Der ganz „normale“ alltägliche Irrsinn

Der tägliche Irrsinn spielt sich immer so zwischen Wundern, Ärgern, kleinen Freuden und das ganze wieder von vorne ab.

Vor zwei Wochen hatten die BBBs mal wieder auf das Dauerärgernis „Bettensteuer und andere Mogelbezeichnungen“ hingewiesen. Speziell wurde Travemünde erwähnt, die Bettensteuer und gleichzeitig Kurtaxe erheben. BBB-Zitat: „Wahrscheinlich trägt der Kämmerer auch Gürtel und Hosenträger“. Künftig muss er mit „nur“ einem von beiden auskommen. Beides zu erheben (was Travemünde schon seit drei Jahren macht) ist nicht gestattet. Mist, dass es immer solange dauert, bis sich die normale Vernunft durchsetzt.

Aber verlassen kann man sich darauf nicht. Wir hatten schon mehrfach die übereifrigen Bettensteuer-Eintreiber von Köln und Dortmund erwähnt (zuletzt 15.9.2014). Nachdem beide Städte durch alle Instanzen auf die Nase gefallen sind, stricken sie schon wieder an einer neuen Variante. Einsicht sieht anders aus. Besonders dreist geht dabei Dortmund vor. In der neuen Satzung hat man bei dieser Gelegenheit die Steuer von 5% auf 7,5% erhöht. Nach dem Motto: Man hat uns zwar die Erhebung verboten, aber nicht die Erhöhung.
Geht´s noch? Natürlich wird auch dagegen wieder geklagt und obsiegt werden. Aber Köln hatte schon vor Jahren deutlich gesagt: Wir werden notfalls immer wieder ändern und neu erheben.

Wenn wir schon beim Thema „Einsicht“ sind. Beim DEHOGA-Branchentag gab es auch ein Thema zum „Schmunzeln“. Höflich formuliert. Neben anderem beklagte sich die Branche über das Arbeitszeitengesetz, das total an der gelebten Wirklichkeit vorbei geht.
Reaktion Kanzlerin: „Ich nehme die Bedenken auf“; Reaktion Arbeitsministerin Nahles: „Ich werde mir das nochmal ansehen“; Reaktion Wirtschafts-Staatssekretärin Gleicke: „Ich sage Ihnen zu, dass ich mir das anschauen werde“. Vorausschauende Politik sieht anders aus, die „schaut vorher“. Die BBBs hatten vor kurzem von „zwei offenen Ohren“ gesprochen, links rein und rechts raus. Hier wird es mit „2x Schauen“ enden: Hingeschaut und dann wieder weggeschaut. Wollen wir wetten?
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Nachlese:
Vorerst sieht es nicht gut aus um Thomas Middelhoff. Ein Urteil mit drei Jahren Gefängnis und Verhaftung noch im Gerichtssaal (wegen Fluchtgefahr) war wohl vollkommen außerhalb des gestörten Wahrnehmungsvernehmens von Middelhoff. Die BBBs wollen hier keine Häme ausstreuen. „Recht gehabt zu haben bei Beurteilung dieses Blenders“, genügt den BBBs als Befriedigung.
Aber umgekehrt war der Kommentar von n-tv total an der Wirklichkeit vorbei. Zitat: „Middelhoff verdient Mitleid, weil er selbst ohne Gefängnis schon bestraft genug ist. Wer sich am finanziellen und sozialen Absturz des Top-Managers ergötzt, vergisst, dass es sich um einen Menschen handelt:“
Abgesehen davon, dass er zumindest in der Touristik nur formal aber nicht inhaltlich ein Top-Manager war, sollte man sich seine Begründung in Erinnerung rufen, warum die Einladung seiner Arcandor-Vorstandskollegen auf seine Jacht vor St. Tropez dienstlich und nicht privat war: „Wir haben dort beschlossen, das Sanierungsprogramm zu verschärfen und 4.000 Arbeitsplätze zu streichen“. Lieber n-tv Kommentator: Daran gedacht, dass dies auch 4.000 Menschen waren?

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Heute wird mal wieder tief gebissen ….

Seit 13 Jahren und fast 700 Ausgaben sind die Bissigen Bemerkungen auf dem Markt. In dieser Zeit haben sich die BBBs einige „Lieblinge“ besonders vorgenommen. Kennzeichen dieser Typen: — Selbstverliebt — Große Klappe, aber wenn diese geöffnet wird, kommt nur heiße Luft (Sprechblasen) heraus — Selbst nichts arbeiten und für alles was schiefgeht immer nur andere verantwortlich machen .
Die echten BBB-Fans kennen die entsprechenden Namen.

