Archiv für Krisenmanagement

Mein erstes mal ….. mit einem Bodyscanner

Vollkommen überraschend und chancenlos hatte der Autor dieser Zeilen sein erstes eigenes Zusammentreffen mit einem Bodyscanner (das Wort Nacktscanner wird hier aus Scham nicht verwendet) am Flughafen Zürich. Und es war deprimierend demütigend.
Alle verdächtigen Gegenstände wurden vorher ordnungsgemäß in ein Körbchen gelegt. Dann der Schritt in den Scanner, der aussah wie eine große teure Duschkabine, Hände hoch und ab ging das Gerät. Mist, es piepte!
Also mit der Handsonde abgetastet, nichts gefunden. Ende gut, alles gut. Nein. Als ausgewiesener “Freund” der Security Checks (siehe BBB vom 4.1.2010 „2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten?“) wollte ich jetzt genau wissen, warum das Gerät unberechtigterweise bei mir piepste. Man zeigte mir nun das Scanner-Foto, das in der Tat nur ein Piktogramm war, mit einem kleinen Karo an der verdächtigen Stelle, ungefähr in Hüfthöhe. Was soll dieses Verdachtskaro, wenn an dieser Stelle nun nachweislich kein verdächtiger Gegenstand vorhanden ist. Die Antwort des Security Mannes war nicht nur demütigend, sondern leider auch etwas zu laut: “Dieser Warnhinweis kann auch ertönen, wenn an dieser Stelle eine Fettspalte am Bauch ist, in der etwas versteckt sein könnte”.
Fettspalte? Und das zu einem Menschen, der seinem Körper in den letzten Monaten gerade mühsam 20 kg abgerungen und über die Halbmarathondistanz gequält hat? Entsprechend heftig mein Protest und man möge mir die Fettspalte bitte zeigen. Da wies der Obercontroller auf meinen Pulli hin, der gerade an dieser Stelle zugegeben etwas schlampig, also nicht glattgezogen, war. Auch eine solche Stofffalte würde den gleichen Effekt wie eine Fettspalte auslösen, so der tröstliche Kommentar.
Ich kann nur hoffen, dass die anderen am Band stehenden Mitreisenden, nicht nur den „Fettspalten“-Kommentar, sondern auch die Richtigstellung gehört hatten.

Merke: Wenn der Bodyscanner auf Dich wartet, vorher äußerst penibel die Bekleidung richten.

In Amerika hat man weniger Vertrauen, dass die dortigen Geräte nur Piktogramme zeigen würden. „Only my boyfriend sees me naked“ steht auf dem zwei Millimeter dicken Anstandsgummi, das weibliche Passagiere unter ihre Unterwäsche stecken und damit verdecken können, was der Sicherheitsbeamte nicht sehen soll. Grund der Aufregung: der United States Marshals Services musste einräumen mehr als 35.000 Bilder der Scanner gespeichert zu haben. Da fragte sich der einfache Bürger wozu und warum, wenn da nur Piktogramme zu sehen sein sollten.

————————–
Hier noch ein kleiner politischer Kommentar. „Seehofer entgeht nur knapp Kollision mit Geisterfahrer“, beichteten die Medien in dieser Woche. In der Tat konnte der Chauffeur von Seehofer auf der A9 nur in letzter Sekunde einem entgegenkommenden Geisterfahrer ausweichen. „Das ist mir für viele Stunden in die Knochen gefahren“, so Seehofers Kommentar. Ein hoffentlich prägendes Erlebnis, denn jetzt weiß Seehofer auch, wie sich seine Berliner Parteifreunde fühlen, wenn er andauernd als „politischer“ Geisterfahrer unterwegs ist.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Geheimabkommen zwischen Lufthansa und Bundesregierung (?)

Sorry, dass wir noch einmal auf die Luftverkehrsabgabe eingehen müssen. Aber durch detektivische Kleinarbeit sind wir wahrscheinlich einem neuen Skandal auf die Spur gekommen.

Die Luftverkehrsabgabe „sei wie ein Eisblock aus dem Himmel geflogen“, sagte Lufthansa Vorstandsvorsitzender Mayrhuber der dpa. Die Bissigen Bemerkungen hatten schon die Befürchtung dieser Eisblock könnte LH-Chef Mayrhuber und Fraport-Chef Schulte an einer empfindlichen Stelle direkt getroffen haben, so unverständlich war deren relativ schnelles Einschwenken auf die absurde Abgabe.

Erst nachdem die Bissigen Bemerkungen gelesen haben, warum die vier großen Energiekonzerne nach dem Aufschrei plötzlich wieder ganz fröhlich in die Gegend schauten, fanden wir die Spur.
Zur Erinnerung: Die vier Großkonzerne werden durch die Laufzeitverlängerung der AKWs einen Zusatzgewinn von mehr als 100 Mrd. Euro einstreichen, wovon nach Abzug aller Belastungen mindestens (betont mindestens) zusätzliche 50 Mrd. Euro netto in deren Kasse verbleiben werden. Gleichzeitig werden die kommunalen Versorger durch die Laufzeitverlängerung eine Zusatzbelastung von 4,5 Mrd. Euro verkraften müssen. Ja kein Wunder, dass da Freude aufkommt.

Über einen Journalisten ist den Bissigen Bemerkungen ein internes Branchenpapier „rein zufällig“ in den Briefkasten geflattert. Und was lesen wir da überraschenderweise? Die Luftverkehrsabgabe nach jetziger Ausprägung belastet LH mit ca. 1,4% vom Umsatz, während Air Berlin mit ca. 4,25 vom Umsatz belastet wird. Da lacht der Kranich doch aus vollem Hals. Leider konnten wir in der Kürze der Zeit nicht die entsprechenden Zahlen der deutschen Flughäfen eruieren. Wir bieten aber eine Wette an, dass das Verhältnis zwischen Fraport und den anderen deutschen Flughäfen ähnlich aussehen dürfte.
Wie pflegt der Berliner Volksmund in solchen Fällen zu formulieren: „Nachtigall, ick hör dir trapsen“. Überhören kann man so etwas ja auch schlecht.

