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Offener Brief an BILD: Betrifft Urlaubs-Mängel

Liebe BILD-Zeitung,
ihr fangt an zu schwächeln. Beweis: Eure halbe Seite „Urlaubs-Mängel“ in der Ausgabe vom 11.August. Ich habe dabei folgende Mängel zu vermelden:

1. Ihr seid langsam geworden. Zum 11.8. hat meines Erachtens bereits die Hälfte aller Deutschen Urlaub gehabt. Über solch grundlegende Erkenntnisse über die Möglichkeiten sich zu beschweren sollte man schon Anfang Juli informieren. Was sollen die armen Urlauber denken, die in den letzten Wochen ohne Eure Hilfe nichtwissend den Urlaubsmängel ausgeliefert waren.

2. Ihr habt Geld verschenkt. Was soll der Hinweis „zuerst ohne Anwalt“ sein Glück beim Reiseveranstalter zu suchen. Hier wäre Cross-Marketing mit der Anwaltskammer angebracht gewesen. Der gegenteilige Hinweis, nämlich immer und sofort einen Anwalt einzuschalten, hätte nicht nur einigen unterbeschäftigten Anwälten Arbeit gegeben, zusätzlich wäre die Anwaltskammer bestimmt bereit gewesen dafür Honorar zu zahlen. Dieses Geld hätten natürlich nicht die Autoren des Artikels einstreichen sollen, sondern dafür hätte man ein Hilfswerk für „nicht entschädigte Urlauber“ gründen können.

3. Eure Beschwerdehinweise sind nicht perfekt. Es ist zwar richtig, dass man die Mängel fotografieren soll. Aber zum Beispiel bei Kakerlaken ist dies wenig hilfreich. Eine fotografierte Kakerlake wirkt überhaupt nicht ekelerregend. Da muss man schon härtere Geschütze auffahren. Ein Dutzend lebende Kakerlaken in einen Schuhkarton, mit Luftlöchern und Futter versehen –damit es keinen Ärger mit Tierschützern gibt- und ab an den Reiseveranstalter. Wenn diese Tierchen über den Schreibtisch des Sachbearbeiters klettern ist schnelle Bearbeitung des Vorgangs sichergestellt.

4. Ihr weckt falsche Hoffnungen. Da steht in Eurer Tabelle „Kein Gepäck an 5 bis 12 Reisetagen = 30% pro Fehltag“. Der normale, gutgläubige BILD-Leser rechnet doch dann bei 10 Fehltagen mit 30% x 10 Tagen = 300% vom Reisepreis. Ich vermute mal, dass diese Summe auch mit Anwalt nur schwer durchzusetzen sein wird.

5. Bestimmte schwerwiegende Mängel fehlen in Eurer Liste. Ich bin seit wenigen Tagen selbst in Urlaub auf einer Kanarischen Insel. An den ersten Tagen schwamm ich morgens zu einer ca. 150 m vom Strand entfernten kleinen Insel und wieder zurück. Am 3. Urlaubstag war die Insel morgens verschwunden. Fotografieren war hier sinnlos, denn wie soll man etwas im Bild festhalten was nicht mehr da ist. Also beschwerte ich mich bei der Reiseleitung. Die faselte etwas von Ebbe und Flut. Ich habe nachgesehen, im Katalog steht kein Wort von Ebbe und Flut und schon gar nichts davon, dass dieses Phänomen in der Lage sei, ganze Inseln verschwinden zu lassen. Wieviel Prozent Minderung werde ich da verlangen können?

6. Es gibt auch noch härtere Urlaubsmängel. Ich habe gehört, dass ein Urlauber an seinen Veranstalter geschrieben hätte: „Ich hatte eine Woche Urlaub gebucht. Die ersten sechs Tage hat es geregnet. Zu meinem Entsetzen herrschte am Abreisetag schönes Wetter“. Was bekommt man für „Entsetzen“? Werden sich da die Veranstalter mit höherer Gewalt herausreden?

7. Ihr bereitet Eure Leser falsch auf den Urlaub vor. Meines Wissens ist Vorfreude ein wesentlicher Punkt für ein gelungenes Urlaubserlebnis. Außerdem gilt auch im Urlaub der Spruch „Wie man sich selbst verhält, kommt es zumeist auch zurück“. Keines von beiden kann gelingen, wenn ich den ganzen Tag mit Eurer Reklamationstabelle rumlaufe und mich dann noch ärgere, weil ich nicht auf 100% komme. Warum wird jedes Jahr immer aus Neue auf diesem Thema „herumgeritten“? Warum habe ich z.B. noch nie bei Euch eine gleichgroße Story gelesen „Lieber Leser: Dein Recht beim Kühlschrankkauf“ oder ähnliches.

