Archiv für Flughafen

Wer möchte einen eigenen Flughafen haben?

Nicht jede Nachricht, die man so während des Sommerlochs liest, darf man ernst nehmen. Früher war es das Ungeheuer von Loch Ness, das regelmäßig in den Sommermonaten die Zeitungsspalten füllte. Dann entdeckten die parlamentarischen Hinterbänkler die Chance im Sommerloch mit manchem Quatsch in die Medien zu kommen, wie beispielsweise „die Deutschen sollen weniger ins Ausland reisen“ oder sogar „überhaupt weniger Urlaub“ machen. Wer jetzt die Supermeldung über die Eröffnung eines „internationalen Flughafens in der Nähe von Magdeburg“ in die gleiche Schublade gesteckt haben sollte, hätte zwar einerseits intelligentes kritisches Denken bewiesen, aber andererseits gewaltig unterschätzt für welchen Unsinn Politiker bereit sind Geld auszugeben.

Magdeburg-Cochstedt so nennt sich der Flughafen, der sich (Zitat) „national und international etablieren will“. Die Pressemeldung der Betreibergesellschaft Airport Development A/S beweist auch die entsprechende Fachkunde. So sollen „ab Oktober von Cochstedt aus mehrmals wöchentlich Flugziele in Richtung Süden abheben und zunächst sollen drei Urlaubsorte angeflogen werden“. ???
Na, ja, die Urlaubssaison ist zwar schon so gut wie zu Ende, aber vielleicht hat man in der Gegend von Cochstedt eine ganz eigene zeitliche Präferenz in Urlaub zu gehen.
Fragt man bescheiden nach, wohin die Flüge gehen sollen, erhält man die lustige Antwort, die „genauen Flugziele würden in Kürze bekannt gegeben“. Ist auch nicht so schlimm. Es sind ja noch ein paar Tage Zeit bis dahin und ein gewisser Überraschungseffekt kann marketingmäßig nicht schaden. Vorschlag der BBBs: Keine Ziele bekannt geben, sondern die Passagiere erst nach Abheben des Flugzeuges damit überraschen.

2011 sollen dann „mehrere europäische und internationale Ziele“ hinzukommen. Leider konnten die BBBs in der Kürze der Zeit den konkreten Unterschied zwischen europäischen und internationalen Zielen nicht herausfinden.

Eines könnte man aber sofort feststellen, wie viel Geld die bisherigen Bemühungen gekostet haben, einen Flughafen zu eröffnen, den urlaubsmäßig garantiert niemand braucht. Eine Pleite gab es schon in 2000, angeblich sollen bis dahin 60 Mio. Euro versenkt worden sein. Im Zweifel waren es eher deutlich mehr.

Das erinnert an einen anderen in der Nähe liegenden „Weltflughafen“: Leipzig-Altenburg. Wie hatte der Landrat des Landkreises Altenburg-Land in 2009 so putzig formuliert: „Ich wünsche mir für meinen Flughafen Altenburg viele internationale Investoren. Ich denke, dass ein Airport Made in Germany, der eine mittelfristig gute Geldanlage sein wird, international auf Interesse stoßen wird“. Und da wurden auch schnell 650.000 Euro Marketingzuschuss locker gemacht, damit Ryanair von dort aus ein wenig umherfliegen kann. Mit diesem Geld könnten alle Passagiere per Taxi zu einem richtigen Flughafen anreisen.
Und die Problematik eines „Großflughafens“ wurde vor kurzem deutlich, als einer der seltenen Anflüge umgeleitet werden musste, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei diesem Riesenbetrieb kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Dabei müsste man nur bei den seit Jahren kämpfenden kleineren Flughäfen in
Deutschland (z.B. Memmingen) mal anrufen, um sich ein klein wenig Fachkenntnisse über die Beschäftigungsproblematik dieser Mini-Flughäfen zu beschaffen.
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Die Bissigen Bemerkungen haben zwar eine erfreulich große Leserschar, jedenfalls mehr Leser als o.g. Flughafen Passagiere, aber noch viel Potenzial im Vergleich mit den ganz großen Blogs dieser Republik. So wurden die BBBs der vorletzten Woche („offener Brief an die BILD-Zeitung“) zwar schon zu Wochenbeginn gut nachgefragt, aber als ein Leser freundlicherweise diese Bissigen Bemerkungen in den BILD-Blog einstellte, ging es richtig rund. Innerhalb von zwei Tagen wurden 160.000 Klicks registriert, über 10.000 Leser waren tatsächlich auf den Seiten der Bissigen Bemerkungen und schauten sich insgesamt 35.000 Seiten „Bissiges“ an. Für eine solche Marketinghilfe sei hier Danke gesagt.

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Wie immer sei noch auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) verwiesen. Nach den Interviews letzter Woche zur Flusskreuzfahrt geht es diesmal zur Hochsee mit allerlei Nachrichten rund um die AIDA.

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Der Unterschied zwischen Energiebranche und Reisebranche

Es war einmal eine Regierung, die wollte auf einer Klausurtagung sparen. Irgendeine böse Fee, flüsterte den Regierenden ins Ohr: „Am einfachsten geht sparen, indem man seinen Bürgern in die Tasche greift“. Entgegen jeder ökonomischen Vernunft (wegen der zusätzlichen Kostenbelastungen für den Standort Deutschland – der ansonsten doch immer so hoch und heilig gepriesen wird), beschlossen die Regierenden daraufhin zwei neue Steuerarten einzuführen: eine Luftverkehrsabgabe und eine Brennelementesteuer. Da wunderten sich aber die Manager dieser Branchen, denn keiner hatte mit einem solchen Unsinn gerechnet.

