Warum Borussia Dortmund nicht Deutscher Meister werden kann

Diese Bilder sind bekannt: Bayern München feiert die Meisterschaft auf dem Rathausbalkon am Marienplatz. Und immer wenn ein „Nobody“, wie beispielsweise Hoffenheim an der Spitze der Bundesliga stand, wurde geunkt, „kann nicht Deutscher Meister werden, hat keinen Rathausbalkon“.
Jetzt steht Dortmund an der Spitze, die hätten einen Rathausbalkon. Aber die Dortmunder haben ein anderes Problem und das ist ihr Flughafen. Am letzten Sonntag hatten die Dortmunder gleich doppeltes Flughafen-Pech. Nach dem Sonntagspiel in Nürnberg ließ zuerst der Flughafen Nürnberg die Dortmunder in ihrem Flugzeug warten. Um 20.45 Uhr stand das Flugzeug bereit zum Rückflug nach Dortmund, aber erst um 22.00 Uhr begannen die Franken mit der Enteisung der Maschine. Unschön, aber Nürnberg hatte auch 2:0 verloren, da kann das Engagement der Flughafenmitarbeiter schon mal ein wenig darunter leiden.

Aber der größere Schocker sollte kurze Zeit später folgen. Durch den verspäteten Abflug in Nürnberg kam die Turboprop der OLT mit der Dortmunder-Mannschaft auch entsprechend später in Dortmund an. Liebe Leserinnen und Leser der BBBs, Sie werden es nicht glauben: Genau 29 Sekunden vor dem geplanten Aufsetzen (nur zur Wiederholung 29 Sekunden, nicht Minuten) machte der Flughafen Dortmund die Schotten dicht. Das im Landeanflug befindliche Flugzeug musste abdrehen und in Paderborn landen. Provinzieller geht es nicht mehr.

Stellen Sie sich mal vor. Dortmund wird nach einem Auswärtsspiel Deutscher Meister, zuhause warten die Fans auf die erfolgreiche Mannschaft und der Tower am Flughafen macht wieder dicht und die Fans warten vergeblich. Da lacht doch nicht nur ganz Schalke.

Was bringt uns diese Geschichte an Erkenntnis?
Um Deutscher Meister zu werden braucht man also
a) einen Rathausbalkon und
b) einen funktionierenden Flughafen.
Jetzt schauen Sie sich mal die ersten fünf Mannschaften der Bundesliga an, die auf den sog. internationalen Plätzen liegen. Wer davon hat nun beides, Rathausbalkon und funktionierenden Flughafen?

Richtig, Hannover!

Alles klar?

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) werden diese Woche interviewt:
Dieter Kaden, der Gründungspräsident des neuen Bundesverbands der Luftverkehrswirtschaft (endlich lernt die Branche mit einer Stimme zu sprechen),
Christian Göke, Geschäftsführer der Messe Berlin, mit Erfolgsmeldungen über die ITB 2011 und
Mario Köpers, zur Hai-Hysterie am ägyptischen Badestrand.
Letzteres ist u.a. auch Thema in den akustischen Bissigen Bemerkungen. Eine falsch angepackte Werbekampagne wird hier als Verursacher für den Hai-Hype vermutet. Daneben werden wie gewohnt noch weitere Doofheiten dieser Woche aufgespießt.

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Engländer können keine Elfmeter schießen und können keine Buchhaltung

Dass Engländer keine Elfer schießen können ist jedem deutschen Fußballfan bestens bekannt. Dass Engländer auch Probleme mit der Buchhaltung haben, ist zumindest den „Fans“ (?) in Hannover neu.

Aber man kann die englischen Touristiker, oder präzise gesagt jene von TUI Travel, gut verstehen. Da werden sie als so große Experten gepriesen, dass sogar die Deutschen den Engländern ihr eigenes Geschäft anvertrauen Da wollten die Briten natürlich auch mit tollen Ergebnissen protzen, zumal, wie in angelsächsischen Breitengraden üblich, das Ergebnis sich auch sehr proportional im persönlichen Gehalt niederschlägt. Wer so etwas verinnerlicht hat, der findet Preisnachlässe, Stornierungen und andere Gemeinheiten die so von den Kunden ausgelöst werden, doch nur lästig. Ist wohl logisch, dass man solche Kleinigkeiten mal beim Verbuchen vergessen kann. Ohne ist auch schöner! (wohlgemerkt ohne Verbuchen ist hier gemeint).

