Weihnachten auf arabisch

Advent, Advent ein Lichtlein brennt,
erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier,
dann steht Etihad vor der Tür.
Damit ist dem Air Berlin CEO Hartmut Mehdorn ein spektakulärer Ersatz für die aus Sparsamkeitsgründen ausgefallene traditionelle AB-Weihnachtsfeier gelungen.

„Der Islam gehört zu Deutschland“, sagte vor einiger Zeit der (Noch-) Bundespräsident und intime Air Berlin-Kenner Christian Wulff. Der Einstieg der Abu Dhabi-Airline Etihad mit 29% bei Air Berlin eröffnet für die „leicht“ angeschlagene Air Berlin neue Möglichkeiten. Zählt man hierzu noch den nächst größeren Aktionär Ali Sabanci der türkischen ESAS-Holding mit bislang 16% Anteil, dann weiß man wo künftig bei Air Berlin „der Hammer hängt“.

Damit wird sich das Air Berlin Schwergewicht von Dubai nach Abu Dhabi verschieben. Das dürfte auch von „Interesse“ für Dubai-Veranstalter sein (z.B. JT-Touristik).

Die Geschichte der Air Berlin-Großaktionäre spiegelt auch die Entwicklung der globalen internationalen Wirtschaft wider. Die Air Berlin Vorläufergesellschaft wurde von einem Amerikaner gegründet. Nach Ende des Kalten Krieges wurde Air Berlin deutsch. Dann gab es einen russischen Großaktionär (Blavatnik). Jetzt wird Air Berlin arabisch und es würde nicht wundern wenn der nächste Großaktionär ein Chinese wäre.

Sicherlich wird der finanzielle Aspekt für Air Berlin kurzfristig der wichtigste sein. Abu Dhabi ist finanziell noch potenter als andere arabische Länder. So ist z.B. der Abu Dhabi Investment Fond (ADIA) der weltgrößte eigenständige Fond. Langfristig dürfte es aber von größerer Bedeutung sein, die neue Verbindung mit strategischem Leben zu erfüllen, z.B. zusammen mit der One World-Allianz. Schließlich bedeutet Etihad im arabischen „Gemeinschaft“. Dann könnte Air Berlin ein wichtiger Player im Airline-Business werden und d e r Garant, dass der neue Berliner Großflughafen ein Erfolg wird.
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In eigener Sache:
Die Bissigen Bemerkungen wünschen allen Leserinnen und Leser ein frohes Weihnachtsfest und ein erfolgreiches Jahr 2012.
Die nächsten BBB erscheinen erst wieder am 2.1.2012

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Der Gipfel, der eine Grube war

Eigentlich darf ich mich ja nicht beklagen. Ich hatte von Ramsauers Rede auf dem BTW-Gipfel nichts erwartet und meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Aber das kann eigentlich nicht sein, dass der Verkehrsminister vor der Tourismusbranche spricht und sich überwiegend mit Straßenverkehr, LKW-Maut u.ä. befasst. Zu den wirklich wichtigen Dingen, zu all den Dingen die der Branche auf den Nägeln brennen, fast nur Lächerliches.

Single European Sky? O-Ton Ramsauer: „Das ist eine Sisyphus-Arbeit“.
Natürlich ist sie das. Aber hier könnte man Großes vollbringen für die Branche, Kostensparen und gleichzeitig die Umwelt entlasten. Aber bei ihm hat man nicht den Eindruck, dass „er den großen Stein nach oben rollt, dieser aber leider im entscheidenden Moment immer wieder nach unten rollt“ wie es Sisyphos in der griechischen Mythologie geschieht. Bei ihm hat man eher den Eindruck, dass genau aus diesem Grund er den großen Stein nicht einmal anfasst.

Luftverkehrssteuer? O-Ton Ramsauer: „Meine Erfindung war das nicht. Wenn ich könnte, dann würde ich …“. Auch hier ist er kein Sisyphos (ja nicht anfassen), sondern er macht jetzt einen auf Pilatus „Ich wasche meine Hände in Unschuld“.

Aber die Bahn, die würde ihm am Herzen liegen. Er kontrolliert auch „die Sauberkeit der Bahnhofstoilette in Traunstein“, seinem Wahlkreis. Das hat er wörtlich gesagt, soll wohl Volksnähe bedeuten. Auch ansonsten „liegen ihm die Bahnhöfe sehr am Herzen“. Ramsauer könnte wohl sofort zu „Wetten, dass …“ gehen: Er kann 10 deutsche Bahnhofstoiletten am Geruch erkennen. Toll, Herr Minister.

