Archiv für Krisenmanagement

Der Bund gibt, die Kommune nimmt: Ein Steuergeschenk und seine Folgen

Dieses Gesetz hat Format, fragt sich nur für was und wofür: Das „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Allein der Name schon. Das kann sich nur jemand ausgedacht haben, der schon lange nicht mehr an der frischen Luft war. 30 Buchstaben lang, ist eigentlich eine Karikatur von Beschleunigung. Der Name taugt höchstens für das Spiel „Galgenmännchen“ (wenn Sie, liebe Leser, das Spiel nicht kennen, bitte bei wikipedia nachsehen). Und im Zentrum dieses tollen Gesetzes steht die „Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie“. Eventuell gut gemeint, aber wie so oft ist „gut gemeint“ das Gegenteil von „gut gemacht“. Zu viele Fehler um zu überzeugen (siehe auch BBB vom 2.11.2009 „Denkste…. Und der DEHOGA freut sich trotzdem“).

Erstes Übel: Vorlaute Hoteliers
Offizielle Begründung für dieses Gesetz war, dass man aus Gründen der europäischen Wettbewerbsgleichheit – diese Wortwahl überzeugt fast immer- die Steuer senken müsse. 21 von 27 EU-Staaten haben bereits den reduzierten Steuersatz, darunter alle deutschen Anrainer mit Ausnahme Dänemarks. Diese „Weisheit“ war kaum genügend durch die Landen gedrungen, als viele Hoteliers, insbesondere Branchenvertreter und Branchenberater viel zu laut „ihre Absicht kundgetan haben“, diese Steuersenkung natürlich nicht an den Endverbraucher weiterzugeben, „sondern in die eigene Tasche zu stecken“ (teils in dieser oder ähnlicher Wortwahl).

Zweites Übel: Handwerkliche Fehler
Das Gesetz scheint nicht bis in die letzte Fassette durchdacht zu sein, so ein typischer Nacht-und-Nebel-Beschluss. Kein Geringerer als der Bundestagspräsident Lammert (und der gehört bekanntlich nicht der Opposition an) erklärte sehr deutlich: „Diese Regelung ist schlicht misslungen“. Die zwingend andere Berechnung der Mehrwertsteuer für das Frühstück (auch wenn im Übernachtungspreis enthalten) schafft neben anderem eine Menge Probleme (kann man hier aus Platzgründen nicht in allen Feinheiten aufzählen). Hinzu kommt, das Gesetz ist seit einem Monat in kraft, aber das Bundesfinanzministerium hat noch nicht durch Erlass (Rundschreiben) die Details geregelt hat. Soviel zum Thema Beschleunigung.

Drittes Übel: Die Wahlkampfspende von Mövenpick
Die Wahlkampfspende ist formal ok, aber der Zeitpunkt des „öffentlich werden“ dieser Spende „sehr unpassend“. Erst jetzt bekam das Ganze den sehr intensiven Geruch von Klientelpolitik und Steuergeschenk für eine bestimmte Gruppe. Diesen Vorwurf kann nur die FDP oder der Wahlkampfspender ausräumen. Auf keinen Fall ist es für Außenstehende glaubwürdig, wenn ein anderer Lobbyist der besonders von der Steuersenkung profitiert, hier wiederum der DEHOGA, im Interview erklärt, „dass es völlig abwegig sei, einen Zusammenhang zwischen der Spende und der Mehrwertsteuersenkung herzustellen“. Woher will dies der DEHOGA wissen?

Viertels Übel: Die Kommunen
Und damit kommen wir zur Überschrift der heutigen BBB. Die oben beschriebene Gemengelage ist nun auch den Kommunalpolitikern nicht verborgen geblieben. Mit erstaunlich bewundernswerter Schlichtheit haben da einige festgestellt, dass ca. 12%-Punkte Mehrwertsteuer noch etwas herrenlos seien. Flugs beanspruchen jetzt Köln, Bremen (und andere werden folgen), eine 5%-Abgabe mit dem schönen Namen „Kulturförderabgabe“. Begründung: da bekommen einige etwas geschenkt, da wollen wir etwas davon „abhaben“. Der Bund gibt, die Kommune nimmt. Das wird uns in Zukunft öfters passieren, z.B. Einkommensteuersenkung (wenn sie kommt) und gleichzeitig Erhöhung der kommunalen Abgaben.

Zum Schluss ein schönes Zitat aus einem aktuellen Interview mit der Hauptgeschäftsführerin der DEHOGA, Ingrid Hartges:
„Es ist jetzt ganz wichtig, positive Botschaften in die Öffentlichkeit zu bringen – mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze, bessere Mitarbeiterqualifizierung und ein noch attraktiveres Preis-/Leistungsverhältnis für die Gäste. Von den Investitionen profitieren auch das Handwerk, der Handel und die Zulieferindustrie. Wichtig ist, dass die Hotellerie erfolgreich den Vorwurf entkräftet, dass sie sich die Tasche vollmacht“.
Ende des Zitats.

