Archiv für Zukunftsthemen

Neutrino-Witze für die Reisebranche

Ob einer der Grundpfeiler der Physik wankt oder ob sich auch Wissenschaftler mal verrechnen können, ist noch offen. Zitat: „Offenbar überlichtschnelle Partikel verblüffen derzeit Physiker am europäischen Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf. So genannte Neutrinos, ultraleichte Elementarteilchen, scheinen in einem Experiment schneller zu fliegen als das Licht“. (siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,788156,00.html).

Sofort erschienen im Netz absurde Neutrino-Witze. Der Gag bei den Neutrino-Witzen: Ursache und Wirkung werden in verkehrte Reihenfolge gesetzt – die Pointe kommt nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn (weil Neutrinos eben schneller sind).

Hier der beliebteste Neutrino-Witz: Der Barkeeper sagt:
„Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht“. Ein Neutrino kommt in die Bar.
System verstanden?
Auf die Touristik übertragen könnte ein Klassiker so lauten:
„Ich habe eben meine Beschwerde an den Reiseveranstalter abgeschickt. In zwei Wochen fahre ich in Urlaub.“

Oder bezogen auf die QTA-Tagung der entsprechenden Reisebüro-Kooperationen ab 30.9. in Salzburg könnte es heißen:
„Bösl hat eine prima Eröffnungsrede gehalten. Bösl geht zum Rednerpult.“
Oder noch heftiger:
„Die Podiumsdiskussion hatte Biss. Ich fahre am Freitag nach Salzbug zur QTA-Tagung.“
Jetzt noch etwas schwieriger:
„Schluss mit den Neutrino-Witzen, die habe ich alle schon auf der QTA-Tagung gehört.“

Und jetzt noch ein Neutrino-Witz für Fortgeschrittene:
„Meinen nächsten Urlaub buche ich wieder im Reisebüro. Ich buche nur noch im Internet“.

Wenn Sie liebe Leserinnen und Leser gute Neutrino-Witze über die Touristik wissen (oder erfinden) bitte gleich an die BBBs direkt schicken (post@karl-born.de), die besten werden nächste Woche veröffentlicht.

Hier noch die Bemerkung von Alice Schwarzer zum Neutrino-Experiment: „Neutrinos die zu früh kommen sind sicher männliche Exemplare.“

Und zum Schluss noch ein Klassiker des englischen Science Fiction-Autors Douglas Adams zum Thema Lichtgeschwindigkeit, übertragen in Neutrino-Logik:
Es gibt es nur eins, was sich schneller bewegt als Lichtgeschwindigkeit: Schlechte Nachrichten. Man hat deswegen Raumschiffe gebaut, die mit schlechten Nachrichten betrieben wurden, aber die waren überall wo sie hinkamen so unbeliebt, „dass sie gar nicht abgeflogen sind“.

Und zum Abschluss noch diesen:
Weil sie ihrer Zeit voraus sein wollen. Warum schreiben die BBBs einen solchen Mist?

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Diskriminierungs-Geschrei an der falschen Stelle

Der Weltluftfahrtverband IATA hat den Prototyp einer vollautomatischen Sicherheitskontrolle vorgestellt. Endlich, kann man nur sagen, wurden die Empfehlungen echter Sicherheitsexperten berücksichtigt. Die Passagierströme werden dabei durch drei unterschiedliche Tunnel geleitet, in denen die Fluggäste und ihr Handgepäck im Vorbeigehen gescannt werden. Dabei muss das Handgepäck bzw. der Laptop nicht mehr auf ein Laufband gelegt werden. Die Kontrolle erfolgt tatsächlich „im Vorbeigehen“. Das allein wäre schon ein Vorteil gegenüber heute.

Aber, und jetzt kommt der nächste und gravierende Vorteil. Die Tunnelgänge sind mit unterschiedlich hohen Sicherheitsstandards ausgestattet und können deshalb mit unterschiedlicher Geschwindigkeit passiert werden.
Vielflieger, die ihre persönlichen Angaben in einer Datenbank hinterlegt haben, werden anhand ihrer Pass- und biometrischen Daten erkannt und gehen sehr schnell durch die erste Röhre.
Wer anhand seines Passes als Passagier mit „normalem Risiko“ identifiziert wird, geht durch die zweite Röhre. Hier prüft ein Scanner, ebenfalls im Vorbeigehen, etwas intensiver, z.B. auch nach Sprengstoffspuren.
Die dritte Röhre ist für Risiko-Passagiere. Hier sind die Scanner darauf eingestellt schärfer zu kontrollieren.
Die IATA glaubt, dass dieses Modell in fünf Jahren Wirklichkeit werden könnte. Man geht davon aus, dass ein Drittel der Passagiere sich als Vielflieger (mit ihren biometrischen Daten) registrieren lassen würden und 60 Prozent der Passagiere als „Normalrisiko“ eingestuft würden. Dies würde zu einer wesentlichen Beschleunigung im „Durchfluss“ führen und vor allem sehr viel Stress und Ärger vermeiden.

