Sozialschmarotzer in der Reiseindustrie

Zu Lasten der Allgemeinheit fröhlich leben, ein aktuelles Thema an beiden Enden der Gesellschaft. Am einen Ende der Betrüger der gehobenen Klasse, der sein Geld ins Ausland geschafft hat, um keine Steuern zu zahlen und am anderen Ende der Empfänger von Sozialleistungen der partout jegliche Arbeit ablehnt (idiotischerweise aber noch aufwertend und bezahlt durch die Talkshows gereicht wird, siehe letzte Sendung Kerner).
Dazwischen gibt es noch die kleinen individuellen Sozialschmarotzer, die sich dann noch für besonders genial halten. So ein Typ (vielleicht auch mehrere) treibt sich auch durch die Reiseindustrie. Da gründet jemand ein Unternehmen der Reisebranche. Inhaber und einziger Mitarbeiter ist derselbe Typ. Geschäftszweck: Unter dem Deckmantel Reiseunternehmen zu sein, wird ausschließlich das Internet nach PEP-Angeboten durchsucht, um sie für sich persönlich zu nutzen.
(Für der Reiseindustrie fern Stehende sei erklärt: PEP-Angebote sind sehr preisgünstige Angebote der Reiseindustrie, von noch nicht ausgebuchten Flug- und Hotelkapazitäten, ausschließlich für Mitarbeiter der Reiseindustrie, die bei dieser Gelegenheit einzelne Zielgebiete besser kennen lernen sollen.)

Dieser Mann, nennen wir ihn mal mit seinem Vornamen Mateusz, das wird ihn besonders freuen, sucht über seine Homepage männliche Reisepartner, um mit Ihnen, durch Nutzung besagter PEP-Angebote, preiswert das ganze Jahr fröhlich durch die schönsten Gegenden dieser Welt zu fliegen. Andere Geschäfte betreibt dieses „Unternehmen“ nicht. Seine (zugegeben gut gemachte) Homepage (www.pep-travel.com) dient also allein der Partnersuche und die Reisebranche soll seine Reisen dann alimentieren. Ob der Typ auch noch DRV-Mitglied ist?
Auf der Homepage wird auch mit „seinen Geschäftspartnern“ geglänzt. Air Berlin ist demnach besonders präferierter Partner. Natürlich wird nur die Business-Class der Air Berlin gelobt. Man reist ja standesgemäß. Ob Air Berlin von ihrem „Edelpartner“ weiß?
Unter „über Firma“ wird sich dann selbst kräftig gelobt, dabei auch vor einem Plagiat nicht Halt gemacht. Die „Lustige Version über mich“ wurde schon vor Jahren als Beschreibung des Reiseexpedienten verbreitet. Der entsprechende Hinweis fehlt natürlich.

Die Bissigen Bemerkungen haben hierzu eine klare Meinung, sie ist identisch mit der Meinung über Steuerflüchtlinge ins Ausland und mit der Meinung über jene die sich mit Vorsatz vom Staat aushalten lassen: Verschweigen wäre eine Tat gegen die Allgemeinheit. Und wer rechtliche Bedenken hat einzelne namentlich zu nennen, kann gerne in seinem Rechts-Elfenbeinturm weiter träumen. Dann bricht „unser Laden“ irgendwann garantiert auseinander.
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In eigener Sache:
Seit kurzem sind die Bissigen Bemerkungen auch bei Facebook. Der „technische Begleiter“ der BBBs meinte, das müsse sein und hat eine Fanseite für die BBBs in Facebook eingerichtet. Obwohl erst zwei Wochen vergangen sind und ohne es zu publizieren, gibt es bereits 79 Fans auf der Fanseite. Da gilt es Danke zu sagen. Und bei allein 3.400 Abonnenten des Newsletters und nochmals 4.000 Lesern die jede Woche direkt auf der Homepage sich die BBBs zu Gemüte führen, kommen vielleicht noch einige Fans dazu.

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“Lufthansa wird airberliniger” und andere Überraschungen

Manchmal gibt es Wochen, da weiß man mangels echtem Knaller wirklich nicht, worüber die Bissigen Bemerkungen berichten sollen (siehe BBB vom 9.2.09 „Albträume in einer Vollmondnacht“). Dann gibt es glücklicherweise wieder Wochen wie diese, da könnte man vor Freude gleich mehrfach zubeißen.

Eine kleine Auswahl gefällig?
1. Fusion von British Airways und Iberia: „Wenn zu einer Behinderung noch eine zweite dazu kommt, wird man nicht gesünder“ oder noch besser „Zwei Flügellahme wollen Jumbo werden“.
2. Angeblich kippt die Steuerermäßigung für Hotels: Das wäre fast Höchststrafe für einen Branchen-Doppelfehler. Zum einen hat sie extrem übertrieben ein nur zur Hälfte gehaltenes Wahlversprechen bejubelt (versprochen waren Steuerermäßigungen für Hotels „und“ Gastronomie). Zum anderen hat sie lauthals einen eigenen Wortbruch verkündet, nämlich die Steuerermäßigung nicht als „dringend notwendige Preisermäßigung“ weitergeben zu wollen, sondern „dringend notwendig für sich zu behalten“ (wofür auch immer).
3. Die Bundesregierung will mal wieder Streber sein und als erstes Land eine neue EU-Richtlinie umsetzen: Steuer auf das Essen im Flugzeug. Bei dem mageren derzeitigen Angebot an Bord kann da nicht viel Steuer anfallen.
4. TUI bietet Schönheits-OPs auf Reisen an und hat erfreulicherweise damit bei sich selbst angefangen: Malus verbessert, mehr Kapazitäten versprochen, Preise gesenkt, mehr „Extrawürste“ eingeführt und das ganze auch noch emotionaler verpackt. Wenn jetzt die Buchungstechnik noch stimmen sollte, wäre das alles eine „schlechte Nachricht“ für einige Reisebüros: Sie bräuchten ein neues Feindbild.

