Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristik-Firmen

Im Jahr 2000 kaufte der deutsche Touristik-Konzern TUI die britische Thomson Travel Group und im Jahr 2001 kaufte der zweitgrößte deutsche Touristik Konzern C&N Touristic AG das britische Touristikunternehmen Thomas Cook Holdings Ltd. Der bislang unerkannte Hintergedanke der Briten bei diesem Geschäft: Wir lassen uns von den Deutschen aufkaufen und bringen dann unsere Leute an die Führung der deutschen Gesellschaft. 2006 war es dann, schneller als erwartet, soweit: Die beiden ranghöchsten Touristiker in Deutschland sind zwei Engländer.
Das wird in die Lehre von „Merger & Aquisition“ eingehen: Eine indirekte Übernahme anderer Firmen ohne Aufwendung eigener Geldmittel durch die List des „Trojanischen Pferdes“.

Es ist schon eine sonderbare Geschichte mit dem Kauf britischer Touristikfirmen durch deutsche Touristikkonzerne. Für jene, die später hinzukamen, aber auch für jene mit schwachem Gedächtnis (oder bewusstem Gedächtnisverlust) kurz die Geschichte. Der Brite Thomas Cook gilt allgemein als Erfinder der Pauschalreise, mit der Veranstaltung einer Reise von Leicester nach Lougborough zu einem Kongress gegen Alkoholmissbrauch (1841), was allein schon als geschichtlicher Treppenwitz betrachtet werden kann, angesichts der hohen Alkoholvernichtungspräferenz englischer Touristen. Nach neueren Erkenntnissen soll zwar die erste Pauschalreise schon drei Jahre vorher (1838) zu einer Hinrichtung nach Bodwin stattgefunden haben. Aber damit will sich die Branche nicht identifizieren. Das wäre auch ein zu schöner Einstieg für jeden heutigen Beschwerdebrief.
Wie auch immer, die Engländer haben das touristische Massenreisen erfunden.

Und so waren sie auch für viele Jahre die absoluten Reiseveranstalterweltmeister. Thomas Cook sowieso, quasi per Namen, und später, bis in die neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts, war Thomson der größte europäische Reiseveranstalter. In der zweiten Hälfte jenes Jahrzehnts überholte die deutsche TUI dann Thomson und wurde selbst zum größten Reiseveranstalter Europas (dies nur um die Legendenbildung zu beenden: TUI war also schon größter Reiseveranstalter Europas bevor Preussag bei TUI einstieg!).

Dann fing das Bankhaus WestLB an in der Touristik „rum zu fummeln“. Die WestLB beteiligte sich aus unerfindlichen Gründen (und gewiss nicht im eigentlichen Auftrag einer westdeutschen Landesbank) an der Reisebürokette Thomas Cook und an noch anderen artfremden britischen Gesellschaften (letztlich alles Verlustbringer und einige meinen sogar der Beginn des Abstiegs der WestLB). Später beteiligte sich die WestLB auch an der TUI. Und wiederum später übernahm (musste?) Preussag dann die gesamte Thomas Cook Holdings und begann diese in TUI zu integrieren. Da dies sehr laut als strategischer Erfolg verkündet wurde, wollte C&N, die deutsche Nr. 2, nachziehen und verkündete (dummerweise oder raffinierterweise?) ebenfalls sehr laut den anstehenden Kauf von Thomson. Obwohl der damalige Preussag-Vorstand laut und vernehmlich die von C&N gebotene Summe „als utopisch und nie verdienbar“ bezeichnete, entschloss man sich an einem lauen September-Wochenende noch ein paar Scheinchen draufzulegen und selbst Thomson zu kaufen um auf jeden Fall die Nr. 1 in Europa zu bleiben. Deshalb behaupten einige (natürlich „bösartiger Weise“) das Problem der Preussag/TUI habe einen Namen, nämlich Thomson, und der Beginn des Abstiegs sei präzise auf dieses September-Wochenende im Jahr 2000 zu terminieren. C&N konnte somit nur noch die inzwischen von Preussag abgegebene Thomas Cook Holdings kaufen.

Völlig unbemerkt, begann von da an, immer mehr aus den (noch nicht erkannten) Trojanischen Pferden herauszutropfen. Zuerst nur etwas Mentalität. Da insbesondere Top-Manager in Hannover etwas anglophil angehaucht waren, galt diese Mentalität in vielen Dingen als weitsichtig. In Oberursel tropfte sogar soviel Mentalität aus dem Pferd, dass man gleich die ganze Firma in Thomas Cook umbenannte. Und es tropfte und tropfte. Die Flugplanung und vor allem der Umgang mit dem Internet wurden begierig aufgesogen. Dass der deutsche Urlauber anders tickt als der britische, papperlapapp, keine „Fakten der Ewiggestrigen mögen unsere Kreise stören“. Und so war es dann bald soweit. Da man immer nach falschem Vorbild schaute, konnte die hiesige Kopie nicht gelingen. Und schwupp, jetzt im Jahre 2006 war es soweit. Das Konzept Trojanisches Pferd ist (allerdings mit massiver hiesiger Mithilfe) aufgegangen: Thomson-Boss Peter Rothwell wurde Cheftouristiker von TUI und Fontenla-Novoa von Thomas Cook GB wurde sogar CEO von Thomas Cook AG.

Kompliment an die Insulaner! Aktion voll gelungen. Aber jetzt habt ihr auch alles an der Backe. Jetzt schaut mal, wie ihr da wieder herauskommt.

Nur zur Klarstellung: Mit Trojanischem Pferd war natürlich an die Geschichte aus der griechischen Mythologie gedacht und nicht an das Computer-Virenprogramm Trojanisches Pferd (auch Trojaner genannt). Oder was hatten Sie liebe Leser gedacht?

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