Archiv für Reisebuero

Papst legt Verkehr lahm

So lautete die Überschrift im wöchentlichen Newsletter „early bird“ von eins-a-kommunikation (in einem Bericht über die Sperrung der A38 wegen des Papst-Besuches im Eichsfeld). Damit gelingt dem Papst endlich, zumindest temporär, worum er sich in der Vergangenheit auf „anderem Gebiet“ oft bemühte.

Gerüchteweise wollen auch die Spitzenmanager der „traditionellen“ Reiseveranstalter anreisen und mit weißem Benedikt-Seidenschal in der ersten Reihe sitzen und „Gottes-Stellvertreter“ um Hilfe bitten. Was ist in den letzten Jahren geschehen?

In den BBBs vom 6.12.2010 („Als der liebe Gott auf die Reisebürobranche sauer war – (k)eine Weihnachtsgeschichte“) anlässlich der DRV-Tagung in Marokko, wurde über die Reisebranche gelästert, weil sie fast ohne Gegenwehr der etablierten Branchenführer, die „Preisvergleichssysteme“ zum Goldenen Kalb erhoben hatten.
In jener Parabel hieß es weiter: “So schuf Gott im Zorn die X-Angebote. Die Erzengel meinten das sei zu plump…“ usw. usw.
Diese BBBs kann man nicht oft genug lesen, wenn man sich die kritische Entwicklung dieser Branche vor Augen halten will.

Aber die Branche setzte jetzt sogar noch einen drauf. Die führenden Manager/-innen der Reisebranche wählten Jasmin Taylor, die Chefin von JT-Touristik, die neue Ikone der Dynamischen Angebote und X-Angebote, nun zur Tourismusmanagerin des Jahres.
Echt großartig diese Branche, wie sie fast ohne Gegenwehr einer Fehlentwicklung applaudiert. Oder ist das schon Galgenhumor? Es ist allerdings zu befürchten, dass (auch) hier der Papst nicht mehr helfen kann.

Nur damit keine falsche Schlussfolgerung aufkommt. Gesamthaft hat Jasmin Taylor als Person, diese Ehrung absolut verdient. Eine tolle unternehmerische Leistung. Wer sonst hätte in diesem Jahr diesen Titel bekommen sollen? Deshalb auch an dieser Stelle ehrlichen herzlichen Glückwunsch.

Aber ein Branchenphänomen bleibt es. Oder kennt noch jemand ein vergleichbares Beispiel aus einer anderen Branche? Wenn ja, bitte mitteilen, dann korrigieren wir (vielleicht) unsere Meinung.

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Die „Schock-Information“ der ITB

Die Ereignisse in Japan sind kein Antrieb um bissig zu sein. Stellen wir deshalb, fast „neutral“, einige Zahlen zum Thema „Urlaub und Internet“ in den Mittelpunkt der heutigen Betrachtung.

Die ITB ist eine fantastische Hochzeit der Onliner um jährlich aufs Neue Internet-Rekordzahlen zu präsentieren. Die Auslegung dieser Zahlen entspricht allerdings nicht immer wissenschaftlichen Ansprüchen. Aber das ganze genügt um meinungsbildend die Medien zu füllen. Die Reisebüros haben dem bislang (zumindest in der statistischen Darstellung) wenig entgegenzusetzen.

Sehr beliebt ist z.B. die immer wiederkehrende Feststellung “Immer mehr Menschen nutzen das Internet zur Urlaubsinformation“. Dabei wird gefragt: Haben sie in ihrem Leben schon einmal das Internet zur Urlaubsinformation genutzt? Logischerweise, und das kann aus der Natur der Sache überhaupt nicht anders sein, muss diese Zahl Jahr für Jahr steigen. Es kommt ja immer nur etwas dazu und es fällt nie wieder etwas weg. Klar??
Etwas anders wäre es, und das wäre ein echter Gradmesser, wenn man fragen würde, „Haben sie im letzten Jahr, das Internet zur Information genutzt“.
Dabei ist mir nie so ganz klar, ob die entsprechend falsche Präsentation vorsätzlich oder fahrlässig oder schlicht unwissend erfolgt.

Aber dieses Jahr wurde (u.a. natürlich) eine Internetzahl im Rahmen der Reiseanalyse präsentiert, zu der ist selbst mir als Statistik-Skeptiker (vor Schreck) nichts mehr eingefallen. Thema: „Zahl der genutzten Websites und im Internet verbrachte Zeit bei der Planung von Urlaubsreisen“.
Demzufolge verbrachten im Schnitt die Onliner-Informierer 2010 für eine Urlaubsreise 9 Stunden auf 13 verschiedenen Websites im Netz. In der Spitze, und das ist unfassbar, surfte ein Viertel dieser Freaks sogar bis zu 25 Stunden auf 50 verschiedenen Websites.
Hallo, bis zu 25 Stunden?? Machen diese Leute auch noch etwas anderes? Machen die zwischendurch wenigstens etwas Gymnastik für den verspannten Rücken?
Jetzt sagt aber eine andere Studie, dass wieder zunehmend online informiert und im Reisebüro gebucht würde. Reichen 50 Stunden Info immer noch nicht? Oder ist jemand der solange surft, auch generell entscheidungsschwach? Steht da am Ende nur die Erkenntnis des Surfers „I`m still confused, but now on a higher level“? Daneben haben diese Menschen doch auch noch den Drang ihre gewonnenen Erkenntnisse über twitter und facebook mitzuteilen. Die müssen doch danach so erschöpft im Urlaub ankommen, dass sich der gewünschte Urlaubserfolg nicht einstellen kann. Bedeutet dann diese „überraschende“ Urlaubsunzufriedenheit, dass man sich im nächsten Jahr noch ausführlicher vorher informiert, was dann zur Konsequenz hätte, dass…..usw.
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Polen, Dublin und die Guiness-Brauerei sind nur einige Themen der aktuellen Ausgabe des Reiseradios (www.reiseradio.org). In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es entsprechend zur aktuellen Weltlage etwas gedämpfter zu als sonst. Aber für einige deutliche Worte reicht es trotzdem.

