Frohe Weihnachten

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde,
die Bissigen Bemerkungen wünschen Ihnen ein frohes Weihnachtsfest und alles Gute für 2016.

Das Beißen zu Weihnachten müssen Sie jetzt leider selbst übernehmen. Bitte nehmen Sie sich dafür nicht die Verwandtschaft vor, sondern mal im ganz wörtlichen Sinn Ihren Weihnachtsbraten. Und seien Sie dankbar, wenn Sie einen auf dem Tisch haben, das ist leider keine Selbstverständlichkeit für alle Menschen.

Die nächsten BBBs erscheinen pünktlich zum Neuen Jahr mit einem Ausblick auf 2016 und dem einen oder anderen Tritt noch auf 2015.
Vielen Dank für Ihr Interesse und Ihre Treue
Ihr
Karl Born

Die BBBs gehen übrigens in 2016 in das 15. Kalenderjahr mit der Ausgabe #726.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Entschuldigung und frohe Weihnachten

Leider, das macht man gar nicht gerne, muss ich mit einer „riesengroßen“ Entschuldigung beginnen. Ich habe letzte Woche, erstmals seit 13 Jahren (!), die BBBs vergessen. Echt. Ich hatte so viel Neues (Positives) im Kopf und da ist es einfach passiert. Das ist mir deswegen besonders peinlich, weil es in der Woche zuvor überproportional viele Newsletter-Neuanmeldungen gab. Was mögen diese neuen BBBs-Fans, angeregt durch eine Vortragsveranstaltung zuvor, gedacht haben, als direkt nach der Anmeldung „Nichts“ passierte. Ich hatte dort auch noch ausgeführt, wie wichtig die Regelmäßigkeit für Homepage und Newsletter ist. Kommt nicht wieder vor!

Dabei sollte letzte Woche das Statement von TUI-CEO Joussen aufgegriffen werden, der anlässlich der erfolgreichen Börsenplatzierung der neuen re-integrierten TUI wieder von dem weltgrößten “integrierten Touristikkonzern“ sprach. Das war für den Verfasser der BBBs, einst (mit dem früheren TUI-CEO Ralph Corsten) Wegbereiter und Verfechter für einen „integrierten Konzern“ Musik in den Ohren. Endlich wieder „eine“ TUI und keine (nicht immer konzernoptimale) „Extraschleife“ in London (siehe auch BBBs best of vom 8.1.2007: „Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristikfirmen“). Damit könnte sogar mein 500-Seiten-Schmöker aus 2003 „Der integrierte Touristikkonzern“ (Herausgegeben mit meinem Hochschulkollegen Bastian und vielen Mitautoren aus der Touristikbranche, z.B. Stefan Pichler, ab 1.2.2015 CEO Air Berlin oder Harry Homeister, damals Thomas Cook, heute CEO Swiss und Vorstand Lufthansa oder Dr. Volker Böttcher, damals TUI und heute Prof. in Wernigerode und vielen anderen bekannten Namen) wieder zu Ehren kommen.

Die Bissigen Bemerkungen und ich auch persönlich wünschen allen Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen ein frohes Weihnachtsfest, schöne besinnliche Stunden und vielleicht auch das eine oder andere tolle Festgeschenk. Und wie jedes Jahr soll nur in den Festbraten gebissen werden, deshalb halten sich die BBBs hier und heute etwas zurück.

Aber in der folgenden Woche, noch bevor das Jahr 2014 zu Ende gehen wird, „hauen wir nochmal eine richtige BBB raus“. Versprochen und wird auch gehalten!

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Endlich

Fast auf den Tag genau, drei Jahre ist es her, da lästerten die Bissigen Bemerkungen über die unselige Bettensteuer (BBB vom 15.11.2010 „Wer stoppt endlich diesen Schwachsinn?“). Der Autor dieser Zeilen wurde damals in Dortmund zum ersten Male mit dieser Steuer konfrontiert. Man muss dazu sagen, dass die Dortmunder Satzung, wie die meisten Satzungen, zwischen privater und dienstlicher Übernachtung unterscheidet. Als dann morgens die Bezahlung der Hotelrechnung anstand, bemerkte der Hotelangestellte unaufgefordert und kundenorientiert „Sie sind doch bestimmt dienstlich unterwegs. Dann müssen Sie keine Bettensteuer zahlen. Hier ist Ihr Befreiungsantrag, schon ausgefüllt, Sie müssen nur noch unterschreiben“. Danke!