Ganz tolle Aussage, bravo, nur leider viele Wochen zu spät. Zu spät, zu spät, du rettest die öffentliche Meinung nicht mehr.

Nachtrag:
Und fünftes Übel: In NRW ist bald Bundestagswahl.
Der FDP-Vize Pinkwart hat sich jetzt auch kritisch zu diesem Gesetz geäußert (obwohl er früher immer dafür war). Und NRW-Ministerpräsident Rüttgers, auch in anderen Dingen ein „Schnellmerker“, besonders vor Landtagswahlen, findet jetzt plötzlich das Gesetz „nicht nachvollziehbar“.

Fazit: Oh Leute, da habt Ihr eine gute Idee aber so richtig versemmelt.
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Das Interview mit Frau Hartges steht in der aktuellen Ausgabe von travel tribune.

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Dumm, dümmer, Flughafen München – und was uns demnächst passieren kann

Eigentlich wollten die Bissigen Bemerkungen vorerst nicht mehr über das Thema „Sicherheit an Flughäfen“ schreiben, aber das unglaubliche Versagen am Münchner Flughafen kann nicht unkommentiert bleiben. Es passt einfach so schön bestätigend zu unseren Bissigen Bemerkungen vom 4.1.2010 („2010 – ein Jubeljahr für Nacktscanner-Fetischisten?“).
Da löst der Laptop eines Passagiers Alarm aus, Die Sicherheitsleute bemerken es, leider mit einer Reaktionszeit, die auf übermäßigen Genuss von Valium schließen lässt. Der Passagier jedenfalls hatte inzwischen Jacke und Mantel vom Band genommen, seinen Laptop abgewischt (!) und war verschwunden. Wie immer im Nachhinein großes Super-Action. Aber niemand konnte sagen wo der Passagier abgeblieben war.
Die aktuelle Informations-Nummer die nun die Verantwortlichen „abziehen“ ist noch peinlicher. „Alles kein Problem“, war nur ein doppelter Fehlalarm: erstens war im Laptop kein Sprengstoff und zweitens sei der Passagier nicht geflüchtet, die Auswertung der Videobilder zeigen, dass er nochmals durch die Sicherheitskontrolle ging. Entschuldigung, seid Ihr total bescheuert? Das soll mich beruhigen? Da wird ein Mann intensiv am Flughafen gesucht und der läuft seelenruhig ein zweites Mal an den Sicherheitsleuten zur Kontrolle vorbei. Das ist Wahnsinn pur.
Wer sagt mir, dass der Mann nicht doch ein Terrorist war, der nur einmal austesten wollte, wie pennerhaft die Sicherheitsleute am Flughafen München arbeiten.

Ich stelle mir gerade vor, es gäbe in München schon die Nacktscanner. Und da zeigt das Computerbild einen Mann mit einem Sprengstoffgürtel. Wahrscheinlich würde der Beamte sofort seine Kumpels rufen „Hey kommt mal her, da könnt ihr mal einen Sprengstoffgürtel sehen“. Der nächste kommentiert „Ah, ist ja richtig interessant“, ein weiterer fängt an aufzuzählen wie viel Sprengstoff dran ist. Und wenn sich die allgemeine Begeisterung über diesen wertvollen Fund, der nur durch den Nacktscanner aufgedeckt werden konnte, gelegt hat, ist der Passagier schon längst verschwunden.

Mir macht jetzt schon Kummer, was passieren wird, nachdem unsere amerikanischen Sicherheitsfetischisten die Münchner Story gelesen haben. Das gibt garantiert eine neue Sicherheitsanweisung an die Europäer. Wahrscheinlich muss man künftig vor der Sicherheitskontrolle seinen Pass abgeben, den man erst zurückbekommt, wenn alle Bilder, Tests und Hundeschnauzen ausgewertet sind. Ganz großes Kino jedenfalls.

Aber schon zeichnet sich am Horizont die nächste Sicherheitsstufe nach Nacktscanner und Nacktfliegen ab. Japanische Forscher haben Goldfische ohne Hautpigmentierung gezüchtet. Die jetzt lichtdurchlässigen Schuppen geben die Sicht auf sämtliche Organe frei. Im nächsten Jahr will diese Forschergruppe auch transparente Frösche „zur Marktreife bringen“ (Originaltext). Da haben wir es doch. Irgendwann in nicht zu ferner Zukunft dürfen nur noch genmanipulierte transparente Fluggäste fliegen. Da kann man auch nichts mehr im Körper verstecken. Und die Zeit für Handgepäck in der Kabine ist ohnehin schon bald abgelaufen. Das wurde jetzt auch erstmals aus Kreisen der Reiseindustrie gefordert. Nein, nicht von Ryanair, sondern von Vural Öger von Öger-Tours.