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10 Jahre Borns Bissige Bemerkungen (BBB)

Das war eine frühe Erkenntnis an der Hochschule Harz. Die Tourismusstudierenden „blätterten“, wenn auch nicht unbedingt gerne, zwar in den Lehrbüchern, aber von den aktuellen Ereignissen in der Touristik hatten sie nicht nur keine Ahnung, es interessierte sie auch kaum. Also musste ein neuer Stil gefunden werden, um das aktuelle Geschehen lesenswert zu machen. So entstand am 1.3.2001 die erste Ausgabe der BBBs mit einer kleinen Lästerei über FTI und Meiers`s Weltreisen, die gerade einen 2. Katalog mit reduzierten Preisen auf den Markt gebracht hatten. Mit der dann regelmäßig wöchentlichen Erscheinungsweise waren die BBBs der erste touristische Blog, lange bevor der Begriff „weblog“ in der breiten Masse bekannt war.
Relativ bald entdeckten Journalisten die Bissigen Bemerkungen und auch außerhalb der Hochschule wuchs schnell der „Freundeskreis“. Es entstand eine eigene Homepage und die echten Fans konnten sich die BBBs, wie sie bald nur noch genannt wurden, per kostenlose Email abonnieren. Heute freuen sich über 3.900 Abonnenten jeden Montag über „das Schmunzeln zum Beginn der Woche“ und zusätzlich weitere mehr als 5.000 Leser informieren sich jede Woche direkt auf der Homepage. Damit wurden die BBBs im letzten Jahr weit über 400.000mal gelesen, mit einer Steigerung von über 30% zum Vorjahr. Von solchen Steigerungsraten kann die Touristik-Branche nur träumen.

Zum Vorbild der Bissigen Bemerkungen wurde der Literatur-Nobelpreisträger des Jahres 2001, V.S. Naipaul. Die Entscheidung für ihn begründete die Akademie damals u.a. mit „bei Naipaul kommen die Ereignisse mit der ihr eigenen Ironie zu Wort“. Exakt das ist die Absicht der BBBs. Marcel Reich-Ranicki kritisierte damals zwar etwas abfällig, dass ein „Reiseschriftsteller“ den Nobelpreis erhalte. Aber angesichts der Tatsache, dass noch nie ein Reisemanager den Nobelpreis für Wirtschaft bekommen hat, bestärkt uns das nur darin, was Spötter schon immer behaupten: Diese Branche wird nur „schöngeschrieben“. Die BBBs wurden zum notwendigen Korrektiv. Zwar gingen den BBBs manch heftig gebissener „Liebling“ im Laufe der Zeit verloren (siehe z.B. Thomas Middelhoff), aber die Branche sorgt freundlicherweise regelmäßig für Nachschub zum Beißen.
Natürlich waren keine 10 Jahre BBBs geplant. Inzwischen an fast 500 Sonntage hintereinander BBBs zu schreiben, bedeutet schon „richtig“ Arbeit. Aber solange der Zuspruch anhält…. Danke auch für das größer gewordene Geburtstagsgeschenk. 1.000 Fans („Gefällt mir“) hatte ich mir auf der BBB-Fanseite bei Facebook gewünscht, inzwischen sind es 1.060 geworden und wenn das so weitergeht, werden zu Faschingsdienstag vielleicht sogar 1.111 erreicht.
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In persönlicher Sache.
Leider muss ich mich momentan mit etwas Unerfreulichem auseinandersetzen. Vor längerer Zeit habe ich mir auch eine private Facebook-Seite eingerichtet, ohne Bild. Als ich nach einiger Zeit mein Bild hochgeladen habe, ist wohl versehentlich eine zweite Facebook-Seite, jetzt mit Bild, entstanden. Zwei Seiten bei Facebook zu haben ist verboten. Als mich die Presse darauf aufmerksam machte, habe ich diesen Vorwurf zuerst für „abstrus“ gehalten. Am Wochenende hatte ich nun Zeit mir meine Facebook-Seite anzuschauen. In der Tat habe ich hier wohl handwerklich unsauber gearbeitet, dafür möchte ich mich in der mir eigenen Demut entschuldigen. Ich kann das nur damit erklären, dass ich „so hochmütig war, ich könne neben meiner Arbeit an Hochschule, BBBs und Vorträgen auch noch zusätzlich eine Facebook-Seite einrichten“. Dazu kam noch, dass ich zwei Töchter habe und auch sonst unter familiärem Druck stehe.
Ich habe nun Anfang der Woche Facebook gebeten eine Seite zurückzunehmen. Facebook hat mit Schreiben vom 24.2. mir dann auch eine Facebook Seite (jene ohne Bild) entzogen.
Auf jeder der beiden Facebook-Seiten waren aber bis dahin mehr als 100 „Freunde“ notiert. Ein Übertrag dieser „Freunde“ von einer Facebook-Seite auf eine andere ist nicht gestattet. Deshalb musste ich diese Woche über 100 Freunde mit einer neuen Freundschaftsanfrage belästigen. Dies führte teilweise zu Reaktionen ungefähr dieser Art: „Ich dachte wir wären schon Freunde. Bedeutet diese neuerliche Anfrage, dass wir zwischendurch keine Freunde waren?“ Logische Frage und schwierige Antwort. Rein wissenschaftlich gesehen, waren wir im Zeitraum zwischen „Löschen der Seite“ und „neue Anfrage“ keine Freunde. Gefühlt waren wir immer Freunde.
Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich nun als Autor der BBBs zurücktreten muss. Obwohl ich „versehentlich“ meinen Antrag auf Rückgabe der Seite an Facebook auf BBB-Briefpapier geschrieben habe, statt auf meinem privaten Briefpapier, denke ich, hat mein Fehlverhalten auf der privaten Facebook-Seite nichts mit meinen Bissigen Bemerkungen zu tun. Da inzwischen über 90% der Neu-Angeschriebenen meine Freundschaftsanfrage positiv beschieden haben, sehe ich das auch als Zustimmung und bin nicht bereit den Rücktrittsforderungen, die auch eindeutig aus einer bestimmten Ecke kommen (Bundesverkehrsministerium), nachzugeben.
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Zum Reiseradio.
Auch das Reiseradio (www.reiseradio.org) hat Jubiläum: 50. Sendung. Im Mittelpunkt der Sendung steht die ITB und das Partnerland Polen. Außerdem gibt es Interviews mit der Leiterin des neuen Flagship-Reisebüros der TUI in Berlin und mit dem Chef des TUI-Konzernmarketings Michael Lambertz. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es natürlich auch um das Super-Reisebüro.
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Zu guter Letzt:
Nur damit es kein Missverständnis gibt: Hätte ein/e Student/in bei den bisher von mir betreuten 300 Diplom-/Bachelor- oder Masterarbeiten eine „solche Nummer“ abgezogen, wie wir es zur Zeit in Berlin erleben, hätte das einen Rauswurf in grandioser Flugkurve zur Folge gehabt. Abgesehen davon, wird an der Hochschule Harz schon lange eine entsprechende Software zur Entdeckung von Plagiaten angewandt.