Jetzt, endlich, hat das Oberverwaltungsgericht Münster die „Bettensteuersatzung“ von Dortmund für nichtig erklärte. Hauptbestandteil der Entscheidung: Es könne dem Hotel nicht zugemutet werden in jedem Einzelfall festzustellen, ob der Gast privat oder dienstlich übernachtet hätte. Genau das hatte sich damals jener Hotelangestellte auch gedacht. BRAVO!

Vergleichbar unsinnig ist das zunehmende Ansinnen der Finanzämter den Veranstaltern Gewerbesteuer auf die eingekauften Hotelleistungen zu berechnen. Nachdem TUI AG-Chef Joussen mächtig Krach geschlagen und auf die existenzbedrohende Konsequenzen dieser Gewerbesteuer-Forderungen hingewiesen hatte (geschätzt 1,4 Mrd. Euro für die Branche), steigerte sich der CEO von TUI Deutschland, Christian Clemens, zu einem Rundumschlag, wie er in anderen Branchen schon längt üblich ist. Er schimpfte, wie die BBBs schon seit Jahren, gleich noch zusätzlich auf die Luftverkehrssteuer, Bettensteuer und vorsorglich auch auf die PKW-Maut.

Endlich, kann man auch hier sagen. Die Tourismusbranche ist zu lange von der Politik nicht angemessen wahrgenommen worden. Auf dem nächsten BTW-Gipfel Anfang Dezember in Berlin, sollte ein ordentliches Paket mit all diesen benachteiligenden Belastungen geschnürt und dem künftigen Wirtschaftsminister auf den Tisch „geknallt“ werden. Auch dem künftigen Tourismusausschuss, der überwiegend neue Mitglieder haben wird, sollte man gleich deutlich mit auf den Weg gehen, sich endlich um die großen touristischen Problemfelder zu kümmern. Hintertupfing und Vordertupfing (stellvertretend genannt) sind schöne deutsche Landflecken, die man gerne lobend erwähnen kann und drei Tage Dienstreise nach München (zufällig während des Oktoberfestes) sind auch eine nette Belohnung für „alle Mühen der politischen Arbeit“. Aber wenn man die Bedeutung dieser Branche (und das geht offensichtlich nur mit Druck) steigern könnte, dann wäre man auch als Ausschuss bedeutender (und natürlich auch umgekehrt).

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

MdB Brähmig steht wieder mal im Fettnapf

Da hatten wir ihn in der Tat doch fast vergessen, unseren Vorsitzenden des Bundestags-Tourismusausschusses Klaus Brähmig. Aber jetzt, rechtzeitig im Sommerloch, hat er wieder zugeschlagen. Für die Urlaubsgebiete in Ägypten (wohlgemerkt Urlaubsgebiete und nicht Kairo oder Alexandria) „fürchtet er Terrorakte“ durch radikalisierte Teile der Muslimbrüderschaft und hält dabei für möglich, dass diese Radikale keine Rücksicht auf Touristen nehmen könnten (laut die WELT, 4.7.).
Ob er dabei weitergehende Informationen hat als das Auswärtige Amt, das seine Reisewarnungen zur Zeit eben nicht für die touristischen Gebiete in Ägypten ausgesprochen hat, darf bezweifelt werden. Natürlich war der Deutsche Reiseverband (DRV) stinksauer und ließ mitteilen, man sei sehr verwundert, dass nun ohne Grund eine Diskussion über die aktuelle Lage und die weitere Entwicklung in Ägypten losgetreten und angeheizt werde. „Wer jetzt über mögliche Anschläge spekuliert, handelt grob fahrlässig und schürt geradezu Panik. Solche Aussagen sind haltlos und entbehren jeglicher Grundlage“, so der DRV sehr deutlich weiter.
Man muss wissen, dass es bei dieser Diskussion nicht nur um die Interessen der Reiseveranstalter geht (im Zweifel buchen die ihre Kunden in ein anderes Zielgebiet), sondern vor allem um das Überleben der vielen Angestellten in der ägyptischen Tourismusindustrie rund um das Rote Meer. Statt diesen Menschen zu helfen, entzieht man ihnen durch solche leichtfertigen Aussagen (vorausgesetzt es nimmt jemand Herrn Brähmig ernst) die Erwerbsgrundlage. Das haben diese Menschen wirklich nicht verdient.

