Drei putzmuntere Tote in der Touristik: die Pauschalreise, das Reisebüro und die Last-Minute-Reise

Wenn am selben Tag BILD („Bald keine Last-Minute-Reisen mehr“) und Handelsblatt („die Reisebranche schafft die Last-Minute-Reise ab“) das Todesglöcklein für die Last-Minute-Reisen läuten, dann scheint es der Last-Minute-Reise wirklich schlecht zu gehen. Denn Bild und Handelsblatt (gemeinsam) können sich nicht irren. Oder doch?

Es scheint eine Eigenheit in der Touristik zu sein, dass insbesondere Totgesagte, sich immer noch bester Gesundheit erfreuen. Nicht umsonst gibt es wohl das Sprichwort: „Totgesagte leben länger“.

Machen wir doch aus dem alten Gladiatorengruß „Heil Dir Cäsar, die Totgeweihten grüßen dich“, den modernen Spruch „Heil Dir Tourist, die Totgeweihten grüßen dich ganz herzlich“.

1. Die Pauschalreise. Sie ist seit 40 Jahren totgesagt und immer noch ein Erfolgsrenner. Einige Marktteilnehmer haben sie zwar inzwischen umgetauft in Veranstalterreise, aber es ist und bleibt immer noch die Pauschalreise. Schade nur, dass es immer einer Krise bedarf, dass die Branche die Vorteile der Pauschalreise marketingmäßig herausstreicht. Das ist schon ein wenig pervers.

2. Das Reisebüro. Es ist seit 20 Jahren totgesagt und nicht nur immer noch Buchungsweg Nr. 1, es scheint sogar, dass das Reisebüro z.Z. eine kleine Renaissance erlebt. Weil man langsam erkennt, dass nicht die technische Entwicklung der entscheidende Erfolgsfaktor ist, sondern einzig und allein die Entwicklung der Kundenbeziehung („Wer den Kunden hat, hat die Macht“). Spätestens wenn die Kunden erkennen, dass die „unbegrenzte“ Vielfalt im Netz oft nur eine Scheinvielfalt ist, wird jemand gesucht, der dem verunsicherten Kunden („I´m still confused, but now on higher level“) auf hohem Niveau weiterhilft. Zusätzlich gilt, gäbe es mehr Krisen (Ascheregen usw.), dann wären auch die Reisbüros stärker gefragt.

3. Die Last-Minute-Reise. Seit einiger Zeit, aber aktuell verstärkt, soll auch die Last-Minute-Reise tot sein (siehe eingangs Bild und Handelsblatt). Klar verbreiten Veranstalter und Fluggesellschaften gerne diese Todesanzeige, denn sie wollen dass die Urlauber früher buchen. Wer zuletzt mal bei den Reisemärkten an den Flughäfen nachgeschaut hat, wird allerdings anderer Ansicht sein. Dies ist eine gute Gelegenheit mal darauf hinzuweisen, dass die Käuferschicht „Last-Minute“ inzwischen vielschichtiger geworden ist.
Wir haben hier
a) den traditionellen Schnäppchenjäger, der spät bucht, weil er billiger buchen will. Es ist zwar richtig, dass es keinen „festen“ Zeitpunkt gibt, wann Buchungen am günstigsten sind, aber objektiv unstrittig gibt es „später gebucht“ unverändert viele Sonderangebote (insbesondere wenn dem Urlauber Ziel/Hotel zweitrangig sind).
b) den Spätbucher aus beruflichen/privaten Gründen. Er bucht Last-Minute, weil er beispielsweise erst kurzfristig seine zeitlichen Urlaubsmöglichkeiten erkennen kann. Wer aus beruflichen Gründen zu diesem Klientel zählt, zahlt teilweise sogar gerne etwas mehr um noch sein Wunschziel zu buchen. Wer aus privaten Gründen später buchen kann (Angst um den Arbeitsplatz oder ähnliches), für den sind „günstige Preise“ dann der entscheidende Buchungsgrund.
c) Last-Minute als Lebensgefühl. Diese Kunden sind neu im Last-Minute-Bereich. Hier geht es nicht um den Schnäppchenjäger, sondern um den „modernen Kunden“, der sich erst entscheiden will, wenn er muss. Er hat gelernt, es gibt immer noch etwas. Auch für diese Kunden zählt, dass günstige Angebote zusätzliche Motivation sind. Dieses „Last-Minute“ als Lebensgefühl kann man auch daran erkennen, dass der Begriff Last-Minute in andere Bereichen Einzug hält, z.B. der Grabbeltisch am Kaufhaus-Ausgang mit dem Schild „Last-Minute“ oder die als „Last-Minute“ bezeichnete Tankstelle, weil sie die letzte Tankstelle vor der Grenze oder vor der Autobahn ist.

