Reiner Calmund for (DRV-) President?

Da hat sich die FVW aber ins Knie geschossen. Thomas Wagner als Kandidat für den DRV-Vorstand zu nennen. Geht’s noch? Der Absatz, in dem sein Namen genannt wird, beginnt mit „junge Innovatoren und Querdenker für den Verband“. Schon vor einem Jahr (4.7.2012) schrieb DIE WELT über „Die Machenschaften des Abzock-Imperiums Unister“ und im Beitrag hieß es u.a „Schein von Seriosität?“ und „Der Drahtzieher: Thomas Wagner“ (siehe auch BBB vom 17.12.2012 „Ab-in-den-Knast.de“). Wenn das Geschäftsmodell von Thomas Wagner „innovativ und quergedacht“ ist, dann ist dieser Vorschlag eine Beleidigung für die ebenfalls genannten (seriösen) Mitbewerber auf der Kandidatenliste (und für den Verband).

Die interne Liste der fvw soll nach eigenen Angaben noch viel länger gewesen sein. Da kann man sich schon denken, welcher Name da noch stand: Reiner Calmund for (DRV-) President.

Als Entschuldigung für die FVW könnte man nur gelten lassen, wenn zum Zeitpunkt des Schreibens Stromausfall in der Redaktion war und Dirk Rogl nicht gesehen hat, welchen Namen er hier (versehentlich) geschrieben hat.
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Nachlese zu den BBBs vom 19.8.2013 „Die andere Sicht“.
Die FAZ und die FVW (kann man ja auch mal loben) haben es auf den Punkt gebracht. Die Reisewarnung des Auswärtigen Amtes, die rechtlich keine Reisewarnung war, war der Bundestagswahl geschuldet. Man wollte einerseits auf Nummer sicher gehen, dass dort keinem Touristen etwas passiert („wäre wahlkampfmäßig ganz schlecht“), aber andererseits hat der ehemalige „Held vom Tahir-Platz“, Guido Westerwelle, auch die Hotellerie am Roten Meer nicht noch weiter in Schwierigkeiten bringen wollen (was er aber tat). Deshalb die Entscheidung für halb schwanger. Das bestätigt was die BBBs schon am 7.2.2011 schrieben: „Westerwelle kann auch nicht Reisewarnung“.

Ganz bedenklich in diesem Zusammenhang, dass das Auswärtige Amt angeblich die Branche unter Druck gesetzt haben sollte, wenn „Ihr nicht freiwillig neue Anreisen einstellt, dann gibt es eine richtige Reisewarnung“. Aber immerhin ist es schön, schon jetzt schon zu wissen, dass nach der Bundestagswahl die Lage am Roten Meer aus AA-Sicht wieder friedlich sein wird und dem Tourismus nichts mehr im Wege stehen wird. Nur schade, dass die örtlichen Bediensteten bis dahin vor dem Nichts stehen werden (vom Vertrauensverlust in die deutschen Veranstalter nicht zu reden).

Das erinnert fatal an den April 2010, als die Politik wegen der Vulkanasche (wie man weiß völlig unnötig) die Luftfahrt lahmlegte (siehe BBB vom 26.4..2010 „Vulkanasche – die Schweinegrippe der Luftfahrt“). Wie lautete das Argument eines prominenten CSU-Menschen: „Lieber ein unzufriedener Passagier, der lebendig ist, als einer der beim Flug von Frankfurt nach Mallorca abstürzt“. Abgesehen davon, dass man sich das technisch nur schwer vorstellen kann, müsste das in Konsequenz doch heißen:
Jeder tote Alkoholiker ist ein Toter zu viel, „sofortiges Verbot des Verkaufs von Alkoholika“ (aber zynischer weise verdient der Staat durch die Alkoholsteuer sogar an jedem Toten mit).

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Rettet den Ballermann

Hilfe, „unser“ Ballermann ist mal wieder in Lebensgefahr. Aber zum Glück hat BILD Alarm geschlagen und die Nation aufgerüttelt. Nur ein Sommerloch-Thema? Oder ist es diesmal wirklich ernst? Für letzteres spricht, dass selbst die FAZ mit einem umfangreich recherchierten Beitrag „Tourismus auf Mallorca“ (27.7.2013) sich des Themas annimmt. Was ist passiert?

Alvaro Gijon, Vize-Bürgermeister von Palma de Mallorca, hat BILD ein Interview gegeben. Demnach soll in den nächsten fünf bis sechs Jahren das Erscheinungsbild am Ballermann um 180° gedreht werden. Damit hat er sich vollmundig in die jahrelange Reihe von Inselpolitiker einsortiert, die vor dem Nachdenken gerne schon mal sprechen.

Warum sind die mallorquinischen Politiker so gegen ihren Ballermann? Warum wollen sie immer die große Luxus-Nummer schieben? Zitat Gijon: „Wir wollen Leute die viel Geld ausgeben, mehr Touristen aus Dubai und China.” Dumm nur, dass alle Regionen weltweit diese Touristen wollen. Und Touristen aus Dubai? Davon gibt es nur sehr wenige (oder meinte er Touristen, die statt nach Dubai nach Mallorca reisen sollten?). Gijon träumt von einem Mallorca „wie Miami oder Las Vegas“. Abgesehen davon, dass es dort auch jede Menge „Preiswert“-Touristen gibt, liegt vor deren Haustür der Riesenmarkt USA.