Das schlimme an dem Ganzen, und deshalb die besonders heftige Reaktion der BBB, Herr Brähmig ist Wiederholungstäter. Schon im März letzten Jahres, unmittelbar vor der ITB warnte besagter Herr Brähmig ausdrücklich vor Reisen nach Ägypten. Dieser „verbale Fehltritt“ war damals besonders peinlich, weil Ägypten Partnerland der ITB war. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Deshalb schrieb auch die fvw jetzt: „Wieder Ägypten-Eklat um MdB Brähmig“.

Da muss man sich doch fragen: Hat Herr Brähmig eine Art Ägypten-Phobie? Oder hat er als Kind zu viele schreckliche Mumien-Filme gesehen („Die Rache der Mumie“ o.ä.)? Vielleicht leidet er auch schwerwiegender an Islamophobie (Angst gegenüber Muslimen/dem Islam)?
Er ist und bleibt eine Belastung für die Tourismusindustrie, obwohl das Gegenteil, als Vorsitzender des Tourismusausschusses, sein Job sein müsste.
Zur Person Brähmig siehe auch die BBBs
vom 19.3.2012: „Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken“
vom 12.3.2012: „So wird das nie was mit der Tourismusbranche“, hier Punkt 2,
vom 25.7.2011: „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin?“

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Schöpferische Pause

Nach 12 Jahren und 607 Ausgaben „Bissige Bemerkungen“ ist es mal angebracht eine (kurze?) schöpferische Pause zu machen.
Dann soll es mit geschärftem Biss wieder weitergehen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Um künftig einen großen Reisekonzern zu führen darf man auch „green“ hinter den Ohren sein.

Wir müssen es zugeben, die Bissigen Bemerkungen haben sich ein klein wenig geirrt. Am 2.1.2012 behaupteten wir (siehe BBB: „Erste Personalentscheidung in 2012 gefallen“), der neue Chef von Thomas Cook käme von der Hypo Real Estate. „Er verfüge über keinerlei Erfahrung im Reisegeschäft“, aber er bringe dafür etwas anderes mit. Er wisse, „wie man überraschend 55 Mrd. Euro im eigenen Haus findet“.

Andererseits, zumindest mit dem ersten Teil der Vorhersage haben die BBBs richtig gelegen. „Keinerlei Erfahrung im Reisegeschäft“ scheint wohl bei Thomas Cook und vielleicht demnächst auch an anderem Ort, ein wichtiger Bestandteil der Stellenbeschreibung für den absoluten Topjob zu sein. Schade für die vielen qualifizierten Manager/-innen aus der Führungsebene darunter, die Einfahrt nach ganz oben ist nicht möglich. „Auf keinen Fall Fachkenntnisse“ ist ja auch seit Jahren ein „probates“ Mittel für die Besetzung von Ministerämtern.

Jetzt soll es Harriet Green bei Thomas Cook richten. Keinerlei Erfahrung im Reisegeschäft, keinerlei Erfahrung in einem Großkonzern (zuletzt bei einem Mittelständler gearbeitet), keinerlei Erfahrung im Verkauf an Massenkunden (zuletzt Bauelemente an Ingenieure verkauft), da „stimmt einfach alles“. Aber die neue Chefin hat ausgezeichnete Kontakte zur Londoner Finanzwelt („dafür nutze ich ein Drittel meiner Zeit“), dann war ja der BBB-Hinweis am 2.1.2012 auf die HRE-Bank nicht so sehr daneben.

Ach ja, Konzernumbau, der soll künftig im Mittelpunkt stehen. Wie bitte, Konzernumbau? Bei Thomas Cook ist doch schon alles umgebaut, da werden schon die Umbauten umgebaut. Da ist nichts mehr original. Fast wie bei einer gealterten Diva, bei der nach unzähligen Schönheitsoperationen nichts mehr echt ist. Wenn sie mit den Augen klimpert, wird zwangsläufig der Mund aufgerissen.