Die Manager der Luftfahrtindustrie klagten gleich laut. Dummerweise aber jeder für sich alleine. Zwar waren alle gegen die neue Abgabe, aber leider nur halbherzig in der Argumentation. Denn relativ schnell, clever gedacht, wurde ersatzweise etwas St. Florians – Gedanke in die Argumentation eingebaut. So rieben sich Air Berlin und Lufthansa aneinander mit dem Thema: wie sollte, wenn schon überhaupt, die Belastung für Kurz- und Fernstrecke sein. Condor rieb sich mit LH-Cargo mit dem Thema: Wenn schon, dann doch auch Belastung für die Fracht. Und besonders clever überraschte der Flughafen Frankfurt die restlichen deutschen Flughäfen mit der Argumentation wie relativ wenig umweltschädlich doch eigentlich Langstreckenflüge seien. Die danach angedachte eventuelle Zusammenlegung zweier Verbände (von Flughäfen und Fluggesellschaften) dürfte von der Verschärfung der Schlagkraft her allerdings überschaubar bleiben. Zuletzt wurde noch eine Unterschriftenaktion gestartet. Ein “bewährtes klassisches Kampfmittel“ mit in der Regel guten Erfolgen bei Mobilisierung von Eltern gegen Schulstress. Der erwünschte überregionale „virale Effekt“ dieser Aktion ist leider noch nicht erkennbar eingetreten.

Aber wie man professionell, besser gesagt brutal, mit einer „nicht folgsamen“ Regierung umzugehen hat, zeigten die Manager der Energiebranche. Sich gegenseitig austricksen? Doch nicht wir! Da zeigte sich sehr schnell die jahrelange Erfahrung aus vielen „Preisgestaltungsrunden“. Da wurde der Regierung zuerst mal in einem unverschämten Ton gedroht, evtl. Teile des Betriebes gleich einzustellen. (Wäre ja interessant geworden mal „Streik von oben“ zu erleben.) Aber nicht genug, in ganzseitigen Anzeigen in allen relevanten Tageszeitungen wurde der Regierung danach mächtig der Marsch geblasen. Sprachlich und inhaltlich zwar nicht immer ganz verständlich, aber dafür umso deutlicher im scharfen drohenden Ton. Und die Energie-Manager legten sicherheitshalber noch eine Schwarte drauf. Da unterschrieben nicht nur die vier Energiebosse, sie sammelten gleich noch die Unterschriften all´ jener ein, die für Lärm machen in unserer Republik bekannt sind. Nicht zuletzt solche „begabten“ Manager wie Herr Josef Ackermann (vergessen die kleine süße Geburtstagsfeier, die letztes Jahr Frau Merkel für ihn im Kanzleramt ausrichtete) oder Herr Oliver Bierhoff (der schon in den Verhandlungen mit dem DFB bewies, wie man richtig frech werden kann) oder Herr Wolfgang Clement (bewährter Atom-Scharfsschütze gegen Ypsilanti im Hessenwahlkampf) oder Herr Otto Schily (als Mini-Kohl verweigert er beharrlich die gesetzlich vorgeschriebene Offenlegung seiner Abgeordneten-Nebeneinkünfte) unterstützten die Energiebosse. Flugs waren 40 „sehr wichtige“ Unterschriften beisammen. Ein bunter Haufen, den nur eines verbindet, nicht zimperlich zu sein, wenn es um die Durchsetzung eigener Interessen geht. Bemerkenswerterweise haben 40 Männer unterschrieben, es ist keine einzige Frau dabei. In der Wirtschaft so richtig Druck machen ist offensichtlich noch immer Männersache.

Und jetzt die große Quizfrage für die Leser der Bissigen Bemerkungen. Welche Branche wird sich gegen die Regierung durchsetzen?
Schreiben Sie bitte nur, wenn Sie auf die Reisebranche tippen, dann muss ich nicht so viele Emails lesen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) erfahren Sie diese Woche sehr viel über das Thema Flusskreuzfahrten. TUI Deutschland Chef Dr. Böttcher erklärt warum TUI sich jetzt auch hier ganz besonders engagiert und der Chef der Arosa Flotte, Lars Clasen schildert, warum er glaubt, dass immer noch genügend Luft für seine Flotte sein wird. Außerdem wird auch noch getauft und gefeiert, aber hören Sie selbst.
In den akustischen Bissigen Bemerkung geht es um das neue deutsche Aufregerthema „Google Street View“ und wie wichtig das neue Angebot für die Tourismusindustrie werden könnte (für einige –windigen- Anbieter allerdings auch mit eher negativem Ausblick).

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Managers Mathekünste – heute mit Fraport-Chef Schulte

Die Bissigen Bemerkungen von letzter Woche über die Rechenlogik in manchen Pressemitteilungen hat ein reges Leserinteresse gefunden (zweithöchste Leserzahl seit es die BBBs gibt). Also haben sich die Bissigen Bemerkungen weiter umgesehen und sind über ein Interview von Fraport-Chef Stefan Schulte gestolpert. Mutierte er doch in seinem Interview mit der Süddeutschen Zeitung überraschender Weise und ohne erkennbaren Grund zum Wendehals in Sachen „Luftverkehrsabgabe“. Er meinte dort, diese neue Steuer „sei im Grundsatz akzeptabel“ und das ganze Gerede von Abwanderung ins Ausland stark übertrieben. Diese Anbiederung an die Politik verärgerte Fluggesellschaften und andere deutsche Flughäfen so stark, dass z. B. der Chef des Kölner Flughafens, Michael Garvens, sogar den Ausschluss von Fraport aus der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Flughäfen forderte.

