen. Immerhin weiß er (wahrscheinlich) wie touristisch erfolgreich Berlin ist und da kann eine kleine Nachtstudie des Angebots nichts schaden.

Kommt dann der so Gestresste wieder zurück, dann hat er sicherlich nicht nur sehr viele Eindrücke, sondern auch eine große Müdigkeit mitgebracht. Jetzt ist Erholung angesagt. Aber bei der nächsten parlamentarischen Tourismusdiskussion wird er umso überzeugender die echten Tourismusprofis in den kommunalen Tourismusverbänden mit seinem weltmännischen Wissen aus Berlin belehren können.

Auf nach Berlin, die ITB ist ja so schlecht gar nicht. Aber die vielen aufgeblasenen VIPs (da sind die oben genannten noch nicht einmal die übelsten) stören schon sehr.

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Die Lokomotivführer von Fraport

Erinnern Sie sich noch an den großen Streik der Lokomotivführer in 2007/2008. Eine Bedienstetengruppe an exponierter Stelle missbrauchte ihre Machtposition, benutzte „ihre“ Passagiere quasi als Geiseln, um sich einseitig (im Vergleich zur überaus großen Zahl der anderen Beschäftigten) erhebliche Vorteile zu verschaffen. Zusätzlich nervig war damals das andauernde „rein in die Kartoffeln/raus aus den Kartoffeln“. Mal wurde Streik angedroht, dann wieder unterbrochen zum Verhandeln, dann wieder gestreikt, dann wieder gedroht oder auch nicht. Kurzum eine Art neverending Streikstory, die alle Kunden zusätzlich die Zornesadern anschwellen ließen. Freunde schaffte man sich dabei nicht.
Die knapp 200 Vorfeld-Beschäftigten am Frankfurter Flughafen treiben es noch „doller“. Die Gruppe ist wesentlich kleiner (als damals die Lokomotivführer-Gruppe), dafür sind ihre Forderungen umso unglaublich größer. Und jetzt auch noch der Hickhack um Streik oder Nicht-Streik und dann wieder Streik. „Follow me“ steht normalerweise auf Ihren Fahrzeugen. Follow me? Nein, danke!

Zwei „Aufreger“ von letzter Woche sind noch nachzutragen, beides zu Themen die von den Bissigen Bemerkungen „gehasst werden wie die Pest“ (verwenden wir ruhig diesen Ausdruck).
Erst jetzt wurde bekannt, dass die Bonn-Berlin-Pendler im sog. Beamten-Shuttle nur 6 Euro Luftverkehrsabgabe zahlen, statt der normalerweise gültigen 7,50 Euro wie sie alle Fluggäste in Deutschland zahlen müssen. Das ist eine Unverschämtheit. Abgesehen davon, dass der ganze Zwei-Standorte (Bonn/Berlin) Quatsch so unnötig ist wie ein Kropf und nur unvertretbar die ohnehin klamme Staatskasse belastet, nimmt der Staat (nennen wir besser Namen: Ramsauer in Kooperation mit Schäuble) sich hier die unglaubliche Frechheit heraus, alle Kunden einer Branche zu belasten, aber sich selbst einen Preis-Nachlass zu geben. Spätestens jetzt ist auch das Märchen von der ökologischen Steuerungsfunktion dieser Abgabe ad absurdum geführt.

