Ben Akiba: Alles schon mal dagewesen

Ob der Rabbi Akiba tatsächlich vor 2000 Jahren „alles schon mal dagewesen“ gesagt hat oder ob der Dramatiker Karl Gutzkow diesen Spruch nur „seinem Ben Akiba“ in den Mund gelegt hat, weiß niemand so genau. Aber wir alle stolpern manchmal über Ereignisse, bei denen uns spontan in den Sinn kommt „das war doch schon mal dagewesen“. Dabei muss das nicht 100% exakt gleich sein, sondern nur in etwa so erinnerbar.
Ein solches Déjà-vu hatten sicherlich viele Leserinnen und Leser der Wirtschaftswoche als sie direkt zwei Seiten hintereinander auf „alte Bekannte“ trafen.

Déjà-vu 1: Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl verkaufte seine erst im Juni erworbene Fluggesellschaft Flynext an die Unternehmerin Ingrid Bischoff, Mehrheitsgesellschafterin der Fluggesellschaft Germania und Witwe des legendären Germania-Gründers Hinrich Bischoff. Da erinnert man sich doch: Anfang 2005 verkaufte Wöhrl die Mehrheit der erst zwei Jahre zuvor erworbenen Fluggesellschaft dba an Hinrich Bischoff (der diese Anteile allerdings wenige Monate später wieder zurück gab). Erstaunlicher als diese „Wiederholung“ ist jedoch, dass jetzt schon die neunte von ihm gekaufte Fluglinie (sofern die Wirtschaftswoche richtig mitgezählt hat) wieder rasch über den Tisch an andere ging. Insofern hat Wöhrl den ihm von den BBBs in 2007 verliehene Titel GröFaZ, größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten, nachhaltig bestätigt. Aber noch erstaunlicher ist, dass Wöhrl in einer Mitarbeiterinformation (lt. Wirtschaftswoche) den Verkauf der Fluggesellschaft mit den „gegenwärtigen Verwerfungen in der deutschen Luftfahrt“ begründete und abschließend meinte „Flynext habe keine dauerhaft gute Perspektive“. Nicht diese Analyse als solche ist verwunderlich (sie ist sicherlich absolut zutreffend), sondern die Tatsache, dass trotz dieser „öffentlichen Analyse“ Hans Rudolf Wöhrl einen Käufer für genau diese „Airline ohne gute Perspektive“ gefunden hat.
Da er nach eigenen Worten im Moment über den Kauf einer europäischen Airline, „die sich in einer schwierigen Lage befindet“ verhandelt (ich glaube nicht, dass es jene Airline ist an die jeder jetzt denkt), können wir uns kurz danach sicherlich über Deal Nr. 10 freuen.

Déjà-vu 2: Thomas Middelhoff, auch in der Touristik hochgelobter Superstar vergangener Zeit, hat einen neuen Aufsichtsratsjob. Er wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Marseille Kliniken gewählt. Vorstandchef der Marseille Kliniken ist Stefan Herzberg, der vor wenigen Wochen dieses Amt von dem zuletzt wegen Bestechung verurteilten Ulrich Marseille übernommen hat. Und bei der Kombination Middelhoff und Herzberg fällt einem schnell ein, dass die beiden schon mal in gleicher Aufstellung „gespielt“ hatten. Auch bei Arcandor war Middelhoff Aufsichtsratsvorsitzender und Herzberg wurde von ihm zum Vorstandschef Karstadt berufen. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide werden gegenwärtig vom Arcandor-Insolvenzverwalter auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Zumindest letzteres muss sich ja bei den Marseille-Kliniken nicht unbedingt wiederholen. Aber bei einem Aktienkurs der vor wenigen Tagen auf 1,33 Euro sank, blinzelt manch professioneller Insolvenzverwalter schon mal vorsichtig hinter der Ecke hervor, um zu schauen ob es bald „Arbeit geben könnte“.

Um jegliches Missverständnis zu vermeiden, zwischen den genannten Personen zu 1 und 2 soll von den BBBs nicht der geringste Vergleich gezogen werden. Nur die Déjà-vus in sich sind bemerkenswert.