Einer dieser Lieblinge war Thomas Middelhoff, damals Oberaufseher und auch Oberboss bei Karstadt/Quelle, später Arcandor genannt. Bereits während seiner aktiven Karstadt/Quelle/Arcandor-Zeit, während andere noch seinen nichtssagenden Ausführungen bewundernd lauschten, haben die BBBs offen Anti-Stellung bezogen.
BBB-Kommentar zu seinem Vortrag beim fvw-Kongress: „Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert. Die Inhalte seiner Vorträge tendieren hinsichtlich des Neuigkeitswertes gegen Null“
In der BBB-Weihnachtssatire: „Und wenn Sie noch jemand suchen, der Ihnen vortrefflich Märchen zu Weihnachten erzählen soll, dann denken Sie an Thomas Middelhoff. Nachdem er in den letzten Jahren einen größeren Kreis bei BTW, FVW und DRV mit seinen Visionen beglücken durfte, kann man ihn jetzt auch für den privaten Kreis buchen. Seine Märchen b leiben zwar Märchen, auch wenn es nicht jeder gleich merkt, aber an Weihnachten erfreut das so richtig unser Herz“.

Jetzt steht Middelhoff in Essen vor Gericht, angeklagt wegen Untreue in Millionenhöhe. In diesem Prozess geht es primär um abgerechnete Flüge zu Lasten des Unternehmens, die nach Meinung der Staatsanwaltschaft privaten Charakter hatten. Der Herr flog grundsätzlich mit dem Privatjet (oder Hubschrauber) egal wohin und warum. U.a. geht es um eine Einladung von ihm an die anderen Vorstandsmitglieder plus Ehefrauen in sein Haus nach St. Tropez. Alles bezahlt auf Firmenkasse. Einige Tagesordnungspunkte wie „Lunch im Beach-Club“ und „Faulenzen auf dem Boot“, belegen dagegen nach Meinung der Staatsanwaltschaft den privaten Charakter.

Hierzu nun die Verteidigungsrede von Middelhoff: Er wollte durch dieses Treffen die anderen Vorstandsmitglieder besser kennenlernen. Es wäre auch über wichtige Unternehmensfragen gesprochen worden. So sei bei dieser Gelegenheit entschieden worden, das Sanierungsprogramm nach zu schärfen und weitere 4.000 Stellen abzubauen.

Nach St. Tropez mit dem gesamten Vorstand auf Firmenkosten fliegen, sich einen „schönen Lenz“ machen und dabei locker 4.000 Arbeitsplätze zu streichen. Unglaublich, über Charakter müssen wir hier nicht diskutieren. Die BBBs sind stolz darauf zu keinem Zeitpunkt zu seinem „Jubler-Kreis“ gehört zu haben.

Kleiner netter Gag am Rande. Es gibt inzwischen einige Leute die Millionenforderungen an Middelhoff haben. Die Zustellung entsprechender Titel sind bisher mangels Zustell-Gelegenheit gescheitert. Da bei dem Essener-Prozess seine persönliche Anwesenheit erforderlich ist, haben jetzt zwei Gerichtsvollzieher diese Gelegenheit genutzt, ihm in der Pause die entsprechenden Titel in Millionenhöhe zuzustellen.

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Wahlprüfsteine der Tourismuswirtschaft

Mithilfe sog. Wahlprüfsteine hat der Bundesverband der Tourismuswirtschaft (BTW) die Parteien gefragt, wie sie zu den Themen und Anliegen der Tourismuswirtschaft stehen. Es wurden 27 Hauptanliegen definiert wie beispielsweise:
Sind Sie der Meinung, dass die Luftverkehrssteuer ein Ende finden muss?
Werden Sie sich gegenüber den Kommunen für ein endgültiges Aus der Bettensteuer stark machen?
Werden Sie sich für die Weiterentwicklung der Schieneninfrastruktur stark machen?
Werden Sie sich für eine Ausdehnung des Sommerferienkorridors stark machen?
usw. usw.

Einige Punkte waren unterteilt, dass sich damit 41 Fragen an die Parteien CDU/CSU, SPD, FDP, Die Grünen, Die Linke und die Piraten ergaben. Die jeweilige Partei konnte entweder mit JA (Zustimmung) oder NEIN (Ablehnung) antworten. Je mehr JA-Antworten eine Partei abgab, desto höher ist also die Zustimmung zu den Forderungen der Tourismuswirtschaft. Komischerweise wurde das Ergebnis dieser Befragung nicht intensiv der touristischen Öffentlichkeit vermittelt. Ob das am Ergebnis lag?
Hier die Reihenfolge der Parteien mit den meisten JA-Stimmen, also höchste Übereinstimmung mit den Wahlprüfsteinen der Tourismuswirtschaft.
1. Piraten 28 JA
2. Die Grünen 25 JA
3. FDP 24 JA
4. CDU/CSU 23 JA
5. SPD 22 JA
6. Die Linke 17 JA.