Zweiter Aufreger:
Ebenso durch Zufall wurde bekannt, dass bestimmte Politiker, wie z.B. die Parteichefin der Grünen, Claudia Roth, an den Warteschlangen beim Security-check vorbeigehen dürfen, ohne Handgepäck-Kontrolle und Abtasten (wer möchte letzteres in diesem Fall auch freiwillig machen). Zur Klärung: Es gibt einen „geheimen Erlass“ (geheimer Erlass? In was für einem Staat leben wir inzwischen?) des Bundesinnenministeriums, dass „Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens der Bundesrepublik Deutschland“ auf Wunsch von der Luftsicherheitskontrolle freizustellen sind. Die Bissigen Bemerkungen haben mehrfach klar gemacht, wie teilweise schwachsinnig die Art der Luftsicherheitskontrolle ist. Das stört aber die Verantwortlichen nicht, denn sie lassen sich ja davon freistellen.
Obwohl, nach scharfem Nachdenken, kommen die Bissigen Bemerkungen zu einer überraschenden Erkenntnis. Macht diesen „Persönlichkeiten“ in der Tat die Ausreise so leicht wie möglich, aber erschwert verdammt nochmal die Einreise (oder noch besser, macht sie unmöglich). Ach wäre das schön!
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In den BBBs von letzter Woche („Realsatire besser als jede Büttenrede“) war auch von der Vorsitzenden des Bundestagsausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Frau Dagmar Wöhrl und von dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl die Rede. Zu dieser Kolumne erreichte uns eine längere Email von Herrn Wöhrl. Fairerweise möchten wir daraus zwei Passagen wiedergeben (ohne eigene Kommentierung):

zum einen: “Vielleicht ist das für Sie (gemeint sind die BBBs) auch nicht weiter wichtig, denn schließlich habe ich den Pfad der Tugend verlassen und beim Kauf der INTERSKY nicht nur einen stolzen Betrag für die Anteile bezahlt, sondern mich auch zu einer nennenswerten Kapitalaufstockung bereit erklärt. Außerdem möchten wir dieses Unternehmen sogar ausbauen und im Bestand halten.”

zum anderen: “Was unsere Familienkasse anbetrifft so sei nur erwähnt, dass ich meiner Frau vor der Reise ein kleines Bündel 1,– $ Noten mitgegeben habe, weil ich weiß, wie wichtig es ist Kleingeld auf solchen Reisen zu haben. Es gibt sie also im Hause Wöhrl, aber wahrscheinlich hat meine Frau zuvor so viele “Einer” ausgegeben, dass zu diesem Zeitpunkt keine mehr übrig waren.“

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Realsatire besser als jede Büttenrede

Dieses Jahr wurde den Büttenrednern ganz schön die Show gestohlen, denn das „wahre Leben“ zeigte sich zuletzt von einer teilweise solch grotesken Seite, dass sich das kein Redner ausdenken konnte. Auch die Bissigen Bemerkungen stoßen an ihre Grenzen, wenn die „Wirklichkeit“ sich so verrückt darstellt, dass man verdammt viel Fantasie braucht um das karikaturistisch noch zu übertreffen.
Insbesondere in den letzten Tagen stolperte man über so viele Verrücktheiten, dass das Faschingsprogramm im TV im Vergleich dazu ausgesprochen langweilig war.

Im Folgenden wollen wir nur auf die „größten Kracher“ zurückkommen, z.B. wie „unanständig arm“ Herr Middelhoff ist, wie die CSU „Vorzeige“-Abgeordnete Wöhrl in Burma mit einem 100 Dollar-Schein bei Einkaufen „herumwedelte“, wie TUI ihren Aktionären statt einer Dividende nur alte Kekse schenkte, wie ein Bundespräsident Pech mit seinem letzten „Verteidiger“ Peter Hintze hatte und wie Angela Merkel genauso überraschend zum Gauck-Fan wurde wie Otto Rehagel zum Trainer von Hertha BSC Berlin.