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Erholung

Die Bissigen Bemerkungen brauchen mal eine Woche Pause.
Am 10. Oktober geht es wieder weiter.

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Neutrino-Witze für die Reisebranche

Ob einer der Grundpfeiler der Physik wankt oder ob sich auch Wissenschaftler mal verrechnen können, ist noch offen. Zitat: „Offenbar überlichtschnelle Partikel verblüffen derzeit Physiker am europäischen Teilchenforschungszentrum Cern bei Genf. So genannte Neutrinos, ultraleichte Elementarteilchen, scheinen in einem Experiment schneller zu fliegen als das Licht“. (siehe http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,788156,00.html).

Sofort erschienen im Netz absurde Neutrino-Witze. Der Gag bei den Neutrino-Witzen: Ursache und Wirkung werden in verkehrte Reihenfolge gesetzt – die Pointe kommt nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn (weil Neutrinos eben schneller sind).

Hier der beliebteste Neutrino-Witz: Der Barkeeper sagt:
„Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht“. Ein Neutrino kommt in die Bar.
System verstanden?
Auf die Touristik übertragen könnte ein Klassiker so lauten:
„Ich habe eben meine Beschwerde an den Reiseveranstalter abgeschickt. In zwei Wochen fahre ich in Urlaub.“

Oder bezogen auf die QTA-Tagung der entsprechenden Reisebüro-Kooperationen ab 30.9. in Salzburg könnte es heißen:
„Bösl hat eine prima Eröffnungsrede gehalten. Bösl geht zum Rednerpult.“
Oder noch heftiger:
„Die Podiumsdiskussion hatte Biss. Ich fahre am Freitag nach Salzbug zur QTA-Tagung.“
Jetzt noch etwas schwieriger:
„Schluss mit den Neutrino-Witzen, die habe ich alle schon auf der QTA-Tagung gehört.“

Und jetzt noch ein Neutrino-Witz für Fortgeschrittene:
„Meinen nächsten Urlaub buche ich wieder im Reisebüro. Ich buche nur noch im Internet“.

Wenn Sie liebe Leserinnen und Leser gute Neutrino-Witze über die Touristik wissen (oder erfinden) bitte gleich an die BBBs direkt schicken (post@karl-born.de), die besten werden nächste Woche veröffentlicht.

Hier noch die Bemerkung von Alice Schwarzer zum Neutrino-Experiment: „Neutrinos die zu früh kommen sind sicher männliche Exemplare.“

Und zum Schluss noch ein Klassiker des englischen Science Fiction-Autors Douglas Adams zum Thema Lichtgeschwindigkeit, übertragen in Neutrino-Logik:
Es gibt es nur eins, was sich schneller bewegt als Lichtgeschwindigkeit: Schlechte Nachrichten. Man hat deswegen Raumschiffe gebaut, die mit schlechten Nachrichten betrieben wurden, aber die waren überall wo sie hinkamen so unbeliebt, „dass sie gar nicht abgeflogen sind“.

Und zum Abschluss noch diesen:
Weil sie ihrer Zeit voraus sein wollen. Warum schreiben die BBBs einen solchen Mist?

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Papst legt Verkehr lahm

So lautete die Überschrift im wöchentlichen Newsletter „early bird“ von eins-a-kommunikation (in einem Bericht über die Sperrung der A38 wegen des Papst-Besuches im Eichsfeld). Damit gelingt dem Papst endlich, zumindest temporär, worum er sich in der Vergangenheit auf „anderem Gebiet“ oft bemühte.

Gerüchteweise wollen auch die Spitzenmanager der „traditionellen“ Reiseveranstalter anreisen und mit weißem Benedikt-Seidenschal in der ersten Reihe sitzen und „Gottes-Stellvertreter“ um Hilfe bitten. Was ist in den letzten Jahren geschehen?

