Konkret werden, das ist die Forderung der Stunde

Zuerst mal vielen Dank für die vielen Emails die mich in den letzten Tagen erreicht haben. Es ist mir leider nicht möglich, auf jede einzeln einzugehen. Sie können aber sicher sein, dass jede Email beachtet wurde. Vor allem haben die Reaktionen gezeigt, dass man dieses Thema bei den BBBs ansprechen durfte (musste), weil nach übereinstimmender Meinung Touristiker in besonderer Weise gefordert sind zu reagieren.

Auch wenn der Bundespräsident und die Bundeskanzlerin letzte Woche Flüchtlingsunterkünfte besuchten (natürlich nicht wegen der entsprechenden Aufforderung durch die BBBs, wie einige Emailschreiber scherzhaft meinten), hat dies nichts an den Vorwürfen an die beiden geändert. Flüchtlingsunterkünfte zu besuchen und Betroffenheit zu zeigen (auch wenn letzteres zutreffend sein mag), hilft den Flüchtlingen nicht „konkret“ weiter. Was haben die beiden seit ihrem Besuch „konkret“ veranlasst? Gefordert sind „konkrete“ Maßnahmen. „Konkret werden mit Hilfe“, das ist die Forderung der Stunde. Das müssen wir jetzt ununterbrochen in den Diskussionen mit den Politikern fordern.

Die Zeitung mit den vier großen Buchstaben startete am Wochenende in ihren beiden Blättern die Aktion „Wir helfen“. Insbesondere in der Samstagausgabe von BILD wurden Statements von Ministern abgedruckt, mit dem Schild in der Hand: „Wir helfen“. Aber wie sie „konkret“ und detailliert helfen, wurde nicht gesagt. Es wurde nur ein allgemeines Polit-Statement abgegeben, sicherlich auch nur vom persönlichen PR-Assistenten formuliert.

Es ist ja schön, dass unsere Politiker immer mehr aus der Deckung kommen und ein eindeutiges Bekenntnis abgeben. Aber das ist noch keine „konkrete“ Hilfe. Das gilt insbesondere für die jetzt vielfachen Hinweise, das müssen wir „europaweit“ regeln. Stimmt zwar, aber wer macht das und wann? Warten jetzt alle auf die Vorschläge der Brüsseler Bürokraten?
Ich vermisse, und zwar für sofort, eine Erklärung der Bundesregierung, was ihre konkreten Forderungen an die EU sind. Und ich vermisse Druck auf die europäischen Partner hier mitzumachen, notfalls auch mit außergewöhnlichen Druckmitteln.

Wichtig: Wir brauchen keinen Tag länger dieses Europa auf der Basis des „kleinsten gemeinsamen Nenners“. Wir fordern in der Flüchtlingsfrage ein Europa auf dem „größtmöglich denkbaren Nenner“.

Gleiches gilt für den Bundestag. Wir fordern sofort „konkrete“ Gesetzesvorhaben, die die Flüchtlingssituation nachhaltig verbessern. Und zwar nicht nur auf den aktuellen Zeitpunkt bezogen, das muss auch die nahe Zukunft einschließen. Stichworte: Kita-Plätze und mehr Personal, mehr geeignete Schulklassen (reguläre und ausgesprochene Sprachklassen), mehr Lehrer, mehr Investitionen in das Gesundheitswesen und so weiter. Nicht zu Unrecht wurde in einigen Emails an mich, genau auf diese Punkte hingewiesen.

Letzte Woche hatten die BBBs auch ausdrücklich eine Agenda 2020 gefordert. Heute wird diese Forderung in der Zeitschrift „Die Welt“ auch von Ex-Kanzler Schröder mit Nachdruck gefordert und begründet.
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In eigener Sache:
Nächste Woche (7.9.) machen die BBBs mal kurz Pause. Nächstes Erscheinungsdatum ist dann eine Woche später (14.9.), wahrscheinlich wieder mit einem üblichen BBB-Thema.

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Wie ist das nun mit der Reisebüropolitik bei TUI?