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Wenn der Eigentümer plötzlich und überraschend merkt, dass ihm seine eigene Firma nicht gefällt.

Es sei „im höchsten Maße erstaunlich, was da für Material herumfährt“, sagte Verkehrs-Staatssekretär Klaus-Dieter Scheurle (CSU) am Mittwoch (6.1.2011) in Berlin mit Blick auf die Züge des Staatskonzerns.
Nur zur Information: Staatssekretär Scheurle sitzt im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn. Woher nun die plötzliche Erkenntnis?

Was übrigens die S-Bahn betrifft, kann man auf Bahn-Flächen bei Spandau und auf dem Werksgelände bei Bombardier 60 nagelneue Züge der Baureihe Talent 2 bestaunen, die dort mehr oder weniger sinnlos herumstehen. Hier kommt das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), das die Fahrzeuge abnehmen soll, nicht zum Abschluss. Das muss die geplagten Berliner S-Bahn-Nutzer, angesichts des aktuellen Fahrzeugmangels, doch zum Wahnsinn treiben.

Auch unser Verkehrsminister Ramsauer sieht sich angesichts der aktuellen Bahnprobleme nicht persönlich im Obligo. „Auf der Schiene regierten jahrelang Sparpolitik und Renditedruck. Reserven wurden abgebaut, Personal eingespart.“ Verkehrsminister Ramsauer forderte das Unternehmen daher zu mehr Investitionen auf. „Die Bahn muss jetzt mit einer Qualitäts- und Investitionsoffensive reagieren.“
Da ist man sich nicht sicher, ob man wacht oder träumt. Ausgerechnet jene, die von Hause aus eigentlich Aufsicht über die Bahn führen müssten, geben sich vollkommen überrascht. Wobei es sein mag, dass sie tatsächlich „unwissend“ sind, aber das entschuldigt die Herren keineswegs. Sich so populistisch auf die Stimmung der geplagten Bahnfahrer einzuschwenken ist schon eine Frechheit.

In der ZDF-Sendung „Berlin direkt“ verteilte Ramsauer wie so oft „großzügig“ Aufgaben an andere, nur er selbst war mal wieder für nichts verantwortlich. Deshalb stellen die BBBs heute die Quizfrage:
Was haben die Sängerin Annett Louisan und unser Verkehrsminister Peter Ramsauer gemeinsam?
Die Antwort erfahren Sie am 11.1. während der „Bissigen Bemerkungen LIVE“ im Rahmen des „networkings“ des Travel Industry Clubs in Frankfurt (für alle an diesem Abend „Verhinderten“ gibt es die Lösung nächste Woche).

Angesichts des Begriffs „networking“ eine leichte Korrektur zu den nur schwer erkennbaren persönlichen Aktivitäten von Peter Ramsauer. Neben seinem Engagement für saubere Bahnhofstoiletten zeigte er sich neuerdings auch als Kämpfer für die Deutsche Sprache. Von seinem Ministerium hat er sich 111 Anglizismen zusammenstellen lassen. Statt deren müssen nun seine Mitarbeiter die „passenden“ deutschen Begriffe verwenden. So gibt es ab sofort im BMV keinen Laptop mehr, sondern „Klapprechner“ und aus dem Flippchart wurde der „Tafelschreibblock“. Ob das nun gerade die richtigen Beispiele für „saubere“ deutsche Sprache sind, darf bezweifelt werden.

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Beim Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es diese Woche vor allem um Irland. Bei den akustischen Bissigen Bemerkungen steht das für Reisebüros nicht schmeichelhafte Ergebnis einer Befragung durch das „Deutsche Institut für Servicequalität“ im Mittelpunkt. Und außerdem wird die Tourismusaffinität der ägyptischen Haie bewundert, die passen zur Hauptreisezeit von den ägyptischen Stränden verschwunden waren und erst danach wieder auftauchten.

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Als der liebe Gott auf die Reisebürobranche sauer war – (k)eine Weihnachtsgeschichte

Als Gott Adam und Eva geschaffen hatte, und auch sonst mit dem Gröbsten fertig war und es noch keine Blackberrys gab, hatte er am siebten Tage frei. Weniger bekannt ist, dass Gott aus Langeweile in der folgenden Woche noch einige Nachschöpfungen kreierte. So schuf er, ausgerechnet am 13. Tag der Schöpfung, zwei Reisebüros. Auch ihnen gab er die Weisung mit „seid fruchtbar und vermehret Euch“, was die Reisebüros zumindest in Deutschland mit kaninchenhafter Effektivität auch befolgten. Aber der Herr fügte auch hinzu „und macht Reisende glücklicher“. Gott erkannte schnell, dass er die letzte Anweisung hätte etwas präzisieren sollen, aber Zeitmangel hinderte ihn daran.

Auch in den Folgejahren war Gott mit anderen Dingen beschäftigt, deshalb beauftragte er den Heiligen Geist doch hin und wieder mal nach der Branche zu schauen. Leider ist es nie zu diesem Kontakt gekommen. Es ist nicht mehr festzustellen, ob der Heilige Geist seinen Auftrag vergessen hatte oder ob die Branche auf geistvollen Rat nicht hören wollte. So musste Gott vor kurzem selbst mal nach seiner 13.Tag-Schöpfung “Reisebüro“ schauen. Und was er da sah, gefiel ihm überhaupt nicht.