Aber der wirkliche Hammer der Woche war die Überschrift „Lufthansa wird airberliniger“ in Spiegel online. Da wird die Lufthansa-Presseabteilung beim Lesen ziemlich geschluckt haben, das war schon ein kleiner Kommunikationsgau. Aber auch inhaltlich kann dieser Ansatz, zumindest wenn er auch so gemeint sein sollte, nicht aufgehen. Alte BWL-Weisheit: „Wenn man die Konkurrenz kopieren will, macht dies nur Sinn, wenn die Kopie besser wird als das Original“. Wenn man das nicht kann, dann sollte man sich auf seine Stärken besinnen und diese intensivieren.
Kommentar eines Militär erfahrenen BBB-Lesers: „Nie auf das Schlachtfeld begeben, das der Gegner gewählt hat“. Und ein anderer BBB-Freund, mehr Fußball erfahren und offensichtlich auch sonst noch bewandert, gab den Hinweis: „Vermeide Auswärtsspiele (außer in der Liebe)“.

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Wenn Treulosigkeit belohnt wird: Mehdorn in das Board von Air Berlin berufen

Die Bissigen Bemerkungen haben ein Gedächtnis wie ein indischer Elefant. Deshalb erinnern sie sich auch sehr gut an den Mai 2006.
Es war wohl die schwierigste Phase im Leben von Air Berlin-Chef Achim Hunold gewesen. Der Börsengang wollte nicht auf Anhieb klappen. Das Air Berlin-Management rotierte. Die Mitarbeiter der Fluggesellschaft waren in Sorge, was mit ihrem Unternehmen passieren könnte. Freunde des Unternehmens fieberten mit. In dieser heißen Phase war jede gute Nachricht willkommen. Jede schlechte Nachricht brachte neue Erschwernis.
Genau in dieser Phase, in der man mehr denn je Freunde brauchte, sagte Hartmut Mehdorn seine im Prospekt für den Börsengang angekündigte Mitwirkung im Board der Air Berlin ab. Der Grund: Arbeitsüberlastung. Komisch, dass ihm das gerade jetzt in der Stunde der Not einfiel. Warum diese Arbeitsüberlastung „so plötzlich“ auftrat wurde nicht näher erläutert. Die Absage eines im Börsenprospekt angekündigten Boardmitglieds war jedenfalls ein weiterer Rückschlag für das Renommee der Fluggesellschaft.

Freunde von Air Berlin definierten diese plötzliche Absage jedenfalls vollkommen anders. Mehdorn, für den der Börsengang der Bahn außerordentliche Priorität hatte, wollte in dieser kritischen Phase nicht mit einem missglückten oder zumindest reduzierten Börsengang der Air Berlin in Verbindung gebracht werden. Da war Eigeninteresse wichtiger als kolportierte Freundschaft.

Bleibt die Frage: Ist Hunold nicht nachtragend oder hat er nur ein schlechtes Gedächtnis?

Ironie des Schicksals, der Börsengang der Air Berlin klappte im zweiten Anlauf reibungslos (übrigens benötigten viele bekannte Unternehmen zwei Anläufe), während der Mehdornsche Börsengang bekanntermaßen es nicht einmal zum Start brachte. Dafür darf er jetzt für ein börsennotiertes Unternehmen arbeiten.

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Analysten und andere Falschspieler

Die Bissigen Bemerkungen leisten sich den Luxus Sympathie und Antipathie ohne Zurückhaltung zu zeigen. Vor allem letzteres. Das kann nicht nur den einen oder anderen Manager betreffen (siehe BBB vom 7.6.2009), das können auch Unternehmen sein, die immer an der Grenze des Erlaubten arbeiten (allerdings zu oft auf der anderen Seite) wie Ryanair (siehe u. a. BBB vom 26.4.09, 2.3.09, 18.1.09). Künftig wollen sich die BBBs hin und wieder auch einzelnen Berufsgruppen (Pauschalierungsgefahr gerne in Kauf nehmend) zuwenden. Begonnen werden soll heute mit dem Buchstaben A wie Analyst.

Analysten werden immer mehr zu Totengräber der Wirtschaft. Wobei dies eigentlich eine Beleidigung für den ehrenwerten Stand der Totengräber ist, denn diese bringen ihre Kunden ja vorher nicht persönlich um. Besser ist eigentlich der Vergleich mit Spielerberatern unserer Bundesligafußballer. Hier geht es auch darum, irgendjemand jemanden anzudrehen, primär zum wirtschaftlichen Vorteil des Spielerberaters. Wobei hier wiederum die Vereine klagen, dass die Spielerberater immer mehr zu Totengräber des Fußballs würden. Irgendwie scheint sich der Kreis zu schließen.