Und das ist vier Jahre lang niemand aufgefallen? Mein Gott, was sind schon vier Jährchen, wenn man sich auf eine englische Reisetradition seit 1841 berufen kann. Obwohl, eigentlich steht dies nur dem Konkurrenten Thomas Cook zu und ob der alte Cook neben seinen genialen touristischen Erfindungen auch ein guter Buchhalter war, ist in der historischen Literatur nicht überliefert. Seine Nachfolger, egal in welchem britischen Laden, waren wohl nicht so die großen Kaufleute, deshalb wurden die großen Veranstalter irgendwann der Reihe nach von den Deutschen „gefressen“. Wieso dann das Geschäft wieder an die Engländer zurückgegeben wurde, ist vielen germanischen Touristikern unklar geblieben (siehe BBB vom 8.1.2007 „Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristik-Firmen“). Aber die Verantwortlichen in Deutschland dachten, außer Elfmeter schießen, können die Engländer alles andere besser. Wenn man sich die dortigen touristischen Ergebnisse in jüngerer Vergangenheit allerdings ansieht, konnten einem schon in den letzten Wochen Zweifel kommen. Thomas Cook England, also die neuen Cookies (nicht der alte Thomas), versuchten vor kurzem ihr Ergebnis zu retten, indem sie mit Brachialgewalt (jahrzehntelange koloniale Erfahrung zahlte sich hier aus), die Rechnungen der türkischen und spanischen Hoteliers um 15% kürzten. London ist eben immer für eine Überraschung gut.

Kommen wir nochmals auf unseren Ausgangsfall zurück. Wie erwähnt, ist es gute angelsächsische Tradition, die Gehälter der Bosse sehr proportional an das Ergebnis zu koppeln. Als Ebit wird dann, damit die Ausgangsbasis richtig hoch wird, zumeist der „Ebit v.a“ verwendet, das steht für „Ergebnis vor allem“ (kleiner Scherz!). Und wie gesagt, da waren die fehlenden Buchungen sehr hilfreich. Wenn nun die vergessenen Milliönchen aus den Vorjahren nachgebucht werden, dann wird dies wiederum unterhalb des Ebit (v.a.) erfolgen und das laufende Ergebnis wiederum nicht belasten. Mit der Konsequenz ….. na Sie wissen schon… es belastet nicht die Berechnungsbasis für das Gehalt. Aber da wird die berühmte Karl-Wiechert-Allee 4 wohl dafür sorgen, dass es nicht so kommt! So wie „Elfmeter-Nicht-Können“ automatisch Konsequenzen nach sich zieht, muss es bei „Buchhaltung-Nicht-Können“ wohl ebenso sein. Peter Long als Wayne Rooney der Touristik. .
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Achtung Werbeblock:
Die Bissigen Bemerkungen machen normalerweise keine Werbung für Fremde. Das ergibt sich aus dem eigenen Selbstverständnis. Aber (fast) jede Regel kennt auch Ausnahmen. Liebe BBB-Leser, sollten Sie in den nächsten Wochen in die Nähe von Hildesheim kommen, dann besuchen Sie dringend die „Duckomenta“ (www.duckomenta-ausstellung.de). Die Kommentare die dort neben den Bildern hängen haben absolutes BBB-Niveau. Noch nirgendwo haben wir die ironische Betrachtungsweise der BBB so perfekt angetroffen. Die Ausstellung läuft bis 1.5.2011.

Bei dieser Gelegenheit machen wir noch eine weitere Werbeansage, die wir schon länger machen wollten: Besuchen Sie im Hannover-Zoo den neuen Bereich „Yukon Bay“. So ein hohes Niveau verbunden mit einer außergewöhnlichen Liebe zum (unerwarteten) Detail hat in Europa wahrscheinlich kein anderer Zoo.

