Selbsterkenntnis einer Kellnerin

Das Restaurant: klassifizierte Sternklasse. Die Küche: Sonderklasse. Fachkenntnis Wein: unübertroffen, jede Empfehlung ein Volltreffer. Diese Art von Restaurant muss man lieben. Die Speisekarte bleibt tabu, die Empfehlung des Küchenchefs ist nicht irgendeine allgemeine, sondern speziell auf den jeweiligen Stammgast zugeschnitten, die dazu passende Weinempfehlung perfekt. Hier ist (isst) man zuhause.
Aber mehr als ein Sternchen ist nicht drin, denn leider hat der Service noch deutlich Verbesserungspotenzial.

Die junge weibliche Servicekraft soll es nun bringen. Keckes Aussehen und noch keckere Sprüche, speziell in Richtung männliche Kundschaft. Formal nicht ganz okay, kommt aber an, zumindest solange die „Jungs“ beim Geschäftsessen unter sich sind. Beim privaten Essen mit Frau und Tochter fällt die Bewertung deutlich differenzierter aus.
Aber die letzte Kommunikation fürchte ich, war dann wirklich die letzte.
Es begann wie immer. Zuerst die italienische Vorspeisenplatte, sensationell. Der Wein hatte Format für standing ovations.
Aber die junge aufstrebende Service-Dame „haut“ die (heißen) Teller mit der Hauptspeise ziemlich heftig mit einem ebensolchen Spruch („Vorsicht, ich bin heiß“) auf den Tisch. Unübersehbares Missfallen (auch für die Servicekraft erkennbar) bei Frau und Tochter, der Mann nimmt es noch relativ gelassen.
Und dann beim Abräumen, der lockere, vielleicht sogar als Entschuldigung (?) gemeinte „Granaten-Spruch“ (wohlgemerkt im Sterne-Restaurant): „Hat es wenigstens geschmeckt, wenn der Service schon für `nen Arsch war?“
Da vergewissert man sich schon beim Tischnachbar, ob man richtig gehört hat.
Oh Leute, ich fürchte der eine Stern wird tatsächlich „bald am Arsch“ sein und den erhofften zweiten könnt ihr schon runterspülen.

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