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Dabei hätte es noch so viel in dieser Woche zu berichten gegeben. Zum Beispiel die Absage von Ryanair für Flüge am 20.Januar nach Dublin. Das Deutsch auf deren Homepage, hatte das Format chinesischer Gebrauchsanweisungen in Deutsch vor 20 Jahren. Auf jeden Fall Kabarett reif.
Und, und, und, vielleicht in der nächsten Woche.

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Der „beste Job der Welt“ mit Nebenwirkungen

Es sollte angeblich der beste Job der Welt sein, quasi „bezahltes Nichtstun“, den der australische Bundesstaat Queensland mit einer beispielslosen Werbekampagne anpries (siehe BBBs vom 12.10.2009 „Guerilla-Marketing“). Und die Rechnung schien auch aufzugehen, denn innerhalb kürzester Zeit verzeichnete die Webseite 3 Mio. Besucher, die bei dieser Gelegenheit dann mit den Schönheiten des Barrier Reefs „gefüttert“ werden konnten.
Jetzt ging der Super-Job zu Ende. Dummerweise wurde wenige Tage zuvor, der bis dato glückliche Gewinner, beim Jet-Ski-fahren, von einer winzigen Irikandiji-Qualle gestochen. Fieber, Kopfschmerzen, Rückenbeschwerden, Engegefühl in der Brust, Bluthochdruck und letztlich eine Untersuchung im Krankenhaus waren das unschöne Ende des Aufenthaltes. Und dank des Online-Tagebuches, das der Gewinner als einzige Arbeit führen musste, wissen jetzt alle weltweit, dass es neben den Schönheiten am Barrier-Reef auch unangenehme Begleiterscheinungen geben kann.
Da freuten sich dann alle Nicht-Gewinner und auch jene, die ohnehin woanders ihren Urlaub verbringen wollen

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Küssen an Flughäfen demnächst verboten

Erinnern Sie sich an das in den Medien berichtete Chaos am Flughafen Newark (US-Staat New Jersey) am 3.1.2010? Um dieses Chaos anzurichten brauchten unsere amerikanischen Freunde keine Schneekatastrophe oder ähnliches, das brachten sie auch ganz alleine fertig.
Was war passiert? Obwohl zusätzliches Sicherheitspersonal die Übergänge von Sicherheitsbereichen zu Nicht-Sicherheitsbereichen überwachte, wurde eine zunächst nicht identifizierte Person beobachtet die „aus falscher Richtung“ den Sicherheitsbereich betreten hatte. Daraufhin mussten alle anwesenden Flugpassagiere nochmals kontrolliert werden, teilweise wurden die Fluggäste sogar wieder aus den startbereiten Flugzeugen geholt. Ca. 10.000 Menschen mussten bis zu 6 Stunden auf ihren Abflug warten. Das Chaos pur war perfekt.
Inzwischen wurde das Rätsel gelöst. Ein Sicherheitsbeamter hatte seinen Posten für 1 Min. und 25 Sek. (im Nachhinein sind die Geheimdienstler immer sehr präzise) verlassen um mit seinem Handy zu telefonieren. Diese Unaufmerksamkeit nutzte ein Mann um ein Absperrband (!) hochzuheben und in „verkehrter Richtung“ durch eine EXIT-Tür zu gehen. Schwupps war er im Sicherheitsbereich. Allerdings nur mit der Absicht seiner abreisenden Freundin nochmals einen Abschiedskuss zu geben. Und gleich war er wieder weg.
So einfach ist es die hochsensible Technik auszuhebeln, auch von einem Amateur. Liebe gibt eben auch Kreativität.

Und welche Konsequenzen werden die Amerikaner daraus ziehen? Ab sofort sind Küsse nur noch außerhalb des Flughafengebäudes erlaubt. Und das ganze dann natürlich per Anweisung weltweit. Zumindest unsere Kultband „Die Prinzen“ wird das allerdings überhaupt nicht wundern. Sie hatten schon in 1992 den richtigen Song mit „Küssen verboten“.

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2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten?

Alles Gute für 2010! Keine Branche freut sich so sehr auf das neue Jahr wie die Flughafen-Sicherheitsindustrie. Endlich hat man einen „guten“ Grund um noch mehr aufzurüsten. Eine ganze Branche und übereifrige Populisten (einige Voyeure sind nicht auszuschließen) rufen gemeinsam Halleluja, das Jahr fängt ja gut an. Endlich können wir die Diskussions-Klamotten vom letzten Jahr wieder aus der Schublade holen und unsere lieben und teuren Nacktscanner verkaufen. Der große Coup, den die Pharma-Industrie mit ihren Schweinegrippe-Impfstoffen nicht ganz geschafft hat, die Sicherheitsfirmen haben gute Chancen ihn zu realisieren. Vorneweg der sog. „Innenexperte“ der CDU, Wolfgang Bosbach. Von Merkel zum zweiten Mal bei der Kabinettsbildung mit Vorsatz übersehen, hat er wieder als erster gewusst was das Land braucht: Nacktscanner. Wirklich schlimm, wie sich einige Politiker bei diesem Thema voreilig austoben dürfen.