8. Und außerdem sollte man berücksichtigen, dass übertriebene Beschwerden Panikreaktionen beim Personal hervorrufen können. Nach der Landung eines JetBlue-Flugzeuges in New York wies der Flugbegleiter eine Passagierin darauf hin, dass sie noch sitzenbleiben müsse „bis das Flugzeug die Endposition erreicht habe“. Der Flugbegleiter wurde danach von der Passagierin auf das übelste beschimpft und bekam einen Koffer an den Kopf. Daraufhin drehte der „arme“ Flugbegleiter durch, löste die Notrutsche aus, schnappte sich noch schnell ein Dosenbier und verließ mit den Worten „Das war`s“ das Flugzeug über die Rutsche.
Liebe BILD-Zeitung, seid Euch Eurer Verantwortung bewusst. Wenn wir ähnliche Geschichten demnächst aus Urlaubshotels hören sollten, dann könnte sein, dass Euer Mängelartikel irgendwie schuld daran sein könnte.

Nächstens ruft Ihr mich vorher an, bevor Ihr so ein Zeug schreibt.

Karl Born
der zur Zeit gutgelaunt und ohne Frankfurter Tabelle seinen Urlaub genießt.

Diese Bissigen Bemerkungen wurden vorab am 11.8. an die BILD-Zeitung geschickt, mit der Bitte zur Weitergabe an Kai Diekmann

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Die Touristikkonzerne streiten sich um Krake Paul

Da investieren die touristischen Planer der Touristikkonzerne viel Zeit und Geld um vorherzusagen, welche Zielgebiete in der nächsten Saison die Renner sein werden. Leider oft vergeblich. Aber jetzt naht die Rettung in Person eines Tintenfisches aus dem Oberhausener Aquarium Sealife, salopp „Krake Paul“ genannt. Achtmal hintereinander das richtige Siegerland zu nennen, das kann kein Zufall sein.
TUI, Thomas Cook und REWE wollen sich die Dienste des seherischen Tintenfisches sichern, die Entlassungspapiere der Mitarbeiter in den jeweiligen Planungsabteilungen sind angeblich bereits vorbereitet. Die Gehaltsgebote für Paul (in Kilogramm Muschelfleisch) werden stündlich gesteigert. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, wird bereits überlegt, Paul neutral beim DRV einzusetzen.
Übrigens hat so ein Riesenkrake kein Rückgrat im klassischen Sinne, die Gehirnmasse ist extrem klein und die „Tintenmasse“ die ausgestoßen wird, dient eigentlich nur der Nebelbildung um Konkurrenten/Angreifer zu bluffen. Kurzum er besitzt neben seinen seherischen Fähigkeiten auch das klassische Bürorepertoire.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) finden Sie diese Woche u.a. Interviews mit Sören Hartmann (REWE), Peter Wennel (Aldiana) und Boris Raoul (FTI), die alle in ihrem „früheren Leben“ auch mal für TUI oder Thomas Cook gearbeitet haben. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen werden einige Zahlen für den Deutschland-Tourismus gerade gerückt und die DZT bedauert. Außerdem wird gerätselt warum ausgerechnet der Tourismus in die Hauptstadt sich so gut entwickelt hat.

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Wie menschlich – aus dem Eyjafjallajökull kommt nur noch heiße Luft

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Der Eyjafjallajökull spuckt keine Asche mehr, es kommt nur noch heiße Luft. Damit kommt er uns direkt menschlich einher.
Im Management nennt man so etwas „management by helicopter“ (Einfliegen, Staub aufwirbeln, wieder verschwinden und alles geht weiter wie zuvor).

Das ist genau der richtige Zeitpunkt um eine Reiseempfehlung nach Island auszusprechen. Also auf nach Island und schauen wir uns das „heiße Kerlchen“ mal aus der Nähe an und mit ihm noch weitere 29 Vulkane auf dieser Insel. Ein einmaliges Feuer spuckendes Angebot, ein echtes USP (Alleinstellungsmerkmal) dieser Insel.
Ansonsten ist Island ziemlich grün, entspricht also einem aktuellen Reisetrend (von mehreren). Außerdem gilt Whale Watching als große Attraktion. Angeblich leben über 200.000 Wale (verschiedener Arten) im Meer in Sichtweise.