Also nochmals was schon in den BBBs vom 30.5.2005 beim Amtsantritt des damaligen Thomas Cook-Chefs Thomas Holtrop (siehe BBB: „Um bei Thomas Cook zu arbeiten, sollte man schmerzunempfindlich sein“) als Resümee stand:
„Wieder mal wird die Touristik „neu erfunden“ mit mehr Internet, weniger Reisebüro und weniger Mitarbeitern. Davon hatte schon Ex-Karstadt-Chef Urban geträumt: Dienstleistung ohne Mitarbeiter“.

Kommen wir auch noch mal auf die Bissigen Bemerkungen vom 2.1.2012 zurück. Da stand zum Schluss:
Kannste keinen Scheich an dich binden,
musste die „Kohle“ eben selber finden.
Diese Arbeit haben die Londoner Finanzfuzzies der Thomas Cook auf eine nicht gerade kreative Art und Weise gelöst. 19 Flugzeuge wurden verkauft und wieder zurück geleast. Das hat doch schon einmal einer der „ganz großen Manager“ mit den Karstadt-Kaufhäusern gemacht und dabei gleich das Totenglöcklein über die Tür genagelt.

Mir tut nur meine „alte Condor“ leid. 17 der verkauften Flugzeuge stammen nämlich von Condor. Die über Jahrzehnte mühsam erarbeitet Substanz ……? weg, futsch, auf nimmer Wiedersehen. Das muss extrem frustig für das Condor-Management sein.
—————————
Von „Umbau“ hatte wohl auch der baden-württembergische Landeschef der Grünen (grün, nicht green) Chris Kühn „etwas gehört“. Wie ist es sonst zu erklären, dass er mit einer Axt im Handgepäck von Berlin zurück ins Ländle fliegen wollte. Da er, anders als seine Bundeschefin, nicht unkontrolliert an der Sicherheitskontrolle vorbei laufen darf, „fiel die Axt auf“. Sie war zwar nur aus Kunststoff, aber sie musste (richtigerweise) trotzdem extra als Sportgepäck aufgegeben werden.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Den Schuh zeigen

Deutschland ist wiederum ein Stück multikultureller geworden. Zuerst war es der touristisch geprägte „Import“ von anderen Speisen und Getränken. Durch unsere touristischen Erfahrungen angeregt und danach dank vieler Gastarbeiter-Lokale geprägt, gehören inzwischen auch Spaghetti, Döner, Stifado, Cevapcici und Chianti, Raki, Ouzu, Slivovitz und vieles mehr zu Deutschland. Aber Multikulti macht natürlich noch viel mehr aus. Die Vermischung vieler kultureller Eigenschaften prägt inzwischen Deutschland in Vielfalt. Und zuletzt machte sich auch unser aktueller Bundespräsident verdient, in dem er auf die religiöse Vielfalt in unserem Land hinwies („Der Islam gehört zu Deutschland“). Ausgerechnet ihn traf nun der neueste „Kultur-Import“, den „Schuh zeigen“, als Zeichen von Verachtung. Ohne den Anlass dieser Aktion in den BBBs ansprechen zu wollen, kann damit festgehalten werden, dass hier eine neue Form von Protest bei uns eingeführt wurde und wahrscheinlich auch auf Dauer gelebt werden wird.

Die Bissigen Bemerkungen, als permanenter Vorreiter und Wegbereiter von Multikulti, greifen diesen Gedanken hiermit auf und überlegen, wo diese Protestform demnächst angewendet werden könnte.

Unser erster Kandidat ist Bundesfinanzminister Schäuble. Schon mehrfach haben wir an dieser Stelle die unselige Luftverkehrsabgabe kritisiert, deren negativen Auswirkungen wie befürchtet inzwischen auch eingetreten sind. Mit den BBBs vom 17.10.2011 („Verar…. kann ich mich selbst„) wurde auf die lächerliche Senkung der Luftverkehrsabgabe ab 1.1. dieses Jahr um 44 Cent hingewiesen (bezogen auf die Kurzstrecke). Auf den berechtigten öffentlichen Protest, dass diese Senkung nicht ausreichend sei, hat nun Schäuble nochmals „nachgearbeitet“ und die Luftverkehrsabgabe um weitere 6 Cent (in Worten „sechs“ Cent) gesenkt. Hier gilt das am 17.10. ausgedrückte „Verar…. kann ich mich selbst“ noch deutlich mehr. Oder, um es internationaler auszudrücken, „zeigt Schäuble den Schuh“.