Wenn man das Interview genau las, hatte Schulte bei seiner „Lobpreisung“ der neuen Steuer allerdings ein paar nicht unwichtige Nebenbedingungen genannt.
So sollten von der Steuer Transferpassagiere und Fracht ausgenommen bleiben. Jetzt raten Sie mal liebe Leserinnen und Leser welcher deutsche Flughafen die meisten Umsteigepassagiere und die meiste Fracht hat? Richtig geraten! So selbstlos und so ungemein kollegial ist unser Fraport-Schulte. Und eine putzige Erklärung, für eine besondere Bevorzugung von Langstreckenflügen hat er auch parat, in dem er einen ökologischen Vorteil für die Langstreckenflüge errechnet. Bei einem Kurzstreckenflug, so wird er in diesem Interview zitiert, liege der Verbrauch im Durchschnitt bei 7,7 Liter Kerosin pro Passagier und 100 Kilometer, während auf der Langstrecke der Verbrauch bei 3,8 Liter pro Passagier und 100 Kilometer liege.

Sorry, lieber Herr Fraport-CEO, das sieht „unsere Umwelt“ leider völlig anders. Die leidet nämlich ausnahmslos nur unter der Gesamtbelastung eines Flugzeuges. Und die ist bei einem Langstreckenflug nun mal deutlich und unstrittig höher als bei einem Kurzstreckenflug. Da hilft kein Dividieren durch Anzahl Passagiere oder Anzahl Kilometer oder Höhe Flugpreis oder was einem noch so einfallen könnte. Sich aus egoistischen Fraport-Gründen da etwas mit Mathe-Tricks schön zu rechnen ist nicht nur unredlich der Umwelt gegenüber, abgesehen davon auch unkollegial der restlichen Branche gegenüber, sondern mathematisch eine unsinnige Luftnummer.
Merke: Mag der Rechengang auch richtig sein, kann das Ergebnis trotzdem keinen Sinn machen.
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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) finden sich diese Woche Interviews
mit Dr. Petra Stolba, wie Österreich-Werbung ein jüngeres Publikum ansprechen will,
mit Oliver Müller-Dukat, der 1-2-fly als Preis-Leistungs-Führer im „Billigbereich“ sieht
und mit Achim Hunold zum die Lufthansa schmerzenden Coup, demnächst zur oneworld-Allianz zu gehören.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen dreht sich alles um die aktuelle Fliegerei. Besonders wird über die Qualitätsproblemen bei Easyjet gelästert, vor allem weil nur „die anderen“ schuld sind, aber nicht Easyjet selbst. Dabei wird wie immer „sehr dezent“ darauf hingewiesen, dass die BBBs schon vor fünf Monaten vorhergesagt haben, dass es die neue Easyjet-Chefin nicht packen wird (und warum das überraschender Weise eine Bestätigung für Frauen in Führungspositionen sei). Daneben geht es noch um die sich abzeichnende Fahnenflucht von Ryanair-O`Leary und die neuen „Regierungsfliegerchen“ von Sarkozy und Angela Merkel.

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Statistiken die niemand braucht und die dann auch noch falsch interpretiert werden

Angeblich von Churchill stammt der schlaue Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Unter dieser Prämisse sollte man auch die Flut von Statistiken betrachten, die täglich in diversen Medien verbreitet werden. Braucht diese jemand? Nein, es geht nur darum den eigenen Namen in die Medien zu bringen. Wissenschaftlich erstellt? Denkste. Richtig interpretiert? Von wegen, bei manchen Zahlen könnte man auch exakt das Gegenteil behaupten. Und ganz schlimm wird es zumeist, wenn sich die Autoren auch noch in %-Rechnung versuchen. Das geht zumeist total in die Hose (wie untenstehend beim online-Portal Unister).

Fangen wir bei der DAK an. Sie versucht uns schlau zu machen mit der Aussage „Nicht wenige Deutsche erkranken im Urlaub: 35 Prozent haben schon an Schnupfen oder einer Erkältung gelitten.“ Zuerst mal die Tendenzaussage, „krank in Urlaub“. „Urlaub und negativ“, ein beliebtes Thema zur Reisezeit. Hätte gerade noch gefehlt, eine Werbeaussage, DAK zahlt auch bei Krankheit im Urlaub.
Dabei, was heißt schon 35 % hatten irgendwann mal im Urlaub eine Erkältung. Man hätte auch schreiben können, 2/3 aller Urlauber hatten noch nie im Urlaub eine Erkältung gehabt. Aber eigentlich möchte ich mich zu einer noch radikaleren Aussage durchringen: Fast 100% aller Deutschen hatten schon mal außerhalb des Urlaubs eine Erkältung.
Laut dieser Statistik plagten 14% der Deutschen schon mal eine Allergie im Urlaub. Oh, wie schlimm! Gerade habe ich in einem Buch über Allergien gelesen, dass inzwischen über 30 Mio. Deutsche unter Allergien leiden (das wären demnach ca. 35% aller Deutschen). Rechnerisches Fazit: Mehr als die Hälfte aller deutschen Allergiker hatten im Urlaub noch nie eine Allergie gehabt. Das ist doch mal eine gute Nachricht. (DAK-Zahlen laut Bericht in travel tribune)