Die Reisebüroleute hatten sich ein riesiges Goldenes Kalb geschaffen und nannten es “Preis“. Sie hatten nichts anderes mehr im Kopf als “Preis“, es war das erste an das sie morgens dachten, und das letzte an das sie dachten, bevor sie abends ihren Laden abschlossen. Vor allem war “Preis“ grundsätzlich das beherrschende Thema, wenn sie mit ihren Kunden sprachen. Da war Gott enttäuscht, weil seine Schöpfung so wenig mit dem schönen Thema Reisen anzufangen wusste. Was ihn aber am meisten erzürnte war, dass die Reisebüros neue Götter geschaffen hatten, die sie “Preisvergleichssysteme“ nannten. Diese “Preisvergleichssysteme“, ursprünglich erfunden um Mehrwerte zu schaffen, machten inzwischen genau das Gegenteil. Sie vernichteten mehr Werte als Mehrwerte zu schaffen.

Da war Gott sauer, richtig sauer. Er wollte die Branche strafen und so dachte er nach, wie er ein sehr subtiles Mittel zur Strafe finden könnte. Ein Mittel, das diese idiotischen Nebengötter “Preisvergleichssysteme“ so richtig lächerlich machen könnte. Wobei Gott in Kauf nahm, dass die zu Bestrafenden, seine spezifische Form von Humor nicht verstehen würden. So schuf Gott im Zorn die “X-Angebote“. Die Erzengel meinten das sei zu plump, die Reisebüros würden doch sofort merken, dass die X-Angebote ein weiterer Schritt in den Untergang seien. Aber Gott meinte, die kurzfristige Gier sei wahrscheinlich größer und die Reisebüros würden auch das verkaufen. Er meinte weiter, wer einverstanden sei, dass Preisvergleichssysteme Angebote akzeptieren, die bestimmte Leistungen nicht enthalten (z.B. Transfer) und diese sogar ganz nach oben listen, der lasse sich dann von diesen Systemen auch komplett auf der Nase herumtanzen! Wie immer hatte Gott Recht, deshalb ist er ja auch Gott.

Zwar maulten viele Reisebüros über die überraschend neu aufgetauchten X-Angebote und es gab auch die brachentypischen Reflexe wie
— eigentlich wollen wir nicht, aber die anderen machen es (damit kann man eigentlich auch jede Straftat begründen)
— eigentlich wollen wir ja nicht, aber die Kunden fragen danach (diese Entwicklung führte an anderer Stelle schon zu BSE)
— eigentlich wollen wir nicht, denn wegen der Anzahlungs- und Stornobedingungen bekommen wir riesigen Ärger mit den Kunden (aber dieser Ärger wird erstaunlicherweise in Kauf genommen)
— eigentlich wollen wir nicht, aber die X-Angebote stehen in den Preisvergleichssysteme ganz oben (na also, nichts kapiert).
Aber trotz dieser Bedenken wurde munter weiter verkauft.
Da war Gott fassungslos und meinte nur: “Der Parasit wird zum Herrscher, welch schreckliche Entwicklung“.

Da ergab es sich, dass die wesentlichen Meinungsmacher sich alle gleichzeitig in Marokko aufhielten. Und sie taten dort das, was sie am besten können. Sie sprachen wenig über die Sache, aber mehr über Personen. Da wurde getrickst und gekungelt, man traf sich in Hinterzimmern und hob heimtückisch Gruben aus (in die allerdings mancher anschließend selbst plumpste). Zur Entschuldigung kann man nur sagen, das passiert auch anderswo, zum Beispiel wenn sich Parteien oder Geflügelzüchtervereine treffen.
Aber Gott wollte diese Entschuldigung nicht gelten lassen und so beschloss er die Branche bei ihrem Jahrestreffen in einer neuen Sintflut zu ertränken. Deshalb regnete es während der Jahrestagung in Strömen. Zum Glück konnte einer der Erzengel Gott noch rechtzeitig in den Arm fallen und damit Schlimmeres verhindern. Gut, sagte Gott, ich gebe der Branche noch eine Chance.

Da wurde es gegen Ende der Tagung kurz hell. Und es stieg herab vom Berge Agadir (Agadir ist zwar kein Berg, aber aus Gründen der Dramatik wird hier ein Berg benötigt), also stieg herab vom Berge Agadir Moses B. Und er verkündete eine frohe Botschaft. Diese Botschaft wurde dem Volk zwar ähnlich schon 100x mal versprochen, aber was will man machen, wenn einem die Probleme bis Oberkante Unterlippe stehen, aber die Marge nur in Knöchelhöhe? Man will die Botschaft glauben. Zumindest die Mehrzahl empfand so. Einige wenige schauten allerdings noch immer ungläubig und sehr säuerlich über den Rand der selbst ausgehobenen Grube.

Liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen, was wird Moses B. nun als erstes machen? Wie viel wird er von seiner Botschaft umsetzen können? Und vor allem, kann Gott wegen dieser Branche noch besänftigt werden?
Das alles erfahren Sie in der Weihnachtsgeschichte 2011.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) kommen heute der grüne Obertouristiker Markus Tressel, Michael Svedek von Touring und Axel Biermann vom Ruhr-Tourismus zu Wort. Der Hinweis gilt auch, oder vielleicht gerade deshalb, obwohl die BBBs nicht jeden Satz in diesen Interviews unterschreiben.
In den akustischen Bemerkungen geht es insbesondere um die kleine spanische Terrorgruppe, die sich Fluglotsen nennt. Alles klar?

