Ein Tourist überquert die Straße

Zu dieser auf den ersten Augenblick harmlosen dpa-Meldung haben die „Bissigen Bemerkungen“ Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft um einen Kommentar gebeten.

Presseerklärungen aus dem Bereich Touristik:

Presseerklärung der TUI AG:
Wir haben beim Straßenüberqueren von deutschen und englischen Touristen signifikante Ähnlichkeiten entdeckt. Deshalb wurde der Auftrag erteilt, eine europäische Straßenüberquer-Plattform zu schaffen um entsprechende Synergievorteile heben zu können. Wir werden damit unsere Position des weltweit führenden Touristikunternehmens weiter ausbauen.

Presseerklärung THOMAS COOK AG:
Entscheidend für den künftigen Erfolg wird sein, wer seine Touristen am kostengünstigsten die Straße überqueren lässt. Wir haben deshalb ein neues Sparprogramm TCSCRP (Tourist Crossing Street Cost Reducing Program) mit einem Volumen von mehreren Mio Euro aufgelegt. Wir werden damit unserem Ziel näher kommen, der profitabelste Reisekonzern zu werden.

Presseerklärung alltours:
Wir freuen uns, dass die Touristen erst uns fragen, bevor sie die Straße überqueren.

Presseerklärung AIR BERLIN:
Unser Straßenüberquer-Shuttle ist ein voller Erfolg. Wir haben z. Z. 42 Rikschas im Einsatz. Als Fahrer bevorzugen wir ehemalige Frisöre, die es gewohnt sind, lange „auf den Beinen“ zu sein. Wir werden auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn es uns gelingt, die chinesische Rikscha-Mafia herauszuhalten.

Presseerklärung Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT):
Wir freuen uns, dass die Touristen zunehmend deutsche Straßen überqueren.

Presseerklärung Deutscher Tourismusverband (DTV):
Wir halten es für einen politischen Skandal, dass man nur die DZT um ihre Meinung gefragt hat und nicht auch den DTV.

Presseerklärung DRV:
Die Überlebenschance beim Straßenüberqueren ist nach einer Beratung im Reisebüro um 76% höher als bei ausschließlicher Information durch das Internet.

Presseerklärung BTW:
Dass der BDI-Vorstand sich erstmals mit der Frage des Straßenüberquerens und nicht nur mit der Frage der Straßennutzung befasst, zeigt den hohen Stellenwert den die Tourismusindustrie inzwischen erreicht hat.

Presseerklärung PROF. FÜHRICH, Reiserechtsexperte:
Wenn Touristen die Straße nicht überqueren können, haben sie ein Recht auf Reiserücktritt. Wenn die Reiseveranstalter nur Umbuchung anbieten, weil man statt von links nach rechts, ersatzweise die Straße immerhin noch von rechts nach links überqueren könnte, müssen das die Reisenden nicht akzeptieren. Sie haben ein Recht die Straße in der ursprünglich im Katalog ausgeschriebenen Richtung zu überqueren, anderenfalls dürfen sie kostenfrei stornieren.

Presseerklärung PROF. KARL BORN, Hochschule Harz:
Dies ist ein weiterer Beweis für die fehlende Innovationskraft der Großveranstalter. Warum müssen heutzutage Touristen noch immer persönlich die Straße überqueren?

Presseerklärungen aus der Politik:

Presseerklärung BUNDES-FINANZMINISTERIUM:
Da alle Straßenbenutzer eine Form der Kfz-Steuer oder eine andere Steuer zahlen müssen, ist das kostenlose Überqueren der Straße nichts anderes als eine verdeckte Subvention. Das können wir uns angesichts knapper Kassen nicht länger leisten. Es ist deshalb beabsichtigt eine Straßenüberquer-Maut einführen. Höhe und Zeitpunkt der Einführung sind noch offen.

Presseerklärung der CDU:
Wieder hat Schröder ein Wahlversprechen gebrochen.

Presseerklärung des KANZLERAMTES:
Es ist beabsichtigt, eine Kommission einzusetzen, die das Überqueren von Straßen durch Touristen überprüfen soll. Die Vorschläge dieser Kommission werden noch in die Agenda 2010 eingearbeitet und dann zügig 1:1 umgesetzt.

Presseerklärung Studio SABINE CHRISTIANSEN:
Das Thema am nächsten Sonntag wird heißen: Behindert das Straßenüberqueren durch Touristen die Zukunftsfähigkeit unseres Landes?
Diskussionsteilnehmer werden sein: Manfred Stolpe, Verkehrsminister und erfahrener Seitenwechsler, Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender und potenzieller Seitenwechsler, Ursula Engelen-Kefer, DGB-Frontfrau und Seitenbeharrerin, Prof. Jürgen Falter, Politologe, untersucht die politischen Motive von Straßenüberquerer und Ferdinand Meier, Bürger, der seit zwei Wochen vergeblich versucht die A2 bei Hannover zu überqueren.

BILL CLINTON, früherer US-Präsident:
Ich war mit dieser Touristin beim Straßenüberqueren zu keiner Zeit allein.

Presseerklärungen Wirtschaft:

Presseerklärung MEDIA-SATURN:
Nur Geiz ist geiler als Straßenüberquerung.

Presseerklärung BAHN AG:
Es ist besser, die Straßen zu überqueren, als die Gleise zu überqueren.

Presseerklärung BUNDESVERBAND DES DEUTSCHEN BESTATTUNGSGEWERBES:
Die Geschäftslage hat sich wegen der für uns negativen Veränderung der Alterspyramide verschlechtert. Teilweise wurde diese Entwicklung kompensiert durch ein Ansteigen der Zahl unvorsichtiger Touristen. Die Branche sieht jedoch mit Bedenken den generellen Rückgang der Touristenzahlen.

Sonstige Presseerklärungen.

MICHAEL SCHUMACHER, Formel 1-Weltmeister:
Sorry, mit diesem Verhalten des Touristen konnte ich nicht rechnen.

OLIVER STONE, mehrfacher Oscar-Preisträger u.a. für „JFK – Tatort Dallas“:
Die entscheidende Feststellung ist nicht, dass „der Tourist die Straße überquerte“, sondern die Frage „Wer überquerte die Straße zur selben Zeit, den wir in unserer Hast übersehen haben, während wir den Touristen beobachteten“.

SIGMUND FREUD JR.:
Die Tatsache, dass Sie sich mit dem Thema Straßenüberquerung beschäftigen, zeigt ihre sexuelle Unsicherheit. Wahrscheinlich haben Sie das tiefe Bedürfnis ihre Geschlechterrolle zu wechseln. Tun Sie es.

Sollten Ihnen weitere Presseerklärungen zu diesem Thema bekannt sein, bitten wir um Zusendung.

Die heutigen BBB wurden inspiriert durch die Geschichte „Warum überquert ein Huhn die Straße?“, die freundlicherweise von Leserin M.H. zugeschickt wurde. Für ähnliche Anregungen sind die BBB immer dankbar.

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