1. Die BBBs haben schon oft zum Ausdruck gebracht was sie von dem Ex-Arcandor Manager Middelhoff halten, nämlich rein gar nichts. Man musste sich in der Vergangenheit nur ärgern wenn seinem permanentem „Ausstoß von heißer Luft“ auf verschiedenen Branchentagungen eine unberechtigt große Plattform geboten wurde (siehe u.a. BBBs vom 28.9.2008 „Wenn von einem Vordenker der Lack abblättert). Wie sehr er als Aufseher von Thomas Cook mit seinen Spesen „hauste“, wird inzwischen auch vom Arcandor-Insolvenzverwalter mit einer Rückforderung thematisiert. Jetzt klagte Middelhoff vor Gericht um die Freigabe seiner Festgeldanlage in Höhe von 23 Mio. Euro (!!!), welche das Bankhaus Sal. Oppenheim aus gutem Grund verweigert. Er versuchte glaubhaft zu machen, dass er ohne das Geld evtl. in eine „existenzielle Notlage“ geraten könnte und verwies darauf, dass er und seine Familie mehr als 70.000 Euro zum Leben bräuchten und diese Ausgaben „nicht in zumutbarer Weise reduzierbar“ seien. Damit es kein Missverständnis gibt, 70.000 Euro pro Monat wohlgemerkt. Das muss doch ein Schlag mitten in das Gesicht jedes redlichen Thomas Cook– oder Karstadt-Mitarbeiters sein. Zum Glück wurde der Antrag abgelehnt, das Gericht war der Meinung „er möge sich gefälligst an der Wirklichkeit orientieren”.

2. Zugegeben auf einer vollkommen anderen finanziellen Ebene, aber ebenso weltfremd, spielte sich der Fauxpas von Dagmar Wöhrl (CSU-Vorsitzende des Bundestags-Entwicklungsausschusses) ab. Während einer „Dienstreise“ mit Minister Niebel in das unsäglich arme Burma erfreute sie sich bei der Besichtigung eines Dorfes nicht nur „an der dörflichen Idylle“, sondern wollte auch einer armen Frau am Straßenrand eine bestickte Tasche für 2 Dollar abkaufen und mit einem 100 Dollarschein bezahlen. Unschuldig fragte sie danach ob man „wechseln könne“. Konnte man natürlich nicht. Ihr Ehemann, der Multiunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, hatte schon mal für einen Euro gleich eine ganze Fluggesellschaft (dba) gekauft und musste sich damals von seinem Anwalt bei der Vertragsunterzeichnung exakt diesen einen Euro leihen. Kleingeld gibt es wohl nicht im Hause Wöhrl.
Im Moment ist Hans Rudolf Wöhrl wieder auf Einkaufstour und demnächst bestimmt dann auch wieder auf Verkaufstour, wenngleich sein früherer Stammabnehmer Air Berlin wohl nicht mehr zur Verfügung stehen dürfte. Die Wirtschaftswoche war letzte Woche in einem Bericht über Wöhrl so freundlich die Bissigen Bemerkungen zu zitieren, die Wöhrl vor einiger Zeit den Titel „GröFaz – größter Fluggesellschaften Verkäufer aller Zeiten“ verliehen hatten.

3. Von vergleichsweise unglaublicher Sparsamkeit präsentierte sich letzte Woche die TUI auf ihrer Hauptversammlung. Zwar gab es wiederum keine Dividende, dafür wurden die Aktionäre großzügig mit Keksen beschenkt. Dummerweise war darauf zu lesen „Merry Christmas TUIfly“. Das fanden die Aktionäre wenig spaßig zur Entsorgung alter Kekse eingesetzt zu werden.

4. Es ist nur schwerlich möglich an der „Affäre“ Wulff vorbeizugehen. In den BBBs vom 16.1.2012 (Reisen zum Weltuntergang) hieß es hinsichtlich des Weltuntergangs zwar schon „Halten Sie Abstand von Christian Wulff und Philipp Rösler. Bei denen wird der Weltuntergang garantiert noch früher stattfinden“, was zumindest bei Wulff schon in Erfüllung gegangen ist. Ausgerechnet sein letzter verbliebener öffentlicher Verteidiger, Peter Hintze, lieferte mit einem „hilfreich“ gedachten Hinweis auf eine Aktennotiz von Wulff, die „entscheidende Hilfe“ für die Staatsanwaltschaft für die Einleitung eines Verfahrens. Verrückter geht es kaum noch.