Ebenfalls „den Schuh zeigen“ sollte man allen Bürgermeistern, Oberbürgermeistern, Regierenden, die über Kultursteuer, Bettensteuer, Matratzenmaut oder wie es immer heißen mag, vornehmlich die Touristen die ihre Städte besuchen auf wegelagerische Art abzocken und bösartiger Weise dies auch noch als Förderung des Tourismus bezeichnen. Liebe Touristen, zeigt auch diesen Typen „den Schuh“.

Gerne nehmen die Bissigen Bemerkungen weitere Anregungen entgegen, wem man noch „den Schuh zeigen“ sollte. Interessant wäre z.B. auch eine Betriebsversammlung (wo auch immer) in der die Mitarbeiter kollektiv der Unternehmensleitung den Schuh zeigen würden.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Mehr Qualität bei den Tourismusanbietern gefordert

Thomas Cook-Deutschlandchef Peter Fankhauser hat bei seiner Programmvorstellung angeprangert, dass in der Touristik jeder mitspielen darf ohne Qualitätsnachweis. Wenn er damit eine grundsätzliche Qualitätsdebatte lostreten wollte, kann man nur sagen: Gut gebrüllt Löwe, leider ein paar Jahre zu spät.
Die Großveranstalter haben in den letzten Jahren fast tatenlos zugesehen, wie Preisvergleichssysteme immer mehr den Verkauf bestimmten. Wenn man bösartig sein wollte (was die BBBs ja nie sind) könnte man auch sagen, einige Branchenparasiten ohne eigenen Content, bestimmten immer mehr die Spielregeln. Einige der Traditionalisten passten sich derart an, dass sie eigentlich elementare Teile aus dem Paket herausnahmen, um im Preisranking nach vorne zu kommen. Das waren die eigentlichen Vorläufer der X-Angebote.

Wenn man Branchenführer ist (und damit meine ich zumindest alle drei Großveranstalter), dann muss man auch die Branche führen. Das wurde in den letzten Jahren vernachlässigt. Nur der kurzfristige Blick auf das eigene Ergebnis zählte. Branchenführer zu sein ist ja nicht nur ein Ausdruck von Größe. Sonst würde es „Branchengrößter“ heißen. Aber „Branchenführer“ zu sein, bedeutet die Branche auch strategisch zu führen und Missentwicklungen möglichst gleich im Keime zu ersticken. So tummelten sich aber links und rechts neben den Etablierten immer mehr Hinz und Kunz, deren einzige Leistung darin bestand, technisch fixer zu sein als die Großen und lachten sich über deren tatenloses Zuschauen fast tot. Aber nur im Preiskampf kann man gegen die Newcomer nicht bestehen. Eigentlich hat man da sogar die geringsten Chancen. Und gerade die Thomas Cook-Hauptmarke Neckermann befeuerte über viele Jahre das Thema Preis in besonderem Maße.
So versäumten jene, die Zugriff auf die meisten Hotels und fast komplett Zugriff auf das Flugprogramm haben, hier die Tür zuzumachen, zumindest nur noch einen kleinen Spalt offen zu lassen.

In Folge der X-Veranstalter sind dann zusätzlich fast unanständige Stornierungsregeln ins Spiel gekommen. Dieser Zeitpunkt wäre die letzte Chance gewesen noch dagegen zu halten. Vertan! Die Bissigen Bemerkungen haben sich ihren Frust über die X-Veranstalter in den BBBs vom 6.12.2010 „Als der liebe Gott auf die Reisebürobranche sauer war – (k)eine Weihnachtsgeschichte“ von der Seele geschrieben.

