Quartalszahlen an Rosenmontag, Hauptversammlung an Aschermittwoch – Fasching nach TUI Art

Dr. Frenzel ist zwar inzwischen Ehrenoffizier der Prinzengarde Duisburg, aber sein Verständnis von Fasching ist offensichtlich stark hannöversch geprägt.
Da muss man schon eine besondere Art von Humor haben die Quartalszahlen am Rosenmontag zu präsentieren. Man sieht direkt vor dem geistigen Auge die Wirtschaftsjournalisten im Karnevalskostüm, die Rosenmontagsparty unterbrechend, ihren Bericht über die TUI-Zahlen schreiben. Da kommt auf Seiten der Journalisten bestimmt wenig Freude auf und mancher Kommentar dürfte dann auch der fünften Jahreszeit angelehnt sein. „TUI-Quartalszahlen so wenig lustig wie ein Karnevalsumzug in Hannover“ könnte zum Beispiel die Überschrift eines Kommentars lauten.
Noch „lustiger“ ist aber eine Hauptversammlung auf Aschermittwoch zu legen. Das provoziert direkt etliche Metapher in den Redebeiträgen. „Herr Dr. Frenzel, Asche auf ihr Haupt“, „der Spaß ist vorbei“, „jetzt muss aber bei TUI wirklich gefastet werden und nicht nur 40 Tage lang““ usw. Es sei denn Dr. Frenzel zieht einen wirklichen Joker aus der Tasche und gesteht, dass die gerade vorgelegten Quartalszahlen von TUI Travel nur ein Faschingsscherz waren. Tätä, tätä.

In wieweit TUI-Großaktionär Frederiksen Humor hat ist nicht überliefert. Im Zweifel dürfte dieser noch unterhalb des in Hannover üblichen liegen. Da ihm sein Lieblingsgegner, der frühere AR-Vorsitzende Krumnow, durch dessen vorzeitigen Rücktritt abhanden gekommen ist, muss er sein Visier neu einstellen. Sein neues Druckmittel heißt „Fragen, die im Rahmen von Sonderprüfungen geklärt werden sollen“. Jetzt sind Fragen nicht nur ein gutes Recht der Aktionäre, sondern sogar eine Pflicht. Spätestens seit der Sesamstraße weiß jedermann „Wer nicht fragt bleibt dumm“. Also, wer etwas wissen will, muss fragen. Und wer viel wissen will, stellt viele Fragen. Wer aber so viele Fragen stellt wie es Frederiksen für die HV angekündigt hat, der will nicht viel wissen, sondern bewusst die Verwaltung blockieren. Damit wird er garantiert noch weniger Aktionäre auf seine Seite ziehen als bisher.
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In eigener Sache.
Die Akzeptanz der Fanseite der Bissigen Bemerkungen übertrifft alle Erwartungen. Jetzt ist erstmals auch ein Video auf dieser Seite eingestellt. Schließlich darf man der Neuzeit nicht zu sehr „hinterher hinken“. Auch die Seite www.karl-born.de, insbesondere Unterseite Vorträge, ist bunter geworden. Fortsetzung folgt!

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Ist am Mittwoch wieder Murmeltiertag bei der TUI-Hauptversammlung?

Vor einem Jahr, bei der letzten TUI-Hauptversammlung, war ganz großes Kino. Und Überlänge gab es noch kostenlos dazu. Also liebe Kleinaktionäre, falls Sie letztes Jahr dieses Ereignis verpasst hatten, schreiben Sie es sich für diesen Mittwoch dick in den Kalender und vor allem nehmen Sie sich zu diesem Datum auch für den späten Abend nichts mehr vor. Es könnte länger dauern.
Frederiksen wird wahrscheinlich nicht selbst auftreten, sondern seinen Vorzeige-Wikinger Olav Troim schicken. Und der wird wieder schrecklich „donnern“. Verständlich, dass da viele Kleinaktionäre kräftig applaudieren, vor allem wenn sie gefrustet über den Aktienkurs sind. Aber unabhängig vom kräftigen Händeklatschen sollten Sie die Rede des blonden Hünen als das nehmen was sie ist: Eine skandinavische Märchenstunde. Angelehnt an Hans Christian Andersen könnte man eher an „Den Jungen mit den Schwefelhölzern“ denken. Denn gezündelt wird kräftig.

Sehen wir es realistisch. Die Erfolge dieser Heuschrecken wie Frederiksen, Wysser-Pratte u.a. stammen ausnahmslos aus (sehr) früheren Zeiten. Überall wo sie zuletzt eingestiegen sind, gab es außer Krawall nichts Positives zu berichten. Und ganz aktuell haben diese Leute offensichtlich auch kein besseres Rezept gegen die Auswirkungen der Finanzkrise. Im Gegenteil sie leiden fast überproportional darunter. Und so selbstlos wie Olav Troim letztes Jahr tat (man war fast zu Tränen gerührt), sind er und sein Boss gewiss nicht. Der Kommentar eines Sitznachbars „Die Wikinger vermischten immer Raub und Handel“ (siehe hierzu mehr in der Egilssaga) war mehr als treffend.