Ja, Niedersachsen macht sich. Zuerst die Überraschung Lena, dann die Überraschung 96, jetzt noch Duckomenta und Yukon Bay. Und was wir nicht mehr benötigen schicken wir nach Berlin (siehe „CW“).

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Im Reiseradio (www.reiseradio.org) wird u.a. dem neuen Trend Kulinarik gefrönt und in die Kochtöpfe von Mecklenburg-Vorpommern geschaut. In den akustischen Bissigen Bemerkungen geht es neben den Peanuts von TUI-Travel, um einen neuen Statistik-Tiefflug, namenlose Zug-Kontrolleure und um eine tolle Erkenntnis: Der Flughafen Zürich verzichtet auf seinen Body-Scanner (wieder einen Feind weniger für die BBBs).

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Es ist Weihnachtszeit, bitte nicht verwechseln

Ein Pilot der griechischen Fluggesellschaft Olympic Air hat die Flughäfen zweier Kykladeninseln verwechselt und versuchte auf Paros statt auf Naxos zu landen. Die dortigen Fluglotsen konnten dies in letzter Minute verhindern. Für deutsche Touristen dürfte dies allerdings keine große Rolle spielen. Da sie weder Paros noch Naxos kennen, hätten sie insofern die Verwechslung sicherlich nicht bemerkt, aber etwas Ordnung muss schon sein.

Eine noch größere Verwechslung ist dem Ex-Arcandor Boss Middelhoff passiert. Der hatte seine Zukunft mit seiner Vergangenheit verwechselt. Noch einen Tag vor seinem Ausscheiden überwies er (nur mit seiner Unterschrift versehen) 800.000 Euro Spende an die sog. Elite-Uni Said Business School in Oxford. Als Gegenleistung hätte er in Zukunft einen Sitz im Beirat dieser Uni bekommen sollen. Pech, spätestens als das Geld in Oxford ankam, war Middelhoff schon Vergangenheit.
Jetzt will der Insolvenzverwalter das Geld zurück, soviel Ordnung sollte schon sein.

Vor etwas mehr als einer Woche verwechselten die Fußballer von Hannover 96 permanent das gegnerische Tor mit dem eigenen. Drei Eigentore in einem Spiel, wenn auch zugegeben eines schöner als das andere, sind zwar viele Tore, aber leider gibt es dafür keine Punkte. Etwas Ordnung muss sogar im Fußball sein.

Diese drei Beispiele sollen zeigen, dass es unglaubliche Verwechslungen geben kann. Deshalb liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen ein gutgemeinter Hinweis, bei dem Fest Ende der Woche handelt es sich um Weihnachten und nicht um Ostern. Zwar bringt das Christkind genauso wenig die Weihnachtsgeschenke wie der Osterhase die Ostereier, insofern würde eine Verwechslung keine gravierende Rolle spielen, aber ein bisschen Ordnung im Kalender sollte schon sein.

In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest und verwechseln Sie bitte auch nicht Geben mit Nehmen. Es sei denn, Sie sind Investmentbanker oder Politiker, dann können Sie nicht anders.

Ihr
Karl Born

Liebe BBB-Leserinnen und –Leser, den nächsten Montag beabsichtigen die BBBs mit Nichtstun zu verwechseln. Also gedulden Sie sich bitte etwas länger auf die nächste Ausgabe. Am 4.1.2010 geht es dann wieder richtig rund, mit einem knackigen Ausblick in das Jahr 2010. Also nicht verwechseln, nächsten Montag keine BBBs, aber am 4.1. wieder neue BBBs.

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Abstieg, oh weh

Fußballfans kennen diesen tränenreichen Moment: Abpfiff im Stadion und der Abstieg steht fest. Time To Say Goodbye. Aber heute geht es nicht um Fußball-Abstieg, sondern um den Abstieg aus dem DAX. Seit 1990 spielte TUI (formerly named Preussag) in der 1. Liga. Bis jetzt.
„Nie mehr 2. Liga“ ist ein Supersong, „nie mehr 1. Liga“ weniger lustig. Denn ein Wiederaufstieg ist noch schwieriger als beim Fußball. Bislang schaffte dies nur ein einziges Unternehmen: Continental.