Bevor man über die nächste Sicherheitsstufe diskutiert, könnte man aber auch aus dem Folgenden Konsequenzen ziehen:
– Angeblich wurde der Attentäter in Amsterdam an den Sicherheitskontrollen
vorbeigeleitet („armer Verfolgter aus Sudan, dem man das ersparen sollte“).
– Wenn man es geschickt anstellt, kann man auch in Deutschland alles Mögliche an den Kontrollen vorbeischleusen (siehe BBBs vom 5.4.2009 „Wie man mit 5 Liter Flüssigkeit locker an der Flughafen-Sicherheitskontrollen vorbei kommt“).
– Die Gewerkschaft der Polizei berichtet, dass es Bundespolizisten bei Tests immer wieder gelinge Waffen (die heute schon erkannt werden müssten) an den Kontrollen am Flughafen vorbeizuschmuggeln, und zwar in einem erheblichen Prozentsatz.
– Werden wohl nicht nur in Amsterdam Leiharbeitskräfte beschäftigt, bei denen die persönlichen Sicherheitsstandards nicht mit gleicher Konsequenz überprüft werden (können/sollen?). Wie schlecht die Stimmung „dieses Personals“ zumeist ist, dürfen wir Passagiere immer wieder aufs Neue „erleben“.
– Bekommt man im Duty-free-Shop vieles von den Dingen, die man vorher abgenommen bekommen hat. Aber das Sortiment hier einzuschränken, das schafft niemand. Zu sehr stehen hier handfeste wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Und im Zweifel schlägt Profit die Sicherheit (alte Lebenserfahrung).
– Und was die ganze Informations-Sammel-Neurose der Amerikaner wert ist, kann man am besagten Attentäter von Detroit präzise verfolgen. Man wusste soviel über diesen Mann, hat es aber im entscheidenden Moment nicht zusammen bekommen. Und jetzt wollen unsere „Freunde“ noch mehr Informationen vorab.

Wir, die lieben Fluggäste, werden diesem Mehr an Sicherheit nicht entgehen können, ob es etwas bringt oder nicht. Das einzig Gute an alledem. Die Mehrzahl der Fluggäste weiß dies, entgegen der politischen Hysterie, richtig einzuschätzen. Sie ärgern sich zwar tierisch bei den Flughafenkontrollen über Unfreundlichkeit und vieles deren Sinn sie nicht nachvollziehen können, aber sie fliegen trotzdem. Und das ist gut so.
Aber irgendwo muss Schluss sein mit dem größten Unsinn. Denn als nächste Diskussionsstufe steht an: Versteck von Sprengstoff in einer „rektalen Körperöffnung“. Was das dann bedeutet kann sich jeder selbst ausmalen. Einige BBB-Leser haben als Kommentar zu den BBBs vom 30.11.2009 sich bereits geäußert (Sicherheitscheck erspart den Gang zum Urologen). Und die Folge danach heißt konsequenterweise „Nackt fliegen“. Das ist nur theoretisch lustig. Denn, liebe Leserinnen und Leser, die Person an die Sie jetzt freudig denken, sitzt garantiert im Flugzeug nicht neben Ihnen.

Dabei könnte man das ganze Thema auch in anderem Licht sehen. Einmarsch in den Irak, Guantanamo, Kunduz, Truppenaufstockung in Afghanistan einerseits und mehr Sicherheit bei uns (“Was war zuerst, Henne oder Ei Diskussion”). Aber nur nicht nachdenken. Dabei können wir diesen Wettlauf nur verlieren. Ein einzelner wird immer eine Möglichkeit finden auch das engmaschigste System zu unterlaufen (siehe oben).

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In eigener Sache:
Vielen Dank liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen für Ihr Interesse im Jahr 2009. Über 320.000mal wurden die Bissigen Bemerkungen gelesen, entweder von den inzwischen mehr als 3.300 Abonnenten oder auf der Homepage direkt. Die imposante Steigerung gegenüber 2008 lässt vermuten, dass wir mit Themenauswahl und Stil ganz gut liegen. Wir werden uns weiter anstrengen, auch wenn das nach mehr als 437 Ausgaben der BBBs nicht immer ganz einfach ist. Aber vor allem die positiven schriftlichen und mündlichen Kommentare motivieren

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Es ist Weihnachtszeit, bitte nicht verwechseln

Ein Pilot der griechischen Fluggesellschaft Olympic Air hat die Flughäfen zweier Kykladeninseln verwechselt und versuchte auf Paros statt auf Naxos zu landen. Die dortigen Fluglotsen konnten dies in letzter Minute verhindern. Für deutsche Touristen dürfte dies allerdings keine große Rolle spielen. Da sie weder Paros noch Naxos kennen, hätten sie insofern die Verwechslung sicherlich nicht bemerkt, aber etwas Ordnung muss schon sein.