Liebe Leserinnen und liebe Leser der BBBs, wenn Sie danach Ihre Wahlentscheidung treffen wollen, müssen die BBBs, als besonders kritischer Hinterfrager, Sie noch auf etwas hinweisen. Leider haben die Parteien nicht immer mit JA oder NEIN geantwortet, sondern oft unklar oder mit Einschränkungen. Bedauerlicherweise einige sogar sehr oft, dass man jetzt nicht unbedingt weiß, sind sie dafür oder dagegen. Wenn man diese Antworten, sagen wir mal als „Wischiwaschi“ oder als „sowohl als auch“ wertet, tun sich dabei zwei Parteien besonders hervor:
CDU/CSU hat 17x so Wischiwaschi geantwortet, die FDP 16x.
Komisch, dass dies die Bissigen Bemerkungen überhaupt nicht wundert.
(Der guten Ordnung halber: Die Linke war 11x unklar, Die Grünen 7x unklar, die SPD 6x unklar, die Piraten 3x unklar.)
So, liebe BBB-Leserinnen und –Leser, jetzt wählt mal schön.
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Manche Leserinnen und Leser der BBBs deuten mitunter sachte an, die BBBs könnten einen leichten Hang zur Besserwisserei haben. Ok, damit muss man dann leben. Aber es gibt nun mal Zeitgenossen, da ist es so offensichtlich, dass sie in erster Linie „Schaumschläger“ sind, dass man sich schon wundern muss, wenn diese „Lichtgestalten“ immer wieder auch von der Tourismusbranche hochgelobt wurden. Einer der „Lieblingsfeinde“ der BBBs war deshalb z.B. Thomas Middelhoff. Er hatte nie etwas Präzises zu sagen und wurde immer wieder eingeladen, dieses Nichts vorzutragen.
Über seine Rolle bei Arcandor (Muttergesellschaft von Karstadt und Thomas Cook) urteilte nun das Landgericht Essen. Es verurteile Middelhoff zu einer Schadenersatzleistung in Höhe von 3,4 Mio. Euro wegen unrechtmäßig gezahlter Boni an ihn, wegen unrechtmäßig gezahlten Sponsoring-Gelder an „seine“ Universität Oxford, wegen unrechtmäßig Arcandor in Rechnung gestellte Charterflüge obwohl privat genutzt, um die wichtigsten Punkte zu nennen (lt. Bericht Reuters).
Irgendwie muss unsereiner dann doch seine Genugtuung zum Ausdruck bringen.

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Realsatire besser als jede Büttenrede

Dieses Jahr wurde den Büttenrednern ganz schön die Show gestohlen, denn das „wahre Leben“ zeigte sich zuletzt von einer teilweise solch grotesken Seite, dass sich das kein Redner ausdenken konnte. Auch die Bissigen Bemerkungen stoßen an ihre Grenzen, wenn die „Wirklichkeit“ sich so verrückt darstellt, dass man verdammt viel Fantasie braucht um das karikaturistisch noch zu übertreffen.
Insbesondere in den letzten Tagen stolperte man über so viele Verrücktheiten, dass das Faschingsprogramm im TV im Vergleich dazu ausgesprochen langweilig war.

Im Folgenden wollen wir nur auf die „größten Kracher“ zurückkommen, z.B. wie „unanständig arm“ Herr Middelhoff ist, wie die CSU „Vorzeige“-Abgeordnete Wöhrl in Burma mit einem 100 Dollar-Schein bei Einkaufen „herumwedelte“, wie TUI ihren Aktionären statt einer Dividende nur alte Kekse schenkte, wie ein Bundespräsident Pech mit seinem letzten „Verteidiger“ Peter Hintze hatte und wie Angela Merkel genauso überraschend zum Gauck-Fan wurde wie Otto Rehagel zum Trainer von Hertha BSC Berlin.

1. Die BBBs haben schon oft zum Ausdruck gebracht was sie von dem Ex-Arcandor Manager Middelhoff halten, nämlich rein gar nichts. Man musste sich in der Vergangenheit nur ärgern wenn seinem permanentem „Ausstoß von heißer Luft“ auf verschiedenen Branchentagungen eine unberechtigt große Plattform geboten wurde (siehe u.a. BBBs vom 28.9.2008 „Wenn von einem Vordenker der Lack abblättert). Wie sehr er als Aufseher von Thomas Cook mit seinen Spesen „hauste“, wird inzwischen auch vom Arcandor-Insolvenzverwalter mit einer Rückforderung thematisiert. Jetzt klagte Middelhoff vor Gericht um die Freigabe seiner Festgeldanlage in Höhe von 23 Mio. Euro (!!!), welche das Bankhaus Sal. Oppenheim aus gutem Grund verweigert. Er versuchte glaubhaft zu machen, dass er ohne das Geld evtl. in eine „existenzielle Notlage“ geraten könnte und verwies darauf, dass er und seine Familie mehr als 70.000 Euro zum Leben bräuchten und diese Ausgaben „nicht in zumutbarer Weise reduzierbar“ seien. Damit es kein Missverständnis gibt, 70.000 Euro pro Monat wohlgemerkt. Das muss doch ein Schlag mitten in das Gesicht jedes redlichen Thomas Cook– oder Karstadt-Mitarbeiters sein. Zum Glück wurde der Antrag abgelehnt, das Gericht war der Meinung „er möge sich gefälligst an der Wirklichkeit orientieren“.

