Frau Bundeskanzlerin, wann machen Sie Urlaub in der Türkei?

Da ist mir gerade am Wochenende ein Werbeprospekt der TUI auf den heimischen Schreibtisch geflattert, mit Angeboten für Türkei, Griechenland, Ägypten und Karibik (in dieser Reihenfolge). Damit weiß man nun auch, wo es buchungsmäßig am meisten brennt. Jetzt sind die Touristen wieder mal gefordert, den unter Druck geratenen Zielgebieten zu helfen. Liebe Touristen, reist in die Türkei, nach Griechenland, nach Ägypten (muss ja nicht gleichzeitig sein) und zeigt Eure Verbundenheit mit den Menschen dort, die unglaublich unter den schlechten Buchungszahlen leiden. In einigen Gebieten ist der Tourismus die einzige Einnahmequelle. Liebe Touristen, erinnert Euch an die tolle Gastfreundschaft, die ihr schon oft dort erfahren durften. Mit einer Urlaubsreise in diese Gebiete würdet ihr einen wesentlichen Beitrag zur politischen Stabilität leisten.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, Ihren letzten Urlaub haben Sie in der Schweiz verbracht. Politisch gesehen war dieser Urlaub verschwendet. Die Schweiz braucht in keiner Weise unsere besondere Zuneigung. Durch die Wechselkursfreigabe Franken/Euro hat die Schweiz dem Schweizer Tourismus sogar sehr geschadet. Das müssen Sie, Frau Bundeskanzlerin, nicht unterstützen.

Frau Bundeskanzlerin, gehen Sie jetzt mit gutem Beispiel voran und verbringen Sie Ihren nächsten Urlaub in der Türkei. Sie sind doch gerade in besonderer Weise auf die Hilfe der Türkei angewiesen. Ihr Urlaub in der Türkei wäre ein riesiger Solidaritätsbeweis gegenüber der Türkei und Herr Erdogan würde sich ganz bestimmt sehr freuen. Etliche tausend Deutsche würden Ihrem Beispiel folgen und noch schnell ihre Urlaubsplanung Richtung Türkei ändern.

Liebe Frau Bundeskanzlerin, erklären Sie diese Absicht recht bald. Je schneller Erdogan sich freut, desto schneller können Sie dort auch politische Erfolge erzielen. Die Zeit wird knapp, bis zum 13.März sind es nur noch drei Wochen.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Der Tourismus der letzten 60 Jahren hat mehr für den Frieden in Europa bewirkt als der Euro.

In den letzten Tagen wird, insbesondere von der Bundeskanzlerin, die
„friedensstiftende Wirkung“ des Euro beschworen, z.B. mit Sätzen wie „Die Währung ist auch ein Garant für Frieden“. Schon Helmut Kohl meinte zu seiner Zeit der Euro sei „eine Frage von Krieg und Frieden“.

Abgesehen davon, dass es in der geschichtlichen Vergangenheit genug Beispiele für „wenig friedensstiftende Wirkung“ innerhalb eines Währungsraumes gibt, wie u.a. der amerikanischer Bürgerkrieg (trotz gemeinsamen Dollar) und der Zerfall der Sowjetunion (trotz gemeinsamen Rubel) zeigen, war auch ohne gemeinsame Währung seit 1945 Frieden in Mitteleuropa (weil Deutsche keinen Krieg mehr gegen ihre Nachbarländer führten!). Es ist auch nicht anzunehmen, dass Griechenland nach eventueller Wiedereinführung der Drachme einen Angriffskrieg gegen uns starten würde.

Man kann dagegen behaupten, dass der Tourismus der letzten 60 Jahren viel mehr für Völkerverständigung und Frieden in Europa bewirkt hat als in den letzten Jahren der Euro.
Wie schrieb schon der Schriftsteller und Nobelpreisträger John Steinbeck: „Der Fremdenverkehr und das Reisen fördern den Frieden. Es ist beinahe unmöglich ein Volk zu hassen, das man näher kennen gelernt hat.“ So gab es die erste Begeisterung für italienische Lebenskultur (und deren teilweise „Import“ nach Deutschland) schon bevor die ersten italienischen Gastarbeiter nach Deutschland kamen. Selbst die internationale Politik hat es 1975 hervorragend formuliert. In der Schlussakte der blockübergreifenden Konferenz KSZE („Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“) stand: „Die teilnehmenden Staaten sind sich des Beitrags bewusst, den der internationale Tourismus zur Entwicklung eines gegenseitigen Verständnisses zwischen den Völkern liefert.“
Nicht ohne Grund war 1989 „Reisefreiheit“ das Wort des Jahres. Dies zeigte die immense Bedeutung von Tourismus für Völkerverständigung und Frieden.