Eine noch größere Verwechslung ist dem Ex-Arcandor Boss Middelhoff passiert. Der hatte seine Zukunft mit seiner Vergangenheit verwechselt. Noch einen Tag vor seinem Ausscheiden überwies er (nur mit seiner Unterschrift versehen) 800.000 Euro Spende an die sog. Elite-Uni Said Business School in Oxford. Als Gegenleistung hätte er in Zukunft einen Sitz im Beirat dieser Uni bekommen sollen. Pech, spätestens als das Geld in Oxford ankam, war Middelhoff schon Vergangenheit.
Jetzt will der Insolvenzverwalter das Geld zurück, soviel Ordnung sollte schon sein.

Vor etwas mehr als einer Woche verwechselten die Fußballer von Hannover 96 permanent das gegnerische Tor mit dem eigenen. Drei Eigentore in einem Spiel, wenn auch zugegeben eines schöner als das andere, sind zwar viele Tore, aber leider gibt es dafür keine Punkte. Etwas Ordnung muss sogar im Fußball sein.

Diese drei Beispiele sollen zeigen, dass es unglaubliche Verwechslungen geben kann. Deshalb liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen ein gutgemeinter Hinweis, bei dem Fest Ende der Woche handelt es sich um Weihnachten und nicht um Ostern. Zwar bringt das Christkind genauso wenig die Weihnachtsgeschenke wie der Osterhase die Ostereier, insofern würde eine Verwechslung keine gravierende Rolle spielen, aber ein bisschen Ordnung im Kalender sollte schon sein.

In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest und verwechseln Sie bitte auch nicht Geben mit Nehmen. Es sei denn, Sie sind Investmentbanker oder Politiker, dann können Sie nicht anders.

Ihr
Karl Born

Liebe BBB-Leserinnen und –Leser, den nächsten Montag beabsichtigen die BBBs mit Nichtstun zu verwechseln. Also gedulden Sie sich bitte etwas länger auf die nächste Ausgabe. Am 4.1.2010 geht es dann wieder richtig rund, mit einem knackigen Ausblick in das Jahr 2010. Also nicht verwechseln, nächsten Montag keine BBBs, aber am 4.1. wieder neue BBBs.

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Kabinett der Malediven tagte auf dem Meeresboden

Sechs Meter unter der Meeresoberfläche versammelte sich das komplette Kabinett der Malediven zu einer einzigartigen Kabinettsitzung. Das Kabinett verabschiedete in dieser Sitzung einen Aufruf zur Reduzierung des weltweiten Kohlendioxid-Ausstoßes. Damit wollte die Regierung auf das drohende Schicksal der Malediven aufmerksam machen. Die Inseln des Landes liegen nur minimal über dem Meersspiegel. Irgendwann in den kommenden Jahrzehnten droht die Überflutung, wenn der weltweite Co2-Ausstoss nicht reduziert wird. .

Wer die Bilder dieser außergewöhnlichen Kabinettssitzung gesehen hat (alle Regierungsmitglieder sitzen mit Sauerstoffgeräten am Kabinettstisch unter Wasser), wird diese, und die damit verbundene Dramatik, so schnell nicht vergessen.

Im übertragenen Sinne fallen einem aber auch einige Firmen ein, bei denen der „Pegelstand“ so hoch ist, dass der Vorstand seine Sitzungen eigentlich schon seit einiger Zeit „unter Wasser abhält“. Merke: Wenn Sie Ihren Chef demnächst auf dem Flur mit Sauerstoff-Flasche sehen muss nicht unbedingt Urlaub anstehen, es könnte auch die nächste Vorstandsitzung sein.

(Hier können Sie die Bilder dieser Kabinettssitzung sehen)

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Eltern gesucht

Haben Sie praktische oder zumindest theoretische Erfahrung als Eltern? Sind Sie finanziell potent? Sind Sie emotional belastbar? Sind Sie bereit auch mal etwas Verrücktes zu tun?
Wenn Sie alle Fragen mit „Ja“ beantworten können, aber nur dann, sollten Sie sich noch schnell bewerben. Wahrscheinlich wird in dieser Woche einer der aufregendsten Eltern-Jobs vergeben: Sie können Eltern von Thomas Cook werden. Aber Achtung, hinter „Thomas Cook“ verbirgt sich nicht nur ein Kind, sondern gleich eine ganze Rasselbande. Und das macht die Aufgabe für die neuen Eltern so schwierig, die Thomas Cook Kids hatten mit ihren bisherigen Eltern fast nur schlechte Erfahrungen. Zum einen stammen fast alle Kinder von einem anderen Vater (tolle Ausgangslage!) und zum anderen haben die folgenden Stief- und Pflegeeltern im Prinzip bisher alle mehr oder weniger versagt.