2. Zugegeben auf einer vollkommen anderen finanziellen Ebene, aber ebenso weltfremd, spielte sich der Fauxpas von Dagmar Wöhrl (CSU-Vorsitzende des Bundestags-Entwicklungsausschusses) ab. Während einer „Dienstreise“ mit Minister Niebel in das unsäglich arme Burma erfreute sie sich bei der Besichtigung eines Dorfes nicht nur „an der dörflichen Idylle“, sondern wollte auch einer armen Frau am Straßenrand eine bestickte Tasche für 2 Dollar abkaufen und mit einem 100 Dollarschein bezahlen. Unschuldig fragte sie danach ob man „wechseln könne“. Konnte man natürlich nicht. Ihr Ehemann, der Multiunternehmer Hans Rudolf Wöhrl, hatte schon mal für einen Euro gleich eine ganze Fluggesellschaft (dba) gekauft und musste sich damals von seinem Anwalt bei der Vertragsunterzeichnung exakt diesen einen Euro leihen. Kleingeld gibt es wohl nicht im Hause Wöhrl.
Im Moment ist Hans Rudolf Wöhrl wieder auf Einkaufstour und demnächst bestimmt dann auch wieder auf Verkaufstour, wenngleich sein früherer Stammabnehmer Air Berlin wohl nicht mehr zur Verfügung stehen dürfte. Die Wirtschaftswoche war letzte Woche in einem Bericht über Wöhrl so freundlich die Bissigen Bemerkungen zu zitieren, die Wöhrl vor einiger Zeit den Titel „GröFaz – größter Fluggesellschaften Verkäufer aller Zeiten“ verliehen hatten.

3. Von vergleichsweise unglaublicher Sparsamkeit präsentierte sich letzte Woche die TUI auf ihrer Hauptversammlung. Zwar gab es wiederum keine Dividende, dafür wurden die Aktionäre großzügig mit Keksen beschenkt. Dummerweise war darauf zu lesen „Merry Christmas TUIfly“. Das fanden die Aktionäre wenig spaßig zur Entsorgung alter Kekse eingesetzt zu werden.

4. Es ist nur schwerlich möglich an der „Affäre“ Wulff vorbeizugehen. In den BBBs vom 16.1.2012 (Reisen zum Weltuntergang) hieß es hinsichtlich des Weltuntergangs zwar schon „Halten Sie Abstand von Christian Wulff und Philipp Rösler. Bei denen wird der Weltuntergang garantiert noch früher stattfinden“, was zumindest bei Wulff schon in Erfüllung gegangen ist. Ausgerechnet sein letzter verbliebener öffentlicher Verteidiger, Peter Hintze, lieferte mit einem „hilfreich“ gedachten Hinweis auf eine Aktennotiz von Wulff, die „entscheidende Hilfe“ für die Staatsanwaltschaft für die Einleitung eines Verfahrens. Verrückter geht es kaum noch.

5. Und dass Angela Merkel mal wieder einen ihrer berühmten unerwarteten Haken, mit dem „Vorschlag Gauck“ schlagen würde, hätte nicht nur vor einem Monat niemand zu prognostizieren gewagt, offensichtlich wusste sie es selbst am Sonntagnachmittag noch nicht. Am Sonntagmorgen glaubte ich noch, dass die Verpflichtung von Otto Rehagel durch Hertha in Berlin die größte Abwegigkeit sei, aber da habe ich wohl Frau Merkel unterschätzt. Na ja, Wulff war schon so etwas wie ein politisches Fukushima. Warum den gleichen Trick nicht zweimal machen?
Bei dieser Haken-Technik könnte mancher Feldhase noch etwas dazulernen.

Es gab noch einiges Zitierenswertes aus dieser absurden Woche. Mehr dann in der nächsten Ausgabe der BBBs.

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Ben Akiba: Alles schon mal dagewesen

Ob der Rabbi Akiba tatsächlich vor 2000 Jahren „alles schon mal dagewesen“ gesagt hat oder ob der Dramatiker Karl Gutzkow diesen Spruch nur „seinem Ben Akiba“ in den Mund gelegt hat, weiß niemand so genau. Aber wir alle stolpern manchmal über Ereignisse, bei denen uns spontan in den Sinn kommt „das war doch schon mal dagewesen“. Dabei muss das nicht 100% exakt gleich sein, sondern nur in etwa so erinnerbar.
Ein solches Déjà-vu hatten sicherlich viele Leserinnen und Leser der Wirtschaftswoche als sie direkt zwei Seiten hintereinander auf „alte Bekannte“ trafen.