Beide, Analysten und Spielerberater, hassen eines ganz besonders, das ist „Status quo“. Davon können beide nicht leben. Kaufen und Verkaufen, das ist ihr Leben, ohne Verkauf gibt es keinen Kauf bzw. umgekehrt. Also muss das Geschäft angekurbelt werden und Objektivität ist hierbei hinderlich. Bei beiden Berufsgruppen. Oder glaubt der geneigte Leser, dass ein Fußball-Spielerberater sich in besonderer Weise dem idealen Verhältnis Spieler/Verein verpflichtet fühlt? Wenn ja, dann bitte nicht weiterlesen, sondern weiterträumen.

Mag sich der unabhängige Leser auch immer ein bisschen besonders freuen, wenn es gegen Bayern München (um im Fußball zu bleiben) oder gegen TUI (in der Touristik) geht, so soll im Folgenden doch der neueste „Geniestreich“ der Analysten der Deutschen Bank gebrandmarkt werden. Mit einer Zielvorgabe von 1,90 Euro für die TUI wurde ja nicht nur TUI geschädigt. Durch den folgenden Kurssturz war es auch ein direkter Griff in den Geldbeutel vieler (ohnehin gebeutelter) TUI-Aktionäre.
Naive Landsleute würden vermuten, bevor eine so gravierende Bewertung die Bank verlässt, rechnet einer nochmals nach. Denkste (oder doch? Das wäre ja noch schlimmer). Jedenfalls musste sich der Deutsche Bank-Analyst direkt danach (als der Schaden bereits eingetreten war) korrigieren. Sein „Rechenfehler“ war ungefähr der Art, wie wenn früher ein Buchhalter Soll und Haben verwechselt hätte. Jetzt könnte die Geschichte hier mit allgemeiner Schadenfreude zu Ende gehen. Aber warum nicht? Weil Analysten eben Analysten sind. Flugs wurden nachträglich die Berechnungsparameter gegenüber der ersten Berechnung geändert (ohne jede glaubhafte Begründung), damit die Korrektur des Fehlers optisch minder schwer ausfiel.
Fazit: Zur Rechenschwäche kommt dann auch noch Charakterschwäche hinzu.

Das erinnert fatal an die Kursfestsetzung von 0,00 Euro für die Air Berlin-Aktie durch die Dresdner Bank im Juli 2008 (siehe u.a. Spiegel online vom 25.7.08). Allein die Festsetzung auf „0“ war eine unglaubliche provokante Frechheit. Und es wurde nie glaubhaft widerlegt, dass exakt dieses Bankhaus eine Menge Geld an dieser „Empfehlung“ verdient hätte.

Erinnern Sie sich noch an den Scherz zu Beginn der Bankenkrise, „man möge
doch nächste Weihnachten einen armen Investment-Banker zum Weihnachtsessen“ einladen. Hiermit verwirkt! Die würden mir noch im Ofen meinen Weihnachtstruthahn zu einem gewöhnlichen Hasenbraten abwerten.

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NATO-Gipfel in Baden-Baden und der unglaubliche Einsatz der deutschen Touristik

Am 3.4 und 4.4. findet der nächsten NATO-Gipfel gleichzeitig in Straßburg, Kehl und Baden-Baden statt. NATO-Gipfel und Baden-Baden? Das passt nicht zusammen.
NATO-Gipfel, das sind Drohungen gegen den Rest der Welt, das sind Geheimagenten und hochdekorierte Militärs, das sind vermummte Demonstranten, brennende Barrikaden, Tausende von Polizisten und Einwohner die ihre eigene Stadt kaum noch betreten können.
Baden-Baden dagegen ist Liebe, bezaubernde Boutiquen, Hotels in denen der Gast noch König ist, Restaurants mit exquisiten Speisen und Getränken, Frauen mit sexy russischem Akzent. Baden-Baden ist auch L´tur, wo man den Urlaub noch so spät buchen kann, dass es fast noch rückwirkend geht.

NATO-Gipfel in Baden-Baden ist wie Luzifer im Garten Eden, wie Boris Becker im Nonnenkloster oder wie Angela Merkel in der Sesamstraße (über letzteres könnte man noch diskutieren).

Ich sehe vor meinen Augen wie der berüchtigte Zaun vom letzten G8-Gipfel von Heiligendamm nach Baden-Baden gebracht und mitten durch die Stadt montiert wird. Familien die es nicht rechtzeitig geschafft haben gemeinsam auf einer Seite zu sein, werden tagelang voneinander getrennt. Der legendäre 8-sitzige Strandkorb von Heiligendamm muss für die 26 NATO-Mitglieder verlängert werden und zieht sich jetzt durch die komplette Fußgängerzone von Baden-Baden. Das berühmte Casino ist durch Militärstrategen belegt, die die Kugel rollen lassen um damit ihre Chaos-Theorie empirisch beweisen zu können. Versehentlich werden alle Leitungen zur L´tur-Hauptverwaltung gekappt. Deutschland ist ohne Last Minute-Angebote und das ausgerechnet in diesem Jahr. Das Management in Deutschlands Hotel Nr. 1, dem Brenners Parkhotel, zittert. Es erinnert sich welcher Aufschwung dem Kempinski In Heiligendamm vor dem Gipfel versprochen wurde und wie das Hotel kurz danach abstürzte.