Das Online-Reisebüro „ab-in-den-urlaub.de“ von Unister GmbH, beglückt die Menschheit ja öfters mit Informationen auf die niemand gewartet hat. Nach der alten PR-Masche „ist doch egal was in der Zeitung über uns steht, Hauptsache unser Name ist richtig geschrieben“. Jetzt hat man sich sehr ausführlich zum Thema „Diebstahl an den Flughäfen“ geäußert (Info gefunden bei Touristik-news.com). Auch dazu könnte inhaltlich manch Kritisches beitragen. Die BBBs möchten aber hier nur etwas Nachhilfe in %-Rechnung geben. In der Unister-Meldung wird besonders der Flughafen Düsseldorf angeprangert, denn da wird angeblich am meisten geklaut. Zwar gesteht Unister ein, dass die Anzahl der Diebstähle im Flughafen Düsseldorf von 1.900 im Jahre 2008 auf 1.321 im Jahre 2009 zurückgegangen seien. Diese an für sich positive Meldung wird dann etwas konterkariert durch den Zusatz, aber in der gleichen Zeit sei das Passagieraufkommen in Düsseldorf um rund 370.000 zurückgegangen. Und jetzt kommt die von wenig Mathematik getrübte Feststellung: Demnach seien die Diebstähle pro Gast nur um 0,003 Prozent zurückgegangen. Kurzum, die Diebe in Düsseldorf klauten erstaunlicherweise proportional zur Passagierzahl (wie die das so hinbekommen haben?). Die etwas mehr Mathematik bewussten Bissigen Bemerkungen merkten natürlich sofort, dass diese Rechnung nie und nimmer stimmen kann. Also rechnen wir mal nach und besorgen uns die Passagierzahlen vom Flughafen Düsseldorf. Demnach betrug die Diebstahlsrate pro Gast in 2008 0,0105%, in 2009 lautete die Diebstahlsrate 0,0074%. Das sind zwar nur 0,003 Prozent-Punkte (Achtung, die Betonung liegt auf Prozent-„Punkte“) weniger, aber bei so kleinen Zahlen bedeutet das einen Rückgang um fast 30%! und genau das wäre die richtige Information gewesen (Die Diebstahlsrate pro Gast ist um 30% zurückgegangen. Statt angegeben 0,003%). Bewusste Manipulation oder nur Mathe-Schwäche?

Deshalb immer mein Hinweis an die Studenten „Aufpassen bei Aussagen mit %-Zahlen, da wird zumeist manipuliert. Es sei denn, ihr wollt selbst manipulieren, dann nehmt %-Zahlen“.

Ach noch etwas, die DAK hatte auch festgestellt, dass 14% aller Deutschen im Urlaub schon mal einen Sonnenstich hatten. Wie man weiß, kann so etwas lange im Alltag nachwirken (siehe oben).
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Im Reiseradio www.reiseradio.org geht es diese Woche u.a. um zwei Journalisten, die den Meridian-Nachwuchspreis gewonnen haben und ihr Verständnis über Reisejournalismus. Außerdem gibt es Hintergrund-Informationen über Sri Lanka. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es u.a. um den Verlust eines Männertraumes. Eine Stewardess der Air France, die sich nicht „liebevoll“ um schlafende Fluggäste kümmerte, sondern diese „lieblos“ beklaute. Wie schrecklich, wieder eine Ikone gefallen. Übrigens soll es demnächst auch zu diesem Thema neue internationale Statistiken geben.

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Wenn der schärfste Gegner einer Branche „Bundesregierung“ heißt…..

Damit hatte die Luftverkehrsbranche nicht gerechnet, dass sie quasi als einzige Branche von den Sparbeschlüssen getroffen wird (die Kernenergieunternehmen werden ja nicht echt belastet, sie müssen nur von evtl. künftigen Gewinnen etwas abgeben). Nicht die Unberechenbarkeit des Marktes ist das größte Problem der Airlines und es ist nicht die harte Konkurrenz. Selbst die Schwankungen auf dem Treibstoffmarkt bekommen die Airlines einigermaßen in den Griff. Der Hauptgegner der deutschen Airlines heißt: Bundesregierung.

Zuerst wurde die Branche durch einen unfähigen (oder unwissenden) Verkehrsminister zu tagelangem Nichtstun verdammt und erlitt dadurch Verluste in dreistelliger Millionenhöhe (schlimmer als die Situation nach dem Attentat vom 11.September 2001). Jetzt schlug die Regierung kalt mit einer Luftverkehrsabgabe zu. Statt ehrlich zu sagen, wir „haben einen Dummen gesucht, dem man noch Geld aus der Tasche ziehen kann und da ist unsere Wahl auf die Flugpassagiere gefallen“ (denn die Fluggesellschaften werden diese Kostenerhöhung weitergeben an Ihre Kunden, zumindest an jene die noch von Deutschland aus fliegen), umgibt sie die böse Tat mit dem Deckmäntelchen „ökologisch“. Was ist daran ökologisch? Hier wird keine bestehende Abgabe nach ökologischen Gesichtspunkten umgebaut, sondern es gibt nur einen „oben drauf“. Die Einführung dieser neuen Abgabe wurde schließlich im Rahmen des „Spar“-Paketes beschlossen. Wobei auch der Begriff „Sparen“ hier Hohn ist, denn die Regierung spart ja nicht, sie versucht nur dreist ihre Einnahmen zu erhöhen.