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Herzlichen Glückwunsch Jürgen Büchy

Der neue nationale Reisechef heißt Jürgen Büchy. Herzlichen Glückwunsch an Jürgen Büchy, aber auch herzlichen Glückwunsch an den DRV zu dieser Entscheidung.
Ein Glück, dass sich jene rückwärts gewandten Mitglieder nicht durchgesetzt haben, die Büchy allein aus einem Grund bekämpft hatten, weil er als Verkaufsleiter der Bahn Provisionskürzungen umgesetzt hatte. Aber man wählt ja normalerweise einen neuen Präsidenten nicht wegen seiner Vergangenheit, sondern aus Gründen was er künftig für den Verband durchsetzen kann.
Wenn es anders wäre, hätte TUI mich nie einstellen dürfen, weil ich vorher als Verkaufsleiter der Condor Energie dafür eingesetzt hatte, um damals das Einzelplatzgeschäft der Condor an der TUI vorbei zu forcieren. Und als Einkaufsdirektor der TUI habe ich dann viel Energie dafür eingesetzt Condor genau daran zu hindern.
Auch hätte Bayern München nie Gomez (oder andere) verpflichten dürfen, den diese Spieler haben vorher (teilweise entscheidende) Tore gegen Bayern München geschossen. Aber genau aus diesem Grund wurden sie verpflichtet.

Die „Reisebürofraktion“ im DRV wird sich künftig entscheiden müssen, ob sie primär nur Interessenclub sein will, der sich über Provisionen und Gebühren aufregt oder ob sie stärker als heute eine Vereinigung sein wollen, die das Thema Reisen deutlicher in der Öffentlichkeit „gestaltet“ und damit der Bedeutung der Reisebüros einen neuen starken Schub gibt.

Dies und ähnliches hätte ich gerne deutlich in Agadir vorgetragen. Schade, dass es aus gesundheitlichen Gründen nicht ging. Sorry an jene, die sich auf diesen Vortrag gefreut hatten, es wäre bestimmt „munter geworden“. Vielleicht ein anderes Mal.

Bestimmt werden sich einige fragen, warum hier an dieser Stelle keine Laudatio für Klaus Laepple, den scheidenden Präsidenten steht. Ganz einfach. Klaus Laepple bleibt unabhängig vom DRV weiterhin Präsident des BTW. Und wie wir „unseren Klaus“ kennen, wird er nicht weniger präsent sein als bisher. Also, Laudatio folgt in zwei Jahren. Versprochen.
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Für alle jene, die nicht in Agadir dabei sein konnten, sich aber gerne ausführlich darüber informieren wollen, sei diesmal das Reiseradio (www.reiseradio.org) besonders empfohlen. Sie hören u.a.
— das erste Interview mit dem neuen DRV-Präsidenten Büchy und natürlich auch ein interview mit dem scheidenden DRV-Präsidenten Laepple
— ein Interview mit TUI-Chef Michael Frenzel, der die Laudatio auf Laepple hielt
— ein besonders lustiges Interview mit dem Tourismusminister von Marokko, Yassir Zenagui. Während er von der so wichtigen Sonne über Marokko schwärmte, prasselte starker Regen auf seinen Regenschirm
— und ein Interview mit dem Cheftouristiker von Südkorea, Charm Lee, der als Gastgeber der nächsten DRV-Tagung 2011 sein Land in den höchsten Tönen preist. Was dem marokkanischen Minister der Regen, war für Lee allerdings der Konflikt mit Nordkorea. Man kann sich den richtigen Zeitpunkt leider nicht immer aussuchen.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen gibt es zur Abrundung noch ein paar freche Bemerkungen zur Tagung. Alles halb so wild, Hauptsache die Touristen lassen sich von Kongressen und Tagungen nicht beeinflussen und buchen. Zum Glück tun sie das im Moment. Und das war die beste Nachricht in Agadir.

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Statistiken die niemand braucht und die dann auch noch falsch interpretiert werden

Angeblich von Churchill stammt der schlaue Spruch „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Unter dieser Prämisse sollte man auch die Flut von Statistiken betrachten, die täglich in diversen Medien verbreitet werden. Braucht diese jemand? Nein, es geht nur darum den eigenen Namen in die Medien zu bringen. Wissenschaftlich erstellt? Denkste. Richtig interpretiert? Von wegen, bei manchen Zahlen könnte man auch exakt das Gegenteil behaupten. Und ganz schlimm wird es zumeist, wenn sich die Autoren auch noch in %-Rechnung versuchen. Das geht zumeist total in die Hose (wie untenstehend beim online-Portal Unister).

Fangen wir bei der DAK an. Sie versucht uns schlau zu machen mit der Aussage „Nicht wenige Deutsche erkranken im Urlaub: 35 Prozent haben schon an Schnupfen oder einer Erkältung gelitten.“ Zuerst mal die Tendenzaussage, „krank in Urlaub“. „Urlaub und negativ“, ein beliebtes Thema zur Reisezeit. Hätte gerade noch gefehlt, eine Werbeaussage, DAK zahlt auch bei Krankheit im Urlaub.
Dabei, was heißt schon 35 % hatten irgendwann mal im Urlaub eine Erkältung. Man hätte auch schreiben können, 2/3 aller Urlauber hatten noch nie im Urlaub eine Erkältung gehabt. Aber eigentlich möchte ich mich zu einer noch radikaleren Aussage durchringen: Fast 100% aller Deutschen hatten schon mal außerhalb des Urlaubs eine Erkältung.
Laut dieser Statistik plagten 14% der Deutschen schon mal eine Allergie im Urlaub. Oh, wie schlimm! Gerade habe ich in einem Buch über Allergien gelesen, dass inzwischen über 30 Mio. Deutsche unter Allergien leiden (das wären demnach ca. 35% aller Deutschen). Rechnerisches Fazit: Mehr als die Hälfte aller deutschen Allergiker hatten im Urlaub noch nie eine Allergie gehabt. Das ist doch mal eine gute Nachricht. (DAK-Zahlen laut Bericht in travel tribune)