Beide sind angetreten mit dem Versprechen lässiger im Umgang zu werden und unnötige Bürokratie abzubauen. Aber ihr (un-)nötiges Scharmützel zum Thema Reisebüropolitik lässt vermuten, dass das Versprechen nur ein Versprecher war. Die Rede ist vom brandneuen TUI AG Chef Friedrich Joussen und vom fast neuen TUI Deutschland Chef Christian Clemens.
Da erklärt Joussen in gefühlten „tollen“ 50 Interviews vor der Übernahme des Vorstandsvorsitzes bei TUI AG u.a. wie er sich die künftige Reisebüropolitik der TUI vorstellt. Im Prinzip wie die Shop-Politik bei Vodafone. Die eigene Marke verkündet an der Eingangstür, dass nur die eigene Marke im Verkaufsladen angeboten wird. Darüber lässt sich sicherlich diskutieren.
Dummerweise hat er das offensichtlich ausgerechnet nicht mit dem Chef von TUI Deutschland, Clemens, vorher diskutiert. Und so muss nun Clemens, kurz nach dem er das TUI Online-Geschäft zur Chefsache gemacht hat, eine Lanze für den stationären Reisebürovertrieb brechen.
Jetzt sind die Büros der beiden nur wenige hundert Meter voneinander entfernt und es ist anzunehmen, dass beide Büros auch über Telefonanschluss verfügen (vielleicht einmal Telekom und einmal Vodafone?). Aber wie „tauscht man sich aus“?
Über die Medien!!! Großartig, so haben wir alle etwas von diesem Meinungsaustausch.

Bei dieser Gelegenheit sollte man auch mal wieder „unsere BILD“ loben. Sie ist in ihrer Meinung fast so elastisch wie unsere Kanzlerin. Kurz vor der TUI Hauptversammlung war einmal Dr. Frenzel „Gewinner des Tages“ der alles richtig gemacht hat und dann war auch Herr Joussen „Gewinner des Tages“, der künftig alles besser macht. Vielleicht war die Reihenfolge auch umgekehrt, was spielt das bei dieser „inhaltlichen Aussage“ auch für eine Rolle.

Die Hauptversammlung selbst war zumindest bei den ersten Rednern, den „professionellen“ Aktionärsvertretern, nur ein müdes Gequatsche um des Gequatsches wegen. Rhetorisch teilweise schwach, ohne Tiefe in den Argumenten, nur an der Oberfläche leicht kratzend, machte sich schnell Langeweile im Saal breit. Deshalb glaubte der DSW-Vertreter die Stimmung mit der Bemerkung „die Hauptversammlung der TUI sei ein Gefangenenlager“ aufmischen zu müssen. Immerhin, ein Gefangenenlager mit ganz ordentlichem Essen und den vielen kleinen Give aways, über die sich der TUI Kleinaktionär so sehr freut, dass er diese immer gerne als Ersatz für die ausgefallene Dividende hektisch (ein Hauch von Krabbeltisch) entgegennimmt. Auch die Erhöhung der Aufsichtsrats-Tantieme in einer Größenordnung, dass man damit locker das Essen für alle bezahlen könnte, wurde von den Aktionärsvertretern nur dezent bemängelt. Komischer Verein, diese hauptamtlichen Aktionäre.

Halt, da war noch die „unvergleichliche“ Catarina Steeg aus dem „Club räuberische Aktionäre und Berufskläger“ (Zitat Süddeutsche Zeitung). Letztmals im Jahre 2008 in Aktion (siehe BBBs vom 12.5.2008, „Lieben Sie großes Kino, möglichst mit Überlänge? Dann hätten Sie die TUI-Hauptversammlung besuchen sollen.“) zeigte sie sich wieder in ihrer Paraderolle als Musterbeispiel für echt schlechtes Benehmen.
Dieses Aushalten zu müssen war die gerechte Strafe für die Sitzungsleitung.
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Die nächsten BBBs müssen sich unbedingt mit der „Touristen-Abschreckungspolitik“ von Mallorca beschäftigen. Darüber freut sich jedermann in der Türkei.

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Die Europameisterschaft ist vorbei. Endlich Zeit sich um die Energiekostenproblematik zu kümmern?

Die Begeisterung der Massen (die BBBs eingeschlossen) für die Fußball-Europameisterschaft hat im Verlaufe des Turniers ungeahnte Ausmaße angenommen. Das freut auch die Politik, denn in solchen Zeiten werden wichtige Probleme nicht hinterfragt. Das Engagement der Kanzlerin für Fußball bringt ihr Goodwill. Immerhin glaubt die Hälfte der Deutschen (lt. Emnid-Umfrage) Frau Merkel würde etwas vom Fußball verstehen. Ihr „fachmännischer“ Rat an Sebastian Schweinsteiger auf der Tribüne während des Österreich-Spiels „Machen Sie nicht wieder solche Dummheiten wie gegen Kroatien“ hat nicht nur fast Kultcharakter wie die Herbergersche Weisheit „Der Ball ist rund“, er zierte auch die Zeitungen an prominenten Stellen. Wie schön (?), dass dies unser größtes Thema war.