Dies sollte nur erwähnt werden, weil man in den letzten Jahren immer mehr den Eindruck gewinnen konnte, wie wenig die Regierung das Thema Tourismus schätzt (es sei denn, es ginge um eigene Auslandsreisen der Regierungsmitglieder, da ist auch unser Verkehrsminister ein Super-Tourist).
————————————————-

In eigener Sache:
In der letzten Woche erfolgte ein außergewöhnlich hoher Zugriff auf die Seiten der Bissigen Bemerkungen (höchste Besucherzahl seit der Brähmig-BBB). Bei der (mitunter) selbstkritischen Betrachtung der eigenen Kolumne, konnte man angesichts des Themas der letzten Woche etwas verwundert sein. Es stellte sich heraus, dass das rege Interesse weit überwiegend den Bissigen Bemerkungen vom 30.4.2012 „Direct4you in den Sturzflug“ galten. In einigen Emails wurde Übereinstimmung zum Inhalt dieser BBBs geäußert. Insbesondere der letzte Satz: „Aber jedem, der einmal Lufthanseat war, blutet das Herz, wie hier eine Marke in den Sturzflug getrieben wird.“ verursachte bei vielen (noch) aktuellen Lufthanseaten zustimmende „Herzschmerzen“.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Griechenland: Rechtsgrundlage nach Ausstieg

„Griechenland: Rechtsgrundlage nach Ausstieg“
travel tribune, 31.5.2012

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

So wird das nie was mit der Tourismusbranche

Hier drei Beispiele für diese Behauptung:

1. Die Sonnenscheinbranche, warum eigentlich?
Eigentlich hat die Branche Probleme ohne Ende. Luftverkehrsabgabe, Zwangs-Emissionshandel für unsere Airlines, Steigende Ölpreise, Nachfragedesaster durch den arabischen Frühling und in Griechenland, seit Jahren sinkendes frei verfügbares Einkommen (außer für Spitzenverdiener), neue Hotelsteuern in vielen Städten, steigende Mehrwertsteuer für Flussschiffe, Nachtlandeverbote, permanent steigende Kosten durch die Zersplitterung der Flugsicherung in Europa bewirken eine Umsatzrendite die zum „Totlachen“ ist und das darf wörtlich genommen werden. Reisebüros überleben entweder durch „sehr niedrige Gehälter“ oder durch Selbstausbeutung der Inhaber. Jede andere Branche hätte inzwischen im Wirtschaftsministerium und im Kanzleramt „die Tische umgeworfen“. Automobilbranche, Pharmaindustrie, Bauernverband seien nur als herausragende Beispiele genannt.
Doch was macht die Tourismusbranche? Sie lächelt. „Es geht uns gut“ als Dauer-Mantra. Ob ITB, DRV-Jahrestag oder BTW-Gipfel: „es geht uns gut“. Und dann wundert man sich, dass „die Politik nichts für uns tut“. Warum auch, es geht „uns doch gut“.
Lache Bajazzo, verwandle in Witze die Schmerzen und die Tränen.

2. Personen und ihre Aussagen stehen für Respekt für eine Branche
Zum „Nicht-Ernstnehmen“ passt kaum eine Person so gut wie der Vorsitzende des Tourismusausschusses im Bundestag, Klaus Brähmig. Seine Aussage unmittelbar vor der ITB, Touristen sollen nicht nach Ägypten reisen, war ein Schlag ins Gesicht des ITB-Partnerlandes Ägypten. So wurde noch nie ein Partnerland brüskiert. Jetzt mag man bei uns in Deutschland sagen, „war doch nur der Brähmig, den nimmt doch eh niemand für ernst“. Richtig! Aber unsere Partner denken, der Vorsitzende eines Bundestagsausschusses müsste doch eine wichtige politische Person sein. Und von wegen „Missverständnis“. Dieses Thema ist bekanntermaßen seine Spielwiese. Die BBBs haben schon mehrfach darauf hingewiesen, dass diese Denkweise auch inhaltlich falsch ist (zuletzt in den BBBs vom 25.7.2011 „Warum sollen Urlauber moralischer sein als die Bundeskanzlerin“).
Seine, sagen wir mal „etwas komische“ Ansicht über Tourismus, zeigte sich auch in seiner Ansprache beim Parlamentarischen Abend der DZT. Originalton Brähmig zur Bezahlung im Tourismus: „Dienen am Menschen muss besser bezahlt werden als Dienen an einer Maschine“. Hallo, ist Tourismus „Dienen“? Im Wort „Dienstleistung“ geht es um einen „Dienst leisten“. Von Dienen ist da überhaupt nicht die Rede. Hier von „Dienen“ zu sprechen, sorry, das ist finsteres Mittelalter. Wenn solche Politiker im politischen Betrieb Tourismus repräsentieren, dann darf man sich nicht wundern dass „Tourismus“ im Berliner Betrieb nicht ernst genommen wird. Hier ist dringend eine Veränderung erforderlich!