Etwas unverständlich, wenn er bei der Verabschiedung noch gelobt wird, als einer der Minister, der immer „ein offenes Ohr für die Branche hat“. Was nützt das, wenn in seinem Kopf immer „Durchzug zwischen den beiden Ohren herrscht“. Von ihm hat die Branche auch in Zukunft nicht viel zu erwarten. Diese 40 Minuten waren verlorene Zeit.

Verlorene Zeit war auch, bis zum Schluss ausgeharrt zu haben, zur Verleihung des „Innovationspreis der Deutschen Tourismuswirtschaft“. Der Preisträger heißt: Lufthansa. Dann lauscht man gespannt der Begründung und man lauscht und man lauscht und man lauscht und die Laudatio nimmt kein Ende. Einige Teilnehmer meinten, diese Rede könne nur die Marketing-Abteilung der Lufthansa geschrieben haben. Glaube ich nicht, das sind Profis, die hätten nicht so dick aufgetragen. Und die Begründung: Die besondere Leistung der Lufthansa für ihre First-Class Passagiere. Ist dies das Thema, das die Branche z.Z. bewegt und vorwärts bringt? Nach einer gefühlten halben Stunde hatte ich im Kopf abgeschaltet, aber wenn ich mich im Unterbewusstsein richtig erinnere, wurde auch der Teppich in der First Class lobend erwähnt (kein Scherz). Ich will niemanden persönlich zu nahe treten, aber hatte diese Nummer Lufthansa oder der BTW nötig?

Legen wir auch den Mantel des Schweigens über jede Art der Moderation am ersten Tag. Umso bemerkenswerter wie sich die Teilnehmer der Podiumsdiskussionen (außer Moderator) angestrengt haben, sich vom generellen Niveau des Tages nach oben abzuheben. Auch die unaufgeregte sachliche Präsentation von BBI war sehr angenehm. Immerhin war nicht der ganze Tag verloren.
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Besonders empfehlenswert sind diese Woche im Reiseradio (www.reiseradio.org) die akustischen Bissigen Bemerkungen. Die wurden nämlich unmittelbar nach dem „Gipfel“ aufgenommen. Da kommt meine Originalstimmung klasse rüber und weitere Kommentare zu den Reden von Wowereit und Gabriel.
Außerdem ist noch mehr Gipfel drin, auch ein Interview mit Dr. Peter Raumsauer. Ich selbst habe es noch nicht gehört, wahrscheinlich werde ich diese Stelle im Reiseradio überspringen. Aber wer nicht in Berlin war, kann es sich ja gönnen.

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Zwei Skandale die zum Himmel stinken

1. Skandal: KfW-Bank – die schamlosesten Banker der Nation
Das ist der Gipfel der Unverschämtheit. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) erhöht die Zinsen für Studiendarlehen von bislang 6,29% auf über 7%. Begründung: „Folge der Kapitalmarktkrise“!
Ausgerechnet die KfW, die noch über 350 Mio. Euro pennerhaft der bankrotten Lehman-Bank hinterher warf. Ausgerechnet die KfW, die total die Aufsicht über ihre Tochtergesellschaft IKB verpennte, was zu einer Belastung der deutschen Steuerzahler von mehr als 1 Mrd. Euro führte.
Die Banker, die durch ihr Unvermögen Geschichte geschrieben haben, versuchen jetzt einen klitzekleinen Teil des vermurksten Geldes zurückzuholen. Ausgerechnet bei jenen, die sich nicht wehren können. Die Dummheit dieser Banker belastet die Bildungszukunft. Herzlichen Glückwunsch Deutschland.
Frau Merkel, sie wollten Bildung zur Chefsache machen. Greifen sie ein.