In den BBBs vom 6.12.2010 („Als der liebe Gott auf die Reisebürobranche sauer war – (k)eine Weihnachtsgeschichte“) anlässlich der DRV-Tagung in Marokko, wurde über die Reisebranche gelästert, weil sie fast ohne Gegenwehr der etablierten Branchenführer, die „Preisvergleichssysteme“ zum Goldenen Kalb erhoben hatten.
In jener Parabel hieß es weiter: “So schuf Gott im Zorn die X-Angebote. Die Erzengel meinten das sei zu plump…“ usw. usw.
Diese BBBs kann man nicht oft genug lesen, wenn man sich die kritische Entwicklung dieser Branche vor Augen halten will.

Aber die Branche setzte jetzt sogar noch einen drauf. Die führenden Manager/-innen der Reisebranche wählten Jasmin Taylor, die Chefin von JT-Touristik, die neue Ikone der Dynamischen Angebote und X-Angebote, nun zur Tourismusmanagerin des Jahres.
Echt großartig diese Branche, wie sie fast ohne Gegenwehr einer Fehlentwicklung applaudiert. Oder ist das schon Galgenhumor? Es ist allerdings zu befürchten, dass (auch) hier der Papst nicht mehr helfen kann.

Nur damit keine falsche Schlussfolgerung aufkommt. Gesamthaft hat Jasmin Taylor als Person, diese Ehrung absolut verdient. Eine tolle unternehmerische Leistung. Wer sonst hätte in diesem Jahr diesen Titel bekommen sollen? Deshalb auch an dieser Stelle ehrlichen herzlichen Glückwunsch.

Aber ein Branchenphänomen bleibt es. Oder kennt noch jemand ein vergleichbares Beispiel aus einer anderen Branche? Wenn ja, bitte mitteilen, dann korrigieren wir (vielleicht) unsere Meinung.

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9/11

Im stillen Gedenken. Dieser Tag ist selbst 10 Jahre danach noch unfassbar. Auch das Reisen hat sich für immer verändert.
Heute ist kein Tag für Bissige Bemerkungen.

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Aus für die Körperscanner, na endlich

Die BBBs sind nie müde geworden darüber zu lästern, die Körperscanner helfen nicht beim Sicherheitscheck. Ja, zu früh gefreut, liebe Körperscanner-Hersteller (siehe BBB vom 4.1.2010 „2010 – ein Jubeljahr für die Nacktscanner-Fetischisten“), es ist „aus und vorbei“ mit dem ganz großen Geschäft. „Zu hohe Störanfälligkeit“ lautet die offizielle Begründung. Selbst kleine Kleidungsfalten brachten die Geräte zum Piepsen (siehe auch BBB vom 19.9.2010 „Mein erstes mal ….mit einem Bodyscanner“).
Beim Testlauf am Hamburger Flughafen (übrigens auf ausdrücklichen Wunsch des damaligen Innenministers de Maizière) wurden sogar benutzte Papiertaschentücher und Schweißflecken zum nachhaltigen Störfaktor.
Die BBBs hatten schon bei der obligatorischen Saisoneröffnung des Travel Industry Club in Frankfurt am 11.1.2011 auf das offizielle Werbefoto von de Maizière hingewiesen. Der Minister hatte beim „Schaulaufen“ große Schweißflecken unter seinem rechten Arm. Was sagt uns das? Er stand offensichtlich nur zu Show am Scanner oder bei seinem Durchlauf war der Scanner nicht in Echtbetrieb, sonst hätte es damals schon ein großes „Piepsen“ geben müssen.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) findet man diese Woche u.a. ein Interview mit Dr. Völker Böttcher, über die aktuelle Situation bei TUI Deutschland und mit Berlins Kulturstaatssekretär Schmitz über Kultur als Umsatzbringer.
Zum Thema Reiseradio noch eine persönliche Anmerkung. Auf der ITB 2010 war das eine spontane Idee, das neu geschaffene Reiseradio könnte doch zum jeweiligen Schluss noch einige akustische Bissige Bemerkungen präsentieren. Keine Sekunde hatte ich damals daran gedacht, dass daraus mehr als 70 folgende Sendungen werden könnten. Und das zusätzlich zu den klassischen Bissigen Bemerkungen.
Auf Dauer ist beides für mich am Sonntagabend nicht zu schaffen. Deshalb muss ich leider die Bissigen Bemerkungen im Reiseradio aufgeben. Schade eigentlich!
Wenn Sie liebe Leserinnen und –leser der BBBs aber in Zukunft trotzdem noch über das Radioprogramm informiert bleiben wollen, dann empfehle ich die wöchentliche Mail des Radios (siehe website) zu abonnieren.