Die Entwicklung in extremer Kürze. Es war einmal ein fröhliches, etwas bodenständiges Kind, namens Neckermann (genannt nach einem sehr erfolgreichen Vater) und bereitete vielen Menschen große (Urlaubs-)Freude. Als Vater Neckermann älter wurde „verfiel“ nicht nur er selbst, sondern er „verfiel“ auch auf andere Art an eine gewisse Karstadt. Die war damals noch so eine „richtige Granate“, wie Männer manchmal etwas unfein sich auszudrücken pflegen. Soweit so gut, wenn nicht eben diese Karstadt auf die etwas sonderbare Idee gekommen wäre ihr Kind mit der Lufthansa-Tocher Condor zu verheiraten. „Zwangsweise zu verheiraten“ wohlgemerkt, von Liebe keine Spur. Ausgerechnet den bodenständigen Neckermann mit der etwas elitären Condor. Aber das Wohl der Kinder war von Anfang an nur unterproportional gefragt. Von da an begann eine Geschichte, die man so überschreiben könnte: Alle wussten immer was alles schief gehen wird, nur die beiden Eltern hatten permanent Tomaten auf den Augen.

Die folgenden Irrwitzigkeiten sollen aus Platzgründen hier nicht nochmals detailliert aufgezählt werden. Namensänderungen, Strategieschwenks und ähnliche grundsätzliche Nichtgrundsätzlichkeiten häuften sich, immer unter gnädigem Abnicken der Eltern Karstadt und Lufthansa, die aufsichts- und ratlos dem munteren Treiben fortan zusahen. Parallel dazu begann die inzwischen doch schon mächtig in die Jahre gekommene Dame Karstadt eine Liaison mit einem gewissen Quelle (künftig den Doppelnamen KarstadtQuelle tragend). Gerade als das Kind die Hilfe der Mutter eigentlich nötiger hatte denn je, waren die Auswirkungen derer Krankheit so weit fortgeschritten, dass sie selbst Hilfe brauchte. Um die Arztkosten und Medikamente bezahlen zu können musste sie einen Kredit aufnehmen und verpfändete (tatsächlich) dafür ihr Kind (siehe Financial Times Deutschland, 30.11.2004). Gegen diesen Vorgang sind alle Märchen tatsächlich nur Märchen.

In der Zwischenzeit spielten Karstadt und Lufthansa Kinderabzählreim. Natürlich nicht so primitiv „behalten, „nicht behalten“, „behalten“, sondern sehr strategisch „Kerngeschäft“, „nicht Kerngeschäft“, „Kerngeschäft“. Wie auch immer, die Halbwertzeit dieser Aussagen wurde immer kürzer. Letztlich zahlte die Lady KarstadtQuelle in totaler Überschätzung ihre finanziellen Möglichkeiten ihren ohnehin nicht mehr sehr an ihr interessierten Partner Lufthansa aus. Quasi schon vom Tode gezeichnet änderte die Mutter (kein vernünftiger Mensch wusste warum) mal wieder ihren Namen, diesmal auf Arcandor. Sie reiste in den letzten Zügen liegend quer durch die Nation und erzählte die Mär von Super Nanny, was sie aber nicht daran hinderte, die Verpfändung ihres Kindes zu perfektionieren. Keine Ahnung warum Kinderschutzbund, UNESCO und andere selbsternannte Kinderschutzorganisationen wegsahen. Von den staatlichen Jugendämtern (wie so oft) ganz zu schweigen.

Im Dezember 2006 schrieben wir in den BBBs „Es ist schwer zu beurteilen was schlimmer für das Kind Thomas Cook ist, verkauft oder verpfändet oder behalten zu werden“. Diese Frage hat sich nun von alleine erledigt. In dieser Woche entscheidet sich das künftige Schicksal von Thomas Cook, wenn „die Pfänder eingelöst werden sollen“. Und das Kind Thomas Cook wird wie immer nur in der gewohnten Rolle sein, das alles nur erdulden zu müssen, ohne selbst auf das eigene Schicksal Einfluss nehmen zu können. Kinderhandel der übelsten Sorte. Eigentlich verboten, nur mit einem Trost: „Schlimmer als bisher kann es nimmer kommen“. Hoffentlich. Die berühmten Murphys Gesetzmäßigkeiten sprechen allerdings dagegen. Wie heißt eine davon: „Wenn etwas schief geht, dann geht es von Anfang bis Ende schief“.