Bereits als ich die Nachricht las, war mir klar, dass zumindest zwei Personen mit ihrem üblichen „Geplärre“ die Nachrichten belästigen würden. Genauso war es auch. Der immer schon in den Morgennachrichten omnipräsente Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses Wolfgang Bosbach (CDU), (hat er evtl. Schlafstörungen?) beklagte sofort die „Gefahr der Diskriminierung“. Passagiere könnten fragen , warum sie anders behandelt werden als andere.
Verflucht und zugenäht, dann könnte ich auch jedes Mal fragen, warum ich am „Economy-Check in“ anstehen muss, wärend andere über rote Teppiche am First class-Schalter eingecheckt werden und natürlich beim Sicherheitscheck ebenso eine eigene Line haben. Also, über Geld darf man diskriminieren?? Aus Platzgründen wollen wir nicht die vielen ähnlichen Fälle des täglichen Lebens anführen, die uns spontan einfallen, bei denen „erlaubterweise“ mehr als deutlich „diskriminiert“ wird und zwar zumeist über den Faktor Geld.
Und dann noch unsere Bundesjustizministerin Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, bei der man sich echt fragen muss, wie weit entfernt von der realen Welt sie eigentlich lebt. Sie sprach sofort von einer Stigmatisierung von Fluggästen, wenn man sie unter anderem planmäßig nach Religion einteile. Wer sich schon mal das Lufthansa First Class- und Business-Class-Publikum angeschaut hat, wird hier eine bunte Mischung aus allen Religionen, Hautfarben usw. feststellen. Und wenn es sich hierbei um Vielflieger, mit hinterlegten biometrischen Daten handeln sollte, würden diese alle durch Tunnel Eins gehen. Selbstverständlich.
Und wenn man sich nur mal die Mühe machen würde, das Profiling-System zu verstehen, dann würde man allerdings in der Tat erkennen, dass es in den weit überwiegenden Fällen gewisse „gemeinsame Merkmale“ gibt.

Heute fühle ich mich jedenfalls bei jeder Sicherheitskontrolle als potenzieller Terrorist diskriminiert und stigmatisiert.

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Korrektur zur BBB von letzter Woche: Jetzt hatten wir endlich mal einen spuckenden Vulkan mit einem netten Namen, den Dubbi in Eritrea. Da kam schon die Korrektur des Vulkanbeobachtungszentrums. Es war nicht der Dubbi, sondernd der Nabro. Er war und jetzt kommt ein sehr schönes Zitat „seit Menschengedenken nicht mehr ausgebrochen, er schlief seit mindestens 10.000 Jahren“. Menschengedenken und 10.000 Jahre in einem Zusammenhang. Großartig.
Aber vielleicht war es auch nicht der Nabro. In der Nähe gibt es noch den Gufa, den Jalua und den Alid (nicht zu verwechseln mit Aldi).

Im Reiseradio (www.reiseradio.org) geht es um Urlaub auf dem Wasser, ein absolutes Trendthema. Und welche Gegend würde sich besser eignen als die Mecklenburger Seenplatte auf der es über 1000 Seen gibt? Reiseradio stellt ganz neue, innovative Möglichkeiten vor, wie man auch ohne Bootsführerschein langsam durch die Fluss- und Seenlandschaft dümpeln kann. In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird darüber spekuliert was man alles verkaufen könnte um zu „Geld zu kommen“. Natürlich wird auch über den Ort Hallstatt gesprochen, aber nicht über jenen im Salzkammergut, sondern über das nachgebaute Hallstatt in China. Und zuletzt wird noch darüber nachgedacht, was man mit den abgestellten 300 Zügen machen könnte, bei denen sich das Eisenbahn-Bundesamt beharrlich weigert die Freigabegenehmigung zu erteilen (und das schon seit vielen Wochen).

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Mein erstes mal ….. mit einem Bodyscanner

Vollkommen überraschend und chancenlos hatte der Autor dieser Zeilen sein erstes eigenes Zusammentreffen mit einem Bodyscanner (das Wort Nacktscanner wird hier aus Scham nicht verwendet) am Flughafen Zürich. Und es war deprimierend demütigend.
Alle verdächtigen Gegenstände wurden vorher ordnungsgemäß in ein Körbchen gelegt. Dann der Schritt in den Scanner, der aussah wie eine große teure Duschkabine, Hände hoch und ab ging das Gerät. Mist, es piepte!
Also mit der Handsonde abgetastet, nichts gefunden. Ende gut, alles gut. Nein. Als ausgewiesener „Freund“ der Security Checks (siehe BBB vom 4.1.2010 „2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten?“) wollte ich jetzt genau wissen, warum das Gerät unberechtigterweise bei mir piepste. Man zeigte mir nun das Scanner-Foto, das in der Tat nur ein Piktogramm war, mit einem kleinen Karo an der verdächtigen Stelle, ungefähr in Hüfthöhe. Was soll dieses Verdachtskaro, wenn an dieser Stelle nun nachweislich kein verdächtiger Gegenstand vorhanden ist. Die Antwort des Security Mannes war nicht nur demütigend, sondern leider auch etwas zu laut: „Dieser Warnhinweis kann auch ertönen, wenn an dieser Stelle eine Fettspalte am Bauch ist, in der etwas versteckt sein könnte“.
Fettspalte? Und das zu einem Menschen, der seinem Körper in den letzten Monaten gerade mühsam 20 kg abgerungen und über die Halbmarathondistanz gequält hat? Entsprechend heftig mein Protest und man möge mir die Fettspalte bitte zeigen. Da wies der Obercontroller auf meinen Pulli hin, der gerade an dieser Stelle zugegeben etwas schlampig, also nicht glattgezogen, war. Auch eine solche Stofffalte würde den gleichen Effekt wie eine Fettspalte auslösen, so der tröstliche Kommentar.
Ich kann nur hoffen, dass die anderen am Band stehenden Mitreisenden, nicht nur den „Fettspalten“-Kommentar, sondern auch die Richtigstellung gehört hatten.