Kurzum, um diese drei scheinbar Tote ist den Bissigen Bemerkungen nicht bange. Man könnte noch erwähnen, dass die Bissigen Bemerkungen immer treu zu diesen Urlaubsangeboten bzw. Urlaubsvermittlern standen und stehen.
Deshalb wollen die BBBs voller Optimismus abschließend, an die Adresse von Pauschalreise, Reisebüro und Last-Minute gewandt, frei nach Schiller und zahlenmäßig nur leicht variiert, sagen „ich (BBB) sei, gewährt mir die Bitte, in eurem Bunde der Vierte“.

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Macht Euch leichter, der Ölpreis steigt.

Innerhalb von 12 Monaten ist der Preis für ein Barrel Rohöl von 65$ auf über 130 $ gestiegen. Da läuten besonders bei den Fluggesellschaften die Alarmglocken. Das ist die hohe Zeit für alle Sparkommissare nach dem Motto: Kein Gedanke darf ungedacht bleiben!

Platz 1 in der Kreativitätsskala nimmt z. Z. Zeit China Southern ein. Sie bittet ihre Fluggäste vor Flugantritt noch am Flughafen die Toilette zu benutzen. Dabei geht es nicht nur um „gewichtsmäßige Erleichterung“, sondern auch um eine zahlenmäßig geringere Benutzung der Flugzeugtoilette zu erreichen. Dadurch kann WC-Wasser gespart werden.
Endergebnis: „Pflichteinlauf“ mehrere Stunden vor Flugantritt oder Toilettengebühr an Bord. Man sieht schon das grinsende Gesicht von O`Leary vor sich, wenn er auf dem Stühlchen vor der Bordtoilette sitzt und kassiert. (Merke: Eigenes Spülwasser mitbringen nützt nichts. Es geht primär nicht um die Kosten für das Wasser, sondern um die Transportkosten für das Wasser.)

Platz 2 in der Kreativitätsliste geht an Korean Air. Die männlichen Mitarbeiter dieser Airline dürfen ab sofort ohne Krawatte arbeiten. Begründung: Ohne Schlips wird es den Männern nicht mehr so warm und das spart Energie für die Klimaanlage.
Endergebnis: Der Gleichstellungsbeauftragte ist gefordert. Es kann ja wohl nicht sein, dass nur die Männer ablegen dürfen. Wenn schon, dann dürfen alle, auch die weiblichen Mitarbeiter ablegen. Und wenn man bei dieser Sparmaßnahme nicht so zimperlich ist („die Zeiten sind hart!“), kann das sogar zusätzliche Buchungen durch neugierige Gaffer (Männlein und Weiblein) bringen.

Platz 3 ist noch unbesetzt, wird aber bald besetzt werden. Je schwerer der Passagier, desto mehr muss er zahlen. Eigentlich logisch. Kann ja wohl nicht sein, dass ein 100-kg-Kerlchen ohne finanzielle Konsequenzen an Bord gehen kann, während ein 50-kg-Frauchen für die Benutzung der Bordtoilette zahlen soll. Und was nützt die kleidungsmäßige Entlastung der Crew, wenn ein gut genährter Kegelclub an Bord ist.
Eine Kooperation mit den Weight Watchers könnte erstrebenswert sein. Als Testomonial wäre Andrea „Kiwi“ Kiewel (früher ZDF) zu empfehlen.
Ganz klar: Das gewichtsabhängige Ticket muss kommen. Dadurch sind noch mehr Preisvarianten als bisher möglich. Mann X ist zwar schwerer, aber verzichtet garantiert auf die Toilettenbenutzung und hat auch kein Gepäck. Frau Y ist leichter, möchte aber ein Toilettenbenutzungs-Zusatzticket kaufen, ist aber bereit in der Kleidung Zugeständnisse zu machen.

Was mache ich mir da Gedanken, die Fluggesellschaften werden in dieser Hinsicht garantiert kreativer sein als ich.

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