Am letzten Tag des NATO-Gipfels kommt es zum GAU. Die Wahl des neuen Generalsekretärs platzt. Die deutsche Touristik bietet Hilfe an. Karlheinz Kögel, ex L´tur Vorstandsvorsitzender und Veranstalter des Medienpreises, der Erfahrung im Umgang mit „großen Tieren“ hat, wird vorgeschlagen. Abgelehnt. Wer nachweislich Menschen wie Mandela und den Dalai Lama auszeichnet ist zu friedvoll für die NATO. Die Touristik schlägt Air Berlin-Boss Achim Hunold vor, den Donald Rumsfeld der Fliegerei. Er hat Erfahrung widerspenstige Interessen unter einen Hut zu bringen, zumindest ansatzweise. Abgelehnt. Seine Hybrid-Strategie lässt sich nicht auf die NATO übertragen. Die Touristik legt nach mit Michael Frenzel von der TUI. Gerüchte laufen um, er hätte die berühmte Militärstrategie „flexible response“ erfunden, zumindest wendet er sie fast täglich an. Die NATO ist zufrieden, aber TUI gibt Frenzel nicht frei.
Als letzten Joker schlägt eine touristische Fachzeitschrift ex Arcandor-Boss Thomas Middelhoff vor. Der hat jetzt Zeit. Er präsentiert der NATO-Versammlung eine fantastische Vision für eine überaus erfolgreiche Zukunft der NATO und das in so faszinierenden Worten, dass niemand nach den Realisierungschancen fragt.
So bleibt auf viele Jahre hinaus die NATO mit der sog. „Baden-Badener Vision“ verbunden.

5. April 2009. Der NATO-Gipfel ist zu Ende. 15.000 Polizisten und 25.000 Demonstranten ziehen sich aus der Stadt zurück. Die 50.000 Einwohner von Baden-Baden, in den letzten Tagen zumindest numerisch entweder mit einem Polizisten oder einem Demonstranten verbunden, bauen ihre Stadt wieder auf. Sie werden sie wieder schön machen. Und danach wird Baden-Baden wieder Liebe sein, bezaubernde Boutiquen haben, in den Hotels wird der Gast wieder König sein, in den Restaurants werden wieder exquisite Speisen und Getränke angeboten werden und einige Damen werden wieder ihren sexy russischen Akzent hören lassen. L`tur wird noch mehr Last Minute verkaufen denn je und das Brenners wird wieder Deutschlands Hotel Nr. 1 sein.
Haben Sie es bemerkt? Ich liebe dieses Baden-Baden.

(Speziell zum NATO-Gipfel siehe auch den Blog: L`tur bloggt den Gipfel

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Ein NATO-Gipfel ist schon eine gigantische Sache. Aber innerhalb weniger Stunden zwei neue Großaktionäre für Air Berlin (TUI Travel plc und ESAS Holding) ist auch eine hochinteressante Geschichte. „Ja ist denn schon Ostern?“ würde „der Kaiser“ sagen, angesichts dieser zwei Ostereier im Nest. Dazu mehr in der nächsten Ausgabe der BBBs.

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Michael Frenzel räumt seinen Schreibtisch auf

So muss man es machen, wenn Kurzarbeit vor der Tür steht. Noch schnell den Schreibtisch aufräumen. Reederei Hapag-Lloyd schnell weg an jene in Hamburg, die unbedingt wollten. Zu mindestens am Anfang, jetzt weniger.
TUIfly schnell weg (wenn nicht ganz, dann zumindest ein Stückchen) an jemanden der sich gerne neue Probleme in die Firma holt, aber auch neue Gesellschafter (hoffentlich ohne Probleme, siehe weiter unten).

Aber Vorsicht, eventuell ist das Aufräumarbeit mit eingebautem Bumerang-Effekt?

Die Reederei wird wieder, wenn man genügend Zeit hat. Wahrscheinlich ist man damit auch Frederiksen los, der hat im Moment ohnehin größere Sorgen. By the way, gibt es eigentlich Guy Wyser-Pratte noch? (siehe BBB vom 8.10.2007 Wyser-Pratte: Böser Wolf oder braves Rotkäppchen?). Erstaunlicherweise hat so eine Finanzkrise auch etwas Gutes im Gefolge. Prima Heuschreckenvernichtungsmittel.