Was sollte man noch wissen?
Falls Sie es vergessen haben sollten, fast hätten sich nächstes Wochenende ohnehin alle Augen nach Reykjavik gerichtet, denn beim letzten Eurovision Song Contest belegte Island den 2. Platz hinter Norwegen. Ok, die Isländer haben uns damals keinen Punkt gegeben. Aber keine bösen Gefühle deshalb, denn fast der gesamte Rest von Europa hat das auch nicht getan.
Näher zusammen als beim Song Contest lagen wir bei der letzten PISA-Studie. Da lagen wir nur knapp hinter Island (allerdings nur im Mittelfeld). Und weil die Isländer intellektuell so gut zu uns passen, wird Island 2011 unter dem Motto „Sagenhaftes Island“ auch Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse sein.

Kurzum, der deutsche Tourist ist mal wieder gefordert, ein Zielgebiet aktiv zu unterstützen. Ganz nach dem Motto:
Gehen wir doch hin nach Island, bevor sie uns wieder eine Botschaft schicken.

Bleibt noch nachzutragen und auch das wird dem deutschen Touristen bekannt vorkommen. Island wird von einer Regierungschefin geführt. Die isländische Angela Merkel heißt Jóhanna Sigurðardóttir. Dann ist es aber schon mit den Gemeinsamkeiten vorbei. Frau Sigurðardóttir führt eine Allianz von Sozialdemokraten und Grünen. Privat lebt sie in einer eingetragenen Partnerschaft mit der Autorin und Schauspielerin Jónína Leósdóttir.
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Und wie immer an dieser Stelle der Hinweis auf das Reiseradio. In der neuen Ausgabe steht das Thema Flusskreuzfahrt und ein Hotel mit viel Gegend drumherum im Mittelpunkt. Außerdem wird über eine Kuh-Safari berichtet. Im Interview verplaudert Konsul Horst Rahe versehentlich (?) seine neueste Innovation. Auch in den akustischen bissigen Bemerkungen „menschelt“ es diesmal. Unter anderem geht es um eine Lufthansa-Innovation (das Pissoir in der First Class im neuen A380 !?) und um ein neues Marktforschungsergebnis (Mit wem würden die Deutschen am liebsten das Schlafabteil im City Night Line der Bundesbahn teilen). Hören Sie mal rein, bei www.reiseradio.org.

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Der „beste Job der Welt“ mit Nebenwirkungen

Es sollte angeblich der beste Job der Welt sein, quasi „bezahltes Nichtstun“, den der australische Bundesstaat Queensland mit einer beispielslosen Werbekampagne anpries (siehe BBBs vom 12.10.2009 „Guerilla-Marketing“). Und die Rechnung schien auch aufzugehen, denn innerhalb kürzester Zeit verzeichnete die Webseite 3 Mio. Besucher, die bei dieser Gelegenheit dann mit den Schönheiten des Barrier Reefs „gefüttert“ werden konnten.
Jetzt ging der Super-Job zu Ende. Dummerweise wurde wenige Tage zuvor, der bis dato glückliche Gewinner, beim Jet-Ski-fahren, von einer winzigen Irikandiji-Qualle gestochen. Fieber, Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Engegefühl in der Brust, Bluthochdruck und letztlich eine Untersuchung im Krankenhaus waren das unschöne Ende des Aufenthaltes. Und dank des Online-Tagebuches, das der Gewinner als einzige Arbeit führen musste, wissen jetzt alle weltweit, dass es neben den Schönheiten am Barrier-Reef auch unangenehme Begleiterscheinungen geben kann.
Da freuten sich dann alle Nicht-Gewinner und auch jene, die ohnehin woanders ihren Urlaub verbringen wollen

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Guerilla Marketing

Dem überwiegenden Teil der BBB-Leser dürfte der Begriff „Guerilla Marketing“ bekannt sein. Für die nicht BWLer unter den Lesern dürfte es mit „wie erreiche ich mit kleinem Budget aber mit unkonventionellen Maßnahmen höchstmögliche Aufmerksamkeit“ hinreichend beschrieben sein. Obwohl Guerilla Marketing schon Mitte des letzten Jahrzehnts in Amerika erfunden wurde, scheint es erst in letzter Zeit zu einer ernstzunehmenden Marketingmaßnahme zu werden. Vielleicht ist das auch eine Konsequenz aus kleiner werdenden Marketingbudgets. In diesem Zusammenhang sei auf zwei Beispiele hingewiesen.