5. Und dass Angela Merkel mal wieder einen ihrer berühmten unerwarteten Haken, mit dem „Vorschlag Gauck“ schlagen würde, hätte nicht nur vor einem Monat niemand zu prognostizieren gewagt, offensichtlich wusste sie es selbst am Sonntagnachmittag noch nicht. Am Sonntagmorgen glaubte ich noch, dass die Verpflichtung von Otto Rehagel durch Hertha in Berlin die größte Abwegigkeit sei, aber da habe ich wohl Frau Merkel unterschätzt. Na ja, Wulff war schon so etwas wie ein politisches Fukushima. Warum den gleichen Trick nicht zweimal machen?
Bei dieser Haken-Technik könnte mancher Feldhase noch etwas dazulernen.

Es gab noch einiges Zitierenswertes aus dieser absurden Woche. Mehr dann in der nächsten Ausgabe der BBBs.

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Wo war Ihr Einsatz, Herr Brähmig?

Im Juli letzten Jahres glaubte der Vorsitzende des Tourismusausschusses des Bundestages, Klaus Brähmig (CDU), die große Moralkeule gegen Urlauber schwingen zu müssen. Sein Credo: „Wir müssen uns fragen, ob es sinnvoll ist, in Länder zu reisen, die von einem diktatorischen Regime regiert werden“.
Die Bissigen Bemerkungen haben sich damals heftig gegen diese versuchte Reisezensur gewehrt (siehe BBB vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“).

Jetzt hätte Herr Brähmig wieder Gelegenheit gehabt, zum Thema „Kontakte mit diktatorischen Regime“ sich zu Wort zu melden. Es war schon fast peinlich wie leise, fast verschämt, Frau Merkel bei Ihrem China-Besuch das Thema Menschenrechte erwähnte und wie die Chinesen Frau Merkel auflaufen ließen, als sie sich mit Oppositionellen treffen wollte. Herr Brähmig, wo war Ihre Wortmeldung dazu?

Mindestens genau so peinlich war der große Bahnhof für den Präsidenten von Kasachstan, einem ziemlich „üblen Burschen“, der rücksichtslos gegen streikende Arbeiter oder generell gegen oppositionelle Kräfte vorgeht. Aber Präsident Nasarbajew wurde nicht nur von Frau Merkel, sondern anschließend auch von Bundespräsident Wulff mit Ehren empfangen (letzteres wollen wir hier nicht näher kommentieren). Die ARD-Tagesschau berichtete in diesem Zusammenhang spöttisch von Kasachstan-„Festspiele“ in Berlin.
Insbesondere seit letztem Jahr bemüht sich Kasachstan verstärkt um deutsche Touristen. Nach einer kleinen Schamfrist wegen des Treffens Merkel/Nasarbajew, kann sich demnächst hier Herr Brähmig wieder als Tourismus-Warner betätigen.
Kasachstan will sich übrigens für die Olympischen Winterspiele 2022 bewerben (das IOC, „Hüter der Menschenrechte“, hat bestimmt keine Einwände).

Irgendwie passt an dieser Stelle die Meldung, dass eine tschechische Reiseagentur „Korruptionstouren“ anbietet. „Orte der Korruption zu sehen, sei besser als darüber zu lesen“, meinte der Anbieter. Klasse Idee, einerseits wird die Neugierde der „bösen“ Touristen befriedigt, gleichzeitig kann man sich trefflich darüber moralisch aufregen: Also Sensationstour mit moralischem Hintergrund.
Welche Orte würden wohl in einer solchen Reise durch die Bundesrepublik Deutschland angeboten? Schloss Bellevue wäre sicherlich dabei, das malerische Oggersheim, die Bankentürme von Frankfurt, der Kölner Klüngel und vielleicht auch das neue Feuchtbiotop Hannover.