Lufthansa hat sich dabei besonders „effektiv“ verhalten. Still, heimlich und leise hat Lufthansa am Samstag letzter Woche bei der IATA die Gebühr in die Reservierungssysteme einstellen lassen. Systembedingt erschien diese Steuer automatisch dann für alle anderen BSP-Mitgliedern auch bei deren Flügen, z.B. auch bei Air Berlin und Condor. Da haben die Lufthanseaten bestimmt vor Aufregung die ganze Nacht über nicht geschlafen, weil sie sich über die dummen Gesichter der anderen Airlinemanager freuten, als diese morgens ihren PC einschalteten.

Bei der Regierung könnte auch eine leichte Flugallergie eine besondere Rolle spielen. Alle die sich schon anfangs des Monats über die Meldung „Westerwelle am Boden“ freuten, mussten dann enttäuscht feststellen, dass dies nur temporär gemeint war. Sein Regierungsflieger war auf Malta defekt, stundenlange Verspätung die Folge. Mitte Juli musste schon das Flugzeug von Merkel in Russland vor dem Weiterflug nach China ausgetauscht werden. Zur fast gleichen Zeit stand Guttenbergs Challenger in der Ukraine mit qualmendem Fahrwerk. Und letztes Jahr musste Merkel auf dem Weg zum EU-Gipfel in Hannover wegen Triebwerkschadens zwischenlanden. Unsere Oberen können nicht mit Flugzeugen umgehen. Oder besser formuliert, können „auch“ mit Flugzeugen nicht umgehen.

Übrigens eine Milliarde will die Regierung durch die Luftverkehrsabgabe erzielen. Die Hypo Real Estate bekam letzte Woche mal wieder 40 Mrd. Euro in eine bestimmte Körperöffnung geblasen. Insgesamt ist der Staat, dummerweise damit auch der Steuerzahler, jetzt mit 140 Mrd. Euro im Risiko. Da muss die Luftfahrtbranche lange fliegen, bis soviel Kohle im Kasten ist. Aber ist eine Steuer erst mal eingeführt, lässt sie sich auch sehr leicht erhöhen. Natürlich sehr differenziert gestaffelt. Sie wissen schon wie das gemeint ist!
——————

Damit mussten andere Themen nochmals zurückstehen. Entschuldigung.

————————————

In den akustischen Bissigen Bemerkungen des Reiseradios (www.Reiseradio.org) geht es diesmal noch mehr als sonst zur Sache. Thema: Die „Ballermänner“ sollen verschwinden. Die Bissigen Bemerkungen sind der letzte Verteidiger dieser zwar etwas ausgefallenen aber ansonsten doch harmlosen Urlaubertypen. Also werden im Gegenzug die Inselregierung, die Golfer, die mallorquinischen Hoteliers und wer sich sonst noch in den Weg stellt, beleidigt.
Lustigerweise geht es im nicht bissigen Teil um das „sinnliche“ Mallorca. Der omnipräsente Lafer kommt zu Wort. Darf er auch, solange er nicht über die Ballermänner lästert. Und ein Winzer aus Trier hat seine Weinstöcke verpachtet. Tolle Geschäftsidee. Kann man das auch mit der Playa de Palma machen?

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Die Touristikkonzerne streiten sich um Krake Paul

Da investieren die touristischen Planer der Touristikkonzerne viel Zeit und Geld um vorherzusagen, welche Zielgebiete in der nächsten Saison die Renner sein werden. Leider oft vergeblich. Aber jetzt naht die Rettung in Person eines Tintenfisches aus dem Oberhausener Aquarium Sealife, salopp „Krake Paul“ genannt. Achtmal hintereinander das richtige Siegerland zu nennen, das kann kein Zufall sein.
TUI, Thomas Cook und REWE wollen sich die Dienste des seherischen Tintenfisches sichern, die Entlassungspapiere der Mitarbeiter in den jeweiligen Planungsabteilungen sind angeblich bereits vorbereitet. Die Gehaltsgebote für Paul (in Kilogramm Muschelfleisch) werden stündlich gesteigert. Um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden, wird bereits überlegt, Paul neutral beim DRV einzusetzen.
Übrigens hat so ein Riesenkrake kein Rückgrat im klassischen Sinne, die Gehirnmasse ist extrem klein und die „Tintenmasse“ die ausgestoßen wird, dient eigentlich nur der Nebelbildung um Konkurrenten/Angreifer zu bluffen. Kurzum er besitzt neben seinen seherischen Fähigkeiten auch das klassische Bürorepertoire.
—————————–
Im Reiseradio (www.reiseradio.org) finden Sie diese Woche u.a. Interviews mit Sören Hartmann (REWE), Peter Wennel (Aldiana) und Boris Raoul (FTI), die alle in ihrem „früheren Leben“ auch mal für TUI oder Thomas Cook gearbeitet haben. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen werden einige Zahlen für den Deutschland-Tourismus gerade gerückt und die DZT bedauert. Außerdem wird gerätselt warum ausgerechnet der Tourismus in die Hauptstadt sich so gut entwickelt hat.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Darf ein Bundespräsident sich über gestrandete Urlauber lustig machen?

Das Ansehen eines Bundespräsidenten soll eigentlich nicht beschädigt werden, was ist aber wenn er es selbst beschädigt? Wochenlang hat Bundespräsident Köhler zu wichtigen aktuellen Fragen, die das ganze Volk beschäftigt, geschwiegen. Kabarettisten unkten schon „wo ist Horst?“.

Jetzt hat Köhler sich kräftig zu Wort gemeldet. Leider. Zu seiner Entschuldigung könnte man anführen, dass er z.Z. keine/n Pressesprecher/in hat, die auf ihn „aufpassen könnten“. Ein Glück, „die Neue“ kommt zum 1.6.2010.

Seinen Versprecher(?) zum Afghanistan-Krieg hat die Presse diese Woche weidlich kommentiert. Daneben blieb eine andere Rede von Köhler, vor dem Weltverkehrsforum in Leipzig, weniger beachtet. Aber die Bissigen Bemerkungen, an allem interessiert was mit Mobilität zusammenhängt, haben die Rede entdeckt (siehe www.bundespraesident.de). Leider!.