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Wie groß muss ein Quantensprung sein?

Die eine oder andere Managerrede kann einen schon belustigen, wenn man sich die eigentliche Bedeutung manch kraftvoller Worte vor Augen hält. So begeistert es die Bissigen Bemerkungen immer wieder aufs Neue, wenn das hochtrabende Wort „Quantensprung“ verwendet wird.
Wobei die Freude gleich doppelt ist. Zum einen muss man lächeln, weil mit diesem Begriff oft Kleinigkeiten (mit leicht aufgeplusterter Gebärde) als besonders großer Sprung verkauft werden sollen, zum anderen freut es den kundigen Zuhörer noch mehr, wenn er weiß, dass der Quantensprung im Sinne des Wortes eigentlich nur eine Kleinigkeit bedeutet.

Aus Höflichkeitsgründen verzichten wir auf die Aufzählung wer uns in letzter Zeit mit „seinem Quantensprung“ beeindrucken wollte, sondern kommen sofort zur Erläuterung. Bemühen wir ausnahmsweise mal Wikipedia, da finden wir:
„Ein Quantensprung ist definiert als kleinste anzunehmende Zustandsänderung. Da sich die Quantenmechanik mit atomaren und subatomaren Systemen befasst sind diese Übergänge sehr klein und in den meisten Fällen nicht mit einer qualitativen Veränderung des Gesamtsystems verbunden. Einfach gesagt ist ein Quantensprung eine Zustandsänderung in einem sehr kleinen System, also eine sehr kleine Änderung der Wirklichkeit. Umgekehrt ist jede noch so kleine Zustandsänderung immer ein Quantensprung, es gibt nichts kleineres“.

Liebe Leserinnen und Leser der BBB, das ist doch künftig fast wie bei des „Kaisers neue Kleider“ wenn man plötzlich auf den Kern manch großer Rede blicken kann. Umgekehrt können Sie selbst in Zukunft fast unscheinbare Weiterentwicklungen in Ihrem Arbeitsgebiet mit allerbestem Gewissen als „Quantensprung“ verkaufen. Und wird es bezweifelt, können Sie gleich eine Belehrung hinterherschicken. Das macht Eindruck.

Merke: Der „Quantensprung“ ist so aufregend wie der „Mentalitätswechsel“ und was sonst noch alles „vor der Tür steht“.

Und wenn wir gerade beim Spaß haben sind. Diese Erkenntnis war letzte Woche in einem Fachmagazin für Marketing zu lesen: „Ohne Fernseher kein Teleshopping“. Welch ein Quantensprung an Erkenntnis.
Und das war in einem Forum für Reiserecht zu lesen. Angeblich war in einer Rechnung von Dertour für eine Hotelbuchung für Leipzig (Sachsen) der Hinweis enthalten, man möge die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes beachten. Auch ein Quantensprung in der Weiterentwicklung der Reisehinweise beim AA.

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) wird im Gespräch mit Prof. Harald Zeiss, dem Leiter Nachhaltigkeitsmanagement bei TUI, der Frage nachgegangen, inwieweit All Inclusive-Anlagen Wertschöpfung im Urlaubsland bieten. Außerdem, was nur wenige Hörerinnen und Hörer aus eigener Erfahrung wissen, „wie lebt es sich als Kind in Hotellegenden?“. Die Chefin des Sacher in Wien und der Eigner des Baur au lac in Zürich, erzählen über die Herausforderungen einer Hoteliersfamilie.