Und die Fliegerei? Das Germania-Modell überlebt seinen Schöpfer unter dem Dach der Air Berlin um viele Jahre. Germania-Flugzeuge bei dba, bei Air Berlin und bei Tuifly. Und alle fliegen jetzt (u.a.) für Air Berlin. Und wenn du eine Flugbegleiterin siehst musst du nicht unbedingt ihrer Uniform glauben, auf dem Firmenausweis steht eventuell ein anderer Arbeitgeber. Verrückte Fliegerwelt und deshalb so interessant, aber nur für Profis.
Apropos Gesellschafter bei Air Berlin. Erinnern Sie sich noch an die BBBs vom 23.9.2007 („Kuck´ mal wer da ein Cookie werden will“). Jetzt wird wohl aus einem ehemals angedachten „Drittel-Cookie“ ein „Fünftel-Hannoveraner“. Und bei der UBS in der Schweiz gammeln noch die Anteile von Blawatnik so vor sich hin. Irgendwann muss da mal Ordnung rein, da verliert man ja fast den Überblick.

Das Billigflug-Abenteuer ist damit für TUI wohl erledigt. War ohnehin eine Falschmeldung was einige Bosse von HLX in die Welt gesetzt hatten. „Damit käme Traffic auf die Webseite der TUI“. Quantitativ ja, aber das waren keine potenziellen TUI-Kunden. Sozusagen verirrte Verkehrsteilnehmer.
Wenn TUIfly die Versprechen hält, die ihre neue Werbung verspricht, das würde passen. Schon hört man erste Hoffnungen aus den Reihen des Personals. Können wir nicht wieder „Hapag Lloyd-Flug“ heißen, das waren doch unsere schönsten Zeiten. Wie sagt der Volksmund: „Kalten Kaffee und alte Liebe soll man nicht aufwärmen“. Fügen wir hinzu: „und alte Firmennamen noch weniger“.

Aber kaum zu glauben, die Überraschungs-Meldung der Woche war diese. Der designierte Chef des Frankfurter Flughafens soll doch tatsächlich in einem Interview gesagt haben: „bei den Sicherheitskontrollen am Flughafen soll künftig mehr gelächelt werden“. Er habe die Aktion „Mit Sicherheit ein Lächeln“ gestartet.
Kann man sich denn auf gar nichts mehr verlassen. Arme BBBs, so langsam geht der Stoff aus. Wie hieß es in den BBBs vom 5.12.2005 „Warum müssen die Sicherheitskontrollen an den Flughäfen so nervig sein?“ und im Text war zu lesen: „Warum müssen die Kontrollen so kundenunfreundlich sein. Kann man mit Unfreundlichkeit Terroristen abschrecken? Bestimmt nicht. Man kann damit nur harmlose Reisende ärgern.“ Ende des Zitats.

Was in letzter Zeit so alles an BBB-Geschreibsel in Erfüllung geht, ist ja nicht zu glauben. Minus-Preis, Gebühr für Flugzeugtoilette, die Namensarien bei Condor und Geschichtchen über TUI-Fluggesellschaften um einiges zu nennen.
Konsequenz: Jetzt sage ich einen riesigen Lottogewinn für mich persönlich voraus. Wenn eine der nächsten BBBs von den Bahamas kommt, dann wissen Sie Bescheid.

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ITB-Bemerkungen: Die Branche darf nicht die gleichen Fehler wie 2002 machen und wieso kommt dieses Jahr Knecht Ruprecht schon im März.

Bis vor kurzem noch war zu befürchten, dass die größten ITB-Aufreger die „Neuvorstellungen“ von Gabun, Tadschikistan und Turkmedistan sein würden. Aber da haben wir nicht mit dieser Branche gerechnet, im Guten wie im Schlechten. Kurzarbeit, Kapazitätsreduzierungen, geht TUIfly zu Air Berlin, gibt Air Berlin die LTU ab und kauft REWE jetzt Thomas Cook. Das werden wieder lange Nächte auf dieser ITB.

Wobei die Themen überhaupt nicht lustig sind. Aber das Allerschlimmste ist: die Branche ist dabei ihren historischen Fehler von 2002 zu wiederholen. Erinnern Sie sich noch? Unter dem Schock des 11. September 2001 stehend, von Buchungszurückhaltung anfangs des Jahres 2002 beeindruckt, gab die Branche im Frühjahr das Reisejahr 2002 schlichtweg verloren. Harte Sparmaßnahmen wurden durchgezogen. Lag der aktuelle Buchungsstand um 10% zurück, wurden beispielsweise die Anzahl der Check In-Schalter im Flughafen gleich um 15% reduziert usw. Jene, die noch reisten, traf die „volle Härte der Anbieter“. Zu Lasten der Buchenden wollte man unbedingt das Ergebnis retten. Die Noch-Nicht-Reisenden zum Buchen zu animieren, wurde zu keiner Zeit als ernsthafte Option verfolgt. Das Ergebnis ist bekannt: Die bis dato geltende ungeschriebene Regel „der Deutsche will auf seine Urlaubsreise nicht verzichten“, wurde erstmals und zwar ohne Gegenwehr der Industrie, außer kraft gesetzt.

Und genau das geschieht wieder, das Reisejahr 2009 wird schon heute verloren gegeben. Das fast göttliche „Gebot der Marge“ wird erneut der Börse auf den Altar gelegt. Kapazitätsreduzierungen anzudenken ist eine Sache, dass es die Branche jetzt als „die Nachricht“ verkündet, ist eine andere. Die Nachricht kann höchstens als Botschaft für die Börse von Wert sein, nur die Börse bucht keine Urlaubsreisen. Wer in der Krise zuvorderst die Marge will (muss), schwächt die Zukunft! (Eigentlich müsste hier stehen: „Versündigt sich gegenüber der Zukunft“).