Merke: Wenn der Bodyscanner auf Dich wartet, vorher äußerst penibel die Bekleidung richten.

In Amerika hat man weniger Vertrauen, dass die dortigen Geräte nur Piktogramme zeigen würden. „Only my boyfriend sees me naked“ steht auf dem zwei Millimeter dicken Anstandsgummi, das weibliche Passagiere unter ihre Unterwäsche stecken und damit verdecken können, was der Sicherheitsbeamte nicht sehen soll. Grund der Aufregung: der United States Marshals Services musste einräumen mehr als 35.000 Bilder der Scanner gespeichert zu haben. Da fragte sich der einfache Bürger wozu und warum, wenn da nur Piktogramme zu sehen sein sollten.

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Hier noch ein kleiner politischer Kommentar. „Seehofer entgeht nur knapp Kollision mit Geisterfahrer“, beichteten die Medien in dieser Woche. In der Tat konnte der Chauffeur von Seehofer auf der A9 nur in letzter Sekunde einem entgegenkommenden Geisterfahrer ausweichen. „Das ist mir für viele Stunden in die Knochen gefahren“, so Seehofers Kommentar. Ein hoffentlich prägendes Erlebnis, denn jetzt weiß Seehofer auch, wie sich seine Berliner Parteifreunde fühlen, wenn er andauernd als „politischer“ Geisterfahrer unterwegs ist.

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BBB-Spezial zum Thema Bildung: Roland Kochs brutalst möglichste Frechheit

Es ist nicht zu fassen, was sich der hessische Ministerpräsident Roland Koch in dieser Woche an unglaublicher Frechheit geleistet hat. Um den angehäuften Schuldenberg abzutragen, soll künftig auch bei den Kindertagesstätten (Krippenplätzen) und in der Bildung gespart werden.

Wie schreibt Spiegel online so treffend in bester BBB-Manier:„Koch weiß, wie sich Banken (auch welche mit Sitz in Frankfurt) auf dem amerikanische Immobilienmarkt getummelt haben und Kreditsondermüll als Gold verkauft haben. Er weiß auch wer in Deutschland davon profitiert, dass Spekulanten die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen immer stärker in die Höhe getrieben haben. Seit 2008 hätte er täglich strenge Regeln für die Banken fordern müssen. Nun soll es die Jugend, beginnend bei den Dreijährigen, ausbaden“.

In Anlehnung an seine idiotische Formulierung (inhaltlich und sprachlich) von der „brutalst möglichsten Aufklärung“, als in Hessen CDU-Spendengelder als „Vermächtnisse toter Juden“ deklariert waren, kann man seine neue Forderung nur als „brutalst möglichste Frechheit“ bezeichnen. Eigentlich müsste dies einen solchen Aufschrei in der Bevölkerung nach sich ziehen, dass jetzt endgültig seine Tage als verantwortlicher (?) Politiker gezählt sein müssten.

Jetzt könnte man das ganze als „Schamlosigkeit eines einzelnen Herren“ abtun. Das wäre schon schlimm genug. Aber es ist zu befürchten, dass es auch ein Versuchsballon sein könnte, um die Reaktion in der Bevölkerung zu testen. Denn umgehend krochen weitere Dummschwätzer wie Ratten aus ihren Löchern. Der sächsische Ministerpräsident Tillich wird mit dem Satz zitiert: „Mehr Geld macht nicht automatisch klüger“, ein Job als Ministerpräsident offensichtlich auch nicht. Auf seinen Umgang mit der Wahrheit (betreffend seiner Vergangenheit und mit Sponsoring) wollen wir hier nicht näher eingehen. Aber schon seine bisherigen Einsparungen in Sozialpolitik und Jugendbudgets gelten „in ihrer Brutalität als bundesweit einmalig“.
Laut Spiegel stehen viele Ministerpräsidenten bei dem Thema Einsparungen in der Bildung auf Seiten Kochs. Es gilt wohl die alte Volksweisheit „je dümmer ein Volk, desto leichter ist es zu regieren“.

Natürlich quakt auch die FDP zu diesem Thema. Otto Fricke, immerhin haushaltspolitischer Sprecher der FDP, „begrüßte den Vorstoß aus Hessen und erklärte, er sei für alle Einsparmöglichkeiten offen“. Ausgerechnet die FDP, die nach der Regierungsbildung in einer wahren Stellenschaffungs-Orgie neue Stellen im Regierungsapparat schuf, wie noch nie eine Partei zuvor, stellt sich jetzt an die Spitze der „Bildungssparer“. Nachdem jetzt auch noch der letzte Parteihansel versorgt ist, geht es dem Rest der Republik an den Kragen.

Ein Glück, dass es anscheinend noch ein paar Vernünftige gibt. „Man kann die Sanierung von Straßen und Brücken verschieben, nicht aber die Bildung einer Generation“, sagte der Kultusminister von Sachsen-Anhalt Jan-Hendrik Olbertz und erteilte trotz dramatischer Finanzsituation seines Landes Einsparungen in der Bildung eine Absage. Er ist es allerdings auch nur noch wenige Tage im Amt , weil er als Präsident an die Berliner Humboldt-Universität nach Berlin wechselt.

Bayerns Ministerpräsident Seehofer formulierte wesentlich schärfer: „Das ärgert mich. Es sei weder klug noch richtig, keine Kinderbetreuungsplätze mehr zu bauen und in der Bildung zu sparen“. Leider ist die Halbwertzeit von Seehoferschen Aussagen in der Vergangenheit immer ziemlich kurz gewesen.