Ist es die besondere, von Kabarettisten oft verspottete, Naivität des Bundespräsidenten oder lebt er in einer anderen Welt als sein Volk.
Beispiele gefällig?
1. Als einer der wesentlichen Punkte dieses Weltverkehrsforums sollte das Thema „Zusammenbruch des Luftverkehrs wegen der Aschewolke“ auf der Tagesordnung stehen. Was fällt unserem Bundespräsidenten dazu ein? Er berichtet von Bürgern die „in Wahrheit erleichtert waren, dass die anstrengende Urlaubsfernreise ausfiel“. Darf man an dieser Stelle anmerken, dass dies, Entschuldigung für den Ausdruck, eine Verarschung all jener war, die unter großer Belastung versucht haben an ihr Ziel oder wieder nach Hause zu kommen? Gleiches gilt für die tolle Arbeitsleistung der Beschäftigten in Luftverkehr und Touristik. Natürlich keine mahnenden Worte des Präsidenten an die wahren Verursacher des Chaos, Verkehrsministerium, Flugsicherung und Wetterdienst.

2. Der Bundespräsident sah sich auch veranlasst, vor den Delegierten aus 52 Ländern, sich kritisch mit einer einzelnen Werbung auseinandersetzen zu müssen, die er an Berliner Bussen gelesen hatte. Dort hatte eine Fluggesellschaft mit folgendem Werbespruch auf sich aufmerksam gemacht: „Norwegen rückt näher, Oslo ab 29 Euro“. Ob Köhlers folgender Satz ernst gemeint war? Wörtliches Zitat: „Norwegen ist aber keinen Zentimeter näher gerückt. Oslo ist noch immer 1.000 Kilometer von Berlin entfernt“. Liebe Leserinnen und Leser der BBB, es ist zu befürchten, dass er dies als ernsthafte Erkenntnis auch genau so wörtlich gemeint hat. Nur just for Info für das Bundespräsidialamt: Wien liegt zwar nur 700 Km von Berlin entfernt, aber immerhin. Natürlich musste der Bundespräsident 2008 zum EM-Endspiel dort sein. Hat zwar nichts genutzt, dafür durfte es auch mehr als 29 Euro kosten. Shanghai ist übrigens 8.400 km entfernt. Macht ebenfalls nichts, der deutsche Pavillon und 1,4 Mrd. Chinesen haben auf diesen Tag seines Besuches gewartet. Diese Woche wird die Kanzlerin etliche 100 Km unnötig ins Trainingslager unserer Fußball-Nationalmannschaft fliegen, als ob Jogi Löw nicht schön genügend Probleme hätte.

3. Aber auf eines der dringendsten verkehrspolitischen Fragen Europas, den „Single European Sky (Neuordnung des Luftraums über Europa ohne nationalen Grenzen), ging Köhler mit keinem Satz ein. Dabei hatte vor zwei Jahren auf der gleichen Konferenz die Bundeskanzlerin in ihrem Statement noch genau dies als eine der zentralen Aufgaben bezeichnet. Lufthansa-Chef Mayrhuber hatte vor Jahren mal vorgerechnet, dass der z.Z. deshalb unnötig verflogene Treibstoff reichen würde, um täglich mehrfach nach New York zu fliegen! Aber da hätte man ja an die politische Nase fassen müssen.

Wenn im Moment in Berlin nach Einsparungen gesucht wird, die BBB hätten da mal einen Vorschlag……

Natürlich, das Bundesverkehrsministerium unseres speziellen Freundes Ramsauer, war auf der Tagung mit mehreren eigenen Infoständen vertreten. Auf einem war ein Modell des Forschungsflugzeuges „Falcon“ des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt ausgestellt. Genau richtig erinnert, es ist jenes Flugzeug, das im kritischen Moment so lange brauchte um in die Luft zu kommen, um dann festzustellen, „keine Asche da“,

Dabei sind internationale Konferenzen, die über Umweltbelastungen diskutieren, per se schon ein Witz, denn in aller Regel stehen die durch An- und Abreise entstandenen Belastungen in keiner Relation zum Kongressergebnis. Vergeblich haben die Bissigen Bemerkungen im Internet nach einem Abschluss-Komitee gesucht, dafür aber einen interessanten Pressekommentar gefunden: Das im Vorfeld des Kongresses so hoch gelobte Tagungspapier „Transport Outlook“ ist nicht von einer unabhängigen Forschungseinrichtung erstellt worden (wie allgemein kolportiert), sondern von einer Kommission in der u.a. auch Staatssekretäre ihren Sitz hatten, also ein zuerst politisches Papier. Aber noch schöner war eine andere Bemerkung in diesem Kommentar: „Im Grunde ist die Studie sogar ein Eingeständnis, dass die Verkehrsminister der wichtigsten Länder weder eine Vision, schon gar keine Strategie und erst recht keinen Willen haben, den Weltluftverkehr zukunftsfähig zu machen“. Schöner hätten es die BBB auch nicht formulieren können, höchstens kürzer, mit einem Wort: Ramsauer.

—————————–

Diese Woche im Reiseradio (www.reiseradio.org) u.a. einen Bericht über den neuen Center Park Mosell im Elsaß, der exakt in die Schneise gebaut wurde, die zu Weihnachten 1999 der Orkan Lothar „geschaffen hatte“. In den Bissigen Bemerkungen geht es um das immer aktuelle Thema Last Minute.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

BBB-Spezial zum Thema Bildung: Roland Kochs brutalst möglichste Frechheit

Es ist nicht zu fassen, was sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch in dieser Woche an unglaublicher Frechheit geleistet hat. Um den angehäuften Schuldenberg abzutragen, soll künftig auch bei den Kindertagesstätten (Krippenplätzen) und in der Bildung gespart werden.

Wie schreibt Spiegel online so treffend in bester BBB-Manier:„Koch weiß, wie sich Banken (auch welche mit Sitz in Frankfurt) auf dem amerikanische Immobilienmarkt getummelt haben und Kreditsondermüll als Gold verkauft haben. Er weiß auch wer in Deutschland davon profitiert, dass Spekulanten die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen immer stärker in die Höhe getrieben haben. Seit 2008 hätte er täglich strenge Regeln für die Banken fordern müssen. Nun soll es die Jugend, beginnend bei den Dreijährigen, ausbaden“.