Was ist das aktuelle Problem. In der Urlaubsbranche (anders als im Bereich der Geschäftsreise – man beachte dies bitte), haben wir es im Moment mehr mit Verunsicherung als mit bereits erfolgtem Verzicht zu tun. Da sitzen im Moment Millionen potenzieller Urlauber herum und denken total verunsichert, aber mit Sehnsucht, über Urlaub nach. Wenn potenzielle Kunden verunsichert sind, brauchen Sie „neue Anreize“ um zum Buchen zu kommen. Die gepriesene „Verlängerung des Frühbucherrabattes“ (womöglich noch mit dem Zusatz des „großen Erfolges wegen“) ist kein neuer Anreiz. Wollen wir wetten, dass die Marketing-Budgets der Reiseanbieter schon drastisch runtergefahren sind? Es lebe antizyklisches Verhalten!

Dieses Jahr hat alle Chancen ein Spätbucherjahr zu werden. Wer hat sich dafür mit welchen Mitteln vorbereitet? Alle warten anscheinend nur, wie das Kaninchen vor der Schlange, welcher „Böse“ jetzt den ersten Stein (= gleich Preisschlacht) wirft.

Aber ungestraft lässt man sog. Experten, die ihre Unglaubwürdigkeit bereits bewiesen haben, ihre Schreckenvisionen präsentieren. Ein Norbert Walter, der vor wenigen Monaten noch „gesichertes Hosianna“ verkündete, predigt jetzt mit gleicher Überzeugungskraft sein „Höllenszenario“. Zum Dank darf er dieses auf der ITB präsentieren, damit es noch mehr verbreitet wird.
Im Gegenteil dazu, kommt das Trendbarometer der Dresdner Bank zum Ergebnis, dass die Reiseausgaben der Deutschen in 2009 um 1% sinken werden. Aber diese Zahl 1% wird in der öffentlichen Darstellung mit einem Unterton versehen, nur vergleichbar mit einer 8,5 auf der berühmten Richterskala für Erdbeben.

Aber das ist beileibe nicht das einzige ITB-Thema. Da haben wir noch das grandiose Fluggesellschaft Theaterspiel. Air Berlin-Boss Achim Hunold in der doppelten Knecht Ruprecht-Rolle. Einmal bei TUIfly, da zeigt es bereits Wirkung und jetzt neuerdings in der gleichen Rolle bei LTU. Achtung. Das LTU-Personal ist hartgesottener als das in Hannover. Da wird die Ankündigung nicht genügen, da muss schon die Rute raus (wie immer diese heißen mag).

Und fast hätten wir es vergessen. Das mächtigste Marktverschiebungs-Potenzial steckt in der Geschichte „kauft REWE Thomas Cook?“. Interessant, wie in einem Fachzeitungs-Blog diese Meldung runtergespielt wird. Aber ein Norbert Fiebig verplappert sich nicht so einfach, auch nicht in einem „Hintergrundgespräch“ mit Journalisten.

Sorry liebe Leserinnen und Leser, dass aus den in der letzten Woche angekündigten Geschichten für heute nichts geworden ist. Aber diese Branche tickt eben schneller als im Wochenrhythmus.

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Albträume in einer Vollmond-Nacht

Liebe Leserinnen und Leser der BBB, haben Sie eigentlich eine Vorstellung wie jeden Sonntagabend die Bissigen Bemerkungen entstehen? Da werden um 20.00 Uhr die gesammelten Notizen der vergangenen Woche auf dem Schreibtisch ausgebreitet, parallel dazu die ARD-Nachrichten geschaut und danach im Internet gegoogelt ob es noch etwas Aktuelles gibt. Dann wird geschrieben, mehr oder weniger bissig, je nach Stimmung und Nachrichtenlage. Manchmal geschieht auch stundenlang überhaupt nichts, weil es nichts Bissiges gibt. So wie heute, beim 392. BBB – Sonntag.

Da liegt zwar einiges auf dem Tisch.
- – Condor-Vorstand Debus soll zu Air Berlin gehen (die haben ja erst 5 Vorstände)
- – Dagmar Wöhrl, Staatsekretärin und Ex-Miss-Bundestag wird als Nachfolgerin des amtsmüden Michel Glos gehandelt
- – Lars Windhorst schon wieder pleite
- – ITB-Meldung: Es ist nicht richtig, dass Lufthansa der ITB den Rücken kehre, sie habe nur keinen Messestand mehr. Dafür kehren Gabun, Tadschikistan und Turkmenistan zurück. Zusätzliche deutsche Destinationen drängen auf die ITB
- – Ein Sun-Express – Pilot wird nach Streit mit Passagier verprügelt
- – TUI senkt die Preise mit der Aktion „Da schlag ich zu“. Die Zukunft von TUIfly bleibt unklar.
- -Wowereit vermietet im Alleingang den kompletten Flughafen Tempelhof für die nächsten 10 Jahre, dummerweise nur für jeweils 2 Monate im Jahr. Es soll sich um eine „angesagte“ Modemesse handeln, die komischerweise „Bread & Butter“ heißt.
- – Das Land Rheinland-Pfalz übernimmt die Hahn-Anteile von Fraport für 1 Euro.
- – Stewardessen von Ryanair werden in einem Pin-Up-Kalender abgebildet. Mehrere Frauenorganisationen protestieren. Männliche Gäste protestieren auch mit der Begründung „wir haben noch nie eine von diesen abgebildeten angeblichen Ryanair – Stewardessen an Bord gesehen“.

