Offener Brief der „Bissigen Bemerkungen“ an den chinesischen Staatspräsidenten

„Sehr geehrter Herr Hu Jintao,
wir möchten Ihnen vorsorglich mitteilen, dass wir leider nicht an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele teilnehmen werden. Bitte verstehen Sie das nicht als Protest. Dies ist auch keine Absage, wir hatten schlicht die Teilnahme nie geplant. Insofern beziehen wir uns hier auf gleich lautende Aussagen unserer Kanzlerin Merkel und unseres Außenministers Steinmeier.
Leider bekommen wir das ganze jetzt auch nachträglich nicht mehr auf die Reihe. Da geht es uns wie unserem UN-Generalsekretär Ban. Sehr geehrter Herr Jianto, Sie sollten nur wissen, das hat ausschließlich terminliche Gründe. Wie Herr UN-Generalsekretär Ban, planen wir aber stattdessen einen „substanziellen“ Besuch kurze Zeit später in Ihrer Volksrepublik.
Es kann durchaus sein, dass wir im Verlaufe der Spiele, circa 10 Tage nach der Eröffnung, noch in Peking eintreffen werden. Insofern beziehen wir uns hier auf gleich lautende Aussagen unseres Innenministers Schäuble. Schließlich haben wir immer während der Spiele die deutsche Mannschaft vor Ort unterstützt und es gibt keinen Grund dieses in diesem Jahr nicht zu tun
Sehr geehrter Herr Staatspräsident, das sollte nur klargestellt werden, denn wir wollen keinesfalls die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Ihrem und unserem Land belasten.
In diesem Sinne grüßen wir Sie sehr herzlich und vielleicht sehen wir uns sogar im Stadion.
Bis dann
Ihre
Bissigen Bemerkungen.“

Liebe Leser der Bissigen Bemerkungen, sollten Sie in den nächsten Tagen auf die gerade aktuell werdende Frage „Sollen Touristen China als Reiseland boykottieren“ angesprochen werden, gehen Sie einfach weiter. Diese Frage ist für die chinesische Regierung noch unbedeutender als der berühmte „umfallende Sack Reis in China“. Wenn Sie noch mehr bedrängt werden, bieten Sie an, im Verlaufe des Jahres einmal weniger Peking-Ente essen zu gehen. Wenn Sie aber unbedingt ein moralisches Zeichen setzen wollen, dann beginnen Sie Ihre nächste China-Reise doch einfach erst am zweiten Tag. So etwas macht bestimmt auch bei unserer Regierung ungeheuren Eindruck.

Was die Bissigen Bemerkungen damit sagen wollen? Wir haben es einfach satt, dass Touristen mal wieder als Moralapostel „missbraucht“ werden sollen. Warum soll für Touristen die moralische Messlatte höher gelegt werden als für den Rest der Welt?
Der Kontakt zwischen Touristen und einheimischer Bevölkerung bewirkt im Zweifel mehr als Moral-Geschwätz. Insofern lohnt es sich nur um Reisefreiheit im Land und Bewegungsfreiheit der Einheimischen zu kämpfen. Dabei hilft Wegbleiben in keiner Weise, sondern nur unbedingtes „Hingehen- und sich dort Frei-Bewegen-Wollen“.

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