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Mallorca: Wie man aus einer kleinen Katastrophe eine große touristische Katastrophe macht

Das am Donnerstag auf Mallorca verübte Attentat soll keinesfalls verniedlich werden. Bei zwei Toten und mehreren Verletzten, wäre das auch vollkommen unangebracht.
Aus Sicht des Tourismus, der finanziellen Haupteinnahmequelle der Insel, wäre es aber ohne größere Auswirkungen geblieben. Wenn, ja wenn die mallorquinischen Behörden nicht auf den aberwitzigen Gedanken gekommen wären, den Flughafen von Mallorca (auf zuerst unbestimmte Zeit) zu schließen. Hatten bis dahin die Medien relativ wenig Notiz von dem Attentat genommen, war es von nun an das Medienereignis in einer (von Ullas Dienstwagen ausgenommen) ohnehin nachrichtenarmen Zeit. „Chaos auf Deutschlands liebster Insel“, das ist doch eine Klasse-Überschrift, die etwas hermacht. Von da an lief die Masche bestimmter Medien: Kreieren eines Negativ-Szenarios. Was bedeutet dieses Attentat für Mallorca, für die Fluggesellschaften, für die Reiseveranstalter? „Die Welt“ knüpfte auf ihrer Titelseite sogar eine Gedankenkette Djerba, Bali und Mallorca. Die Verbindung zwischen diesen drei Tatorten ist so dünn, wie einen Unfall auf der Formel 1-Strecke mit einem auf der Autobahn zu verbinden. Am gleichen Tag starben sechs Touristen bei einem Busunfall in der Nähe von Barcelona. Allerdings holländische Touristen, keine deutschen. Das war der Welt in der gleichen Ausgabe nur eine Randnotiz wert. Wenn das sechs deutsche Touristen gewesen wären. Armes Spanien, touristisch gesehen.

Also musste man sich anderweitig helfen. Schnell „Urlauber Dein Recht“ aus der Schublade geholt. Was ist bei Umbuchung? Ab wieviel Wartezeit am Flughafen gibt es Geld zurück? Vor Ort startete die verzweifelte Suche nach Augenzeugen, die egal wie weit entfernt, das Attentat miterlebt hatten. Nachfrage bei den Reiseanbietern wie viele Stornierungen eingegangen seien. Riesen Enttäuschung, dass keine eingegangen sind. Anfragen bei Tourismusexperten (Tenor der Frage: “die Reiseveranstalter lügen doch”). Erneute Enttäuschung über die Antwort. Suche nach Betroffenen, die sich über die schlechte Behandlung durch Fluggesellschaften oder Reiseveranstalter beklagen. Wieder große Gelassenheit bei den Touristen. Aber einer findet sich schließlich doch, der das erwünschte Statement abgibt. Er beklagt sich, über eine „unmögliche“ Behandlung durch seine Fluggesellschaft, die ihn quasi abgeladen hat und nun müsse er schauen, wie er nach Düsseldorf-Weeze komme. Der Profi ahnt da bereits um welche Fluggesellschaft es sich handelt. Da erscheint auch im Hintergrund der Schriftzug Ryanair. Bei zwei Katastrophen auf einmal hat man immer Pech.

Glücklicherweise bemerkten die mallorquinischen Behörden relativ schnell, was sie mit der Flughafenschließung angerichtet hatten und hoben diese nach zwei Stunden wieder auf. Fazit: Mallorca hat ein derart gutes Image, dass es keinen langfristigen Schaden nehmen dürfte, es sei denn die Behörden schlagen nochmals zu.

(siehe hierzu auch Interview in focus online)

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Schaeffler, Porsche, Arcandor: Wenn aus Löwen freche Bettvorleger werden!

Sie kennen sicherlich das Bonmot: Als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Ende der Geschichte? Denkste. Jetzt werden die Bettvorleger auch noch frech und wollen wieder in den Stand des Löwen versetzt werden. Das ganze mit staatlicher Mithilfe. Ach was, das Wort „Mithilfe“ ist falsch an dieser Stelle. Der Staat soll es alleine richten. Die Allgemeinheit, bis vor kurzem noch von den Oberlöwen ausgelacht, soll zahlen. Dreister und schamloser geht`s nimmer.
Drei verschiedene Geschichten, aber mit gleichem Inhalt. Die „Typen“ an der Spitze sind entzaubert.

Als Schaeffler sich anschickte die vielmals größere Continental zu schlucken, lugte der Größenwahn aus allen Ritzen des luxuriösen Pelzmantels der Firmenchefin. Genau dieser wurde dann auch zum Synonym für die Unverschämtheit der Eigentümerin. Als es eng wurde, gingen die Arbeitnehmer für ihre Chefin auf die Straße. Die Chefin, diesmal ohne Pelz, wischte sich eine plötzlich sichtbare Träne aus dem Auge. Nur kurze Zeit später, als es richtig eng wurde, verkündete sie als erste Sparmaßnahme den Abbau von 4.500 Arbeitsplätzen (ob „mit Träne“ ist nicht überliefert). Milliardärinnen haben eben eine andere Vorstellung von Dank.