Aber für so eine richtig bissige Bemerkung reicht keine dieser Meldungen. Wissen Sie wie ermüdend es ist, stundenlang auf ein weißes Blatt Papier zu starren ohne eine konkrete Idee zu haben? Und draußen ist auch noch Vollmond.

Irgendwann muss ich am Schreibtisch eingeschlafen sein:

- – Plötzlich wollte Condor-Debus für 1 Euro TUIfly übernehmen und Dagmar Wöhrl wurde 6. Geschäftsführer(in) bei Air Berlin
- – Michel Glos und Ernst Hinsken tauschten die Jobs und kein Mensch hatte den Unterschied bemerkt
- – Lebedew wollte jetzt bei Air Berlin (statt bei Öger) einsteigen, aber Hunold bestand auf Vorlage einer Schufa-Auskunft.
- – Messe-Chef Buck verkündete voller Stolz die Teilnahme von Molwanien auf der ITB und mit Vordertupfing und Hintertupfing seien Vorverträge abgeschlossen worden
- – Ich sah die TUI-Werbung „Da schlag ich zu“ und dahinter eine Prügelei zwischen TUIfly Piloten und TUI Managern. Welt.online zog daraufhin die Meldung über den verprügelten SunExpreß – Piloten als Falschmeldung zurück.
- – Das Land Rheinland-Pfalz freute sich über die kostengünstige Übernahme des Fraport-Anteils für nur 1 Euro und Hans Rudolf Wöhrl ärgerte sich tierisch, dass er diesmal zu spät kam.
- – Wowereit präsentierte ein Buch über „Moderne Auslastungssteuerung“ und änderte den Namen der Modemesse in „Champagner & Kaviar“. Danach klärte ihn jemand auf, dass auf dieser „angesagten“ Messe nur Alltagskleidung gezeigt wird. Daraufhin gab Wowereit eine Regierungserklärung ab, die nur aus einem Satz bestand: “L`etat cèst moi”. Die linken Abgeordneten glaubten es sei ein Zitat aus der französischen Revolution, dachten an die Guillotine und applaudierten vorsichtshalber heftig.
- – Aber die schlimmste Stelle im Traum war, als DRV-Präsident Läpple den Pin-up-Kalender des DRV präsentierte und nur (männliche) Bosse der großen Veranstalter abgebildet waren (mit Feigenblatt an den entsprechenden Stellen natürlich).

Irgendwann bin ich wieder aufgewacht, der Vollmond war verschwunden und im Unterbewusstsein musste ich diesen Albtraum wohl niedergeschrieben haben. Egal, jetzt mal 3 Stunden schlafen und dann gut frühstücken.

Ach ja, und ein Satz ist mir noch in Erinnerung. Den muss ich wohl auch in irgendeiner Notiz gelesen haben. Auf einem Symposium für Tempelhof, nichts ahnend, dass Wowi bereits Fakten geschaffen hatte, betonte eine Schweizer Referentin schlauerweise: „Die Planung beschäftigt sich mit der Zukunft“.
Um allein das zu wissen, war der Abend dann doch nicht umsonst.

Und noch eine letzte (echte) Meldung: Australische Wissenschaftler haben eine bahnbrechende Diagnose für Demenz bei Personen unter 65 gefunden. Die Betroffenen seien daran zu erkennen, dass Sie eindeutig ironisch und sarkastisch vorgebrachte Äußerungen nicht als solche erkennen. Sollten Sie also obige Bissige Bemerkungen für ernst nehmen, sollten Sie schleunigst einen Arzt aufsuchen.

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Der Witz der Woche

Die Zeiten sind hart, zugegeben. Umso schöner, wenn es trotzdem noch etwas zu lachen gibt. So zum Beispiel, wenn der „umtriebige“ Herr Wöhrl öffentlich ein Kaufangebot für TUIfly macht. Gut, in „umtriebig“ steckt das Wort „Trieb“. Die Frage ist aber, ob der „Trieb von Herrn Wöhrl“ tatsächlich in Richtung „Fliegerei“ geht oder ob er vielmehr wieder mal jemanden sucht, der ihm eine Airline schenkt (anders geht es bei ihm nicht) und er danach mit viel öffentlichem Getöse etwas von Sanierung faselt und dann den ganzen Laden zum richtigen Zeitpunkt („vermeintlich“ saniert) verkauft.
Eigentlich eine grandiose Geschäftsidee, deshalb hatten ihm die Bissigen Bemerkungen schon mal den Titel „GröFaz – Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten“ verliehen (siehe BBB vom 2.4.2007 „Achim Hunold: I had a dream“). Und das mit Recht.!
Dummerweise ist diese Geschäftsidee inzwischen so bekannt, dass sich das in aller Deutlichkeit sogar bis Hannover herumgesprochen hat. Und das Dementi war dann so ungewöhnlich heftig, dass sich Wöhrl die Briefmarke für ein schriftliches Angebot sparen kann.