Zu einer außergewöhnlichen Berühmtheit brachte es der australische Bundesstaat Queensland mit der Kampagne „The Best Job In The World“. Ziel der Kampagne war das Great Barrier Reef als Touristenattraktion noch bekannter zu machen. Der angebotene Job beinhaltete ein halbes Jahr Nichtstun (ausdrücklich in der Arbeitsplatzbeschreibung so genannt), Villa mit Swimmingpool als Dienstwohnung und ein tolles Gehalt (80.000 Euro). Unter der Last von 3 Mio. Besuchern brach mehrfach die Webseite von Queensland zusammen, insgesamt gingen 35.000 Bewerbungen ein. Eine der ersten Bewerberinnen erklärte, sie würde sich für diesen Job die Umrisse des Grat Barrier Reefs tätowieren lassen. Später stellte sich heraus, dass sie eine Angestellte der Agentur war. Letztlich bekam ein junger britischer Sozialarbeiter den Job.
Der Erfolg gab den Machern der unkonventionellen Werbung recht. Die Kampagne und dadurch das Great Barrier Reef wurde weltweit bekannt. Man schätzt den Werbewert der Kampagne auf mehr als 80 Mio. Euro, das wäre das Hundertfache des Aufwandes. Auch in Deutschland wurde die Kampagne ausgezeichnet. Der Travel Industry Club übergab den Preis für „Best Marketing Campaign 2009“ an Queensland.

Auf den Guerilla-Zug aufgesprungen sind jetzt offensichtlich die schwedischen Tourismusmacher. Urplötzlich tauchte im Internet das „Gerücht“ auf, in der Stadt Chako Paul würden 25.000 sexbesessene Lesben wohnen. Die Stadt soll in einer nördlichen schwedischen Provinz liegen und sei 1820 von einer Männer hassenden Witwe gegründet worden. Seit bekannt werden dieser „Meldung“ wurden schwedische Tourismuseinrichtungen mit Anfragen von Millionen Männern überschwemmt. Vor allem der Andrang chinesischer Männer war und ist so groß, dass der entsprechende Provider mehrfach zusammengebrochen ist.
Dazu können wir schon einmal festhalten: (Viele) Männer lesen entweder nicht richtig, verstehen nicht richtig oder haben missionarischen Drang.

Und jetzt folgt das Originalzitat vom Mr. Pro Wilhelmsson von der Tourismusinformation Umea in Nordschweden: „Ich habe noch nie von einer Stadt namens Chako Paul gehört, aber ich kann bestätigen, dass der Tourismus in Nordschweden stark angekurbelt wurde“.

Merke: Guerilla Marketing kann auch in der Touristik funktionieren.

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Mallorca: Wie man aus einer kleinen Katastrophe eine große touristische Katastrophe macht

Das am Donnerstag auf Mallorca verübte Attentat soll keinesfalls verniedlich werden. Bei zwei Toten und mehreren Verletzten, wäre das auch vollkommen unangebracht.
Aus Sicht des Tourismus, der finanziellen Haupteinnahmequelle der Insel, wäre es aber ohne größere Auswirkungen geblieben. Wenn, ja wenn die mallorquinischen Behörden nicht auf den aberwitzigen Gedanken gekommen wären, den Flughafen von Mallorca (auf zuerst unbestimmte Zeit) zu schließen. Hatten bis dahin die Medien relativ wenig Notiz von dem Attentat genommen, war es von nun an das Medienereignis in einer (von Ullas Dienstwagen ausgenommen) ohnehin nachrichtenarmen Zeit. „Chaos auf Deutschlands liebster Insel“, das ist doch eine Klasse-Überschrift, die etwas hermacht. Von da an lief die Masche bestimmter Medien: Kreieren eines Negativ-Szenarios. Was bedeutet dieses Attentat für Mallorca, für die Fluggesellschaften, für die Reiseveranstalter? „Die Welt“ knüpfte auf ihrer Titelseite sogar eine Gedankenkette Djerba, Bali und Mallorca. Die Verbindung zwischen diesen drei Tatorten ist so dünn, wie einen Unfall auf der Formel 1-Strecke mit einem auf der Autobahn zu verbinden. Am gleichen Tag starben sechs Touristen bei einem Busunfall in der Nähe von Barcelona. Allerdings holländische Touristen, keine deutschen. Das war der Welt in der gleichen Ausgabe nur eine Randnotiz wert. Wenn das sechs deutsche Touristen gewesen wären. Armes Spanien, touristisch gesehen.