In Anlehnung an seine idiotische Formulierung (inhaltlich und sprachlich) von der „brutalst möglichsten Aufklärung“, als in Hessen CDU-Spendengelder als „Vermächtnisse toter Juden“ deklariert waren, kann man seine neue Forderung nur als „brutalst möglichste Frechheit“ bezeichnen. Eigentlich müsste dies einen solchen Aufschrei in der Bevölkerung nach sich ziehen, dass jetzt endgültig seine Tage als verantwortlicher (?) Politiker gezählt sein müssten.

Jetzt könnte man das ganze als „Schamlosigkeit eines einzelnen Herren“ abtun. Das wäre schon schlimm genug. Aber es ist zu befürchten, dass es auch ein Versuchsballon sein könnte, um die Reaktion in der Bevölkerung zu testen. Denn umgehend krochen weitere Dummschwätzer wie Ratten aus ihren Löchern. Der sächsische Ministerpräsident Tillich wird mit dem Satz zitiert: „Mehr Geld macht nicht automatisch klüger“, ein Job als Ministerpräsident offensichtlich auch nicht. Auf seinen Umgang mit der Wahrheit (betreffend seiner Vergangenheit und mit Sponsoring) wollen wir hier nicht näher eingehen. Aber schon seine bisherigen Einsparungen in Sozialpolitik und Jugendbudgets gelten „in ihrer Brutalität als bundesweit einmalig“.
Laut Spiegel stehen viele Ministerpräsidenten bei dem Thema Einsparungen in der Bildung auf Seiten Kochs. Es gilt wohl die alte Volksweisheit „je dümmer ein Volk, desto leichter ist es zu regieren“.

Natürlich quakt auch die FDP zu diesem Thema. Otto Fricke, immerhin haushaltspolitischer Sprecher der FDP, „begrüßte den Vorstoß aus Hessen und erklärte, er sei für alle Einsparmöglichkeiten offen“. Ausgerechnet die FDP, die nach der Regierungsbildung in einer wahren Stellenschaffungs-Orgie neue Stellen im Regierungsapparat schuf, wie noch nie eine Partei zuvor, stellt sich jetzt an die Spitze der „Bildungssparer“. Nachdem jetzt auch noch der letzte Parteihansel versorgt ist, geht es dem Rest der Republik an den Kragen.

Ein Glück, dass es anscheinend noch ein paar Vernünftige gibt. „Man kann die Sanierung von Straßen und Brücken verschieben, nicht aber die Bildung einer Generation“, sagte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt Jan-Hendrik Olbertz und erteilte trotz dramatischer Finanzsituation seines Landes Einsparungen in der Bildung eine Absage. Er ist es allerdings auch nur noch wenige Tage im Amt , weil er als Präsident an die Berliner Humboldt-Universität nach Berlin wechselt.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer formulierte wesentlich schärfer: „Das ärgert mich. Es sei weder klug noch richtig, keine Kinderbetreuungsplätze mehr zu bauen und in der Bildung zu sparen“. Leider ist die Halbwertzeit von Seehoferschen Aussagen in der Vergangenheit immer ziemlich kurz gewesen.

Für den 10. Juni ist der „große Bildungsgipfel von Bund und Länder“ angesetzt. Da kann Frau Merkel beweisen was „Chefsache“ ist und ob wir wirklich eine „Bildungsrepublik“ sein wollen. Eigentlich müssten wir alle zu diesem Datum nach Berlin vor das Kanzleramt ziehen.

———————–

Wie immer hier noch der Hinweis auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) . In dieser Woche hören Sie u.a. einen Bericht zum PowWow der amerikanischen Reiseindustrie und einen Schwerpunkt zum Rad-Tourismus. Die akustischen Bissigen Bemerkungen beschäftigen sich wieder einmal mit der Sicherheitshysterie, im Mittelpunkt diesmal der Flughafen in Graz.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Verdammt noch mal, überhaupt nichts dazugelernt.

Schon wieder wurde der Luftraum geschlossen, wenn auch „nur“ über Süddeutschland. Und wieder nur auf vage Angaben des Wetterdienstes für die Flugsicherung („da ist eine Wolke“). Wieder hat sich die Politik vor der Entscheidung gedrückt. Wieder ging vor der Entscheidung kein Forschungsflugzeug in die Luft. Ach so, war ja Sonntag, da haben die „Forschungsflieger“ frei. Montagnachmittag ist auch noch ein Tag.
Und in den einschlägigen Chats wie z.B. Focus online, schreiben die Leute auch noch „die werden schon wissen was sie machen“. In welchem obrigkeitsgläubigen Staat leben wir eigentlich. Mein etwas süffisanter Kommentar dazu wurde dann von focus online nicht akzeptiert, passte wohl nicht in den Tenor der Berichterstattung.

Eigentlich sollten die heutigen BBBs sich mit dem Thema Griechenland beschäftigen.
Na, ja. Auch dazu passt die Überschrift.
Da werden locker 100 Mrd. Euro von der EU für Griechenland bereitgestellt und gleichzeitig sollen IWF-Sparkommissare (evtl. zusätzlich noch welche von der EU) nach Griechenland geschickt werden. Das Abwicklungsprogramm, das im Moment vorgeschlagen wird, der Glaube mit riesigen Geldtransfers alles regeln zu können, die Auswirkungen auf die heimische Produktion, die ungleiche Lastenverteilung zu Ungunsten der unteren Bevölkerungsschichten, bei gleichzeitigem Profit der Geld gebenden Banken, das habe ich doch schon irgendwann und irgendwo einmal gelesen. ?? Jetzt weiß ich wieder, warum es mir nicht sofort eingefallen ist. Damals hieß es nicht IWF sondern Treuhand.
Prima, dann wird in 10 Jahren der Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Barroso eine Griechin sein. Herzlich willkommen Angeliki Merklopoulos.
Wer meint dieser Vergleich hinkt, ok, aber so ganz abwegig ist er nicht.