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Ich bin dann mal weg…

Mit seiner Abschiedserklärung, mitten in einer Pressekonferenz, fast nach Art von Hape Kerkeling, ohne vorherige Info an seine Mitarbeiter, hatte sich Hunold schon für einen etwas „ungewöhnlichen“, vielleicht sogar unnötig „unschönen“ Abgang entschieden.
Wie auch immer, es wird heftig darüber diskutiert, was der größere Schocker am Donnerstagmorgen war, der plötzliche (und zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwartete) Rücktritt von Achim Hunold oder die Nachfolge durch den Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn. Beide hatten zuletzt nicht den besten Ruf in der Presse. So urteilte Spiegel online (treffend?) „Rambo I geht, Rambo II kommt“. Sicherlich nicht ahnend, dass beide Manager das nicht als Beleidigung, sondern eher als Kompliment auffassen würden. So entgegnete der ebenfalls höchst umstrittene Ex-EnBW-Chef (und Ex-Hannover 96 Präsident) Utz Claasen mal auf diesen Vorwurf „Lieber Rambo als Bambi“.

Zutreffender war da eher die weitere Formulierung bei Spiegel online „der Visionär geht, der Sanierer kommt“. So wie der „Vordenker“ zumeist noch einen „Nachdenker“ braucht, folgt dem Visionär in der Regel der Sanierer (Helmut Schmidt lässt grüßen).
Und bei Hunold kam, wie es kommen musste. Zuerst gleichermaßen von allen hochgelobt und jetzt gleichermaßen von allen niedergeschrieben. Wobei ich da an einen „Klassiker“ eines guten Hunold-Freundes denken muss: „Über Achim wird viel gesagt….., aber es stimmt auch viel“. Nur BILD stimmte nochmals eine Lobeshymne an. Wobei diese in Teilen eher peinlich (bis sehr peinlich) war. Dann doch lieber Rambo sein….

Aber eine Hunold Erkenntnis in diesem Interview sollte erwähnt werden. Auf die Frage, was er (Hunold) hätte rückblickend anders machen sollen, antwortete er: „Ich hätte noch stärker gegen die unsägliche wettbewerbsverzerrende Luftverkehrssteuer ankämpfen müssen“. Die BBBs haben nie verstanden wie schwach die Airlines hier reagiert haben (siehe BBB vom 6.9.2010 „Wenn Unvermögen zur Routine wird“, ebenso u.a. BBBs vom 14.6.2010, 19.7.2010 und 13.9.2010).
Aber, auch wenn es Hunold nicht gerne hört, die meisten Experten sind sich einig, dass der Kauf der LTU einer der entscheidenden Knackpunkt auf dem Weg zu schlechten Ergebnissen war. Es ist fast ein Treppenwitz in der Lebensgeschichte von Hunold, dass der wahrscheinlich emotionale Höhepunkt seines Wirtschaftslebens (siehe BBB vom 2.4.2007 „Achim Hunold: I had a dream“), der Kauf jener Firma die ihn Jahre vorher gefeuert hatte, gleichzeitig der Wendepunkt auf der Erfolgsleiter war. Der Kauf der LTU war zu teuer und fraß zuviel Energie und personelle Ressourcen, so die allgemeine Fachmeinung.

In den eben angeführten BBBs vom 2.4.2007 lästerten die BBBs auch über den LTU-Verkäufer Wöhrl, dessen unglaubliche Qualität darin besteht, „vermeintlich sanierte“ Gesellschaften zu einem hohen Preis zu verkaufen. Die BBBs „verliehen“ ihm damals den Titel: „GröFaz“: Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten!
Ausgerechnet dieser Wöhrl, den man deshalb vielleicht nicht zu Unrecht als einer der „Sargnägel“ von Hunold bezeichnen könnte, entblödet sich jetzt nicht in der Abendzeitung Nürnberg zu verkünden: „Ich habe noch keinen Anruf bekommen, aber ich traue mir zu, Air Berlin innerhalb eines Jahres zu sanieren“.
Spätestens an dieser Stelle beginnt man Hartmut Mehdorn zu lieben.