Für den 10. Juni ist der „große Bildungsgipfel von Bund und Länder“ angesetzt. Da kann Frau Merkel beweisen was „Chefsache“ ist und ob wir wirklich eine „Bildungsrepublik“ sein wollen. Eigentlich müssten wir alle zu diesem Datum nach Berlin vor das Kanzleramt ziehen.

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Wie immer hier noch der Hinweis auf das Reiseradio (www.reiseradio.org) . In dieser Woche hören Sie u.a. einen Bericht zum PowWow der amerikanischen Reiseindustrie und einen Schwerpunkt zum Rad-Tourismus. Die akustischen Bissigen Bemerkungen beschäftigen sich wieder einmal mit der Sicherheitshysterie, im Mittelpunkt diesmal der Flughafen in Graz.

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Verdammt noch mal, überhaupt nichts dazugelernt.

Schon wieder wurde der Luftraum geschlossen, wenn auch „nur“ über Süddeutschland. Und wieder nur auf vage Angaben des Wetterdienstes für die Flugsicherung („da ist eine Wolke“). Wieder hat sich die Politik vor der Entscheidung gedrückt. Wieder ging vor der Entscheidung kein Forschungsflugzeug in die Luft. Ach so, war ja Sonntag, da haben die „Forschungsflieger“ frei. Montagnachmittag ist auch noch ein Tag.
Und in den einschlägigen Chats wie z.B. Focus online, schreiben die Leute auch noch „die werden schon wissen was sie machen“. In welchem obrigkeitsgläubigen Staat leben wir eigentlich. Mein etwas süffisanter Kommentar dazu wurde dann von focus online nicht akzeptiert, passte wohl nicht in den Tenor der Berichterstattung.

Eigentlich sollten die heutigen BBBs sich mit dem Thema Griechenland beschäftigen.
Na, ja. Auch dazu passt die Überschrift.
Da werden locker 100 Mrd. Euro von der EU für Griechenland bereitgestellt und gleichzeitig sollen IWF-Sparkommissare (evtl. zusätzlich noch welche von der EU) nach Griechenland geschickt werden. Das Abwicklungsprogramm, das im Moment vorgeschlagen wird, der Glaube mit riesigen Geldtransfers alles regeln zu können, die Auswirkungen auf die heimische Produktion, die ungleiche Lastenverteilung zu Ungunsten der unteren Bevölkerungsschichten, bei gleichzeitigem Profit der Geld gebenden Banken, das habe ich doch schon irgendwann und irgendwo einmal gelesen. ?? Jetzt weiß ich wieder, warum es mir nicht sofort eingefallen ist. Damals hieß es nicht IWF sondern Treuhand.
Prima, dann wird in 10 Jahren der Nachfolger von EU-Kommissionspräsident Barroso eine Griechin sein. Herzlich willkommen Angeliki Merklopoulos.
Wer meint dieser Vergleich hinkt, ok, aber so ganz abwegig ist er nicht.

Setzen wir noch einen drauf. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass die griechische Tourismusindustrie dieses Jahr nicht gerade ihre erfolgreichste Saison haben wird. Dabei wäre die griechische Tourismussaison so einfach zu retten gewesen. Wenn die Regierung der Bundesrepublik von den gegebenen 22 Mrd. Euro einen kleinen Teil zurückgehalten hätte mit der Begründung: Jeder deutsche Griechenlandurlauber bekommt die Kosten seines Urlaubs in Griechenland von der Regierung ersetzt. Der daraus folgende Boom wäre die unmittelbarste Hilfe für die griechische Tourismusindustrie (und zudem indirekt für weitere Teile der griechischen Wirtschaft) gewesen.
Sie meinen dieser Gedanke wäre absurd? Aber noch absurder ist es 22 Mrd. Euro zu geben ohne parallel dazu mit aller Kraft eine Regulierung der entsprechenden Finanzmärkte zu beschließen. Die werden nämlich jetzt die großen Gewinner sein, zu Lasten von uns allen.
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Heute im Reiseradio: Supertrend SPA und Interviews mit Prof. Karasek und Konsul Rahe (Arosa-Hotels). Und in den Bissigen Bemerkungen hören Sie allerlei Nettes über unsere griechischen Freunde.

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Dumm, dümmer, Flughafen München – und was uns demnächst passieren kann

Eigentlich wollten die Bissigen Bemerkungen vorerst nicht mehr über das Thema „Sicherheit an Flughäfen“ schreiben, aber das unglaubliche Versagen am Münchner Flughafen kann nicht unkommentiert bleiben. Es passt einfach so schön bestätigend zu unseren Bissigen Bemerkungen vom 4.1.2010 („2010 – ein Jubeljahr für Nacktscanner-Fetischisten?“).
Da löst der Laptop eines Passagiers Alarm aus, Die Sicherheitsleute bemerken es, leider mit einer Reaktionszeit, die auf übermäßigen Genuss von Valium schließen lässt. Der Passagier jedenfalls hatte inzwischen Jacke und Mantel vom Band genommen, seinen Laptop abgewischt (!) und war verschwunden. Wie immer im Nachhinein großes Super-Action. Aber niemand konnte sagen wo der Passagier abgeblieben war.
Die aktuelle Informations-Nummer die nun die Verantwortlichen „abziehen“ ist noch peinlicher. „Alles kein Problem“, war nur ein doppelter Fehlalarm: erstens war im Laptop kein Sprengstoff und zweitens sei der Passagier nicht geflüchtet, die Auswertung der Videobilder zeigen, dass er nochmals durch die Sicherheitskontrolle ging. Entschuldigung, seid Ihr total bescheuert? Das soll mich beruhigen? Da wird ein Mann intensiv am Flughafen gesucht und der läuft seelenruhig ein zweites Mal an den Sicherheitsleuten zur Kontrolle vorbei. Das ist Wahnsinn pur.
Wer sagt mir, dass der Mann nicht doch ein Terrorist war, der nur einmal austesten wollte, wie pennerhaft die Sicherheitsleute am Flughafen München arbeiten.