Setzen wir noch einen drauf. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die griechische Tourismusindustrie dieses Jahr nicht gerade ihre erfolgreichste Saison haben wird. Dabei wäre die griechische Tourismussaison so einfach zu retten gewesen. Wenn die Regierung der Bundesrepublik von den gegebenen 22 Mrd. Euro einen kleinen Teil zurückgehalten hätte mit der Begründung: Jeder deutsche Griechenlandurlauber bekommt die Kosten seines Urlaubs in Griechenland von der Regierung ersetzt. Der daraus folgende Boom wäre die unmittelbarste Hilfe für die griechische Tourismusindustrie (und zudem indirekt für weitere Teile der griechischen Wirtschaft) gewesen.
Sie meinen dieser Gedanke wäre absurd? Aber noch absurder ist es 22 Mrd. Euro zu geben ohne parallel dazu mit aller Kraft eine Regulierung der entsprechenden Finanzmärkte zu beschließen. Die werden nämlich jetzt die großen Gewinner sein, zu Lasten von uns allen.
—————————————————-

Heute im Reiseradio: Supertrend SPA und Interviews mit Prof. Karasek und Konsul Rahe (Arosa-Hotels). Und in den Bissigen Bemerkungen hören Sie allerlei Nettes über unsere griechischen Freunde.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Wenn auf halbem Weg der Mut verloren geht ….

Wer Richtungsweisendes auf der Lufthansa-Hauptversammlung erwartet hatte, dürfte wohl enttäuscht worden sein. Als Christoph Franz vor fast genau einem Jahr zum stellv. Vorstandsvorsitzenden der Lufthansa ernannt wurde, schienen dramatisch neue Zeiten bei Lufthansa anzubrechen. Er hatte den Mut auszusprechen, dass die Schwierigkeiten bei Lufthansa nicht nur auf die aktuelle Wirtschaftslage, sondern auch auf Schwächen im System der Lufthansa zurückzuführen seien. Dass die Presse dies nicht ganz ohne Häme begleiten würde („Lufthansa will airberliniger werden“) war zu erwarten.

In Folge wurde einiges „neu gedacht“ und wie immer auch mancher „Unsinn neu gedacht“ (Qualitätsabstriche). Angesichts des harten („unvermeidbaren“ – Originalzitat Lufthansa) Sparkurses schrie auch das Personal laut auf und der Tarifstreit mit dem fliegenden Personal ist bis heute noch nicht ausgestanden. Taktisch klug verhielten sich da beide Seiten nicht.

Auf der Hauptversammlung klang da vieles völlig anders. Mayrhuber lobte die Lufthansa und wie „toll diese sei“ und damit auch indirekt sich selbst. Auch Dividende soll es dieses Jahr wieder geben. Kann man so einen prima Vorstandsvorsitzenden in acht Monaten planmäßig nach Hause schicken? Klasse gemacht, Herr Mayrhuber, wenn man nicht wie geplant nach Hause gehen will.
Bei dieser neuen Mission wurde sein Stellvertreter und wie alle erwarten auch Nachfolger, Christoph Franz, der in den letzten Monaten die „Drecksarbeit“ machen durfte, auf der HV nicht mal namentlich erwähnt und damit ziemlich beschädigt. So etwas nennt man Kollateralschaden. Dass damit auch die Verhandlungen mit den Piloten nicht einfacher werden, muss eben in Kauf genommen werden. Dass der gerade aufgebaute Kostendruck etwas ins Wanken kommen könnte, Air Berlin wird es erfreuen.

Doch wenn man nüchtern sieht, woher bei LH im letzten Jahr das Geld kam, das jetzt zum Teil an die Aktionäre fließen soll, wird man feststellen, dass es aus den Geschäften außerhalb der Fliegerei kam. Und diese Konstellation ist in der Literatur bestens beschrieben. Im Hauptgeschäft verdient man kein Geld, nur noch außerhalb des eigentlichen Business. Man nennt so etwas auch „Vorstadium von überhaupt kein Geld mehr verdienen“.

Eine gute Sache halb machen, ist schlechter als gar nichts machen. Vielleicht hört man diese Weisheit auf der nächsten Hauptversammlung.
————————————————-
In eigener Sache:
Erstens: Wie fast immer sei auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) hingewiesen. In dieser Woche hören Sie dort vor allem ein bewegendes Interview zum Thema Trauerreisen. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es dann wieder fröhlicher zu. Dort wird über einen Beschluss der EU abgelästert, das geltende Flüssigkeitsverbot ab 2013 aufzuheben. Wieder so ein Beschluss, der haarscharf dazwischen und damit klassisch daneben liegt.

Zweitens: Die „Vulkanasche“ stoppte zwar (unnötiger Weise) den Flugverkehr, bescherte den BBBs aber einen Höhenflug. Fast 20.000 Leser (nicht Klicks, sondern echte Leser) haben sich in den letzten beiden Wochen (Newsletter und Internet-Seite zusammen) die Bissigen Bemerkungen angeschaut und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Daraus resultierte auch ein überproportionaler Neuzugang an Abonnenten für den wöchentlichen BBB-Newsletter. Vielen Dank für das Interesse.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt

Erinnern Sie sich noch an die Schweinegrippe im letzten Jahr? Auch da gab es ursprünglich ein echtes Problem, weit weg von uns in Mexiko. Danach jagten uns Pharmaindustrie und sensationsgeile Presse einen Schauer nach dem anderen über den Rücken. Die Politik ließ sich davon einlullen und bestellte für mehrere Millionen Euro Impfstoffe. Kaum waren diese eingelagert und die Industrie hatte ihren Riesen-Reibach gemacht, war die Schweinegrippe so plötzlich verschwunden wie aufgetaucht. Nur so zur Erinnerung.

Im Folgenden finden Sie die sechs wichtigsten Fragen zur neuen hausgemachten Katastrophe, der Luftraumsperrung, und ebenso zehn hammerharte BBB-Antworten darauf.

1. Wie viel Asche war wirklich in der Wolke und ab wann wird es gefährlich?
Die britische Luftfahrtbehörde CAA hat Folgendes offiziell verkündet: Wir haben uns mit den Herstellern von Triebwerken beraten und Messwerte von verschiedenen Institutionen ausgewertet und legen ab sofort einen Grenzwert von „2.000 Mikrogramm Vulkanasche in einem Kubikmeter Luft fest“. Na endlich. Selbst wenn diese Festelegung zu großzügig sein sollte (wie schon wieder gehetzt wird), gemessen haben die Briten bei Testflügen (!) nie mehr als 400 Mikrogramm pro Kubikmeter. Und als unser deutsches Forschungsflugzeug endlich aus dem Schuppen kam, konnte es nur einen Höchstwert von 60 Mikrogramm feststellen. Das war wohl auch der Grund warum die vorherigen Katastrophenpropheten plötzlich so leise waren.
(Der im Beitrag von fvw.de genannte Grenzwert von 2 Mikrogramm ist falsch. Schreib- oder Übertragungsfehler? Bei uns auf Erden sind schon normal 50 Mikrogramm Feinstaub vorhanden, der in der Silvesternacht in den Städten bis zum 6.000 fachen ansteigt. Interessiert aber niemand, nur weiterknallen.)