Lustigerweise, sofern man diesen Begriff in diesem Zusammenhang verwenden darf, wurde fast gleichzeitig bekannt gegeben, dass der größte Aktionär von Air Berlin, der russischstämmige Unternehmer Len Blawatnik, seinen Anteil über 18,9% verkauft hat. Da dies ohne jede Auswirkung auf den Kurs von Air Berlin geschehen ist, geht man nicht falsch in der Annahme, dass er seinen Anteil komplett an einen Käufer übertragen hat. Aber an wen? Einige „Spaßvögel“ meinten evtl. an Herrn Wöhrl. Da haben die Bissigen Bemerkungen zum zweiten Mal in dieser Woche gelacht. Wöhrl und ca. 50 Mio. Euro gezahlt? Never! Da legen wir uns fest, bevor bekannt wird, wer gekauft hat.

Um ehrlich zu sein, die Bissigen Bemerkungen haben in der letzten Woche noch ein drittes Mal gelacht. Und zwar über diese Nachricht: Die US-Pornobranche fordert Staatshilfe. Begründung: die Branche sei zwar finanziell „nicht gefährdet“, aber es gehe um das „Bedürfnis einer Nation“. Die Menschen seien „zu depressiv um sexuell aktiv zu sein“. Na, das kann man doch 1 zu 1 auf die Reisebranche übertragen. Nicht ohne Grund hatten die BBB schon im November letzten Jahres den DRV aufgefordert entsprechend tätig zu werden (siehe BBB vom 17.11.2008: Die Reisebranche verbreitet Optimismus. Ist das taktisch klug?“).

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Die Krise steht vor der Tür – Wolle mer se roilosse?

Sie sollten öfters mal vor Ihre Haustür schauen. Wer da alles davor steht. Vor kurzem stand Weihnachten vor der Tür, dann der Jahreswechsel, jetzt angeblich die Krise. Nicht in allen Fällen empfiehlt sich auf die Frage „Wolle mer se roilosse“ mit „Jaaa“ zu antworten. Zumindest bei der Krise ist die Antwort „Nein“ sehr zu empfehlen.

Insbesondere hinsichtlich Frühbucher könnte es für den Sommer 2009 vielleicht nicht so toll laufen. Die Verlängerung einiger bestehender Frühbucherrabatte („des großen Erfolges wegen“ – hi, hi) lässt darauf schließen. Steven Heydt, Boss der Luxushotelkette Elite Islands Resorts auf Antigua, geht mit einer neuen Idee voran. Wer bis zum 31.Januar bucht, kann seine Hotelrechnung mit Aktien bezahlen! Heydt kauft seinen Kunden die Wertpapiere zum Kurs vom 1. Juli 2008 ab. Sein Muster-Beispiel: Eine American-Express-Aktie nimmt er zum Kurs von damals 40 Dollar in Rechnung, obwohl sie aktuell nur noch 20 Dollar wert ist. Ist doch Klasse. Ein kleiner finanzieller Trost, für die gebeutelten Aktienbesitzer und außerdem beweist Steven Heydt Optimismus. Denn je nachdem wann und zu welchem Kurs er die Aktien zu Geld macht, ist sein eigener Verlust vielleicht nicht so groß (oder sogar Gewinn!).

Ist das Modell auf Deutschland zu übertragen? Ja, wobei eine kleine Modifizierung noch reizvoller wäre. Bei Elite Island kann man aus 100 Aktientitel wählen (darunter solche „Kracher“ wie Citigroup, Merrill Lynch und Ford). Interessanter wäre nach Meinung der Bissigen Bemerkungen dies auf die eigenen Aktien des Anbieters zu beziehen. Also wer bei Thomas Cook Group oder bei TUI Travel jetzt sofort bucht, kann mit deren Aktien bezahlen. Da wäre der Frustabbau bei diesen Aktionären doch besonders hoch. Und wenn die Bosse dieser Firmen sich etwas anstrengen, dann muss die Aktion im Sommer nicht viel kosten.

Ein kurzer Check der Aktienkurse zeigt jedoch ein differenziertes Bild. Nur für die Aktionäre von Thomas Cook Group und von Lufthansa wäre das Geschäft auf den Aktienkurs 1.7.08 bezogen interessant. Bei TUI Travel, Air Berlin und Easyjet wäre aus heutiger Sicht der Stichtag 1.6.08 interessanter und bei Ryanair müsste der Stichtag irgendwo Mitte Juli 08 liegen um per heute ein Geschäft zu sein. Aber auf die jeweiligen Daten bezogen, wäre es ein interessanter Buchungsanreiz.

Wie auch immer man es variiert, wer hat Mut zu sagen „die Wette gilt“?
Das wäre ein Zeichen von Optimismus nach dem Motto: „mer wolle die Krise net roilosse“.

Übrigens, Fasching steht demnächst auch vor der Tür. Ein Gedränge ist das.

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