Ich stelle mir gerade vor, es gäbe in München schon die Nacktscanner. Und da zeigt das Computerbild einen Mann mit einem Sprengstoffgürtel. Wahrscheinlich würde der Beamte sofort seine Kumpels rufen „Hey kommt mal her, da könnt ihr mal einen Sprengstoffgürtel sehen“. Der nächste kommentiert „Ah, ist ja richtig interessant“, ein weiterer fängt an aufzuzählen wie viel Sprengstoff dran ist. Und wenn sich die allgemeine Begeisterung über diesen wertvollen Fund, der nur durch den Nacktscanner aufgedeckt werden konnte, gelegt hat, ist der Passagier schon längst verschwunden.

Mir macht jetzt schon Kummer, was passieren wird, nachdem unsere amerikanischen Sicherheitsfetischisten die Münchner Story gelesen haben. Das gibt garantiert eine neue Sicherheitsanweisung an die Europäer. Wahrscheinlich muss man künftig vor der Sicherheitskontrolle seinen Pass abgeben, den man erst zurückbekommt, wenn alle Bilder, Tests und Hundeschnauzen ausgewertet sind. Ganz großes Kino jedenfalls.

Aber schon zeichnet sich am Horizont die nächste Sicherheitsstufe nach Nacktscanner und Nacktfliegen ab. Japanische Forscher haben Goldfische ohne Hautpigmentierung gezüchtet. Die jetzt lichtdurchlässigen Schuppen geben die Sicht auf sämtliche Organe frei. Im nächsten Jahr will diese Forschergruppe auch transparente Frösche „zur Marktreife bringen“ (Originaltext). Da haben wir es doch. Irgendwann in nicht zu ferner Zukunft dürfen nur noch genmanipulierte transparente Fluggäste fliegen. Da kann man auch nichts mehr im Körper verstecken. Und die Zeit für Handgepäck in der Kabine ist ohnehin schon bald abgelaufen. Das wurde jetzt auch erstmals aus Kreisen der Reiseindustrie gefordert. Nein, nicht von Ryanair, sondern von Vural Öger von Öger-Tours.

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Dabei hätte es noch so viel in dieser Woche zu berichten gegeben. Zum Beispiel die Absage von Ryanair für Flüge am 20.Januar nach Dublin. Das Deutsch auf deren Homepage, hatte das Format chinesischer Gebrauchsanweisungen in Deutsch vor 20 Jahren. Auf jeden Fall Kabarett reif.
Und, und, und, vielleicht in der nächsten Woche.

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2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten?

Alles Gute für 2010! Keine Branche freut sich so sehr auf das neue Jahr wie die Flughafen-Sicherheitsindustrie. Endlich hat man einen „guten“ Grund um noch mehr aufzurüsten. Eine ganze Branche und übereifrige Populisten (einige Voyeure sind nicht auszuschließen) rufen gemeinsam Halleluja, das Jahr fängt ja gut an. Endlich können wir die Diskussions-Klamotten vom letzten Jahr wieder aus der Schublade holen und unsere lieben und teuren Nacktscanner verkaufen. Der große Coup, den die Pharma-Industrie mit ihren Schweinegrippe-Impfstoffen nicht ganz geschafft hat, die Sicherheitsfirmen haben gute Chancen ihn zu realisieren. Vorneweg der sog. „Innenexperte“ der CDU, Wolfgang Bosbach. Von Merkel zum zweiten Mal bei der Kabinettsbildung mit Vorsatz übersehen, hat er wieder als erster gewusst was das Land braucht: Nacktscanner. Wirklich schlimm, wie sich einige Politiker bei diesem Thema voreilig austoben dürfen.

Bevor man über die nächste Sicherheitsstufe diskutiert, könnte man aber auch aus dem Folgenden Konsequenzen ziehen:
— Angeblich wurde der Attentäter in Amsterdam an den Sicherheitskontrollen
vorbeigeleitet („armer Verfolgter aus Sudan, dem man das ersparen sollte“).
— Wenn man es geschickt anstellt, kann man auch in Deutschland alles Mögliche an den Kontrollen vorbeischleusen (siehe BBBs vom 5.4.2009 „Wie man mit 5 Liter Flüssigkeit locker an der Flughafen-Sicherheitskontrollen vorbei kommt“).
— Die Gewerkschaft der Polizei berichtet, dass es Bundespolizisten bei Tests immer wieder gelinge Waffen (die heute schon erkannt werden müssten) an den Kontrollen am Flughafen vorbeizuschmuggeln, und zwar in einem erheblichen Prozentsatz.
— Werden wohl nicht nur in Amsterdam Leiharbeitskräfte beschäftigt, bei denen die persönlichen Sicherheitsstandards nicht mit gleicher Konsequenz überprüft werden (können/sollen?). Wie schlecht die Stimmung „dieses Personals“ zumeist ist, dürfen wir Passagiere immer wieder aufs Neue „erleben“.
— Bekommt man im Duty-free-Shop vieles von den Dingen, die man vorher abgenommen bekommen hat. Aber das Sortiment hier einzuschränken, das schafft niemand. Zu sehr stehen hier handfeste wirtschaftliche Interessen auf dem Spiel. Und im Zweifel schlägt Profit die Sicherheit (alte Lebenserfahrung).
— Und was die ganze Informations-Sammel-Neurose der Amerikaner wert ist, kann man am besagten Attentäter von Detroit präzise verfolgen. Man wusste soviel über diesen Mann, hat es aber im entscheidenden Moment nicht zusammen bekommen. Und jetzt wollen unsere „Freunde“ noch mehr Informationen vorab.