Also musste man sich anderweitig helfen. Schnell „Urlauber Dein Recht“ aus der Schublade geholt. Was ist bei Umbuchung? Ab wieviel Wartezeit am Flughafen gibt es Geld zurück? Vor Ort startete die verzweifelte Suche nach Augenzeugen, die egal wie weit entfernt, das Attentat miterlebt hatten. Nachfrage bei den Reiseanbietern wie viele Stornierungen eingegangen seien. Riesen Enttäuschung, dass keine eingegangen sind. Anfragen bei Tourismusexperten (Tenor der Frage: “die Reiseveranstalter lügen doch”). Erneute Enttäuschung über die Antwort. Suche nach Betroffenen, die sich über die schlechte Behandlung durch Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter beklagen. Wieder große Gelassenheit bei den Touristen. Aber einer findet sich schließlich doch, der das erwünschte Statement abgibt. Er beklagt sich, über eine „unmögliche“ Behandlung durch seine Fluggesellschaft, die ihn quasi abgeladen hat und nun müsse er schauen, wie er nach Düsseldorf-Weeze komme. Der Profi ahnt da bereits um welche Fluggesellschaft es sich handelt. Da erscheint auch im Hintergrund der Schriftzug Ryanair. Bei zwei Katastrophen auf einmal hat man immer Pech.

Glücklicherweise bemerkten die mallorquinischen Behörden relativ schnell, was sie mit der Flughafenschließung angerichtet hatten und hoben diese nach zwei Stunden wieder auf. Fazit: Mallorca hat ein derart gutes Image, dass es keinen langfristigen Schaden nehmen dürfte, es sei denn die Behörden schlagen nochmals zu.

(siehe hierzu auch Interview in focus online)

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Superzielgruppe „Best Ager“? Nicht bei DERTOUR nach Afrika

Die Best Agers sind aktuell die Zielgruppe schlechthin. Alle sind bestrebt in dieser wachsenden und überwiegend noch kaufkräftigen Käuferschicht sich ihre Scheiben abzuschneiden. Alle? Fast alle.
Da blättert man entspannt durch den DERTOUR Sommerkatalog für Afrika und stutzt: Maximumalter 58 Jahre. Und das bei insgesamt zwölf Reisen.

Okay, hin und wieder findet man schon Altersbeschränkungen. Bei einem Tauchveranstalter an der Algarve steht Altersbeschränkung 80+. Einige Leihwagenfirmen haben keine direkte Altersbeschränkung, sondern fordern bei Fahrern über 70 Jahren einen kleinen Risikozuschlag.
Aber Maximumalter 58 Jahre, das schmerzt den Best Ager schon gewaltig. Da tröstet wenig, dass das Maximumalter bei DSDS schon bei 30 Jahren liegt. Das ist ja auch eine gehobene Kindersendung, da fühlt sich der Best Ager nicht so angesprochen.
Aber zu alt für eine Afrika-Rundreise? Gerade jetzt wo man so stolz auf seine Spätform ist und auch endlich Zeit und Geld hat? Das trifft das Ego zutiefst.

Leider gibt der Katalogtext keinen Hinweis auf das „Warum“. Warum überhaupt und warum ausgerechnet so exakt 58?

Also nichts wie rein in das nächste Reisebüro oder genauer gesagt in mehrere Reisebüros und in unterschiedlichen Städten. Das wichtigste zuerst: alle Reisebüromitarbeiterinnen waren sehr freundlich. Kompliment. Aber alle, wirklich alle, hatten bis dahin die Altersbeschränkung noch nicht gelesen und übten sich in Vermutungen. „Vielleicht zu anstrengend?“, wurde angesichts des fitten Gegenüberstehenden nur zögernd geflüstert. „Gilt sicherlich auch nur für einige“, wurde gleich nachgeschoben. Aber der in seinem Stolz getroffene Best Ager lässt nicht locker. Warum gerade 58 und warum so absolut limitierend?

Also Anruf bei DERTOUR. Zitieren wir nur die zwei „prominentesten“ Antworten:
1. Beim Aufbau der Zelten hätten sich die Älteren als nicht so kooperativ bewiesen. Dummerweise war die eine Testperson ausgerechnet ein „sehr erfahrener“ Zeltaufbauer. Sein Vorschlag, er könne ein „Zeltaufbau-Zertifikat“ vorlegen, wurde allerdings nicht weiter verfolgt.
2. Der Subunternehmer vor Ort lege Wert auf eine homogene Zielgruppe zwischen 25 und 40 Jahren. Hoppla. Deshalb steht also in der Reiseausschreibung Mindestalter 18 Jahre und Maximumalter 58 Jahre. Diese Logik überzeugt auch nicht so besonders.