„Ein schwarzer Tag für den Luftverkehrsstandort Deutschland“ lautete der Kommentar der Lufthansa und Germanwings sprach „von einem Förderprogramm für ausländische Airlines und Flughäfen“. Dass es sich bei der vorgebrachten Kritik nicht um typisches Gejammer von Branchenvertreter handelt, zeigt das Beispiel Amsterdam. Die Regierung der Niederlande war mit einer ähnlichen Abgabe ziemlich auf die Nase gefallen. Statt wie erhofft Mehreinnahmen von 300 Mio. Euro zu generieren, verursachte die folgende Abwanderung von Fluggästen (lustigerweise nach Deutschland) einen wirtschaftlichen Verlust von 1,3 Mrd. Euro, was zu einer baldigen Aufhebung der Gebühr führte.

Wie stolz war Air Berlin, dass zur Feier des 30. Geburtstages dieser Airline, die Kanzlerin ihr „die Ehre ihres Besuches gab“. Vielleicht hätte Air Berlin besser Herrn Westerwelle einladen sollen. Frei nach dem Motto: „Von Hoteliers lernen, heißt Siegen lernen“.

Kein Problem mit dieser Mehrbelastung hatte fast erwartungsgemäß (Nicht-) Verkehrsminister Ramsauer. Sein Kommentar „diese Mehrkosten für die Flugpassagiere sind sowohl für Urlaubs- als auch für Geschäftsreisen vertretbar“. Besser wäre gewesen „diese Kosten fallen für mich persönlich ja nicht an“.
Wenig überraschend war, dass von Wirtschaftsminister Brüderle hierzu nichts zu hören war. Vielleicht sollte ihm endlich mal jemand sagen, dass er für die wirtschaftliche Entwicklung des Standortes Deutschland verantwortlich ist.
Etwas überraschender dagegen die Reaktion von Alltours-Chef Verhuven. Er meinte: „Die durch die Abgabe entstehenden Mehrkosten seien bei einem zweiwöchigen Urlaub zu vernachlässigen“. Wenn dem so wäre, dass dieser Betrag keine Rolle spielen würde, fragt man sich, warum er nicht schon die ganze Zeit seine Preise genau um diesen Betrag erhöht hat. Tatsächlich ist die Anzahl der Zwei-Wochen-Reisen in den letzten Jahren stark gesunken. Warum wohl? Weil die Kunden mit jedem Euro rechnen müssen.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) sind diese Woche etliche Interviews rund um die Internationale Luftfahrtshow in Berlin zu hören. Der Vorsitzende des Bundesverbandes deutscher Fluggesellschaften, Ralf Teckentrup, äußert sich „zum Strafzoll der Bundesregierung für Fluggäste, die mit deutschen Fluggesellschaften ab deutschen Flughäfen fliegen“. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es diesmal um die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika und warum es normal ist, dass sowenig deutsche Touristen hingeflogen sind.

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BBB-Spezial zum Thema Bildung: Roland Kochs brutalst möglichste Frechheit

Es ist nicht zu fassen, was sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch in dieser Woche an unglaublicher Frechheit geleistet hat. Um den angehäuften Schuldenberg abzutragen, soll künftig auch bei den Kindertagesstätten (Krippenplätzen) und in der Bildung gespart werden.

Wie schreibt Spiegel online so treffend in bester BBB-Manier:„Koch weiß, wie sich Banken (auch welche mit Sitz in Frankfurt) auf dem amerikanische Immobilienmarkt getummelt haben und Kreditsondermüll als Gold verkauft haben. Er weiß auch wer in Deutschland davon profitiert, dass Spekulanten die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen immer stärker in die Höhe getrieben haben. Seit 2008 hätte er täglich strenge Regeln für die Banken fordern müssen. Nun soll es die Jugend, beginnend bei den Dreijährigen, ausbaden“.

In Anlehnung an seine idiotische Formulierung (inhaltlich und sprachlich) von der „brutalst möglichsten Aufklärung“, als in Hessen CDU-Spendengelder als „Vermächtnisse toter Juden“ deklariert waren, kann man seine neue Forderung nur als „brutalst möglichste Frechheit“ bezeichnen. Eigentlich müsste dies einen solchen Aufschrei in der Bevölkerung nach sich ziehen, dass jetzt endgültig seine Tage als verantwortlicher (?) Politiker gezählt sein müssten.

Jetzt könnte man das ganze als „Schamlosigkeit eines einzelnen Herren“ abtun. Das wäre schon schlimm genug. Aber es ist zu befürchten, dass es auch ein Versuchsballon sein könnte, um die Reaktion in der Bevölkerung zu testen. Denn umgehend krochen weitere Dummschwätzer wie Ratten aus ihren Löchern. Der sächsische Ministerpräsident Tillich wird mit dem Satz zitiert: „Mehr Geld macht nicht automatisch klüger“, ein Job als Ministerpräsident offensichtlich auch nicht. Auf seinen Umgang mit der Wahrheit (betreffend seiner Vergangenheit und mit Sponsoring) wollen wir hier nicht näher eingehen. Aber schon seine bisherigen Einsparungen in Sozialpolitik und Jugendbudgets gelten „in ihrer Brutalität als bundesweit einmalig“.
Laut Spiegel stehen viele Ministerpräsidenten bei dem Thema Einsparungen in der Bildung auf Seiten Kochs. Es gilt wohl die alte Volksweisheit „je dümmer ein Volk, desto leichter ist es zu regieren“.

Natürlich quakt auch die FDP zu diesem Thema. Otto Fricke, immerhin haushaltspolitischer Sprecher der FDP, „begrüßte den Vorstoß aus Hessen und erklärte, er sei für alle Einsparmöglichkeiten offen“. Ausgerechnet die FDP, die nach der Regierungsbildung in einer wahren Stellenschaffungs-Orgie neue Stellen im Regierungsapparat schuf, wie noch nie eine Partei zuvor, stellt sich jetzt an die Spitze der „Bildungssparer“. Nachdem jetzt auch noch der letzte Parteihansel versorgt ist, geht es dem Rest der Republik an den Kragen.