Wir, die lieben Fluggäste, werden diesem Mehr an Sicherheit nicht entgehen können, ob es etwas bringt oder nicht. Das einzig Gute an alledem. Die Mehrzahl der Fluggäste weiß dies, entgegen der politischen Hysterie, richtig einzuschätzen. Sie ärgern sich zwar tierisch bei den Flughafenkontrollen über Unfreundlichkeit und vieles deren Sinn sie nicht nachvollziehen können, aber sie fliegen trotzdem. Und das ist gut so.
Aber irgendwo muss Schluss sein mit dem größten Unsinn. Denn als nächste Diskussionsstufe steht an: Versteck von Sprengstoff in einer „rektalen Körperöffnung“. Was das dann bedeutet kann sich jeder selbst ausmalen. Einige BBB-Leser haben als Kommentar zu den BBBs vom 30.11.2009 sich bereits geäußert (Sicherheitscheck erspart den Gang zum Urologen). Und die Folge danach heißt konsequenterweise „Nackt fliegen“. Das ist nur theoretisch lustig. Denn, liebe Leserinnen und Leser, die Person an die Sie jetzt freudig denken, sitzt garantiert im Flugzeug nicht neben Ihnen.

Dabei könnte man das ganze Thema auch in anderem Licht sehen. Einmarsch in den Irak, Guantanamo, Kunduz, Truppenaufstockung in Afghanistan einerseits und mehr Sicherheit bei uns („Was war zuerst, Henne oder Ei Diskussion“). Aber nur nicht nachdenken. Dabei können wir diesen Wettlauf nur verlieren. Ein einzelner wird immer eine Möglichkeit finden auch das engmaschigste System zu unterlaufen (siehe oben).

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In eigener Sache:
Vielen Dank liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen für Ihr Interesse im Jahr 2009. Über 320.000mal wurden die Bissigen Bemerkungen gelesen, entweder von den inzwischen mehr als 3.300 Abonnenten oder auf der Homepage direkt. Die imposante Steigerung gegenüber 2008 lässt vermuten, dass wir mit Themenauswahl und Stil ganz gut liegen. Wir werden uns weiter anstrengen, auch wenn das nach mehr als 437 Ausgaben der BBBs nicht immer ganz einfach ist. Aber vor allem die positiven schriftlichen und mündlichen Kommentare motivieren

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Frühbucherfrist bis Ende Juli?

Alle sprechen von einem tollen Last Minute-Sommer, zumindest quantitativ. (Nur so nebenbei, das wurde von den Bissigen Bemerkungen schon anfangs des Jahres genau so vorhergesagt. Dafür gab es dann auf der ITB leider mehrfach heftige Kritik. Was soll´s, das haben wir weggesteckt.). Aber oh Schreck, da kommt die Nachricht auf den Schreibtisch „Frühbucherfrist bis 31. Juli verlängert“. Ja, sind da jetzt einige total verrückt geworden? Zum Glück kam einige Zeilen später Entwarnung. Es handelte sich um die Einladung zur DRV-Jahrestagung im Dezember in Ägypten. Da ist frühbuchen bis zum 31.7. durchaus angesagt (gemeint ist mehr der zeitliche Vorlauf, weniger ein eventueller Mangel an verfügbaren Plätzen).

Themen wird es dann genügend geben, wenn man die Buchungsentwicklung dieses Sommers Revue passieren lässt. Auf der Tagung sollte man aber weniger theoretisch über Krisen, Krisenentstehung und wie stark haben wir alle unter der Krise gelitten palavern. Vielmehr sollten konkrete (nicht allgemeine!) Erkenntnisse dargestellt und die daraus notwendigen Folgerungen erarbeitet werden.

Zum Beispiel: Welche Konsequenzen muss man aus der kurzfristig extremen Ausweitung des Urlauberwunsches nach Al Inklusive ziehen? Und das nicht nur für die künftige Produktgestaltung und Preisbildung, sondern auch für die Infrastrukturentwicklung der wichtigsten Zielgebiete. Und wenn man weiterdenkt:
Wie schnell und wie stark wird dieser Trend für den Deutschland-Tourismus durchschlagen?