Da überzeugte dann schon mehr die Bemerkung der Reisebüromitarbeiterin sowohl im ATLAS- wie auch im First-Reisebüro „Buchen Sie doch bei TUI, die haben so etwas nicht“.

Kurz überlegt man noch, ob man sich nicht ein kleines Taschengeld durch eine Diskriminierungsklage verdienen sollte, aber angesichts der wirklich netten Reisebüroverkäuferin, wurde das als unfair verworfen.

Schwacher Trost, DERTOUR-Chef Michael Frese dürfte seit kurzem auch nicht mehr! Falls er wollte. Aber da er nach eigenen Angaben gerade mit dem Golfspielen angefangen hat, ist er doppelt aus der Zielgruppe für diese Rundreisen raus.

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Albträume in einer Vollmond-Nacht

Liebe Leserinnen und Leser der BBB, haben Sie eigentlich eine Vorstellung wie jeden Sonntagabend die Bissigen Bemerkungen entstehen? Da werden um 20.00 Uhr die gesammelten Notizen der vergangenen Woche auf dem Schreibtisch ausgebreitet, parallel dazu die ARD-Nachrichten geschaut und danach im Internet gegoogelt ob es noch etwas Aktuelles gibt. Dann wird geschrieben, mehr oder weniger bissig, je nach Stimmung und Nachrichtenlage. Manchmal geschieht auch stundenlang überhaupt nichts, weil es nichts Bissiges gibt. So wie heute, beim 392. BBB – Sonntag.

Da liegt zwar einiges auf dem Tisch.
- – Condor-Vorstand Debus soll zu Air Berlin gehen (die haben ja erst 5 Vorstände)
- – Dagmar Wöhrl, Staatsekretärin und Ex-Miss-Bundestag wird als Nachfolgerin des amtsmüden Michel Glos gehandelt
- – Lars Windhorst schon wieder pleite
- – ITB-Meldung: Es ist nicht richtig, dass Lufthansa der ITB den Rücken kehre, sie habe nur keinen Messestand mehr. Dafür kehren Gabun, Tadschikistan und Turkmenistan zurück. Zusätzliche deutsche Destinationen drängen auf die ITB
- – Ein Sun-Express – Pilot wird nach Streit mit Passagier verprügelt
- – TUI senkt die Preise mit der Aktion „Da schlag ich zu“. Die Zukunft von TUIfly bleibt unklar.
- -Wowereit vermietet im Alleingang den kompletten Flughafen Tempelhof für die nächsten 10 Jahre, dummerweise nur für jeweils 2 Monate im Jahr. Es soll sich um eine „angesagte“ Modemesse handeln, die komischerweise „Bread & Butter“ heißt.
- – Das Land Rheinland-Pfalz übernimmt die Hahn-Anteile von Fraport für 1 Euro.
- – Stewardessen von Ryanair werden in einem Pin-Up-Kalender abgebildet. Mehrere Frauenorganisationen protestieren. Männliche Gäste protestieren auch mit der Begründung „wir haben noch nie eine von diesen abgebildeten angeblichen Ryanair – Stewardessen an Bord gesehen“.

Aber für so eine richtig bissige Bemerkung reicht keine dieser Meldungen. Wissen Sie wie ermüdend es ist, stundenlang auf ein weißes Blatt Papier zu starren ohne eine konkrete Idee zu haben? Und draußen ist auch noch Vollmond.

Irgendwann muss ich am Schreibtisch eingeschlafen sein:

- – Plötzlich wollte Condor-Debus für 1 Euro TUIfly übernehmen und Dagmar Wöhrl wurde 6. Geschäftsführer(in) bei Air Berlin
- – Michel Glos und Ernst Hinsken tauschten die Jobs und kein Mensch hatte den Unterschied bemerkt
- – Lebedew wollte jetzt bei Air Berlin (statt bei Öger) einsteigen, aber Hunold bestand auf Vorlage einer Schufa-Auskunft.
- – Messe-Chef Buck verkündete voller Stolz die Teilnahme von Molwanien auf der ITB und mit Vordertupfing und Hintertupfing seien Vorverträge abgeschlossen worden
- – Ich sah die TUI-Werbung „Da schlag ich zu“ und dahinter eine Prügelei zwischen TUIfly Piloten und TUI Managern. Welt.online zog daraufhin die Meldung über den verprügelten SunExpreß – Piloten als Falschmeldung zurück.
- – Das Land Rheinland-Pfalz freute sich über die kostengünstige Übernahme des Fraport-Anteils für nur 1 Euro und Hans Rudolf Wöhrl ärgerte sich tierisch, dass er diesmal zu spät kam.
- – Wowereit präsentierte ein Buch über „Moderne Auslastungssteuerung“ und änderte den Namen der Modemesse in „Champagner & Kaviar“. Danach klärte ihn jemand auf, dass auf dieser „angesagten“ Messe nur Alltagskleidung gezeigt wird. Daraufhin gab Wowereit eine Regierungserklärung ab, die nur aus einem Satz bestand: “L`etat cèst moi”. Die linken Abgeordneten glaubten es sei ein Zitat aus der französischen Revolution, dachten an die Guillotine und applaudierten vorsichtshalber heftig.
- – Aber die schlimmste Stelle im Traum war, als DRV-Präsident Läpple den Pin-up-Kalender des DRV präsentierte und nur (männliche) Bosse der großen Veranstalter abgebildet waren (mit Feigenblatt an den entsprechenden Stellen natürlich).

Irgendwann bin ich wieder aufgewacht, der Vollmond war verschwunden und im Unterbewusstsein musste ich diesen Albtraum wohl niedergeschrieben haben. Egal, jetzt mal 3 Stunden schlafen und dann gut frühstücken.

Ach ja, und ein Satz ist mir noch in Erinnerung. Den muss ich wohl auch in irgendeiner Notiz gelesen haben. Auf einem Symposium für Tempelhof, nichts ahnend, dass Wowi bereits Fakten geschaffen hatte, betonte eine Schweizer Referentin schlauerweise: „Die Planung beschäftigt sich mit der Zukunft“.
Um allein das zu wissen, war der Abend dann doch nicht umsonst.

Und noch eine letzte (echte) Meldung: Australische Wissenschaftler haben eine bahnbrechende Diagnose für Demenz bei Personen unter 65 gefunden. Die Betroffenen seien daran zu erkennen, dass Sie eindeutig ironisch und sarkastisch vorgebrachte Äußerungen nicht als solche erkennen. Sollten Sie also obige Bissige Bemerkungen für ernst nehmen, sollten Sie schleunigst einen Arzt aufsuchen.

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Neuester Plan bei RTL: Dschungelcamp für Touristikbosse

Kaum ist die vierte Staffel des Dschungelcamps mit Rekord-Einschaltquoten zu Ende, planen die RTL-Bosse schon einen neuen Coup: Dschungelcamp für Touristikbosse.

Es war fast zu erwarten, dass die Fernsehmacher auf die Touristikbranche stoßen würden. Die Überlegung war schließlich einfach und zwingend. Wer leidet im Moment etwas an Publicity und könnte dringend zusätzliches Einkommen brauchen?

Da die Bissigen Bemerkungen als Berater für die neue Show angeworben wurden, bitten wir Sie liebe Leserinnen und Leser um Vorschläge: Wen möchten Sie im Dschungelcamp sehen? Und bitte mit Begründung warum?

Sollen insbesondere touristische Altstars ausgesucht werden? Sie bräuchten schließlich neue Publicity besonders und Altstars scheinen ja beim Publikum „in“ zu sein.

Oder denken Sie mehr an aktuelle Touristikmanager?

Wie wäre es zum Beispiel mit Michael O`Leary? Den würden die Zuschauer (und mancher Flughafenboss) bestimmt zu jeder Dschungelprüfung schicken und bis zuletzt im Dschungel lassen, damit er lernt wie man sich als Ryanair-Passagier fühlt.

Wie wäre es zum Beispiel mit Hans Rudolf Wöhrl? Seinem Publicity-Drang würde es sicherlich gut tun. Wenngleich hier die Gefahr wäre, dass er RTL anschließend das Camp für 1 Euro abkaufen würde um es dann für viel Geld weiter zu verscheuern. Auch nicht schlimm, nach dieser Staffel könnte es ohnehin keine bessere mehr geben.

Wie wäre es mit Willy Verhuven? Seine Senkung des Treibstoffkostenzuschlages finden die Kunden toll. Aber die Konkurrenten wünschen ihn dafür in den Dschungel.