Schön, dass jetzt auch andere wach werden (obwohl selbst Täter).
Lieber später als nie? Leider nein, jetzt heißt es: „Wer zu spät reagiert, den bestraft das (touristische) Leben“.

———————-
Nachlese:
In den BBBs der letzten Woche behaupteten wir im „Service Champion 2011“ würde der beste Autohersteller (Audi) erst auf Platz 24 liegen. Dies ist leider falsch. Wir hatten übersehen, dass auf Platz 5 Seat (nach drei Tourismusanbietern) und auf Platz 13 Mazda liegt. Das ändert allerdings nichts an der grundsätzlichen Feststellung, dass die Touristik in diesem Vergleich als beste Branche abgeschnitten hat. Umso unverständlicher, dass es ihr nicht gelingt diese „Kraft auf die Straße“ bzw. „als Empfehlung an die Kunden“ zu bringen. Dann wäre die aktuelle Diskussion, siehe oben, hinfällig.

Zum Thema Schlecker (siehe ebenfalls BBBs von letzter Woche) erhielten wir eine Zuschrift, die uns richtig schmunzeln ließ. Ein BBB-Leser zitierte aus seinem Brief an Schlecker. Dort hieß es u.a. „Alle Schlecker-Filialen in meiner unmittelbaren Umgebung haben in den letzten Monaten dichtgemacht. Dies spricht für den hohen Bildungsstand meiner Wohnregion.“

Und noch eine Nachlese zu den BBBs vom 24.10.2011 „Die Grenzen von Crowdsourcing“. Dort hatten wir darauf aufmerksam gemacht, dass die fleißigsten Schreiber in Facebook nicht gleichzeitig die besten Kunden sein müssen. Hierzu gibt es jetzt einen interessanten Beitrag In Harvard Business manager vom 31.10.2011 (also gerade eine Woche später) mit dem Titel „Die Grenzen von Online-Feedback“. Hier wird genau auf das gleiche Problem aufmerksam gemacht. Die BBBs haben in der Zwischenzeit auch von Firmen gehört, die erschrocken waren, als sie ihre Power-Facebook-Freunde persönlich kennen lernten. Diese waren mit ihren echten Power-Kunden in keiner Weise identisch.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Ich bin dann mal weg…

Mit seiner Abschiedserklärung, mitten in einer Pressekonferenz, fast nach Art von Hape Kerkeling, ohne vorherige Info an seine Mitarbeiter, hatte sich Hunold schon für einen etwas „ungewöhnlichen“, vielleicht sogar unnötig „unschönen“ Abgang entschieden.
Wie auch immer, es wird heftig darüber diskutiert, was der größere Schocker am Donnerstagmorgen war, der plötzliche (und zumindest zu diesem Zeitpunkt unerwartete) Rücktritt von Achim Hunold oder die Nachfolge durch den Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn. Beide hatten zuletzt nicht den besten Ruf in der Presse. So urteilte Spiegel online (treffend?) „Rambo I geht, Rambo II kommt“. Sicherlich nicht ahnend, dass beide Manager das nicht als Beleidigung, sondern eher als Kompliment auffassen würden. So entgegnete der ebenfalls höchst umstrittene Ex-EnBW-Chef (und Ex-Hannover 96 Präsident) Utz Claasen mal auf diesen Vorwurf „Lieber Rambo als Bambi“.

Zutreffender war da eher die weitere Formulierung bei Spiegel online „der Visionär geht, der Sanierer kommt“. So wie der „Vordenker“ zumeist noch einen „Nachdenker“ braucht, folgt dem Visionär in der Regel der Sanierer (Helmut Schmidt lässt grüßen).
Und bei Hunold kam, wie es kommen musste. Zuerst gleichermaßen von allen hochgelobt und jetzt gleichermaßen von allen niedergeschrieben. Wobei ich da an einen „Klassiker“ eines guten Hunold-Freundes denken muss: „Über Achim wird viel gesagt….., aber es stimmt auch viel“. Nur BILD stimmte nochmals eine Lobeshymne an. Wobei diese in Teilen eher peinlich (bis sehr peinlich) war. Dann doch lieber Rambo sein….