Déjà-vu 1: Der Nürnberger Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl verkaufte seine erst im Juni erworbene Fluggesellschaft Flynext an die Unternehmerin Ingrid Bischoff, Mehrheitsgesellschafterin der Fluggesellschaft Germania und Witwe des legendären Germania-Gründers Hinrich Bischoff. Da erinnert man sich doch: Anfang 2005 verkaufte Wöhrl die Mehrheit der erst zwei Jahre zuvor erworbenen Fluggesellschaft dba an Hinrich Bischoff (der diese Anteile allerdings wenige Monate später wieder zurück gab). Erstaunlicher als diese „Wiederholung“ ist jedoch, dass jetzt schon die neunte von ihm gekaufte Fluglinie (sofern die Wirtschaftswoche richtig mitgezählt hat) wieder rasch über den Tisch an andere ging. Insofern hat Wöhrl den ihm von den BBBs in 2007 verliehene Titel GröFaZ, größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten, nachhaltig bestätigt. Aber noch erstaunlicher ist, dass Wöhrl in einer Mitarbeiterinformation (lt. Wirtschaftswoche) den Verkauf der Fluggesellschaft mit den „gegenwärtigen Verwerfungen in der deutschen Luftfahrt“ begründete und abschließend meinte „Flynext habe keine dauerhaft gute Perspektive“. Nicht diese Analyse als solche ist verwunderlich (sie ist sicherlich absolut zutreffend), sondern die Tatsache, dass trotz dieser „öffentlichen Analyse“ Hans Rudolf Wöhrl einen Käufer für genau diese „Airline ohne gute Perspektive“ gefunden hat.
Da er nach eigenen Worten im Moment über den Kauf einer europäischen Airline, „die sich in einer schwierigen Lage befindet“ verhandelt (ich glaube nicht, dass es jene Airline ist an die jeder jetzt denkt), können wir uns kurz danach sicherlich über Deal Nr. 10 freuen.

Déjà-vu 2: Thomas Middelhoff, auch in der Touristik hochgelobter Superstar vergangener Zeit, hat einen neuen Aufsichtsratsjob. Er wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Marseille Kliniken gewählt. Vorstandchef der Marseille Kliniken ist Stefan Herzberg, der vor wenigen Wochen dieses Amt von dem zuletzt wegen Bestechung verurteilten Ulrich Marseille übernommen hat. Und bei der Kombination Middelhoff und Herzberg fällt einem schnell ein, dass die beiden schon mal in gleicher Aufstellung „gespielt“ hatten. Auch bei Arcandor war Middelhoff Aufsichtsratsvorsitzender und Herzberg wurde von ihm zum Vorstandschef Karstadt berufen. Und es gibt noch eine weitere Gemeinsamkeit: Beide werden gegenwärtig vom Arcandor-Insolvenzverwalter auf Schadenersatz in Millionenhöhe verklagt. Zumindest letzteres muss sich ja bei den Marseille-Kliniken nicht unbedingt wiederholen. Aber bei einem Aktienkurs der vor wenigen Tagen auf 1,33 Euro sank, blinzelt manch professioneller Insolvenzverwalter schon mal vorsichtig hinter der Ecke hervor, um zu schauen ob es bald „Arbeit geben könnte“.

Um jegliches Missverständnis zu vermeiden, zwischen den genannten Personen zu 1 und 2 soll von den BBBs nicht der geringste Vergleich gezogen werden. Nur die Déjà-vus in sich sind bemerkenswert.

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„Ich bin dann mal weg“ – da geht noch mehr

Nur wenige Stunden nachdem letzten Montag die Bissigen Bemerkungen mit ihrer Kritik am Bundespräsidenten erschienen waren, erklärte Horst Köhler völlig überraschend seinen Rücktritt. Natürlich können die Bissigen Bemerkungen die Situation schon richtig einschätzen, aber ein leichtes Erschrecken war es schon, als die Meldung durch die Medien rauschte. Und offensichtlich ging es vielen BBB-Lesern genauso. Noch nie gingen innerhalb weniger Stunden so viele Emails ein wie am letzten Montagnachmittag. Der Tenor reichte von „Liest Köhler die BBB?“ bis „Gibt es jetzt eine Sonderausgabe der Bissigen Bemerkungen?“. Etliche schrieben auch in Variationen „Erst Koch, dann Köhler, langsam werden die BBB unheimlich“. Die Anspielung galt den Bissigen Bemerkungen vom 17.5. („BBB-Spezial zum Thema Bildung: Roland Kochs brutalst möglichste Frechheit“), Damals dauerte es exakt eine Woche bis zum ebenso überraschenden Rücktritt von Roland Koch.

Wenn man möchte, könnte man die Reihe noch um Thomas Middelhoff ergänzen, BBBs ehemaligen Lieblingsfeind. Auch hier haben die Bissigen Bemerkungen Klartext geschrieben (u.a. siehe BBB vom 29.9.2008 „Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert“). Es war auch zu ärgerlich zusehen zu müssen, wie dieser Blender von Teilen der Tourismusbranche (DRV, FVW) abgefeiert wurde. Die Inhalte seiner Vorträge tendierten hinsichtlich des touristischen Neuigkeitswertes gegen Null. Seine Leistung bestand nur darin, dieses „Nichts“ besonders schön zu verpacken. Leider dauerte es vom o.g. 29.9.08 noch einige wenige Monate bis zu seinem Karriere-Ende. Inzwischen wurde Middelhoff vom Arcandor-Insolvenzverwalter und anderen mehr als entzaubert. Die Bissigen Bemerkungen lagen total richtig in ihrer kritischen Einschätzung.