Deshalb sollte auch der im letzten Jahr so aktive Aktionärsverein (Vereinigung der Aktien besitzenden Mitarbeiter) in diesem Jahr etwas weniger sentimental die (berechtigten!) Interessen der Belegschaft in den Vordergrund stellen, sondern angesichts des im Saal versammelten „Kapitals“ darauf hinweisen, dass die Interessen von Frederiksen mit der zumindest numerischen Mehrheit der Kapitaleigner im Saal alles andere als deckungsgleich sind.

Unabhängig von alldem wozu sich einiges sagen lässt, ist die angedachte (aber noch nicht gemachte) Entwicklung der TUI zurück zu den touristischen Wurzeln, nicht nur meine persönliche Lieblingsvariante, sondern wahrscheinlich die letzte tragfähige.

Gerne verzichten könnte man, das wird leider nur ein frommer Wunsch bleiben, auf die „Gottesstrafe für Aktionärsbesitz’“ in Person solcher „räuberischer Aktionäre“ (Zitat: Süddeutsche) wie Caterina Steeg, Klaus E.H. Zapf u.a. Wer aber dieses Jahr seine masochistischen Fantasien noch nicht ausgelebt hat, sollte auf jeden Fall bis Ende der Hauptversammlung bleiben. Und wie gesagt, sicherheitshalber sich nichts für den nächsten Vormittag vornehmen, es kann wieder länger dauern.

Wenn es gar zu schlimm wird, denken sie an diese Geschichte. Sagt eine Reisebüroinhaberin „Heute war wieder kein Schwein bei uns im Büro zum Buchen“. Antwort: Na klar, wir haben ja auch Schweinegrippe.
Sie können darüber nicht lachen? Dann bleiben Sie am Mittwoch bis 23.00 Uhr, dann lachen Sie garantiert nur noch über einen solchen Schwachsinn.

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Lieben Sie großes Kino, möglichst mit Überlänge? Dann hätten Sie die TUI-Hauptversammlung besuchen sollen

Die „Erwartungen“ an die TUI Hauptversammlung waren hoch, kein Wunder, dass mit einer Präsenz von über 71% ein neuer Rekordwert erreicht wurde. Zwar ließ sich der große Kontrahent Frederiksen entschuldigen, aber sein Vertreter Tor Olav Troim, fast zwei Meter groß, mind. 130 kg schwer, mit üppiger blonder Haarpracht, erfüllte voll das Klischee des angriffswilligen Wikingers. Wie heißt es in der Sage: „Furchtbar fährt T(h)or daher, rollend, donnernd. Doch noch schrecklicher ist er, wenn er seinen Hammer Mjölnir auf seine Feinde schleudert“. Und das tat er dann auch. Es waren schon schwere Geschütze die, unter kräftigem Beifall der meisten Anwesenden, gegen TUI-Management und TUI-Aufsichtsrat abgefeuert wurden.
Nur die immer wieder von ihm erwähnte „Selbstlosigkeit“ mit der sich Frederiksen bei TUI engagieren will, hat wohl bei einigen zumindest Nachdenken einsetzen lassen. Ohne Zweifel haben einige Aufsichtsräte noch ureigene Handelsinteressen mit der TUI, aber würde bei Frederiksen der Interessenkonflikt nicht spätestens beim Verkauf/Börsengang der Hapag Lloyd zutage treten? Kommentar eines Sitznachbars: „Die Wikinger vermischten immer Raub und Handel“ (eine entsprechende Stelle haben die BBBs tatsächlich in der Egilssaga gefunden).

So endete die Hauptversammlung wie von den Bissigen Bemerkungen vor einer Woche in der „Wildwest-Geschichte“ vorhergesagt: „Am Mittwochabend wird Michael Frenzel mal wieder als Lucky Luke nach Hause reiten“. Aber er wird jetzt noch mehr „poor lonesome cowboy“ sein als zuvor.

Auch im Vergleich zum Western „12 Uhr mittags“ lagen die BBBs zumindest mit der Zahl 12 richtig, denn exakt 12 Stunden dauerte die Hauptversammlung. Allerdings waren zu diesem Zeitpunkt fast alle Kleinaktionäre schon längst zuhause. Satt gegessen, kleine Geschenke mitgenommen, netten Nachmittag erlebt und das persönliche Stimmrecht beim Abgang an einen TUI-Mitarbeiter übertragen, waren sie zufrieden (denn so richtig wollen sie ja keine Änderung). Damit haben sie sich aber vor allem die total nervigen Schlussstunden der Hauptversammlung erspart.