2. Muss Sicherheit nicht über alles gehen?
Der arrogante Vorwurf von Minister Ramsauer in Richtung Fluggesellschaften war eine bodenlose Frechheit. Lufthansa ist in den letzten Jahrzehnten fast zum Synonym für Sicherheit in der Luftfahrt geworden. Air Berlin steht in Punkto Sicherheit bei allen weltweiten Statistiken auf einem der vordersten Plätzen (noch keinen Unfall in der gesamten Firmengeschichte) und auch die anderen deutschen Ferienflieger wie beispielsweise TUIfly, Condor und Germanwings stehen weltweit, außer bei Herrn Ramsauer, nicht im Verdacht bei der Flugsicherheit auch nur das geringste Risiko einzugehen.
Wer zu sehr Superlative bemüht hat zumeist nur wenig sachliche Argumente. Die penetrant vorgetragene „größtmögliche Sicherheit“ erinnerte sehr stark an die „brutalmöglichste Aufklärung“ eines gewissen Ministerpräsidenten.

Aber der Sprecher der CSU-Gruppe im EU-Parlament, Markus Ferber, hat sogar noch gesteigert: „Lieber ein unzufriedener Passagier, der lebendig ist, als einer der beim Flug von Frankfurt nach Mallorca abstürzt“. Dieser Satz ist an Naivität und geistiger Armut kaum zu toppen. Würde man dies ernst nehmen, dann müsste man nicht nur den Flugverkehr generell verbieten, sondern sofort feststellen:
Jeder Tote auf unseren Autobahnen ist ein Toter zuviel, „sperrt die Autobahnen“.
Jeder tote Raucher ist ein Toter zuviel, „sofortiges Verbot des Tabakwarenverkaufs“ (aber zynischerweise hat der Staat durch die Tabaksteuer sogar an jedem Toten mitverdient)
Jeder tote Alkoholiker ist ein Toter zuviel, „sofortiges Verbot des Verkaufs von Alkoholika” (aber zynischerweise hat der Staat durch die Alkoholsteuer sogar an jedem Toten mitverdient)
Und wenn man konsequent weiterdenkt ist auch jeder tote Soldat im Afghanistan -Krieg ein Toter zuviel (auf Klammersatz wird hier bewusst verzichtet).

3. Hätte der Krisenstab nicht beim Verkehrsministerium eingerichtet werden müssen?
Aber selbstverständlich. So etwas kann man nicht an Beteiligte übertragen, die die Konsequenz der Entscheidung nicht verantworten müssen. Als der erste Meteorologe im Fernsehen seine Theorie ausbreitete, dachte ich schon, ich hätte aus Versehen mich in einen Heidi-Film mit dem Alm-Öhi eingezappt. Und der Meteorologe bei Beckmanns fühlte sich gemüßigt in Zweifel zu ziehen, ob wir die Waren, die wir per Luftfracht beziehen, auch „wirklich brauchen dürften“. Aber Politik von solcher Tragweite zu machen kann nicht Sache von Meteorologen und Angestellten der Luftsicherheitsbehörde sein.

4. Wurden alle Touristen gleich behandelt?
Nein, die Pauschalreisenden waren besser dran und kamen schneller zurück. Wiederum wurde bestätigt, Krisen machen mehr Werbung für die Pauschalreise, als es die Veranstalter das ganze Jahr über machen.
Und auch hier nochmals ein Kompliment an die Mitarbeiter der Branche, die das ganze Wochenende und auch noch danach für ihre Kunden kämpften, als andere nur Sprechblasen produzierten.

5. Darf die Branche Staatshilfen beantragen?
Zum Abschluss der Krise hat Ramsauer mit seiner Entscheidung, dass die Inspektions- und Wartungsintervalle der Flugzeuge verkürzt werden sollen, den Airlines erst mal Mehrkosten aufgebrummt. Diese Entscheidung ist nun der Sache überhaupt nicht angemessen, sondern eher ein Fall von „Bestrafung der Unschuldigen, Belohnung der Schuldigen“.
Und gegen eine Staatshilfe ist er natürlich auch. Er meinte, Fluggesellschaften wüssten, dass sie vom Wetter abhängig seien. Aber getreu dem Verursacher-Prinzip haben die Airlines schon einen Anspruch. Denn der Verursacher war ja nicht das Wetter, sondern das Verkehrsministerium. Ich erinnere mich, dass in den 70er-Jahren die Condor Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland erhob, wegen der Mehrkosten des Fluglotsenstreiks. Das ging vor das Oberverwaltungsgericht in Köln. Dann erfolgte ein Vergleich und die Condor bekam Geld. Den genauen Betrag habe ich vergessen.

6. Was kann der gestresste Tourist zum Frustabbau tun?
Die BBBs empfehlen wieder zu verreisen. Beispielsweise mit Wolters-Reisen zum Vulkanwochenende nach Island (6.-9. Mai), direkt zum Eyjafjallajökull. Dann vor Ort den Vulkan beschimpfen mit: „Du böser Vulkan, das machst du nicht noch mal mit uns“.
Oder mit Ameropa nach Berlin fahren (ab 89,00 Euro) und Ramsauer beschimpfen: „Du dummer Ramsauer tritt zurück und ab nach Bayern“.
Das Ergebnis wird zwar in beiden Fällen das gleiche sein (keinerlei Reaktion), aber es verschafft innerlich etwas Luft.
Letztlich sollten wir aber jede Nacht beten: „Lieber Gott verschone diese Republik vor weiteren Katastrophen, unsere Oberen sind unfähig damit umzugehen“.