2. Skandal: Tempelhof: Ein Leichenschmaus der mehr als ekelhaft ist.
Wenn jemand mit 85 Jahren stirbt, treffen sich nach der Beerdigung jene zum Leichenschmaus, die das Ableben des Verstorbenen bedauern. Richtig unanständig wird es, wenn der Verstorbene keines normalen Todes gestorben ist, sondern dahin gemeuchelt wurde und ausgerechnet die Täter anschließend zum Leichenschmaus laden. Die Krokodilstränen von Wowereit und Co. kann man sich bestens vorstellen. Aber Charakterschwäche ist anscheinend unbegrenzt steigerbar. Die Veranstalter des makabren Schauspiels versuchen sich den Leichenschmaus auch noch von den Gästen bezahlen zu lassen. Das Sponsoring-Paket Platinum soll 45.000 Euro kosten, beste Sicht auf die Leiche natürlich garantiert. Die Pakete Gold, Silber oder Bronze sollen zwischen 12.500 Euro und 6.500 Euro kosten. Da sieht man dann nur noch Teile der Leiche und wird auch nicht in die „Schlussinszenierung eingebunden“.
„Sozial“ wie man ist darf auch der kleine Mann von der Straße oder das alte Mütterchen von der Ecke, sich mit 250 Euro beteiligen. Dafür gibt es dann allerdings nur „Menü und Getränke und Programm“. So bescheuert wird wohl niemand sein.

Der Autor dieser Zeilen hat sich vor wenigen Tagen auf diskretere Art von dem schönen Flughafen verabschiedet. Ein Rundflug mit DC 3 (Rosinenbomber) und noch einmal den legendären Flughafen angeflogen. Schön und traurig gleichermaßen.

Es ist kein Trost, wirklich keiner, dass absehbar ist, wann der Senat diese Fehlentscheidung bereuen wird. Die neuesten „Erfolgszahlen“ der Berliner Flughäfen (sie seien der Flughafendirektion von Herzen gegönnt) belegen es geradezu, dass BBI kurz nach der Eröffnung schon zu klein sein wird. Wie lange darf Flughafendirektor Schwarz noch solche Zahlen verkünden, bevor der Senat wegen des Erfolges sauer wird? Möglich ist in diesem absurden Spiel wirklich alles.

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Mein Knut heißt Tempelhof

Entschuldigung liebe Leser, wenn die BBBs erstmals bei einer Überschrift „etwas schummeln“. Diese Überschrift ist nur gut für die Internet-Suchmaschinen, damit dieser Beitrag oft gefunden wird.
Eigentlich müsste die Überschrift lauten: „Die Berliner Flughäfen brauchen kein Bachneunauge und keine Fledermaus, da bremst der Senat die Zukunft persönlich“.
Noch lustiger wäre die Überschrift gewesen: „Das Bachneunauge von Berlin heißt Wowereit“.

Ok, geben wir es zu, die BBBs finden den Flughafen Tempelhof auch „knutschig“ wie es neuberlinerisch heißt. Aber das ist an dieser Stelle nicht das vorherrschende Argument, man will ja von Wowi nicht mit „Nostalgiker“ verspottet werden. Nein, es geht um den Flugverkehr der Zukunft in Berlin (die Nostalgie gäbe es dann gratis dazu).

In Berlin ist alles anders. Man ist arm aber sexy und man weiß nicht immer was man will. Den Flughafen Tempelhof will man auf keinen Fall, vielmehr möchte man etwas weltweit Einmaliges schaffen: Man will einen Flughafen schließen, obwohl kein Feldhamster sich in seiner Ruhe gestört fühlt und obwohl keine Flughafenanwohner wegen des Fluglärms protestieren. Toll oder Tollhaus?

Dass man den Flughafen Tempelhof schließen will, weiß der Senat schon lange. Konzept zur Nachnutzung? Fehlanzeige. Also doch echt berlinerisch, man weiß was man nicht will, aber nicht was man wollen könnte. Sorry, eine Idee, gibt es doch. Man würde gerne aus einem funktionierenden Flughafen ein „pflegearmes Wiesenmeer“ machen! (Wer ist hier eigentlich der „Sozialromantiker“, liebe Frau Senatorin Junge-Reyer?) Das glaubt einem weltweit kein Mensch, es sei denn er kenne die Berliner Senatsmentalität.

Natürlich hat der Berliner Senat Argumente gegen Tempelhof. Richtige Kracher sogar. Zumindest auf den ersten Blick.

Das wichtigste Argument. Man will den Ausbau des künftigen (Groß?)-Flughafens „Airport Berlin Brandenburg International“, kurz BBI genannt, nicht gefährden. Und deshalb müsse man Tempelhof schließen. Flugs werden juristische Argumente ausgetauscht und Gerichtsurteile so interpretiert, dass sie „passen“. Also jubelte zuletzt der Senat (warum jubelt der eigentlich?), jetzt hätte es auch das Bundesverwaltungsgericht bestätigt. Aber was hat es bestätigt? Es hat bestätigt, dass Tempelhof geschlossen werden darf (Man beachte das letzte Wort „darf“) und die Schließungsverfügung rechtens sei. Heißt auf gut Deutsch: Ändern könne dies nur einer: der Berliner Senat. Sofern er wolle. Aber er will nicht.