Das Online-Reisebüro „ab-in-den-urlaub.de“ von Unister GmbH, beglückt die Menschheit ja öfters mit Informationen auf die niemand gewartet hat. Nach der alten PR-Masche „ist doch egal was in der Zeitung über uns steht, Hauptsache unser Name ist richtig geschrieben“. Jetzt hat man sich sehr ausführlich zum Thema „Diebstahl an den Flughäfen“ geäußert (Info gefunden bei Touristik-news.com). Auch dazu könnte inhaltlich manch Kritisches beitragen. Die BBBs möchten aber hier nur etwas Nachhilfe in %-Rechnung geben. In der Unister-Meldung wird besonders der Flughafen Düsseldorf angeprangert, denn da wird angeblich am meisten geklaut. Zwar gesteht Unister ein, dass die Anzahl der Diebstähle im Flughafen Düsseldorf von 1.900 im Jahre 2008 auf 1.321 im Jahre 2009 zurückgegangen seien. Diese an für sich positive Meldung wird dann etwas konterkariert durch den Zusatz, aber in der gleichen Zeit sei das Passagieraufkommen in Düsseldorf um rund 370.000 zurückgegangen. Und jetzt kommt die von wenig Mathematik getrübte Feststellung: Demnach seien die Diebstähle pro Gast nur um 0,003 Prozent zurückgegangen. Kurzum, die Diebe in Düsseldorf klauten erstaunlicherweise proportional zur Passagierzahl (wie die das so hinbekommen haben?). Die etwas mehr Mathematik bewussten Bissigen Bemerkungen merkten natürlich sofort, dass diese Rechnung nie und nimmer stimmen kann. Also rechnen wir mal nach und besorgen uns die Passagierzahlen vom Flughafen Düsseldorf. Demnach betrug die Diebstahlsrate pro Gast in 2008 0,0105%, in 2009 lautete die Diebstahlsrate 0,0074%. Das sind zwar nur 0,003 Prozent-Punkte (Achtung, die Betonung liegt auf Prozent-„Punkte“) weniger, aber bei so kleinen Zahlen bedeutet das einen Rückgang um fast 30%! und genau das wäre die richtige Information gewesen (Die Diebstahlsrate pro Gast ist um 30% zurückgegangen. Statt angegeben 0,003%). Bewusste Manipulation oder nur Mathe-Schwäche?

Deshalb immer mein Hinweis an die Studenten „Aufpassen bei Aussagen mit %-Zahlen, da wird zumeist manipuliert. Es sei denn, ihr wollt selbst manipulieren, dann nehmt %-Zahlen“.

Ach noch etwas, die DAK hatte auch festgestellt, dass 14% aller Deutschen im Urlaub schon mal einen Sonnenstich hatten. Wie man weiß, kann so etwas lange im Alltag nachwirken (siehe oben).
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Im Reiseradio www.reiseradio.org geht es diese Woche u.a. um zwei Journalisten, die den Meridian-Nachwuchspreis gewonnen haben und ihr Verständnis über Reisejournalismus. Außerdem gibt es Hintergrund-Informationen über Sri Lanka. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es u.a. um den Verlust eines Männertraumes. Eine Stewardess der Air France, die sich nicht „liebevoll“ um schlafende Fluggäste kümmerte, sondern diese „lieblos“ beklaute. Wie schrecklich, wieder eine Ikone gefallen. Übrigens soll es demnächst auch zu diesem Thema neue internationale Statistiken geben.

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Die Mitarbeiter in den Servicecentern schuften sich kaputt, aber in den Amtsstuben liegt Asche auf den Schreibtischen

Leider kam schon in 2008 Unangenehmes aus Island. Der Zusammenbruch der drei größten isländischen Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir stürzte das internationale Finanzwesen in zusätzlichen Trouble. Der Schuldenberg dieser drei Banken betrug das Zehnfache der isländischen Wirtschaftsleistung.
Jetzt brachte die Aschewolke des isländischen Vulkans mit dem unaussprechlichen Namen Eyjafjallajökull europaweit den Luftverkehr zum Erliegen.
Aber über den Gag der letzten Tage „erst verbrennen sie unser Geld, dann schicken sie uns frecherweise auch noch die Asche zurück“ kann man inzwischen nicht mehr lachen. Zu ernst ist die wirtschaftliche Situation für Fluggesellschaften, Reiseveranstalter, sogar für die gesamte Wirtschaft geworden.

Jetzt würde man naiverweise denken, alle bemühten sich mit äußersten Anstrengungen um Problemlösung bzw. Problemminderung. Weit gefehlt. Während die Mitarbeiter der ServiceCenter von Fluggesellschaften und Reiseveranstalter das ganze Wochenende bis fast zum Umfallen einen tollen Job für Ihre Gesellschaften und ihre Kunden machten, wofür man nur ein ganz großes Kompliment aussprechen kann (gleiches gilt für die Operationszentralen, Flughafenstationen, Presseabteilungen, Reisebüros und die Mitarbeiter in den Zielgebieten und von anderen Transportgesellschaften), war in verschiedenen Amtstuben für Vulkanasche kein Platz mehr, weil da ohnehin schon der Mehltau von Jahrzehnten die Schreibtische überdeckt. Man versteckt sich hinter einer britischen Computersimulation ohne eigene originäre Messdaten zu erheben. Gründe hierfür:
1. Das Forschungsflugzeug des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums ist bislang nicht einsatzbereit, da die entsprechenden Messgeräte erst eingebaut werden müssen. Dafür braucht das Zentrum mehrere Tage!! Gestartet werden soll nun am Montag, wahrscheinlich mit Beginn der regulären Arbeitszeit..
2. Von den sechs Lasermessgeräten des deutschen Wetterdienstes ist zur Zeit nur eines in München einsatzbereit, fünf andere Geräte befinden sich gleichzeitig in Wartung. Dies ist kein Scherz, sondern bittere Wahrheit.