Ein Glück, dass es anscheinend noch ein paar Vernünftige gibt. „Man kann die Sanierung von Straßen und Brücken verschieben, nicht aber die Bildung einer Generation“, sagte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt Jan-Hendrik Olbertz und erteilte trotz dramatischer Finanzsituation seines Landes Einsparungen in der Bildung eine Absage. Er ist es allerdings auch nur noch wenige Tage im Amt , weil er als Präsident an die Berliner Humboldt-Universität nach Berlin wechselt.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer formulierte wesentlich schärfer: „Das ärgert mich. Es sei weder klug noch richtig, keine Kinderbetreuungsplätze mehr zu bauen und in der Bildung zu sparen“. Leider ist die Halbwertzeit von Seehoferschen Aussagen in der Vergangenheit immer ziemlich kurz gewesen.

Für den 10. Juni ist der „große Bildungsgipfel von Bund und Länder“ angesetzt. Da kann Frau Merkel beweisen was „Chefsache“ ist und ob wir wirklich eine „Bildungsrepublik“ sein wollen. Eigentlich müssten wir alle zu diesem Datum nach Berlin vor das Kanzleramt ziehen.

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Wie immer hier noch der Hinweis auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) . In dieser Woche hören Sie u.a. einen Bericht zum PowWow der amerikanischen Reiseindustrie und einen Schwerpunkt zum Rad-Tourismus. Die akustischen Bissigen Bemerkungen beschäftigen sich wieder einmal mit der Sicherheitshysterie, im Mittelpunkt diesmal der Flughafen in Graz.

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Frechheit oder Dummheit? Ein Toter soll nach Berlin fliegen und die Werbung von HRS

Zwischen beiden Meldungen besteht kein unmittelbarer Zusammenhang. Höchstens die übereinstimmende Frechheit (Dummheit?).
Da schieben zwei Frauen in Liverpool einen alten Mann im Rollstuhl zum Check-in-Schalter von Easyjet zum Flug nach Berlin. Eigentlich nichts besonderes, aber der Mann im Rollstuhl ist seit 24 Stunden tot. Die beiden Frauen wollten so die Überführungskosten für den Toten sparen. Ihr wahrscheinlicher Gedankengang: An Bord von Easyjet sind die Sitze so eng, da kann sogar ein Toter nicht mehr umfallen.
Aber eine Flugbegleiterin fragte den schweigsamen Passagier nach seinem Wohlbefinden (wer hätte gedacht, dass es so etwas an Bord von Easyjet noch gibt).
Der blieb jedoch jede Antwort schuldig. Der herbeigerufene Arzt fand schnell die Lösung der konsequenten Schweigsamkeit.
Merke: Wer die Flugsitze zu eng macht, bekommt die schweigsamsten Passagiere.

Die neue Werbung des Hotelportals HRS ist ziemlich dümmlich. Schon der Claim „Ich reservieHRS“ lässt ein zweifelhaftes Verhältnis zur deutschen Sprache durchblicken. Aber noch schlimmer ist der Werbespruch mit TV-Sternchen Sonya Kraus: „Die schmutzigsten Fantasien hat man in den saubersten Betten“.
Da möchte man eher sagen: „Die dümmsten Fantasien hat die Werbeagentur von HRS“. Weitere Testimonials in dieser Werbereihe sind Rudi Assauer und Bill Kaulitz. Schlimmer geht’s wirklich nimmer!
Wenn dann HRS-Geschäftsführer Tobias Ragge meint, damit „die Marke emotional stärker aufladen“ zu können, dann möchte man über seine „eigene emotionale Aufladung“ nicht länger nachdenken. Hier scheint professionelle Hilfe notwendig, aber nicht von einer Marketingagentur.
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Im Übrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen der Bissigen Bemerkungen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch welche hören“.
Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diese Woche um die Beschwerde von Ostseekommunen, dass der offizielle Wetterbericht fast immer zu schlecht sei. Wir machen uns hierzu Gedanken ob da wirklich System dahinter steckt oder ob das an der Abwesenheit eines berühmten Meteorologen liegen könnte. Natürlich gibt es auch Vorschläge zur Lösung.
Außerdem machen wir etwas Werbung für den airport run vom Flughafen Hannover am 17.4.2010. Warum? Auch das erfahren Sie im Reiseradio.

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Kaum zu glauben

Mag ja sein, dass sich Piloten nur ungern mit Lokomotivführern vergleichen lassen wollen. Aber ein Blick über den Tellerrand hin zur Bahn würde sowohl den Piloten wie auch der Lufthansa nicht schaden.
Erinnern Sie sich an Mitte bis Ende 2007? Erinnern Sie sich an das permanente „Gewürge“ von Lokomotivführern und Bahn mit Streikankündigung, dann doch kein Streik, dann doch Streik, dann Handschlageinigung, die aber keine war (Urmodell des DFB/Joggi Löw–Konfliktes), neue Streiks und so weiter? Ergebnis: Dramatischer Imageverlust für beide Seiten und nachhaltiger wirtschaftlicher Schaden (auch für beide Seiten).