Wie sieht die Wirklichkeit aus?
1. Der Luxus-Tourismus der hier angestrebt wird, den gibt es bereits (ganz großartig) auf Mallorca und lässt sich „leider“ nicht unbegrenzt vermehren.
2. Auf das Ballermann-Klientel kann Mallorca nicht verzichten. Ihre enorme Anzahl ist für die hohe Flugfrequenz mit verantwortlich. Diese hohe Flugfrequenz ist für die Beliebtheit von Mallorca von existenzieller Bedeutung.
3. Das Ballermann-Publikum ist im Prinzip friedlich.
4. Der Ballermann ist Kult (Der Soziologe Dr. Szabo meint: Mallorca ohne Ballermann wäre wie Hamburg ohne St. Pauli).
Also lieber Vize-Bürgermeister nicht 180° drehen (das wäre ja das Gegenteil zu heute), geben Sie sich mit ein paar Grad weniger zufrieden („Aufhübschen“ statt Verbieten).

Die BBBs bleiben ganz relaxt. Gijon meint den Ballermann werde es in 5 bis 6 Jahren nicht mehr geben. Wenn er da nicht irrt. Wahrscheinlich wird es den Ballermann länger geben als den Vize-Bürgermeister Gijon. Die FAZ hat übrigens zum Schluss ihres Artikels den höchst ironischen Vorschlag gemacht, statt „Sangria im Eimer“ in Zukunft „Champagner im Eimer“. Die BBBs gehen noch einen Schritt weiter und meinen beides sollte möglich sein: Das wär´s doch künftig: „Ballermann Business Class“ neben „Ballermann Economy Class“.

Übrigens, lt. Mallorca Magazin fühlt sich Gijon falsch zitiert. „Nicht mal betrunken würde ich so etwas sagen“ (??). Man habe ihm das Wort im Mund herumgedreht. Böse BILD oder plötzlich Angst wegen der heftigen Reaktionen auf das was er gesagt hat?

Zwei besonders böse Bemerkungen zum Schluss.
2001 führte die damalige Präsidentin des Inselrates, Maria Antonia Munar, gegen den Rat der Experten eine Umweltsteuer ein. Arrogant erklärte sie, „dass man künftig gerne auf jene Touristen verzichten könne, die nicht bereit wären diese Abgabe zu zahlen“. Diese Steuer wurde sehr schnell wieder abgeschafft. Letzte Woche wurde übrigens Frau Munar (damaliger Spitzname: Prinzessin von Mallorca), wegen verschiedener Korruptionsdelikte in Haft genommen. Obwohl die Urteile noch nicht rechtskräftig sind, wurde sie wegen Fluchtgefahr inhaftiert. So kann es gehen.

Letzte Woche wurden auch mehrere Hells Angels verhaftet. Dabei ist bekanntgeworden, dass sie mit ihrem Schwarzgeld eine Formel 1-Rennstrecke bauen wollten. Am 18.7.2011 („Müssen wir jetzt auch noch Mallorca retten?“) lästerten die BBBs über den Tourismusminister der Balearen, Carlos Delgado, weil er vorgeschlagen hatte, eine Formel 1-Rennstrecke zu bauen um einen Winter-Grand Prix durchzuführen. Hätte er es umgesetzt wären Steuergelder weggewesen, bei den Hells Angels wäre nur ihr Schwarzgeld weggewesen.

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Der Täter ist (nicht) immer der Gärtner

Wow, was für ein Wochenanfang in der letzten Woche. Da glühte nicht nur mein BBB-Server ob der Zugriffszahlen, offensichtlich waren auch viele Neu-Leser dabei, denn am Montag und Dienstag wurden insgesamt fast 13.000 BBB-Seiten angeschaut. Auch die öffentliche Reaktion war ob dieser Ungeheuerlichkeiten aufgeschreckt, sogar die FAZ hat über die Causa Brähmig berichtet („Reisebranche in Aufruhr“). Bedauerlich war, dass zu fast 100% die Reaktionen in „typisch Politiker“ oder noch schlimmer in Richtung „typisch, wer sitzt schon im Tourismus-Ausschuss“ gingen. Wobei zumindest letzteres sogar ich aus eigener Erkenntnis dementieren möchte. Erstaunlich, dass ausgerechnet (und fast ausschließlich) ein angesehener Fachjournalist in seinem blog meinte, die „Reisebranche würde hier nicht als Betroffener taugen“.
Das sah z.B. der DRV deutlich anders und der DRV-Vorsitzende Büchy forderte Klaus Brähmig in einem Brief auf „diese abwertenden, unsachgemäßen und unangemessenen Bemerkungen öffentlich richtig zu stellen“. Und letztlich erkannte auch Brähmig die in der bekannten Email steckende Diffamierung und distanzierte sich deutlich von der Email seines Büroleiters.
Soweit Ende gut, alles gut?