Aber genau hier liegt nicht nur der Hund begraben, sondern auch die Zukunft des Berliner Flugverkehrs. Der künftige Hauptstadtflughafen ist zu klein dimensioniert. So ist das nun mal, mit den langen Plan-Vorlaufzeiten in Deutschland. Wer hätte ehrlicherweise 1995 zum Beispiel mit der sensationellen Entwicklung der sog. Billigflieger gerechnet. Alles wäre halb so schlimm, wenn man aufgrund der neueren Erkenntnisse Konsequenzen daraus ziehen würde.
Man könnte zum Beispiel in München mal kurz nachfragen, wie das mit den Zahlen zum Beginn des Planfeststellungsverfahrens und mit den Zahlen bei Eröffnung des Flughafens war. Jedoch haben die schlauen Bajuwaren ganz flugs Gas zum weiteren Ausbau gegeben.
Oder nehmen wir Frankfurt. Trotz extrem kritischer Wahlkampfzeit in Hessen bekannte man sich zum weiteren Ausbau des Frankfurter Flughafens und hat entsprechende Entscheidungen gefällt.
Man könnte auch den Frankfurter Flughafen-Chef Bender fragen, wie wichtig es für ihn ist, dass die kleinen Business Jets in Egelsbach landen und nicht in Frankfurt. Genau diese Rolle könnte Tempelhof schließlich für BBI übernehmen und Tempelhof liegt noch extrem günstiger zur Berliner-City als Egelsbach zur Frankfurter-City.

Aber zum Glück gibt es noch die Anwohner des Flughafens Tempelhof. Die wollen jetzt auch etwas weltweit Einmaliges schaffen. Sie starteten ein Volksbegehren um einen Flughafen direkt vor ihrer Haustür offen zu halten! Den ersten Anlauf hat das Abgeordnetenhaus noch locker abgebügelt. Jetzt läuft seit 15. Oktober 2007 die zweite Stufe des Volksbegehrens. 7% der wahlberechtigten Berliner müssen für einen Erfolg zustimmen, das wären ca. 170.000 gültige Unterschriften. Am 10.1.08 waren es lt. offiziellen Angaben 137.333 (die meisten aus Flughafen nahen Stadtteilen!). Pro Woche kamen zuletzt ca. 7.000 Unterschriften hinzu. Das wird zwar knapp bis zum Ende der Frist am 14. Februar 2008, aber man kann es noch schaffen (siehe hierzu www.das-thema-tempelhof.de ). Die BBBs drücken die Daumen

Und der Druck auf den Senat verstärkt sich in den letzten Tagen:
Die BZ am 7.1.08: „BBI droht der Kollaps. Passagier-Zahlen steigen stärker als erwartet. Experten: Tempelhof muss bleiben, damit der Großflughafen funktioniert“.
Der Rechtsexperte Rupert Scholz am 12.1. im Tagesspiegel: „Juristisch spricht nichts gegen Tempelhof. Es gibt kein rechtliches Argument, das in irgendeiner Weise gegen die Offenhaltung von Tempelhof spricht. Die Entscheidung für oder gegen den Weiterbetrieb vom Tempelhof ist nur eine politische Frage“.

Man könnte noch viele Punkte ansprechen: Das Problem wenn mal (warum auch immer) eine Landebahn in BBI geschlossen werden muss (wie im Moment gerade in Schönefeld) oder die stille Freude in Brandenburg künftig die eigenen Mini-Airports besser beschäftigen zu können usw. usw.

Machen wir Schluss für heute: Diese BBBs möchten nur ein kleiner Gruß zum Neujahrsempfang der Berliner Flughafengesellschaft in dieser Woche sein. Man stelle sich vor, bei dieser Gelegenheit würde Wowereit sagen: „Tempelhof bleibt offen. Und das ist gut so“. Wow, das gäbe Headlines in Berlin wie „Klinsmann kommt“ in München.

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In eigener Sache: Man hätte diese Woche auch über den spektakulären Anteilsverkauf der TUI an TUI Travel berichten können. Aber nach der ganz aktuellen Meldung „TUI baut Konzern radikal um“ in der Online-Ausgabe der Financial Times vom 13.1. sind hierzu weitere Recherchen notwendig. Also bis nächste Woche.

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