Und das gleiche Spiel, man glaubt es kaum, spielen jetzt Lufthansa und Piloten-Gewerkschaft. Erst große Streikankündigung, dann einen Tag Streik, dann überraschend Friede, Freude, Eierkuchen und jetzt ab 13.4. soll das ganze wieder von vorne losgehen. Lufthansa wird nicht nur „airberlineriger“, sondern auch noch „bahnerischer“. Halleluja, das ganze ist nicht nur ein Lehrstück für „wie beschädige ich das Image eines angesehenen Unternehmens“, sondern zeigt auch die Hilflosigkeit mit der neuen Marktsituation umzugehen.
Das hätten sich Air Berlin und Co. auch nicht träumen lassen, dass sie von Lufthansa solche wirtschaftliche Hilfestellung bekommen.

Wenn wir schon bei „kaum zu glauben sind“. Wie postulieren die harten Gleichberechtigungsvertreter(innen)? Die Gleichberechtigung für die Frauen im Wirtschaftsleben ist nicht erreicht, wenn es genügend Frauen in Führungspositionen gibt, sondern erst wenn genügend Frauen ohne Ahnung vom Geschäft in Führungspositionen aufgestiegen sind. Sind wir nun soweit? Könnte sein. Easyjet hat eine neue Chefin. Demnächst übernimmt Carolyn McCall. Sie kommt aus der Medienbranche und hat Null-Ahnung von der Luftfahrtbranche.

Noch „weniger zu glauben“, ist die Panne am Flughafen Leipzig-Altenburg. Erinnern Sie sich, der Landrat des Landkreise Altenburg-Land, war so fest überzeugt, dass sein Weltflughafen Altenburg Interesse bei internationalen Investoren finden könnte (siehe BBBs vom 14.12.2009). Jetzt musste einer der wenigen Anflüge umgeleitet werden, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei einer Handvoll Flüge am Tag, kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Und schon „überhaupt nicht zu glauben“ ist, dass ein Hobby-Pilot jetzt zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wurde. Er hatte mit seinem einmotorigen Flugzeug die Rollbahn des Flughafens Bitburg angesteuert und auf Funkkontakt zum Tower „verzichtet“. Dummerweise fand dort gerade eine Veranstaltung des Porsche-Clubs Luxemburg statt. Da blieb kaum eine Wahl. Der Pilot landete „auf“ einem fahrenden Porsche 911. Merke: Sollte Ihr Auto mal kräftig wackeln, muss es nicht an schlecht montierten Reifen liegen. Schauen Sie auch mal auf dem Dach Ihres Fahrzeuges nach.

Außerdem „glauben wir nicht“, dass „Manny“ noch etwas Vorzeigbares zum Kaufen für Thomas Cook findet. Darf man Ankündigungen übrigens schon bilanzieren?

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Im Übrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch hören. “Faszination Stützstrümpfe“ – ab heute der neue Renner auf www.reiseradio.org (jetzt auch mit Direkt-Button auf die BBB). Und nicht verzweifeln: wenn die Sendung sich nicht sofort lädt, dann tummeln sich gerade andere 100 BBB-Fans in der Leitung. Ein paar Minuten später, und „Ihnen wird sicher geholfen“ (vom Server).
Sorry für letzte Woche. Zwischenzeitlich gab es Probleme mit dem Link und dann war der Server echt überlastet. Es geht dem Reiseradio speziell wie dem Tourismus allgemein: Das größte Problem ist der Erfolg.

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ITB 2010 – „Same procedure as every year“ oder hat noch jemand einen Joker in der Tasche?

Schon wieder ITB (Internationale Tourismusbörse in Berlin)? Warum eigentlich? Ach so, die ITB gehört zur Branche, wie das Gaggern zum Eierlegen. Na, dann mal los, mit dem Gaggern, die ITB ist das ideale Forum dafür.

Leider hat Google einen Frühstart hingelegt. Die Meldung „Reisesuche im Web läuft prächtig“ hatte ITB-Format. Da hat Google mal so richtig auf die Pauke gehauen. „Suchanfragen, die typisch für die Einleitung konkreter Buchungsschritte sind“, das klingt gut. Sagt ja auch der „Head of Travel bei Google“. Das ist ein toller Titel, aber offensichtlich mehr Travel als Head.
Und das sind laut dieser Meldung die Super-Suchtrends:
„Pauschalreisen günstig“ plus 750 Prozent
„Flüge vergleichen“ sogar plus 917 Prozent
Was müssen das vorher für mickrige Zahlen gewesen sein, wenn man die so steigern kann? Aber solche prozentuale Steigerungen geben für die Berichterstattung eine Menge her, sind sie auch noch so absurd.

Dabei könnte die wirklich wichtige Meldung ungefähr so lauten:
„Die bereits bekannten Trends beschleunigen sich“.
- Polarisierung der Nachfrage wird noch stärker. Das untere Segment und das obere wachsen weiter. Gähn, gähn – ach wie langweilig. .
- Es wir noch mehr Spätbucher geben als letztes Jahr. Gähn, gähn – wie langweilig.
- All Inklusive wird noch weiter wachsen. Gähn, gähn – wie langweilig
Sorry, ist aber leider so. Interessiert aber nicht.
Dann versuchen wir es mal damit:
- Die Pauschalreise lebt noch. Ach was, das passt aber gar nicht in die Neuzeit.
- Die Reisebüros leben auch noch, die Veranstalter wollen sogar noch welche dazu erwerben. Ach was, das passt aber gar nicht in die Google-Zeit.

Ob ich noch zur ITB gehe? Na klar, will ja „mitgaggern“.
Deshalb müssen die BBBs noch schnell ein paar ITB-Meldungen erfinden:

Meldung 1: Die Kontrolle an den Eingängen der ITB wird dieses Jahr vom Personal des Flughafens München durchgeführt. Vor allem wenn Schichtwechsel ist, kann man auf die Messe mitschleppen was man will.