Oder wie wäre es mit den Firmenbossen, denen gerade ein russischer Investor abhanden gekommen ist? Frisches Geld wäre ja nicht schlecht. Aber da gibt es auch Bedenken.
Achim Hunold von Air Berlin würde schon nach der ersten Folge rufen: „Hilfe holt mich raus, ich bin ein Star“. Schließlich wird er noch in Hannover als Knecht Ruprecht gebraucht um die Mitarbeiter von TUIfly von einer (eigentlich ohnehin sinnvollen) neuen Strategie zu überzeugen.
Vural Öger hat auch seinen Russen verloren. Aber wenn man Öger fragen wird, was im Moment schlimmer sei: russischer Investor weg oder Dschungelcamp oder SPD-Abgeordneter sein? Die Antwort kennen wir wahrscheinlich.

Oder können Sie sich Ernst Hinsken, den Tourismusbeauftragten der Bundesrepublik im Dschungel vorstellen? Warum nicht, bringt er doch eine Menge Erfahrung aus dem Berliner Polit-Dschungel mit.

Oder denken wir an Prof. Gerd Stöwer vom Flughafen Münster/Osnabrück. Sorry, dass wir seinen Namen hier erwähnen, weil er von der Person her nun wirklich nicht in das Dschungelcamp passen würde. Aber bei seiner Erfahrung mit Bachneunaugen und Fledermäusen hat er wahrscheinlich mehr Fachkenntnisse als alle anderen zusammen.

Für jemanden aus der Hotelbranche könnte es auch interessant sein. So schnell wie man hier zu 5 Sternen kommen kann!

Aber bitte niemanden von Condor vorschlagen. Beim nächsten Aschermittwochs-Fischessen würde ich mir nicht trauen etwas vom Fisch-Buffet zu nehmen.

Und zuletzt noch die aller heikelste Frage. Wer soll das Luder im Camp sein?

Auch da haben die Bissigen Bemerkungen schon eine Idee, denn unabhängig von Ihren Leser-Vorschlägen hat der Autor dieser Zeilen sich schon mal zehn Namen notiert und denkbare Gespräche und Diskussionen zwischen den Kontrahenten aufgeschrieben. Eine echte Hammer-BBB. Beim nochmaligen Lesen dieser Bissigen Bemerkungen wurde die inhaltliche Brisanz deutlich und damit die Gefahr als realistisch gesehen, danach zehn (allerdings evtl. ohnehin nicht vorhandene) Freundschaften zu verlieren. Deshalb wurde das Manuskript in einen Tresor gelegt und darf erst nach dem Tode des Verfassers (zusammen mit anderen aus den gleichen Gründen dort liegenden bislang unveröffentlichten Kracher-BBBs) der Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden.
Aber vielleicht kommen Sie verehrte Leser und Leserinnen zu ähnlichen Erkenntnissen, die würden wir dann vollkommen skrupellos veröffentlichen und die eigenen Gemeinheiten dabei unterschmuggeln.

Die Bissigen Bemerkungen freuen sich auf Ihre Post.

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Deutsch oder Nicht-Deutsch, das ist hier die Frage

Die „MS Columbus“ der deutschen Reederei Hapag Lloyd Kreuzfahrten, aber aus Kostengründen unter der Flagge der Bahamas, durchquerte das Gebiet vor der Küste Somalias sicherheitshalber ohne Passagiere. Diese wurden vorher von Bord gebracht und sollen in Oman wieder an Bord genommen werden.
Angeblich hat die Reederei vorher beim Bundesamt für Seeschifffahrt nachgefragt, ob sie für diese Durchfahrt mit einer Eskorte der deutschen bzw. EU-Marine rechnen könne. Die Antwort des Schifffahrts-Bundesamtes (nach Rücksprache mit dem Verkehrsministerium) hatte BBB-Format: „Lasst Euch von jenen schützen, deren Flagge Ihr tragt“.
Eine saubere Ohrfeige!

Das dürfte angesichts der „überragenden Bedeutung“ der Marine der Bahamas (sie besteht nur aus einigen wenigen Patrouillenbooten) allerdings etwas schwierig werden. Und die EU-Anti-Piratie-Mission legt eindeutig fest in welcher Reihenfolge Schiffe geschützt werden sollen: zuerst Hilfslieferungen, dann Schiffe der EU-Staaten, dann erst die Schiffe anderer Nationen.
Von der Nationalität der Passagiere an Bord steht im Auftrag leider nichts.

Kleine Umflaggung künftig vor bestimmten Zielgebieten gefällig?

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