Das hat Hunold wahrscheinlich unterschätzt, wie heftig die Presse und die öffentliche Meinung in vielen Foren über seinen Nachfolger Mehdorn herziehen würde. Wobei die meisten sog. Gags in der Umwandlung von Bahnsprüchen in Air Berlin-Sprüchen bestand, die nicht unbedingt auf einer IQ-Skala zu heftigen Ausschlägen nach oben geführt haben.
Man sollte es einfach leidenschaftslos feststellen, zur Umsetzung des angedachten Sparprogramms (und vielleicht noch etwas mehr) braucht es einen Sanierer der bedingungslos und mit Schärfe an die Sache herangeht. Dafür ist Mehdorn zweifellos der richtige Mann. Und die ihm (mit Recht) angekreideten Fehler, er hätte viel zu viel Energie und (Geld) in den Börsengang der Bahn gesteckt und den Datenskandal verharmlost, werden ihm bei Air Berlin nicht im Wege stehen. Air Berlin ist schon an der Börse und die Mitarbeiter von Air Berlin sind es gewohnt, dass ihr Chef alles wissen will. Und zwar alles.

Aber in den fast 100 Presseberichten die ich über den oben beschriebenen Wechsel gelesen habe, ist ein großer Verlierer nirgends erwähnt worden. Es ist eine kleine sizilianische Firma, namens Averna. Sie wird in den nächsten Monaten einen deutlichen Umsatzeinbruch erleben. Die Kenner der Materie wissen warum.

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Es ist immer schwierig, eine Kolumne zu schreiben, wenn langjährige Weggefährten betroffen sind. Aber ganz kneifen, ist auch nicht BBB Art. Aber beides, Bissige Bemerkungen hier und akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio, wäre dann doch zu viel gewesen. Deshalb gibt es diese Woche nur das ganze normale Reiseradio ohne bissige Bemerkungen. Zumal diese Woche auch das Thema Entlassungen bei TUI noch angestanden hätte und das ist auch kein einfaches (vielleicht nächste Woche mal).

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Sex sells

Ausgerechnet Qantas möchte man sagen. Die australische Airline Qantas bietet ihren Kunden einen neuen Höhepunkt im Bordprogramm. Wobei „Höhepunkt“ durchaus wörtlich genommen werden darf. Die Fluggesellschaft erteilt jetzt an Bord ihren Passagieren eine ausführliche 45-minütige Orgasmus-Lektion. Es sei das beliebteste Programm unter den Passagieren, meinte ein Qantas-Sprecher zu dem 45-minütigen Film.

Ungefähr genauso lange brauchten letztes Jahr die Piloten einer Qantas, um eine A380 nach einem Start in Singapur wieder zurück zum Boden zu bringen. „Es habe so viele Warnmeldungen der Computer an Bord gegeben, dass es das elektronische System nicht mehr bewältigen konnte“, hieß es im damaligen Bericht. Exakt 50 Minuten (also gerade mal Orgasmus-Filmlänge) waren die Piloten mit dem Abarbeiten der Warnmeldungen beschäftigt. Letztlich schafften es die Qantas-Piloten, „eine Großraummaschine mit Übergewicht, einem brennenden Triebwerk, Löchern im Flügel, zerstörten elektronischen Systemen und einem Leck in den Treibstoffsystemen“ sicher zu landen. Diese Piloten haben ihr „Höhepunkt-Erlebnis“ wohl schon hinter sich.
Dabei muss man wissen, dass es schon zwei Monate vorher eine Qantas-Notlandung gab, als ein Teil des Motors einer B747 der Qantas abriss und den äußeren Teil des Triebwerksgehäuses beschädigte.

Ob da das Orgasmus-Filmchen reicht um den Ruf der Airline aufzupolieren? Vielleicht sind die Passagiere vom Film so „gefesselt“, dass sie nicht „aufgeregt“ auf irgendwelchen Geräuschunregelmäßigkeiten achten. Wobei Sex und Angst für manchen Fluggast auch eine interessante Verbindung sein kann.