Die Luftfahrtgesellschaften haben auf dieses behördliche Nichtstun selbst reagiert. Lufthansa berichtet von insgesamt 10 Überführungsflügen in unterschiedlichen Flughöhen ohne jegliche Probleme. Teilweise wurden an den Triebwerken vor dem Start neue Metallteile angebracht um schon geringste Aschebestandteile feststellen zu können. Alles ohne jeden Befund.
Auch die zweitgrößte Fluggesellschaft Air Berlin hat entsprechende Erfahrungen mit gleichem negativem Ergebnis gesammelt. Auf einem der Flüge war sogar Air Berlin-Chef Achim Hunold persönlich an Bord um das Engagement der Airline und die Zuverlässigkeit in besonderer Weise zu demonstrieren.
Auch KLM, AUA und andere Airlines haben Flüge durchgeführt, mit exakt dem gleichen Ergebnis.
Ebenso flog Niki Lauda, ein anerkannter Luftfahrtexperte, am Sonntag demonstrativ selbst. Im Interview danach verwies er auf den von offizieller Seite zitierten Vorfall in Indonesien, der über 20 Jahre zurück liege. Die Triebwerke von damals seien aber mit der heutigen Generation nicht vergleichbar. Mit den Triebwerksherstellern habe aber keine Luftfahrtbehörde gesprochen.
Dies alles interessiert die Entscheidungsträger offensichtlich nicht.

Am unerträglichsten war bisher das Interview mit Verkehrsminister Ramsauer nach der sonntäglichen Tagesschau. Die Arroganz dieses Menschen war schlicht zum Kotzen. Entschuldigung für diesen Ausdruck, alles andere wäre eine Verniedlichung des Erlebten. Auf den Vorhalt des Pressedirektors der Lufthansa an Ramsauer, warum das Ministerium bislang keine eigenen Messdaten erhoben habe, reagierte Ramsauer mit einer unglaublichen Polemik. Er warf Lufthansa vor, dass dort Profitstreben vor Sicherheit ginge und im Übrigen sei er gewohnt nur mit Lufthansa-Chef Mayrhuber zu sprechen.
Angesichts der unmittelbaren Gefahr nicht nur für die Luftfahrt- und Tourismusunternehmen, sondern für die gesamt Wirtschaft, hätte man sich zudem auch ein Engagement von Wirtschaftsminister Brüderle gewünscht. Pech gehabt, auch abgetaucht, wie zumeist.

Deshalb wollen die Bissigen Bemerkungen an dieser Stelle auch mal so richtig polemisch werden: Ein Land das sich einen Verkehrsminister wie Ramsauer und einen Wirtschaftsminister wie Brüderle glaubt leisten zu können (man könnte getrost noch die Bundesbildungsministerin hinzufügen), braucht eigentlich keine Naturkatastrophen mehr.

Den letzten Gag leistete sich am Sonntagabend die deutsche Flugsicherung, die für einige Flughäfen für wenige Stunden den Luftraum öffnete (wahrscheinlich als kleines Goodie unter dem medialen Druck der Fluggesellschaften). Abenteuerlich aber die offizielle Begründung „es habe sich ein Schlupfloch in der Asche-Wolke aufgetan“. Wie sie das festgestellt hat, wird wohl auch ein Geheimnis der Behörde bleiben.

Zum Abschluss und Aufmunterung für die leidgeprüften Mitarbeiter in der Touristik noch zwei kleine Geschichten:
Ein Freund von mir, der eine Reise bei Neckermann gebucht hatte (solche Freunde habe ich auch), rief mich fassungslos am Samstagnachmittag an. Sein Reisebüro in Mönchengladbach (ein sog. unabhängiges Reisebüro, d.h. keiner Kooperation oder Kette angehörend) habe ihm auf seinen Umbuchungswunsch die Auskunft gegeben, das könne er nur am Flughafen direkt machen und er müsse dort mit Gepäck erscheinen um seine Reiseabsicht zu demonstrieren. Echt kein Scherz! Und Frank Elstner bzw. Guido Cantz standen auch nicht als Erklärung zur Verfügung. Mein Freund rief dann direkt beim Neckermann ServiceCenter an. Nach minutelanger Wartezeit (absolut angemessen für diesen Tag), bestätigte man ihm, dass das Reisebüro in der Tat um 11.00 Uhr angerufen hätte, aber den Inhalt des Gespräches konnte man nicht bestätigen. Natürlich wurde mein Freund sofort telefonisch wie gewünscht auf einen späteren Termin umgebucht.

Und noch den zweiten Schmunzler in diesen harten Zeiten. Am Flughafen Köln/Bonn waren alle Geschäfte geschlossen, bis auf zwei: ein Lebensmittelmarkt und ein Sex-Shop hatten geöffnet. Damit konnten wenigstens die letzten Grundbedürfnisse der verhinderten Touristen gestillt werden.

Und eines konnte man auch noch machen. Am Samstag den Halbmarathon rund um den Airport Hannover laufen. Und hier die Erfolgsmeldung: ich habe meinen ersten Halbmarathon mit Erfolg und in der anvisierten Zeit absolviert. Ich hatte ja bis zuletzt mit einer Absage gerechnet, „wegen zuviel Asche auf der Laufstrecke“. Aber das einzige was meine Schuhe aufwirbelten, war ganz ordinärer Straßenstaub.

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ITB 2010 – „Same procedure as every year“ oder hat noch jemand einen Joker in der Tasche?

Schon wieder ITB (Internationale Tourismusbörse in Berlin)? Warum eigentlich? Ach so, die ITB gehört zur Branche, wie das Gaggern zum Eierlegen. Na, dann mal los, mit dem Gaggern, die ITB ist das ideale Forum dafür.

Leider hat Google einen Frühstart hingelegt. Die Meldung „Reisesuche im Web läuft prächtig“ hatte ITB-Format. Da hat Google mal so richtig auf die Pauke gehauen. „Suchanfragen, die typisch für die Einleitung konkreter Buchungsschritte sind“, das klingt gut. Sagt ja auch der „Head of Travel bei Google“. Das ist ein toller Titel, aber offensichtlich mehr Travel als Head.
Und das sind laut dieser Meldung die Super-Suchtrends:
„Pauschalreisen günstig“ plus 750 Prozent
„Flüge vergleichen“ sogar plus 917 Prozent
Was müssen das vorher für mickrige Zahlen gewesen sein, wenn man die so steigern kann? Aber solche prozentuale Steigerungen geben für die Berichterstattung eine Menge her, sind sie auch noch so absurd.