Natürlich nur für den DRV. Der DRV hat schnell, sogar sehr schnell reagiert und immerhin die öffentliche Entschuldigung eines Bundestagsabgeordneten (sogar eines Bundestagsausschuss-Vorsitzenden erreicht)! Es ist sicherlich klug, dass der DRV die Angelegenheit mit diesem Entschuldigungsschreiben als vorerst erledigt betrachtet.

Ich sehe das allerdings etwas differenzierter. Klaus Brähmig hätte gut getan neben seiner „Distanzierung“ auch ein Wort des „Bedauerns“ zu erklären. Des Weiteren erklärt er, dass er „seinen Mitarbeiter angewiesen habe, künftig bei privaten Meinungsäußerungen nicht mehr den dienstlichen Email-Account zu benutzen“. Muss jetzt Strabel nur den Email-Account wechseln und darf dann weiterhin solche Müll-Emails abschicken?

Richtigerweise erklärt Brähmig auch, dass die Reaktion seines Mitarbeiters „überzeichnet war“. Überzeichnet allerdings nicht nur gegenüber der Branche, sondern auch gegenüber meiner Person. Insofern erwarte ich auch eine Entschuldigung in meine Richtung. Im Bestreben seines Büroleiters, zu retten was nicht mehr zu retten war, wurde getreu der bekannten Ablenkungs-Methode „Haltet den Dieb“ der Eindruck erweckt, als ob ich in vielerlei Art beleidigend gegenüber Brähmig geworden wäre. Dabei hat es Brähmigs Büroleiter mit der Wahrheit nicht immer sehr genau genommen. Jedermann/frau kann meine BBB vom 12.3. nachlesen und ebenso nochmals das Interview des Reiseradios vom 12.3. (siehe www.reiseradio.org) hören, die schließlich die Basis für den Strabelschen Ausraster waren. Sie werden keine niveaulose persönliche Beleidigung durch mich entdecken. Meine Kinderstube war zum Glück in Ordnung und da lege ich Wert darauf. Es sei denn, dass meine Aufforderung an Herrn Brähmig, er solle zurückzutreten, als Beleidigung gesehen wird. Ich sehe das dagegen als eine Art Tatsachenbehauptung.

Zuletzt noch eine kleine Petitesse. Obengenannter Fachjournalist schrieb in seinem blog. Achtung Zitatbeginn: „In diesem Fall hat Brähmig nachweislich nicht gedacht.“ Zitatende des Satzes. Natürlich wird man mir jetzt zumindest Dialektik, Sinnverdrehung oder sogar Beleidigung vorwerfen. Aber der Satz ist nicht von mir und ich liebe ihn trotzdem.

Eigentlich möchte ich diese Sache hiermit auch abschließen. Nehmen wir es so hin, wie die Zeitschrift „der Mobilitätsmanager“ schrieb: „Der Büroleiter war`s, wer sonst?“. Dass weiter unten in deren Text steht: „Und dass Brähmig jetzt seine Hände in Unschuld wäscht und die abfälligen Bemerkungen seinem Büroleiter in die Schuhe schiebt, hat schon etwas von einem faden Beigeschmack.“
Da sind die BBB zumindest teilweise anderer Meinung. Die Formulierungen sind garantiert Strabels eigenes Werk. Kenner der Szene, die mir schrieben, erklärten diese Sprache als authentisch für ihn. Sorge macht mir ein Strabel Zitat aus dem Manager Magazin. Dort betonte er das „tiefe Vertrauensverhältnis mit seinem Chef“.
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in eigener Sache:
1. Ich bedanke mich recht herzlich für über 60 Neu-Anmeldungen für den BBB-Newsletter. So viele Neuanmeldungen in zwei Tagen gab es noch nie!
2. Normalerweise antworte ich (gerne) auf jede eingegangene Email. Bei der Flut von Emails, die mich letzte Woche erreichte, ist mir das zumindest im Moment nicht möglich. Ich bedaure das, zumal in vielen Emails köstliche Formulierungen zu finden waren. Aber ich werde mich bemühen, die Antworten in den nächsten Wochen nachzuholen.

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„Gehaltene Versprechen“, was ist denn das?

Im Zusammenhang mit der Ankündigung von Thomas Cook plc den Gewinn in den kommenden drei Jahren verdoppeln zu wollen, schrieb Hans-Christoph Noack in der FAZ in seinem Kommentar (mindestens) zwei Sätze zum Merken:
1. Es ist gut, ambitionierte Ziele zu haben.
2. Eine Prognose wirkt aber glaubhafter, wenn es eine Historie gehaltener Versprechen gibt.

Da musste bestimmt mancher CEO im Duden nachschlagen was eigentlich “gehaltene Versprechen” bedeutet.

Da fällt einem doch glatt ein schönes Weihnachtsgeschenk ein, das die jeweiligen Pressesprecher ihren CEOs schenken könnten:
Diese Sätze schön gerahmt für „über den Schreibtisch“.

Das wäre ein „ambitioniertes“ Geschenk und die Pressesprecher hätte es künftig in ihrer Arbeit auch leichter.

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