Meldung 2. Lufthansa wird bekannt geben wie der neue A380 heißen soll. Bekanntlich sind (wahrscheinlich durch Manipulation) innerhalb von 48 Stunden 8.000 positive Bewertungen für den Namen „Stalingrad“ eingegangen. Das will aber Lufthansa nicht gelten lassen. Jetzt soll der Super-Jet auf den Namen „Silke Kohlschitter“ getauft werden. Das ist die taffe Arbeitsrichterin vom Arbeitsgericht Frankfurt, die eigentlich LH-Management und VC-Cockpit blamiert hat, weil sie vormachte, wie man Einigungsgespräche sinnvoll führt. Besser kann sich LH nicht bedanken, dass sie Millionen an Streikkosten gespart hat.

Meldung 3: Der Fugzeughersteller Airbus sucht bekanntlich einen Käufer für seinen Toilettenhersteller Dasell. Auf der ITB wird die Bundesregierung bekannt geben, dass sie kaufen wird. Mit ihrem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ hat sie soviel „Sch….“ gebaut, dass professionelle Entsorgung benötigt wird.

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Dumm, dümmer, Flughafen München – und was uns demnächst passieren kann

Eigentlich wollten die Bissigen Bemerkungen vorerst nicht mehr über das Thema „Sicherheit an Flughäfen“ schreiben, aber das unglaubliche Versagen am Münchner Flughafen kann nicht unkommentiert bleiben. Es passt einfach so schön bestätigend zu unseren Bissigen Bemerkungen vom 4.1.2010 („2010 – ein Jubeljahr für Nacktscanner-Fetischisten?“).
Da löst der Laptop eines Passagiers Alarm aus, Die Sicherheitsleute bemerken es, leider mit einer Reaktionszeit, die auf übermäßigen Genuss von Valium schließen lässt. Der Passagier jedenfalls hatte inzwischen Jacke und Mantel vom Band genommen, seinen Laptop abgewischt (!) und war verschwunden. Wie immer im Nachhinein großes Super-Action. Aber niemand konnte sagen wo der Passagier abgeblieben war.
Die aktuelle Informations-Nummer die nun die Verantwortlichen „abziehen“ ist noch peinlicher. „Alles kein Problem“, war nur ein doppelter Fehlalarm: erstens war im Laptop kein Sprengstoff und zweitens sei der Passagier nicht geflüchtet, die Auswertung der Videobilder zeigen, dass er nochmals durch die Sicherheitskontrolle ging. Entschuldigung, seid Ihr total bescheuert? Das soll mich beruhigen? Da wird ein Mann intensiv am Flughafen gesucht und der läuft seelenruhig ein zweites Mal an den Sicherheitsleuten zur Kontrolle vorbei. Das ist Wahnsinn pur.
Wer sagt mir, dass der Mann nicht doch ein Terrorist war, der nur einmal austesten wollte, wie pennerhaft die Sicherheitsleute am Flughafen München arbeiten.

Ich stelle mir gerade vor, es gäbe in München schon die Nacktscanner. Und da zeigt das Computerbild einen Mann mit einem Sprengstoffgürtel. Wahrscheinlich würde der Beamte sofort seine Kumpels rufen „Hey kommt mal her, da könnt ihr mal einen Sprengstoffgürtel sehen“. Der nächste kommentiert „Ah, ist ja richtig interessant“, ein weiterer fängt an aufzuzählen wie viel Sprengstoff dran ist. Und wenn sich die allgemeine Begeisterung über diesen wertvollen Fund, der nur durch den Nacktscanner aufgedeckt werden konnte, gelegt hat, ist der Passagier schon längst verschwunden.

Mir macht jetzt schon Kummer, was passieren wird, nachdem unsere amerikanischen Sicherheitsfetischisten die Münchner Story gelesen haben. Das gibt garantiert eine neue Sicherheitsanweisung an die Europäer. Wahrscheinlich muss man künftig vor der Sicherheitskontrolle seinen Pass abgeben, den man erst zurückbekommt, wenn alle Bilder, Tests und Hundeschnauzen ausgewertet sind. Ganz großes Kino jedenfalls.

Aber schon zeichnet sich am Horizont die nächste Sicherheitsstufe nach Nacktscanner und Nacktfliegen ab. Japanische Forscher haben Goldfische ohne Hautpigmentierung gezüchtet. Die jetzt lichtdurchlässigen Schuppen geben die Sicht auf sämtliche Organe frei. Im nächsten Jahr will diese Forschergruppe auch transparente Frösche „zur Marktreife bringen“ (Originaltext). Da haben wir es doch. Irgendwann in nicht zu ferner Zukunft dürfen nur noch genmanipulierte transparente Fluggäste fliegen. Da kann man auch nichts mehr im Körper verstecken. Und die Zeit für Handgepäck in der Kabine ist ohnehin schon bald abgelaufen. Das wurde jetzt auch erstmals aus Kreisen der Reiseindustrie gefordert. Nein, nicht von Ryanair, sondern von Vural Öger von Öger-Tours.

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Dabei hätte es noch so viel in dieser Woche zu berichten gegeben. Zum Beispiel die Absage von Ryanair für Flüge am 20.Januar nach Dublin. Das Deutsch auf deren Homepage, hatte das Format chinesischer Gebrauchsanweisungen in Deutsch vor 20 Jahren. Auf jeden Fall Kabarett reif.
Und, und, und, vielleicht in der nächsten Woche.

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