Und auch das noch:
Die Fachzeitschrift fvw berichtete über Kerosinzuschläge für den Sommer. Dort war u.a. zu lesen: „Die Veranstalter führen flächendeckend Kerosinzuschläge für die Sommersaison ein – konnten die Fluggesellschaften aber zumindest deutlich runterhandeln“. Oh, oh, liebe fvw, einen ähnlichen Bericht brachte (1989/1990?) das damalige Konkurrenzblatt touristik report. Ergebnis: Kurze Zeit später mussten sich die Airline- und Veranstalter-Bosse vor dem Kartellamt wegen unerlaubter Preisabsprache verantworten. Die Verhandlung vor dem Kammergericht in Berlin, sinnigerweise während der ITB 1991, endete mit Geldbußen (nicht Geldstrafen!) für die Beteiligten. Über die Verhandlung selbst kursierten danach so viele Geschichten, dass manche in der Branche bedauerten, nicht live dabei gewesen zu sein (siehe sehr lesenswert die entsprechenden BBBs http://www.karl-born.de/bbb/archiv/news-archive-20-6-2005.html).

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Trendziele 2012

Lonely Planet nimmt für sich in Anspruch der weltweit größte Verlag für unabhängige Reiseführer zu sein. Wenn Lonely Planet nun verkündet wer die Top-Trendziele in 2012 sein werden, dann will man da doch genauer hinschauen. Und so sieht (angeblich) die Reihenfolge für 2012 aus.
1. Uganda
2. Burma
3. Ukraine
4. Jordanien
5. Dänemark
6. Bhutan
7. Kuba
8. Neu Kaledonien
9. Taiwan
10. Schweiz

Hoppla, auf diese Reihenfolge muss man erst kommen. Da liegt doch die Vermutung nahe, dass dies genau die Reiseführer sind, die bei Lonely Planet wie „Blei im Regal liegen“.

Halt, vielleicht sind wir auch zu voreilig und die Lonely Planet –Leute blicken weiter voraus als unsereiner. Dann schauen wir uns doch mal die letztjährige Vorhersage von Lonely Planet für die Trendziele 2011 an.
Damals hieß es:
1. Sinai
2. Istrien
3. Marquesas Inseln (Franz. Polynesien)
4..Kappadokien
5. Westfjorde (Island)
6. Shetland-Inseln
7. Great Barrier Reef
8. Westküste USA
9. Pattagonien (Chile)
10. Gili-Inseln
Auch alles super Volltreffer.

Ist ja auch eine gemeine Sache Aussagen von früher in der Neuzeit zu zitieren. Obwohl, wenn man an die „Causa Wulff“ denkt, fallen den BBBs zwei Aussagen von früher als sehr zutreffend ein.
Angela Merkel am Tag der Wahl von Wulff zum Bundespräsident: „Ich wollte einen Kandidaten mit politischem Hintergrund haben, der nicht gleich beim ersten Gegenwind sein Amt hinwirft“. Wunsch in Erfüllung gegangen!

Wie sagte vor langer, langer Zeit Herr Wulff über seinen damaligen Sprecher Glaeseker: „Er ist fast wie mein siamesischer Zwilling. Wenn Sie diesen Mann nicht mehr neben mir sehen, dann müssen Sie sich um mich ernste Gedanken machen“.
Machen wir auch, aber noch mehr um das Amt des Bundespräsidenten.

Weil am Anfang dieser BBBs so schön „gerankt“ wurde, zum Schluss noch die Lieblings-Headlines der BBBs (vorgestellt beim Travel Industry Club):

Als der Börsengang des Unterwäscheherstellers Schiesser abgesagt wurde:
„Schiesser hat die Hosen voll“.

Als zu Guttenberg den Verzicht auf sein Comeback bekannt gab:
„Guttenberg schreibt schnelles Comeback ab“

Ein Fachmagazin für Marketing stellte in einem Artikel fest:
„Ohne Fernseher kein Teleshopping“

Dertour schrieb in einer Hotelbuchung für Leipzig an prominenter Stelle:
„Beachten Sie bitte die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes“.

Und alle haben recht.

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