Dabei könnte die wirklich wichtige Meldung ungefähr so lauten:
„Die bereits bekannten Trends beschleunigen sich“.
– Polarisierung der Nachfrage wird noch stärker. Das untere Segment und das obere wachsen weiter. Gähn, gähn – ach wie langweilig. .
– Es wir noch mehr Spätbucher geben als letztes Jahr. Gähn, gähn – wie langweilig.
– All Inklusive wird noch weiter wachsen. Gähn, gähn – wie langweilig
Sorry, ist aber leider so. Interessiert aber nicht.
Dann versuchen wir es mal damit:
– Die Pauschalreise lebt noch. Ach was, das passt aber gar nicht in die Neuzeit.
– Die Reisebüros leben auch noch, die Veranstalter wollen sogar noch welche dazu erwerben. Ach was, das passt aber gar nicht in die Google-Zeit.

Ob ich noch zur ITB gehe? Na klar, will ja „mitgaggern“.
Deshalb müssen die BBBs noch schnell ein paar ITB-Meldungen erfinden:

Meldung 1: Die Kontrolle an den Eingängen der ITB wird dieses Jahr vom Personal des Flughafens München durchgeführt. Vor allem wenn Schichtwechsel ist, kann man auf die Messe mitschleppen was man will.

Meldung 2. Lufthansa wird bekannt geben wie der neue A380 heißen soll. Bekanntlich sind (wahrscheinlich durch Manipulation) innerhalb von 48 Stunden 8.000 positive Bewertungen für den Namen „Stalingrad“ eingegangen. Das will aber Lufthansa nicht gelten lassen. Jetzt soll der Super-Jet auf den Namen „Silke Kohlschitter“ getauft werden. Das ist die taffe Arbeitsrichterin vom Arbeitsgericht Frankfurt, die eigentlich LH-Management und VC-Cockpit blamiert hat, weil sie vormachte, wie man Einigungsgespräche sinnvoll führt. Besser kann sich LH nicht bedanken, dass sie Millionen an Streikkosten gespart hat.

Meldung 3: Der Fugzeughersteller Airbus sucht bekanntlich einen Käufer für seinen Toilettenhersteller Dasell. Auf der ITB wird die Bundesregierung bekannt geben, dass sie kaufen wird. Mit ihrem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ hat sie soviel „Sch….“ gebaut, dass professionelle Entsorgung benötigt wird.

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Sozialschmarotzer in der Reiseindustrie

Zu Lasten der Allgemeinheit fröhlich leben, ein aktuelles Thema an beiden Enden der Gesellschaft. Am einen Ende der Betrüger der gehobenen Klasse, der sein Geld ins Ausland geschafft hat, um keine Steuern zu zahlen und am anderen Ende der Empfänger von Sozialleistungen der partout jegliche Arbeit ablehnt (idiotischerweise aber noch aufwertend und bezahlt durch die Talkshows gereicht wird, siehe letzte Sendung Kerner).
Dazwischen gibt es noch die kleinen individuellen Sozialschmarotzer, die sich dann noch für besonders genial halten. So ein Typ (vielleicht auch mehrere) treibt sich auch durch die Reiseindustrie. Da gründet jemand ein Unternehmen der Reisebranche. Inhaber und einziger Mitarbeiter ist derselbe Typ. Geschäftszweck: Unter dem Deckmantel Reiseunternehmen zu sein, wird ausschließlich das Internet nach PEP-Angeboten durchsucht, um sie für sich persönlich zu nutzen.
(Für der Reiseindustrie fern Stehende sei erklärt: PEP-Angebote sind sehr preisgünstige Angebote der Reiseindustrie, von noch nicht ausgebuchten Flug- und Hotelkapazitäten, ausschließlich für Mitarbeiter der Reiseindustrie, die bei dieser Gelegenheit einzelne Zielgebiete besser kennen lernen sollen.)

Dieser Mann, nennen wir ihn mal mit seinem Vornamen Mateusz, das wird ihn besonders freuen, sucht über seine Homepage männliche Reisepartner, um mit Ihnen, durch Nutzung besagter PEP-Angebote, preiswert das ganze Jahr fröhlich durch die schönsten Gegenden dieser Welt zu fliegen. Andere Geschäfte betreibt dieses „Unternehmen“ nicht. Seine (zugegeben gut gemachte) Homepage (www.pep-travel.com) dient also allein der Partnersuche und die Reisebranche soll seine Reisen dann alimentieren. Ob der Typ auch noch DRV-Mitglied ist?
Auf der Homepage wird auch mit „seinen Geschäftspartnern“ geglänzt. Air Berlin ist demnach besonders präferierter Partner. Natürlich wird nur die Business-Class der Air Berlin gelobt. Man reist ja standesgemäß. Ob Air Berlin von ihrem „Edelpartner“ weiß?
Unter „über Firma“ wird sich dann selbst kräftig gelobt, dabei auch vor einem Plagiat nicht Halt gemacht. Die „Lustige Version über mich“ wurde schon vor Jahren als Beschreibung des Reiseexpedienten verbreitet. Der entsprechende Hinweis fehlt natürlich.

Die Bissigen Bemerkungen haben hierzu eine klare Meinung, sie ist identisch mit der Meinung über Steuerflüchtlinge ins Ausland und mit der Meinung über jene die sich mit Vorsatz vom Staat aushalten lassen: Verschweigen wäre eine Tat gegen die Allgemeinheit. Und wer rechtliche Bedenken hat einzelne namentlich zu nennen, kann gerne in seinem Rechts-Elfenbeinturm weiter träumen. Dann bricht „unser Laden“ irgendwann garantiert auseinander.
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In eigener Sache:
Seit kurzem sind die Bissigen Bemerkungen auch bei Facebook. Der „technische Begleiter“ der BBBs meinte, das müsse sein und hat eine Fanseite für die BBBs in Facebook eingerichtet. Obwohl erst zwei Wochen vergangen sind und ohne es zu publizieren, gibt es bereits 79 Fans auf der Fanseite. Da gilt es Danke zu sagen. Und bei allein 3.400 Abonnenten des Newsletters und nochmals 4.000 Lesern die jede Woche direkt auf der Homepage sich die BBBs zu Gemüte führen, kommen vielleicht noch einige Fans dazu.

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