————————————–
Zuletzt wie (fast immer) der Hinweis auf das Reiseradio (www.reiseradio.org), das in der aktuellen Ausgabe zu dem Thema Luftraumsperrung sehr viele interessante Interviews und Hintergrundberichte bringt. Die BBBs im Reiseradio beschäftigen sich u.a. mit den Flugabbrüchen von Merkel und Gutenberg. Und natürlich steht auch Ramsauer, der neue Lieblingsfeind der BBBs (nachdem Middelhoff abhanden gekommen ist), mit weiteren Betrachtungen im Mittelpunkt. Es lohnt sich reinzuschalten.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Die Mitarbeiter in den Servicecentern schuften sich kaputt, aber in den Amtsstuben liegt Asche auf den Schreibtischen

Leider kam schon in 2008 Unangenehmes aus Island. Der Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir stürzte das internationale Finanzwesen in zusätzlichen Trouble. Der Schuldenberg dieser drei Banken betrug das Zehnfache der isländischen Wirtschaftsleistung.
Jetzt brachte die Aschewolke des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull europaweit den Luftverkehr zum Erliegen.
Aber über den Gag der letzten Tage „erst verbrennen sie unser Geld, dann schicken sie uns frecherweise auch noch die Asche zurück“ kann man inzwischen nicht mehr lachen. Zu ernst ist die wirtschaftliche Situation für Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, sogar für die gesamte Wirtschaft geworden.

Jetzt würde man naiverweise denken, alle bemühten sich mit äußersten Anstrengungen um Problemlösung bzw. Problemminderung. Weit gefehlt. Während die Mitarbeiter der ServiceCenter von Fluggesellschaften und Reiseveranstalter das ganze Wochenende bis fast zum Umfallen einen tollen Job für Ihre Gesellschaften und ihre Kunden machten, wofür man nur ein ganz großes Kompliment aussprechen kann (gleiches gilt für die Operationszentralen, Flughafenstationen, Presseabteilungen, Reisebüros und die Mitarbeiter in den Zielgebieten und von anderen Transportgesellschaften), war in verschiedenen Amtstuben für Vulkanasche kein Platz mehr, weil da ohnehin schon der Mehltau von Jahrzehnten die Schreibtische überdeckt. Man versteckt sich hinter einer britischen Computersimulation ohne eigene originäre Messdaten zu erheben. Gründe hierfür:
1. Das Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums ist bislang nicht einsatzbereit, da die entsprechenden Messgeräte erst eingebaut werden müssen. Dafür braucht das Zentrum mehrere Tage!! Gestartet werden soll nun am Montag, wahrscheinlich mit Beginn der regulären Arbeitszeit..
2. Von den sechs Lasermessgeräten des deutschen Wetterdienstes ist zur Zeit nur eines in München einsatzbereit, fünf andere Geräte befinden sich gleichzeitig in Wartung. Dies ist kein Scherz, sondern bittere Wahrheit.

Die Luftfahrtgesellschaften haben auf dieses behördliche Nichtstun selbst reagiert. Lufthansa berichtet von insgesamt 10 Überführungsflügen in unterschiedlichen Flughöhen ohne jegliche Probleme. Teilweise wurden an den Triebwerken vor dem Start neue Metallteile angebracht um schon geringste Aschebestandteile feststellen zu können. Alles ohne jeden Befund.
Auch die zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat entsprechende Erfahrungen mit gleichem negativem Ergebnis gesammelt. Auf einem der Flüge war sogar Air Berlin-Chef Achim Hunold persönlich an Bord um das Engagement der Airline und die Zuverlässigkeit in besonderer Weise zu demonstrieren.
Auch KLM, AUA und andere Airlines haben Flüge durchgeführt, mit exakt dem gleichen Ergebnis.
Ebenso flog Niki Lauda, ein anerkannter Luftfahrtexperte, am Sonntag demonstrativ selbst. Im Interview danach verwies er auf den von offizieller Seite zitierten Vorfall in Indonesien, der über 20 Jahre zurück liege. Die Triebwerke von damals seien aber mit der heutigen Generation nicht vergleichbar. Mit den Triebwerksherstellern habe aber keine Luftfahrtbehörde gesprochen.
Dies alles interessiert die Entscheidungsträger offensichtlich nicht.

Am unerträglichsten war bisher das Interview mit Verkehrsminister Ramsauer nach der sonntäglichen Tagesschau. Die Arroganz dieses Menschen war schlicht zum Kotzen. Entschuldigung für diesen Ausdruck, alles andere wäre eine Verniedlichung des Erlebten. Auf den Vorhalt des Pressedirektors der Lufthansa an Ramsauer, warum das Ministerium bislang keine eigenen Messdaten erhoben habe, reagierte Ramsauer mit einer unglaublichen Polemik. Er warf Lufthansa vor, dass dort Profitstreben vor Sicherheit ginge und im Übrigen sei er gewohnt nur mit Lufthansa-Chef Mayrhuber zu sprechen.
Angesichts der unmittelbaren Gefahr nicht nur für die Luftfahrt- und Tourismusunternehmen, sondern für die gesamt Wirtschaft, hätte man sich zudem auch ein Engagement von Wirtschaftsminister Brüderle gewünscht. Pech gehabt, auch abgetaucht, wie zumeist.

Deshalb wollen die Bissigen Bemerkungen an dieser Stelle auch mal so richtig polemisch werden: Ein Land das sich einen Verkehrsminister wie Ramsauer und einen Wirtschaftsminister wie Brüderle glaubt leisten zu können (man könnte getrost noch die Bundesbildungsministerin hinzufügen), braucht eigentlich keine Naturkatastrophen mehr.

Den letzten Gag leistete sich am Sonntagabend die deutsche Flugsicherung, die für einige Flughäfen für wenige Stunden den Luftraum öffnete (wahrscheinlich als kleines Goodie unter dem medialen Druck der Fluggesellschaften). Abenteuerlich aber die offizielle Begründung „es habe sich ein Schlupfloch in der Asche-Wolke aufgetan“. Wie sie das festgestellt hat, wird wohl auch ein Geheimnis der Behörde bleiben.