3. Nur wenig Innovation im ITB-Betrieb.
Wenn vor einigen Jahren ein ITB-Besucher ins Koma gefallen wäre und man hätte ihn jetzt ohne Zusatzinformation durch die Hallen schlendern lassen, er würde garantiert nicht merken, dass Jahre vergangen seien. „The same procedure as every year“, man hörte es an allen Ecken und niemand störte es. Fast niemand. Selbst bei den abendlichen Parties grüßte das „Murmeltier“ sehr herzlich.
————————————————-
Nach längerer Abstinenz gibt es diese Woche wieder akustische Bissige Bemerkungen im Reiseradio (www.reiseradio.org), diesmal live aufgenommen auf der ITB. Außerdem im Reiseradio Dr. Michael Frenzel, Dr. Adrian von Dörnberg, Reinhold Messner und, unvermeidlich, ein „paar Töne“ zum Tourismus-Schreck Klaus Brähmig.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)

Wem gehört das Gebiss?

Griechische Fischer fanden eines morgens in ihren Netzen ein Gebiss. Tourismusorientiert wie unsere griechischen Freunde sind, werfen sie dieses nicht ins Meer zurück, sondern bringen es zu einem Reiseveranstalter.
Was dann folgt ist wieder einmal eine Ruhmestat für den Pauschaltourismus. Der Reiseveranstalter fragt in sämtlichen Touristenhotels und –bars nach, ob irgendwo ein zahnloser Tourist gesehen wurde. Und die Bemühungen werden vom Erfolg gekrönt, der Besitzer wird gefunden, ein 59jähriger Engländer.

Auf die Frage warum er so zielsicher auf Touristen zugesteuert sei, der Verlierer hätte schließlich auch ein Einheimischer oder ein Mitarbeiter der Reiseveranstalter sein können, antwortete er: Wir Griechen haben keinen Grund unseren Mund so weit aufzureißen und die Mitarbeiter der Reiseveranstalter müssen z.Z. so sehr die Zähne zusammenbeißen, von denen konnte auch niemanden das Gebiss verloren haben.

Und wieder können wir von Goethe lernen: „Ich beiße die Zähne aufeinander und spotte über mein Elend“ (Weim. Ausg. 19,60). Das gilt im und außerhalb des Wassers.

Laut einem Bericht von Freie Presse online vom 26.10. sind verlorene Gebisse zum Beispiel in Hotels nichts außergewöhnliches, eher die Örtlichkeit wo sie gefunden werden. Wenn z.B. ein Gebiss im Safe gefunden wird, neben einem Bündel Geldscheine, so muss man sich fragen, welche Funktion dieses Gebiss eigentlich erfüllen muss. Angeblich werden zur Zeit in Hotels verstärkt angebrochene Viagra-Schachteln gefunden, was im Zusammenhang mit Gebiss insofern von Bedeutung sein könnte, weil in der Traumdeutung verlorene Zähne als Symbol für verlorene Potenz gelten. Im Unterschied zu unseren griechischen Freunden, würde ein Hotel aber sich nicht um Nachsendung bemühen, weil sowohl Viagra-Schachteln, wie auch Damennachthemden, teurer Schmuck, u.ä. zuhause peinliche Nachfragen auslösen könnten. Ebenso muss man von liegengelassenen Handschellen nicht unbedingt auf die Vergesslichkeit eines Polizisten schließen und kann die Nachsendung zurückstellen. Wie man jedoch sein Holzbein vergessen kann, wie in einem Novotel geschehen, wird einem Außenstehenden wohl unerklärlich bleiben.

Ihr Feedback, Ihre Anregungen, Ihre Meinung ist gern gesehen. (hier klicken)