Die Bissigen Bemerkungen werden auch in Zukunft versuchen möglichst frühzeitig Fehlleistungen aufzuzeigen. Und es ist noch genug zu tun! Wie hieß es so schön in einer Email vom letzten Montag: „liest Ramsauer eigentlich auch die BBBs?“.

Wir arbeiten daran.

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Das Reiseradio war letzte Woche auf Tour in der Türkei. Ziel der Reise war insbesondere ein Besuch des Resorts Lykia World. Diesen legendären Namen kennt jeder Reiseexperte. Früher komplett von deutschen Urlaubern belegt, ist Lykia World heute der Inbegriff für ein internationales Urlaubspublikum, von Russland über Deutschland bis England. Ob das funktioniert? Wenn Sie www.reiseradio.org hören, dann wissen Sie Bescheid

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Es ist Weihnachtszeit, bitte nicht verwechseln

Ein Pilot der griechischen Fluggesellschaft Olympic Air hat die Flughäfen zweier Kykladeninseln verwechselt und versuchte auf Paros statt auf Naxos zu landen. Die dortigen Fluglotsen konnten dies in letzter Minute verhindern. Für deutsche Touristen dürfte dies allerdings keine große Rolle spielen. Da sie weder Paros noch Naxos kennen, hätten sie insofern die Verwechslung sicherlich nicht bemerkt, aber etwas Ordnung muss schon sein.

Eine noch größere Verwechslung ist dem Ex-Arcandor Boss Middelhoff passiert. Der hatte seine Zukunft mit seiner Vergangenheit verwechselt. Noch einen Tag vor seinem Ausscheiden überwies er (nur mit seiner Unterschrift versehen) 800.000 Euro Spende an die sog. Elite-Uni Said Business School in Oxford. Als Gegenleistung hätte er in Zukunft einen Sitz im Beirat dieser Uni bekommen sollen. Pech, spätestens als das Geld in Oxford ankam, war Middelhoff schon Vergangenheit.
Jetzt will der Insolvenzverwalter das Geld zurück, soviel Ordnung sollte schon sein.

Vor etwas mehr als einer Woche verwechselten die Fußballer von Hannover 96 permanent das gegnerische Tor mit dem eigenen. Drei Eigentore in einem Spiel, wenn auch zugegeben eines schöner als das andere, sind zwar viele Tore, aber leider gibt es dafür keine Punkte. Etwas Ordnung muss sogar im Fußball sein.

Diese drei Beispiele sollen zeigen, dass es unglaubliche Verwechslungen geben kann. Deshalb liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen ein gutgemeinter Hinweis, bei dem Fest Ende der Woche handelt es sich um Weihnachten und nicht um Ostern. Zwar bringt das Christkind genauso wenig die Weihnachtsgeschenke wie der Osterhase die Ostereier, insofern würde eine Verwechslung keine gravierende Rolle spielen, aber ein bisschen Ordnung im Kalender sollte schon sein.

In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest und verwechseln Sie bitte auch nicht Geben mit Nehmen. Es sei denn, Sie sind Investmentbanker oder Politiker, dann können Sie nicht anders.

Ihr
Karl Born

Liebe BBB-Leserinnen und –Leser, den nächsten Montag beabsichtigen die BBBs mit Nichtstun zu verwechseln. Also gedulden Sie sich bitte etwas länger auf die nächste Ausgabe. Am 4.1.2010 geht es dann wieder richtig rund, mit einem knackigen Ausblick in das Jahr 2010. Also nicht verwechseln, nächsten Montag keine BBBs, aber am 4.1. wieder neue BBBs.

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Vormarsch der Flatrates fast nicht mehr zu bremsen

All-You-Can-Eat war wohl die erste Flatrate und wurde später zu All-Inclusive. Wie ernst letzteres zu nehmen ist, variiert von Anbieter zu Anbieter nicht unbeträchtlich. Dann wirbelten die Mobiltelefon-Anbieter mit verschiedenen Flatrates den Markt auf, Allerdings hatten fast alle irgendwo im „Kleingedruckten“ eine Einschränkung, die ein zu intensives Nutzen der Flatrate einschränkten. In jüngerer Zeit machten zwei andere Flatrates von sich reden. Zum einen die berüchtigte Flatrate All-You-Can-Drink, bei Jugendlichen bekannter unter der Bezeichnung Koma-Saufen. Ein Preis und rein mit Alkohol was geht. Die Beschränkung setzt hier allerdings nicht der Anbieter (was in diesem Falle sinnvoll wäre), sondern der eigene Körper. Vor zwei Wochen wurde die Flatrate im Bordell zur Schlagzeile in den Gazetten. Das All-You-Can-…. (sie wissen schon) führte zu lauten Protesten der Politik. Die Einschränkungen sind hier wohl ähnlich wie beim All-You-Can-Drink zu sehen.
Und jetzt, man glaubt es kaum, gibt es die erste All-You.Can-Fly-Aktion. Einmal zahlen und man darf in einem Monat so oft fliegen wie man will (kann). Anbieter ist Jet Blue, ein amerikanischer Billigflieger, an dem u.a. Lufthansa beteiligt ist. Schau mal an, unsere Lufthansa, nach Schönwettergarantie jetzt auch noch All-You-Can-Fly. Da geht ja richtig die Post ab.