Anderes Beispiel: Wie kann die Branche auf die Entwicklung im Last Minute-Bereich reagieren? Dabei aber nicht nur an den nächsten Sommer denken, sondern an den nächsten Winter! Lassen wir mal den aktuellen Buchungsstand für den kommenden Winter beiseite, wer denkt jetzt schon an Winterurlaub. Wichtiger ist etwas anderes: Schon in zwei Monaten ist Bundestagswahl. Und unmittelbar danach, werden die dann Regierenden die Liste ihrer Grausamkeiten vorlegen. Erinnern Sie sich, liebe Leserinnen und Leser, an die Erhöhung der Mehrwertsteuer nach der letzten Bundestagswahl, als aus dem Wahlkampfversprechen der CDU von plus 2% und dem Wahlkampfversprechen der SPD von keiner Erhöhung, der „saubere mathematische Durchschnitt von 3% gebildet“ wurde? Stellen wir uns mal darauf ein, dass uns im 4. Quartal 2009 ähnliche Überraschungen präsentiert werden. Als Folge wird es die gleiche Verunsicherung der Bevölkerung hinsichtlich ihres Einkommens geben, wie anfangs dieses Jahres. Und wer noch an eine generelle Mehrwertsteuersenkung für das Gastgewerbe glaubt, wie gerade eben von den französischen Nachbarn vorgemacht, der glaubt auch die Erde sei eine Scheibe und Männer würden Frauen verstehen.
Die Konsequenzen für das Buchungsverhalten der potenziellen Touristen liegen auf der Hand. Da sollte man schon heute über eine entsprechende Kommunikations-Strategie nachdenken und nicht so schwer „in die Gänge kommen“ wie in diesem Sommer.

Die Geschichte von Luxor (Gloria und Untergang) sollte aber nicht zum Menetekel für die Branche werden. Also rechtzeitig „pro-aktiv“, so heißt das neue Zauberwort, gegensteuern. Die Preissenkungen sind ja schon ein Anfang, aber das alleine wird nicht reichen.

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Neuester Plan bei RTL: Dschungelcamp für Touristikbosse

Kaum ist die vierte Staffel des Dschungelcamps mit Rekord-Einschaltquoten zu Ende, planen die RTL-Bosse schon einen neuen Coup: Dschungelcamp für Touristikbosse.

Es war fast zu erwarten, dass die Fernsehmacher auf die Touristikbranche stoßen würden. Die Überlegung war schließlich einfach und zwingend. Wer leidet im Moment etwas an Publicity und könnte dringend zusätzliches Einkommen brauchen?

Da die Bissigen Bemerkungen als Berater für die neue Show angeworben wurden, bitten wir Sie liebe Leserinnen und Leser um Vorschläge: Wen möchten Sie im Dschungelcamp sehen? Und bitte mit Begründung warum?

Sollen insbesondere touristische Altstars ausgesucht werden? Sie bräuchten schließlich neue Publicity besonders und Altstars scheinen ja beim Publikum „in“ zu sein.

Oder denken Sie mehr an aktuelle Touristikmanager?

Wie wäre es zum Beispiel mit Michael O`Leary? Den würden die Zuschauer (und mancher Flughafenboss) bestimmt zu jeder Dschungelprüfung schicken und bis zuletzt im Dschungel lassen, damit er lernt wie man sich als Ryanair-Passagier fühlt.

Wie wäre es zum Beispiel mit Hans Rudolf Wöhrl? Seinem Publicity-Drang würde es sicherlich gut tun. Wenngleich hier die Gefahr wäre, dass er RTL anschließend das Camp für 1 Euro abkaufen würde um es dann für viel Geld weiter zu verscheuern. Auch nicht schlimm, nach dieser Staffel könnte es ohnehin keine bessere mehr geben.

Wie wäre es mit Willy Verhuven? Seine Senkung des Treibstoffkostenzuschlages finden die Kunden toll. Aber die Konkurrenten wünschen ihn dafür in den Dschungel.

Oder wie wäre es mit den Firmenbossen, denen gerade ein russischer Investor abhanden gekommen ist? Frisches Geld wäre ja nicht schlecht. Aber da gibt es auch Bedenken.
Achim Hunold von Air Berlin würde schon nach der ersten Folge rufen: „Hilfe holt mich raus, ich bin ein Star“. Schließlich wird er noch in Hannover als Knecht Ruprecht gebraucht um die Mitarbeiter von TUIfly von einer (eigentlich ohnehin sinnvollen) neuen Strategie zu überzeugen.
Vural Öger hat auch seinen Russen verloren. Aber wenn man Öger fragen wird, was im Moment schlimmer sei: russischer Investor weg oder Dschungelcamp oder SPD-Abgeordneter sein? Die Antwort kennen wir wahrscheinlich.

Oder können Sie sich Ernst Hinsken, den Tourismusbeauftragten der Bundesrepublik im Dschungel vorstellen? Warum nicht, bringt er doch eine Menge Erfahrung aus dem Berliner Polit-Dschungel mit.

Oder denken wir an Prof. Gerd Stöwer vom Flughafen Münster/Osnabrück. Sorry, dass wir seinen Namen hier erwähnen, weil er von der Person her nun wirklich nicht in das Dschungelcamp passen würde. Aber bei seiner Erfahrung mit Bachneunaugen und Fledermäusen hat er wahrscheinlich mehr Fachkenntnisse als alle anderen zusammen.

Für jemanden aus der Hotelbranche könnte es auch interessant sein. So schnell wie man hier zu 5 Sternen kommen kann!

Aber bitte niemanden von Condor vorschlagen. Beim nächsten Aschermittwochs-Fischessen würde ich mir nicht trauen etwas vom Fisch-Buffet zu nehmen.

Und zuletzt noch die aller heikelste Frage. Wer soll das Luder im Camp sein?