Als Porsche vor kurzem verkündete, dass der „Gewinn größer sei als der Umsatz“, fragte sich Unsereiner mit seinem bescheidenen BWL-Wissen, wie so etwas möglich sei. Aber die Öffentlichkeit, vorweg die Politik, reagierte mit fast göttlicher Verehrung. Na klar, dass so ein Konzernmanager wie Wendelin Wiedeking dann auch 70 Mio. Euro verdienen darf. Richtig, außer ihm, hat bei Porsche ja wahrscheinlich auch niemand so richtig gearbeitet. Wen hat es schon interessiert, dass der Gewinn in erster Linie Papier-Gewinn war (VW-Aktien wurden auf dem damals hohen Niveau bilanziert, das sieht heute schon wieder wesentlich anders aus). Wen hat es schon interessiert, offensichtlich auch die wenigstens Porschefahrer, dass aus Kostengründen immer mehr VW im Porsche steckt. Jetzt wird um staatlichen Kredit gebettelt. Sorry, schon wieder falsche Formulierung. Es muss heißen es wird staatlicher Kredit „gefordert“, denn die böse Weltwirtschaftskrise ist schuld, dass die Zockerrechnung nicht aufging. Die „fehlerhafte“ Vergütung von Wiedeking kann man angeblich „leider“ nicht mehr zurückholen und bevor man nun die „armen“ Eigentümerfamilien Porsche und Piech in Anspruch nimmt, soll doch der Staat mal helfen. Und die politische Unterstützung ist nicht weit. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger hat volles Verständnis dafür, zumindest hat das ihm sein Redenschreiber so aufgeschrieben (Uraltes Oettinger-Problem).

Kommen wir zu Beispiel Nummer 3: Arcandor. Zugegeben, Ex-Chef Middelhoff, ist BBBs Lieblingsfeind. Aber es war ja auch zu ärgerlich zusehen zu müssen, wie dieser Blender von Teilen der Tourismusbranche abgefeiert wurde (siehe BBB vom 29.9.2008 „Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert“) Die Inhalte seiner Vorträge tendierten hinsichtlich des touristischen Neuigkeitswertes gegen Null. Aber zugegeben, niemand konnte „Nichts“ so schön verpacken. Und dass der Aktienkurs seines Unternehmens während seiner Rede auf dem fvw-Kongress um 20% sank? Papperlapapp.
Aber wenn Bundeskanzlerin Merkel am Wochenende bemerkt „bei Arcandor habe es ein erhebliches Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen gegeben“, dann ist selten ein Top-Manager von so hoher Stelle so öffentlich abgewatscht worden.
Und was der aktuelle Arcandor-Chef Eick sich in den letzten Tagen geleistet hat, wurde in der Presse (jetzt ist sie plötzlich wach) zu Recht als Erpressung der Regierung bezeichnet. Er zockte (schon wieder ein Zocker) bis zuletzt, notfalls auch zu Lasten der Arbeitsplätze.

Was heißt das ganze für Thomas Cook (um nun die Kurve in die Touristik zu bekommen). Schon 2005 konnte man in den Bissigen Bemerkungen lesen: „Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären“ (Siehe BBB vom 18.4.2005 „Tochter verpfändet und zum Kauf angeboten“). Und zum Jahresende 2006 war der gleiche Tenor sogar Überschrift in den BBBs (27.12.2006 BBB-Sonderausgabe: “Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären“). Zwischendurch, in den BBBs vom 30.5.2005 hieß es schon Mal „Um bei Thomas Cook zu arbeiten, sollte man schmerzunempfindlich sein“.
Das ganze zeigt auch, wie lange schon die Misere bei Arcandor alias KarstadtQuelle andauert.

Und jetzt will Thomas Cook sogar besonderen Fleiß zeigen, denn laut Financial Times Deutschland vom 6.6. „plant Thomas Cook einen rigiden Sparkurs“ (angesichts der vielen verkündeten Sparprogramme in den letzten Jahren unter Pichler, Beeser, Holtrop, Fontenla-Novoa und natürlich Oberaufseher Middelhoff –haben wir einen vergessen?- ist diese Entscheidung eigentlich verwunderlich, denn wir dachten Oberursel sei bereits „kostenfreie Zone“). Der Hammer in diesem neuen Sparprogramm ist die Absicht „Reiseleiter in bestimmten Ländern abzuschaffen und die Gäste lieber über eine Telefon Hotline zu betreuen“. Typischer Berater Vorschlag! Das Produkt ist dann nicht mehr das gleiche, sondern wird schlechter, soll aber sicherlich zum gleichen Preis verkauft werden“.

Zitieren wir ein letztes Mal die BBBs. Da stand am 18.4.2005 „Bei KarstadtQuelle ist zudem bemerkenswert, dass die Mitarbeiter wohl besser als das Management das Problem erkennen: „Karstadt muss sich wieder auf die Qualität besinnen und nicht nur aufs Kostensparen“. In der Tat, wenn nur noch Dienstleistung „ohne Mitarbeiter“ geboten wird, darf man sich nicht wundern“.
Diese Feststellung könnte aktuell sicherlich auch von Thomas Cook – Mitarbeitern stammen.

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