Aber eine Hunold Erkenntnis in diesem Interview sollte erwähnt werden. Auf die Frage, was er (Hunold) hätte rückblickend anders machen sollen, antwortete er: „Ich hätte noch stärker gegen die unsägliche wettbewerbsverzerrende Luftverkehrssteuer ankämpfen müssen“. Die BBBs haben nie verstanden wie schwach die Airlines hier reagiert haben (siehe BBB vom 6.9.2010 „Wenn Unvermögen zur Routine wird“, ebenso u.a. BBBs vom 14.6.2010, 19.7.2010 und 13.9.2010).
Aber, auch wenn es Hunold nicht gerne hört, die meisten Experten sind sich einig, dass der Kauf der LTU einer der entscheidenden Knackpunkt auf dem Weg zu schlechten Ergebnissen war. Es ist fast ein Treppenwitz in der Lebensgeschichte von Hunold, dass der wahrscheinlich emotionale Höhepunkt seines Wirtschaftslebens (siehe BBB vom 2.4.2007 „Achim Hunold: I had a dream“), der Kauf jener Firma die ihn Jahre vorher gefeuert hatte, gleichzeitig der Wendepunkt auf der Erfolgsleiter war. Der Kauf der LTU war zu teuer und fraß zuviel Energie und personelle Ressourcen, so die allgemeine Fachmeinung.

In den eben angeführten BBBs vom 2.4.2007 lästerten die BBBs auch über den LTU-Verkäufer Wöhrl, dessen unglaubliche Qualität darin besteht, „vermeintlich sanierte“ Gesellschaften zu einem hohen Preis zu verkaufen. Die BBBs „verliehen“ ihm damals den Titel: „GröFaz“: Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten!
Ausgerechnet dieser Wöhrl, den man deshalb vielleicht nicht zu Unrecht als einer der „Sargnägel“ von Hunold bezeichnen könnte, entblödet sich jetzt nicht in der Abendzeitung Nürnberg zu verkünden: „Ich habe noch keinen Anruf bekommen, aber ich traue mir zu, Air Berlin innerhalb eines Jahres zu sanieren“.
Spätestens an dieser Stelle beginnt man Hartmut Mehdorn zu lieben.

Das hat Hunold wahrscheinlich unterschätzt, wie heftig die Presse und die öffentliche Meinung in vielen Foren über seinen Nachfolger Mehdorn herziehen würde. Wobei die meisten sog. Gags in der Umwandlung von Bahnsprüchen in Air Berlin-Sprüchen bestand, die nicht unbedingt auf einer IQ-Skala zu heftigen Ausschlägen nach oben geführt haben.
Man sollte es einfach leidenschaftslos feststellen, zur Umsetzung des angedachten Sparprogramms (und vielleicht noch etwas mehr) braucht es einen Sanierer der bedingungslos und mit Schärfe an die Sache herangeht. Dafür ist Mehdorn zweifellos der richtige Mann. Und die ihm (mit Recht) angekreideten Fehler, er hätte viel zu viel Energie und (Geld) in den Börsengang der Bahn gesteckt und den Datenskandal verharmlost, werden ihm bei Air Berlin nicht im Wege stehen. Air Berlin ist schon an der Börse und die Mitarbeiter von Air Berlin sind es gewohnt, dass ihr Chef alles wissen will. Und zwar alles.

Aber in den fast 100 Presseberichten die ich über den oben beschriebenen Wechsel gelesen habe, ist ein großer Verlierer nirgends erwähnt worden. Es ist eine kleine sizilianische Firma, namens Averna. Sie wird in den nächsten Monaten einen deutlichen Umsatzeinbruch erleben. Die Kenner der Materie wissen warum.

————————-

Es ist immer schwierig, eine Kolumne zu schreiben, wenn langjährige Weggefährten betroffen sind. Aber ganz kneifen, ist auch nicht BBB Art. Aber beides, Bissige Bemerkungen hier und akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio, wäre dann doch zu viel gewesen. Deshalb gibt es diese Woche nur das ganze normale Reiseradio ohne bissige Bemerkungen. Zumal diese Woche auch das Thema Entlassungen bei TUI noch angestanden hätte und das ist auch kein einfaches (vielleicht nächste Woche mal).