Zum Abschluss und Aufmunterung für die leidgeprüften Mitarbeiter in der Touristik noch zwei kleine Geschichten:
Ein Freund von mir, der eine Reise bei Neckermann gebucht hatte (solche Freunde habe ich auch), rief mich fassungslos am Samstagnachmittag an. Sein Reisebüro in Mönchengladbach (ein sog. unabhängiges Reisebüro, d.h. keiner Kooperation oder Kette angehörend) habe ihm auf seinen Umbuchungswunsch die Auskunft gegeben, das könne er nur am Flughafen direkt machen und er müsse dort mit Gepäck erscheinen um seine Reiseabsicht zu demonstrieren. Echt kein Scherz! Und Frank Elstner bzw. Guido Cantz standen auch nicht als Erklärung zur Verfügung. Mein Freund rief dann direkt beim Neckermann ServiceCenter an. Nach minutelanger Wartezeit (absolut angemessen für diesen Tag), bestätigte man ihm, dass das Reisebüro in der Tat um 11.00 Uhr angerufen hätte, aber den Inhalt des Gespräches konnte man nicht bestätigen. Natürlich wurde mein Freund sofort telefonisch wie gewünscht auf einen späteren Termin umgebucht.

Und noch den zweiten Schmunzler in diesen harten Zeiten. Am Flughafen Köln/Bonn waren alle Geschäfte geschlossen, bis auf zwei: ein Lebensmittelmarkt und ein Sex-Shop hatten geöffnet. Damit konnten wenigstens die letzten Grundbedürfnisse der verhinderten Touristen gestillt werden.

Und eines konnte man auch noch machen. Am Samstag den Halbmarathon rund um den Airport Hannover laufen. Und hier die Erfolgsmeldung: ich habe meinen ersten Halbmarathon mit Erfolg und in der anvisierten Zeit absolviert. Ich hatte ja bis zuletzt mit einer Absage gerechnet, „wegen zuviel Asche auf der Laufstrecke“. Aber das einzige was meine Schuhe aufwirbelten, war ganz ordinärer Straßenstaub.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Kaum zu glauben

Mag ja sein, dass sich Piloten nur ungern mit Lokomotivführern vergleichen lassen wollen. Aber ein Blick über den Tellerrand hin zur Bahn würde sowohl den Piloten wie auch der Lufthansa nicht schaden.
Erinnern Sie sich an Mitte bis Ende 2007? Erinnern Sie sich an das permanente „Gewürge“ von Lokomotivführern und Bahn mit Streikankündigung, dann doch kein Streik, dann doch Streik, dann Handschlageinigung, die aber keine war (Urmodell des DFB/Joggi Löw–Konfliktes), neue Streiks und so weiter? Ergebnis: Dramatischer Imageverlust für beide Seiten und nachhaltiger wirtschaftlicher Schaden (auch für beide Seiten).

Und das gleiche Spiel, man glaubt es kaum, spielen jetzt Lufthansa und Piloten-Gewerkschaft. Erst große Streikankündigung, dann einen Tag Streik, dann überraschend Friede, Freude, Eierkuchen und jetzt ab 13.4. soll das ganze wieder von vorne losgehen. Lufthansa wird nicht nur „airberlineriger“, sondern auch noch „bahnerischer“. Halleluja, das ganze ist nicht nur ein Lehrstück für „wie beschädige ich das Image eines angesehenen Unternehmens“, sondern zeigt auch die Hilflosigkeit mit der neuen Marktsituation umzugehen.
Das hätten sich Air Berlin und Co. auch nicht träumen lassen, dass sie von Lufthansa solche wirtschaftliche Hilfestellung bekommen.

Wenn wir schon bei „kaum zu glauben sind“. Wie postulieren die harten Gleichberechtigungsvertreter(innen)? Die Gleichberechtigung für die Frauen im Wirtschaftsleben ist nicht erreicht, wenn es genügend Frauen in Führungspositionen gibt, sondern erst wenn genügend Frauen ohne Ahnung vom Geschäft in Führungspositionen aufgestiegen sind. Sind wir nun soweit? Könnte sein. Easyjet hat eine neue Chefin. Demnächst übernimmt Carolyn McCall. Sie kommt aus der Medienbranche und hat Null-Ahnung von der Luftfahrtbranche.

Noch „weniger zu glauben“, ist die Panne am Flughafen Leipzig-Altenburg. Erinnern Sie sich, der Landrat des Landkreise Altenburg-Land, war so fest überzeugt, dass sein Weltflughafen Altenburg Interesse bei internationalen Investoren finden könnte (siehe BBBs vom 14.12.2009). Jetzt musste einer der wenigen Anflüge umgeleitet werden, weil kein Fluglotse im Tower war. Schuld: „Unklare Dienstplanung“. Bei einer Handvoll Flüge am Tag, kann man schon mal die Übersicht verlieren.

Und schon „überhaupt nicht zu glauben“ ist, dass ein Hobby-Pilot jetzt zu einer saftigen Geldstrafe verurteilt wurde. Er hatte mit seinem einmotorigen Flugzeug die Rollbahn des Flughafens Bitburg angesteuert und auf Funkkontakt zum Tower „verzichtet“. Dummerweise fand dort gerade eine Veranstaltung des Porsche-Clubs Luxemburg statt. Da blieb kaum eine Wahl. Der Pilot landete „auf“ einem fahrenden Porsche 911. Merke: Sollte Ihr Auto mal kräftig wackeln, muss es nicht an schlecht montierten Reifen liegen. Schauen Sie auch mal auf dem Dach Ihres Fahrzeuges nach.

Außerdem „glauben wir nicht“, dass „Manny“ noch etwas Vorzeigbares zum Kaufen für Thomas Cook findet. Darf man Ankündigungen übrigens schon bilanzieren?

——————————————————————————

Im Übrigen bin ich der Meinung …. „Wer vom Lesen nicht genug hat, der kann zusätzlich noch hören. “Faszination Stützstrümpfe“ – ab heute der neue Renner auf www.reiseradio.org (jetzt auch mit Direkt-Button auf die BBB). Und nicht verzweifeln: wenn die Sendung sich nicht sofort lädt, dann tummeln sich gerade andere 100 BBB-Fans in der Leitung. Ein paar Minuten später, und „Ihnen wird sicher geholfen“ (vom Server).
Sorry für letzte Woche. Zwischenzeitlich gab es Probleme mit dem Link und dann war der Server echt überlastet. Es geht dem Reiseradio speziell wie dem Tourismus allgemein: Das größte Problem ist der Erfolg.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)