So ganz überraschend kommt das alles nicht. Schon am 30.8.2004 konnte man in den BBBS lesen: „Neues von der Bundesliga: Erstmals kämpft ein Logo gegen den Abstieg“. Damals war TUI, wie ein Wunder, nicht abgestiegen. Aber Wunder wiederholen sich selten. Und eines ist dieses Jahr ganz anders. Der von TUI gesponserte Fußballverein Hannover 96 steht auch auf dem letzten Platz. Hoffentlich berappeln sich wenigstens diese bis Ende der Saison. Denn „alter Arbeitgeber und Lieblingsverein abgestiegen“, da bekommt auch der Autor Beiß-Schmerzen.

Jetzt ist so ein Abstieg natürlich nicht gleich das Ende Welt. Jedes Schlechte beinhaltet irgendwo auch etwas Gutes (sagt man zumindest):
— TUI-CEO Frenzel ist nicht mehr dienstältester DAX-Chef. „Dienstältester“, das klingt nicht gerade frisch. Zumindest für einige Zeit ist er jetzt „dienstjüngster M-DAX Chef“, das klingt doch gleich jungendlicher.
— Ebenso muss Frenzel künftig nicht immer sein Gehalt in der Zeitung lesen. Die Gehälter der M-DAX Chefs interessiert kein Schwein.
— Die Presseabteilung der TUI AG hat künftig auch weniger Arbeit. Die „üblichen DAX-Umfragen“, wo der Chef Urlaub macht, was TUI zu x und zu y meint, fallen weg.
— Da es ohnehin ein (inzwischen unbestrittener?) Fehler war, dem Konzern den gleichen Namen wie dem Veranstalter zu geben, strahlen jetzt negative Nachrichten nicht mehr so stark auf den Veranstalter ab (weil von geringerer öffentlicher Bedeutung).
— Und nicht zu vergessen, wenigstens hieß der Aufsteiger nicht Salzgitter. Da hätten einige Preussag-Altaktionäre kräftig in ihre Aktie gebissen (wenn nicht sogar woanders hin).

Der Aufsteiger heißt K+S, ein offensichtlich sehr erfolgreicher Düngemittelproduzent. Da haben sich die BBBs doch aus Interesse mal die Zusammensetzung von Vorstand und Aufsichtsrat angesehen. Und über welchen Namen stolpert man da? Frau Jella S. Benner-Heinacher, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz . Klingelt es, lieber Leser?
Na klar, die Frau sitzt auch im Aufsichtsrat der TUI AG.
War doch „besonders lustig“ in 2007. Da kündigte der Vertreter der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Wolfgang Krafczyk, Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat an und seine Chefin sitzt oben auf dem Podium im Kreis der Aufsichtsräte. Aber so etwas von pikant.
Natürlich kann man mit Frau Benner-Heinacher diesen Joke nicht zweimal machen. Dieses Jahr, so hörte man es zumindest aus den Kulissen, sorgte sie persönlich rechtzeitig dafür, dass der aufmüpfige Kraftzyk nicht wie gewohnt auf der TUI HV sprechen durfte.
Na wie auch immer. Das ist wahrscheinlich auch einmalig in der DAX-Geschichte. Mit Frau Benner-Heinacher steigt ein Aufsichtsrat (mit TUI) ab und gleichzeitig (mit K+S) auf. Komischerweise fällt einem da der Volksmund mit dem Spruch ein „Kratzende Katzen fallen immer auf die Füße“. Aber streichen wir das wieder.

Etwas anderes ist wesentlich wichtiger und ziemlich ernst zu nehmen. Als einer der Begründungen für den fast kometenhaften Aufstieg von K+S wird der steigende Bedarf der Schwellenländer an Düngemittel genannt. „Düngemittel statt Tourismus“ für die positive Entwicklung der 3. Welt? Darüber sollte man mal nachdenken.

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