Auch da haben die Bissigen Bemerkungen schon eine Idee, denn unabhängig von Ihren Leser-Vorschlägen hat der Autor dieser Zeilen sich schon mal zehn Namen notiert und denkbare Gespräche und Diskussionen zwischen den Kontrahenten aufgeschrieben. Eine echte Hammer-BBB. Beim nochmaligen Lesen dieser Bissigen Bemerkungen wurde die inhaltliche Brisanz deutlich und damit die Gefahr als realistisch gesehen, danach zehn (allerdings evtl. ohnehin nicht vorhandene) Freundschaften zu verlieren. Deshalb wurde das Manuskript in einen Tresor gelegt und darf erst nach dem Tode des Verfassers (zusammen mit anderen aus den gleichen Gründen dort liegenden bislang unveröffentlichten Kracher-BBBs) der Leserschaft zur Kenntnis gebracht werden.
Aber vielleicht kommen Sie verehrte Leser und Leserinnen zu ähnlichen Erkenntnissen, die würden wir dann vollkommen skrupellos veröffentlichen und die eigenen Gemeinheiten dabei unterschmuggeln.

Die Bissigen Bemerkungen freuen sich auf Ihre Post.

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Abstieg, oh weh

Fußballfans kennen diesen tränenreichen Moment: Abpfiff im Stadion und der Abstieg steht fest. Time To Say Goodbye. Aber heute geht es nicht um Fußball-Abstieg, sondern um den Abstieg aus dem DAX. Seit 1990 spielte TUI (formerly named Preussag) in der 1. Liga. Bis jetzt.
„Nie mehr 2. Liga“ ist ein Supersong, „nie mehr 1. Liga“ weniger lustig. Denn ein Wiederaufstieg ist noch schwieriger als beim Fußball. Bislang schaffte dies nur ein einziges Unternehmen: Continental.

So ganz überraschend kommt das alles nicht. Schon am 30.8.2004 konnte man in den BBBS lesen: „Neues von der Bundesliga: Erstmals kämpft ein Logo gegen den Abstieg“. Damals war TUI, wie ein Wunder, nicht abgestiegen. Aber Wunder wiederholen sich selten. Und eines ist dieses Jahr ganz anders. Der von TUI gesponserte Fußballverein Hannover 96 steht auch auf dem letzten Platz. Hoffentlich berappeln sich wenigstens diese bis Ende der Saison. Denn „alter Arbeitgeber und Lieblingsverein abgestiegen“, da bekommt auch der Autor Beiß-Schmerzen.

Jetzt ist so ein Abstieg natürlich nicht gleich das Ende Welt. Jedes Schlechte beinhaltet irgendwo auch etwas Gutes (sagt man zumindest):
— TUI-CEO Frenzel ist nicht mehr dienstältester DAX-Chef. „Dienstältester“, das klingt nicht gerade frisch. Zumindest für einige Zeit ist er jetzt „dienstjüngster M-DAX Chef“, das klingt doch gleich jungendlicher.
— Ebenso muss Frenzel künftig nicht immer sein Gehalt in der Zeitung lesen. Die Gehälter der M-DAX Chefs interessiert kein Schwein.
— Die Presseabteilung der TUI AG hat künftig auch weniger Arbeit. Die „üblichen DAX-Umfragen“, wo der Chef Urlaub macht, was TUI zu x und zu y meint, fallen weg.
— Da es ohnehin ein (inzwischen unbestrittener?) Fehler war, dem Konzern den gleichen Namen wie dem Veranstalter zu geben, strahlen jetzt negative Nachrichten nicht mehr so stark auf den Veranstalter ab (weil von geringerer öffentlicher Bedeutung).
— Und nicht zu vergessen, wenigstens hieß der Aufsteiger nicht Salzgitter. Da hätten einige Preussag-Altaktionäre kräftig in ihre Aktie gebissen (wenn nicht sogar woanders hin).

Der Aufsteiger heißt K+S, ein offensichtlich sehr erfolgreicher Düngemittelproduzent. Da haben sich die BBBs doch aus Interesse mal die Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat angesehen. Und über welchen Namen stolpert man da? Frau Jella S. Benner-Heinacher, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz . Klingelt es, lieber Leser?
Na klar, die Frau sitzt auch im Aufsichtsrat der TUI AG.
War doch „besonders lustig“ in 2007. Da kündigte der Vertreter der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Wolfgang Krafczyk, Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat an und seine Chefin sitzt oben auf dem Podium im Kreis der Aufsichtsräte. Aber so etwas von pikant.
Natürlich kann man mit Frau Benner-Heinacher diesen Joke nicht zweimal machen. Dieses Jahr, so hörte man es zumindest aus den Kulissen, sorgte sie persönlich rechtzeitig dafür, dass der aufmüpfige Kraftzyk nicht wie gewohnt auf der TUI HV sprechen durfte.
Na wie auch immer. Das ist wahrscheinlich auch einmalig in der DAX-Geschichte. Mit Frau Benner-Heinacher steigt ein Aufsichtsrat (mit TUI) ab und gleichzeitig (mit K+S) auf. Komischerweise fällt einem da der Volksmund mit dem Spruch ein „Kratzende Katzen fallen immer auf die Füße“. Aber streichen wir das wieder.

Etwas anderes ist wesentlich wichtiger und ziemlich ernst zu nehmen. Als einer der Begründungen für den fast kometenhaften Aufstieg von K+S wird der steigende Bedarf der Schwellenländer an Düngemittel genannt. „Düngemittel statt Tourismus“ für die positive Entwicklung der 3. Welt? Darüber sollte man mal nachdenken.

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