Bsirske: “Quod licet Iovi, non licet bovi”

Zu gut deutsch: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen noch lange nicht erlaubt. Abgesehen vom Gehalt dieses Klassiker-Spruches, muss ver.di-Chef Bsirske auch ein ziemlicher Ochse sein, wenn er auch nur eine Sekunde geglaubt hatte, diese Reise würde ohne öffentliche Resonanz bleiben.

Unser aller „Vollblut-Rhetoriker“ Lothar Matthäus würde, falls gefragt, dazu sicherlich sagen: „Vom Timing her, hat Bsirske das zeitlich gut hinbekommen“. Rechtzeitig vor dem Streik abgeflogen und dann nur so kurz gestreikt, dass der Rückflug am 11.8. nicht gefährdet ist. Gute Planung ist eben alles.

Wenn man weiter auf diesem Niveau lästern will, könnte man die Quiz-Frage stellen: „Wie kann man am besten den Unterschied zwischen Lufthansa und der Deutschen Bahn erklären?“. Antwort: Während eines Streiks bei Lufthansa ist der Gewerkschaftsboss in der Südsee und bei einem Streik bei der Bahn ist der Gewerkschaftsboss (Manfred Schell) zur Kur am Bodensee. Das sind schon zwei verschiedene Welten!

Dank BILD kennen wir auch den Speiseplan in der Lufthansa-First: Jakobsmuscheln und Champagner. Hmm, echt lecker und das für „Umme“.
Über Bsirske kann man überhaupt gut lästern. Als bekennendes Mitglied der Grünen fliegt er in die Südsee (CO2?) und ist Mitglied im Aufsichtsrat der RWE (es lebe der Atomstrom). Soweit der „BILD-Gehalt“ der Bsirske-Geschichte.

Ganz aktuell wird gemeldet, dass Bsirske jetzt seinen Südsee-Trip selbst bezahlen würde (statt das kostenlose Lufthansa-Ticket in Anspruch zu nehmen). Ein typischer Schluss, für eine solche Geschichte, die dadurch nicht besser wird. Die „Vorwürfe“ werden damit sogar zementiert. Gutes Krisenmanagement sieht anders aus.

Wichtiger ist jedoch die grundsätzliche Frage zur „betrieblichen“ Mitbestimmung durch Gewerkschaftsfunktionäre. Der Autor dieser Zeilen darf für sich in Anspruch nehmen, schon vor über 35 Jahren („muss der alt sein“) bei der erstmaligen paritätischen Besetzung des Condor-Aufsichtsrates erfolgreich den Einzug von Gewerkschaftsfunktionären verhindert zu haben.
Wie sagt uns das Sprichwort: Man kann nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen (für das Ergebnis einer Firma verantwortlich sein -zumal als AR-Vize- und sie gleichzeitg bestreiken).
Schon 2004 wurde Bsirske wegen seines damaligen Streikaufrufes, der Lufthansa Millionen Euro kostete, von der Hauptversammlung als Aufsichtsrat nicht entlastet.
Das werden die Aktionäre im nächsten Jahr sicherlich wieder tun. Aber das hat nun mal leider keine Konsequenzen.

Nach soviel Bösem, wollen wir zum Schluss doch auch etwas Gutes über Bsirske sagen. Solche Bordell-Geschichte wie über einige Gewerkschaftsfunktionäre von VW werden wir über ihn nie hören. Er liebt nämlich sein Frauchen über alles. Als er noch Personaldezernent bei der Stadt Hannover war und 1.000 Mitarbeiter feuerte, konnte trotzdem seine Frau als Abteilungsleiterin eingestellt werden. Was viele damals im Rathaus als Skandal bezeichneten. Und nach seinem Aufstieg zum Gewerkschaftsboss und Umzug nach Berlin gab es für seine Frau auch gleich wieder einen Job bei der BVG. Dummerweise erfolgte diese Stellenbesetzung ohne vorherige Ausschreibung, was Bösmeinende wiederum veranlasste „Skandal“ zu schreien.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)