Denn mit dem dritten Western-Vergleich von letzter Woche lagen die Bissigen Bemerkungen etwas schief. Im Unterschied zur „Schießerei am O.K.-Corral“ von Wyatt Earp und Co gegen die McLaurys und Co, tauchte am Mittwoch in der Hauptversammlung noch eine dritte Bande auf (Anm. der Red.: „Bande“ ist hier mehr im Sinne des literarischen Vergleichs und weniger im modern-rechtlichen Sinne gemeint): Berufskläger oder auch Berufsoppositionelle genannt. Die Methoden dieser „Parasiten der Aktionärsdemokratie“ sind simpel. Sie kaufen wenige Aktien eines Unternehmens und provozieren auf der Hauptversammlung Rechtsfehler, in dem sie endlos Fragen stellen, das Rednerpult blockieren, die gesamte Veranstaltung nerven und anschließend Beschlüsse anfechten (und für die Rücknahme versuchen eine Abfindung zu „erpressen“).

Da trat beispielsweise ein Mann, weißes Haar zum Zopf gebunden, weißer Zottelbart Marke „früher Thierse“, mit Trainingsjacke, kurzen (!) Jeanshosen und einer Mischung von Basketball- und Bergsteigerschuhe ans Rednerpult. Jedes der beschriebenen „Merkmale“ wäre nicht berichtenswert, der Mix aus allem macht das „Besondere“. Erster Gedanke: ein verkleideter Animateur aus dem Robinson Club, der von der TUI zur Auflockerung der Versammlung aufgeboten wurde. Dieser „Mensch“ redet aber so wirr, dass man als nächstes an Hape Kerkeling (und seinen Auftritt als Opernsänger – „Hurz“) dachte. Leider auch falsch. Es ist nur Klaus E.H. Zapf, einer der oben genannten Konsorten (im Nebenberuf Umzugsunternehmer in Berlin). Sein Markenzeichen „Ich mache mir alle Anträge meiner Vorredner zu eigen“ erfordert nur Standvermögen, sein eigenes Denkvermögen kann dabei stark minimiert bleiben.

Noch schlimmer war Frau Caterina Steeg, eine räuberische Aktionärin (Zitat Süddeutsche), eine Art Gottesstrafe für Aktionärsbesitz. Schon Minuten vor ihrem Auftritt läuft sie vor der Versammlung wie auf einem imaginären Laufsteg hin und her (und nervt damit schon optisch). Die Frau ist nicht in der Lage in einem normalen Tonfall zu sprechen, sie schreit völlig überdreht, stellt in theatralischen Formulierungen ihre (zumeist unsinnigen) Fragen und fällt, je später der Abend, auch etwas aus der Rolle. Zu allem Unglück wiederholt sie dann öfters ihre Fragen, auch jene die beantwortet wurden.

So gegen 22 Uhr wünschten die letzten Anwesenden Frau Steeg, der liebe Gott möge jetzt ein Wunder geschehen lassen und Frau Steeg aus dem Saal entfernen. Aber leider, wie so oft, war der Gefragte wohl mit anderem beschäftigt. Dabei können alle noch von Glück reden. Bei Infomatec endete letzten Jahres die Hauptversammlung unter besonderer Mitwirkung von Zapf und Steeg erst gegen morgens 3.55 Uhr. Da sollte der TUI-AR-Vorsitzende Krumnow, der nach Angaben des Handelsblatt gleich am Tag nach der TUI-Hauptversammlung seinen (gebuchten?) Urlaub antrat, für nächstes Jahr zeitlich etwas vorsichtiger planen. Sofern sich für ihn diese Frage dann noch stellen sollte.

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High Noon oder Lucky Luke: Wie endet die TUI Hauptversammlung?

Als 1998 die Preussag AG sich an der TUI beteiligte, meinte einer der profilierten Vertreter der Vorbesitzer „jetzt kommen die Cowboys“.
In jedem guten Western kommt es irgendwann zum großen Showdown. Am Mittwoch ist es (mal wieder) soweit: TUI Hauptversammlung.

An welches historische Vorbild mag man denken? Natürlich zuerst an High Noon. Stimmt zumindest tageszeitlich. Vielleicht nicht ganz, die Entscheidung wird schon mehr in Richtung High Afternoon gehen. Aber „Mann gegen Mann“ respektive Frenzel gegen Frederiksen, könnte stimmen.

Aber wahrscheinlich ist diese Betrachtungsweise zu personalisiert. Hinter beiden stehen letztlich noch andere Interessengruppen. Also mehr „Schießerei am O.K. Corral“? Die drei Earps und Doc Holliday gegen die beiden McLaurys und die beiden Clantons? Damals Tombstone, jetzt Hannover?

Die bissigen Bemerkungen entscheiden sich für eine dritte Variante. Am Mittwochabend wird Michael Frenzel mal wieder als Lucky Luke nach Hause reiten und leise vor sich hin pfeifen „I`m a poor lonesome cowboy, and a long way from home“. Wo immer „Home“ von TUI AG sein mag. Wahrscheinlich weiß das auch Lucky Luke nicht.

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