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Sie simulieren weiter, statt zu handeln

Ein Jahr ist seit dem Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull vergangen. Der Flugverkehr ruhte, weil vermeintliche Experten eine hohe Aschekonzentration in den Wolken festgestellt hatten. Oder besser gesagt, sie hatten es durch eine Simulation festgestellt, also nicht tatsächlich. Jene, die diese Vorgehensweise bemängelten, wurden heftig „abgewatscht“. Sie erinnern sich sicherlich noch an das so unglaublich schlaue Politiker-Zitat: „Nur e i n toter Mallorca-Fluggast ist schon zuviel“. Wobei schon damals offen blieb, wie das praktisch passieren soll, mit dem „einen“ toten Mallorca-Fluggast.
Die BBBs hatten gegen die Vorgehensweise heftig gelästert (siehe BBBs vom 26.4.2010 „Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt“). Und mit dem Schweinegrippe-Vergleich (sie erinnern sich noch an den gigantischen Gesundheitsalarm, der genau solange anhielt, bis die Pharma-Industrie ihre Impfprodukte verkauft hatte) lagen die Bissigen Bemerkungen nicht falsch. Ganz kleinlaut, und in der Öffentlichkeit kaum hörbar, „flüsterte“ jetzt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, dass aus heutiger Sicht „an keinem Tag im April 2010 ein Flugverbot notwendig gewesen sei“. Bravo, gut gemacht.

Jetzt denkt der naive potenzielle Fluggast, dass die für die damalige Luftraumsperrung Verantwortlichen in der Zwischenzeit alles Mögliche unternommen hätten, um auf einen künftigen Vulkanausbruch besser vorbereitet zu sein. Weit gefehlt!. Was machen diese weltfremden Träumer? Sie simulierten jetzt zum Jahrestag einen neuerlichen Vulkanausbruch. „Unheimlich wichtiges“ Ergebnis: Es wird künftig drei verschiedene Flugzonen geben, mit wenig Aschekonzentration, mit mittlerer Aschekonzentration und mit sehr starker Aschekonzentration. Positive Konsequenz daraus wäre, so die EU-Experten, dass jetzt nicht mehr der komplette Luftraum gesperrt werden müsste.
Bevor Sie, liebe BBB-Leser, jetzt versehentlich in Beifall ausbrechen, muss man leider auf folgendes hinweisen. Es fehlen immer noch verbindliche Grenzwerte, ab wann nun Fliegen gefährlich sein könnte. Und wenn diese nicht vorliegen, dann bleibt der Wert von drei verschiedenen Flugraumzonen auch nur reine Theorie. Aber da haben die EU-Verantwortlichen nicht mit der „Tatkraft“ unseres Verkehrsministers Peter Ramsauer gerechnet. Der beschimpfte die EU, dass es immer noch keine europaweite Regelung geben würde. Brav, Herr Minister. Aber sind Sie schon mal auf die Idee gekommen, dass dann eben Deutschland einen konkreten Vorschlag für diese europaweite einheitliche Regelung vorlegen könnte?
Zitieren wir doch zuletzt den verantwortlichen EU-Verkehrskommissar Siim Kallas (zitiert nach travel tribune): Er glaube nicht mehr an einheitliche EU-Werte in den kommenden Jahren. Man beachte den Plural!

Nur schwer zu verstehen ist, dass die Fluggesellschaften dabei so ruhig bleiben und den Verantwortlichen nicht mehr Feuer unter dem Allerwertesten machen, denn sie müssen den wirtschaftlichen Schaden am stärksten ausbaden.
——————————————————————
Das Reiseradio (www.reiseradio.org) berichtet diese Woche, dass von der steigenden Zahl ausländischen Gäste in Deutschland, die östlichen Bundesländer nur unterproportional profitieren. Warum? Außerdem gibt es einen Bericht über den mittelständigen Reiseveranstalter Ameropa, der demnächst 60 Jahre alt wird und sich immer wieder aufs Neue gegen die „Großen“ behaupten muss.
In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es vor allem um das „weltbewegende“ Thema „wie viel Liegestühle muss ein Hotel haben“. Zusätzlich wird noch über den Dauerbrenner „Sicherheit im Luftverkehr“ gelästert und zwar in verschiedenen Variationen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)