Nur ganz nebenbei erwähnt. 15 Minuten aus dem Film sind auch bei YouTube eingestellt. Die interessierten BBB-Leserinnen und –Leser müssen nur ein bisschen suchen.
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Diese Woche ist auch das Reiseradio (ww.reiseradio.org) wieder in Aktion. Interviews gibt es u.a. mit Markus Orth, Chef von L`tur, einer der wenigen Bundesbürger, der sich über das schlechte Wetter jeden Tag aus Neue freut und mit Steffen Böhnke, der für TUI auf der Fernstrecke durchstarten will. Und für alle vom Regen abgenervten Zeitgenossen ist auch ein Bericht über das sonnige Tessin dabei.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen wird der Anstieg der Deutschland-Urlauber „kommentiert“, ebenso die „Liebe“ von Frau Fankhauser, dass sich ihr Mann im Urlaub nur eine Stunde mit dem Elend von Thomas Cook beschäftigen „muss“. Und natürlich muss auch gelästert werden über die Sensationsmeldung aus der Türkei: Frauen essen am AI-Buffet weniger, deshalb sollen sie jetzt 10% Preisnachlass bekommen.

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Ein neues Gesetz und keiner hat etwas bemerkt?

Bundeswirtschaftsminister Rösler im ARD-Sommerinterview: „Wir haben gerade ein Tourismusbekämpfungsergänzungsgesetz auf den Weg gebracht“.
Das ist kein Scherz, das hat Rösler wirklich gesagt. Falls der Beauftragte der Bundesregierung für Tourismus, Ernst Burgbacher, dieses Interview seines Parteifreundes zuhause vor dem TV gesehen haben sollte (sollte man eigentlich, wenn der eigene Chef im TV spricht), muss er doch vor Schreck blass geworden sein. Wahrscheinlich hat Burgbacher gleich danach im Ministerium angerufen mit der Bitte, ihm doch den Gesetzestext mal zu mailen.

Bevor jetzt alle im Tourismus Beschäftigte einen Kreislaufkollaps bekommen über dieses doch sehr überraschende Gesetz, haben die Bissigen Bemerkungen recherchiert, was es damit auf sich hat. Bedauerlicherweise ist weder auf der Homepage des Bundeswirtschaftsministeriums noch auf der persönlichen Homepage von Herrn Rösler das Interview nachzulesen. Aber auf der Homepage der FDP Kleinmachnow haben wir dann den Text nachlesen können. Und welch ein Wunder, statt des gesprochenen “Tourismusbekämpfungsergänzungsgesetzes”, steht da nun
“Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz”.

Die BBBs stellen abschließend fest:
a) Nimm nicht alles wörtlich was ein Minister sagt
b) War das eventuell ein Freudscher Versprecher? Und ist in Kürze „irgendein“ Gesetzeswerk gegen Tourismus zu befürchten?
c) Wie lange muss man nicht an der frischen Luft gewesen sein um sich einen solchen Gesetzesnamen wie „Terrorismusbekämpfungsergänzungsgesetz“ auszudenken. Da ist doch jeder Terrorist schon längst über alle Berge bevor unsere Polizei allein diesen Gesetzesnamen unfallfrei ausgesprochen hat.
d) Solche Wortungetüme haben bei unserer Regierung übrigens Tradition. Erinnern Sie sich noch an das seit 1.1.2010 geltende „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“. Allein der Name war schon eine Karikatur von Beschleunigung. Nur noch zur Erinnerung, im Zentrum jenes Gesetzes stand die Mehrwertsteuersenkung für die Hotellerie (powered by fdp!).

Falls jemand glauben sollte, der Versprecher im Interview sei von den BBBs erfunden, kann sich das Interview gerne ansehen unter: http://www.tagesschau.de. Aber unter Freunden, sie sollten sich das nicht freiwillig antun.

Zuletzt die Forderung der BBBs für diese Woche: Wir brauchen dringend ein „Fluglotsenstreikverhinderungsergänzungsgesetz“.

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