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Nachtrag 1: Vielen Dank für die vielen persönlichen Emails zu den Bissigen Bemerkungen von letzter Woche. Wenn ich alle angebotenen Läufe annehmen würde, wäre die Begrenzung nur All-You-Can-Run.

Nachtrag 2: Ein anderer Leser meinte, ob immer nur „Beißen“ nicht langweilig würde, man könnte doch auch mal etwas loben. Antwort: a) Beißen ist mir überhaupt nicht langweilig und b) Loben könnte man tatsächlich das überraschende TUI-Angebot „100 Reisen für Schnellbucher nach Jamaika zum Preis von 958 Euro“, angelehnt an den 100m-Weltrekord von Usain Bolt in 9,58 Sekunden. Tja, unsere „Großen“ werden plötzlich kreativ.
TUI hat ja auch die kultige „Olivias Safari Tour“ mit Drag Queen Olivia Jones über die schärfsten Ecken von St. Pauli im Programm. Übliche Begrüßung der Touristen durch Olivia Jones „So, Ihr Mäuse und Hasen, jetzt lade ich Euch mal zu einem Schnäpschen ein, damit Ihr untenrum lockerer werdet“. Von Zeit zu Zeit muss man auch seine Vorurteile neu justieren.

Nachtrag 3: Eigentlich wollten wir hier einen bestimmten Namen nicht mehr erwähnen (tun wir auch nicht), aber die Kritik des Arcandor-Insolvenzverwalters an der Leistung des früheren Arcandor-Vorstandes (Sie kennen den Namen) ist so außergewöhnlich vernichtend, dass sie quasi als Warnung für andere hier präsentiert werden soll. Zitat: „Wir haben mit der Lupe nach Substanz in diesem Unternehmen gesucht, aber wir haben nichts Nennenswertes gefunden. In diesem Hause gibt es wirklich nichts, was nicht anderen Leuten gehört. Es ist dem Vorstand erstaunlich lange gelungen, den Staub aus den Ecken zu kehren und auch den noch zu Liquidität zu machen.“. Wenn es aber um die persönliche Eitelkeit ging, war kein Staubkehren angesagt. Nochmals Zitat des Insolvenzverwalters: „Der dienstliche Aufwand des Vorstandsvorsitzenden war sehr hoch, Jedenfalls sehr hoch für ein Unternehmen in der wirtschaftlichen Verfassung wie Arcandor.“.
In einem solchen Fall, da möchten die BBB soviel beißen, das geht nur mit einer Flatrate zum Beißen (All-You-Can-Bite).

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Reisebranche steht vor Neuordnung

Reisebranche steht vor Neuordnung
Hannoversche Allgemeine Zeitung, 10.6.09

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Schaeffler, Porsche, Arcandor: Wenn aus Löwen freche Bettvorleger werden!

Sie kennen sicherlich das Bonmot: Als Löwe gesprungen und als Bettvorleger gelandet. Ende der Geschichte? Denkste. Jetzt werden die Bettvorleger auch noch frech und wollen wieder in den Stand des Löwen versetzt werden. Das ganze mit staatlicher Mithilfe. Ach was, das Wort „Mithilfe“ ist falsch an dieser Stelle. Der Staat soll es alleine richten. Die Allgemeinheit, bis vor kurzem noch von den Oberlöwen ausgelacht, soll zahlen. Dreister und schamloser geht`s nimmer.
Drei verschiedene Geschichten, aber mit gleichem Inhalt. Die „Typen“ an der Spitze sind entzaubert.

Als Schaeffler sich anschickte die vielmals größere Continental zu schlucken, lugte der Größenwahn aus allen Ritzen des luxuriösen Pelzmantels der Firmenchefin. Genau dieser wurde dann auch zum Synonym für die Unverschämtheit der Eigentümerin. Als es eng wurde, gingen die Arbeitnehmer für ihre Chefin auf die Straße. Die Chefin, diesmal ohne Pelz, wischte sich eine plötzlich sichtbare Träne aus dem Auge. Nur kurze Zeit später, als es richtig eng wurde, verkündete sie als erste Sparmaßnahme den Abbau von 4.500 Arbeitsplätzen (ob „mit Träne“ ist nicht überliefert). Milliardärinnen haben eben eine andere Vorstellung von Dank.