Dabei lodern „draußen“ (wie die Politiker gerne sagen) die Flammen. Die rasant steigenden Energiekosten bringen den Wirtschaftsmotor langsam ins Stottern. Dies gilt in besonderer Weise auch für die Touristik. Erste Anzeichen für Abschwächung sind zu erkennen, aber die Politik kann oder will das nicht sehen.

Die Fluggesellschaften stöhnen über die Ölpreissteigerungen, die inzwischen lebensbedrohend sind. Die politischen Schlaumeier faseln über „die Industrie muss sich etwas einfallen lassen“ oder „es wird Kreativität bei den Sparmaßnahmen gefordert“. Dass täglich gigantische Mengen Kerosin wegen vollkommen unnötiger Flugwege/Holdings aufgrund der europäischen Zersplitterung der Flugsicherung in die Luft geblasen werden müssen, wird hingenommen. Drastische Situationen erfordern drastische Maßnahmen. Den „dummen“ Spruch „das ist eine europäische Angelegenheit“ kann man nicht mehr hören. Wer ist denn Europa? Ein Alien? Oder ein theoretisches Gebilde? Es ist die die Summe der europäischen Länder. Wer haut also zuerst auf den Tisch?

An den Tankstellen wird der Tankwart zum Klettermaxen, weil er ununterbrochen die Leiter hochklettern muss um die Preisschildchen für Benzin auszutauschen; und der Betrag steigt in bis vor kurzem unvorstellbare Höhen. Die Sparvorschläge von Berufenen und weniger Berufenen, kratzen nur ein klein wenig am Ergebnis. Und die Politik schweigt, „der Markt wird es schon regeln“. Selten so gelacht, über diese Steinzeitregel, als noch Angebot und Nachfrage den Preis bildeten. Heute kommt „dummerweise“ noch die Gier von Spekulanten und fast allmächtigen Ölkonzernen hinzu plus (nicht zu vergessen) die hausgemachte Ökosteuer auf Benzin.

Die Stromkosten steigen in rasantem Tempo und noch gravierender ist der Anstieg der Gaskosten, der rational nicht zu erklären ist. Vor allem im unteren Einkommensbereich wird die die sog. 2. Miete bald zur 1. Miete.

Die Explosion der Energiekosten schädigt mehrfach:
Die Kosten der Anbieter steigen und führen zu Preissteigerungen.
Das wiederum führt zur derzeit höchsten Inflationsrate seit 15 Jahren.
Dies trifft auf den immer leereren Geldbeutel der Verbraucher, weil auch die Privathaushalte die höheren Energiekosten zu verkraften haben
Und dies alles auf einer ohnehin schwierigen Ausgangslage, weil sich das sog. frei verfügbare Einkommen in den letzten zehn Jahren ebenfalls verringert hat.

Ganz gleich ob der Urlauber per Flug oder per Bahn oder per eigenes Auto reisen will, es trifft ihn immer. Er wehrt sich (schwach), durch verkürzte Urlaubsdauer, noch stärkeren Druck auf den Preis oder weniger Ausgaben im Urlaub. Kurzum die „unterjährig“ veröffentlichten „Kopfzahlen“ spiegeln in keiner Weise die zu erwartenden „Ergebniszahlen“ der Branche wider.

Die Krisenzeichen sind da, aber zu viele reden die Situation (in Unkenntnis oder Absicht?) noch schön. Das Erwachen wird spätestens zum Jahresende kommen.

Um es zu wiederholen, damit man es sich besser merken kann:
Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Dies darf nicht nur für die Privatwirtschaft gelten, in gleicher Weise muss das auch für die Politik gelten. Abwiegeln und Schönreden helfen nicht mehr weiter. Sofortige Maßnahmen gegen die Steigerung der Energiekosten müssen folgen.

Deshalb ist gut, dass die Europameisterschaft vorbei ist. Dass Merkel, Steinmeier, Glos und Gabriel sich nicht länger hinter dem Fußball verstecken können. Endlich ran an die Arbeit, sonst fliegen wir bald aus der Wirtschafts-Weltmeisterschaft raus.

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