Beim Volksbegehren in Berlin geht es nicht nur um Tempelhof – sondern um viel mehr

Am nächsten Sonntag, dem 27.April 2008, findet in Berlin etwas sehr Seltenes statt. Ein Volksbegehren. Wenn man weiß wie hoch die Hürden liegen um so etwas durchzusetzen, dann weiß man auch, da geht es nicht um die Meinung einer kleinen Gruppe. Ein Volksbegehren ist so eine Art Schweizer Urdemokratie. In diesem Falle geht es um den letzten Versuch bürgerlicher Vernunft sich gegen eine unglaubliche Arroganz der (herrschenden) Macht zu wehren.

Um es ganz deutlich zu sagen: Die „Bissigen Bemerkungen“ sind parteipolitisch (fast) neutral. Und sich vor den Karren der Berliner CDU und Herrn Pflüger spannen zu lassen, wäre so ziemlich das letzte was die BBBs jemals machen würden.
Aber wenn man mit ansehen muss, wie in Berlin aus unglaublicher Kurzsichtigkeit die Zukunft des Berliner Flugverkehrs verspielt wird, kann man als Tourismusinteressierter nicht schweigen.

Wir wollen die alten Geschichten nicht aufwärmen, sondern stellen aus Überzeugung hier fest:
1. Der neue Großflughafen wird schon bei seiner Eröffnung zu klein und kurz danach sogar sehr zu klein sein. Das ist planerisch angesichts der Vorlaufzeiten und dem starken Wachstum des Flugverkehrs keine Schande. Aber in München und anderswo hat man (im Gegensatz zu Berlin) daraus gelernt.
2. Einen innerstädtischen Airport zumindest für die kleinen Business-Flugzeuge haben zu können (um den Großflughafen nicht unnötig zu belasten): da schaut die ganze Welt neidvoll nach Berlin.

Jetzt wäre es legitim, wenn die „Herrschenden“ im Zuge des Volksbegehrens wenigstens versuchen würden mit Fakten zu argumentieren. Aber da sie offensichtlich keine haben, wurden Plakate auf einem so niedrigen und primitiven Niveau entworfen, dass dem Senat zumindest ein Titel sicher ist: Niedriger gehts nimmer!

Der absolute Tiefpunkt ist das Plakat mit Mutter und Kind auf dem Arm und dem Spruch: „Flughafen für Superreiche. Wir lassen uns doch nicht auf den Arm nehmen“.
Noch primitiver und Fakten verdrehender geht’s wirklich nicht. Und wenn das Kind mal älter ist, wird es erkennen, dass es nicht nur von seiner (bildlichen) Mutter, sondern auch vom Senat „auf den Arm genommen“ wurde. Spätestens dann, wenn in einigen Jahren Flugverkehr weg von Berlin verlagert wird.

Nicht viel besser ist das Plakat mit dem Berliner Bauarbeiter und dem Spruch: „Ick zahl doch nicht für`n VIP-Flughafen“. Nochmals so ein primitiver Neidsatz. Und das ausgerechnet in Berlin, wo der „Bauarbeiter“ und andere ehrbare Bürger noch generationenlang für Banken- und andere Berliner Skandale zahlen müssen.

So ganz nebenbei wird natürlich verschwiegen, dass der Bund (mittlerweile wiederholt) verbindlich angeboten hat, die Betriebskosten für Tempelhof bis 2011 zu übernehmen. Also müsste die richtige Sprechblase des Bauarbeiters lauten: „Ick zahl doch nicht für`n sturen Wowereit“.

Sollen wir noch über das Nachnutzungskonzept des Senats für Tempelhof reden?
Eigentlich nicht. Jahrelang war man untätig und jetzt kurz vor Schluss kommt ein Schnellschuss. Für Hintertupfing-Ost wäre dieser Nutzungsplan sicherlich eine Sensation, für die Hauptstadt Berlin ist er eher eine Peinlichkeit.

Liebe Berliner, gerade weil die „Superdemokraten“ Wowereit und andere schon erklärt haben, dass sie die Meinung der Berliner in diesem Volksbegehren eigentlich überhaupt nicht interessiert, zeigt Power. Geht wählen am Sonntag pro Tempelhof. Es geht nicht um Superreiche, sondern um die Zukunft von Berlin. Die „Bissigen Bemerkungen“ drücken die Daumen für einen Erfolg.

(siehe auch BBB vom 14.1.2008 „Mein Knut heißt Tempelhof“)

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