Als Porsche vor kurzem verkündete, dass der „Gewinn größer sei als der Umsatz“, fragte sich Unsereiner mit seinem bescheidenen BWL-Wissen, wie so etwas möglich sei. Aber die Öffentlichkeit, vorweg die Politik, reagierte mit fast göttlicher Verehrung. Na klar, dass so ein Konzernmanager wie Wendelin Wiedeking dann auch 70 Mio. Euro verdienen darf. Richtig, außer ihm, hat bei Porsche ja wahrscheinlich auch niemand so richtig gearbeitet. Wen hat es schon interessiert, dass der Gewinn in erster Linie Papier-Gewinn war (VW-Aktien wurden auf dem damals hohen Niveau bilanziert, das sieht heute schon wieder wesentlich anders aus). Wen hat es schon interessiert, offensichtlich auch die wenigstens Porschefahrer, dass aus Kostengründen immer mehr VW im Porsche steckt. Jetzt wird um staatlichen Kredit gebettelt. Sorry, schon wieder falsche Formulierung. Es muss heißen es wird staatlicher Kredit „gefordert“, denn die böse Weltwirtschaftskrise ist schuld, dass die Zockerrechnung nicht aufging. Die „fehlerhafte“ Vergütung von Wiedeking kann man angeblich „leider“ nicht mehr zurückholen und bevor man nun die „armen“ Eigentümerfamilien Porsche und Piech in Anspruch nimmt, soll doch der Staat mal helfen. Und die politische Unterstützung ist nicht weit. Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger hat volles Verständnis dafür, zumindest hat das ihm sein Redenschreiber so aufgeschrieben (Uraltes Oettinger-Problem).

Kommen wir zu Beispiel Nummer 3: Arcandor. Zugegeben, Ex-Chef Middelhoff, ist BBBs Lieblingsfeind. Aber es war ja auch zu ärgerlich zusehen zu müssen, wie dieser Blender von Teilen der Tourismusbranche abgefeiert wurde (siehe BBB vom 29.9.2008 „Wenn bei einem Vordenker der Lack abblättert“) Die Inhalte seiner Vorträge tendierten hinsichtlich des touristischen Neuigkeitswertes gegen Null. Aber zugegeben, niemand konnte „Nichts“ so schön verpacken. Und dass der Aktienkurs seines Unternehmens während seiner Rede auf dem fvw-Kongress um 20% sank? Papperlapapp.
Aber wenn Bundeskanzlerin Merkel am Wochenende bemerkt „bei Arcandor habe es ein erhebliches Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen gegeben“, dann ist selten ein Top-Manager von so hoher Stelle so öffentlich abgewatscht worden.
Und was der aktuelle Arcandor-Chef Eick sich in den letzten Tagen geleistet hat, wurde in der Presse (jetzt ist sie plötzlich wach) zu Recht als Erpressung der Regierung bezeichnet. Er zockte (schon wieder ein Zocker) bis zuletzt, notfalls auch zu Lasten der Arbeitsplätze.

Was heißt das ganze für Thomas Cook (um nun die Kurve in die Touristik zu bekommen). Schon 2005 konnte man in den Bissigen Bemerkungen lesen: „Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären“ (Siehe BBB vom 18.4.2005 „Tochter verpfändet und zum Kauf angeboten„). Und zum Jahresende 2006 war der gleiche Tenor sogar Überschrift in den BBBs (27.12.2006 BBB-Sonderausgabe: „Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären„). Zwischendurch, in den BBBs vom 30.5.2005 hieß es schon Mal „Um bei Thomas Cook zu arbeiten, sollte man schmerzunempfindlich sein“.
Das ganze zeigt auch, wie lange schon die Misere bei Arcandor alias KarstadtQuelle andauert.

Und jetzt will Thomas Cook sogar besonderen Fleiß zeigen, denn laut Financial Times Deutschland vom 6.6. „plant Thomas Cook einen rigiden Sparkurs“ (angesichts der vielen verkündeten Sparprogramme in den letzten Jahren unter Pichler, Beeser, Holtrop, Fontenla-Novoa und natürlich Oberaufseher Middelhoff –haben wir einen vergessen?- ist diese Entscheidung eigentlich verwunderlich, denn wir dachten Oberursel sei bereits „kostenfreie Zone“). Der Hammer in diesem neuen Sparprogramm ist die Absicht „Reiseleiter in bestimmten Ländern abzuschaffen und die Gäste lieber über eine Telefon Hotline zu betreuen“. Typischer Berater Vorschlag! Das Produkt ist dann nicht mehr das gleiche, sondern wird schlechter, soll aber sicherlich zum gleichen Preis verkauft werden“.

Zitieren wir ein letztes Mal die BBBs. Da stand am 18.4.2005 „Bei KarstadtQuelle ist zudem bemerkenswert, dass die Mitarbeiter wohl besser als das Management das Problem erkennen: „Karstadt muss sich wieder auf die Qualität besinnen und nicht nur aufs Kostensparen“. In der Tat, wenn nur noch Dienstleistung „ohne Mitarbeiter“ geboten wird, darf man sich nicht wundern“.
Diese Feststellung könnte aktuell sicherlich auch von Thomas Cook – Mitarbeitern stammen.

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